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Instrumente zur Minderung des Preisrisikos an der Börse

Soft Commodity Trading von Rohkaffee

Hausarbeit 2019 21 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einführung

2. Grundlagen
2.1. Soft Commodities
2.2. Entwicklung des Commodity Marktes
2.3. Börsen im Kaffeehandel

3. Kaffeehandel
3.1. Marktüberblick
3.2. Kaffeepreis
3.3. Börsenhandel zur Absicherung

4. Finanzinstrumente
4.1. Futures
4.2. Optionen
4.3. Varianten der Order und Sicherheiten

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Nationen mit dem höchsten Exportvolumen (in Tausend 60 kg Säcken)

Abb. 2: Handelsvolumen der Coffee C Futures nach Marktteilnehmer

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Szenario A – Der Kaffeepreis fällt

Tabelle 2: Szenario B – Der Kaffeepreis steigt

Tabelle 3: Gegenüberstellung von Arabica und Robusta Future Kontrakten

Abkürzungsverzeichnis

DKV: Deutscher Kaffeeverband

ICE: Intercontinental Exchange

ICO: International Coffee Organization

Lbs: Pfund, Gewichtseinheit

USD: US Dollar, Währung

EUR: Euro, Währung

OTC: Over The Counter (Direkthandel)

CFTC: Commodity Futures Trading Commission

MT: Metrische Tonne

1. Einführung

Kaffee ist eines der am meisten getrunkenen Getränke der Welt. Ein Produkt, dessen Markt sich in einem ständigen Wandel befindet. Der Kaffee hat seinen Namen aus der Region Kaffa in Äthiopien. Somit wird vermutet, dass die ersten Kaffeepflanzen aus Äthiopien stammen. Die Anbauregionen von Kaffeebohnen befinden sich rund um den Globus in der Nähe des Äquators, der sogenannte Kaffee-Gürtel. Allgemein ist der Kaffeehandel charakterisiert durch globale Transaktionen, da der Kaffeebaum im tropischen Klima wächst. Die Konsumenten dagegen befinden sich hauptsächlich in Industrieländern. Von den traditionellen Anfängen der Kaffeekultur hat eine umfassende Entwicklung bis heute den Umgang mit Kaffee geprägt. So spricht man heute bereits von der dritten Welle, der „Third Wave“ (Vgl. DKV, 2019, o.S.).

Kaffee ist ein Naturprodukt und dessen Ernten können je nach Umweltbedingungen unterschiedlich ausfallen. Die Marktteilnehmer streben danach, diese nicht vorhersehbaren Einflüsse auszugleichen. Eine Möglichkeit der Risikobegrenzung ist der Handel an Warenterminbörsen. Das Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über die Finanzinstrumente, die dabei eingesetzt werden, zu geben. Es werden vor allem Maßnahmen zur Risikominderung des Preisrisikos betrachtet. Politische- und weitere ökonomische Risiken werden in dieser Arbeit zurückgestellt. Der Bezug zum Rohkaffee soll dabei stets spürbar bleiben. Es wird ausschließlich auf die börsengehandelten Finanzinstrumente eingegangen und nicht auf die wenig standardisierten OTC (Over The Counter) Geschäfte.

Die vorliegende Arbeit besteht aus drei Teilen. Im ersten Teil findet eine Einführung in das Thema Commodity Trading statt. Anschließend wird auf die Besonderheiten des Rohkaffeehandels eingegangen und die Organisation des internationalen Rohkaffeehandels dargelegt. Schließlich werden die beiden Hauptinstrumente zur Absicherung an der Börse vorgestellt: die Futures und die Optionen. Die Wirkung der Instrumente wird anschaulich erklärt und ein Bezug zum Rohkaffee hergestellt. Abschließend wird in einem Fazit ein Ausblick auf die möglichen Entwicklungen, Chancen und Risiken im Rohkaffeegeschäft dargestellt.

2. Grundlagen

2.1. Soft Commodities

Commodities, auf Deutsch Güter, können definiert werden als Objekte, die einen wirtschaftlichen Wert besitzen. Dazu gehören landwirtschaftliche und chemische Erzeugnisse, Brennstoffe und Edelmetalle, welche an Spezialbörsen durch Terminkontrakte handelbar sind (Vgl. Appadurai, 2014, S.3). Diese können in Energie, Getreide, Nutztiere, Metalle sowie Soft Commodities (kurz Softs gennant) klassifiziert werden. Unter Softs werden Commodities verstanden, die häufig in tropischen oder subtropischen Regionen wachsen. Neben Baumwolle, Zucker und Kakao zählt auch Kaffee zu den Soft Commodities (Vgl. Tang, Xiong, 2010, S. 6). Der Markt solcher Commodities ist sehr volatil und daher nur schwer vorhersehbar. Die Preise ändern sich ständig in Abhängigkeit von der Bestandsmenge, Erntezeit, Saisonalität und vielen weiteren Einflussfaktoren. Daher werden Commodities an Börsen gehandelt durch Derivate wie Futures und Optionen, die als Absicherungsinstrument dienen. Somit kann Risiken entgegengewirkt werden, die durch Preisvolatilität entstehen (Vgl. Pindyck, 2001, S. 1).

2.2. Entwicklung des Commodity Marktes

Seit Anfang der 2000er sind Commodity Futures eine weit verbreitete und populäre Assetklasse vieler Finanzinstitutionen. Nach einem Report der CFTC (Commodity Futures Trading Commission) in 2008 ist der Gesamtwert von verschiedenen Commodity-Index gebundenen Finanzinstrumenten, die von institutionellen Investoren gekauft wurden, von $15 Mrd. in 2003 auf mindestens $200 Mrd. im Jahr 20018 gestiegen (Vgl. Falkowski, 2011, S. 4). Viele Experten behaupten jedoch, dass diese Art von Investments, die von Finanzspekulationen geprägt sind, die Kosten für Energie und Lebensmitteln erhöhen und diese starke Preisvolatilität verursachen würden (Vgl. Falkowski, 2011, S. 4). In der Vergangenheit wurde der Markt für Commodities zum Teil segmentiert vom Finanzmarkt betrachtet, in der leichte Korrelationen zu den Aktienpreisen zu beobachten waren. Indizes auf Commdoties von S&P, Goldman Sachs sowie Dow Jones zogen rapide neues Kapital an und repräsentierten die Spot Preise dieser Commodities als Reaktion auf die Entwicklung dieses neuen Trends. Es wird ebenfalls behauptet, diese Entwicklung sei durch den Einbruch der Aktienmärkte verursacht worden. Als Folge hätten die Anleger durch die Entdeckung der negativen Korrelation der Commodity-Renditen und der Aktienrenditen in Commodity-Derivate angelegt, um das Portfolio-Risiko zu verringern (Vgl. Falkowski, 2011, S.5).

2.3. Börsen im Kaffeehandel

Der Handel von Kaffee ist, wie andere Soft Commodities auch, an Börsen organisiert. Die wichtigste Börse für Kaffee befindet sich in New York. An der Intercontinental Exchange (ICE) wird sowohl mit Arabica als auch mit Robusta Kaffee gehandelt. Historisch bedingt, findet der Handel von Arabica an der ICE in New York und von Robusta Kaffee in London statt. Bis ins Jahr 2007 wurde Arabica Kaffee noch an der Börse NYBOT (New York Board of Trade) gehandelt, bis zum Verkauf an die ICE. Später, im Jahre 2012, wurde auch die Börse in London, die London International Financial Futures Exchange (kurz: LIFFE) von der ICE aufgekauft. Der größte Teil des Handels an beiden Börsen entfällt auf Absicherungsgeschäfte und Spekulationen. Nur ein kleiner Teil des gehandelten Kaffees wird der Börse physisch angedient. Die meisten Verträge werden auf der Basis “price-to-be-fixed” geschlossen. Dabei steht die Menge, die Qualität und der Liefertermin fest, während der Preis erst auf Basis des zukünftigen Preises der Kaffee Futures fixiert wird. Der Zeitpunkt der Fixierung befindet sich zwischen Kontraktschließung und Lieferzeitpunkt. Hierbei sind zwei Positionen zu betrachten – den Sellers Call und den Buyers Call. Im Falle eines Sellers Calls wird der Zeitpunkt und somit der entsprechende Preis auf der Verkäuferseite fixiert. Im Falle eines Buyers Calls geschieht dies auf der Käuferseite. Daher spielen die Börsen für Kaffee Futures in New York und London eine wichtige Rolle bei der Preisfindung für den Arabica und Robusta Kaffee. Die Börsenteilnehmer bestehen hierbei aus einer Mischung von Händlern, die mit der physischen Ware Kaffee handeln und sich absichern wollen, sowie von Spekulanten, die auf die Preisentwicklung des Kaffees wetten. Dabei gibt es einige Spekulanten die eine physische Position aufbauen, allerdings baut die Mehrheit lediglich eine Position an der Börse auf (Vgl. Newman, 2009, S. 546-549).

3. Kaffeehandel

3.1. Marktüberblick

Der Handel im Kaffeegeschäft wird fast ausschließlich durch die „International Coffee Organization“ (ICO) organsiert. In diesem Verband sind nahezu alle der Kaffeeexportierenden Länder und die Industrienationen, die zu den größten Abnehmern von Rohkaffee gehören, zusammengeschlossen (Vgl. International Coffee Organization (ICO), 2019, o.S.). Unterschieden wird hauptsächlich zwischen den beiden Gattungen Arabica und Robusta. Arabica macht ca. 60% der weltweiten Produktion aus. Der Robusta Kaffee kann in geringeren Höhen angebaut werden und ist zudem weniger anfällig für hohe Temperaturen. Auch Schädlingen gegenüber ist er robust. Somit kann der Robusta Kaffee insgesamt günstiger angebaut werden, jedoch besteht der große Nachteil von Robusta darin, dass er bezüglich des Geschmacks gegen den Arabica Kaffee nicht favorisiert wird. Trotz dessen ist der Marktanteil des Robusta Kaffees relativ hoch, da die Industrien diesen Kaffee auch in Produkten weiterverarbeiten, beispielsweise in Instant-Kaffees.(Vgl. Hoffmann, 2014, S. 12). Akteure im Kaffeehandel sind die Produzenten im Ursprung, fast ausschließlich kleine Betriebe, die Händler und die Industrie, als Verarbeiter des Rohkaffees (Vgl. Newman, 2009, S. 544).

Die Weltproduktion wird in 60 kg Säcken angegeben. Kaffee mit höchstens durchschnittlicher Qualität, die nicht Börsenware ist, werden jedoch auch als Schüttgut oder in Plastiksäcken zu je 1 MT gehandelt. Die größten Produktionsländer sind Brasilien, Vietnam und Kolumbien. Mit 40% Anteil der Welternte ist Brasilien der größte Produzent für Arabica Kaffee, dicht gefolgt von Vietnam, das allerdings vornehmlich Robusta Kaffee exportiert.

Abb. 1: Nationen mit dem höchsten Exportvolumen (in Tausend 60 kg Säcken)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Die USA und Europa sind die größten Importeure und Verbrauchermärkte für Kaffee. Damit wird deutlich, dass eine Versorgung der Industrienationen allein durch Entwicklungsländer erfolgt.

3.2. Kaffeepreis

Auf den Kaffeepreis wirken viele unterschiedliche Faktoren. Die saisonal unterschiedlich ausfallenden Ernten, die Politik der beteiligten Länder sowie der Währungskurs haben starken Einfluss auf den Kaffeepreis. Ebenso wichtige Faktoren sind die Transportkosten und der damit verbunden Ölpreis. Darüber hinaus spielt es eine Rolle, wie es um den Wohlstand der Konsumenten bestellt ist und wie viel er bereit ist für dieses nicht-lebensnotwendige Gut, auszugeben. Zudem haben auch die Lagerbestände einen Einfluss auf den Preis (Vgl. DKV, Kaffeepreis, 2019, o.S.). In einem Markt, in dem sofortige Lieferung und Zahlung vereinbart werden, wird der zugrundeliegende Preis durch das Angebot und die Nachfrage zum aktuellen Zeitpunkt bestimmt. Er wird Spot Preis genannt (Vgl. Pindyck, 2001, S. 4).

3.3. Börsenhandel zur Absicherung

Welche Finanzinstrumente werden konkret an der Börse eingesetzt, um Absicherung oder Spekulation mit Gewinnabsicht zu erreichen? Der Bedarf solcher Finanzinstrumente ergibt sich aus der Absicht von Händlern und Bauern ihre Preise abzusichern. Seit ca. 1970 steigt auch das Bedürfnis der Investoren Commodities in ihren Portfolios aufzunehmen. Zudem drängen Spekulanten auf den Markt, die aufsteigende oder fallende Kurse wetten wollen. Dadurch werden sie zum einen dem Vorwurf der Preistreiberei ausgesetzt, zum anderen bringen sie aber Liquidität in den Markt und sorgen somit für einfache Handelbarkeit, da Käufer und Verkäufer jederzeit am Markt verfügbar sind. Es folgt ein Überblick über den Anteil der Marktteilnehmer, die Futures zum Zwecke der Absicherung handeln und derer die mit Gewinnabsicht handeln.

Abb. 2: Handelsvolumen der Coffee C Futures nach Marktteilnehmer

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Finviz, Monatsübersicht Coffee C Futures, 2019, o.S.

Anhand dieser Grafik der Markteilnehmer lässt sich erkennen, dass die Spekulanten (hier: large Trader) zwingend notwendig für die Händler mit der Bestrebung nach einer Absicherung der Position (hier: Commercial Hedger) sind. So wird die nötige Liquidität in den Markt gebracht. Die Gegenposition der Commercial Hedger kann nur gewährleistet werden, wenn die großen Händler Ihre Spekulation mit Futures durchführen dürfen.

4. Finanzinstrumente

4.1. Futures

Aus Gründen der Effizienz wollen die Marktteilnehmer schon heute die Preise für Geschäfte bzw. Lieferungen in der Zukunft festlegen. So entstehen zuerst die Forward Kontrakte als Vertrag zwischen zwei Parteien, um eine Commodity zu einem festen Preis zu einem festen Zeitpunkt in der Zukunft zu liefern. Der Käufer in dieser Konstellation hat die „Long“ Position inne. Er bekommt die Commodity geliefert und bezahlt den vereinbarten Preis dafür. Der Verkäufer hat die „Short“ Position inne. Er ist dafür verantwortlich die Commodity zum vereinbarten Zeitpunkt zu liefern (Vgl. Pindyck, 2001, S. 12).

Ein Terminkontrakt (engl. „Future“ oder „Future contract“) beinhaltet ebenfalls die Verpflichtung eine bestimmte Ware zu kaufen oder zu verkaufen. Dabei liegt der Lieferzeitpunkt der Commodity in der Zukunft, der Preis wird jedoch zum Zeitpunkt des Abschlusses festgelegt. Der bedeutende Unterschied ist hierbei die standardisierte Form des Kontrakts. Die Standardisierung ist gleichzeitig auch der große Vorteil eines Futures, da sowohl die Qualität als auch der Quantität zu jeder Zeit festgelegt ist. Ebenso sind Lieferzeitpunkt und -ort, Umfang des Kontrakts und die Währung festgelegt (Vgl. Schwager und Etzkorn, 2017, S. 3-4). Dies hat den Vorteil der Minimierung von Transaktionskosten, da die Commodities nun leicht handelbar sind und keine individuellen Verträge mehr geschlossen werden müssen. Kritiker des Handels mit Futures behaupten, durch den Handel würden die Preise destabilisiert und eine hohe Volatilität erzeugt. Daher ist der Handel mit Futures stark reguliert und wird von der Commodity Futures Trading Commission reguliert und überwacht (Vgl. Cox, 1976, S. 12125 f.).

Absicherung mit Futures

Eine Hauptverwendung von Futures ist die Absicherung (engl. „Hedging“) gegen Preisrisiken (Vgl. Göppl, Bühler und von Rosen, 1990, S. 7). Da das Hedging für den Kaffeehändler eines der wichtigsten Instrumente ist, um sich gegen volatile Preise abzusichern, soll die folgende Beispielrechnung verdeutlichen, wie die Absicherung funktioniert.

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Details

Seiten
21
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346052711
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v503636
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie und Management gemeinnützige GmbH, Hochschulstudienzentrum Hamburg
Note
1,3
Schlagworte
commodity coffee exchange futures hedging arabica robusta agricultural trading supply chain soft commodity international trade

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Titel: Instrumente zur Minderung des Preisrisikos an der Börse