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Die Regulatorik im Crowdfunding. Welche Ansätze und Herausforderungen gibt es?

Akademische Arbeit 2018 26 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Grundstruktur und Begriffsherkunft des Crowdfundings
2.1. Crowddonaiting
2.2. Gegenleistungsbasiertes Crowdfunding
2.3. Crowdinvesting
2.3.1 Crowdlending
2.3.2. Eigenkapitalbasiertes Crowdfunding

3. Chancen und Risiken im Crowdfunding

4. Rechtliche Einordnung und bestehende Regulierungsansätze
4.1. Erlaubnispflichten beim Crowdfunding
4.2. Prospektpflichten beim Crowdfunding

5. Evaluierung und bestehende Herausforderungen der Regulatorik

6. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Arten des Crowdfundings

Abbildung 2: Ausnahmetatbestände der §§ 2-2c VermAnlG

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Das Crowdfunding hat seit einigen Jahren ein beispielloses Wachstum vorzuweisen. So erreichte das gesamte in Deutschland investierte Crowdkapital aus dem Segment Crowdinvesting im Juni 2018 die 500 Millionen Euro Marke.1 Wie der Crowdfunding-markt unterschätzt wurde, zeigt eine Befragung der Universität St. Gallen, die ein solches Volumen des Crowdfinancing-Marktes erst für das Jahr 2020 prognostiziert.2 Das erste Crowdinvestment, welches in Deutschland verzeichnet wurde, fand im Oktober 2011 statt. Öffentliche Popularität erlangte die Schwarmfinanzierung durch den Kinofilm „Stromberg“, welcher mit Hilfe der Crowd Ende 2011 eine Million Euro einsammelte.3 International geht die Historie viel weiter zurück. Als ein erstes, von einer Gemeinschaft durchgeführtes Finanzierungsprojekt, ist die New Yorker Freiheitsstatue zu nennen. 1885 schenkte Frankreich den USA diese Statue. Da die Stadt nicht genügend Geld für das Fundament zur Verfügung hatte, wurden die New Yorker zum Spenden aufgerufen. So kamen innerhalb von fünf Monaten 250.000 US-$ zusammen.4 Aktuell stellt der Immobiliensektor, mit 53 Prozent im deutschen Crowdfinanzierungsmarkt das volumen- und wachstumsstärkste Segment dar.5

Der entstehende und im starken Wachstum befindende Crowdfunding Markt schließt erfolgreich die Lücke in der Frühfinanzierungsphase von jungen Unternehmen. Bankkredite sind für Start-ups oftmals nicht erreichbar, wenn nicht für diese privat gebürgt wird. Venture Capital und Business Angel weisen oftmals besonders hohe Renditeerwartungen und ein aufwändiges Prüfungsverfahren in Form einer Due-Dilligence auf. Die genannten Eigenschaften machen ein Investment von Crowdinvestoren für junge Unternehmen besonders attraktiv und begründen die zunehmende Popularität.6

In der vorliegenden Arbeit soll sich näher mit dem Crowdfunding und schwerpunktmäßig mit den regulatorischen Ansätzen sowie den zukünftigen Herausforderungen in der Crowdfundingbranche auseinandergesetzt werden. Zunächst wird der Ursprung des Crowdfundings aus dem Crowdsourcing erklärt. Anschließend findet eine Begriffsabgrenzung der einzelnen Teilbereiche des Crowdfundings statt.

Im vierten Kapitel der Arbeit wird sich mit der Regulatorik der Branche auseinandergesetzt. Schwerpunkt ist dabei das Kleinanlegerschutzgesetz, welches am 15. Juli 2015 in Kraft getreten ist und große Änderungen für die Branche aus regulatorischer Sicht mit sich brachte. Es sollen die Änderungen, die das Kleinanlegerschutzgesetz bewirkte vorgestellt werden und in ihrer Praktikabilität evaluiert werden.

Ziel der Arbeit soll es sein, einen Überblick über das innovative Finanzierungs-instrument „Crowdfunding“ mit seinen unterschiedlichen Ausprägungen zu geben sowie bestehende Regulierungsversuche der Branche im deutschen Raum in ihrer praktischen Relevanz zu evaluieren und diskutieren sowie zukünftige Herausforderungen aufzuzeigen.

Die Literaturrecherche für diese Arbeit gestaltete sich in dem Punkt schwierig, da noch keine klaren Abgrenzungen der Begrifflichkeiten, die unter das Crowdfunding fallen, existieren. Des Weiteren ist die rechtliche Relevanz und Richtigkeit der Quellen durch den Erlass des Kleinanlegerschutzgesetzes im Jahr 2015 stark eingeschränkt.

2. Die Grundstruktur und Begriffsherkunft des Crowdfundings

Unter dem Crowdsourcing kann eine Aufgabe verstanden werden, die durch einen öffentlichen Aufruf mit Hilfe einer undefiniert großen Menge an Menschen - der Crowd - realisiert werden kann.7 Ableiten lässt sich der Begriff des Crowdsourcings aus dem Begriff Outsourcing. Beim Outsourcing werden Aufgaben an einen externen spezialisierten Dienstleister ausgelagert und von diesem umgesetzt. Beim Crowdsourcing wird diese Tätigkeit an die Crowd - also Masse - ausgelagert. Dies hat einen multiplikativen Effekt, der sich in Kostengesichtspunkten und Schnelligkeit der Aufgabenerledigung niederschlägt.8 Das Crowdsourcing ermöglicht eine Wissens-gewinnung für Wissenschaft, Wirtschaft und weitere Bereiche. Unternehmen können mit Hilfe des Crowdsourcings Konsumenten aktiv an Prozessen und Vorgängen beteiligen und damit die Märkte und traditionellen Wertschöpfungsketten verändern.9

Der Begriff „Crowdfunding“, für den es keine gesetzliche Definition gibt, kann als Oberbegriff für alle Ausprägungen des Crowdsourcings mit finanzieller Ausrichtung verstanden werden. Aus dem Crowdfunding entspringen diverse Teilbereiche, die sich nur schwer voneinander abgrenzen lassen. In Bezug auf die Abgrenzung der einzelnen Teilbereiche des Crowdfundings weist die Literatur unterschiedliche Auffassungen auf. In dieser Arbeit wird, die am häufigsten vertretene Auffassung dargelegt, welche in Abbildung 1 abgetragen ist. Demnach gilt das Crowdfunding als Oberbegriff. Diesem entspringen, das gegenleistungsbasierte Crowdfunding, das Crowddonaiting sowie das Crowdinvesting. Dem Crowdinvesting ist das eigenkapitalbasierte Crowdfunding und das Crowdlending unterzuordnen.10

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Arten des Crowdfundings11

2.1. Crowddonaiting

Unter dem Begriff Crowddonaiting versteht man eine monetäre Leistung, die den Empfänger nicht zu einer Gegenleistung in Form von z.B. einer Rendite verpflichtet.12 Das Crowddonaiting Modell findet bei Projekten Anwendung, die einen karikativen Charakter aufweisen. Die Spender fühlen sich oft emotional mit dem Verwendungszweck der Leistung verbunden.13 Jedoch ist es auch beim Donation-Modell möglich, als Spender eine nicht-monetäre Prämie zu erhalten. Dies macht die Abgrenzung von Donation und Reward-Modell schwierig.14

2.2. Gegenleistungsbasiertes Crowdfunding

Bei dem gegenleistungsbasierten Crowdfunding oder auch Reward-Modell genannt erhält der Investor als Gegenleistung zu seiner monetären Leistung eine nicht monetäre Gegenleistung. Diese Gegenleistung kann eine namentliche Erwähnung, Teilnahme an einem Event oder ein Produkt darstellen. In der Regel weist die Gegenleistung einen geringeren Wert auf, als die monetäre Leistung. Oft werden mit dem Reward-Modell karikative Projekte unterstützt. Dennoch grenzt sich das Reward-Modell durch die Gegenleistung klar von dem Donation Modell ab. Im Grundsatz handelt es sich um einen privatwirtschaftlichen Vertrag mit Leistung und Gegenleistung. Das die Leistung in keinem Gleichgewicht mit der Gegenleistung steht, hat dabei keine Bedeutung.15 Kommt bei einem zu finanzierenden Projekt, das vorher festgelegte Finanzierungsziel nicht zustande, fließt das Geld in der Regel an die Investoren zurück und es wird kein Produkt erstellt bzw. Projekt umgesetzt.16

2.3. Crowdinvesting

Unter dem Crowdinvesting, welches ebenfalls nicht legal definiert ist, wird eine Form der Geldanlage verstanden, bei der eine Erzielung einer Überrendite für die Investoren im Vordergrund steht.17 Überwiegend handelt es sich dabei nicht um die gesellschaftsrechtliche Beteiligung am Eigenkapital - dem eigenkapitalbasierten Crowdfunding - sondern um Darlehen, welche auch Crowdlending genannt werden.18 Das Crowdinvesting wird überwiegend zur Finanzierung junger Unternehmen angewandt. Diese sehen es als Alternative zum klassischen Bankkredit, dem Venture Capital oder Business Angel an. Häufig liegt das Finanzierungsziel zwischen 100.000 Euro und wenigen Millionen Euro.19

2.3.1 Crowdlending

Unter dem Crowdlending versteht man grundlegend die Möglichkeit, über die Crowd einen Kredit zu erlangen. In der Regel wird die Kreditsumme über verschiedene Tilgungsarten zurückgezahlt und zusätzlich wird eine Zahlung von Zinsen an den Kreditgeber geleistet.20

Von großer Bedeutung beim Crowdlending sind die Formen des partiarischen Nachrangdarlehen, Genussrechte und stille Beteiligungen, welche zusammen den Mezzaninen Finanzierungsformen unterzuordnen sind, da sie Eigenschaften von Fremdkapital und Eigenkapital aufweisen.21

Dem Charakter des partiarischen Nachrangdarlehen entspricht es, dass es nachrangig gegenüber anderen Gläubigern im Insolvenzfall bedient wird. Das Nachrangdarlehen lässt dem Investor am Gewinn des Unternehmens partizipieren, jedoch nicht am Verlust. Dieser ist nur auf das eingesetzte Kapital begrenzt, auch mögliche Nachschusspflichten sind mit diesem Investment ausgeschlossen. Mit seiner Struktur ist es den Mezzaninen Finanzierungsformen zuzuordnen.22

Genussrechte stellen hybride Anlageinstrumente dar, die einen Platz zwischen Anleihen und Aktien einnehmen. Ob die Genussrechte eher Fremdkapital oder Eigenkapital darstellen, hängt von ihrer individuellen Ausgestaltung ab. Falls der Inhaber an Verlusten sowie stillen Reserven partizipiert und die Kapitalüberlassung auf Dauer angelegt ist, haben die Genussrechte einen Eigenkapitalcharakter. Genussrechte können einem Inhaber nie ein Stimmrecht geben und berechtigen auch nicht zur Teilnahme an der Hauptversammlung, wie es bei Aktien üblich ist. Der überwiegende Anteil der in Deutschland gehandelten Genussrechte ist dem Fremdkapital zuzuordnen. Im Unterschied zu Anleihen, ist die Rendite der Genussrechte an den Gewinn der Unternehmung gebunden. Oftmals treten Genussrechte aber mit einer jährlichen Mindestverzinsung auf. Üblich ist es, die Genussrechte mit einem beidseitigen Kündigungsrecht auszustatten.23 Sind diese Genussrechte verbrieft, gelten sie als Genussschein.24

Bei einer stillen Beteiligung erfolgt die Verzinsung der geleisteten Einlage abhängig von den Erfolgsgrößen Gewinn oder Umsatz des Unternehmens. Eine Verlustbeteiligung ist in der Regel vereinbart, kann aber vertraglich ausgeschlossen werden. Der stille Gesellschafter tritt nach außen nicht als Teilhaber des Unternehmens auf. Aufgrund dessen wird ihm kein Mitspracherecht eingeräumt.25

2.3.2. Eigenkapitalbasiertes Crowdfunding

Bei dieser Variante des Crowdfundings wird Eigenkapital - also ein Anteil am Unternehmen des Emittenten - über eine Internetplattform an die Anleger herausgegeben. Der Investor partizipiert somit an den zukünftigen Zahlungsströmen der Unternehmung.26 Für den Investor, welcher überwiegend ein Privatinvestor ist, sind die Risiken mit der Beteiligung am Eigenkapital relativ hoch, da sein Investment aufgrund des fehlenden Spezialwissens von hoher Unsicherheit geprägt ist.27 In den überwiegenden Fällen des Crowdfundings erhalten die Investoren jedoch keinen Gesellschaftsanteil am Unternehmen.28

3. Chancen und Risiken im Crowdfunding

Verbraucherschützer sehen die Schwarmfinanzierung für den nicht professionellen Anleger als nicht geeignet. Oft stehen Rendite und Verlustrisiko in keinem angemessenen Verhältnis. Kleinanleger beteiligen sich mit ihrem Kapital oft in Form von Nachrangdarlehen, welches das Risiko birgt, dass ihre Forderungen bei Zahlungsunfähigkeit nur nachrangig bedient werden. Das Verlustrisiko, welches mit dem Engagement eingegangen wird, tritt bei Privatanlegern oft in den Hintergrund, wenn Renditen von 4,5 – 7 Prozent in Aussicht gestellt werden.29 Durch das Fehlen einer Prospektpflicht bei bestimmten Ausprägungen des Crowdfundings, liegen in den meisten Fällen bei dem Anleger oftmals große Informationsdefizite vor. Ein Vorteil für die Investoren liegt darin, dass ein Investment bereits in kleinen Beträgen möglich ist und bei Nichterreichen der Fundingschwelle zurückgezahlt wird, was impliziert, dass das Produkt die Masse nicht überzeugt haben kann. Bei Erfolg des Fundings wird dem Anleger die Möglichkeit geboten, sich direkt an der Finanzierung eines neuen Projekts oder Unternehmens zu beteiligen.30

Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen ist es seit der Finanzkrise schwieriger geworden, Fremdkapital über eine Bank31 sowie Venture Capital Gesellschaften in der Frühphase32 aufzunehmen. Banken gewähren oftmals erst in der Expansionsphase, wenn verpfändbare Aktiva zur Verfügung stehen, einen Kredit. Die Crowdfunding- Plattformen treten dabei an die Position der Banken. Dies aber lediglich als Vermittler zwischen den Kapitalnachfragern und den Investoren. Durch diese Möglichkeit wird innovativen- und jungen Unternehmen ohne ein mit wertvollen Assets unterfüttertes Geschäftskonzept die Möglichkeit zur Kapitalaufbringung geboten.33 Für Emittenten bzw. Kreditnehmer im Crowdfunding zeigen sich deutlich Vorteile darin, dass eine geringe bis gar keine Erfordernis der Sicherheiten Gewährung besteht, was wiederum ein Risiko für Anleger darstellt.34 Die Kapitalbeschaffung verläuft oftmals deutlich unkomplizierter als beim herkömmlichen Bankkredit.35 Des Weiteren haben Crowdfunding-Kampagnen einen großen Marketingeffekt, da sie den Bekanntheitsgrad erhöhen und zukünftige Kunden akquirieren. Genauso können aber auch gescheiterte Crowdinvestments einen Imageschaden verursachen. Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass die Beteiligungsstruktur beim Crowdinvesting sehr unübersichtlich werden kann, welches insbesondere negative Auswirkungen hinsichtlich einer Anschlussfinanzierung durch Risikokapitalgeber hat.36 Investoren und Projektentwickler von Immobiliencrowdinvestments schätzen die wettbewerbsfähigen Konditionen und den geringen administrativen Aufwand. Die Transaktionssicherheit wird jedoch als deutlich schlechter im Vergleich zu den konventionellen Finanzierungsquellen eingestuft.37

[...]


1 Vgl. Harms (2015), S.2f.

2 Vgl. Hüttich (2015), S. 20.

3 Vgl. Harms (2018), S.2 f.

4 Vgl. Sixt (2014), S.55 f.

5 Vgl. Harms (2018), S.4.

6 Vgl. Poppe (2017), S.196 ff.

7 Vgl. Howe (2008), S.25-31.

8 Vgl. Howe (2006).

9 Vgl. Orthwein (2015), S.13.

10 Vgl. Orthwein (2015), S.15.

11 Vgl. Orthwein (2015), S.13.

12 Vgl. Schramm (2015), S.7.

13 Vgl. Vollmar (2012), S.6.

14 Vgl. Regierer (2015), S.6.

15 Vgl. Regierer (2015), S.6.

16 Vgl. Schramm (2014), S,7.

17 Vgl. Inci (2016), S. 28.

18 Vgl. Orthwein (2015), S.16.

19 Vgl. Regirer (2015), S.7.

20 Vgl. Poppe (2017), S.193.

21 Vgl. Regirer (2015), S.7.

22 Vgl. Schramm (2014), S 41ff.

23 Vgl. Steiner (2012), S. 433f.

24 Vgl. Regirer (2015), S.7.

25 Vgl. Volb (2015) S. 5ff.

26 Vgl. Poppe (2017), S.193 f.

27 Vgl. Amour (2018), S.58.

28 Vgl. Schramm (2014), S.7.

29 Vgl. Drost (2017), S.40.

30 Vgl. Inci (2016), S.49ff.

31 Vgl. Lenz (2015), S. 22.

32 Vgl. Inci (2016), S.56.

33 Vgl Hettich (2013), S. 4ff.

34 Vgl. Matthiesen, Steiniger (2017), S. 10.

35 Vgl Lenz (2015), S. 22.

36 Vgl. Inci (2016). 56ff.

37 Vgl. EY (2018), S.10 ff.

Details

Seiten
26
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346053107
ISBN (Buch)
9783346053114
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v503652
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Schlagworte
regulatorik crowdfunding welche ansätze herausforderungen

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Titel: Die Regulatorik im Crowdfunding. Welche Ansätze und Herausforderungen gibt es?