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Subkulturforschungtheorie als Bestandteil von Cultural Studies mit einer beispielhaften Auseinandersetzung der Punk Subkultur

Hausarbeit 2005 28 Seiten

Anglistik - Kultur und Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Cultural Studies
2.1 Entstehung und Wandel der Cultural Studies:
Theorien von:
Raymond Williams
Roland Barthe
Richard Hoggarts

3. Kodieren und Dekodieren

4. Subkulturtheorie
4.1 Begriffsbestimmung Subkultur
4.2 Entstehung der Subkulturtheorie - Chicago School

5. Subkulturforschung im Centre for Contemporary Cutural Studies Dick Hebdige
5.1 Stilschöpfung durch Bricolage
5.2 Hegemonie und die Bedeutung von Zeichen
5.3 Stilanalyse am Beispiel von Punk
5.4 Dialektische Bewegung von weiß zu schwarz

6. Schlussbemerkung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Hausarbeit widmet sich der Subkulturforschung im Rahmen der Cultural Studies und insbesondere der des Centre for Contemporary Cultural Studies in Birmingham (Birmingham School). Es soll dargelegt werden in welcher Weise die Theorien über Subkulturen sich in den Bereich der Cultural Studies eingliedern und somit die Überlegungen der Wissenschaftler zweiter Generation an die Forschungs-ergebnisse der Kulturtheoretiker erster Generation des CCCS, wie zum Beispiel Richard Hoggarts und Raymond Williams anknüpfen.

Im ersten Teil dieser Arbeit soll zunächst die Entstehungsgeschichte der Cultural Studies so wie der Wandel und die Neufassung des Kulturbegriffs beschrieben werden. Ich werde den kulturellen Diskurs am Beispiel der bedeutendsten Forscher wie Richard Hoggart, Raymond Williams und Roland Barthes, bzw. an deren grundlegenden Erkenntnisse veranschaulichen.

Das darauf folgende Kapitel skizziert die Anfänge der Subkultur-forschung, ab den zwanziger Jahren, des amerikanischen Soziologen Albert K. Cohen.

Der Hauptteil dieser Arbeit befasst sich mit den Forschungs-ergebnissen des Centre for Contemporary Cultural Studies (CCCS) im Bereich subkultureller Strategien und Stilmerkmale. Dabei stehen der von Claude Levi-Strauss geprägte Begriff Bricolage sowie die diesbezüglichen Untersuchungen des Kulturwissenschaftlers Dick Hebdige im Fokus dieser Arbeit.

Im Schlussteil werde ich den Wandel subkultureller Stilmerkmale am Beispiel der Punks darstellen. Es wird auf die Einflüsse afrikanischer (Sub)Kulturen auf Punk eingegangen, sowie den Einfluss und Wandel afrikanischer Kulturen im Allgemeinen auf Subkulturen, erörtert werden.

2. Cultural Studies

2.1 Entstehung und Wandel der Cultural Studies:

Cultural studies sind ein Feld der Sozialwissenschaften und Kulturwissenschaften. Dieser interdisziplinäre Forschungsansatz kombiniert Soziologie, Filmtheorie, Literaturtheorie und Kulturanthropologie in der Betrachtung von kulturellen Phänomenen der Gesellschaft, vor allem der Populärkultur im Gegensatz zur vermeintlichen Hochkultur. Cultural studies erforscht die Bedeutung (meaning) von Kultur als Alltagspraxis (everyday practice).[1]

Der Begriff „Kultur“ hat im Laufe der Geschichte äußerst unterschiedliche und viele, oft gegensätzliche Bedeutungen angenommen. Sogar als wissenschaftlicher Terminus kann er durchaus Gegensätzliches ausdrücken. So kann er sowohl von biologischer Bedeutung (Züchtung von Organismen) sein, als auch einen anthropologisch, ethnologischen Ansatz für bestimmte Lebensweisen und Umstände beinhalten.[2]

In der Entwicklung und andauernden Debatte über Kultur entstand eine enorme Vielfalt und Ausdehnung bezüglich der Definition und Verwendung des Kulturbegriffes. Diese Debatte war und ist Gegenstand in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung im Bereich der Cultural Studies.

Erst Ende der fünfziger, Anfang der sechziger Jahre hielten die Cultural Studies, als akademisches Forschungsgebiet, Einzug in die Universitäten. Für die Entstehungsgeschichte der Cultural Studies, gilt das 1964 von Richard Hoggart gegründete Institut CCCS (Centre for Contemporary Cultural Studies) in Birmigham als wegweisend.

Die Gründungsväter Richard Hoggarts The Uses of Literacy (1957), Raymond Williams Culture and Society (1958) und The Long Revolution, sowie E.P. Thompsons The making of the English Working Class (1961), waren mit diesen zentralen Schriften maßgeblich für den Forschungsgegenstand dieser neuen Wissen-schaft wegweisend.[3]

Einer der zentralen Forderungen der Cultural Studies war die Kultur nicht einfach nur von Außen zu betrachten, sondern von Innen heraus zu analysieren. Aus dieser Forderung ergab sich für die Gründungsväter, dass die Anhänger der Cultural Studies, Lehrende sowie Studierende sich innerhalb der zu untersuchenden kulturellen Millieus bewegen mussten (Siehe „Subkulturforschung im CCCS“ S. 16).

In diesem Zusammenhang war besonders in den Anfangsjahren der Cultural Studies der Begriff der Klasse ein wichtiges analytisches Instrument.[4]

Die (neo-)marxistisch orientierten Forscher der CCCS stammten aus der Arbeiterklasse und galten als Vertreter der New Left Großbritaniens. Die Ergebnisse der Cultural Studies waren von daher von deren ideologischen Einstellungen geprägt und spiegelten ihre politischen und persönlichen Einflüsse durch aus wieder. Ihr sozialer Aufstieg und damit einhergehenden Berührungen mit anderen (Klassen-)Kulturen begann in der Erwachsenenbildung und setzten sich in akademischen Kreisen fort.[5]

Ab Mitte der fünfziger Jahre begann ein Wandlungsprozess, der heute auch als „Verbürgerlichung der Arbeiterklasse“[6] bezeichnet wird. Aus der im Zuge, der zunehmenden Modernisierung und Amerikanisierung und weiterentwickelten Massenmedien eine Art Massenkultur hervor ging.

Die Vollbeschäftigung, die Veränderungen im Arbeitsprozess und die Öffnung des Bildungswesens veränderte das Leben der Arbeiter nachhaltig.[7] Aus dieser veränderten Lebenswirklichkeit resultierte ein veränderter und erweiterter Blickwinkel für Soziologen und Anthropologen.

Das entscheidende Merkmal der Arbeiten Hoggarts, Williams und Thompson war den Begriff der „Massenkultur“ nicht etwa im Sinne des vorherrschenden Kulturkonservatismus, der zu dieser Zeit speziell mit den Namen F.R. Leavis verbunden war, zu verstehen, sondern erstmals die breite Masse, die Arbeiterklasse als Kultur zu betrachten.[8]

Die Cultural Studies sahen und sehen Kultur nicht ausschließlich im Sinne einer Hochkultur, wie sie sich durch die Werke Schillers oder Goethes äußert, sondern sie kritisierten eben genau diese einseitige Begriffstradition und stellten ihr völlig neues und erweitertes Kulturverständnis dem gegenüber. Kultur sollte kein Maßstab ästhetischer Qualität sein, sondern plural interpretiert auf eine gesamtgesell-schaftliche Auslegung, in einem demokratischen Sinne, verwandt werden. Kultur umfasst Haltungen und Einstellungen, Werte und Normen, typische Verhaltensweisen, Traditionen, soziale Regeln und Kompetenzen.[9]

Ausgehend von einer vielschichtigen Gesellschaft, die soziale Ungleichheiten impliziert, und einen Kulturbegriff, der als gelebte soziale Praxis interpretiert, ist es notwendig von „Kulturen“ zu sprechen.

Denn je komplexer eine Gesellschaft verzweigt ist, desto mehr Kulturen (Sub- und Klassenkulturen) existieren.[10]

An dieser Stelle sollen nun drei Wegbereiter der Cultural Studies und ihre den Wandel beeinflussenden Lehren dargestellt werden.

Raymond Williams (1958)

Raymond Williams (CCCS), einer der Wegbereiter der Cultural Studies verlangte, dass eine umfassende Kulturanalyse die alltägliche Lebensführung

a particular way of live which expresses certain meanings and values not only in art and learning (…)” (R. Williams) ,[11] der Menschen mit einzubeziehen hat.[12]

Er entwickelte ein differenziertes Analysekonzept über die Beziehungen zwischen Kultur und Gesellschaft (culture and society, 1958), dass die breiten sozialen Trends, die hinter den offenbaren Erscheinungen des Alltagslebens liegen zu Tage fördert. „The analysis of culture (…), is the clarification of the meanings and values implicit and explicit in a particular way of life, a particular cultur.“[13] Diese neuartige Ausrichtung bedurfte einer neuen Wertskala, um soziale, politische und ökonomische Entwicklungen in einen kulturellen Kontext besser einordnen zu können.[14]

Roland Barthes (1972)

Die Arbeiten des französischen Linguisten Roland Barthes stellten einen der wesentlichen Bezugspunkte für die Stilanalysen im kulturellen Diskurs dar.

Mit Hilfe der Semiotik, einer aus der Literaturwissenschaft stammenden Methode, Zeichen und Symbole und deren Beziehungen zu analysieren half ihnen das Phänomen zu entschlüsseln. Barthes eröffnete den Kulturwissenschaften neue Möglichkeiten hinsichtlich der Analyse von Sprache, Erfahrung und Realität, indem er den verborgenen Regeln, Kodexen und Konventionen im Alltagsleben, - den images, auf den Grund ging. Ihm gelang es die von Williams angesprochenen bestimmten Bedeutungen und Werte und die breiten sozialen Trends kultureller Phänomene zu enthüllen. Barthes war ebenfalls, wie Williams der Auffassung, dass Kultur die Ganzheit des Alltagslebens umfasste.[15]

„Culturalists study cultural texts and practises in order to reconstitute or reconstruct the experiences, values, etc. – ‘the structure of feeling`- of particular groups or classes or whole societies, in order to better understand the lives of those who lived the culture”[16]

Richard Hoggarts (1957)

In The Uses of Literacy beschreibt Hoggarts die Kultur der Arbeiterklasse und plädiert für eine Untersuchung popkultureller Phänomene. Zwar unterschied Hoggarts noch zwischen guten und schlechten Phänomenen der modernen Massenkultur,[17] hielt aber im wesentlichen Abstand von der Auffassung Adornos und Horkheimer, die Popkultur lediglich als Befriedigung niederster menschlicher Bedürfnisse betrachteten.

“First, without appreciating good literatur, no one will really understand the nature of society, second, literary critical analysis can be applied to certain social phenomena other than ‚academically respectable’ literature (for example, the popular arts, mass communications) so as to illuminate their meanings for individuals and their societies.” (Hoggart, R 1966)[18]

[...]


[1] Wikipedia.de: Cultural Studies

[2] Hebdige, Dick: Subculture: the meanin of style, London 1979. S. 3

[3] Stuart Hall in: Storey, John: An Introductory Guide to Cultural Theory and Popular Culture, Hertfordshire 1993. S.10 f.

[4] Hebdige, Dick: Subculture: the meanin of style, London 1979. S.12 f.

[5] Müller-Bachmann, Eckart: Jugendkulturen Revisted; Musik- und Stilbezogene Vergemeinschaftsform (Post-) Adoleszenter im Modernisierungskontext. Hrsg. Griese, Hartmut, Münster 2002. S 28

[6] Ebd. S. 28

[7] Grossberg, Lawrence: What`s going on? Cultural Studies und Popularkultur. Wien: Tura und Kant 2000 S.108

[8] Cultural Studies – Grundlagentexte zur Einführung. Hrsg. Von Roger Bromley, Udo Göttlich und Carsten Winter, Lüneburg 1999. S. 9

[9] Medien- und Kommunikationssozologie – Eine Einführung in zentrale Begriffe und Theorien. Hrsg. Von Klaus Neumann-Braun und Stefan Müller-Dohm, München Juventa 2000. S. 163

[10] Müller-Bachmann, Eckart: Jugendkulturen Revisted. S. 31

[11] Storey, J.: S.2

[12] Müller-Bachmann, E.: S. 28

[13] Raymond Williams in: Hebdige, D.: Subculture: the meanin of style. S. 6

[14] Cultural Studies – Grundlagentexte zur Einführung. Hrsg. Von Roger Bromley, Udo Göttlich und Carsten Winter, Lüneburg 1999. S. 114

[15] Müller-Bachmann, E.: S. 30

[16] Storey, John: An Introductory Guide to Cultural Theory and Popular Culture, Hertfordshire 1993. S.67

[17] Hebdige, D.: S. 9

[18] Richard Hoggart in: Hebdige, Dick: Subculture: the meanin of style: London, S. 8

Details

Seiten
28
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638466257
ISBN (Buch)
9783638660341
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v50394
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Anglistik
Note
1
Schlagworte
Subkulturforschungtheorie Bestandteil Cultural Studies Auseinandersetzung Punk Subkultur Kulturtheorien

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