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Die romantische Liebe in Lessings Werken "Emilia Galotti" und "Minna von Barnhelm"

Analyse und Vergleich der primären romantischen Liebesbeziehungen

Hausarbeit 2019 20 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1. Das Konzept der romantischen Liebe
2.1.1. Die Dreieckstheorie der Liebe nach Robert Sternberg
2.2. Romantische Liebe im 18. Jahrhundert
2.3. Gattungsspezifische Merkmale des Konzepts der „romantischen Liebe“

3. Analyse und Vergleich der romantischen Liebesbeziehungen in Lessings Werken
3.1. Die Beziehung zwischen Emilia Galotti und Prinz Hettore Gonzaga
3.1.1. Die Komponente der Leidenschaft
3.1.2. Die Komponente der Intimität
3.1.3. Die Komponente der Bindung
3.1.4. Auswertung der Analyse
3.2. Die Beziehung zwischen Minna von Barnhelm und dem Major von Tellheim
3.2.1. Die Komponente der Leidenschaft
3.2.2. Die Komponente der Intimität
3.2.3. Die Komponente der Bindung
3.2.4. Auswertung der Analyse

4. Vergleich der Analyseergebnisse

5. Fazit

6. Literaturangaben

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit werden die romantischen Liebesbeziehungen in den beiden Dramen „Emilia Galotti“ und „Minna von Barnhelm“, beide verfasst von Gotthold Ephraim Lessing im 18. Jahrhundert, verglichen und auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten hin überprüft. Besonderer Fokus liegt darauf, ob überhaupt Gemeinsamkeiten beim Vergleich des bürgerlichen Trauerspiels und des Lustspiels festzustellen sind.

Zunächst wird im theoretischen Teil dieser Hausarbeit das Konzept der romantischen Liebe genauer erläutert. Besonders die Kriterien, wodurch sich romantische Liebe zu kameradschaftlicher Liebe oder familiärer Liebe unterscheidet, werden dabei herausgestellt. Als Grundlage dafür wurde die Dreieckstheorie der Liebe nach Robert Sternberg ausgewählt. Daraufhin erfolgt eine Darlegung dazu, wie das Verständnis von romantischer Liebe im 18. Jahrhundert war, also zu Zeiten der Aufklärung, der Entstehungszeit der beiden Dramen. Zuletzt wird im Theorieteil noch auf die unterschiedlichen Unterkategorien des Dramas, die Tragödie und Komödie, vertreten in dieser Arbeit durch das bürgerliche Trauerspiel „Emilia Galotti“ und das Lustspiel „Minna von Barnhelm“, eingegangen. Explizit werden die Figurenkonstellationen und der Stellenwert der romantischen Liebe in beiden Gattungen genauer erläutert.

Das theoretische Vorwissen und die Herausarbeitung der Kriterien zur Bewertung der romantischen Liebesbeziehungen dient im praktischen Teil der Hausarbeit als Grundlage zur Analyse und zum Vergleich der beiden primären Liebesbeziehungen in den literarischen Werken Lessings. Es wird zunächst die Beziehung zwischen den Figuren der Emilia Galotti und des Prinzen Hettore Gonzaga auf die im Theorieteil ausgewählten Kriterien hin analysiert. Danach wird auf gleiche Art und Weise mit der Beziehung zwischen den Charakteren der Minna von Barnhelm und ihrem Verlobten dem Major von Tellheim verfahren. Im Anschluss erfolgt der Vergleich mit der Auflistung der Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Die Resultate werden im Fazit der Arbeit festgehalten.

Die weiteren dargestellten Liebesbeziehungen in den beiden Werken können nicht detailliert in die Analyse und den Vergleich mit einfließen. Dies würde den vorgegebenen Rahmen der Hausarbeit leider überschreiten.

Für diese Hausarbeit wurden die Stücke „Emilia Galotti“ und „Minna von Barnhelm“ ausgewählt, da sie das Konzept der romantischen Liebe als zentrales Thema behandeln. Ein Vergleich der beiden Stücke bietet sich besonders gut an, da sie aus derselben literarischen Epoche und zudem von einem Autor stammen.

Der Bezug zum Germanistik Studium an der Universität Koblenz, insbesondere zum Modul 5 des Bachelorstudiums ist wie folgt gegeben: „Emilia Galotti“ war Teil des Germanistik Modul 5 Seminar zum Thema „Dramendidaktik“ und „Minna von Barnhelm“ gehörte zur vorgegebenen Literatur des Germanistik Modul 2 Seminars zum Thema „Grundlagen der Literaturwissenschaft“. Gattungsspezifische Merkmale wurde in beiden Seminaren behandelt.

Die beiden Werke Lessings bilden die Primärliteratur der Arbeit. Die Sekundärliteratur ist eine Auswahl an Werken zu literaturwissenschaftlichen Grundlagen, psychologischen Konzepten zum Thema romantische Liebe, das Leben im 18. Jahrhundert und Interpretationen von Lessings Dramen.

2. Theoretische Grundlagen

In diesem Teil der Arbeit wird zunächst versucht das Konzept der romantischen Liebe zu definieren. Danach werden wissenschaftliche Kriterien zur Bewertung romantischer Liebe genannt, die auch im 3. Kapitel dieser Hausarbeit angewendet werden. Zudem wird das Verständnis von romantischer Liebe zu Zeiten des 18. Jahrhunderts erklärt. Es wird herausgearbeitet, in wieweit die Bewertungskriterien zur Analyse der romantischen Liebesbeziehungen im praktischen Teil der Arbeit unter diesem zeitgenössischen Aspekt angepasst werden müssen. Letztendlich folgt ein Überblick über die Funktionen der romantischen Liebe in den Gattungen des bürgerlichen Trauerspiels und des Lustspiels. Auch diese gewonnen Erkenntnisse werden bei der Analyse und dem Vergleich im Hauptteil beachtet.

2.1. Das Konzept der romantischen Liebe

Über romantische Beziehungen gibt es eine Vielzahl an Theorien.

„Die inhaltlichen Bereiche Intimität, Gemeinsamkeiten, emotionale Abhängigkeit, Macht, Gegenseitigkeit und sozialer Austausch, Fairneß und Gerechtigkeit sowie das Vorhandensein einer längerfristigen zeitlichen Perspektive charakterisieren die Freuden und Leiden in jeder romantischen Beziehung.“1

Die genaue Untersuchung der Beziehungen zwischen Emilia Galotti und dem Prinzen Hettore Gonzaga sowie Minna von Barnhelm und Tellheim unter den oben genannten Charakteristika von romantischen Beziehungen würde über den Rahmen dieser Hausarbeit hinausgehen. Deshalb wird als zentrales Konzept der Analyse die etwas weniger komplexe „Dreieckstheorie der Liebe“ von Sternberg aus dem Jahre 1986 verwendet, welches in Hans Werner Bierhoffs psychologischem Einführungswerk „Romantische Beziehungen: Bindung, Liebe, Partnerschaft“ ausführlich dargestellt wird. Die oben zitierten inhaltlichen Bereiche sind teilweise in der Dreieckstheorie enthalten und bieten einen guten ersten Überblick über die Komplexität von romantischer Liebe.

2.1.1. Die Dreieckstheorie der Liebe nach Robert Sternberg

Sternberg unterteilt die romantische Liebe in drei Komponenten, die gemeinsam ein Dreieck bilden. Er klassifiziert Leidenschaft als die motivationale, Vertrautheit/ Intimität als die emotionale und Entscheidung/ Bindung als die kognitive Komponente enger Beziehungen.2 Die drei Komponenten bilden die drei Ecken des Dreiecks. Sie können unterschiedlich groß ausgeprägt sein und unterschiedliche Formen annehmen. So kann zum Beispiel auch eine der drei Komponenten überhaupt nicht ausgeprägt sein, dann wird diese Ecke nicht mit dem Namen der jeweiligen Komponente versehen. Eine Bindung, die beispielsweise auf Intimität und Bindung beruht, aber keine Leidenschaft enthält, nennt er kameradschaftliche Liebe. 3 Ein kleinflächiges Dreieck stellt in seiner Theorie „wenig Liebe“ dar, ein großes Dreieck bedeutet „viel Liebe“. Von erfüllter oder vollendeter Liebe kann man sprechen, „wenn Leidenschaft, Intimität und Bindung gleichermaßen hoch ausgeprägt sind.“4

Im Folgenden sollen zum besseren Verständnis die drei Komponenten der Dreieckstheorie genauer beschrieben werden.

„Leidenschaft kann nicht mit romantischer Liebe gleichgesetzt werden. […] die sexuelle Leidenschaft [stellt] eine Konstante […] dar, die nur verschiedenartig je nach gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in das Zusammenleben von Mann und Frau einbezogen wird.“5 Somit ist die Komponente der Leidenschaft, die mit physischer Attraktivität, körperlicher Anziehung und sexueller Erregung in Zusammenhang steht, die Komponente, die, wie oben bereits erwähnt, oftmals freundschaftliche von romantischer Liebe unterscheidet. Dennoch bedeutet Leidenschaft nicht automatisch romantische Liebe, da ein Dreieck mit hoch ausgeprägter Leidenschaft, aber niedrig Ausprägung in den Bereichen der Intimität und Bindung eine einfache Vernarrtheit bedeutet. 6

Die Komponente der Intimität bezieht sich auf die Kommunikation und Selbstöffnung innerhalb einer Beziehung. Dabei stellen Selbstöffnung und Vertrauen zwei Seiten derselben Medaille dar. Je mehr einer der Partner sich selbst öffnen kann, desto größer ist das Vertrauen in die andere Person und umgekehrt.7 Intimität bezieht sich neben dem Konzept der emotionalen Nähe als Austausch von Gefühlen und Gedanken auch auf das Konzept der physischen Nähe als zeitliche Dauer des Zusammenseins. Somit ist der Wunsch nach Intimität auch oftmals der Wunsch nach dem Entkommen aus der Einsamkeit. Intimität bildet nach Sternberg die notwendige Ergänzung zur sexuellen Leidenschaft, um romantische Liebe entstehen zu lassen. Intimität ohne Leidenschaft und Bindung kann als Sympathie verstanden werden.8

Wenn zwischen zwei Menschen Leidenschaft und Intimität gegeben ist und somit romantische Liebe besteht, fehlt nur noch die ausgeprägte Komponente der Bindung, um vollendete Liebe zu erlangen. Wichtige Voraussetzung für eine Bindung ist, „da[ss] die Partner eine Übereinstimmung in ihren Wert- und Rollenvorstellungen entwickeln oder von vorneherein mitbringen.“9 Zudem ist eine langfristige Perspektive, also eine gewünschte Zukunft miteinander, ein entscheidender Aspekt. Die Ehe gilt trotz der Vielzahl an Scheidungen und Paaren, die ohne Trauschein in einer festen Beziehung leben, immer noch als wichtiger Indikator einer festen und sicheren Bindung an einen Partner. Liebe als zentrale Voraussetzung zum Heiraten war jedoch nicht immer gegeben. So war die Bedeutung der Liebe bei der Partnerwahl in früheren Jahrhunderten geringer, die Bedeutung der Ehe als Garant für Erbschaften oder der Überdauerung des Familiennamens dagegen enorm. Im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit wird dieses Thema genauer erläutert werden.

Die drei Komponenten von Sternbergs Dreieckstheorie der Liebe werden im Folgenden durch verschiedene Aspekte der theoretischen Grundlagen angepasst und dann im praktischen Teil der Hausarbeit als Bewertungskriterien der Beziehungen zwischen Emilia Galotti und dem Prinzen Hettore Gonzaga sowie Minna von Barnhelm und dem Major von Tellheim angewendet.

2.2. Romantische Liebe im 18. Jahrhundert

Romantische Liebe ist kein Phänomen, das erst im 20. Jahrhundert zum Vorschein gekommen ist. Auch in vorherigen Jahrhunderten haben Menschen sich auf leidenschaftliche und intime Weise geliebt. Die Komponente der Bindung ist es, die sich stark verändert hat und die im 18. Jahrhundert noch völlig anders angesehen und aufgefasst wurde. Besonders die Ehe hatte damals noch einen völlig anderen Stellenwert. Während heutzutage eine Vielzahl der Bevölkerung den Weg der Ehe wählt, waren „Heiraten […] jedenfalls statistisch gesehen in der Aufklärung eher unwahrscheinlich“10. Schließlich befand sich in den 1750er Jahren unter 55 Personen nur eine verheiratete.11 Dies lag aber nicht daran, dass die Menschen sich zu Zeiten der Aufklärung weniger liebten oder nicht dauerhaft binden wollten. Es waren die strukturellen Voraussetzungen, die oftmals nicht gegeben waren, was der Grund dafür war, dass viele erst spät oder gar nicht heirateten.12 Genügend wirtschaftliche Mittel waren notwendig, um zu heiraten, da es besonders darum ging, eine zukünftige Familie dauerhaft zu ernähren und nicht in Armut zu versinken. Dies war auch der Grund, weshalb Ehen der wohlhabenden Schicht vorbehalten war. Ärmere Bürger konnten sich eine Heirat schlichtweg nicht leisten.13 Hinzu kam, dass zu dieser Zeit die Entscheidung zur Heirat noch von Männern – also dem möglichen Bräutigam, dessen Vater und dem Vater der Braut - getroffen wurden. Frauen hatten im 18. Jahrhundert kaum Entscheidungsgewalt, besonders was die Ehe anging. Eine für die Familie gute Partie zu bekommen, war wichtiger als den eigenen Gefühlen nachzugeben. 14

[...]


1 Bierhoff 1999, S. 3

2 vgl. Bierhoff 1999, S. 6

3 vgl. Bierhoff 1999, S. 6

4 Bierhoff 1999, S. 6

5 Bierhoff 1999, S. 7

6 vgl. Bierhoff 1999, S. 9

7 vgl. Bierhoff 1999, S. 3

8 vgl. Bierhoff 1999, S. 8

9 Bierhoff 1999, S. 8

10 D'Aprile/ Siebers 2008, S. 580

11 vgl. D'Aprile/ Siebers 2008, S. 580

12 vgl. D'Aprile/ Siebers 2008, S. 586

13 vgl. D'Aprile/ Siebers 2008, S. 581

14 vgl. D'Aprile/ Siebers 2008, S. 580

Details

Seiten
20
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346037213
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v504031
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Germansitik
Note
1,7
Schlagworte
liebe vergleich analyse barnhelm minna galotti emilia werken lessings liebesbeziehungen

Autor

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Titel: Die romantische Liebe in Lessings Werken "Emilia Galotti" und "Minna von Barnhelm"