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Die Quartiersentwicklung der Maikäfersiedlung in München

Projektarbeit 2019 12 Seiten

Soziologie - Wohnen, Stadtsoziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die „Maikäfersiedlung“
2.1 Geschichte und sozialer Wohnungsbau
2.2 Entstehung und Architektur

3. Die „Maikäfersiedlung“ nach dem Krieg bis heute

4. Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Lageplan der Maikäfersiedlung nach Fertigstellung

Abbildung 2: Die verschiedenen Wohnungstypen

Abbildung 3: Beispielgrundriss des Wohnungstyps Nr. 1

1. Einleitung

München ist die Landeshauptstadt vom Bundesland Bayern und zählt heute über 1,5 Millionen Einwohner. Bereits seit mehreren Jahrzehnten zählt der Wohnungsmarkt in München zu den angespanntesten in ganz Deutschland. Daher kommt der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum insbesondere in Bezug auf den sozialen Wohnungsbau eine besondere Bedeutung zu. Bereits seit einigen Jahren sorgen die fehlenden Wohnungen und die daraus resultierenden hohen Mietpreise für diverse staatliche Eingriffe, um der Wohnungsnot in den Ballungsräumen entgegenzuwirken. So sollen Kommunen mehr Unterstützung auf Landesebene erhalten und der soziale Wohnungsbau gestärkt werden. Die erstmalig 2015 eingeführte Mietpreisbremse soll den unaufhörlichen Preisanstieg eindämmen.

Unter anderem die gemeinnützige Wohnstätten- und Siedlungsgesellschaft (GWG) hat sich schon zu Beginn ihrer Tätigkeit die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen in Form von Volkswohnungsanlagen zur Aufgabe gemacht. Volkswohnungen sind billigste Kleinstmietwohnungen in ein- oder mehrgeschossiger Bauweise. So entstand in den dreißiger Jahren als erstes großes Wohnprojekt der GWG die „Maikäfersiedlung“ im Osten Münchens, welche noch heute seine Bedeutung als ein Areal mit bewegter Vergangenheit hat und im Dritten Reich als Musterbeispiel für den sozialen Wohnungsbau galt. Wann und warum der Name „Maikäfersiedlung“ eigentlich entstanden ist, ist heute umstritten. Einerseits wird behauptet, es habe zur Entstehungszeit viele Maikäfer in der Gegend gegeben, andere meinen, man sei sich aufgrund der Kleinstwohnungen wie ein Krabbeltier in einer Schachtel vorgekommen und wieder eine andere Version besagt, die Familien seien damals so groß gewesen wie die der Maikäfer.

Diese Arbeit behandelt die Quartiersentwicklung am Beispiel der Maikäfersiedlung in München. Zu Beginn wird der geschichtliche Hintergrund der Siedlung beschrieben und die Bedeutung des sozialen Wohnungsbaus aufgegriffen. In einem weiteren Unterkapitel wird die Entstehung der Siedlung sowie die damalige vorzufindende Architektur dargestellt. Hierbei wird außerdem auf die Arbeit der GWG in Zusammenarbeit mit dem Architekten Guido Harbers eingegangen. Das dritte Kapitel beschreibt die Entwicklung der Maikäfersiedlung in der Nachkriegszeit bis zur Neustrukturierung heute, da die GWG in den 70er-Jahren beschloss, die Siedlung nahezu in Gänze abzureißen und durch Neubauten zu ersetzen. Hauptgrund für die mehr oder weniger nicht vermeidbare Neukonstruktion war der zur Bauzeit verwendete Porenbetonstein, welcher als sehr feuchtigkeitsanfällig gilt und verantwortlich für die schweren Bauschäden wurde. Durch Bildquellen wird der Sachverhalt entsprechend veranschaulicht. Im vierten und letzten Kapitel wird die Arbeit abschließend zusammengefasst und ein Fazit ausgearbeitet.

2. Die „Maikäfersiedlung“

Die „Maikäfersiedlung“ ist eine in den dreißiger Jahren erbaute Siedlung, als Versuch den sozialen Problemen der Zeit mit dem Bau einer Volkswohnanlage entgegenzuwirken. Gemeinsam mit der gemeinnützigen Wohnstätten- und Siedlungsgesellschaft (GWG) hat der Architekt Guido Harbers das Gelände zwischen Ramersdorf und Berg am Laim neu bebaut. Im Folgenden wird im ersten Abschnitt auf die geschichtlichen Hintergründe der Siedlung sowie auf den sozialen Wohnungsbau eingegangen. In einem weiteren Abschnitt wird die Architektur und die Entstehung der „Maikäfersiedlung“ beschrieben.

2.1 Geschichte und sozialer Wohnungsbau

Heute reihen sich im ehemaligen Echarding Wohnblock an Wohnblock. Vor 100 Jahren gab es dort nur Felder, Bauernhöfe und Ziegeleien. Einzig der so genannte "Engert-Hof" ist bis heute eines der wenigen noch bestehenden Gebäude aus dieser Zeit an der Echardinger Straße. Aufgrund der fruchtbaren Löß- und Lehmböden in der Gegend von Ramersdorf nach Ismaning ließen sich die Menschen damals dort nieder. Die gesamte Landschaft erhielt den Namen "Berg am Laim".

Im Jahre 1620 geht Echarding in den Besitz der Wittelsbacher Hofmark über und wird so Teil von "Berg am Laim". Mit der Revolution 1848 in Bayern geht die Hofmark in staatliche Hände über, sodass jeder Bauer erstmals das Recht hatte, bei Bezahlung von 7,5% des Hofwerts seinen Grund und Boden selbst zu erwerben und zu verkaufen. Im Zuge der Industrialisierung im 18. Jahrhundert vollzieht sich ein grundsätzlicher Wandel in der Gesellschaft, die Arbeiterschicht entsteht, weshalb die Zuwanderung in die Städte auf der Suche nach Arbeit enorm ansteigt. Die Bevölkerungszahlen steigen und der Wohnraum wird folglich knapp. Die Bevölkerung in München hat sich zwischen 1800 und 1850 nahezu verdoppelt.1

Der Bauboom setzte schließlich ein und Mietskasernen schossen wie Pilze aus dem Boden, die teilweise so schlecht und schnell gebaut wurden, dass sie bereits vor Bezug schon renovierungsbedürftig waren. Die Reduzierung der landwirtschaftlichen Fläche führte dazu, dass Berg am Laim von einem ehemals wohlhabenden Ort zu einer der ärmsten Landgemeinden der Umgebung wurde.

Die neugebauten Wohnungen reichten trotz allem bei weitem nicht aus und waren vor allem oftmals viel zu groß und zu teuer für die neue, arme Arbeiterschicht. Als Folge teilten sich mehrere Familien eine Wohnung, um die Miete aufbringen zu können. So entstanden die sogenannten "Herbergen" und die Zahl solcher stieg unaufhörlich an. Erst 1868 mit Einführung einer Bauordnung erhielten die Behörden Einfluss auf die städtebauliche Entwicklung.

Um die Jahrhundertwende war die Gemeinde Berg am Laim bereits hoch verschuldet, da der Bau von Schulen, eines Feuerwehrhauses sowie die Anschlüsse von Gas, Trinkwasser und Elektrizität viel Geld verschlangen. Die Bewohner waren bemüht und kämpften für die Eingemeindung, um von den Annehmlichkeiten der Großstadt profitieren zu können, und nicht nur den Lärm, Verkehr und die Abgase ertragen zu müssen. Doch erst am 01. Juli 1913 wird Berg am Laim mit seinen Ortsteilen Echarding, Baumkirchen und Zamdorf eingemeindet. Die Eröffnung der Straßenbahnlinie zur Anbindung an das Stadtzentrum erfolgte am 15. September 1926.2

Während des ersten Weltkriegs wurden im ersten Quartal 1917 lediglich 37 Wohnungen in München errichtet, der Bedarf lag derzeit bei 6.000 neuen Wohnungen. Als Folge wurden 1918 Bierkeller und Gasthöfe zu Massenlagern umfunktioniert und es wurden Zwangseinquartierungen vorgenommen. Zu dieser Zeit wurde ein kurzfristiges Zuzugsverbot für München erlassen.3

Heute selbstverständliche gesetzliche Regelungen des Bauwesens zum sozialen Wohnungsbau gab es Ende des 19. Jahrhunderts nicht. Erstmalig 1917 wurde zur Entschärfung der Wohnungsnot die "Bayrische Landes-Siedlungs-gesellschaft" gegründet, mit der Zielverfolgung den Bau von billigen Kleinwohnungen voranzutreiben, einem bis dahin völlig neuen Wohnungstypen. Zusätzlich erließ die Regierung am 10. Mai 1920 das Reichsheimstättengesetz zur Förderung von Kleinsiedlungen. Damit wurden Häuser im Rahmen gemeinschaftlicher Siedlungen errichtet, wobei der Gesetzgeber durch günstige Kredite die Möglichkeit zum langfristigen Erwerb gab. Im Falle des Wiederverkaufs hatte der Staat oder die Kommune das Vorkaufsrecht.

Matthias Mayr, Leiter des städtischen Wohnungs- und Siedlungsreferats entwickelte eine Stadtsiedlungsgesellschaft in Form einer GmbH. Am 01. Juni 1918 konnte die sogenannte "Gemeinnützige Wohnstätten- und Siedlungsgesellschaft" (GWG) ihre Arbeit beginnen.4 Die Aufgabe der Gesellschaft war laut Satzung: "Jegliche Förderung des Baues von Wohnungen, insbesondere von gesunden und preiswerten Kleinwohnungen für die minderbemittelte Bevölkerung und Angehörige des Mittelstandes unter vorzugsweiser Berücksichtigung der Bedürfnisse kinderreicher Familien...".5 Trotz erheblicher Startschwierigkeiten aufgrund der politischen und wirtschaftlichen Lage im Jahr 1918, förderte sie bis zum Jahr 1923 die Errichtung von 352 Häusern mit insgesamt 1.734 Wohnungen. Wegen der zunehmenden Konkurrenz und der rasenden Geldentwertung schrumpften die Stammeinlagen der GWG dennoch zeitgleich auf null. Zu Beginn des Jahres 1924 musste die GWG ihre Geschäftstätigkeit daher einstellen, ohne jedoch Konkurs anmelden zu müssen. In den 20er-Jahren entspannte sich der Wohnungsmarkt etwas, da in München große soziale Siedlungsbauprojekte anderer Gesellschaften wie der "gemeinnützigen Wohnfürsorge AG" (GEWOFAG) entstanden. 1929-1932 errichtete diese sechs Siedlungen mit insgesamt 5.440 Wohnungen. Nach dem Börsenkrach im Oktober 1929 erlitt München einen wirtschaftlichen Zusammenbruch. Es konnte kein Siedlungsprogramm mehr durchgeführt werden.

Als München 1935 zur Hauptstadt Bayerns wurde, übernahm Architekt Guido Harbers den Posten des städtischen Wohnungs- und Siedlungsreferenten. Er plante die Ziele seines Vorgängers umzusetzen und gründete die GWG am 11. Oktober 1935 neu. Die Satzung wurde ausdrücklich um das Bauen von eigenen Siedlungen erweitert. Mit dem Bau von sogenannten "Volkswohnungen" unterschied sich die GWG von den zwei anderen Wohnungsbaugesellschaften. Das erste eigene Bauprojekt nach der Wiedergründung war die „Maikäfersiedlung“.6

2.2 Entstehung und Architektur

Erste Pläne für eine Siedlung südlich von Berg am Laim planten die Architekten Roderick Fick und Alwin Seifert im Rahmen eines Wohnungsbauprogramms von 1924. Umgesetzt werden sollte das Projekt ursprünglich von der GEWOFAG München, wurde es jedoch nie. Erst Guido Harbers brachte wieder Bewegung in die Planung am Echardinger Grünstreifen. Die meisten Entwürfe betreffend den Städtebau und die verschiedenen Wohnungstypen im bodenständig-konservativen Stil hatte er bereits vor Wiedergründung der GWG entworfen. Nach dem Erwerb des Grundstücks durch die GWG von der Stadt für vier Reichsmark pro Quadratmeter konnte der Bau zügig begonnen werden, eine Zeilenbebauung dem Straßenverlauf folgend, entlang der Hauptstraße geschlossen, welche erst später durch Unterbrechungen der Blocks etwas aufgelockert wurde. Die Hauseingänge lagen auf der straßenabgewandten Seite mit einer Orientierung nach innen. Die von Nord nach Süd orientierten Zeilen waren spiegelsymmetrisch um die Achse des Grünstreifens angeordnet. Zur Auflockerung der Symmetrie machte der Straßenverlauf der Krumbadstraße eine leichte Kurve. Diese diente außerdem lediglich mit der Bad-Kreuther-Straße als Durchgangsstraße. Mist- und Kieswege für Fußgänger verbanden die Randbebauung mit dem Siedlungskern, welcher in erster Linie aus der Gaststätte "Echardinger Einkehr" und kleinen Läden bestand. Der Platz davor diente unter den Nationalsozialisten als Aufmarschplatz.7

Die Bauleitung übernahm Georg Lex als Verantwortlicher der technischen Betreuung der GWG. Die späteren Bewohner der Maikäfersiedlung waren anders als üblich nicht am Bau beteiligt. Der Bau erfolgte in drei Abschnitten. Im ersten Bauabschnitt entstanden bis 1937 im Kernbereich 421 Mietwohnungen und 190 Eigenheime. Der zweite Bauabschnitt erfolgte 1938 mit 190 Wohnungen in 38 Fünfparteienhäusern entlang der Bad-Schachener-Straße.

[...]


1 Vgl. Seeger, B. (2005): Die Maikäfer-Siedlung in München. München, S. 10–11.

2 Vgl. ebd. S. 13–14.

3 Vgl. ebd. S. 15.

4 Vgl. ebd. S. 15–16.

5 ebd. S. 16.

6 Vgl. ebd. S. 16–20.

7 Vgl. ebd. S. 26–27.

Details

Seiten
12
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346047687
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v504314
Institution / Hochschule
EBZ Business School (ehem. Europäisches Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft)
Note
2,0
Schlagworte
Immobilien Quartiersentwicklung Siedlung Stadtentwicklung München Sozialer Wohnungsbau Genossenschaft

Autor

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