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Kindertagesstätten. Wie kann eine Eingewöhnung laut Konzept ablaufen?

Hausarbeit 2019 23 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen 1
2.1 Was ist Bindung?
2.2 Entwicklung der Bindung
2.2.1 Phase der unspezifischen sozialen Reaktionen
2.2.2 Phase der personenunterscheidenden Ansprechbarkeit
2.2.3 Phase des aktiven und initiierten zielkorrigierten Bindungsverhaltens
2.2.4 Phase der zielkorrigierten Partnerschaft
2.3 Bindungsqualitäten
2.3.1 Sicher gebundene Bindung (B-Typ)
2.3.2 unsicher vermeidende Bindung (A-Typ)
2.3.3 unsicher ambivalente Bindung (C-Typ)
2.3.4 Desorganisiert/desorientierte Bindung (D-Typ)
2.4 Fachkraft-Kind-Bindung

3 Theoretische Grundlagen 2
3.1 Eingewöhnung
3.1.1 Definition und Bedeutung der Eingewöhnung
3.1.2 Das Berliner Eingewöhnungsmodell
3.1.3 Vorfälle, die zur Unterbrechung/Verzögerung der Eingewöhnung führen können

4 Forschungsdesign
4.1 Gesamtpopulation und Wahl der Stichprobe
4.2 Begründung der Forschungsinstrumente
4.3 Aufbau der Forschungsinstrumente
4.4 Planung der Untersuchung
4.5 Planung der Auswertung

5 Darstellung der Befunde
5.1 Ablauf der Untersuchung
5.2 Ergebnisse der Untersuchung

6 Interpretation der Ergebnisse

7 Fazit

1 Einleitung

„Ein Kind, das das dritte Lebensjahr vollendet hat, hat bis zum Schuleintritt Anspruch auf Förderung in einer Tageseinrichtung. (§ 24 Abs. 3 SGB VIII)“1

So steht es im Gesetz, aber wenn es soweit ist, sein Kind durch eine fremde Person betreuen zu lassen, kommen bei Eltern viele Fragen auf.

Auch ich hatte diese Fragen vor der Eingewöhnung meiner Kinder im Kopf. Nach der Eingewöhnung und den unterschiedlichen Reaktionen meiner Kinder, habe ich mich gefragt, ob die Eingewöhnung nach Eingewöhnungsmodell angemessen verlaufen ist und wollte mich genauer über dieses Thema informieren.

Aus diesem Grund beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit dem Thema Eingewöhnung und wie eine Eingewöhnung laut Konzept ablaufen kann.

Zunächst möchte ich eine Einführung in das Thema Bindung geben, welches bei der Eingewöhnung eine wichtige Rolle spielt. Dann werde ich Eingewöhnung definieren und deren Bedeutung beschreiben. Im nächsten Schritt werde ich das bekannteste, das Berliner Eingewöhnungsmodell, aufführen und Vorfälle benennen, die zur Unterbrechung/Verzögerung der Eingewöhnung führen können. Zusätzlich wird ein Fragebogen an Kindertagesstätten, die verschiedenen Trägern angehören, ausgehändigt und danach ausgewertet. Zum Schluss werde ich die Befunde interpretieren und im Fazit möchte ich schließlich die Ergebnisse zusammenfassen und ein Resümee ziehen.

Diese Arbeit geht der Forschungsfrage nach:

- Wie kann eine Eingewöhnung laut Konzept ablaufen?

Untersucht/erörtert werden diesbezüglich die Forschungsthesen:

1. Alle Kindertagesstätten im Landkreis Rostock und Landkreis Vorpommern Greifswald haben ein eigenes Eingewöhnungskonzept, welches an das Berliner Eingewöhnungsmodell angelehnt ist.
2. Der Großteil der Kindertagesstätten plant für die Eingewöhnung 2 Wochen ein
3. Kindertagesstätten sind auf besondere Vorfälle, die zur Unterbrechung/Verzögerung der Eingewöhnung führen, eingestellt

2 Theoretische Grundlagen 1

2.1 Was ist Bindung?

Die Bindungstheorie ist eine psychologische Theorie. Sie besagt, dass jeder Mensch das Bedürfnis hat, Beziehungen zu anderen Individuen aufzubauen. Bindung ist wie ein imaginäres Band, dass zwischen zwei Personen besteht, und über Zeit und Raum miteinander verbindet. Das Bindungssystem gehört zu den biologisch fundierten Verhaltenssystemen. So wendet sich das Bindungsverhalten einer schwächeren Person an eine Bezugsperson, wobei davon ausgegangen wird, dass diese stärker und kompetenter ist und Schutz geben kann.

Entwickelt wurde sie von dem britischen Psychoanalytiker und Kinderpsychiater John Bowlby, dem schottischen Psychoanalytiker James Robertson und der US-amerikanisch-kanadischen Psychologin Mary Ainsworth.2

2.2 Entwicklung der Bindung

In den ersten drei Jahren werden vier Phasen der Bindungsentwicklung unterschieden. Das Wissen über diese Phasen hat bei der Gestaltung von Betreuungswechseln große Bedeutung.3

2.2.1 Phase der unspezifischen sozialen Reaktionen

Diese findet in den ersten zwei Lebensmonaten nach der Geburt statt. Der Säugling stellt durch angeborene soziale Verhaltensweisen (Horchen, Anschauen, Schreien, Festsaugen, Umklammern und Anschmiegen) den Kontakt zu seiner Mutter her. Er sucht instinktiv Gesichter, vor allem den Augenkontakt und reagiert auf den Klang der Stimme. Die Bezugspersonen helfen dem Neugeborenen, indem sie sich zu ihm beugen. Diese Phase wird auch Vorbindungsphase genannt.4

2.2.2 Phase der personenunterscheidenden Ansprechbarkeit

Im Alter von etwa zwei Monaten bis zum Alter von sechs Monaten fängt der Säugling an, auf unbekannte Personen anders zu reagieren als auf bekannte. Zur Mutter baut er die primäre Bindung auf, da mit ihr der Kontakt intensiv ist. Der Säugling kann auf seine Umgebung einwirken und bemerkt so, dass er damit etwas verändert. So erweitert er die Erfahrung der Selbstwirksamkeit. Unbekannten Personen gegenüber beginnt der Säugling gegen Ende der zweiten und mit Beginn der dritten Bindungsphase zu "fremdeln". Wenn der Säugling fremdelt, klammert er sich eng an seine Vertrauensperson, flüchtet vor dem Fremden oder weint sogar panisch vor Schreck. So zeigt der Säugling, dass er zwischen vertrauten und fremden Personen unterscheidet. Diese Phase wird auch beginnende Bindungsphase genannt.5

2.2.3 Phase des aktiven und initiierten zielkorrigierten Bindungsverhaltens

In der dritten Phase, zwischen sechs bis acht Monaten und eineinhalb bis zwei Jahren ist eine deutliche Bindung zur Mutter sichtbar. Der Säugling kann noch ein wenig fremdeln, aber auch neugierig gegenüber der fremden Person sein. Er wird zum Kleinkind. Diese Phase zeigt den Beginn der Mobilität, der Sprache und schließlich der Selbsterkennung. Das Kleinkind erkennt sich als körperlich eigenständiges Wesen. Zwischen 18 und 24 Monaten erkennen sich die meisten Kleinkinder zum Beispiel im Spiegel und sagen „ich, mir, meins“. Sie zeigen Trennungsangst, ein natürliches Schutzsystem. Sieht das Kind seine Eltern, so lacht es sie an und läuft ihnen in die Arme. Dies dient dazu, die Nähe zur Bezugsperson zu erlangen und zu erhalten, um das Gefühl von Sicherheit zu bewahren. Der Säugling und das Kleinkind vergewissern sich mit Blickkontakten, wo sich Mama befindet, die ihrerseits viel in Bewegung ist (deshalb „zielkorrigiert“ in der Bezeichnung nach Ainsworth). Bei Angst sucht das Kleinkind sofort Nähe zu seiner Mutter. Diese Phase wird auch als Phase der eindeutigen Bindung bezeichnet.6

2.2.4 Phase der zielkorrigierten Partnerschaft

Diese Phase zeigt sich ab dem Alter von zwei, drei Jahren. Sie kann erst beginnen, wenn das Kind ausreichend sprechen und verhandeln kann und versteht, was Mama, Papa und andere Bindungspersonen beabsichtigen.

Die Phase der zielkorrigierten Partnerschaft ist gekennzeichnet durch die Differenzierung (Unterscheidung) und Integration der erworbenen Bindungen. Spätestens jetzt beginnt die feinfühlige Erziehung, die sich im Idealfall an das Temperament des Kindes anpasst. Es kann verschiedene Vorlieben haben, zum Beispiel, mit wem es am liebsten ein Buch liest, wer es tröstet, wickelt, zum WC begleitet, ankleidet und so weiter. Wächst das Kind in einer Familie auf, in der beide Eltern Zuwendung und Zeit schenken können, interessiert es sich nun speziell für den Vater und will mit ihm auf „Abenteuerreise“ gehen. Die sprachlichen und motorischen Fähigkeiten explodieren. Das Kind will alles selbst machen, es zeigt seinen eigenen Willen und verteidigt sein „Selbst“ eindrucksvoll. In heftigen emotionalen Gefühlsausbrüchen ringt das Kind um sich selbst. Es benötigt. Am Ende dieser turbulenten Phase ist es in der Lage, sich in Zustände anderer Personen hinein zu versetzen. Diese Phase wird auch die Phase reziproker (wechselseitiger, gegenseitiger) Beziehungen genannt.7

2.3 Bindungsqualitäten

Mary Ainsworth, eine Schülerin und später enge Mitarbeiterin von John Bowlby, entwickelte den sogenannten Fremde-Situations-Test (FST), um die die Qualität der Bindung von Kindern im Altern von zwölf bis achtzehn Monaten und ihrer Bezugsperson zu erfassen. Der FST ist durch eine feste Abfolge an Episoden gekennzeichnet, in denen zunächst Kind und Bindungsperson einen unbekannten Raum betreten, eine fremde Person hinzukommt, die Bindungsperson zweimal den Raum verlässt und nach max. drei Minuten zurückkommt.

Beobachtet wurden die kindlichen Reaktionen bei Trennung und Wiedersehen. Hieraus hat Ainsworth vier Bindungsqualitäten/Bindungstypen abgeleitet.8

2.3.1 Sicher gebundene Bindung (B-Typ)

Die Eltern haben sich liebevoll und feinfühlig dem Kind gegenüber gezeigt. Sie haben die Signale des Kindes richtig wahrgenommen, diese richtig interpretiert und prompt und angemessen reagiert. Durch diese Versorgung erlebt das Kind Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmung. Dies ist eine sichere Basis, um selbstbewusst sicher die Welt zu erkunden. 60% - 70% aller Kinder in Deutschland sind sicher gebunden. Die Kinder suchen und halten bei oder nach einer Belastung Nähe und Kontakt zur Mutter. Sie haben und zeigen ein Vermissen-Gefühl. Verlässt die Bezugsperson den Raum, wollen die Kinder der Person folgen. Sie weinen und schreien und lassen sich nicht von einer fremden Person trösten. Sobald die Bezugsperson wieder zurückkehrt, sucht das Kind Nähe und will auf den Arm genommen werden.9

2.3.2 unsicher vermeidende Bindung (A-Typ)

Diese Kinder wünschen sich Nähe und persönliche Zuwendung, die aber nur selten erfüllt wurden. Sie entwickeln die Vorstellung, dass ihre Wünsche im Allgemeinen auf Ablehnung stoßen. Sie wirken oft sehr vernünftig, selbstständig, anpassungsbereit und unauffällig. Des Weiteren zeigen sie wenig Kummer und wenden sich ab. Sie behandeln Mutter und Fremde gleich. So lernen sie, keine Gefühle zu zeigen und meiden den Kontakt zur Mutter. Während einer Trennung zur Bezugsperson wirken sie unbeeindruckt, sie zeigen keine Gefühle und Emotionen. Kehrt die Bezugsperson zurück, zeigt das Kind kaum Interesse und bevorzugt die fremde Person mehr als die Bezugsperson. „In Deutschland sind im Gegensatz zu anderen westlichen Ländern besonders viele Erwachsene positiv beeindruckt, wenn Kinder auf das Verschwinden der Bezugsperson gleichmütig reagieren. Die Eltern nehmen das als „unabhängig“ wahr.“10

2.3.3 unsicher ambivalente Bindung (C-Typ)

Bei so gebundenen Kindern wurde Unsicherheit hervorgerufen und sie müssen deutlich auf ihre Bedürfnisse aufmerksam machen. Sie zeigen viel Kummer, streben auffällig Kontakt- und Interaktionsversuche an. Die Kinder erleben die Mutter als widersprüchlich. Wenn bei dieser Bindungsart die Bezugsperson den Raum verlässt, wirkt das Kind verunsichert, läuft zu Tür, weint und schreit. Es scheint absolut überwältigt von der Situation zu sein und reagiert gestresst und ängstlich. Kommt die Bezugsperson zurück, klammert es sehr an ihr, trotzdem kann es kaum beruhigt werden. Es ist wie hin- und her gerissen zwischen dem Bedürfnis nach Nähe zur Bezugsperson und dem Ärger auf diese. Ist die Bezugsperson mit im Raum, interagiert das Kind kaum mit der fremden Person.11

2.3.4 Desorganisiert/desorientierte Bindung (D-Typ)

Das Kind zeigt widersprüchliche Verhaltensweisen und sucht intensiv Nähe, lehnt aber dennoch die Kontaktangebote ab. Ursachen sind undurchschaubare Verhaltensweisen der Bezugsperson. Es gibt verschiedene Stereotypen, wie Kinder sich bei dieser Art der Bindung verhalten. Beispielsweise drehen sie sich im Kreis, wenn die Bezugsperson den Raum wieder betritt oder sie ziehen ein ängstliches Gesicht. Andere lassen sich auf den Boden fallen oder gucken erschrocken. Desorganisiert gebundene Kinder erschrecken oft, wenn ihre Eltern den Raum nach kurzer Trennung wieder betreten. Eine weitere Ursache für dieses Bindungsverhalten zeigt sich bei Kindern, deren Bindungspersonen unter den Folgen eigener Psychotraumata leiden. Die traumatischen Erfahrungen ihrer Bindungspersonen zeigen sich bei den Kindern im verängstigten Verhalten. Diese Kinder haben keine Verhaltensstrategie, um mit der Trennungssituation umzugehen. Diese Kinder sind dann wie gelähmt, sie erstarren und sind überfordert. Gefühle, die sie dann gerade fühlen, sind Ohnmacht, Überwältigung, Hilflosigkeit und Kontrollverlust.12

2.4 Fachkraft-Kind-Bindung

In einer Studie von Cummings wurde festgestellt, dass Kindern, die morgens in die Kindertagesstätte gebracht und von dem Erzieher empfangen wurden, der sie schon länger betreut, der Abschied von der Mutter nicht so schwerfällt, als wenn der Erzieher unbekannt wäre. Über den Tag wenden sie sich häufiger ihnen bekannten Erziehern zu als Erziehern, die sie nicht so oft sehen. Sie weinen weniger und lassen sich schneller trösten bei stabil anwesender Fachkraft. (vgl. Cummings 1980; Barnas & Cummings 1994)

Stabil betreuende Fachkräfte werden zu Bezugspersonen erwählt, deren Nähe und Schutz vom Kind eingefordert wird. Die Beziehung zwischen ihnen und den Kindern ist durchaus als Bindungsbeziehung zu werten. Im Gegensatz zur Mutter-Kind-Bindung weist die Fachkraft-Kind-Bindung eine Reihe von Besonderheiten auf. Im Unterschied zu einer meist ungeteilten mütterlichen Aufmerksamkeit bei der Betreuung des Kindes, steht eine pädagogische Fachkraft vor der Herausforderung, eine ganze Gruppe regulieren zu müssen, innerhalb derer sie dann auch individuelle Beziehungen entwickelt. Diese Beziehung wird durch fünf Eigenschaften beschrieben: Zuwendung, sicherheitsgebende und stressreduzierende Aspekte, sowie Unterstützung und Hilfe beim kindlichen Erkunden als auch Erwerb von Wissen.13

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten14

3 Theoretische Grundlagen 2

3.1 Eingewöhnung

3.1.1 Definition und Bedeutung der Eingewöhnung

Eingewöhnung ist der Übergang aus der häuslichen Betreuung in die außerhäusliche Betreuung in der Kindertageseinrichtung.

Bei der Eingewöhnung haben die Begriffe „Transition“ und „Bindung“ eine große Bedeutung. Transitionen bezeichnen Übergänge im Leben eines Kindes, die seine Entwicklung und Persönlichkeitsbildung maßgeblich beeinflussen.15 Gerade bei Kindern unter drei Jahren kann die Transition und Eingewöhnung schnell zu Überforderung und starker emotionaler Belastung führen. Damit dies nicht geschieht, ist es wichtig, die Eingewöhnung planvoll und sensibel zu gestalten. Damit das Kind sich an die neue Umgebung und die vielen neuen Eindrücke sowie die vielen anderen Kinder behutsam gewöhnen kann, ist die Begleitung eines Elternteiles sehr wichtig. Ebenfalls muss das Kind in der Zeit der Eingewöhnung die pädagogische Fachkraft als neue Bezugsperson akzeptieren. Die Unterstützung des Elternteiles hilft dem Kind, sich in die neue, noch ungewohnte Situation besser einzugewöhnen. Außerdem kann es sich bei Überforderung oder Unsicherheit in die Arme des Elternteiles „flüchten“. Die Bezugsperson ist somit für das Kind der „sichere Hafen“.

Nicht nur für das einzugewöhnende Kind ist die Zeit der Eingewöhnung mit Veränderungen und Ängsten verbunden, sondern auch für die Eltern. Diese müssen nun damit zurechtkommen, dass die Betreuung und Erziehung des Kindes nicht mehr nur bei ihnen liegen, sondern sie sich diesen Prozess nun mit der pädagogischen Fachkraft teilen. Deshalb ist es wichtig, dass die Eltern mit der pädagogischen Fachkraft und der Einrichtung eine vertrauensvolle Erziehungspartnerschaft aufbauen.16

In der pädagogischen Praxis gibt es zwei Eingewöhnungsmodelle, die am bekanntesten sind. Dies ist einmal das „Berliner Eingewöhnungsmodell“ und das „Münchener Eingewöhnungsmodell“. Da in den meisten Kindertagesstätten, die wir aus Praktika kennen, das Berliner Eingewöhnungsmodell praktiziert wurde, haben wir uns entschieden, dieses im Folgenden darzustellen.

3.1.2 Das Berliner Eingewöhnungsmodell

Das Berliner Eingewöhnungsmodell wurde vom Institut für angewandte Sozialisationsforschung/frühe Kindheit e.V., kurz „infans“, entwickelt. Wichtigste theoretische Grundlage ist die Bindungstheorie nach John Bowlby. Die Eingewöhnung dauert insgesamt ein bis drei Wochen, wobei die individuelle Dauer einer Eingewöhnung immer das Kind selbst durch sein Verhalten und seine Reaktionen bestimmt.

Außerdem wurde im Berliner Eingewöhnungsmodell das Ergebnis mehrerer Studien berücksichtigt, die zeigen, dass nicht oder nur teilweise eingewöhnte Kinder längere Zeit erkranken und teilweise auch Entwicklungsrückstände zeigten. Auch ihr Bindungsverhalten wurde negativ beeinflusst.17

Das Berliner Eingewöhnungsmodell setzt sich aus fünf aufeinanderfolgenden Phasen/Schritten zusammen. Diese werden im folgenden Abschnitt dargestellt und eingehend erläutert.

3.1.2.1 1. Schritt - Vorbereitungsphase

In der Vorbereitungsphase sollte ein persönliches Gespräch zwischen Eltern und Einrichtungsleitung stattfinden, damit die Eltern frühzeitig über das praktizierte Eingewöhnungsmodell, die voraussichtliche Dauer des Eingewöhnungsprozesses und den Ablauf der Eingewöhnung informiert werden.

Es ist wichtig, den Eltern beziehungsweise der Bezugsperson des Kindes zu erklären, dass die Anwesenheit von Ihnen bei der Eingewöhnung einen großen Stellenwert hat, damit das Kind eine „sichere Basis“ hat, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen und eine Bindungsbeziehung zur Fachkraft aufbauen kann. Im Mittelpunkt des Erstgespräches sollte das Kind und seine Bedürfnisse stehen. Die Einrichtung sollte sich im vorab über die Essgewohnheiten, Schlafgewohnheiten, Spielinteressen, Vorlieben, Rituale und bisherige Erfahrungen bei Trennungen des Kindes von der Bezugsperson informieren. Die Eltern/Bezugsperson können darüber aufgeklärt werden, was die Rolle der Fachkraft während der Eingewöhnung ist und wie sie sich selbst zu verhalten haben, was von ihnen erwartet wird und welche Schwierigkeiten auf sie zukommen könnten. Außerdem sollten die Eltern beziehungsweise die Bezugsperson darüber informiert werden, dass die Eingewöhnung eine Belastungssituation für das Kind ist und die Eltern in dieser Zeit keinen Urlaub, Umzug oder andere Veränderungssituationen planen sollten. Auch das Mitbringen des Lieblingskuscheltieres des Kindes, kann helfen, sich besser in die neue Situation hineinzufinden. Falls das Kind oder die pädagogische Fachkraft während beziehungsweise kurz vor der Eingewöhnung erkrankt, sollte abgesprochen werden, dass die Eingewöhnung bis zur Gesundung des Kindes oder der Fachkraft verschoben wird. Wichtig ist auch der Hinweis darauf, dass die Eltern Hauptbindungspersonen des Kindes bleiben werden, um eventuell vorhandene Trennungsängste der Eltern zu mindern, die sonst den Eingewöhnungsprozess des Kindes erschweren können.

Die Eltern erhalten beim Aufnahmegespräch viele Informationen, die sie sich merken müssen und sind häufig sehr aufgeregt, deshalb wäre es sinnvoll, den Eltern die Informationen schriftlich mitzugeben, damit sie, wenn nötig, nochmal nachlesen können.18

3.1.2.2 2. Schritt - Grundphase

Die Grundphase findet in den ersten drei Tagen der Eingewöhnung statt. In dieser Zeit kommt ein Elternteil mit dem Kind in den jeweiligen Gruppenraum und bleibt circa ein bis zwei Stunden dort. Dies sollte in der Regel zu bestimmten Zeiten erfolgen, damit es leichter für das Kind ist, wenn es zunächst einmal nur die gleichen Situationen miterlebt. Danach verlassen beide gemeinsam den Raum. Es finden noch keine Trennungsversuche statt.

Für die Zeit der Grundphase sollte die pädagogische Fachkraft dem begleitenden Elternteil Verhaltensvorschläge unterbreiten, um Unsicherheiten beim Elternteil abzubauen und dem Kind die Eingewöhnung zu erleichtern. Dazu gehören etwa die folgenden Vorschläge:

- Das Elternteil sollten sich im Gruppenraum eher passiv verhalten, damit das Kind Zeit zum Erkunden hat und die pädagogische Fachkraft die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme erhält
- Mutter/Vater sollten ihr Kind auf keinen Fall drängen, sich von ihr/ihm zu entfernen und es immer akzeptieren, wenn das Kind ihre Nähe sucht
- Sie sollten nicht mit anderen Kindern spielen, da das Kind sonst irritiert ist und den Kontakt zu den Eltern sucht, anstatt den Raum zu erkunden und Kontakt zur pädagogischen Fachkraft aufzunehmen
- Das begleitende Elternteil sollte für das Kind ein „sicher Hafen“ sein, indem es Rückversicherungsblicke des Kindes wahrnimmt und dem Kind damit signalisiert, jederzeit die Aufmerksamkeit des Elternteils zu haben

Die pädagogische Fachkraft versucht vorsichtig und ohne zu drängen, am besten über Spielangebote oder Beteiligung am Spiel des Kindes, Kontakt zu ihm aufzunehmen.19

„Während des Eingewöhnungsprozesses sollte die Fachkraft auch ihr äußeres Erscheinungsbild, zum Beispiel durch ungewohnte Kleidung, deutlich anderer Frisur oder ein neues Parfum, nicht zu stark verändern, da dies junge Kinder häufig sehr irritiert.“20

Ebenfalls ist es die Aufgabe der pädagogischen Fachkraft, die Interaktion zwischen Mutter beziehungsweise Vater und Kind zu beobachten und nach Anhaltspunkten zu suchen, die für eine kürzere oder längere Eingewöhnungszeit sprechen.21

3.1.2.3 3. Schritt – Erster Trennungsversuch und Entscheidung über die Dauer der Eingewöhnungszeit

Am vierten Tag der Eingewöhnung erfolgt ein erster Trennungsversuch, vorausgesetzt der vierte Tag fällt nicht auf einen Montag. Das Elternteil kommt gemeinsam mit dem Kind in die Einrichtung. Sobald sich das Kind dem Spiel zugewandt hat, geht Mutter/Vater zum Kind hin, verabschiedet sich klar und deutlich vom Kind und verlässt den Raum (nicht heimlich!), auch wenn das Kind weint. Die Bezugsperson bleibt aber in unmittelbarer Nähe, zum Beispiel vor der Gruppentür. Wenn das Kind die Verabschiedung und den Weggang des begleitenden Elternteils akzeptiert und das Erkundungsverhalten weiterhin fortsetzt oder wenn sich das Kind bei Kummer innerhalb kurzer Zeit von der pädagogischen Fachkraft trösten lässt, kann die Trennungszeit bis zu dreißig Minuten aufrechterhalten werden. Das Kind versucht, mit der Belastungssituation fertigzuwerden. Die Reaktionen des Kindes deuten auf eine kürzere Eingewöhnungszeit von circa sechs Tagen hin. Die Trennungssituation kann aber auch dazu führen, dass das Kind starkes Bindungsverhalten in Form von Weinen oder Schreien zeigt oder es zeigt heftiges Verlangen nach der Rückkehr der Bezugsperson. Lässt sich das Kind in einer solchen Situation nicht von der pädagogischen Fachkraft trösten, wird der Trennungsversuch nach zwei bis drei Minuten abgebrochen. Die Reaktion des Kindes weisen auf eine längere Eingewöhnungszeit von circa zwei bis drei Wochen hin. Mit dem nächsten Trennungsversuch sollte bis zur zweiten Woche gewartet werden.22

3.1.2.4 4. Schritt – Stabilisierungsphase

Am vierten Tag der Eingewöhnung, vorausgesetzt der vierte Tag fällt nicht auf einen Montag, beginnt die pädagogische Fachkraft damit, immer häufiger die Versorgung beim Kind (füttern, wickeln, sich als Spielpartner anbieten), im Beisein des Elternteiles, zu übernehmen. Hat das Kind die Fachkraft als „sichere Basis“ akzeptiert, gibt die begleitende Bezugsperson ihr jetzt immer öfter die Möglichkeit, als Erste auf Signale des Kindes zu reagieren.

Bei Kindern mit einer kurzen Eingewöhnungsdauer kann die Trennungsphase, nach einem kurzen Abschiedsritual, auf rund eine Stunde erweitert werden. Das Elternteil sollte sich noch in unmittelbarer Nähe befinden. Verläuft die Trennungsperiode erfolgreich, kann die Bezugsperson an Tag fünf das Kind im Beisein der pädagogischen Fachkraft Schlafenlegen und nach der Schlafzeit wecken. Gelingt auch dieses gut und macht das einzugewöhnende Kind weiterhin einen ausgeglichenen Eindruck, kann sich das Elternteil ab Tag sechs der Eingewöhnung aus der Einrichtung entfernen. Jedes Kind ist individuell und es kann jederzeit Verhaltensweisen zeigen, die erfordern, dass die Bezugsperson wieder in die Einrichtung kommen muss, deshalb sollte diese noch zwei Wochen lang telefonisch erreichbar sein.

Bei Kindern mit einer längeren Eingewöhnungsdauer dienen Tag fünf und sechs der weiteren Stabilisierung der Beziehung zwischen pädagogischer Fachkraft und Kind. Der nächste Trennungsversuch sollte frühestens an Tag sieben stattfinden. Anschließend wird die Trennungszeit zwischen Elternteil und Kind, je nach Reaktion des Kindes, ausgedehnt. Ab diesem Tag versucht die Fachkraft, die Pflege des Kindes, im Beisein der Eltern, zu übernehmen. In dieser Zeit achtet die pädagogische Fachkraft auf die Reaktionen des Kindes und entscheidet individuell, wie weiter verfahren wird. Verläuft die Trennungsphase positiv, wird die Trennungszeit täglich gesteigert und am neunten Trag der Eingewöhnung legt das Elternteil sein Kind in der Kindertagesstätte zum Schlafen hin und weckt dieses danach wieder. Ab der dritten Woche bleibt das Kind in den meisten Fällen überwiegend allein in der Kindertagesstätte. Sollte dies nicht der Fall sein, muss die pädagogische Fachkraft ein Gespräch mit den Eltern des Kindes suchen, um die Ursache hierfür zu finden. Es kann sein, dass die Eltern selbst auch nicht mit der Trennung vom Kind klarkommen und dieses Gefühl auf das Kind übertragen. Sollte dies der Fall sein, wird gemeinsam nach einer Lösung gesucht.23

3.1.2.5 5. Schritt – Schlussphase

Das Elternteil hält sich nicht mehr in der Kindertagesstätte auf, ist jedoch jederzeit telefonisch erreichbar, falls die Tragfähigkeit der neuen Beziehung zur pädagogischen Fachkraft noch nicht ausreicht, um das Kind in besonderen Fällen aufzufangen. Dieses kann passieren, da sich das Kind an den Tagesablauf in der Einrichtung gewöhnen, viele neue Eindrücke und Regeln verarbeiten und seinen Platz in der Gruppe finden muss. Außerdem kann es vorkommen, dass bereits ein weiteres Kind zum Eingewöhnen in die Gruppe kommt oder jemand Anderes die Aufmerksamkeit der Bezugserzieherin verlangt. Die pädagogische Fachkraft sollte dies schon bei ihrer Planung der Eingewöhnung berücksichtigen und den Eltern den Ratschlag geben, dass ihr Kind in den ersten sechs bis acht Wochen nur halbtags die Einrichtung besucht, wenn ihnen dies möglich ist.24

„Die Eingewöhnung gilt als erfolgreich, wenn sich das Kind in schwierigen, traurigen oder verunsichernden Situationen von der neuen Bezugsperson helfen und trösten lässt. (Eltern = sicherer Hafen, Fachkraft = Basislager). Das Kind entwickelt eigene Spielideen, erforscht die Umgebung und nimmt Kontakt zu anderen Kindern auf und akzeptiert, dass die pädagogische Fachkraft Pflegerituale übernimmt“25

3.1.3 Vorfälle, die zur Unterbrechung/Verzögerung der Eingewöhnung führen können

Im folgenden Teil wird erläutert, welche Vorfälle bei einer Eingewöhnung auftreten können, die zur Unterbrechung/Verzögerung der Eingewöhnung führen können und wie die Einrichtung damit umgehen kann.

3.1.3.1 Erkrankung des Kindes

Wenn ein Kind in der Eingewöhnungsphase erkrankt, ist es wichtig zu schauen, wie lange die Eingewöhnung schon läuft. Ebenfalls ist die Dauer der Krankheit ausschlaggebend, wie weiter verfahren wird. Erkrankt das Kind in den ersten zwei Wochen, ist es ratsam, einen sensiblen Neuanfang der Eingewöhnung zu beginnen. Wurde das Kind vor der Erkrankung bereits zwei Wochen oder länger eingewöhnt und belief sich die Dauer der Erkrankung auf wenige Tage, haben die meisten Kinder keine Schwierigkeiten damit, sich auf die bereits begonnene Beziehung zur pädagogischen Fachkraft einzulassen. In diesem Fall kann die Eingewöhnung unter Berücksichtigung der Verhaltensweisen des Kindes weitergeführt werden.26

3.1.3.2 Erkrankung der eingewöhnenden Fachkraft

Wird die eingewöhnende Fachkraft während der Eingewöhnung krank, muss für jedes Kind individuell entschieden werden, wie weiter verfahren wird. Ist die pädagogische Fachkraft nur für ein paar Tage erkrankt, kann die Einrichtungsleitung mit den Eltern klären, ob die Eingewöhnung unterbrochen werden kann und die Eltern das Kind in dieser Zeit zu Hause betreuen. Sollte dieses nicht der Fall sein oder erkrankt die eingewöhnende Fachkraft für längere Zeit, muss eine andere pädagogische Fachkraft die Eingewöhnung übernehmen. Diese muss dann entscheiden, in welcher Eingewöhnungsphase fortgesetzt wird. Wurde das Kind in einer Gruppe eingewöhnt, in der zwei pädagogische Fachkräfte agieren, ist es sinnvoll, die Eingewöhnung mit dieser fortzuführen, da diese dem Kind nicht ganz fremd ist. Angenommen die Kollegin/der Kollege übernimmt die Eingewöhnung des Kindes, muss sichergestellt werden, dass eine zusätzliche Fachkraft in die Gruppe kommt. Somit muss die jetzt eingewöhnende Fachkraft nicht zusätzlich die Kindergartengruppe mitbetreuen, dieses könnte die Eingewöhnung erschweren und zu Irritationen beim einzugewöhnenden Kind führen. In der Eingewöhnungszeit sollte die eingewöhnende Fachkraft keine Fortbildungstermine oder Urlaub haben.27

3.1.3.3 Unüberwindbare Meinungsverschiedenheiten

Eine Eingewöhnung ist eine Art Probezeit, in der die Eltern des einzugewöhnenden Kindes prüfen, ob sie und das Kind sich in der Einrichtung und mit den Mitarbeitern wohlfühlen und sie das Konzept und die Verhaltensweisen der Fachkräfte der Kindertagesstätte anspricht. Können sich die Eltern mit der Einrichtung nicht identifizieren, wird auch das Kind ein Protestverhalten in der Kindertagesstätte zeigen. Kinder spüren, wenn Eltern etwas fragwürdig finden und werden niemandem Vertrauen schenken, dem die Eltern nicht vertrauen. Deshalb ist es besser, bei unüberwindbaren Meinungsverschiedenheiten oder gestörten Vertrauensverhältnissen die Eingewöhnung abzubrechen.28

3.1.3.4 sofortiger Arbeitsantritt eines Elternteils

Für eine optimale Eingewöhnung und zum Wohl des Kindes ist die Anwesenheit eines Elternteiles erforderlich. Wenn dieses aus arbeitstechnischen Gründen der Eltern nicht möglich ist, sollte versucht werden, dass diese Aufgabe ein Großelternteil oder eine andere, dem Kind vertraute Person übernehmt.29

4 Forschungsdesign

4.1 Gesamtpopulation und Wahl der Stichprobe

Die zu berücksichtigende Gesamtpopulation wären alle Kindertagesstätten, die eine Eingewöhnung durchführen. Für unsere Forschung haben wir sieben Kindertagesstätten im Landkreis Rostock und im Landkreis Vorpommern Greifswald als Stichprobe ausgewählt. Diese Kindertagesstätten liegen in verschiedenen Orten nahe unseren Wohnorten und gehören zu verschiedenen Trägern. Diese Träger sind das Institut Lernen und Leben e.V., Kalis Kinderwelten, Deutsches Rotes Kreuz, GGPmbH , Volkssolidarität und ein eingetragener Elternverein. Wir haben uns für diese Einrichtungen entschieden, weil wir erfahren wollen, ob und welche Unterschiede es bei verschiedenen Trägern gibt. Auch haben wir Kindertagesstätten in unserer Nähe gewählt, da diese in Zukunft mögliche Arbeitgeber sein könnten und es interessant ist, wie diese die Eingewöhnung gestalten.

4.2 Begründung der Forschungsinstrumente

Es wurde sich für einen standardisierten Fragebogen mit quantitativen Fragestellungen entschieden. Diese dienen der schnellen Erhebung einer großen Anzahl von auswertbaren Daten. Ebenfalls bekommt man durchdachte Antworten, da in der Regel kein Zeitdruck durch eine Gruppensituation oder einen Interviewer entsteht. Die Fragebögen werden den Fachkräften, die für die Eingewöhnung zuständig sind, beziehungsweise den Einrichtungsleitungen der verschiedenen Kindertagesstätten zur Verfügung gestellt.

4.3 Aufbau der Forschungsinstrumente

Am Anfang der wissenschaftlichen Arbeit wurden Literatur- und Internetrecherchen betrieben, um in das zu behandelnde Thema hineinzufinden und Vorwissen zu erhalten beziehungsweise aufzufrischen. Nachdem sich über das Thema informiert wurde und die nötigen Vorkenntnisse in Erfahrung gebracht wurden, kam die Entscheidung einen standardisierten Fragebogen zu erstellen, in dem alle Befragten inhaltlich identische Fragen erhalten, die in gleicher Reihenfolge stehen. Dies erleichtert die spätere Auswertung der Untersuchung. Es wurden sechs Fragen zum Thema Eingewöhnung gewählt. Der Fragebogen besteht aus zwei Mehrfachwahlfragen, drei Mehrfachwahlfragen mit Ergänzungsoptionen und einer offenen Frage. In der ersten Frage des Fragebogens wird das praktizierte Eingewöhnungsmodell erfragt und als Antwortmöglichkeiten das Münchener Eingewöhnungsmodell und das Berliner Eingewöhnungsmodell angegeben, zusätzlich wird eine Ergänzungsmöglichkeit aufgelistet, falls die Einrichtung ein anderes beziehungsweise eigenes Modell verwendet. Als nächstes wird in Frage zwei die Zeit, die für die Eingewöhnung eingeplant wird, erfragt. Hier sind die Antwortmöglichkeiten 1 Woche, 2 Wochen, 3 Wochen, 4 und mehr Wochen und individuell aufs Kind angepasst. Dann bezieht sich die dritte Frage auf die Anzahl der Kinder, die gleichzeitig in einer Gruppe eingewöhnt werden können. 1 Kind, 2 Kinder oder 3 und mehr Kinder sind als Antwortmöglichkeiten vorgegeben. In Frage vier, die eine offene Frage ist, kann die Person, die den Fragebogen ausfüllt, aufschreiben, worauf Ihre Einrichtung besonderen Wert legt bei der Eingewöhnung. In Frage sechs wird erfragt, wie die Kindertagesstätte mit Verzögerungen der Eingewöhnung zum Beispiel durch Krankheit des Kindes verfährt. Hier wurden folgende Möglichkeiten zur Antwort geboten: Verkürzung der Eingewöhnung, Verlängerung der Eingewöhnung und die Ergänzungsmöglichkeit sonstige, bei der andere verwendete Verfahren ergänzt werden können. In der sechsten und letzten Frage werden Lösungsansätze der Einrichtungen erfragt, wenn die Eltern während der Eingewöhnungszeit vorzeitig ihre Arbeit wieder aufnehmen müssen. Als mögliche Antwortmöglichkeiten stehen den auszufüllenden Personen andere Bezugspersonen werden aktiv; Eingewöhnung vorzeitig beenden; vertragliche Bedingung, dass die Eltern Zeit haben zur Verfügung. Ebenfalls gibt es bei dieser Frage noch die Ergänzungsmöglichkeit andere Lösung.

4.4 Planung der Untersuchung

In der ersten Woche soll die Planung der Arbeit und die Thesenfindung stattfinden. Ebenfalls wird Literatur- und Internetrecherche betrieben, um die passenden Bücher und Internetseiten zu finden. Diese werden inhaltlich überflogen, um sich einen Überblick und Vorwissen zu beschaffen. Des Weiteren wird eine grobe Gliederung der wissenschaftlichen Arbeit angefertigt.

Forschungsinstrumente und die benötigten Fragen dazu werden in der zweiten Woche ermittelt. Hierfür werden Fragen gesammelt und formuliert, danach wird aussortiert, welche Fragen für die Forschungsinstrumente von Bedeutung sind. Zur Überprüfung der Forschungsfragen wird um Mithilfe der Mentorin gebeten. Ende der zweiten Woche sollen die Forschungsinstrumente fertiggestellt sein. Falls Interviews geführt werden sollen, werden Telefonate mit entsprechenden Personen geführt, um dort Termine zu für ein Interview zu vereinbaren.

In der dritten Woche sollen die Forschungsinstrumente in verschiedenen Kindertagesstätten, die zu verschiedenen Trägern gehören, abgegeben werden beziehungsweise Interviews geführt werden. Verschiedene Träger werden gewählt, um zu erfahren, ob es dort Unterschiede gibt. In dieser Woche soll außerdem das Forschungsdesign für die Mappe der wissenschaftlichen Arbeit bearbeitet werden, sowie die Ausarbeitung der theoretischen Grundlagen, nebenbei wird das Literaturverzeichnis verfasst. Falls es Umfragen beziehungsweise Fragebögen für Eltern oder Kindertagesstätten gibt, werden diese am Ende der Woche wieder abgeholt.

In der letzten Woche der wissenschaftlichen Arbeit werden die Forschungsinstrumente ausgewertet und dargestellt. Danach werden die Befunde interpretiert und es wird ein Fazit geschrieben. Am Ende werden dann die Einleitung, das Inhaltsverzeichnis und das Deckblatt angefertigt, sowie die eidesstattliche Erklärung, das Abbildungs- und Abkürzungsverzeichnis. Zuletzt wird die wissenschaftliche Mappe mit den kompletten Anhängen zusammengefügt.

Bei Fragen oder Unstimmigkeiten wird der Rat der Mentorin eingeholt.

4.5 Planung der Auswertung

Nach Abholung der Fragebögen wird geschaut, ob alle Fragen beantwortet worden sind. Dann wird sich ein Überblick verschafft, welche Antwortmöglichkeiten angekreuzt wurden und ob es Gemeinsamkeiten gibt. Danach wird entschieden, welche Fragen für die Forschungsfrage und -thesen von Bedeutung sind. Diese werden dann ausgewertet. Anhand dieser Auswertung wird entschieden, welche Diagramme zum Darstellen der Ergebnisse zur Anwendung kommen.

5 Darstellung der Befunde

5.1 Ablauf der Untersuchung

Im ersten Schritt der ersten Woche wurden die Thesen aufgestellt und dann nach passenden Forschungsinstrumenten gesucht. Hierfür wurde Literatur- und Internetrecherche betrieben und passende Literatur besorgt, um sich einen groben Überblick über das Thema zu beschaffen. Am Ende der ersten Woche war die Thesenfindung abgeschlossen und die grobe Gliederung der wissenschaftlichen Arbeit erstellt.

Nach reiflicher Überlegung fiel die Auswahl der Forschungsinstrumente am Anfang der zweiten Woche auf einen standardisierten Fragebogen mit sechs Fragen zum Thema Eingewöhnung. Es wurden verschiedene Fragen gesammelt und formuliert, danach wurde aussortiert, welche Fragen für die Forschungsinstrumente von Bedeutung sind. Zur korrekten Formulierung und passenden Aufbau des Fragebogens wurde die Mentorin Frau Konopka um Mithilfe gebeten. Der Fragebogen besteht aus zwei Mehrfachwahlfragen, drei Mehrfachwahlfragen mit Ergänzungsoptionen und einer offenen Frage. Zum Ende der zweiten Woche war der Fragebogen fertiggestellt und wurde an sieben ausgewählte Kindertagesstätten ausgehändigt.

In der dritten Woche kam es durch Erkrankung eines Kindes zu Verzögerungen der Arbeit. Es wurde das Forschungsdesign ausgearbeitet, außerdem wurde mit der Ausarbeitung der theoretischen Grundlagen begonnen. Am Ende der Woche wurden die Fragebögen wieder abgeholt. Alle sieben Fragebögen kamen ausgefüllt wieder zurück.

Am Anfang der vierten und letzten Woche wurden die theoretischen Grundlagen der wissenschaftlichen Arbeit abgeschlossen. In den nächsten Tagen wurden die Forschungsinstrumente ausgewertet und dargestellt. Danach wurde die Interpretation der Befunde, das Fazit und die Einleitung verfasst. Zum Ende der letzten Woche wurde das Deckblatt, das Inhaltsverzeichnis und die eidesstattliche Erklärung fertiggestellt. Ganz zum Schluss wurde alles zusammengefügt und abgegeben.

Bei der Bearbeitung der wissenschaftlichen Mappe wurde mit Frau Konopka kooperiert.

5.2 Ergebnisse der Untersuchung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6 Interpretation der Ergebnisse

Folgende Thesen wurden aufgestellt:

1. Alle Kindertagesstätten im Landkreis Rostock und Landkreis Vorpommern Greifswald haben ein eigenes Eingewöhnungskonzept, welches an das Berliner Eingewöhnungsmodell angelehnt ist.
2. Der Großteil der Kindertagesstätten plant für die Eingewöhnung 2 Wochen ein
3. Kindertagesstätten sind auf besondere Vorfälle, die zur Unterbrechung/Verzögerung der Eingewöhnung führen, eingestellt.

Die aus den Forschungsinstrumenten abgeleiteten Ergebnisse zeigen, dass die erste These widerlegt wurde. Sechs von sieben der befragten Kindertagesstätten gaben an, das Berliner Eingewöhnungsmodell zu nutzen, wohingegen nur eine ein eigenes, an das Berliner Modell angelehntes, Eingewöhnungskonzept hat. Mit diesem Ergebnis war zu rechnen, da auch die Erfahrung aus geleisteten Praktika zeigte, dass die Mehrheit der Praktikumseinrichtungen dieses Eingewöhnungsmodell nutzen.

Die zweite These wurde belegt, die Mehrheit, vier von sieben der befragten Einrichtungen plant zwei Wochen für die Eingewöhnung. Eine weitere Kindertagesstätte plant zwei Wochen, welche bei Bedarf auf bis vier Wochen ausgedehnt werden. Aus Sicht der Verfasser stellt dies einen auf Erfahrungswerten basierenden Ansatz dar, welcher weder zu knapp noch überdimensioniert wirkt. Dabei bleibt zu beachten, dass die Eingewöhnungszeit allein durch das Kind und seine Signale bestimmt werden und keinesfalls wirtschaftlichen Interessen folgen sollte.

Auch die dritte These wurde belegt. Die befragten Einrichtungen haben alle Lösungsansätze für Besonderheiten bei der Eingewöhnung. Leider haben einige Kindertagesstätten die Option Vorzeitige Beendigung der Eingewöhnung gewählt. Dies stellt aus Sicht der Verfasser ein mögliches Risiko für die kindliche Entwicklung dar. Hierbei ist eine sensible Prüfung notwendig, da bei unvollständig eingewöhnten Kindern die in Punkt 3.1.2 genannten Probleme auftreten können. Statt der vorzeitigen Beendigung wäre bei längeren Unterbrechungen ein Neubeginn der Eingewöhnung ratsam.

Die Aussagefähigkeit der vorliegenden Ergebnisse ist aufgrund der begrenzten Anzahl der befragten Kindertagesstätten eingeschränkt. Allerdings zeigen sich in der Auswertung der Befragung teils deutliche Trends, die unsere Ergebnisse untermauern.

7 Fazit

Das Berliner Eingewöhnungsmodell ist praxisbewährt und kindorientiert und findet deshalb im untersuchten Gebiet flächendeckend Anwendung. Wichtig bleibt, immer das Kind in den Mittelpunkt der Eingewöhnung zu stellen, nicht ohne Ängste und besondere Bedürfnisse der Eltern außer Acht zu lassen. So stellen gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen immer neue Anforderungen auch an die Fachkräfte und die bestehenden Eingewöhnungskonzepte.

Immerhin eine Einrichtung verpflichtet die Eltern vertraglich, Zeit während der Eingewöhnung zu haben. In unserer heutigen Arbeitswelt scheint das aus der Zeit gefallen. Man könnte flexiblere Modelle in Anlehnung an das bewährte Berliner Eingewöhnungsmodell finden, welche diese besonderen Anforderungen besser als mit vorgenannter Klausel erfüllen. Diese Vertragsklausel kann im Vorhinein Eltern zu betreuender Kinder abschrecken, da zum Beispiel Selbstständige oder auch Alleinerziehende sie eventuell nicht erfüllen können und ihre Kinder in einer anderen Einrichtung betreuen lassen. In der Folge ergab sich die weiterführende Frage: Wie handeln denn Kindertagesstätte, die diese Klausel in ihren Betreuungsverträgen haben, bei Verletzung dieser Klausel?

[...]


1 o.A., 2019, I§I Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz I familienrecht.net, o.S., https://www.familienrecht.net/rechtsanspruch-kita/, (Abruf 20.06.19)

2 o.A., 2019, Bindungstheorie – Wikipedia, o.S., https://de.wikipedia.org/wiki/Bindungstheorie#Bindungstypen_des_Kindes, (Abruf 19.06.2019)

3 Herbst, Theresia, 2013, Sichere Bindung - Mag Theresia Herbst, o.S., http://www.sicherebindung.at/bindungsentwicklung.htm, (Abruf 18.06.2019)

4 Herbst, Theresia, 2013, Sichere Bindung - Mag Theresia Herbst, o.S., http://www.sicherebindung.at/bindungsentwicklung.htm, (Abruf 18.06.2019)

5 Herbst, Theresia, 2013, Sichere Bindung - Mag Theresia Herbst, o.S., http://www.sicherebindung.at/bindungsentwicklung.htm, (Abruf 18.06.2019)

6 Herbst, Theresia, 2013, Sichere Bindung - Mag Theresia Herbst, o.S., http://www.sicherebindung.at/bindungsentwicklung.htm, (Abruf 18.06.2019)

7 Herbst, Theresia, 2013, Sichere Bindung - Mag Theresia Herbst, o.S., http://www.sicherebindung.at/bindungsentwicklung.htm, (Abruf 18.06.2019)

8 Dreyer, Rahel, Eingewöhnung und Beziehungsaufbau in Krippe und Kita. Modelle und Rahmenbedingungen für einen gelungenen Start. Freiburg im Breisgau: Herder GmbH Verlag, 2017, ohne Band/Auflage, S. 17

9 o.A., 2019, Bindungstheorie – Wikipedia, o.S., https://de.wikipedia.org/wiki/Bindungstheorie#Bindungstypen_des_Kindes, (Abruf 19.06.2019)

10 o.A., 2019, Bindungstheorie – Wikipedia, o.S., https://de.wikipedia.org/wiki/Bindungstheorie#Bindungstypen_des_Kindes, (Abruf 19.06.2019)

11 o.A., 2019, Bindungstheorie – Wikipedia, o.S., https://de.wikipedia.org/wiki/Bindungstheorie#Bindungstypen_des_Kindes, (Abruf 19.06.2019)

12 o.A., 2019, Bindungstheorie – Wikipedia, o.S., https://de.wikipedia.org/wiki/Bindungstheorie#Bindungstypen_des_Kindes, (Abruf 19.06.2019)

13 Dreyer, Rahel, (2017), Edb, S. 39

14 Dreyer, Rahel, (2017), Edb, S. 40/41

15 o.A., o.J., Eingewöhnungsmodelle und ihre Bedeutung für die pädagogische Praxis: Das Berliner und das Münchener Eingewöhnungsmodell im Vergleich, o.S., https://www.erzieherin-ausbildung.de/praxis/fachtexte-leitfaeden-alltagshilfen/eingewoehnungsmodelle-und-ihre-bedeutung-fuer-die, (Abruf:12.06.2019)

16 o.A., o.J., Eingewöhnungsmodelle und ihre Bedeutung für die pädagogische Praxis: Das Berliner und das Münchener Eingewöhnungsmodell im Vergleich, o.S., https://www.erzieherin-ausbildung.de/praxis/fachtexte-leitfaeden-alltagshilfen/eingewoehnungsmodelle-und-ihre-bedeutung-fuer-die, (Abruf:12.06.2019)

17 o.A., o.J., Eingewöhnungsmodelle und ihre Bedeutung für die pädagogische Praxis: Das Berliner und das Münchener Eingewöhnungsmodell im Vergleich, o.S., https://www.erzieherin-ausbildung.de/praxis/fachtexte-leitfaeden-alltagshilfen/eingewoehnungsmodelle-und-ihre-bedeutung-fuer-die, (Abruf:12.06.2019)

18. Dreyer, Rahel, (2017), Edb, S. 84

19.Dreyer, Rahel, (2017), Edb, S 84/85

20 Dreyer, Rahel, (2017), Edb, S.85

21 Dreyer, Rahel, (2017), Edb, S.85

22 Dreyer, Rahel, (2017), Edb, S.85/86

23 Dreyer, Rahel, (2017), Edb, S.86 ff

24 Dreyer, Rahel, (2017), Edb, S.88/89

25 Hefter: Grundlagen der Gestaltung von Beziehungen

26 Dreyer, Rahel, (2017), Edb, S.140

27 Dreyer, Rahel, (2017), Edb, S.140/141

28 Dreyer, Rahel, (2017), Edb, S.141

29 Dreyer, Rahel, (2017), Edb, S.142

Details

Seiten
23
Jahr
2019
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v504680
Note
1,0
Schlagworte
Eingewöhnung Bindung Berliner Eingewöhnungsmodell Hausarbeit wissenschaftliche Arbeit Kita Kindergarten

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Titel: Kindertagesstätten. Wie kann eine Eingewöhnung laut Konzept ablaufen?