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Vermögensungleichheit in Deutschland unter Berücksichtigung des Renten- und Pensionsvermögens

Hausarbeit 2018 26 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

2 Deskriptive Elemente
2.1 Erläuterung wichtiger Begriffe
2.2 Vermögensverteilung in Deutschland
2.2.1 Verteilung des Nettovermögens
2.2.2 Verteilung und Zusammensetzung des erweiterten Nettovermögens

3 Theoretische Überlegungen

4 Empirische Elemente
4.1 Berechnung der Vermögenskoeffizienten einzelner Berufsgruppen
4.2 Auswertung der Vermögenskoeffizienten einzelner Berufsgruppen

5 Schlussbetrachtung

LITERATURVERZEICHNIS

ANHANG

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1: Verteilung des individuellen Nettovermögens nach Perzentilen

Abbildung 2: Verteilung der Nettovermögen der privaten Haushalte in Deutschland

Abbildung 3: Verteilung des individuellen Nettovermögens und mit Berücksichtigung des Renten- und Pensionsvermögens in 2007

Abbildung 4: Formeln für die Berechnung der Vermögenskoeffizienten

TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1: Verteilung der Vermögensbestandteile des erweiterten Nettovermögens der deutschen Haushalte

Tabelle 2: Vermögenskoeffizienten unterschiedlicher Berufsgruppen

Tabelle 3: Verteilung des erweiterten Nettovermögens nach den Bestandteilen

Tabelle 4: Individuelles erweitertes Nettovermögen nach beruflicher Stellung 2007

1 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Das Ziel der Arbeit ist es zu beschreiben, wie ungleich das erweiterte Nettovermögen in Deutschland verteilt ist. Dafür muss zunächst geklärt werden, wie das Nettovermögen bzw. das erweiterte Nettovermögen in Deutschland verteilt ist. Anschließend werden theoretische Überlegungen angestellt, wie die Vermögensungleichheit erklärt werden kann. Zum Schluss wird noch untersucht, wie die Zugehörigkeit zu einer Berufsgruppe die Position innerhalb der Verteilung des erweiterten Nettovermögens bestimmt.

Die Vermögensungleichheit wird in Deutschland viel diskutiert. Oftmals werden sogar Normen gesetzt, wie sie sein soll. Diese Soll-Vorstellungen werden oft im Wahlkampf propagiert. Um zu wissen, was Vermögensungleichheit wirklich bedeutet, muss man sich mit ihr intensiv auseinandersetzen. Diese Arbeit bildet hierfür einen deskriptiven Ansatz.

Der Aufbau ist folgendermaßen gegliedert. Zuerst werden im zweiten Kapitel innerhalb der deskriptiven Elemente die wichtigsten Begriffe, Konzepte und Maße erklärt. Gleich anschließend wird die Vermögensungleichheit in Deutschland beschrieben. Hierbei wird die Verteilung des Nettovermögens und des erweiterten Nettovermögens sowohl auf der individuellen Ebene als auch auf der Haushaltsebene dargestellt. Im dritten Kapitel folgen theoretische Überlegungen, wie die Vermögensungleichheit aufgrund unterschiedlicher Merkmale erklärt werden kann. Auf diese Theorien stützt sich die empirische Auswertung im vierten Kapitel. Hier wird die Vermögensungleichheit anhand von Daten über verschiedene Berufsgruppen empirisch untersucht. Zuerst werden das Vorgehen und die Berechnungen erläutert. Diese werden anschließend analysiert, wobei das Hauptaugenmerk auf den Theorien des dritten Kapitels und den Abweichungen des durchschnittlichen Vermögens einer Berufsgruppe zum Gesamtdurchschnitt gelegt wird. Dabei wird der Fokus auch darauf gerichtet sein, ob die jeweilige Berufsgruppe durch das individuelle Renten- und Pensionsvermögen in Bezug auf das durchschnittliche individuelle Nettovermögen besser oder schlechter gestellt wird. Am Ende rundet das Fazit die Arbeit mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und einem Ausblick in die Zukunft ab.

2 Deskriptive Elemente

2.1 Erläuterung wichtiger Begriffe

Im Folgenden werden die Begriffe und Konzepte erläutert, die für das Verständnis dieser Arbeit notwendig sind. Das Vermögen einer Person kann unterschiedliche Zahlenwerte annehmen, obwohl sich an der Vermögenssituation dieser Person nichts geändert hat. Dies liegt daran, dass verschiedene Vermögenskomponenten berücksichtigt werden können. In dieser Arbeit werden das Nettovermögen und das erweiterte Nettovermögen untersucht. Das Nettovermögen berechnet sich aus dem Bruttovermögen abzüglich Schulden. Zum Bruttovermögen gehört das selbstgenutzte Wohneigentum, der sonstige Immobilienbesitz, das wertvolle Sachvermögen wie z. B. Schmuck, das Betriebsvermögen und das Finanzvermögen inklusive das Bausparvermögen. Damit gehören gebrauchte Vermögensgegenstände nicht zum Bruttovermögen. Die Schulden setzen sich aus Hypotheken- und Konsumentenkrediten zusammen (vgl. Bönke, Grabka, Schröder & Wolff, 2017, S. 17).

Das erweiterte Nettovermögen berücksichtigt neben dem Nettovermögen auch noch die Renten- und Pensionsansprüche. Das Renten- und Pensionsvermögen ist der abgezinste, erwartete Barwert zukünftiger Ansprüche aus öffentlichen, betrieblichen und privaten Rentensystemen. Der zu erwartende Wert wird durch die durchschnittliche, fernere Lebenserwartung aus den Sterbetafeln und das für den Jahrgang aktuell geltende Renteneintrittsalter errechnet. Da der erwartete Anspruch jedoch erst in der Zukunft ausgezahlt wird, muss dieser noch diskontiert werden, damit er das aktuelle Renten- und Pensionsvermögen darstellt (vgl. Frick & Grabka, 2010, S. 6–7).

Bei der Ungleichheit muss zwischen zwei Konzepten, nämlich zwischen der Verteilungs- und Chancenungleichheit, unterschieden werden. Die Verteilungsungleichheit ist nach Steuerwald (2016, S. 228) als „ungleiche sozialstrukturelle Verteilung eines wertvollen Gutes“ definiert. Als Chancenungleichheit bezeichnet Steuerwald (2016, S. 228–229) dagegen „die Chance einer bestimmten Bevölkerungsgruppe wie Frauen, Arbeiter oder Migranten innerhalb dieser Verteilung besser beziehungsweise schlechter als andere vergleichbare Gruppen abzuschneiden“. Die in dieser Arbeit betrachtete Verteilungsungleichheit bezieht sich, wie der Name schon sagt, auf das wertvolle Gut Vermögen. Die im dritten und vierten Kapitel untersuchte Chancenungleichheit legt den Fokus auf die Chancen unterschiedlicher Berufsgruppen.

Die Darstellung der Vermögensverteilung kann auf der individuellen Ebene und auf der Haushaltsebene erfolgen. Damit es zu keinen Verwechselungen und Fehlschlüssen kommt, werden die Daten beider Ebenen getrennt dargestellt und jeweils einer Ebene zugeordnet.

Um die Vermögensungleichheit zu messen, wird in dieser Arbeit der Gini-Koeffizient verwendet. Der Wert des Gini-Koeffizienten kann zwischen Null und Eins liegen, wobei die Null die perfekte Gleichverteilung und die Eins die maximale Ungleichheit ausdrücken. Die maximale Ungleichheit liegt dann vor, wenn eine Person bzw. ein Haushalt das komplette Vermögen in Deutschland besitzt. Deshalb ist das Vermögen umso ungleicher verteilt, je größer der Wert des Gini-Koeffizienten ist (vgl. Schneider, 2004, S. 10–11).

2.2 Vermögensverteilung in Deutschland

2.2.1 Verteilung des Nettovermögens

Nach der SOEP-Studie hatten im Jahr 2012 die deutschen Bürger insgesamt ein Bruttovermögen in Höhe von 7,4 Billionen Euro. Davon entfiel der größte Teil auf den Grund- und Immobilienbesitz (5,1 Billionen Euro). Die Verbindlichkeiten der deutschen Privatleute beliefen sich auf 1,1 Billionen Euro, wobei die Hypothekarkredite eine Billion Euro ausmachten. Nach Abzug der Schulden ergibt sich so ein Nettovermögen in Höhe von 6,3 Billionen Euro. Somit besaß im Jahr 2012 jede Person ab 17 Jahre durchschnittlich 83.000 Euro. Der Median lag hierbei mit 16.663 Euro deutlich niedriger, was auf die ungleiche Verteilung zurückzuführen ist (vgl. Grabka & Westermeier, 2014, S. 153–156).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Verteilung des individuellen Nettovermögens nach Perzentilen (Grabka & Westermeier, 2014, S. 156)

Die ungleichmäßige Verteilung des individuellenNettovermögens ist mit Hilfe von Perzentilen in Abbildung 1 dargestellt. Hierbei fällt besonders der Unterschied zwischen vermögensarmen und –reichen Personen auf. Es ist ersichtlich, dass im Jahr 2012 das ärmste Prozent maximal -24.100 Euro besaß (vgl. Grabka & Westermeier, 2014, S. 156). Ein negatives Nettovermögen liegt dann vor, wenn die Schulden das Bruttovermögen übersteigen. Dies war 2012 bei etwa sieben Prozent der Personen über 17 Jahren der Fall. Dazu kommt, dass etwa jeder fünfte Erwachsene (20,2 Prozent) kein eigenes Vermögen besitzt. Auffällig ist dagegen auch die Vermögenskonzentration im oberen Bereich. So besitzen im Jahr 2012 die reichsten zehn Prozent in Deutschland mindestens 216.971 Euro, die reichsten fünf Prozent mindestens 323.180 Euro und das reichste Prozent sogar mindestens 817.279 Euro (vgl. Grabka & Westermeier, 2014, S. 153). Die Abbildung 1 zeigt daneben, dass sich das Nettovermögen von 2002 bis 2012 innerhalb der Perzentile nicht stark veränderte. Nur das 99. Perzentil verzeichnete einen stetigen Vermögenszuwachs.

Der Gini-Koeffizient, der als Maß für die Ungleichheit gilt, betrug im Jahr 2012 0,78. Vergleicht man diesen Wert mit den Gini-Koeffizienten anderer Länder aus der Euro-Zone, dann kann die Ungleichheit als relativ hoch interpretiert werden, denn Deutschland weist hierbei den höchsten Wert auf. In Frankreich bzw. Italien betrug der Gini-Koeffizient nur 0,68 bzw. 0,61. Die USA hatte dagegen mit 0,87 einen deutlich höheren Gini-Koeffizienten. Hierbei muss jedoch berücksichtigt werden, dass der Gini-Koeffizient entgegen der Definition größer als Eins werden kann, da negatives Nettovermögen möglich ist. Der Wert wäre z. B. dann oberhalb der Eins, wenn eine Person alles besitzt und sich andere noch zusätzlich bei ihr verschuldet hätten (vgl. Grabka & Westermeier, 2014, S. 156). Gini-Koeffizienten können aber nicht ohne Weiteres verglichen werden. Es ist möglich, dass mehrere unterschiedliche Verteilungen denselben Gini-Koeffizient aufweisen. Es ist deshalb immer notwendig, dass die Verteilungen der einzelnen Länder betrachtet werden. Dies ist jedoch sehr aufwendig. Darum kann zur Vereinfachung der Gini-Koeffizient für den Vergleich der Ungleichheit herangezogen werden (vgl. Schneider, 2004, S. 11–12).

Um die Ungleichheit zu messen, kann alternativ auch das 90/50-Verhältnis verwendet werden. Hierbei wird das Vermögen am 90. Perzentil durch den Median dividiert. In 2012 lag dieses bei 13,0. Dies bedeutet, dass die Person, die gerade noch zu der Gruppe der zehn Prozent mit dem höchsten Nettovermögen gehört, 13-mal so viel besitzt wie die Person in der Mitte der Verteilung (vgl. Grabka & Westermeier, 2014, S. 153). An dem Maß ist aber bemängeln, dass die komplette untere Hälfte der Verteilung ausgeblendet wird und so nur abschnittsweise die Ungleichheit misst.

Insgesamt muss beachtet werden, dass in dieser Studie Fahrzeuge, gebrauchte Dinge sowie Barvermögen nicht berücksichtigt werden und das Nettovermögen somit eher unterschätzt wird. Insbesondere das Vermögen der unteren Perzentile wird ungenau abgebildet, da gebrauchte Fahrzeuge oder Hauseinrichtung den größten Teil ihres Eigentums ausmachen können. Die Werte wurden zudem nur geschätzt, indem man den Mittelwert aus der unteren und der oberen Grenze des 95-Prozent-Konfidenzintervalls errechnete. Die Unterrepräsentanz hoher Einkommen wird seit 2002 durch eine zusätzliche Teilstichprobe, die einkommensstarke Haushalte untersucht, abgemildert (vgl. Grabka & Westermeier, 2014, S. 154–155). Trotzdem besteht das Problem, dass extrem wohlhabende Personen, wie Milliardäre und Multimillionäre, in der Studie zu wenig vorkommen. Es wird geschätzt, dass das reichste Prozent insgesamt mehr als 30 Prozent des gesamten Nettovermögens in Deutschland besitzen (vgl. Westermeier & Grabka, 2015, S. 131).

Des Weiteren muss beachtet werden, dass die Studie nicht inflationsbereinigt ist, sondern die Vermögenswert nominal darstellt. Unterstellt man eine positive Inflationsrate, dann wäre das damalige Vermögen heute weniger Wert. Dazu kommt, dass die Veränderungen zwischen den Jahren nicht unbedingt als Vermögenszuwachs interpretiert werden darf. Die Veränderungen können auch aus der Preissteigerung der Sachwerte resultieren. Besonders bei hohen Sachvermögen verursacht die Inflation hohe absolute Zuwächse.

In der Regel werden bei Pro-Kopf-Betrachtungen die Daten auf der Haushaltsebene erfasst und durch die Haushaltsmitgliederzahl geteilt. In der Studie von Grabka und Westermeier (2014) wurde das Vermögen jedoch individuell erfasst. Dadurch kann sie auch nicht mit einigen anderen Pro-Kopf-Studien anderer Jahre verglichen werden. Es hat aber den Vorteil, dass auch Unterschiede innerhalb von Haushalten berücksichtigt werden können. Sie bezieht deshalb nicht mit ein, dass ärmere Familienmitglieder von wohlhabenderen finanziell unterstützt werden können. Aus diesem Grund stellt die Abbildung 2 zusätzlich die Verteilung der Nettovermögen in Deutschland auf der Haushaltsebene dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Verteilung der Nettovermögen der privaten Haushalte in Deutschland (Deutsche Bundesbank, 2016, S. 40)

Aus der Grafik geht hervor, dass ein deutscher Haushalt im Jahr 2014 durchschnittlich 214.500 Euro an Nettovermögen besaß. Der Median war wie bei der Verteilung des individuellen Nettovermögens deutlich niedriger. Er betrug im selben Jahr 60.400 Euro. Nur 26 Prozent besaßen mehr Nettovermögen als der Durschnitt. Dies lässt wieder auf eine relativ hohe Ungleichheit schließen. Dies sieht man auch daran, dass die reichsten zehn Prozent der Haushalte in Deutschland ein Nettovermögen von mindestens 468.000 Euro aufwiesen, während die ärmsten zehn Prozent kein oder ein negatives Nettovermögen hatten. Im Vergleich zur Verteilung auf individueller Ebene liegt auf Haushaltsebene die Grenze, ab der das Nettovermögen größer als Null ist, schon weiter unten. Bereits das 15. Perzentil hat ein positives Nettovermögen, auch wenn dieses nur sehr gering ist.

Ab dem 45. Perzentil ist das nominale Nettovermögen in allen abgebildeten Quantilen von 2010 bis 2014 angestiegen. In den niedrigeren Quantilen ist das nominale Nettovermögen im selben Zeitraum eher gleichgeblieben bzw. gesunken. Bereinigt man das Nettovermögen jedoch um die Inflation, dann sind die Vermögenszuwächse viel niedriger. Selbst im 95. Perzentil, das einen relativ hohen Zuwachs verzeichnet, beträgt die reale nur circa ein Viertel der nominalen Steigerung.

Der Gini-Koeffizient lag in den Jahren 2010 und 2014 bei 0,76. Die Ungleichheit veränderte sich also nicht. Damit ist der Gini-Koeffizient auf Haushaltsebene etwas niedriger als auf der individuellen Ebene. Dies kann an der Zusammenfassung von reicheren und ärmeren Haushaltsmitglieder zu einer Einheit liegen. Im Vergleich zur Euro-Zone hat Deutschland wieder den höchsten Gini-Koeffizienten. Im restlichen Euro-Gebiet lag er im Jahr 2010 bei durchschnittlich 0,63 (Deutsche Bundesbank, 2016, S. 40). Die USA hatten 2013 einen Gini-Koeffizient in Höhe von 0,89.

Berechnet man aus der Grafik das 90/50-Verhältnis, so erhält man 7,75 für das Jahr 2014. Das 90. Perzentil ist damit annähernd achtmal so groß wie der Median. Auch hier sieht man, dass das Haushaltsnettovermögen ungleicher verteilt ist als das individuelle Nettovermögen.

Diese PHF-Studie erfasst das Vermögen viel detaillierter als das SOEP, auf dessen Daten die Studie von Grabka und Westermeier (2014) zurückgriff. Es wurde unter anderem der Wert von Fahrzeugen berücksichtigt (Deutsche Bundesbank, 2016, S. 34). Damit bildet die PHF-Studie den echten Vermögensbesitz genauer ab. Dies hat zur Folge, dass durch diese Erfassungsmethodik das Vermögen höher als im SOEP angegeben wird und die Studien schwerer zu vergleichen sind.

Die Aussagefähigkeit leidet jedoch darunter, wenn die Haushalte miteinander verglichen werden sollen. In den Haushalten leben unterschiedlich viele Mitglieder. Vergleicht man beispielsweise einen Single-Haushalt mit einem Mehrgenerationenhaushalt und das Vermögen dieser Haushalte ist gleich hoch, dann gäbe das ein völlig anderes Pro-Kopf-Vermögen.

Zudem kann es zu Verzerrungen kommen, wenn ein Haushaltsmitglied einen eigenständigen Haushalt gründet und trotzdem noch vom alten Haushalt finanziell abhängig ist. Dies ist z. B. der Fall, wenn ein Student für das Studium von zu Hause auszieht und weiterhin von den Eltern finanziell unterstützt wird. Gäbe es nur die beiden Haushalte, dann hätte sich das durchschnittliche Haushaltsvermögen schlagartig halbiert, obwohl dieselbe Vermögenssituation vorläge. Zudem würde die Ungleichheit ansteigen, wenn der Student kein oder wenig Vermögen besitzt, obwohl es ihm nicht schlechter geht, als würde er noch bei seinen Eltern wohnen.

2.2.2 Verteilung und Zusammensetzung des erweiterten Nettovermögens

Im vorherigen Kapitel wurde ein Vermögensbestandteil, der für die alternde Gesellschaft von großer Bedeutung ist, komplett ausgeklammert. Es handelt sich um das Renten- und Pensionsvermögen. Es wird kontrovers diskutiert, ob das Alterssicherungsvermögen in die Vermögenssituation mit einbezogen werden soll. Auf der einen Seite kann man vor Beginn des Ruhestands nicht darüber verfügen und es ist sogar möglich, dass man die Auszahlung gar nicht erlebt. Andererseits erwirbt man bereits weit vor dem Ruhestand Ansprüche, dass man im Alter eine Rente erhält. Deshalb wird nun die Verteilung mit dieser Komponente dargestellt.

Das erweiterte Nettovermögen setzt sich, wie in Kapitel 2.1 erläutert, aus den drei Bestandteilen Nettovermögen, Sozialversicherungsvermögen sowie betriebliches und privates Rentenvermögen zusammen. Die Renten- und Pensionsansprüche werden hier mit zwei Prozent diskontiert (vgl. Bönke et al., 2017, S. 19). Die Originaltabelle von Tabelle 1, die übersetzt und angepasst wurde, befindet sich in Anhang 1.

Tabelle1: Verteilung der Vermögensbestandteile des erweiterten Nettovermögens der deutschen Haushalte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bönke et al. (2017, S. 22, übersetzt und modifiziert)

Die Verteilung wird in Tabelle 1 anhand des Durchschnittes, des 25., 50. und 75. Perzentils beschrieben. Daneben wird derjenige Anteil der Bevölkerung ausgewiesen, bei dem der untersuchte Vermögensbestandteil einen positiven Wert hat. Die verwendeten Daten beziehen sich auf die deutschen Haushalte des Jahres 2013. Der erste wichtige Bestandteil ist das Nettovermögen. In der Studie von Bönke et al. (2017) wurde ein durchschnittliches Nettovermögen von 182.513 US-Dollar ermittelt. Dies geht aus der Tabelle 1 hervor, die aufbereitet und übersetzt wurde. Da hier das Vermögen in US-Dollar angegeben wird, ist es schwer, die Studie mit Eurozahlen zu vergleichen, da der Euro-Dollar-Kurs schwankt und nicht bekannt ist, zu welchem Zeitpunkt das Vermögen in Dollar umgerechnet wurde. Für die folgenden Arbeiten ist dies jedoch kein Problem, da eine andere Währung zwar einen Einfluss auf die absoluten Werte aber nicht auf relative Werte hat. Auf die weitere Verteilung des Nettovermögens wird nicht eingegangen, da dies in Kapitel. 2.2.1 ausführlich nachzulesen ist.

Das Sozialversicherungsvermögen beträgt im Durschnitt 200.407 Dollar. Dies verdeutlicht auch, warum die Betrachtung des Renten- und Pensionsvermögens so wichtig ist, denn das Sozialversicherungsvermögen ist im Durchschnitt größer als das Nettovermögen. Dazu kommt, dass hierbei deutlich mehr Haushalte einen positiven Vermögenswert aufweisen können als beim Nettovermögen. Nur 7,22 Prozent der deutschen Haushalte besitzen kein Sozialversicherungsvermögen. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass das Sozialversicherungsvermögen nicht negativ sein kann, sondern minimal den Wert Null annehmen kann. Das 25. Perzentil besitzt 68.257 Dollar, der Median 162.540 Dollar und das 75. Perzentil sogar 295.027 Dollar an Sozialversicherungsvermögen.

Die wichtigste Komponente des Sozialversicherungsvermögens sind die eigenen Rentenansprüche mit einem Durchschnittswert von 178.555 Dollar. Fast 93 Prozent der deutschen Haushalte haben in dieser Kategorie einen positiven Anspruch. Der zweite Teil des Sozialversicherungsvermögens ist die Hinterbliebenenrente mit einem durchschnittlichen Wert von 21.823 Dollar. Diese Absicherungsform ist nicht so weit verbreitet, da in dieser Kategorie nur knapp über 27 Prozent der Gesamtbevölkerung einen Anspruch haben.

Das betriebliche und private Rentenvermögen eines deutschen Haushalts beträgt durchschnittlich 90.122 Dollar und ist damit ebenfalls ein bedeutender Vermögensbestandteil. Der Median und das 75. Perzentil liegen mit 13.059 Dollar und 78.801 Dollar beide unter dem Durchschnitt, was auf eine ungleiche Verteilung dieses Bestandteils hindeutet. Dazu kommt, dass nur 64.20 Prozent der Haushalte einen Anspruch haben. Dies deutet darauf hin, dass wenige Haushalte einen sehr hohen Teil der betrieblichen und privaten Rentenansprüche besitzen.

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Details

Seiten
26
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346063090
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v505243
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Lehrstuhl für Sozialpolitik
Note
1,4
Schlagworte
Vermögen Ungleichheit Einkommen Haushalte individuell Pensionsvermögen Sozialpolitik Schulden Nettovermögen reich arm Perzentil Empirie Studie Rentensystem

Autor

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Titel: Vermögensungleichheit in Deutschland unter Berücksichtigung des Renten- und Pensionsvermögens