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Die Bewertung kommunaler Handlungsfähigkeit durch Rating Agenturen und Banken in den USA und Europa

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 21 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition und Ursprünge des Rating-Begriffes
2.1 Definition und Historie
2.2 Herausgeber von Ratings
2.3 Ratingsymbole und Veränderungen der Bonitätseinstufung
2.4 Ratingarten
2.5 Rating-Methodik

3. Exkurs Basel 2
3.1. Baseler Akkord 1 und 2
3.2 Welche Rating-Methoden werden Banken gemäß Basel 2 benutzen?
3.3 Diskussionen um Rating-Zwang in Deutschland

4.Besonderheiten des Kommunal-Ratings
4.1 Die kommunale Eigenbonität
4.2 Support-Rating

5. Der Nutzen von Ratings aus Gemeindesicht

6. Derzeitige Bedeutung von Kommunal-Rating in verschiedenen Ländern
6.1 Kommunalfinanzierungen und Rating in Deutschland
6.2 Kommunalfinanzierung und Rating in der Schweiz
6.2. Kommunalfinanzierung und Rating in den USA

7. Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Bonitätsbezogene Interpretation von Rating-klassen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Zu den Einnahmequellen von Kommunen gehört neben Steuer- und Gebührener- hebung auch die Möglichkeit Kredite aufzunehmen. In den letzten 15 Jahren hat jedoch Verschuldung der öffentlichen Hand in der BRD recht stark zugenommen. Auf der Gemeinde- und Länderebene haben sich die Schulden seit 1991 circa verdoppelt. Auf Bundesebene vollzog sich ein Schuldenanstieg um etwa 300 Prozent[1]. Eine Ausweitung der Fremdkapitalverbindlichkeiten steht im Zusam-menhang mit der Ausdehnung von Zins- und Tilgungsverpflichtungen, welche die öffentlichen Haushalte nachhaltig belasten. So ereignete sich Ende der neunziger Jahre der Zahlungsausfall einer Kommune in der Schweiz, als diese nicht mehr im Stande war ihre Zinszahlungen zu leisten[2].

Neben diesem Beispiel existieren noch eine Reihe weiterer öffentlicher Schuldner die in der Vergangenheit Probleme hatte ihre Verbindlichkeiten zu bedienen, als Beispiel seien Argentinien, Russland und Provinzen in Mexiko genannt[3].

Zusätzlich hat auch der Bankensektor, welcher zweifelsfrei zu den größten Fremd-kapitalgebern von Kommunen zählt, seine Anforderungen an Kreditrisiko-management und Bonitätseinschätzung von Schuldnern entscheidend verschärft.

Die Ursache hierfür sind die ab 2007 in Kraft tretenden Basel 2 Regelungen.

Im Angesicht solcher Entwicklung stellt sich die Frage, ob eine Bonitätsbeurteilung für Gemeinden und öffentliche Gebietskörperschaften sinnvoll und notwendig ist. Nachfolgende Hausarbeit soll einen Einblick in das Thema Kommunal-Rating vermitteln und die damit verbundenen Auswirkungen für Gemeinden.

2. Definition und Ursprünge des Rating-Begriffes

2.1 Definition und Historie

Der Begriff Rating entstammt dem angloamerikanischen Sprachraum und kann übersetzt werden mit bewerten oder abschätzen. Für die Leistungsbeurteilung wird der Ratingbegriff vielfältig angewendet, so z.B. für Dienstleistungsqualität, Ein- schaltquoten oder Immobilienobjekte. Im Kontext dieser Hausarbeit wird der Begriff Kredit Rating benutzt, welcher einen Bewertungsmaßstab für Kreditrisiken darstellt[4]. Insofern beschreibt das Ergebnis eines Rating-Prozesses, die zukünftige Fähigkeit eines Kreditnehmers seinen Zahlungsverpflichtungen aus Zins und Tilgung fristgerecht und vollständig nachkommen zu können. Ratings bestimmen die Wahr-scheinlichkeit von Zahlungsstörungen über die gesamte Laufzeit der Verbindlich-keiten[5]. Der Begriff des Ratings wurde in Verbindung mit wirtschaftlichen Tat-beständen, wie der Bonitätseinstufung von Schuldnern bezüglich in Anspruch genommener Kredite erstmalig um 1850 in den USA erwähnt[6]. Der sehr hohe Kapitalbedarf zur Erschließung des Landes durch die Eisenbahn wurde damals größtenteils über Anleihen finanziert und eine Bonitätseinschätzung der Emittenten war mangels Informationen schwierig.[7] Seitdem hat sich Rating vor allem auf amerikanischen und internationalen Finanzmärkten durchgesetzt. Anhand von Rating-Symbolen ist für einen Investor am Kapitalmarkt sofort die Bonitätseinstufung eines Schuldners ersichtlich.

2.2 Herausgeber von Ratings

Ratings werden von Rating-Agenturen und von Banken erstellt. Ein Rating durch eine Bank wird auch als internes Rating bezeichnet, da es hausintern eine Aussage über die Bonität bzw. Kreditwürdigkeit des Schuldners abliefern soll. Diese internen Ratings dienen reinen Interessen der Bank. Im Gegensatz dazu erstellen Rating-Agenturen externe Ratings, die der breiten Öffentlichkeit zugänglich sind und für unterschiedlichste Zwecke (Imageverbesserung, Sparen von Kapitalkosten) gebraucht werden können[8]. Externe Ratings sind vor allem sinnvoll für Institutionen, welche sich über internationale Kapitalmärkte finanzieren wollen bzw. auf diesen auftreten. Die beiden größten und bekanntesten Agenturen sind Moody´s Investors Service und Standard & Poor´s. Diese Agenturen sind Begründer des Ratings und haben ihren Ursprung in den USA[9].

2.3 Ratingsymbole und Veränderungen der Bonitätseinstufung

Die von John Moody im Jahre 1909 erstmals verwendeten Ratingsymbole werden bis heute verwendet und haben sich als Standard etabliert[10].

Nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick bezüglich der Bedeutung von gebräuchlichen Ratingsymbolen für den langfristigen Laufzeitbereich von Krediten. Sie finden Verwendung bei der Bewertung von öffentlichen und privaten Institutionen. Die verschiedenen Rating-Klassen, welche für die Bonität des Schuldners bzw. für die Kreditausfallwahrscheinlichkeit stehen, werden mit Buchstabenkombinationen von A bis D gekennzeichnet. Die numerischen Unterteilungen und plus/minus Symbole erlauben eine differenzierte Abstufung der Rating-Klasse und sollen eine Tendenz innerhalb einer Klasse deutlich machen. Da sich beide Ratings an Investoren der Finanztitel richten wird zusätzlich eine Einstufung in Investment-qualität und spekulativer Bereich vorgenommen[11].

Tabelle 1: Bonitätsbezogene Interpretation von Rating-Klassen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Als Erweiterung auf die vorangegangene Darstellung der verschiedenen Rating-Klassen ist zu bemerken, dass sich der finanzielle Zustand eines gerateten Kreditnehmers aus vielfältigen Gründen im Laufe der Zeit verbessern oder verschlechtern kann. Daraus resultiert die Notwendigkeit, die veröffentlichten Ratings einer stetigen Nachprüfung zu unterziehen, um eventuelle Veränderungen der finanziellen Situation eines Schuldners durch ein Hoch- oder Runterstufen der Rating-Note zu dokumentieren[12].

2.4 Ratingarten

Ratings werden für die verschiedensten Anlässe angefertigt, einige Ratingarten werden deshalb nachfolgend kurz dargestellt.

Solicited/Unsolicited Ratings:

Wenn eine Agentur von einem Kunden direkt mit der Erstellung eines Ratings gegen Entgelt beauftragt wurde, spricht man von solicited Rating. Wenn die Initiative zur Erstellung eines Ratings von der Agentur ausgeht, spricht man von unsolicited Rating. Jedoch muss die Agentur dann zur Erstellung des Ratings mit öffentlichen Informationen über den Kreditnehmer auskommen[13].

Emittenten-Rating/Emissions-Rating:

Emittenten-Ratings beziehen sich auf die generelle Fähigkeit eines Schuldners seine Verpflichtungen zurückzuzahlen. Sie sind allgemeiner Natur und stellen die Grundlage für Emissions-Ratings dar. Emissions-Ratings sind spezieller Natur und beziehen sich direkt auf die Qualität einzelner Finanztitel. Demzufolge kann ein und derselbe Emittent mehrere Emissions-Ratings für verschiedene ausgegebene An-leihen erhalten. Beurteilungskriterien wie die Reihenfolge der Besicherung (Erst- und Nachrangigkeit) oder die Restlaufzeit der Schuld führen deshalb zu unterschied-lichen Rating-Ergebnissen[14].

Auskunfts-Ratings:

Auskunfts-Ratings stellen so genannte unsolicited Ratings dar. Dies bedeutet, dass sie auf Initiative der Rating-Agentur erstellt werden, um die Informationen anderen Nutzern anzubieten. Im Gegensatz zu den oben bereits erwähnten solicited Ratings ist nicht die Erstellung bzw. Analyse für den Auftraggeber kostenpflichtig, sondern für die Nutzung der Informationen wird ein Entgelt verlangt[15].

2.5 Rating-Methodik

Zur Erstellung von Ratings bedient man sich verschiedenster Methoden. Diese können grob eingeteilt werden in subjektive und objektive Verfahren. Subjektive Ver-fahren basieren auf dem spezifischen Know-How von Analysten. Objektive Verfahren bedienen sich mathematischen und statistischen Verfahren um zu einer Risikoklassifizierung zu gelangen. Zu den mathematisch-statistischen Verfahren gehören Methoden wie Diskriminanzanalysen, wissensbasierte Expertensysteme oder künstlich neuronale Netzanalysen.

Wesentliche Merkmale eines objektiven Verfahrens sind gleiche Ergebnisse bei gleichen Inputs sowie eine klare Darstellung welche Faktoren in welcher Art und Weise in das Ergebnis eingeflossen sind. Der Einsatz von objektiven Rating-Verfahren hängt jedoch stark von der Verfügbarkeit quantifizierbarer Informationen ab. Das bedeutet es werden diverse Kennzahlen aus der Unternehmensrechnung dafür benötigt. Zusätzlich fließt in die Berechnung die Auswertung empirischer Daten bezüglich solventen und insolventen Kreditnehmern aus der Vergangenheit[16].

Hier entsteht schon das erste Problem ein herkömmliches Verfahren auf eine Kommune anzuwenden, da für Kommunen solche empirischen Daten nicht verfügbar sind[17]. In der Vergangenheit gab es keinerlei Probleme in Bezug auf Zahlungs-schwierigkeiten deutscher Kommunen[18].

[...]


[1] Quelle: Zeitreihenstatistik der deutschen Bundesbank

[2] Daldoss, M., Foraita, O. (2003), S. 3

[3] Daldoss, M., Foraita, O. (2003), S. 106

[4] Munsch, M., Weiß, B. (2002), S. 14

[5] Berblinger, J. (1996), S. 31

[6] Everling, O. (1991), S. 69 ff.

[7] Munsch, M., Weiß, B. (2002), S. 24

[8] Munsch, M., Weiß, B. (2002), S. 75

[9] Munsch, M., Weiß, B. (2002), S. 75

[10] Berblinger, J. (1996), S. 25

[11] Munsch, M., Weiß, B. S. 18f.

[12] El-Daher, S. (1999)

[13] Munsch, M., Weiß, B. (2002), S. 30

[14] Munsch, M., Weiß, B. (2002), S. 31

[15] Munsch, M., Weiß, B. (2002), S. 33

[16] Munsch, M., Weiß, B. (2002), S. 69 ff.

[17] Daldoss, M., Foraita, O. (2003), S. 83

[18] Walter, J. (2004), S. 2

Details

Seiten
21
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638467643
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v50569
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Finanzen
Note
1,0
Schlagworte
Bewertung Handlungsfähigkeit Rating Agenturen Banken Europa Aktuelle Probleme Gemeindefinanzierung

Autor

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