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Bitcoin. Eine sichere Währung?

Facharbeit (Schule) 2019 30 Seiten

Informatik - Kryptowährungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Funktionsweise
2.1. Mining
2.2. Digitale Signaturen
2.3. Ablauf einer Transaktion
2.3.1. Erstellen und Verkünden neuer Transaktionen
2.3.2. Aufnahme in einen neuen Block
2.3.3. Aufnahme in die Blockchain

3. Bitcoin als Währung
3.1. Die Funktionen des Geldes
3.2. Definitionen von Geld, E-Geld und Währung
3.3. Erfüllt Bitcoin diese Kriterien?

4. Bitcoin Wallets
4.1. Unterscheidung zwischen „Hot“ und „Cold“ Wallets
4.2. Cold Wallets
4.2.1. USB oder CD als Wallet
4.2.2. Paper Wallet
4.2.3. Hardware Wallet
4.3. Hot Wallets
4.3.1. Web Wallets
4.3.2. Hybrid Web Wallets
4.3.3. Full Node
4.3.4. SPV Wallet

5. Sicherheit der Bitcoin Wallets
5.1. Nachteile der Web Wallets
5.1.1. Hackerangriffe
5.1.2. Glaubwürdigkeit, Versicherung und persönliche Daten
5.2. Virensoftware
5.3. Two-Factor Authentification
5.4. Multi-Signature Transaktionen
5.5. Passphrase

6. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis
Print-Quellen
Internet-Quellen
Interviews

A. Interview mit Bitcoin Experten Dmitry Bruso

Erklärungen

Abstract

Die Kryptowährung „Bitcoin“ ist eine der bedeutendsten Erfindungen des 21. Jahrhunderts. Sie wird dezentral erzeugt und kann somit von keinem Staat bzw. von keiner Bank kontrolliert werden. Aufgrund der anonymen Transaktionen ist Bitcoin für die illegalen Dienstleistungen im Internet missbraucht geworden. Jedoch ist Bitcoin wegen seiner Kursschwankungen und seines geringen Anwendungsbereiches eher eine Spekulation als ein vielversprechendes Investment. Im Rahmen dieser vorwissenschaftlichen Arbeit werde ich herausfinden, ob dieses virtuelle Geld tatsächlich Kriterien einer Währung erfüllt und somit sich offiziell etablieren kann. Im Mittelpunkt dieser Arbeit werde ich auch die Frage der Sicherheit von Bitcoin Wallets – Medien, die den Zugang zur Kryptowährung ermöglichen – eingehen.

Vorwort

In der folgenden Arbeit wurde bei personenbezogenen Nomen, die sich auf beide Geschlechter beziehen, wie zum Beispiel „Benutzer“ und „Programmierer“, bewusst auf die weibliche Form verzichtet, um das Lesen zu erleichtern. Unter der, in der deutschen Sprache üblichen, männlichen Form sind sowohl Frauen als auch Männer gemeint.

Bitcoin hat mich schon seit langer Zeit interessiert. Auf dieses Thema bin ich das erste Mal vor 2 Jahren in der 6. Klasse gestoßen, als meine Klasse eine Hausübung in Informatik bekommen hat, wo wir verschiedene Verschlüsselungsmethoden zum Verschlüsseln und danach Entschlüsseln einer Nachricht in Excel ausprobiert haben. Als ich am selben Tag die verschiedenen Methoden im Internet gesucht habe, bin ich auf die Kryptowährungen gestoßen. Dies war meine erste Erfahrung mit Bitcoin. Später lernte ich einen Bekannten meines Vaters, Dmitry Bruso, kennen, der sich mit diesem Thema sehr viel auseinandergesetzt hat. Er hat mir das Basiswissen gegeben, damit ich mich mit den Kryptowährungen auskenne. Zu der Zeit sah ich Bitcoin als vielversprechendes Investment und verbrauchte einen Monat, um das Thema tiefer zu studieren. Ich wusste, dass der Kurs zwar instabil ist, jedoch sich der Wert des Bitcoins im Durchschnitt jährlich erhöht. Daher habe ich versucht ein kleines Investment von 400 Dollar in Bitcoin zu machen, was am Ende kein Erfolg wurde. Am Anfang der 7. Klasse kannte ich mich schon ziemlich gut mit diesem Thema aus und habe deswegen beschlossen, es als meine Vorwissenschaftliche Arbeit zu nehmen. Besonders interessant schienen für mich die Fragen, ob Bitcoin tatsächlich eine Währung ist, und, wie sicher die Bitcoin Wallets sind, zu sein. Da ich verstand, dass sie sehr relevant sind, falls ich weiter in Bitcoin investieren will, beschloss ich sie als Leitfragen für meine Vorwissenschaftliche Arbeit zu nehmen , um meine Kenntnisse noch mehr zu vertiefen.

Vor allem will ich mich bei meinem, Betreuer OStR. Prof. Mag. Walter Prenner, bedanken, der mir erlaubt hat, meinen Zeitplan nach meinen Wünschen zu gestalten. Ebenfalls möchte ich mich bei meinem Bitcoinexperten Dmitry Bruso bedanken, der mir nicht nur Basiskenntnisse in diesem Thema gegeben hat, sondern auch sich Zeit genommen hat, um mit mir ein Interview durchzuführen und meine Fragen zu beantworten. Ich bedanke mich auch bei meiner Familie, die mich beim Schreiben immer unterstützt und alle meine Fragen beantwortet hat. Zuletzt möchte ich mich bei allen meinen Schulkollegen bedanken, die meine Vorwissenschaftliche Arbeit gelesen haben und ihr Feedback gegeben haben.

Wien am 12. Februar 2019

1. Einleitung

Die Kryptowährung „Bitcoin“ wurde am 31.10.2008 mit dem Aufsatz „Bitcoin: A Peerto -Peer Electronic Cash System“ von Satoshi Nakamoto präsentiert. Das Wort für die Dateneinheit „bit“ und das englische Wort für die Münze „coin“ weisen auf eine digitale Münze hin. Über Satoshi Nakamoto ist sehr wenig bekannt. Man kann immer noch nicht sagen, ob nur eine Person oder eine ganze Gruppe von Programmierern hinter Bitcoin steht. Im Jahr 2009 wurde „Bitcoin v 0.1“ gestartet. In den folgenden neun Monaten hat sich Herr Nakamoto noch mit der Kryptowährung beschäftigt, kurz danach beantwortete er keine Mails und erschien nicht mehr online1. Zahlreiche Versuche, eine Person unter diesem Namen zu finden, ergaben nur einen Treffer. Ein kalifornischer Ingenieur heißt Dorian Satoshi Nakamoto. Jedoch verneint er, der Begründer des Bitcoin-Projektes zu sein, was durch Satoshi Nakamoto, der nach vier Jahren wieder online war, bestätigt wurde2.

Bitcoin soll ein dezentrales Zahlungssystem repräsentieren, das von keinem Staat und keiner Bank kontrolliert werden kann. Die Transaktionen erfolgen im „Peer-to-Peer“ Netzwerk, wobei nur Sender und Empfänger in die Transaktion verwickelt sind3. Ein wichtiger Vorteil dieses Systems sind die kostengünstigen Transaktionen, die jedoch nicht immer schnell bestätigt werden.

Bitcoin hat sich vor allem bei den illegalen Geschäften einen Namen gemacht, wobei es oft als Zahlungsmittel eingesetzt wird. Das Internetgeschäft „The Silky Road“, wo Drogen verkauft wurden, hat Bitcoin aufgrund der Anonymität verwendet, da man keine persönlichen Daten für das Empfangen und Versenden dieser digitalen Währung braucht. Benötigt wird nur der öffentliche Schlüssel, an welchen Bitcoins gesendet werden. Trotzdem waren die Behörden der USA in der Lage dieses Geschäft aufzuspüren. Außerdem wurde bekannt gemacht, dass zur Bezahlung Bitcoins verwendet wurden, was eine gute Werbung für die Kryptowährung wurde4.

Bitcoins sind deshalb eine Kryptowährung, da deren System auf der Kryptographie basiert. Dabei hat jeder Nutzer einen öffentlichen und einen privaten Schlüssel (asymmetrisches Verfahren der Kryptographie). Die beiden Schlüssel dienen den sicheren Transaktionen5. Bis jetzt sind Bitcoins keine offizielle Währung und bleiben somit ein riskantes Investment. Der Großteil aller Banken rät von Bitcoin ab. In manchen Staaten, wie zum Beispiel Bangladesch, Ecuador, Bolivien usw., sind Bitcoins ganz verboten6. Die Kursschwankungen von Bitcoins können an einem Tag um mehrere Prozente variieren, was sie zu einer Spekulation macht. Außerdem ist der Akzeptanzbereich von Bitcoins ziemlich klein, weswegen sie sich schwer für das alltägliche Leben eignen.

Um Bitcoins erhalten zu können, braucht man ein Bitcoin Wallet. Das sind die digitalen „Geldbörsen“, die den öffentlichen und den privaten Schlüssel des Benutzers enthalten. Der öffentliche Schlüssel ist die Adresse, wohin die Bitcoins gesendet werden. Nur mit Hilfe der Wallet Adressen kann man die Bitcoin-Transaktionen durchführen7.

2. Funktionsweise

Kryptowährungen sind ein ganz neues Modell des Geldes, da man sie in der Wirklichkeit weder berühren, noch sehen kann. Man kann sie nicht drucken. Die Möglichkeit, Bitcoin als eine einzige Datei abzuspeichern wäre auch sinnlos, da man für einen Hacker-Angriff nur diese Datei brauchen würde, was Kryptowährungen sehr unsicher gemacht hätte. In diesem Punkt wird erläutert, wie Bitcoin erzeugt wird und wie es mithilfe von Transaktionen überwiesen werden kann.

2.1. Mining

Mining ist das Erzeugen bzw. das Schürfen von Bitcoins mit Hilfe einer speziellen Computersoftware, die sowohl auf den einfachen PCs als auch auf der dafür spezialisierten Hardware installiert wird. Die Anzahl der Bitcoins ist auf 21 Millionen begrenzt, was in dem Bitcoinsystem von Satoshi Nakamoto programmiert wurde.

Miner sind Teilnehmer des Bitcoin Netzwerks, die für das Erstellen neuer Blöcke zuständig sind. Block ist ein Behälter für bestätigte Transaktionen, der bis zu 1000 Transkationen enthalten kann. Transaktion ist der Prozess der Überweisung einer bestimmten Anzahl an Bitcoins von einer Adresse auf eine andere. Damit ein Block für die Blockchain passend ist, muss er über den Hash des vorangegangenen Blocks verfügen. Blockchain sind alle passenden Blöcke mit allen bestätigten Transaktionen, die jemals durchgeführt wurden und nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Unter einem Hash oder einer Hash Funktion ist im Bitcoinsystem eine mathematische Funktion, die eine Eingabe einer beliebigen Länge in eine alphanumerische Ausgabe mit der fixen Länge umwandelt, gemeint.8.

Damit ein Block zustande kommt, muss vor allem sein Hash berechnet werden. Diese Berechnung benötigt eine große Menge an Rechenleistung und wird immer schwieriger, da es mehr und mehr Miner im Bitcoin Netzwerk gibt. Bitcoin Netzwerk sind alle Geräte, die mit Bitcoin arbeiten. Dieses Netzwerk ist zuständig für das Bestätigen der Transaktionen und das Verwalten der Blockchain. Falls der Miner einen passenden Block generiert, erhält er sowohl die Belohnung für den Block als auch die ganzen Transaktionsgebühren aller Transaktionen, die in diesen Block aufgenommen werden9. Aufgrund der steigenden Anzahl an Minern wird die Belohnung für einen Block nach jeden 210000 generierten Blöcken, was ungefähr 4 Jahren entspricht, halbiert. Beim Start des Bitcoin-Netzwerks betrug die Belohnung 50 Bitcoins, derzeit (12.09.2018) bekommen die Miner nur 12,5 Bitcoins für den korrekten Block.

Da Bitcoin ein „Peer-to-Peer“ Netzwerk ist, das System ist dezentralisiert und es gibt keine zuständige Behörde, braucht man keine Erlaubnis, um Miner zu werden. Praktisch kann jede Person Bitcoins schürfen, falls sie die Miningsoftware, wie zum Beispiel CGminer oder BFGminer, installiert. Dabei wird ein Bitcoin Wallet gebraucht, damit die geschürften Bitcoins an eine Adresse gesendet werden können.10

Mittlerweile gibt es schon spezialisierte Mining Hardware, die eine hohe Rechenleistung hat und wesentlich weniger Strom verbraucht. Außerdem sind die sogenannten „Mining Pools“ entstanden, wo sich Miner versammeln und mit der vereinten Leistung arbeiten, weswegen die Chancen für einen erfolgreichen Block steigen11

2.2. Digitale Signaturen

Digitale Signaturen sind eine Art der Sicherstellung, dass die Nachricht in der ursprünglichen Form erhalten wird, ohne durch fremde Personen verändert zu werden. Digitale Signaturen basieren auf dem asymmetrischen Kryptographieverfahren, wobei man mit einem öffentlichen und einem privaten Schlüssel die Informationen verschlüsselt bzw. entschlüsselt.

Der öffentliche Schlüssel ist allen bekannt und wird verwendet, um die Nachricht zu verschlüsseln. Den privaten Schlüssel braucht man, um diese Nachricht wieder entschlüsseln zu können. Dieser Vorgang kann auch umgekehrt erfolgen, falls der Besitzer der Schlüssel eine weitere Nachricht an andere Benutzer senden will.

Digitale Signaturen verwenden den Hash, die erwähnte alphanumerische Ausgabe, verschlüsseln ihn mit der Nachricht, und fügen den verschlüsselten Hash in die Nachricht ein. Zur Verschlüsselung verwenden sie den privaten Schlüssel des Teilnehmers. Falls die anderen Benutzer kontrollieren wollen, ob die Nachricht geändert wurde, können sie sie mit dem passenden öffentlichen Schlüssel entschlüsseln. Im Fall, wenn die Nachricht dazwischen nicht geändert wurde, muss das entschlüsselte Ergebnis zum Hash der Nachricht passen12.

2.3. Ablauf einer Transaktion

Transaktionen passieren im Bitcoin Netzwerk. Falls eine Transaktion bestätigt wird, wird sie zum Teil von Blockchain. Eine Transaktion ist unbestätigt, falls sie noch nicht in einen Block aufgenommen worden ist13.

2.3.1. Erstellen und Verkünden neuer Transaktionen

Um eine neue Transaktion zu erstellen, braucht man eine Wallet-Software. Wie erwähnt ist ein Wallet eine digitale Geldbörse für Kryptowährungen, mit Hilfe welcher sie zwischen Internetbenutzern versendet und empfangen werden können. Nachdem die Transaktion erstellt wurde, wird sie dem Bitcoin Netzwerk präsentiert und muss folglich in einen neuen Block aufgenommen werden[7].

2.3.2. Aufnahme in einen neuen Block

Damit die Transaktionen in einen Block aufgenommen werden können, muss es einem Miner gelingen, einen Block zu erzeugen. Außerdem muss der Hash des neuen Blocks so generiert werden, dass er in die Blockchain passt. Falls dies passiert, bekommt der Miner sowohl die Belohnung für den Block als auch die Transaktionsgebühren, die bei der Transaktion bestimmt wurden. Je höher ist die Transaktionsgebühr, umso höhere Priorität hat diese Transaktion. Somit wird sie schneller in den Block aufgenommen14.

2.3.3. Aufnahme in die Blockchain

Nachdem, der gültige Hash für einen Block erzeugt wurde, wird der Block dem ganzen Netzwerk präsentiert. Der Block mit der passenden Referenz wird an die Blockchain angehängt. Falls zwei Miner gleichzeitig zwei gültige Blöcke erstellen, werden beide Blöcke behalten. Die anderen Miner erhalten einen von beiden Enden der Blockchain und arbeiten mit ihm. Dazwischen wird auch der andere gespeichert, falls er länger werden sollte. Sobald einer von den erzeugten Zweigen länger wird, wird er zum Hauptteil der Blockchain. Der andere, für welchen noch keine Erweiterung generiert werden konnte, verschwindet15.

3. Bitcoin als Währung

Mittlerweile wird sehr viel in Bitcoin investiert. Derzeit, am 19.08.18, sind schon 17.218.387 Bitcoins geschürft worden, was mit dem Kurs von 6390,76 US-Dollar für einen Bitcoin mehr als 110 Milliarden entspricht. Jedoch sollte man bedenken, dass der Preis sich stark geändert hat. So konnte man im Winter 2018 Bitcoin um mehr als 20 Tausend US-Dollar verkaufen, was den Betrag für alle bis heute geschürften Bitcoins auf 330 Milliarden steigen würde16. Auf einer Seite könnte Bitcoin noch teurer werden und somit einen großen Gewinn erzielen. In diesem Fall ist das eher eine Investition in ein Gut, wie zum Beispiel Gold oder Silber, wo man hofft, von den starken Kursschwankungen zu profitieren. Außerdem ist die Anzahl der Bitcoins auf 21 Millionen begrenzt. Darüber hinaus sollte dieses digitale Geld sich tatsächlich etablieren, würde sein Wert aufgrund der begrenzten Menge nur steigen. Auf der anderen Seite wird die Kryptowährung von den Staaten und Banken nicht anerkannt, was deren Verbreitung sehr stark hemmt. In diesem Kapitel wird erläutert, was man unter Geld versteht, ob Bitcoin sich dafür eignet, auf welche Schwierigkeiten man bei der Verwendung von Bitcoin im Alltag stoßt und wie die Kryptowährung alternativ eingesetzt werden kann.

3.1. Die Funktionen des Geldes

Früher erfolgte der gesamte Handel durch den Austausch von Waren. Dabei mussten beide Personen etwas besitzen, was der andere haben wollte, sonst hat der Handel nicht stattgefunden. Später wurden Waren bestimmt, die von vielen Parteien anerkannt wurden, wie zum Beispiel Muscheln und Gold, was den Handel sehr vereinfacht hat. Aus dem Handel sind 3 wichtige Funktionen entstanden, die das Wort „Geld“ ausmachen. Die erste Funktion des Geldes ist Tausch- oder Zahlmittel. Durch Geld können Güter oder Dienstleitungen gekauft werden, was den ursprünglichen Tausch in einer vereinfachten Form repräsentiert. Dabei muss Geld von vielen Gruppen akzeptiert werden.

Die weitere Funktion ermöglicht den direkten Vergleich des Wertes der Güter. Mit Hilfe des Geldes kann man Preise für verschiedene Waren vergleichen, und somit erkennen was teurer oder billiger ist. Außerdem können die Preise addiert werden, damit man den gesamten Preis für eine Menge Güter bekommt. Aufgrund dieser Funktion versteht man, dass eine Colaflasche mehr als zwei Wasserflaschen kostet, oder dass die Wohnung in der Innenstadt teurer als am Land ist.

Die letzte Funktion ist die Wertaufbewahrung. Im Gegensatz zu vielen Gütern verliert Geld seinen Wert mit der Zeit nicht, weil es nicht verdirbt. Aufgrund dieser Eigenschaft muss man Geld nicht so schnell wie möglich ausgeben, sondern kann es gemütlich in der Geldbörse oder auch in der Bank ruhen lassen oder sogar an andere verleihen und Zinsen erhalten17.

3.2. Definitionen von Geld, E-Geld und Währung

Neben den Funktionen des Geldes gibt es offiziell bestimmte Definitionen für Geld und Elektronisches Geld (verkürzt E-Geld). Im Buch „Bitcoins“ erwähnen die Autorinnen Helgo Eberwein und Anna-Zoe Steiner den Beitrag von Ohler „Geld ist ein Geschöpf der staatlichen Rechtsordnung“ 18. Man bezeichnet Geld auch als „das vom Staat anerkannte und mit Annahmezwang ausgestattete Zahlungsmittel“ 19. Somit ist klar dargestellt worden, dass Geld sehr stark mit der staatlichen Akzeptanz verbunden ist.

Bitcoin kann als E-Geld bezeichnet werden, da das Bitcoinsystem ganz in der digitalen Welt existiert. Jochan Metzger von der Deutschen Bundesbank definiert E-Geld als: elektronisch, darunter auch magnetisch, gespeicherter monetärer Wert in Form einer Forderung gegenüber dem Emittenten, der gegen Zahlung eines Geldbetrages ausgestellt wird, der auch von anderen natürlichen oder juristischen Personen als dem E-Geld-Emittenten angenommen wird [5]

Bitcoin wird als eine Kryptowährung bezeichnet, das heißt aber noch lange nicht, dass dies tatsächlich eine offiziell anerkannte Währung ist. Die Definition für den Begriff Währung lautet: „Eine Währung [...] ist im weitgefassten Sinne das staatlich geregelte Geldwesen eines Landes oder einer privaten Gemeinschaft, insbesondere die Festlegung des Münz- und des Notensystems“ 20. Die Herausgabe einer Währung erfolgt durch Emittenten. Die Emittenten kümmern sich auch um die Preisstabilität einer Währung, indem sie die ausgegebene Menge regulieren21. Währung ist ein „[...] gesetzliches Zahlungsmittel [...] mit einem Annahmezwang [...]“ [8].

3.3. Erfüllt Bitcoin diese Kriterien?

Bitcoin wird mittlerweile als Tausch- bzw. Zahlmittel im Internet anerkannt, wo verschiedene Händler Waren im Austausch für Kryptowährung verkaufen. Jedoch falls man den weltweiten Handel miteinbezieht, können Bitcoins mit staatlichen Valuten nicht mithalten, da die Anzahl der Bitcoinbenutzer zu gering ist.

Der direkte Vergleich zwischen zwei Gütern kann für Bitcoin auch eine Schwierigkeit werden. Täglich passieren enorme Schwankungen des Bitcoinkurses, die bis zu mehreren Prozenten steigen. Dadurch kann es schwierig werden, Preise für Güter in Bitcoins zu halten, da man sie mehrere Mal am Tag ändern müsste. Außerdem ist die Verwendung von Bitcoins im Alltag eine echte Herausforderung in Mathematik. Mittlerweile kostet ein Bitcoin ungefähr 6700 Dollar22. Falls die Preise für Lebensmittel in Bitcoin berechnet werden müssen, würde das eine Zahl mit mehreren Dezimalstellen ergeben. Falls man in diesem Fall eine Colaflasche mit zwei Wasserflaschen vergleichen will, braucht man einen Taschenrechner und gute Kenntnisse in Mathematik.

Die Funktion der Wertaufbewahrung scheint bei Bitcoin ganz zu fehlen. Aufgrund der täglichen Kursschwankungen kann man nie sicher sein, ob diese digitale Währung tatsächlich etwas Wert sein wird. Es gibt auch die andere Seite, nämlich dass der Preis um einiges größer wird, was positiv angesehen werden kann. Jedoch ändert dies nicht die Tatsache, dass die Funktion der Wertaufbewahrung derzeit nicht erfüllt werden kann. Zusätzlich sollte man auch die Hackerangriffe erwähnen, die einen stark negativen Einfluss auf den Bitcoinkurs haben23.

Nach der Formulierung von Ohler sind die staatlichen Institutionen für Geld zuständig. Da Bitcoins durch Mining dezentral im Internet erzeugt werden, spielt dabei kein Staat eine Rolle. Daher ist Bitcoin nach dieser Definition kein Geld.

Die Definition im zweiten Band des Bürgerlichen Rechtes von Welser erkennt Bitcoins als Währung auch nicht, da sie weder von einem Staat anerkannt werden noch als gesetzliches Zahlungsmittel mit Annahmezwang dienen.

[...]


1 Vgl. Strutzenberger: Die Kryptowährung Bitcoin. Geschichte, Funktionsweise, Sicherheit und Wirtschaftliche Aspekte: S. 11.

2 Vgl. ebd. S.12

3 Vgl. Schwarz: Bitcoin: Eine rechtliche Einordnung und Untersuchung der Nutzung im organisierten Verbrechen: S. 13.

4 Vgl. Yermack: Is Bitcoin a real currency? An economic appraisal: S. 6 f.

5 Vgl. Eberwein; Steiner: Bitcoins: S. 3.

6 Vgl. Smart: Accepts Bitcoin.

7 Vgl. Eberwein; Steiner: Bitcoins: S. 4.

8 Vgl. Eberwein; Steiner: Bitcoins: S. 2 ff.

9 Vgl. ebd. S. 3f.

10 Vgl. BitcoinMining™: Bitcoin Mining Guide - Getting started with Bitcoin mining.

11 Vgl. ebd.

12 Vgl. Eberwein; Steiner: Bitcoins: S. 3 f.

13 Vgl. Franco: Bitcoin: Cryptography, engineering and economics: S. 105. 7Vgl. Eberwein; Steiner: Bitcoins: S. 5 ff.

14 Vgl. ebd.

15 Vgl. ebd.

16 Vgl. CoinMarketCap: Bitcoin.

17 Vgl. Koller; Seidel: Geld war gestern: S. 24 ff.

18 Ohler: Die hoheitlichen Grundlagen der Geldordnung: S. 317.

19 Welser: Bürgerliches Recht: S. 36. 5Metzger: E-Geld.

20 JuraForum: Erklärung zum Begriff Währung.

21 Vgl. ebd. 8ebd.

22 Vgl. CoinMarketCap: Bitcoin.

23 Vgl. Yermack: Is Bitcoin a real currency? An economic appraisal: S. 9 ff.

Details

Seiten
30
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346069665
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v505773
Note
1.0
Schlagworte
Bitcoin Währung Finanzen Blockchain Kryptowährungen Satoshi Nakamoto Rechtliche Aspekte von Währung

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