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Die Verschmelzung von Wise Counsel Mediation und facilitativer Mediation

Deutschlands Mediation Support in Äthiopien

Hausarbeit 2018 14 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Vorstellung der Methode
2.1 Mediation S upport als Form der F riedensmediation
2.2 Wise Counsel Mediation und facilitative Mediation
2.3 Mediation S upport: Die Mediationsausbildung in Äthiopien

3. Kritische Reflexion
3.1 Schwierigkeiten des Mediation S upports auf Mikroebene
3.2 Mediation S upport als Teil deutscher Außen- und Entwicklungspolitik

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

“Shimgelina” ist ein amharischer Begriff für “unter dem Schatten” und bezieht sich auf die Wise Counsel Mediation. Dieser traditionel e Ansatz der Konfliktlösung wird in verschiede- nen ethnischen Gruppen Äthiopiens angewendet. Konfliktparteien kommen dabei „unter dem Schatten” eines Baumes mit einem Ältestenrat zusammen, um ihre Konflikte beizulegen. Die Wurzeln dieser Tradition liegen mehrere Jahrhunderte zurück in China und Japan, im antiken Griechenland, in Afrika, Lateinamerika, Spanien und Jordanien. In Deutschland verbreitete sich der professionelle Mediationsansatz erst ab dem späten 20. Jahrhundert. Seitdem gilt Mediation als moderne Konfliktlösungsstrategie, die alternativ zur gerichtlichen Lösung an- gewendet wird und heute weit verbreitet ist.1

Auch in Äthiopien wird die Mediation heute mehr denn je gebraucht: Identitätskrisen, Res- sourcenknappheit, unterschiedliche politische Interessen, der Wunsch nach mehr Partizipation oder andere Gründe führen zu zahlreichen innerstaatlichen Konflikten zwischen verschiede- nen Ethnien oder mit der Regierung und anderen staatlichen Gruppen, die oftmals gewaltsam ausgetragen werden. Traditionel e Mediationsmodel e können hier vorbeugend eingesetzt werden und für eine friedliche Lösung sorgen. Mit dem Wandel von gesel schaftlichen Struk- turen und Werten verändern sich al erdings auch die Anforderungen an traditionel e Mediati- onsansätze wie in Äthiopien. Die deutsche Entwicklungspolitik hat daher einen Ansatz entwi- ckelt, die moderne Mediation, wie sie in Deutschland angewandt wird, mit traditionel en Mo- del en, wie der Wise Counsel Mediation in Äthiopien, zu verbinden. Dies geschieht im Rah- men von Mediationsausbildungen und Trainings von TrainerInnen vor Ort durch lokale oder internationale Initiativen.

In dieser Arbeit soll zunächst der politische Rahmen, in dem dies geschieht, näher betrachtet werden. Die Verschmelzung von facilitativer (in Deutschland vorrangig angewendeter) Medi- ation und Wise Counsel Mediation geschieht im Rahmen von Friedensmediation und Media- tion Support, welche die deutsche Entwicklungszusammenarbeit Ländern des globalen Sü- dens anbietet. Nach einer kurzen Einführung in dieses Feld werden die beiden Mediationsan- sätze näher betrachtet, dabei wird auf Besonderheiten, Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Model en eingegangen. In einem weiteren Kapitel sollen in einem ersten Schritt die Herausforderungen der Verschmelzung beider Mediationsansätze auf einer Mikroebene be- trachtet werden, bevor das Projekt in seinem größeren Kontext einer Kritik unterzogen wird.

Im Fazit wird ein kurzer Ausblick über aktuel e Tätigkeiten und die Zukunft des Mediation Support Deutschlands in Ländern des Globalen Südens gegeben.

2. Vorstel ung der Methode

2.1 Mediation Support als Form der Friedensmediation

Mediation Support ist eine Form der Friedensmediation, im Rahmen derer Friedensprozesse durch externe Drittparteien unterstützt werden. In Deutschland wurde für dieses Feld die Ini- tiative Mediation Support Deutschland gegründet, welche eine Kooperation zwischen der Berghof Foundation, dem CSSP - Berlin Center for Integrative Mediation, inmedio Berlin, dem Center for Peace Mediation an der Europa-Universität Viadrina und dem Zentrum für Internationale Friedenseinsätze (ZIF) darstelt.

Friedensmediation kann auf verschiedenen Akteursebenen stattfinden, wie die 3-Track- Pyramide nach Lederach veranschaulicht2: Auf der ersten Ebene steht die militärische und politische Führungsriege eines Landes, die zweite Ebene bezieht sich auf gesel schaftliche Führungspersönlichkeiten und Ebene drei bezieht sich auf zivilgesel schaftliche Führungsper- sönlichkeiten. Eine weitere Ebene, die sich zwischen der ersten und zweiten Ebene befindet, besteht aus einflussreichen Vertretern politischer und gesel schaftlicher Instanzen, die sich im nicht öffentlichen Rahmen versammeln, aber oft Gespräche für Ebene eins vorbereiten. Die Friedensmediation setzt auf einen Mehr-Ebenen-Ansatz, bei dem al e Ebenen miteinbezogen werden sollen, um Konflikte zu lösen.3

Mediation Support ist eine Möglichkeit für externe Akteure, MediatorInnen, Mediationsteams und mediativ gestaltete Vermittlungsprozesse zu unterstützen.4 Es geht also für die eingrei- fende Drittpartei nicht darum, selbst die Rolle der MediatorInnen zu übernehmen, sondern „die Bedingungen für das Gelingen von punktuel en Vermittlungen oder langfristigen Frie- densprozessen durch gezielte Unterstützung der relevanten Akteure nachhaltig zu verbes- sern”5. Mediation Support zielt auf vermittelnde Drittparteien, Konfliktparteien, Interessen- gruppen und Geberinstitutionen ab und umfasst verschiedene Themen, Ansätze und Metho- den: Die Durchführung und operative Unterstützung von Vermittlungsprozessen, die Aufbe- reitung und Verbreitung von Wissen, den Aufbau von Kompetenzen und den Auf- und Aus- bau von Strukturen.6

Die Stärkung von Kapazitäten bei der Verschmelzung von traditionel en und facilitativen Konfliktlösungsmechanismen stel t ein Anwendungsbereich des Mediation Supports dar. Im Folgenden sollen zuerst traditionel e und facilitative Konfliktlösungsansätze näher erklärt werden, bevor auf die Mediationsausbildung im Rahmen des Mediation Supports eingegangen wird.

2.2 Wise Counsel Mediation und facilitative Mediation

Mediation als Konfliktlösungsstrategie wird in verschiedenen Weltregionen auf verschiedens- te Weise angewendet. Dabei gehen die Ursprünge des Mediationsgedankens in Europa zurück bis in die Antike und auch in Afrika, Lateinamerika und Asien haben Verhandlungs- und Vermittlungsstrategien eine lange Tradition. Während in westlichen Gesel schaften mit der Entwicklung von Staaten gerichtliche Methoden zur Konfliktlösung dominant wurden und Mediation erst Ende der 1980er Jahre als alternative, „moderne” Konfliktlösungsstrategie wieder eingeführt wurde, haben sich beispielsweise in einigen Ländern Afrikas formale ge- richtliche Verhandlungen nicht in derselben Form durchgesetzt. Traditionel in der Kultur verankerte Mediationsmodelle werden hier oftmals als effektiver betrachtet.7

Im Rahmen von Mediation Support wird die in Deutschland angewendete facilitative Media- tion mit traditionel en Konfliktlösungsmethoden verbunden. Die facilitative, non-direktive Mediation unterscheidet sich von der formulativen oder direktiven Mediation insofern, als dass die MediatorInnen hier nicht aktiv an der Lösungsfindung beteiligt sind, sondern diese den MediandInnen überlassen und den Prozess lediglich unterstützen. Im Feld der traditionel- len Mediationsansätze bezieht sich diese Arbeit auf die Wise Counsel Mediation, die im länd- lichen Äthiopien Anwendung findet. Al erdings gibt es auch innerhalb der Wise Counsel Me- diation eine Aufsplitterung in verschiedene Ansätze, die sich geringfügig voneinander unter- scheiden8. Beim Vergleich von facilitativer und Wise Counsel Mediation fal en jedoch deutli- che Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten auf, die im Folgenden kurz erläutert werden sollen.

Bei der Wise Counsel Mediation werden Konflikte nicht durch eine unabhängige oder externe Person mediiert, wie etwa bei der facilitativen Mediation, sondern von einem Ältestenrat (stets männlich), der Teil der vom Konflikt betroffenen Gemeinschaft ist und ein hohes Anse- hen genießt. Dabei soll dieser die soziale Ordnung der Gemeinschaft bewahren und ein fried- liches Zusammenleben wiederherstel en. Die Wise Counsel Mediation wird normalerweise von den Mediatoren initi ert und die Konfliktparteien haben aufgrund gemeinschaftlicher Zwänge und Machtbeziehungen kaum die Möglichkeit, die Teilnahme an einer Mediation abzulehnen. Die facilitative Mediation dagegen wird durch eine Anfrage einer oder mehrerer Konfliktparteien bei MediatorInnen angestoßen und beruht in der Regel auf Freiwilligkeit.

Bei beiden Model en agieren die MediatorInnen als aktive ZuhörerInnen und fassen die jewei- ligen Standpunkte zusammen. Es liegt dabei an den MediandInnen, die Richtigkeit der Wie- dergabe ihres Standpunkts zu bestätigen.

Im Gegensatz zur facilitativen Mediation, bei der es nicht um eine objektive Wahrheit geht, sondern vielmehr darum, die verschiedenen Bedürfnisse der Konfliktparteien herauszuarbei- ten, geht es bei der Wise Counsel Mediation um die Suche nach der zugrundeliegenden Wahrheit bzw. nach den Fakten. Oft werden hier Shuttle-Sessions (also Gespräche zwischen dem Mediator und nur einer Konfliktpartei) als Schlüssel zur Konfliktlösung gesehen, wäh- rend diese in der facilitativen Mediation höchstens in der Vorbereitungsphase angewendet werden.

Die Lösung eines Konflikts wird bei der Wise Counsel Mediation durch den Ältestenrat fest- gelegt, sie soll für al e Parteien eine Win-win-Situation darstel en und ist bindend. Bei der Versöhnung oder Konfliktlösung spielen Symbole, Metaphern und Zeremonien, wie zum Bei- spiel Umarmungen, das Teilen von Essen oder Händeschütteln, eine große Rolle. Die facilita- tive, non-direktive Mediation unterscheidet sich in Bezug auf die Konfliktlösung stark von der traditionel en Methode: So liegt die Prozessverantwortung bei den MediatorInnen, das heißt diese helfen den MediandInnen dabei, die Bedürfnisse hinter ihren Interessen aufzudecken. Die Lösung des Konflikts wird jedoch nicht, wie bereits erwähnt, durch die MediatorInnen erarbeitet oder vorgeschlagen. Vielmehr sind die MediandInnen selbst dafür verantwortlich, eine Lösung zu finden und diese mithilfe einer oft schriftlich niedergeschriebenen, möglichst spezifischen Abschlussvereinbarung festzuhalten, während die MediatorInnen lediglich si- cherstel en, dass die Lösung wie bei der Wise Counsel Mediation eine Win-win-Situation für al e Konfliktparteien darstel t.9

2.3 Mediation Support: Die Mediationsausbildung in Äthiopien

Der Mediation Support Deutschlands in Äthiopien besteht im Konkreten darin, dass deutsche Institutionen wie die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) seit 2008 Mediationsausbildungen für zivilgesel schaftliche und staatliche Akteure sowie Trai- nings für TrainerInnen anbieten, um diesen bestimmte Methoden, Schritte und Fähigkeiten der facilitativen Mediation näherzubringen, die traditionel e Vermittlungsstrategien berei- chern können.10

Aspekte, auf die hier besonders eingegangen wird und die in die traditionel e Mediation mit- einfließen sollen, kommen im Handbuch „Shimgelina” zur Sprache, das einerseits Ergebnis, andererseits Grundlage der Projektarbeit ist und von der GIZ in Zusammenarbeit mit dem Zivilen Friedensdienst und inmedio Berlin herausgegeben wurde.

Das Training beinhaltet Lehreinheiten über Grundlagen der Konfliktforschung. So soll das grundlegende Verständnis von Konflikten diskutiert werden, wobei die Subjektivität der Wahrnehmung von Konflikten und die Nichtexistenz einer universel en Wahrheit unterstri- chen wird. Eine weitere Lehreinheit beinhaltet die Stufen der Konflikteskalation nach Glasl und die jeweilige Anpassung der Mediation an das Stadium des jeweiligen Konflikts.

Ein wichtiger Aspekt, den die Teilnehmenden lernen sollen, ist der Fokus auf Interessen und Bedürfnisse, die hinter den entsprechenden Positionen der Konfliktparteien liegen. Durch systemische Fragen, die Interessen und Emotionen aufdecken sollen, kann gegenseitiges Ver- ständnis der Konfliktparteien generiert werden, anstatt „die eine Wahrheit” herauszufinden. Mithilfe hypothetischer Fragen können MediatorInnen mögliche Lösungswege erfragen und, dadurch dass die MediandInnen ihre Zustimmung bzw. Ablehnung äußern, kann die Lösungs- findung partizipativer gestaltet werden oder sogar komplett bei den MediandInnen liegen. Darüber hinaus werden weitere Prinzipien, die der facilitativen Mediation zugrunde liegen, vermittelt: Al parteilichkeit der MediatorInnen, Freiwil igkeit der MediandInnen, der Do-No- Harm-Ansatz, Vertraulichkeit, etc. Auch die Bedeutung des aktiven Zuhörens und der Kör- persprache der MediatorInnen spielt eine wichtige Rolle im Training.

Traditionel e Elemente, wie zum Beispiel die Durchführung von Ritualen nach einer gelunge- nen Mediation oder al gemein die Kraft von Symbolen, sollen bei der Verschmelzung beibe- halten werden.

Inwiefern sich der Mediation Support durch die deutschen Institutionen in Äthiopien langfris- tig positiv auswirkt, kann in dieser Arbeit nicht diskutiert werden, da das Projekt erst kürzlich beendet wurde und auf den jeweiligen Internetauftritten keine Evaluationsberichte des Pro- jekts auffindbar waren.

3. Kritische Reflexion

3.1 Schwierigkeiten des Mediation Supports auf Mikroebene

Die Entwicklung eines äthiopischen, mit Methoden der facilitativen Mediation verschmolze- nen Mediationskonzepts bringt großes Potential zur Verbesserung von Konfliktlösungen mit sich. Al erdings müssen sich die verschiedenen Akteure im Rahmen von Mediation Support auch zahlreichen Herausforderungen stel en, die im Folgenden beschrieben werden.

[...]


1 vgl. Schäfer (2017), S. 13

2 Vgl. Lederach (2010), S. 39

3 vgl. Initiative Mediation Support Deutschland (2016), S. 1f

4 vgl. Köhler/Prinz (2015), S. 12

5 I n iti a ti v e Mediation Support Deutschland (2016), S. 4

6 vgl. ebd., S. 4 f

7 vgl. Schäfer (2017), S. 13

8 siehe auch Ziviler Friedensdienst (2013), S. 107

9 vgl. Ziviler Friedensdienst (2013), S. 13 - 17

10 Vgl. Ziviler Friedensdienst (2008)

Details

Seiten
14
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346059444
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v506070
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Zentrum für Konfliktforschung
Note
1
Schlagworte
verschmelzung wise counsel mediation deutschlands support äthiopien

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