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Beschaffungslogistik. Strategien und Ansätze für Optimierungsmaßnahmen

Projektarbeit 2018 52 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung & Aufbau der Arbeit
1.1 Einleitung und Ziel der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit

2. Definition und Grundlagen
2.1 Definition & Abgrenzung
2.1.1 Logistik
2.1.2 Beschaffung
2.1.3 Einkauf
2.1.4 Beschaffungslogistik
2.2 Aufgaben der Beschaffung
2.3 Ziele und Zielkonflikte der Beschaffung

3. Wirtschaftliche Bedeutung der Beschaffung
3.1.1 Anforderungen der Beschaffung im globalen Kontext
3.2 Einfluss der Beschaffung auf Unternehmenswerte
3.2.1 Finanzielle Größen

4. Beschaffungsmanagement
4.1 Entwicklung des Beschaffungsmanagements
4.2 Sourcing Konzepte
4.2.1 Lieferantenanzahl
4.2.1.1 Single Sourcing
4.2.1.2 Dual Sourcing
4.1.1.3 Multiple Sourcing
4.2.2 Beschaffungsareal
4.2.2.1 Local Sourcing
4.2.2.2 Global Sourcing
4.2.3 Beschaffungsobjekt
4.2.4 Beschaffungszeit
4.2.5 Beschaffungssubjekt/Kooperation
4.3. Beschaffungsorganisation
4.4 Lieferantenmanagement

5. Digitale Transformation
5.1 Überblick über IT-Systeme der Beschaffung
5.2 E-Procurement
5.2.1 E-Procurement Plattformen
5.2.2 E-Procurement Instrumente
5.3 Trends und Strategien in der Logistik im Rahmen der Digitalen Transformation

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Einordnung der Beschaffung

Abbildung 2: Zielsystem der Beschaffungslogistik;

Abbildung 3: Ursache-Wirkungs-Netz:

Abbildung 4: GuV Beach-Box-GmbH

Abbildung 5: Entwicklungsstadien des Beschaffungsmanagements

Abbildung 6: Strategien Lieferantenanzahl

Abbildung 7: Ziele - Cooperative Sourcing

Abbildung 8: Vor- und Nachteile Beschaffungsorganisation

Abbildung 9: Erfolgspotentiale von E-Procurement

Tabellenverzeichnis

Tabelle 4.1 Vor- & Nachteile Single Sourcing

Tabelle 4.2 Vor-& Nachteile Dual Sourcing

Tabelle 4.3 Vor-& Nachteile Multiple Sourcing

Tabelle 4.4 Vor-& Nachteile Local Sourcing

Tabelle 4.5 Vor-& Nachteile Global Sourcing

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung & Aufbau der Arbeit

1.1 Einleitung und Ziel der Arbeit

Die Beschaffung entwickelte sich zusehends aus einer klassischen Transport-, Umschlags- und Lagerhaltungsfunktion zu einem weltweiten und netzwerkbasiertem Aufgabenfeld mit essenzieller strategischer Bedeutung für Unternehmen.

Eine erhöhte Intensität des Wettbewerbs durch Marktveränderungs-, Kundenanforderungs- und Globalisierungsprozesse und den damit einhergehenden Kostendruck auf Produzenten, steigern zunehmend die Bedeutung der Beschaffung in betriebswirtschaftlichen Überlegungen der Unternehmen. Die Praxis zeigt, dass gerade im Bezug von Materialien, sowie der Bestellabwicklung bis hin zur Bereitstellung der Güter am Produktionsstandort riesige Potentiale zur Kostensenkung, aber auch zur Verbesserung der Umsätze bieten. Hinzu kommt, dass die Materialkosten einen steigenden Anteil an den Herstellkosten der Produkte einnehmen und so bereits kleine Einsparungen durch Alternativmaterialien oder Rohstoffreduzierungen große Auswirkungen auf der Absatzseite bewirken können. Ein weiterer Faktor ist die zunehmende Digitale Transformation der Prozesse und die damit einhergehenden Auswirkungen und Möglichkeiten auf Produkte und Geschäftsmodelle.

Um diese Potentiale für die Unternehmen nutzbar zu machen entwickeln Ökonomen neue Strategien und Ansätze zur Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit und Rentabilität.

Im Rahmen dieser Projektarbeit soll eine aktuelle Analyse dieser Strategien und Ansätze zusammengetragen werden und einen Gesamtüberblick erstellen.

1.2 Aufbau der Arbeit

Zunächst wird in Kapitel 2 wird für ein einheitliches Verständnis zu gewährleisten wichtige Begriffe Definiert und voneinander abgegrenzt. Im Anschluss werden die Aufgaben, Ziele und Zielkonflikte der Beschaffung genannt, um im nachfolgenden Kapitel 3 die Bedeutung der Beschaffung im globalen Kontext, sowie die aktuellen Trends in der Logistik aufzuzeigen. Im Anschluss wird die Bedeutung im Unternehmen anhand eines Beispiels erörtert. In Kapitel 4 wird dann auf den Trend der wachsenden Strategischen Bedeutung der Beschaffung eingegangen und verschiedene Konzepte erklärt. Im vorletzten Kapitel 5 wird dann der zweite Trend, die Digitale Transformation näher Analysiert um im letzten Kapitel ein abschließendes Fazit ziehen zu können.

2. Definition und Grundlagen

Um ein einheitliches Verständnis zu gewährleisten wird im folgenden zunächst die Begriffe „Logistik", „Beschaffung", „Einkauf" und „Beschaffungslogistik" definiert und voneinander abgegrenzt. Im Anschluss werden die Aufgaben, sowie die Ziele und Zielkonflikte der Beschaffung herausgearbeitet um auf dieser Grundlage in den nachfolgenden Kapiteln die aktuellen Trends und Maßnahmen der Beschaffungslogistik herauszuarbeiten und zu Analysieren.

2.1 Definition & Abgrenzung

2.1.1 Logistik

Die Bezeichnung Logistik tritt erstmals im 19. Jahrhundert im militärischen Bereich auf und bezeichnet im weiteren Sinne die Bewegung von Truppen, sowie die dazugehörige Planung und Versorgung mit notwendigen Gütern über entsprechende Nachschubwege.

Im wirtschaftlichen Bereich taucht der Begriff erstmals um die 1960er Jahre auf und bezieht sich überwiegend auf den Güter- und Warenfluss."1

In seiner heutigen Ausprägung hat der Logistikbegriff zahlreiche Definitionen: So beschreibt Prof. Dr. Winfried Krieger im Wirtschaftslexikon Gabler die Logistik als: "Integrierte Planung, Koordination, Durchführung und Kontrolle der Güterflüsse sowie der güterbezogenen Informationen von den Entstehungssenken bis hin zu den Verbrauchssenken. Teilweise findet auch noch die Seven-Rights-Definition nach Plowman Anwendung; danach sichert Logistik die Verfügbarkeit des richtigen Gutes, in der richtigen Menge, im richtigen Zustand, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit, für den richtigen Kunden, zu den richtigen Kosten. "2

Gleißner und Femerling beziehen in Ihrem Logistikbegriff zur Planung, Organisation, Koordination und Durchführung der entsprechenden Prozesse die Überbrückung von Raum und Zeit ein.3

Noch einen Schritt weiter geht Ehrmann und liefert die umfassendste Definition: „Logistik stellt die aus den Unternehmenszielen abgeleiteten planerischen und ausführenden Maßnahmen und Instrumente zur Gewährleistung eines optimalen Material-, Wert- und Informationsflusses im Rahmen des betrieblichen Leistungserstellungsprozesses dar, wobei sich dieser von der Beschaffung von Produktionsfaktoren und Informationen über deren Bearbeitung und Weiterleitung bis zur Distribution der erstellten Leistungen erstreckt. Die Logistikprozesse erstrecken sich nicht alleine auf das eigene Unternehmen, sondern sie erfassen ebenso die Kunden- und Lieferantenbeziehungen zur Schaffung unternehmensübergreifender optimaler Geschäftsprozesse.“4

Zusammenfassend befassen sich alle Definitionen mit der Planung, Organisation und Durchführung von Güter- und Informationsflüssen. Dieser Projektarbeit wird die detailliertere Definition von Ehrmann zugrunde gelegt.

2.1.2 Beschaffung

Laut Oskar Grün und Werner Jammernegg wird der Begriff Beschaffung folgendermaßen definiert: "Unter Beschaffung im weiteren Sinn versteht man alle Maßnahmen zu Versorgung des Unternehmens mit jenen Produktionsfaktoren, die nicht selbst erstellt werden."5

Die Formulierung im weiteren Sinne verdeutlicht, dass eine detaillierte Betrachtung notwendig ist um den Begriff Beschaffung in den entsprechenden Kontext dieser Arbeit zu setzen.

Im Gabler Wirtschaftslexikon ist die Beschaffung ist durch alle Tätigkeiten definiert, welche die Versorgung eines Unternehmens mit allen notwendigen Produktionsfaktoren wie Rohstoffen, Dienstleistungen, Informationen und anderen notwendigen Arbeitsmitteln sicherstellt. Hierzu zählen aber auch Modulbauteile, Halbfertigwaren, Handelsgüter, Ersatzteile oder gar die Bereitstellung der notwendigen Elektrizität. Das Programm und die Güter der Beschaffung sind dabei stark abhängig von der Branche und der jeweiligen Ausrichtung der Unternehmensstrategie.

Auszuschließen sind in diesem Zusammenhang die klassischen Faktoren der Kapital- und Personalbeschaffung, da diese Tätigkeiten in der Praxis meist in den Bereich anderer Organisationseinheiten wie dem Finanz- und Rechnungswesen bzw. der Personalabteilung fallen.6

Aufgrund einer detaillierteren Betrachtungsweise wird nun deutlich, dass sich die Aufgaben der Beschaffung in die zwei Teilgebiete „Einkauf" und „Beschaffungslogistik" gliedern lässt. In der Literatur und Praxis gibt es unterschiedliche Meinungen zur Begriffsabgrenzung der „Beschaffung" und des „Einkaufs" in Bezug auf die Frage, ob die Beschaffung ein Bestandteil des Einkaufs ist, oder umgekehrt.7

Aufgrund einer differenzierteren Betrachtung der Aufgaben der Beschaffung wird in dieser Arbeit letzteres zugrunde gelegt, dass der Einkauf einen Teil der Beschaffung darstellt. Nachfolgend werden die Begriffe Einkauf und Beschaffungslogistik näher definiert und zur Verdeutlichung der Begriffstrennung entsprechend ihrer Aufgaben erläutert.

2.1.3 Einkauf

Nach Krokowski und Lorenzen ist der „Einkauf der Teil der Beschaffung, der aktiv und an langfristigen Unternehmenszielen orientiert ist, die Beziehungen zwischen unternehmensinternen Bedarfsträgern und externen Bezugsquellen (Lieferanten) gestaltet, um durch (vertragliche) Vereinbarungen die Bereitstellung bzw. Verfügungsgewalt über Beschaffungsobjekte zu gewährleisten."8 Demnach ist die Aufgabe des Einkaufs die vertragliche Abwicklung der Beschaffung, sodass die "richtige Menge" der "richtigen" Güter von den "richtigen" Lieferanten für die Produktion des eigenen Unternehmens bereitgestellt werden.

Im Mittelpunkt dieser Betrachtungsweise steht das Beschaffungsobjekt mit der entsprechenden Lieferantenauswahl und den dazugehörigen vertraglichen Vereinbarungen.

Der Tätigkeitsbereich umfasst die Gestaltung und Betrachtung von Absatz- und Beschaffungsmarktes, mit dem dazugehörigen Bedarfsträgern und Lieferanten, den verknüpfenden Prozessen der Material-, Informations- und Kapitalflüssen, sowie die genannten vertraglichen Ausarbeitungen und die eigentliche Bestellabwicklung und Überwachung selbst. Die Grafik 1 im Anhang zeigt Beispielhafte Teilaufgaben des Einkaufs, unterteilt in Ihre Gestaltungsfelder und Prozessen.

2.1.4 Beschaffungslogistik

Beim Transport der Waren und Leistungen vom Distributionsstandort des Anbieters bis hin zur Lagerung und Bereitstellung am Verwendungsstandort greift die Beschaffungslogistik. Demnach ist die Beschaffungslogistik als ein Teilgebiet der Logistik zwischen dem Beschaffungsmarkt und der Produktionsstätte des Abnehmers zu verstehen und orientiert sich am Materialfluss und den damit einhergehenden Transport-, Umschlag- und Bereitstellungsprozessen zur Überbrückung von Raum und Zeit.9

Im weiteren Sinne definiert Gerhard Sommerer: „Die Beschaffungslogistik umfasst die komplexe Planung, Steuerung und physische Behandlung des Material- und Kaufteilflusses von den Lieferanten bis zur Bereitstellung für die Produktion einschließlich des dazu erforderlichen Informationsflusses zur zielgerechten Versorgung der Produktion."10

Krokowski und Lorenzen verstehen die Beschaffungslogistik folgendermaßen: "Beschaffungslogistik umfasst das an den Unternehmenszielen ausgerichtete Management (z. B. Planung, Koordination, Steuerung, Kontrolle) und die Ausführung aller unternehmensinternen und unternehmensübergreifende Raum- und Zeitdisparitäten ausgleichenden Prozesse (insb. Transport-, Umschlag- und Lagerprozesse), die an materiellen (z. B. Güter und Lebewesen) und immateriellen (z. B. Informationen und Energie) Objekten zu vollziehen sind."11

Alle Betrachtungsweisen stellen hierbei die Materialflüsse für die Räumliche und Zeitliche Überbrückung durch Transport- und Lagerprozesse in den Mittelpunkt und grenzen Sie damit von der objektbezogenen Betrachtungsweise des Einkaufs ab.

Zusammenfassend lässt sich der Tätigkeitsbereich der Beschaffung in zwei Funktionen unterteilen: Zum einen kümmert sich der Einkauf um die Informationsbeschaffung und Analyse des Marktes, der Lieferanten, der Preise, Materialien und technischen Voraussetzungen. Hinzu kommen Verwaltungstätigkeiten und Verhandlungen mit ausgewählten Lieferanten im Rahmen der Bestellabwicklung.

Zum anderen verfolgt die Beschaffungslogistik im eigentlichen Sinne die Planung und Steuerung der Material- und Informationsflüsse und damit einhergehenden Tätigkeiten, wie Warenannahme, Lagerverwaltung und - Disposition, sowie der Innerbetrieblicher Transport und Bereitstellung des Materials am Produktionsstandort.

Die nachfolgende Abbildung 2 verdeutlicht, trotz dieser Differenzierten Teilaufgaben müssen aufgrund von Wechselwirkungen und Überschneidungen der Prozess der Beschaffung als Einheit betrachtet werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb 1.: Einordnung der Beschaffung (Quelle: Krokowski, Lorenzen, 2018: Einkauf, Studienwissen kompakt, Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH S. 7 Abb.2.2)

2.2 Aufgaben der Beschaffung

Um zielgerichtet auf die Anforderungen des Marktes und die Bedürfnisse der Kunden zu reagieren bedarf es einer flexiblen Versorgung des Unternehmens mit notwendigen Gütern und Dienstleistungen.

Wie bereits im vorhergehenden Punkt 2.1 aufgezeigt wird die Hauptaufgabe in der Praxis meist differenziert in strategische, an den Markt angepasste und vertragliche Aufgaben, sowie der operativen Tätigkeit der Abwicklung und logistischer Prozesse.

Der Einkauf hat demnach folgende Aufgaben:

- Beschaffungsmarktforschung
- Preis- und Werte- und Bedarfsanalysen
- Lieferantenauswahl
- Lieferantenverhandlung
- Vertragsgestaltung und -abschluss
- Lieferantenmanagement

Im Verhältnis sind die verwaltenden Tätigkeiten wie Bestell- und Abrufabwicklung oder Pflege der Lieferanten.

Besonders herauszugreifen ist hierbei die Marktforschung, denn diese enthält eine Vielzahl von Unternehmenswichtigen Aufgaben, die im Rahmen der Beschaffungsorganisation funktionsübergreifend genutzt wird. In Verbindung mit der Preis- und Werteanalyse bilden Einflüsse aus dem Markt die Grundlage für eine Make-or-Buy Analyse für bestimmte Bezugsgüter. Desweiteren wird aufgrund der Marktdurchdringung und vergleich der Angebots- und Nachfragemärkte die Bedürfnisse und Entwicklungen der Konkurrenz und der Abnehmer deutlich, um sich so flexibel neuen Trends und Technologien zeitnah anzupassen, oder gar einen Wettbewerbsvorteil zu ermöglichen.

Den Operativen Part der Beschaffung übernimmt die Beschaffungslogistik und befasst sich als Bindeglied zwischen den Dispositionszentren der Lieferanten und der Anlieferabwicklung im eigenen Unternehmen. r Verwaltung und Haltung des Lagers. I.d.R. bezieht sich dies lediglich auf das Eingangslager, sowie der Bereitstellung der angelieferten Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe im Rahmen des innerbetrieblichen Transports an den entsprechenden Verbrauchsstellen. Je nach Größe des Unternehmens fallen auch hier verwaltungstechnische Aufgaben zu, wie bspw. Bedarfsermittlung oder Verbrauchsanalysen im Rahmen der Planung und Steuerung des Material- und Informationsflusses.

Deutlich wird, dass die einzelnen Aufgaben sich je nach Unternehmensgröße, -struktur, - strategie unterscheiden und von anderen internen und externen Einflüssen und Faktoren beeinflusst werden.12

2.3 Ziele und Zielkonflikte der Beschaffung

Die Entscheidung der Beschaffungsprozesse ist von großer Bedeutung, da die Ausrichtung auf bestimmte Ziele sich erheblich auf Leistungen und Finanzen des gesamten Unternehmens auswirken kann. Die Beschaffungsziele müssen am Unternehmensziel ausgerichtet und unter den Gesichtspunkten der Kostenreduktion, Erhaltung der Autonomie und Verbesserung der Leistung erfolgen.

Bei der strategischen Ausrichtung sind neben den obersten Unternehmenszielen auch Ziele anderer Funktionsbereiche einzubeziehen (Vgl. Anhang1), da diese einen langfristigen Charakter haben. Auf die Beschaffung bezogen ist das Hauptziel als Potenzialsicherung zu betrachten, welches Seitens der Beschaffung durch die Sicherung der Versorgung, Analyse des Potenzials der Lieferanten, Vermeidung einer Lieferantenabhängigkeit, Qualitätssicherung, etc. sichergestellt werden können.

Weitere Ziele lassen sich wie folgt gliedern:

Sicherung der:

- Materialversorgung

- Flexibilität gewähren
- Risiko streuen
- kontinuierliche Wachstumsrate sichern
- Diversifikation

- Qualitätssicherung

- Material
- Technologiestandard

- Beschaffungsmarktposition

- Sicherung Nachfragemarkt
- Imagewahrung

- Preisstabilität

- Personalqualität

Operativ

- Beschaffungskosten Optimieren

- Einkaufspreise
- Kosten für Bezug, Bereitstellung und Verwaltung

- Qualität des Materials sichern

- Liquidität sichern

- Lieferbereitschaft sichern13

Zu erkennen ist, dass die Ziele laut dem Wirtschaftlichkeitsprinzip wie folgt zusammengefasst werden können: "möglichst hohe Logistikleistung bei möglichst tiefen Logistikkosten."14 Nach dem Zielsystem von Wiendal (s. Abb.2) lassen sich einige Zusammenhänge herleiten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2 Zielsystem der Beschaffungslogistik; Quelle: Wiendahl, 1997, Fertigungsregeln, Logistische Beherrschung von Fertigungsabläufen auf Basis des Trichtermodells, Hanser Verlag

So definiert er die Logistikleistung als eine vom Endverbraucher gewünschte Liefertreue und Einhaltung der Lieferzeiten. Die Logistikkosten werden als Summe der Kosten aus Bestand und Kapitalbindung verstanden, welche durch eine Reduzierung der Wiederbeschaffungszeit eine Reduzierung der Kosten zur Folge haben, da die Bedarfswünsche der Kunden kurzfristig bedient werden können und gleichzeitig die Lagerbestände niedrig gehalten werden können. Eine zuverlässiger Lieferant trägt zudem dazu bei die Prozesskosten zu reduzieren, da dieser die Sicherheit der Versorgung des Unternehmens durch Liefertreue erhöht, bei gleichzeitiger Reduktion der Kosten und Risiken im Einkauf.15

Neben den Zielkonflikten zwischen der Beschaffung und anderer Unternehmensfunktionen lassen sich aus dem Zielsystem selbst Konflikte erkennen, die es zu berücksichtigen gilt. Ein bedeutender Zielkonflikt wird auch als "Dilemma der Materialwirtschaft"16 bezeichnet und bezeichnet die gegensätzliche Ausrichtung zwischen hoher Sicherheit der Versorgung und geringen Bestandskosten. Auch bei den Wiederbeschaffungszeiten handelt es sich um einen Wiederspruch zu einer hohen Treue der Lieferzeit und Liefermenge, da eine Erhöhung der Leistung meist zu einer Erhöhung der Bestands- und Prozesskosten führt. Abschließend führt eine Reduzierung der Beschaffungskosten durch Mengenrabatte im Umkehrschluss zu einer Erhöhung der Kapitalbindungskosten.17

Zusammenfassend ist die Aufgabe der Beschaffung die Sicherstellung der Versorgung des Unternehmens mit allen notwendigen Produktionsfaktoren, ausgerichtet an den Gesamtzielen und unter der Berücksichtigung der sich wiedersprechenden Ziele der verschiedenen Organisationsfunktionen sowie der Beschaffung selbst.

Durch die in den Definitionen genannten Wechselwirkungen und Überschneidungen zwischen den Aufgaben des Einkaufs und der Beschaffungslogistik, wird im nachfolgenden Punkt 3 die Beschaffungslogistik, der Einkauf und die Beschaffung als Synonym verwendet, da die übergeordnete Bedeutung der Beschaffung im Fokus der Betrachtung liegt.

3. Wirtschaftliche Bedeutung der Beschaffung

Zunächst einmal ist festzustellen das kein Unternehmen autark tätig sein kann und so auf externe Güter oder Dienstleistungen angewiesen ist, welche extern beschafft werden müssen. Diese übergeordnete Betrachtung würde bereits die Bedeutung begründen, reicht jedoch nicht aus um die Anforderungen und den Einfluss im Unternehmen darzustellen.

3.1.1 Anforderungen der Beschaffung im globalen Kontext

Im Zentrum der Herausforderungen steht die Globalisierung und den damit einhergehenden Fortschritt in der Informations- und Kommunikationstechnologie, erhöhen zunehmend den Wettbewerbsdruck hinsichtlich der Verkaufspreise der Unternehmen. Desweiteren verringert sich der Produktlebenszyklus, sodass Produzenten mit einer erhöhten Anpassungs- und Innovationsfähigkeit konfrontiert werden, um am sich schnell verändernden Markt zu bestehen.

Auch die neuen Anforderungen im Bereich der Flexibilität in Bezug auf die Größe der Bestellmenge und Bestellvariation an divergierenden Produkten, wirtschaftlich nachhaltigen Produktionsprozessen und hoher Kapazitätsauslastung bei gleichzeitigem Kostendruck stellen viele Unternehmen vor neue Aufgaben. Desweitern nehmen die Materialkosten einen stetig steigenden Anteil der Herstellkosten ein. Diesen Druck seitens des Wettbewerbs versuchen die Produktionsstätten meist mit der Verringerung der Fertigungstiefe entgegenzuwirken und erhöhen den Anteil des Fremdbezugs von Fertigungsteilen oder steigen auf Modulbeschaffung um. Diese fortschreitenden logistischen Prozesse bewirken eine Veränderung und stetigen Neuausrichtung des Materialflusses um die Preis- und Leistungsansprüche der Konsumenten gerecht zu werden. Dazu kommt ein sich verändertes Nachfrageverhalten nach höherer Produktqualität bei nachhaltiger Produktion und Verwendung.

In diesem Zusammenhang gewinnt die Beschaffung zunehmend an Bedeutung. Mit Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit und Rentabilität des Unternehmens, lassen sich die Anforderungen der Beschaffungslogistik folgendermaßen ableiten: In Ihren Zuständigkeitsbereich fällt die Versorgung des Unternehmens und der Kunden mit allen Benötigten Materialien und Waren. Zur Zielverfolgung stellt die Beschaffung die Produktivität und die Auslastung der Kapazität sicher. Desweitern sorgt sie für eine Vielfalt an Produkten und Teilprodukten, ohne diese selbst herstellen zu müssen, bei gleichzeitiger hoher Flexibilität und schneller Reaktion auf sich verändernde Markt- und Kundenbedürfnisse. Durch wirtschaftlich Nachhaltige Förderung der Arbeitsprozesse ermöglicht die Logistik Ressourcen- und kostensparende Unternehmenstätigkeiten zu realisieren und den Lagerbestand, damit einhergehend Lagerkosten und Kapitalbindung, entlang der gesamten Supply Chain zu reduzieren. Dazu gehört die Abstimmung der Einkaufsabwicklung mit dem Bestellvorgang, die Disposition des Materials zum gewünschten Standort und die Überwachung der Bestellabwicklung und des Wareneingangs. Die Einbindung der Beschaffungslogistik in das Gesamtkonzept des Unternehmens ist unerlässlich um diese Herausforderungen zu meistern, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und die Reaktions-, Bearbeitungs- und Lagerzeiten reduzieren.18

[...]


1 Vgl. Arnold, D. 2008, Handbuch Logistik, S. 3

2 Prof. Dr. Winfried Krieger, https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/logistik-40330, Stand 13.05.2018

3 Vgl: Gleißner, H./ Femerling, J.C., Logistik, 2008, S. 4.

4 Ehrmann, Harald: Logistik, 2005; S. 25

5 Grün/ Jammernegg, 2009, Grundzüge der Beschaffung, Produktion und Logistik, Band 1, S.90

6 Vgl. https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/beschaffung-30913, Stand 10.05.2018, Autor: Prof. Dr. Winfried Krieger

7 Vgl. Krokowski, Lorenzen, 2018: Einkauf, Studienwissen kompakt, Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH S. 5f

8 Krokowski, Lorenzen, 2018: Einkauf, Studienwissen kompakt, Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH S. 10

9 Vgl. https://www.bvl.de/service/zahlen-daten-fakten/logistikbereiche/beschaffungslogistik, Stand 10.05.2018, Dr. Christian Grotemeier

10 Sommerer, Gerhard, 1995: Logistik, Verlag Moderne Industrie, Landsberg, S.260

11 Krokowski, Lorenzen, 2018: Einkauf, Studienwissen kompakt, Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, S. 7

12 Vgl. Christof Schulte, 2012: Logistik, Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Vahlen, München, S.427f

13 Vgl. Christof Schulte, 2012: Logistik, Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Vahlen, München, S.429

14 Vgl. Mathar/Scheuring, 2012: Unternehmenslogistik, Compendio Bildungsmedien AG, S. 54

15 Vgl. Mathar/Scheuring, 2012: Unternehmenslogistik, Compendio Bildungsmedien AG, S. 55

16 Vgl: https://beschaffung-aktuell.industrie.de/einkauf/die-planung-ist-tot-es-lebe-die-planung/, Stand 18.05.2018

17 Vgl. Mathar/Scheuring, 2012: Unternehmenslogistik, Compendio Bildungsmedien AG, S. 56

18 Vgl. Mathar/Scheuring, 2012: Unternehmenslogistik, Compendio Bildungsmedien AG, S. 52ff

Details

Seiten
52
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346053879
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v506814
Institution / Hochschule
Fachhochschule Koblenz - Standort RheinAhrCampus Remagen
Note
3,0
Schlagworte
Beschaffungslogistik

Autor

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Titel: Beschaffungslogistik. Strategien und Ansätze für Optimierungsmaßnahmen