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Die Französische Revolution zwischen Staat und Kirche. Die Bedeutung der Zivilkonstitution des Klerus

Hausarbeit 2017 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die Gallikanische Kirche im Ancién Regime

3. Die konstitutionelle Revolution

4. Säkularisation

5. Die Zivilkonstitution des Klerus

6. Ausblick

7. Literaturverzeichnis

8. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die Französische Revolution hat Europa in vielerlei Hinsicht geprägt. Als herausragendes Er- eignis des 18. Jahrhunderts sind die Folgen der Revolution noch bis heute deutlich zu spüren. So ist sie als „Geburtsstunde von Freiheit und Demokratie beschrieben worden“1, wird sogar als „Laboratorium der Moderne“ bezeichnet, da zwischen 1789 und 1799 ein Großteil Verfas- sungsformen der folgenden Jahrhunderte angewandt wurden2.

Ein weiterer Themenkomplex nachhaltiger Wirkung ist der Prozess der Emanzipation des Staats von der gallikanischen Kirche. Die Rolle der mächtigen französischen Kirche veränderte sich stark im Zeitalter der Revolution, was die Frage aufwirft, ob sich die Kirche auch dem sich durch Aufklärung und Revolution verändernden Zeitgeist anpassen konnte. Des Weiteren wurde die Frage aufgeworfen, ob „Katholizismus und Moderne von vornherein inkompatibel sind?“3, welche in Europa zwar vor allem das 19. Jahrhundert geprägt hat, jedoch Religionen im Allgemeinen betreffend auch im 20. und im 21. Jahrhundert aktuell geblieben ist.

Die Französische Revolution war der Übergang in die Moderne, gerade hier lässt sich diese Frage anhand des Zusammenspiels zwischen Staat und Kirche und revolutionären Ansätzen bestens erörtern. Hier trifft das aufgeklärte, revolutionäre französische Volk auf die Kirche des Ancién Regime. Es wurden Versuche gestartet, diese Kirche, die für so lange Zeit so fest in Frankreich verankert war und während der Revolution manchmal den Eindruck erweckt, den Geist der Zeit entweder nicht erkannt zu haben oder ihn ignorieren zu wollen, weiterhin im Staat verankert zu lassen.

Nach einer Reihe von Dekreten, welche unter anderem zur Tilgung der Schulden Frankreichs beitragen sollten, indem der kirchliche Besitz verstaatlicht wurde, erließ die Konstituante am 12. Juli 1790 die Zivilverfassung des Klerus. Durch dieses Dekret wurde die Unabhängigkeit der gallikanischen Kirche in Bezug zur katholischen Kirche nach Rom und damit zum Papst ver- stärkt. Stattdessen wurde die Kirche an den Staat gebunden und praktisch zu einer ‚Beamten- kirche‘ abgeändert. Letztendlich entstand daraus ein Schisma, aber auch das Verhältnis Kirche und Staat war durch die Zivilkonstitution zwar festgeschrieben, aber noch nicht nachhaltig manifestiert.

An dieser Stelle sei vermerkt, dass das Verfassen einer Arbeit über ein solch komplexes Thema Schwierigkeiten hinsichtlich der Selektion der als am relevantesten erachteten Schwerpunkte mit sich bringt, zumal auch dem quantitativen Aufwand zwangsläufig Grenzen gesetzt sind. Zunächst wird in dieser Arbeit die Rolle der gallikanischen Kirche im Ancién Regime erläutert, um die tiefgreifende Veränderung Frankreichs auch in Bezug auf den Klerus im Zeitalter der Revolution im Folgenden möglichst plausibel darstellen zu können.

Auch die erste Phase der Französischen Revolution, die der konstitutionellen Monarchie, be- darf einer Untersuchung. Gerade in dieser Phase war nicht immer abzusehen, dass nach einer vergleichsweise kurzen Zeitspanne ein Schisma in der Kirche entstehen könnte. Hier wird vor allem die Rolle der Menschenrechte, die Säkularisation und damit einhergehend die Finanz- und Kirchenpolitik des Staats aufgeführt.

Schlussendlich wird die Zivilverfassung des Klerus in ihrer Entstehung und die zeitgenössische klerikale Rezeption dieser anhand des Beispiels eines Tagebucheintrags von Jean-Baptiste Henrys, eines Mitglieds des Prämonstratenserordens, aufgeführt.

2. Die Gallikanische Kirche im Ancién Regime

Um den Geschehnissen kurz vor und nach der Zivilkonstitution des Klerus angemessen auf den Grund gehen zu können, ist es zunächst einmal notwendig, die Stellung der Kirche und ihr Verhältnis zu ihren Anhängern vor der Revolution im Ancien Régime genauer zu untersuchen. Einen zentralen Punkt bildet hier die sogenannte Gallikanische Kirche, welche Ludwig der XIV. zur Staatskirche ernannt hatte.4 Mit diesem Erlass wuchs nicht nur die Macht der Kirche in- nerhalb Frankreichs, sondern auch der Einfluss und die Vormachtstellung Ludwigs, denn „er war als ‚Bischofskönig‘ mit priesterlichen Vorrechten versehen.“5 Der Gallikanismus be- schreibt eine Glaubensrichtung, die zwar in hohen Maßen der katholischen Kirche entspricht und dieser auch angehört. Doch ist die Bezeichnung als gallikanische Kirche am ehesten als Abgrenzung zur römischen und damit papstnahen Kirche zu verstehen. Der erste Satz in der Deklaration der gallikanischen Freiheiten „erklärt die weltliche Gewalt, auch die des Königs, als unmittelbar von Gott gegeben.“6 Diese Haltung der Gallikanischen Kirche ist nicht als revo- lutionär zu sehen, trotzdem lässt sich hier eine Tendenz der Kirche weg vom Ultramontanis- mus vermuten. Die geistliche Gewalt wurde dem Papst in dem Dekret zwar zugesprochen, „seine Entscheidungen sind ohne Konsens der Gesamtkirche jedoch nicht unabänderlich.“7 Damit wurden die Differenzen zwischen Rom und der französischen Kirche nur kurz umrissen, dennoch waren diese so fundamental, dass sie schließlich nach der Zivilkonstitution des Klerus und der Reaktion des Papstes darauf einen wichtigen Grund für das danach entstandene Schisma dargestellt haben.

Der Klerus selbst war vor Beginn der Französischen Revolution faktisch ein eigener Stand, „die etwa 120 000 Personen zählende Geistlichkeit bezeichnete sich selbst als ‚die erste Körper- schaft des Königreiches‘“8. Die Religion stellte sich als ein tragendes Fundament des Alltagsle- bens heraus9, zudem war die Kirche in Besitz einiger Privilegien, welche gerade in Hinblick auf das Zeitalter der Aufklärung zumindest für Diskussionsstoff gesorgt haben dürften. Im Folgen- den werden die für die Thematik dieser Hausarbeit relevanten aufgeführt. Während die finanzielle Lage des französischen Staates besorgniserregend war, profitierte der Klerus von seinem Steuerprivileg: „Der Klerus war gesetzlich nicht verpflichtet, an den öffent- lichen Lasten teilzunehmen, während selbst der Adel den Zwanzigsten und die Kopfsteuer zu zahlen hatte und nur von der Taille befreit war.“10 Zwar gab es eine Steuerleistung, welche als Don gratuit bezeichnet und alle fünf Jahre abgegeben wurde, doch generierte diese für den Staat vergleichsweise geringe Einnahmen. Die Einnahmen der Kirche durch den Zehnten und das Kirchengut konnten hingegen nur geschätzt werden.11

Doch nicht nur finanziell war die Kirche im Ancién Regime stark aufgestellt. Auch in sozialen Bereichen wie der Erziehung, der Armenfürsorge, Krankenhäusern und zudem noch dem Recht der Registrierung von Geburten, Heiraten und Todesfällen lässt den politischen und geistigen Einfluss im Land erahnen.12

Nicht zu unterschätzen ist allerdings die Diversität innerhalb des Klerus im Ancién Regime. Als Beispiel ist hier die Einberufung der drei Generalstände zu nennen, bei der sich das Episkopat überwiegend mit dem Adel, der niedere Klerus aber mit dem Bürgertum oder dem dritten Stand verband.13

Die Gallikanische bzw. katholische Kirche war am Vorabend der Revolution also fester Be- standteil des Ancién Regime, sowohl im politischen als auch im finanziellen und sozialen Be- reich eine feste Größe, die durch den Zeitgeist der Aufklärung aber wie das Ancién Regime generell ob seiner unverhältnismäßig erscheinenden Machtfülle immer stärker hinterfragt wurde.

3. Die konstitutionelle Revolution

Während für Europa im Allgemeinen durch den Beginn der Revolution in Frankreich eine neue Epoche eingeläutet wurde, brachen auch für die Kirchenvertreter völlig neue Phasen an, denn „je enger die Kirche mit der politischen und gesellschaftlich-feudalen Ordnung der vorrevolu- tionären Zeit verzahnt war, desto weniger intakt überlebte ihre Organisationsstruktur in die- sen Ländern den Untergang des Ancién Regime“.14 Hier zeigten sich die inneren Differenzen der Kleriker – der Beginn der Revolution ging einher mit dem Beginn eines Bruchs der gallika- nischen Kirche sowohl mit dem Staat als auch mit der katholischen Kirche, was anfangs nicht unbedingt abzusehen war. „Als die Generalstände am 5. Mai 1789 zusammentreten, unter- stützt der niedere Klerus, dessen Mitglieder häufig dem Kleinbürgertum oder der wohlhaben- den Bauernschaft entstammen, den Dritten Stand in seiner Forderung nach Reformen.“15 Bei der Differenzierung zwischen niederem und höheren Klerus nahm letzterer unfreiwillig die Rolle ein, die in der Nähe des Adels zu verorten war.

[...]


1 Susanne LACHENICHT, Die Französische Revolution, Darmstadt² 2016, S. 9

2 Hans-Ulrich THAMER, Die Französische Revolution, München4 2013, S. 7

3 Hubert WOLF, Katholische Kirchengeschichte im „langen“ 19. Jahrhundert von 1789 bis 1918, in: Ökumenische Kirchengeschichte, Band 3: Von der Französischen Revolution bis 1989, Darmstadt 2007, S. 93

4 Vgl. Ernst SCHULIN, Die Französische Revolution, München² 1988, S. 152

5 Ebd. S. 152

6 Rudolf REINHARDT, Teil A: Die katholische Kirche (1648-1789), in: Ökumenische Kirchengeschichte, Band 2: Vom Hochmittelalter bis zur frühen Neuzeit, Darmstadt 2008, S. 468

7 Ebd. S. 468

8 Albert SOBOUL, Die Große Französische Revolution: Ein Abriß ihrer Geschichte (1789-1799), Frankfurt am Main4 1983, S. 15

9 François FURET/Denis RICHHET: Die Französische Revolution, Frankfurt am Main 1981, S. 14

10 Karl Dietrich ERDMANN, Volkssouveränität und Kirche, Köln 1949, S. 63

11 Vgl. Karl Dietrich ERDMANN, Volkssouveränität und Kirche, S. 64 f.

12 Vgl. Ernst SCHULIN, Die Französische Revolution, München² 1988, S. 152

13 Vgl. Franz Xaver BISCHOF, Revolutionärer Umbruch und Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse, in: Einführung in die Geschichte des Christentums, Freiburg im Breisgau, S. 288

14 Franz Xaver BISCHOF, Revolutionärer Umbruch und Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse, S. 287

15 Jean-Paul BERTAUD, Altagsleben während der Französischen Revolution, Paris 1983, S. 66

Details

Seiten
15
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783346065995
ISBN (Buch)
9783346066008
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v507984
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,3
Schlagworte
französische revolution staat kirche bedeutung zivilkonstitution klerus

Autor

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