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Carl Sternheims Komödie "Die Kassette"- Eine zeitlose satirische Komödie auf das kapitalistische Bürgertum

Hausarbeit 2003 15 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Sternheims Leben

3. Sternheims Zeitkritik
3.1.Das Bürgerliche Heldenleben
3.2.Der Maske-Zyklus

4. Der Kapitalismus in Sternheims „Die Kassette“
4.1. Habgier als Antriebskraft
4.2.Das Geld als Akteur

5. Die Parallelen zu unserer Zeit

6. Resümee

7. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Carl - William Adolf - Sternheim, geboren am 1.4.1878 in Leipzig, war ein unbarmherziger Analytiker der bürgerlichen Gesellschaft und bezeichnetet sich selbst als "Arzt am Leibe seiner Zeit" und wurde als eine Art deutscher Molière verstanden. Leider gehört er zu den Schriftstellern, die nach dem Dritten Reich erst spät wiederentdeckt wurden, obwohl seine Komödien "Aus dem bürgerlichen Heldenleben" wohl zu den Interessantesten und Besten gehören, die das deutsche Drama im zwanzigsten Jahrhundert hervorgebracht hat. Unter anderem deshalb, da sie auf kritisch-satirische Weise negative Eigenschaften des Menschen und Ereignisse schildern, die leider auch noch für unsere Zeit zutreffen. Sieht man beispielsweise "Die Kassette" auf einer Bühne, so könnte dieses Stück auch, abgesehen von der Sprache, in der heutigen Zeit spielen. Besonders diese Komödie, die durch ihre erbarmungslose Ehrlichkeit, die Dinge zu zeigen, wie sie sind, eher eine Tragödie ist, ist mit ihren Themen wie Geiz und Habgier auf den ersten Blick zeitlos wie nie zuvor. Inwiefern sie auch heute noch auf das Publikum provozierend wirkt und wodurch es zu einem zeitlosen Stück wird, werde ich im Folgenden versuchen zu erforschen und erläutern. Zum besseren Verständnis, u.a. weshalb Sternheim das Bürgertum so aufs Korn nahm, werden ich zuerst auf sein Leben eingehen.

2. Sternheims Leben

Mütterlicherseits stammte Sternheim aus einer protestantischen Buchdruckerfamilie, väterlicherseits aus einer jüdischen Bankiersfamilie, sein Vater war außerdem Theaterkritiker und Verleger. Er wuchs sehr wohlhabend auf und führte das Leben eines Grandseigneurs, wo immer er wohnte. Erst studierte an verschiedenen Unis in Deutschland u. a. Philosophie, Rechts- u. Staatswissenschaften, Literatur- u. Kunstgeschichte. Später lebte er u.a. in Hannover, Berlin, München, Göttingen, Leipzig, Belgien, Dresden und Brüssel. Sein dichterisches Vorbild war Paul Heyse, später Arno Holz und Gerhart Hauptmann, aus dessen "früheren Schriften eine weniger spießbürgerliche Weltauffassung den ersten anderen Eindruck" auf ihn machte.

1900 ließ sich Carl Sternheim in Weimar als Schriftsteller nieder. 1906 heiratete er in zweiter Ehe 1907 Thea Löwenstein, die seine künstlerischen Arbeiten kritisch-fördernd begleitete und mit ihrem Vermögen der Familie eine großbürgerliche Existenz ermöglichte. Das 1908 in Höllriegelskreuth bei München erbaute Haus "Bellemaison" wurde für einige Jahre zum Künstlertreffpunkt, u.a. für Mechtilde Lichnowsky, Max Reinhardt und Frank Wedekind, mit deren Tochter Pamela er von 1930 bis 1934 verheiratet war.

Zusammen mit Franz Blei gab Sternheim im gleichen Jahr den ersten Jahrgang der literarisch-künstlerischen Zweimonatsschrift »Hyperion« heraus. Befreundet war er mit Hugo von Tschudi, Fritz von Unruh, Walther Rathenau, Ernst Stadler und Otto Vrieslander; mit Carl Einstein und Gottfried Benn plante er 1917 unter dem Titel "Enzyklopädie zum Abbruch bürgerlicher Ideologie" eine kritische Revue bourgeoiser Herrschaftsformen. Seine Freundschaft mit Franz Pfemfert brachte ihn zeitweise in den Kreis um die Zeitschrift "Die Aktion" und damit in einen distanziert bleibenden Kontakt zum Expressionismus. Das Preisgeld des Fontane-Preises, der Sternheim 1915 zugesprochen wurde, gab er an den damals noch unbekannten Franz Kafka weiter, um auf ihn als einen bedeutenden Erzähler aufmerksam zu machen.

Augenfälligstes Moment in Sternheims Schaffen ist die Zusammenfassung von Werken zu Zyklen, denen sich später entstandene Texte jeweils zuordnen lassen. So stehen die Dramen seit 1908 unter dem ironischen Titel "Aus dem bürgerlichen Heldenleben". Sternheims Leben war das eines Bourgeois, und gerade diesen nahm er in den Werken hauptsächlich aufs Korn, indem er die Proletarier karikiert, die zielgerichtet die "Segnungen des Bürgertums" als sozialen Aufstieg erstreben. Ausgangspunkt der Dramen bilden die Komödien Die Hose (Berlin. 1911), Die Kassette (Leipzig. 1912) u. Bürger Schippel (Ebd. 1913). Später kommen drei weiteren Dramen, Der Snob (Berlin 1914), 1913 (Ebd. 1915) und Das Fossil (Potsdam 1925) hinzu. Um diesen Kern von sechs Dramen gruppieren sich die späteren Stücke auf unterschiedliche Weise: Der Kandidat (Leipzig 1914; nach Flaubert), Das leidende Weib (ebd. 1915; nach Klinger), Tabula rasa (ebd. 1916), Der Stänker (ebd. 1917), Der Nebbich (München. 1922), Die Schule von Uznach (Potsdam 1925) und Oscar Wilde (Bln./Wien/Lpz. 1926).

Nach großen Theatererfolgen und einer breiten Wirkung, die um 1930 deutlich nachließen, wurde Sternheim insbesondere als Dramatiker nach dem Zweiten Weltkrieg von der Wirkung des Brechtschen Theaters verdrängt. Dies lag nicht zuletzt daran, daß sich Sternheims physischer und geistiger Verfall sich beschleunigte, hinzu kam ein von den Nationalsozialisten schon 1932 angekündigtes und 1933 ausgesprochenes Verbot seiner Stücke. Am 3.11.1942 starb er einsam, vergessen und nervenkrank in seinem Schloß bei Brüssel. Erst das von Wilhelm Emrich herausgegebene Gesamtwerk und die von Fritz Hofmann besorgten Gesammelten Werke, sowie die Inszenierungen Rudolf Noeltes in den 60er Jahren brachten Sternheim wieder in fruchtbare Auseinandersetzungen, die ihn als einen der bedeutendsten Autoren des beginnenden 20. Jh. kenntlich machten.

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Details

Seiten
15
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638469999
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v50880
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2+
Schlagworte
Carl Sternheims Komödie Kassette Eine Bürgertum

Autor

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Titel: Carl Sternheims Komödie "Die Kassette"- Eine zeitlose satirische Komödie auf das kapitalistische Bürgertum