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Nutzwertanalysen bei Standortentscheidungen

Ein kurzer Überblick

Hausarbeit 2005 19 Seiten

BWL - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.1. Grundlegende Theorien
2.1.1 von Thünen
2.1.2 Weber
2.2 Begriff und Wesen
2.3 Standortfaktoren
2.3.1 Beschaffungsorientierte Standortfaktoren
2.3.2 Fertigungsorientierte Standortfaktoren
2.3.3 Absatzorientierte Standortfaktoren
2.3.4 Staatliche Standortfaktoren
2.3.5 „Moderne“ Standortfaktoren
2.4 Entscheidungsmodelle bei Standortwahlen
2.4.1 Analytisch-quantitative Modelle
2.4.2 Heuristisch-qualitative Modelle

3. Nutzwertanalyse als Teil der Standortwahl
3.1 Merkmale und Vorgehensweise
3.1.1 Zielkriterienbestimmung und -gewichtung
3.1.2 Teilnutzenbestimmung
3.1.3 Nutzwertermittlung
3.2 Beispiel einer Nutzwertanalyse

4. Kritische Auseinandersetzung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Standortentscheidung hat in den letzten Jahren nachhaltig an Bedeutung gewonnen. Insbesondere seit die zunehmende Globalisierung und die damit verbundenen politischen Veränderungen die Länder­grenzen zunehmend in den Hintergrund rücken ließen und die Weiter­entwicklung der Transport- und Informationssysteme die Überwindung von großen Entfernungen zwischen verschiedenen Stand­orten erleichtert haben, stehen den heutigen Unternehmen weltweite Standortalternativen zur Verfügung.

Auch innerhalb eines Landes sollte der Suche nach einem Standort aus­reichend Aufmerksamkeit gewidmet werden, da sie eine unternehmeri­sche Entscheidung darstellt, die wie die Wahl der Rechtsform den Aufbau und die Entwicklung des Betriebes mitbestimmt. Durch Grundstücks- und Baupreise hat sie direkten Einfluss auf die Investitionskosten und bestimmt auf Dauer Kostengrößen wie Transportkosten, Regionalabgaben und Löhne. Somit hat die Wahl eines Standortes einen langfristigen Charakter, kann den Erfolg eines Unternehmens nachhaltig positiv wie auch negativ beeinflussen und ist nur schwer, und meist verbunden mit hohen Kosten, revidierbar.

Die nachfolgende Ausführung soll zeigen, wie mit Hilfe der Nutzwert­analyse bei der Standortsuche vorgegangen werden kann und wie möglichst alle wichtigen gewünschten Eigenschaften eines Standortes bei der Entscheidungs­findung berücksichtigt werden sollten.

Da die Standortwahl das zu Grunde liegende Problem ist, wird sich diese Hausarbeit zunächst mit dem Standort an sich befassen, bevor sie auf die Mög­lichkeiten der Lösungsfindung, bzw. die Anwendung der Nutzwert­analyse eingeht. Nach einem kurzen Überblick über die zwei grund­legen­den historischen Standorttheorien wird erläutert, was unter dem Begriff der Standortwahl verstanden wird und welche Faktoren hierbei von Bedeutung sein können. Gerade für diese Faktoren haben sich sehr unterschiedliche Modelle mit differierenden Einteilungen entwickelt. Diese Arbeit legt aus­schließlich eine sich an Behrens orientierte Gliederung der Standort­faktoren nach Beschaffung, Fertigung und Absatz zu Grunde. Sie wurde lediglich noch um „moderne“ Standortfaktoren ergänzt und führt die staat­lichen Faktoren separat auf. Die Begründung für diese Wahl liegt neben der nachvoll­ziehbaren Einteilung in der geschichtlichen Fortführung der grundlegenden Standorttheorien (von Thünen ð Weber ð Behrens).

Nach der Klassifizierung und Erklärung des Entscheidungsmodells „Nutz­wertanalyse“ folgt ein fiktives Beispiel zur Erläuterung[1], gefolgt von einer kritischen Auseinandersetzung.

2. Standortwahl als Entscheidungsproblem

2.1. Grundlegende Theorien

2.1.1 von Thünen

Die erste bedeutsame wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Problem der Standortwahl erfolgte 1826 durch Johann Heinrich von Thünen mit seinem Werk „Der isolierte Staat in Beziehung auf Landwirt­schaft und Nationalökonomie“. In dieser Arbeit beschrieb von Thünen in Bezug zur Landwirtschaft den Zusammenhang und die Abhängigkeit zwi­schen den bis zu diesem Zeitpunkt als allein maßgeblich angenommenen gegebenen Bodenbeschaffenheiten und der neuen Idee einer ökono­mischen Beeinflussung bei der Wahl des Standortes (und „der Art der Bodennutzung“). Er kreierte das Modell des „isolierten Staates“[2] und erläuterte mit dessen Hilfe die Konsequenzen, die sich neben den natürlichen Bodengegebenheiten auch aus der Entfernung von Anbau­fläche zu Konsumort ergeben. Der für diese Arbeit relevante Schluss aus seiner Theorie ist, dass sich der Produktionsstandort transportintensiver[3] oder leicht verderblicher Güter in unmittelbarer Nähe zum Konsumort befinden muss. Je weiter der Standort vom Konsummarkt entfernt ist, desto mehr muss sich bei mög­lichst sinkenden Arbeitskosten das Verhältnis von Erlösen zu Transport­kosten zugunsten des Erlöses verändern.[4]

Oberstes Kriterium für die Wahl des Standortes wäre somit das Ergebnis dieses Verhältnisses.

2.1.2 Weber

Im Jahr 1909 erschien mit „Über den Standort der Industrien“ von Alfred Weber eine weitere bedeutende, diesmal an die Strukturmerkmale einer industrialisierten Wirtschaft angepasste ökonomische Auseinandersetzung mit der Problematik der Standortbestimmung. In dieser Abhandlung ent­wickelte und führte Weber als erster den Begriff des „Standortfaktors“ in die Stand­ortliteratur ein. Gemeint ist damit jede standortspezifische Ein­flussgröße, die auf die Entwicklung und den Erfolg eines Betriebes einwirkt – und damit ausschlaggebend für die Wahl des Standortes sein sollte. Er selbst definierte als Standortfaktoren insbesondere

- die Höhe der Arbeitskosten,
- die Höhe der Transportkosten und
- die Agglomeration[5] /Deglomeration. Zusätzlich
- natürlich-technische Gegebenheiten (z. B. Bodenbeschaffenheit),
- regional unterschiedliche Gegebenheiten (z. B. Zinsniveau, Kultur/ Gesellschaft),
- die für den jeweiligen Industriezweig speziellen Anforderungen und
- die regionale Bindung einzelner Industrien.[6]

Erkennbarer Schwerpunkt dieser Betrachtung ist vor allem die Kosten­seite, wogegen die im Laufe der folgenden Zeit so wichtige Absatzseite nicht mit einbezogen wird.[7]

Nichtsdestotrotz war das Modell von Weber ein äußerst wichtiger Schritt in der Standortbestimmungslehre und bildet auch heute noch oft eine Grundlage wissenschaftlicher Auseinandersetzungen mit Standort­entscheidungen.[8]

2.2 Begriff und Wesen

Das Problem der Standortwahl stellt sich jedem Betrieb mindestens einmal – bei der Unternehmensgründung. Aber auch darüber hinaus gibt es Motivationsgründe für einen Standortwechsel, bzw. die Suche nach wei­teren:

- Marktmotiv Ziel: Märkte neu oder besser erschließen
- Kapazitätsmotiv Ziel: gewöhnlich Schaffung neuer Kapazitäten (Expansion), selten auch klei­nerer Standort, wobei hier meist mit Teilstilllegung reagiert wird
- Innovationsmotiv Ziel: Schaffung neuer Möglichkeiten
- Auslagerungsmotiv (meist intraregional)

Ziele: Zusätzlicher, expansionsfähiger Standort. Oft gleichzeitig Beibe­haltung der Mitarbeiter und Absatz-/Beschaffungsinfrastruktur – oder Dezentralisation zu Gunsten der räumlichen Lieferanten-/Kundennähe.

- Kostendruckmotiv Ziel: kostengünstigere, bzw. effizientere Standorte[9]

·Verlagerungsmotiv Grund: Verschlechterung, bzw. Nutzenabnahme wichtiger Standort­faktoren[10]

[...]


[1] Leider war keines der angeschriebenen, teilweise auf Standortsuche spezialisierten Unternehmen bereit, eine reale Nutzwertanalyse zur Verfügung zu stellen.

[2] autarker, kreisförmiger Staat mit einem Konsumzentrum in der Mitte; gleiche Bodenverhältnisse/Klima, ausschließlich gleichwertige Landverbindungen; Transportkosten steigen proportional zu Gewicht und Entfernung

[3] im Verhältnis zum Wert ein kostenintesiver Transport

[4] vgl. Behrens: Allgemeine Standortbestimmungslehre, S. 3ff

[5] Zusammenballung von Industrien an wenigen Standorten

[6] vgl. Behrens: a.a.O., S. 7f

[7] vgl. Behrens: Allgemeine Standortbestimmungslehre, S. 18

[8] vgl. Korndöfer: Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, S. 147

[9] vgl. Salmen: Standortwahl der Unternehmen. S. 35f

[10] vgl. Balfanz: Bausteine der Betriebswirtschaftslehre, S. 70

Details

Seiten
19
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638470391
ISBN (Buch)
9783638920643
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v50931
Institution / Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main – Fachhochschule
Note
1,3
Schlagworte
Nutzwertanalysen Standortentscheidungen Allgemeine Thema Nutzwertanalyse

Autor

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Titel: Nutzwertanalysen bei Standortentscheidungen