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Leader-Förderung als Mittel zur nachhaltigen Tourismusentwicklung. Leader-Region Altmühl-Jura

Hausarbeit 2017 11 Seiten

Tourismus - Sonstiges

Leseprobe

Gliederung:

1. Nachhaltige Tourismusentwicklung mit Hilfe von Leader

2. Leader-Förderung in Bayern

3. Das Konzept des Community Based Tourism

4. Leader-Förderung touristischer Projekte in der Region Altmühl-Jura
4.1 Status der LAG Altmühl-Jura
4.2 CBT in der LAG Altmühl-Jura - Exemplarische Untersuchung zweier Projekte
4.2.1 Der Qigong-Weg in Dietfurt
4.2.2 Das Archäologie-Museum Greding

5. Wirksamkeit von Leader zur Entwicklung von CBT

6. Literaturverzeichnis

1. Nachhaltige Tourismusentwicklung mit Hilfe von Leader

Ziel von Leader ist es, eine nachhaltige Regionalentwicklung in peripher gelegenen Regionen der EU zu gewährleisten (vgl. SCHROEDTER 2009: 75). Tourismus ist laut den Einschätzungen der UN ein wirkungsvolles Mittel zur Stärkung des Umweltschutzes, zur Bekämpfung der Armut, sowie zum Abbau der Disparitäten zwischen unterschiedlich privilegierten Weltregionen (vgl. VORLAUFER 2003: 5). Daher kann davon ausgegangen werden, dass dieselbe Wirkung auch zwischen unterschiedlich entwickelten Regionen innerhalb eines Landes erzielt werden kann. Da die Anzahl der Leader-Regionen in Deutschland von Förderperiode zu Förderperiode kontinuierlich zugenommen hat (DVS 2017), kann im Rahmen der Arbeit eine positive Wirkung der Leader-Förderung vorausgesetzt werden. Inwieweit sie dabei zur Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus beitragen kann, soll Gegenstand der vorliegenden Untersuchung sein. Als eine mögliche Form des nachhaltigen Tourismus und als theoretischer Rahmen der Arbeit wurde dabei der Community Based Tourism (CBT) gewählt. Es soll also festgestellt werden, ob die Leader-Förderung im Bereich des Tourismus die richtigen Adressaten erreicht und zur Förderung eines CBT beitragen kann. Dies wird anhand von Beispielen aus der Leader-Region Altmühl-Jura untersucht, die die meisten Zuschussanträge aller Leader-Regionen Bayerns stellt (vgl. LAG ALTMÜHL-JURA o.J.). Von besonderer Relevanz ist dieses Thema, da der Wirtschaftszweig Tourismus kontinuierlich wächst. Alleine innerhalb der Jahre 2015 und 2016 kam es weltweit zu einem Zuwachs um 46 Millionen touristische Übernachtungen (SOBRINO 2017). Die Bedeutung des Tourismussektors nimmt also kontinuierlich zu und sollte daher auch an Relevanz für die Regionalentwicklung gewinnen.

2. Leader-Förderung in Bayern

Bei Leader handelt es sich um einen gebietsbezogenen und sektorübergreifenden Entwicklungsansatz (vgl. SCHROEDTER 2009: 76). In Bayern befinden sich in der aktuellen Förderperiode 68 Leader-Regionen oder auch (im Folgenden immer so bezeichnet) lokale Aktionsgruppen (LAGs). Diesen LAGs stehen insgesamt 111 Millionen Euro aus Mitteln des Freistaates und der EU zur Verfügung (vgl. DASCHIEL o.J.). Leader zielt darauf ab, die peripheren Regionen der EU zu stärken. Es ist eine Antwort auf Abwanderung, strukturelle Missstände und Mangel an Arbeitsplätzen in den ländlichen Gegenden der europäischen Staatengemeinschaft. Diese Probleme der jeweiligen Regionen ähneln sich, auch wenn der rurale Raum der EU sehr vielfältig und regionalspezifisch gestaltet ist (vgl. SCHROEDTER 2009: 75). Der Leader-Ansatz setzt dabei auf endogenes Wachstum (vgl. BARKE & NEWTON 1997: 320), was auch als „bottom-up-approach“ bezeichnet wird (vgl. SCHROEDTER 2009: 75). In Bayern sollen vor Allem Attraktivität und Lebensqualität der jeweiligen Region gesteigert werden. Dies geschieht idealerweise durch eine Stärkung des interregionalen Zusammenhalts. Besondere Berücksichtigung sollen die Themen Umwelt, Klima und demographischer Wandel finden. Das Spektrum der geförderten Projekte ist allerdings sehr vielfältig (vgl. DASCHIEL o.J.). Ob ein Projekt förderungsfähig durch Leader ist, wird vor Allem durch die Qualitätsanforderungen bestimmt, die es erfüllen muss. Die Durchführung muss in einer klar abgegrenzten Region mit vorhandener LAG, die die Kreations- und Entscheidungsrechte besitzt, geschehen. Außerdem muss das Projekt einen innovativen Charakter aufweisen, der unterschiedliche Akteure der lokalen Ökonomie mit einbezieht, sodass sich Kooperationen und Partnerschaften bilden können (vgl. SCHROEDTER 2009: 89).

In Bayern werden Projekte im Rahmen der Leader-Förderung durch Mittel der EU und des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unterstützt (vgl. DASCHIEL o.J.). Grundsätzlich liegen nach SCHROEDTER (2009: 76f) allen Leader- Programmen fünf theoretische Ansätze zu Grunde:

- Der territoriale Ansatz betont die Einzigartigkeit jeder geförderten Region und sieht in dieser Einzigartigkeit gerade die Chance für ein nachhaltiges Wachstum.
- Der bottom-up-Ansatz setzt auf eine demokratische Bürgerbeteiligung zur
Entscheidungsfindung.
- Der Ansatz der regionalen Entwicklungskonzepte möchte die regionalspezifischen Missstände langfristig abbauen. Dies soll mit Hilfe einer Strategie geschehen, die private und öffentliche Akteure gemeinsam entwickelt haben.
- Der integrierte Ansatz setzt auf die Zusammenarbeit von Akteuren aus unterschiedlichen Sektoren der lokalen Wirtschaft.
- Die Vernetzung der Akteure ist essentiell für Leader. Die LAGs, die aus privaten und öffentlichen Akteuren zusammengesetzt und meist als Verein organisiert sind, tragen die Verantwortung für die Umsetzung der durch Leader geförderten Projekte.

Im Folgenden wird untersucht, inwieweit touristische Projekte förderungsfähig durch Leader sind und wie sich diese Förderung auf die Entwicklung eines CBT auswirken kann. Hierzu wird zunächst beschrieben, wie sich CBT definieren lässt und welche Kriterien dafür erfüllt sein müssen.

3. Das Konzept des Community Based Tourism

Das Konzept des CBT wurde erstmals durch FLAGESTAD & HOPE (2001: 452) so bezeichnet, eine theoretische Auseinandersetzung mit dieser Tourismusform fand allerdings schon statt, bevor dieser Terminus verwendet wurde. Bezeichnet wird damit vor Allem die Verwaltungsstruktur innerhalb einer Destination. Die Machtstrukturen in der Verwaltung beim CBT sind dezentral organisiert und die Entscheidungen werden durch die jeweilige Lokalregierung, beziehungsweise durch ein lokal verankertes Destinationsmanagement, nach Konsultation aller beteiligten Akteure innerhalb der Destination, gefällt (vgl. FLAGESTAD & HOPE 2001: 452). Diese breite Partizipation ist verbunden mit einer Restrukturierung der Machtverhältnisse, was wiederum zu einer Umverteilung der Gewinne, aber auch der Kosten führt (vgl. OKAZAKI 2008: 511). Dies bedeutet, dass die jeweilige touristisch genutzte Gemeinde mit allen ihren Akteuren an der Planung der Tourismusentwicklung beteiligt ist (vgl. BLACKSTOCK 2005: 39). Die finanzielle und politische Macht liegt also bei der Lokalregierung, den touristischen Unternehmen vor Ort, sowie der Zivilgesellschaft. Diese Akteure können dadurch alle Entscheidungen bezüglich der touristischen Entwicklung der Destination stark beeinflussen, beziehungsweise selbstständig fällen (vgl. OKAZAKI 2008: 514).

Laut OKAZAKI (2008: 511) soll CBT für eine Entwicklung sorgen, die den Kriterien der Welttourismusorganisation (WTO) für nachhaltigen Tourismus entspricht. Wie FLAGESTAD & HOPE (2001: 445) beschreiben, hat die WTO (1993) diesen als Methode zur wirtschaftlichen Entwicklung definiert. Nachhaltiger Tourismus geht daher mit nachhaltiger Entwicklung im Allgemeinen einher. Er muss dabei die Lebensqualität der Lokalbevölkerung verbessern, den Touristen ein hochwertiges touristisches Produkt anbieten und die Umwelt schonen. CBT kann also ein Mittel dafür sein, eine nachhaltige touristische Entwicklung zu gewährleisten, wie sie auch bei STRASDAS (2015: 13f) beschrieben wird1.

Dennoch wird dem CBT durchaus Kritik entgegengebracht. Besonders bemängelt wird, dass einige Methoden dieser Tourismusform – beispielsweise die Partizipation der Lokalbevölkerung – hauptsächlich dazu dienen, langfristig touristischen Profit zu erzielen und weniger der Stärkung der Lokalökonomie. Außerdem sind die beteiligten Akteure in der Theorie homogen zusammengesetzt, was nicht der Realität entspricht. Ein weiterer wichtiger Kritikpunkt ist die Nichtbeachtung des Einflusses externer Akteure, der nicht vernachlässigt werden darf (vgl. BLACKSTOCK 2005: 40). Diese Kritik liefert laut OKAZAKI (2008: 512) allerdings keine alternative Form des nachhaltigen Tourismus. Daher muss CBT als beste Methode, um die Ziele der Nachhaltigkeit in einer Destination zu erreichen, betrachtet werden.

4. Leader-Förderung touristischer Projekte in der Region Altmühl-Jura

In diesem Kapitel soll untersucht werden, inwieweit Leader-Förderung aktuell bereits zur Entwicklung von CBT beiträgt. Dies wird anhand des Beispiels LAG Altmühl-Jura untersucht. Dabei wird zunächst der Förderungsstatus dieser LAG betrachtet, um daraufhin anhand von zwei Beispielen herauszufinden, ob die Förderung hier zur Stärkung des nachhaltigen Tourismus in der Region beiträgt.

4.1 Status der LAG Altmühl-Jura

In der LAG Altmühl-Jura, die aus 12 Mitgliedsgemeinden besteht, wurden in der vergangenen Förderperiode (2007-2013) insgesamt 35 Projekte (in 53 Einzelanträgen) gefördert. Die gesamte Investitionssumme, die zur Durchführung dieser Projekte nötig war, betrug 3,19 Millionen Euro, von denen 1,25 Millionen Euro aus Leader-Mitteln stammten. Es wurden Projekte aus drei Handlungsfeldern gefördert. Das Handlungsfeld „touristische Erschließung und Angebotsentwicklung“ mit seinen 14 Einzelprojekten, sowie einem Kooperationsprojekt, das mit 62% der Gesamtinvestitionssumme, beziehungsweise 52% der Leader-Fördersumme unterstützt wurde, war das bedeutendste (vgl. LAG ALTMÜHL-JURA 2015: 7). Ziel der Förderung im Handlungsfeld „touristische Erschließung und Angebotsentwicklung“ ist es, „ die Stellung innerhalb des Naturparks Altmühltal als attraktive Kultur-, Erholungs- und Welterberegion aus [zu] bauen“ (ebd.: 9). Schwerpunkte der touristischen Förderung in der LAG Altmühl-Jura sind die Stärkung des Natur- und Kulturtourismus, eine Profilierung als Zentrum des Naturparks Altmühltal und die Umsetzung eines gemeinsamen Tourismuskonzeptes (vgl. ebd.: 27). Diese Zielsetzung erinnert stark an die theoretische Zielsetzung für CBT, wie man sie zum Beispiel bei OKAZAKI (2008: 511ff) findet2.

[...]


1 Nachhaltiger Tourismus wird hier als Bestandteil des Konzepts der nachhaltigen Entwicklung betrachtet, in welchem das Drei-Säulen-Modell (Ökonomie, Ökologie und Soziales) eine zentrale Rolle spielt (vgl. STRASDAS 2015: 13f)

2 Wie im dritten Kapitel bereits erwähnt, beschreibt die Autorin, dass sich CBT durch eine starke Beteiligung der Gemeinschaft auszeichnet, die zur Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus, bei gleichzeitigem Schutz der Umwelt und der lokalen Kultur, führt (vgl. OKAZAKI 2008: 511ff).

Details

Seiten
11
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783346071781
ISBN (Buch)
9783346071798
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v509399
Institution / Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Note
1,7
Schlagworte
leader-förderung mittel tourismusentwicklung leader-region altmühl-jura

Autor

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Titel: Leader-Förderung als Mittel zur nachhaltigen Tourismusentwicklung. Leader-Region Altmühl-Jura