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Interreligiöses Lernen. Was macht diese Lernform aus und wie geschieht die Umsetzung in den deutschen Schulen?

Hausarbeit 2015 12 Seiten

Theologie - Religion als Schulfach

Leseprobe

Interreligiöses Lernen-Was macht diese Lernform aus und wie geschieht die Umsetzung in den deutschen Schulen?

1.Einleitung

Deutsche Schulklassen sind längst nicht mehr nur von deutschen und christlichen Schülerinnen und Schülern besetzt. Aufgrund von Zuwanderungen aus aller Welt leben wir mit Menschen verschiedenster Kulturen und religiösen Ansichten zusammen. Das bedeutet, wir leben in einer multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft, in welcher Schülerinnen und Schüler des Öfteren mit Neuheiten, sei es zum Beispiel das Kopftuch der Mitschülerin oder Diskussionen aus den Medien, konfrontiert werden. Die Schülerinnen und Schüler wissen nicht immer wie mit solchen Differenzen umzugehen ist was schnell, aufgrund von Vorurteilsbildungen und Stereotypen, zur Problematik werden kann. An dieser Stelle wird deutlich, dass vor allem innerhalb der Schule etwas unternommen werden muss. Das interreligiöse Lernen, welches das Thema dieser Hausarbeit ist, versucht jener Problematik ein Ende zu geben.

Den Grund für die Auswahl dieses Themas kann man wie folgt beschreiben: Da ich selber andere religiöse Ansichten als die Mehrheit der Gesellschaft, und somit auch als die meiner ehemaligen Mitschülerinnen und Mitschüler habe, erlebte ich die Notwendigkeit von solch‘ einem interreligiösen Lernen an eigenem Leib. Somit interessiert es mich, vor allem auch mit meinem Berufsziel als Lehrerin umso mehr wie jenes Lernen funktionieren kann und was es damit auf sich hat.

Ich möchte vor allem erfahren, was interreligiöses Lernen im engeren Sinne ist. Wie kann man interreligiöses Lernen erklären? Was sind die Ziele von solch einer Lernform? Warum braucht die Gesellschaft das interreligiöse Lernen überhaupt? Darüber hinaus möchte ich rausfinden wie die Umsetzung von Interreligiösem Lernen geschehen kann. Welche Schwierigkeiten sind damit verbunden? Welche Methoden gibt es und wie muss interreligiöses Lernen aufgebaut sein damit es seinen Anforderungen gerecht wird? Zusammenfassend kann man sagen: das Ziel dieser Hausarbeit ist es herauszufinden „ was“ interreligiöses Lernen ausmacht und „wie“ es funktionieren kann.

Den Aufbau meiner Arbeit werde ich wie folgt gestalten: Zunächst wird das interreligiöse Lernen in seinen Zentralen Aspekten vorgestellt um einen groben Überblick über die Thematik zu bekommen. Daraufhin werden dem Leser die Gründe für die Notwendigkeit solch einer Lernform vor Augen geführt, damit klar wird warum man sich überhaupt damit auseinandersetzten muss. In einem weiteren Schritt werden die Ziele ausführlich ausgearbeitet und dargestellt.

In dem nächsten Teil der Arbeit wird zunächst auf die Schwierigkeiten vom interreligiösen Lernen im Unterricht hingewiesen, worauf hin verdeutlicht wird welches die genauen Herausforderungen jener Lernform sind. Abschließend werden Hinweise zur didaktischen und methodischen Umsetzung gegeben um dem Leser eine kleine Einführung in die konkrete Umsetzung zu geben und die Arbeit abzurunden.

Zu guter Letzt werden die Ergebnisse der Arbeit in einem so genannten Schlussteil noch einmal aufgeführt, um somit die gestellten Leitfragen explizit zu beantworten und die herausgefundenen Aspekte zusammenzufassen.

2. Hauptteil

2.1 Was ist interreligiöses Lernen?

2.1.1 Zentrale Aspekte von interreligiösem Lernen

Im Folgenden werden die Zentralen Aspekte und Inhalte des interreligiösen Lernens aufgeführt um ein allgemeines Bild über die ganze Thematik zu bekommen.

Interreligiöses Lernen wird benutzt um sich gegenseitig, vor allem eben in Bezug auf die Religiösen Ansichten, besser verstehen- und kennenlernen zu können. Hierzu gehört zum einen die Kenntnisnahme der jeweils fremden Religionen was durch z.B. die Medien oft auch schon unbewusst geschieht. Zum Anderen gehört zum interreligiösen Lernen (und dieser ist der eigentliche Teil) „die Bereitschaft von Kindern und Jugendlichen, aber auch Erwachsenen, unterschiedlicher Religionen, aufeinander zuzugehen (…)“ 1 , das heißt es muss ein persönlicher Kontakt vorherrschen, welcher durch Gespräche, Begegnungen und Besuche etc. gekennzeichnet sein kann. 2 Interreligiöses Lernen umfasst somit neben dem „(…)Verständnis von zum Teil geschichtlich und geographischen weit entfernten Zusammenhängen (…)“ 3 auch den von Friedrich Schweitzer in seinem Buch „Interreligiöse Bildung“ aufgeführten Aspekt der „ gelebten Religion “. Als gutes Beispiel hierfür führt er auf, dass es nicht ausreicht über Fakten des Islams Bescheid zu wissen, gleichsam muss auch beachtet und bearbeitet werden „(…) welche Rolle religiöse Gebote im Leben der Kinder und Jugendlichen in Deutschland und Europa tatsächlich spielen.“ 4 Zusammenfassend kann man sagen, dass im Zentrum des interreligiösen Lernens der wechselseitige Erfahrungsaustausch steht, welcher nicht zu einer sogenannten „Mischmaschreligion“, sondern zu einem respektvollen Umgang mit anderen religiösen Ansichten führen soll. 5

2.1.2 Warum brauchen wir Interreligiöses Lernen? – Gründe

Bevor man sich mit den Zielen, Chancen und Herausforderungen von Interreligiösem Lernen genauer auseinandersetzt, sollte man wissen warum jene Art von Lernen überhaupt genutzt werden sollte und aus welchen Gründen sie notwendig ist.

Es ist so, dass wir heutzutage, vor allem wegen den Migrationsströmen vom Süden nach Europa, in einer multikulturellen Gesellschaft leben in welcher viele Menschen aus eben verschiedensten Kulturen mit unterschiedlichsten religiösen Ansichten zusammenkommen. Bei solch einer hohen Anzahl von unterschiedlichen Ansichten ist es nicht immer selbstverständlich, dass sich jeder gut aufgehoben fühlt (Im Weiteren beziehe ich mich speziell auf das christlich- muslimische Zusammenleben).

Es kann oft, vor allem bei den jüngeren Mitgliedern der Gesellschaft zur Verwirrungen und Missverständnissen kommen, welche eben Religiös begründet sind. Kinder neigen zum Beispiel oft dazu fremde Ansichten eher negativ aufzunehmen statt jene zu verstehen. So fangen sie an die jeweils andere Religion und somit auch die gegenüberstehende Person für „falsch“ und „unwahr“ zu bezeichnen. Dass es folglich zu Diskussionen und, vor allem für Kinder, viel zu anspruchsvollen Streitthemen kommt liegt somit auf der Hand.

Um ein friedliches Zusammenleben schaffen zu können, müssen christliche Kinder also über andere Religionen Bescheid wissen und andersrum. Beide Dialogpartner scheinen gezwungen ein gewisses Empathievermögen zu erlernen und fremde Meinungen zu akzeptieren. Es muss also versucht werden den Kindern und Jugendlichen ein Einblick in die jeweils andere Religion zu geben, damit sie eventuell selbst Gemeinsamkeiten entdecken und Differenzen ziehen können (Auf die Ausarbeitung der Ziele von interreligiösem Lernen wird im Verlauf der Arbeit genauer eingegangen).6

Interreligiöses Lernen ist aber keineswegs nur für das Kindes- und Jugendalter von Bedeutung. Wie wir wissen kommt es immer häufiger zu Auseinandersetzungen in der Gesellschaft. Viele jener scheinen religiös begründet zu sein. Wenn man sich jedoch genauer mit solchen Fällen auseinandersetzt stellt man fest, dass ein Großteil jener Vorurteile der Unwissenheit wegen zu Stande kommen. Oft fehlt vielen Menschen das Nötige Wissen dem „Fremden“ gegenüber bzw. es kommt zu falschem und ungenauem Wissen wodurch Feindseligkeiten und Hass entstehen. Somit ist das interreligiöse Lernen notwendig um negative Haltungen und Einstellungen abzubauen.

Jene Gründe scheinen ausreichend um zu verstehen warum man (vor allem schon früh) anfangen sollte interreligiös zu lehren.

2.1.3 Ziele vom interreligiösen Lernen

Im Folgenden wird ausgearbeitet welches die Ziele von interreligiösem Lernen sind.

Hierbei bezieh ich mich auf die Ausarbeitungen der Autoren Friedrich Schweitzer und Monika Tautz, wobei ich mich an den von Schweitzer (in seinem Buch „Interreligiöse Bildung: Religiöse Vielfalt als religionspädagogische Herausforderung und Chance“) aufgeführten Ebenen zu den Bildungszielen orientieren und die Aspekte von Tautz (aus ihrem Buch „Interreligiöses Lernen im Religionsunterricht“) ergänzend hinzufügen werde.

Die Bildungsziele von Schweitzer sind in drei große Bereiche eingeteilt.

Der Erste Bereich bezieht sich auf das Wissen über die jeweiligen verschiedenen Religionen. Beispiele hierfür sind charakteristische Glaubensüberzeugungen einer Religion, dazugehörige Riten und Feste und die Kenntnis über die Vertretung ethischer Maßstäbe.7

Wichtig bei der Vermittlung von jeglichem Wissen sei die Objektivität, da vor allem Jugendliche „sich ein eigenes Urteil“ 8 bilden wollen würden.

Schweitzer führt ebenfalls auf, dass nicht nur die Religionswissenschaft an sich (welche die primäre Bezugswissenschaft für die Erkenntnisse über das Wissen darstellt) zu betrachten ist, sondern scheint es notwendig die v ergleichende Religionswissenschaft in Betracht zu ziehen da man immer „Vergleiche im Blick auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede, historische Z usammenhänge usw. (…)“ 9 miteinbeziehen muss.10 Somit kann man in Bezug auf die erste Ebene zusammenfassend sagen, dass es bei interreligiösem Lernen wichtig ist wahrheitsgetreues Wissen über jede in Betracht gezogene Religion zu vermitteln. Jenes Wissen soll zum Vergleichen anregen und insofern objektiv sein, dass die Lernenden sich ohne Schwierigkeiten ein eigenes Bild machen können.

[...]


1 Zitat: Rickerts,F. Interreligiöses Lernen: Die Religionspädagogische Herausforderung, 126

2 Vgl. Stephan Leimgruber http://www.kaththeol.uni- muenchen.de/lehrstuehle/religionspaedagogik/personen/1leimgruber/zum_download/downloaddateie n/irl_christen.pdf S. 4 (Stand: 15.08.2016)

3 Zitat: Schweitzer, F (12014): Interreligiöse Bildung: Religiöse Vielfalt als religionspädagogische Herausforderung und Chance. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus S.52 Z. 34ff.

4 Zitat: Schweitzer, F (12014): Interreligiöse Bildung: Religiöse Vielfalt als religionspädagogische Herausforderung und Chance. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus S. 53 Z. 7ff

5 Vgl. Stephan Leimgruber Leimgruber http://www.kaththeol.uni- muenchen.de/lehrstuehle/religionspaedagogik/personen/1leimgruber/zum_download/downloaddateien/irl_chris ten.pdf S. 4 (Stand: 15.08.2016)

6 Vgl. Stephan Leimgruber http://www.kaththeol.uni- muenchen.de/lehrstuehle/religionspaedagogik/personen/1leimgruber/zum_download/downloaddateien/irl_chris ten.pdf S. 2f. (Stand: 15.08.2016)

7 Vgl.: Schweitzer, F (12014): Interreligiöse Bildung: Religiöse Vielfalt als religionspädagogische Herausforderung und Chance. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus S. 56, Z. 13ff

8 Zitat: Schweitzer, F (12014): Interreligiöse Bildung: Religiöse Vielfalt als religionspädagogische Herausforderung und Chance. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus S.56, Z.38

9 Zitat:Schweitzer, F (12014): Interreligiöse Bildung: Religiöse Vielfalt als religionspädagogische Herausforderung und Chance. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus S. 56, Z. 23-24

10 Vgl.: Schweitzer, F (12014): Interreligiöse Bildung: Religiöse Vielfalt als religionspädagogische Herausforderung und Chance. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus S. 56, Z. 18ff.

Details

Seiten
12
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783346074508
ISBN (Buch)
9783346074515
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v509811
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,3
Schlagworte
Interreligiös Lernen Islam Religion Schule Unterricht Lernformen Islamischer Relitionsunterricht

Autor

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