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Alice Paul und der Kampf um das Frauenwahlrecht. Ihre Bedeutung für die Suffragettenbewegung

Hausarbeit 2014 17 Seiten

Geschichte - Amerika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Die Lebenssituation der Frauen im 18./19. Jahrhundert
2.2 Alice Paul als Person – Familie, Erziehung und Bildung
2.3 Alice Paul als Politikerin – Der Kampf um das Frauenwahlrecht beginnt
2.4 Die National Woman's Party – Abspaltung, Methoden und Ziele

3. Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“1 Dieser Ausschnitt aus dem 3. Artikel des deutschen Grundgesetzes und seine Bedeutung haben festen Bestandteil in unserem heutigen politischen Denken und Leben. Dass es Zeiten gab, in denen Frauen aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert wurden, ist für viele Menschen heute kaum noch vorstellbar. Besondere Nachteile mussten die Frauen in den politischen Bereichen erfahren, denn sie hatten kein Wahlrecht.

Nicht nur in Europa, sondern auch in Amerika war der Weg zum Frauenwahlrecht steinig und lang. Eine der bekanntesten US-amerikanischen Frauenrechtlerinnen war Alice Paul. Sie vertrat schon früh die Ansicht, dass die Gleichheit aller Menschen, ganz gleich ob Mann oder Frau, in allen Bereichen des Lebens gewährleistet sein sollte: „I never doubted that equal rights was the right direction. Most reforms, most problems are complicated. But to me there is nothing complicated about ordinary equality.“2

Ziel dieser Arbeit ist es, darzulegen, aus welchem Grund Alice Paul und ihre Arbeit in der National Woman's Party (NWP) so bedeutsam für die Suffragettenbewegung in den vereinigten Staaten war, was sie auszeichnete und worin die Unterschiede zu anderen Organisationen, wie zum Beispiel der National American Woman Suffrage Association (NAWSA), lagen.

Zur Beantwortung der Fragestellung wird zunächst ein Einblick in die Lebenssituation der Frauen im 18./19. Jahrhundert gewährt, um zu zeigen, wie außergewöhnlich Pauls Handlungen und Selbstverständnis zu der Zeit waren und warum die junge Frau so stark kritisiert wurde. Des Weiteren werden einige Informationen über ihre Erziehung und Bildung gegeben, da diese die ausschlaggebenden Gründe für Pauls aktive Arbeit an der Suffragettenbewegung war.

Anschließend wird Pauls Arbeit selbst veranschaulicht und sowohl die Methoden, als auch die Ziele der National Woman's Party skizziert, um einen Vergleich zu anderen Organisationen herzustellen und die Unterschiede aufzuzeigen.

Zum Abschluss der Arbeit wird das Fazit einen zusammenfassenden Überblick über Alice Paul und ihre Arbeit in der NWP geben und die anfänglich formulierte Fragestellung erneut aufgreifen und beantworten.

Die Suffragettenbewegung ist einer der meist erforschten Phänomene des 18./19. Jahrhundert. Generell lässt sich sagen, dass diese Zeit von einer Reihe von politischen und sozialen Umbrüchen und Revolutionen geprägt ist und somit zu einer der meist studierten Zeitspannen in der Geschichte gehört. Da sich einige Forscher oft lediglich auf die Ereignisse selbst konzentrieren, soll diese historisch-wissenschaftliche Arbeit hingegen die Beweg- und Hintergründe der Menschen beleuchten, um ihre Denkweisen und Handlungen nachvollziehen und erklären zu können.

Für die Untersuchung der Fragestellung werden einige Quellen herangezogen, die im Quellen- und Literaturverzeichnis aufgelistet sind. Besonders hervorgehoben soll an dieser Stelle jedoch die Aufzeichnung eines Interviews mit Alice Paul („Conversations with Alice Paul“)3, welches 1976 von Amelia R. Fry durchgeführt und veröffentlicht wurde. Interessant ist hierbei, dass es sich bei diesem Skript um direkte Aussagen Pauls handelt, welche ihr Leben und ihre Arbeit in der NWP ganz unverfälscht und ehrlich schildern.

Des Weiteren hat der Zeitschriftenbeitrag von Linda Ford mit dem Titel „Alice Paul and the Politics of Nonviolent Protest“4 große Bedeutung für diese Arbeit, da dieser einen besonders tiefgründigen Einblick in die Methoden und Ziele der National Woman's Party gibt.

2. Hauptteil

2.1 Die Lebenssituation der Frauen im 18./19. Jahrhundert

Sowohl in Europa, als auch in Amerika war der Kampf um die Gleichberechtigung, vor allem aber um das Frauenwahlrecht, langjährig, ermüdend und durch viele Rückschläge gekennzeichnet.5 Zu Beginn des 18. Jahrhunderts hatte die Frau lediglich drei Erwartungen zu erfüllen: sie war Ehefrau, Mutter und Hausfrau. Alles was darüber hinausging, wie zum Beispiel gewerbliche Arbeit, Politik oder Bildung, sprengte den Rahmen ihres Aufgabenbereiches. Sich gegen diesen Mainstream zu wehren schien zwecklos, hatte die Frau doch eine fest zugeschriebene Rolle.6 Sie galt als abhängig und schwach und erfüllte nicht die Rolle einer gleichwertigen Gesprächs- und Lebenspartnerin, sondern diente lediglich dem Zweck der Fortpflanzung, der Kindererziehung und der Haushaltsführung.

Nach der Übernahme Amerikas des englischen Common Law, verschlechterte sich die Situation der Frauen abermals. Nach der Eheschließung verlor die Frau jede eigene Rechtsstellung und fortan hatte sie keinerlei Verfügung über ihr Vermögen, da dies von ihrem Gatten verwaltet wurde. Die Justiz definierte eine klare Abhängigkeit vom Ehemann, auch die Rechts- und Geschäftsfähigkeit wurden den Frauen weitestgehend vorenthalten.7 Das weibliche Geschlecht wurde als „The Second Sex“8 deklariert.

Unter anderem durch das Zeitalter der Aufklärung wuchs in den Frauen der Wunsch nach Gleichberechtigung und Aufbrechen des starren Systems von Politik, Kultur und Recht.9

Viele Frauen wollten sich nicht mehr mit den zugeschriebenen Rollen abfinden und sehnten sich nach Freiheit, Unabhängigkeit und Wertschätzung. So ließen die ersten Protestaktionen nicht lange auf sich warten, in denen die Frauen von Beginn an die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit suchten. „The Subjection of Women“10 war wohl eine der bekanntesten Streitschriften11 der frühen Frauenbewegung. Die Frauen beriefen sich hierbei auf die Declaration of Independence und traten sowohl für die Rechte und Emanzipation der Sklaven, als auch für die der Frauen ein.12

Das weibliche Geschlecht gewann zunehmend an Dominanz: die Frauen heirateten gezielter und drängten schon bald in die Schulen, Universitäten und anschließend auf den Arbeitsmarkt. In den zwanziger Jahren waren bereits 50% der Studenten weiblich.13

In den kommenden Jahren zog auch die Sexualität Interesse auf sich und die Bedürfnisse der Frauen rückten weiter in den Vordergrund. Auch die Geburtenrate ging zwischen 1800 und 1900 ständig zurück und die Frauen versuchten, ihren Einfluss auf den Kampf gegen soziale Missstände zu vergrößern.14 Aufgrund dieses „feministischen Patriotimus“15 wuchs Wut und Verständnislosigkeit bei den Gegnern der modernen Frauenbewegung, begleitet von der Furcht vor einer sozialen Revolution und dem Verlust der Kontrolle des Mannes über die Frau. So kam es zu einer zwanghaften Geburtenförderung um „jedes Geschlecht wieder an seinen Platz zu verweisen“16.

2.2 Alice Paul als Person – Familie, Erziehung und Bildung

Wie aber konnte es einer jungen Frau wie Alice Paul gelingen in dieser Zeit aus dem Zirkel strenger Rollenzuschreibungen auszubrechen und als Politikerin Fuß zu fassen? Inwieweit wurde Paul von ihrer elterlichen Erziehung und ihrer Bildung so beeinflusst, dass sie der Annahme war, sie könne etwas in dem starren System aus Politik, Recht und Kultur verändern?17

Als eines von vier Kindern wurde Alice Paul am 11. Januar 1885 in eine Zeit sozialer und politischer Unruhen hinein geboren.18 Ihre Vorfahren waren allesamt Quäker19 und so wuchs auch Paul in einem Quäkerdorf in Burlington County, neun Meilen außerhalb von Philadelphia, auf, weit weg von städtischem Unfrieden, Unmut und Streit.20 Ihr Vater, William Mickle Paul (*1850, ✝1920), war Bankier, erbte ein großes erfolgreiches Unternehmen und wurde Präsident der Burlington County Trust Company.21 Durch das Vermögen des Vaters waren die Pauls hoch angesehen und eine der einflussreichsten Familien in Burlington County. Dies ermöglichte der Familie ein komfortables Mittelklassenleben, in dem Alice schon früh an Grundsätze wie Respekt und Wertschätzung herangeführt wurde.

Durch einen frühen und tragischen Tod hinterließ der Familienvater ein großes Erbe. Aufgrund vieler Jahre voller ausgefüllter Arbeitstage, hatte er sich zuvor zunehmend von der Familie distanziert, weshalb ihn Alice nicht in guter Erinnerung behielt. Dennoch hatte sie eine behütete Kindheit, denn ihre Mutter Tracie Parry Paul (*1859, ✝ 1930) blieb ihr als warmherzige und äußerst intelligente Frau im Gedächtnis.22

Was unterschied Alice' Erziehung von der Erziehung anderer Frauen? Wodurch entwickelte sie eine solche Hartnäckigkeit, von der sie in ihrer gesamten politischen Laufbahn begleitetet wurde?

Die Besonderheit an der Erziehung Alice' war, dass sie mit den Grundsätzen der Quäker aufwuchs, welche sie, wie sie selber in einem Interview sagte23, in ihrer fortführenden Entwicklung nachhaltig prägten. Quäkerfamilien galten damals als sehr streng, da sie dauerhaft nach der Ernsthaftigkeit des Lebens zu suchen pflegten. So gab es unzählige Regeln und Verbote, die es um jeden Preis zu befolgen galt. Beispielsweise war es ihnen im alltäglichen Leben untersagt, Musik zu hören oder Instrumente zu spielen. Stattdessen verbrachte Paul einen Großteil ihrer Kindheit in den Lesesälen der Bibliothek, was dazu führte, dass sie bereits in jungen Jahren über ein breitgefächertes Wissen verfügte.24

Die Gleichheit aller Gemeindemitglieder war einer der wichtigsten Grundsätze der Quäker.25 Für Paul gab es also in ihrer Kindheit und Jugend diesbezüglich nie eine andere Vorstellung, da sie allein mit Quäkern agierte. Lediglich die irischen Hausmädchen waren katholisch, hatten aber keine Einfluss auf das Selbstverständnis und die Entwicklung der Kinder.26

Zudem wuchs Paul auf der elterlichen Farm auf und lernte bei der Hofarbeit Hartnäckigkeit und Fleiß, welches der Ursprung ihres unaufhörlichen Glaubens in das eigene Handeln und ihre politische Arbeit war: „When you put your hand to the plow, you can't put it down until you get to the end of the row."27

Schon in ihrer Kindheit lernte sie von ihren Eltern, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind. Sie nahm gemeinsam mit ihrer Mutter an Versammlungen von Frauenwahlrechtsorganisationen teil, in denen ihre Mutter Mitglied war und wurde schon früh von feministischen Aktivistinnen beeinflusst. Manche bezeichneten Alice Paul als „product of a very political family“28, da ihr die Erziehung durch ihre Eltern ein aktives soziales Gewissen einflößte, welches sie ihr ganzes Leben lang in ihren Handlungen beeinflusst.29

So verwunderte es niemanden, dass sie ihre Doktorarbeit im Jahre 1907 unter dem Thema Toward Equality – Equality for Women in Pennsylvania schrieb.30

[...]


1 Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Gesetze im Internet. Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Artikel 3. Online unter: http://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_3.html (10.09.2014).

2 New Jersey History Trust, Women's Heritage Trail. Online unter: http://www.pages.drexel.edu/~mek344/eport/images/37_paulsdale.pdf (12.09.2014).

3 Fry, Amelia R.: Conversations with Alice Paul. Woman Suffrage and the Equal Rights Amendment, California 1976.

4 Ford, Linda: Alice Paul and the Politics of Nonviolent Protest, in: Baker, Jean H. (Hg.), Votes for Women. The Struggle for Suffrage Revisited, Ocford 2002, S. 174 – 188.

5 Suffrage: Artikel in: USA – Lexikon. Schlüsselbegriffe zu Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Geschichte und zu den deutsch – amerikanischen Beziehungen, hg. Von Christof Mauch/ Rüdiger B. Wersich, 2. Auflage, Berlin 2013, S. 1028.

6 Butler, Amy E: Two Paths of Equality. Alice Paul and Ethel M. Smith in the ERA Debate 1921-1929, Albany 2002, S. 33.

7 Women: Artikel in: USA – Lexikon. Schlüsselbegriffe zu Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Geschichte und zu den deutsch – amerikanischen Beziehungen, hg. Von Christof Mauch/ Rüdiger B. Wersich, 2,. Auflage, Berlin 2013, S. 1138.

8 Ebd., S. 1139.

9 Butler, Amy E: Two Paths of Equality. Alice Paul and Ethel M. Smith in the ERA Debate 1921-1929, Albany 2002, S. 33.

10 Women: Artikel in: USA – Lexikon. Schlüsselbegriffe zu Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Geschichte und zu den deutsch – amerikanischen Beziehungen, hg. Von Christof Mauch/ Rüdiger B. Wersich, 2. Auflage, Berlin 2013, S. 1137.

11 Geschrieben und herausgegeben von John Stuart Mill, 1869.

12 Vgl. Ebd., S. 1137.

13 Duby, Georges/ Perrot, Michelle: Geschichte der Frauen. Band 5, Frankfurt 1995, S. 100.

14 Vgl. Ebd., S. 78.

15 Ebd., S. 78.

16 Vgl. Ebd., S. 81.

17 Butler, Amy E: Two Paths of Equality. Alice Paul and Ethel M. Smith in the ERA Debate 1921-1929, Albany 2002, S. 33.

18 Fry, Amelia R.: Conversations with Alice Paul. Woman Suffrage and the Equal Rights Amendment, California 1976. Online unter: http://content.cdlib.org/view?docId=kt6f59n89c&doc.view=entire_text (28.08.2014).

19 Quäker: Religious Society of Friends, pflegen eine intensive Gottesbeziehung. (Quakers: Artikel in: USA – Lexikon. Schlüsselbegriffe zu Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Geschichte und zu den deutsch – amerikanischen Beziehungen, hg. Von Christof Mauch/ Rüdiger B. Wersich, 2. Auflage, Berlin 2013, S. 913).

20 Ebd.

21 Butler, Amy E: Two Paths of Equality. Alice Paul and Ethel M. Smith in the ERA Debate 1921-1929, Albany 2002, S. 33.

22 Ebd.

23 Fry, Amelia R.: Conversations with Alice Paul. Woman Suffrage and the Equal Rights Amendment, California 1976. Online unter: http://content.cdlib.org/view?docId=kt6f59n89c&doc.view=entire_text (28.08.2014).

24 Fry, Amelia R.: Conversations with Alice Paul. Woman Suffrage and the Equal Rights Amendment, California 1976. Online unter: http://content.cdlib.org/view?docId=kt6f59n89c&doc.view=entire_text (28.08.2014).

25 Quakers: Artikel in: USA – Lexikon. Schlüsselbegriffe zu Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Geschichte und zu den deutsch – amerikanischen Beziehungen, hg. Von Christof Mauch/ Rüdiger B. Wersich, 2. Auflage, Berlin 2013, S. 913.

26 Fry, Amelia R.: Conversations with Alice Paul. Woman Suffrage and the Equal Rights Amendment, California 1976. Online unter: http://content.cdlib.org/view?docId=kt6f59n89c&doc.view=entire_text (28.08.2014).

27 Connecticut Women's Hall of Fame, Reformers, Alice Paul. Online unter: http://www.cwhf.org/inductees/reformers/alice-paul#.VCFSGvl_vfI (15.09.2014).

28 Butler, Amy E: Two Paths of Equality. Alice Paul and Ethel M. Smith in the ERA Debate 1921-1929, Albany 2002, S. 33.

29 Ebd.

30 Fry, Amelia R.: Conversations with Alice Paul. Woman Suffrage and the Equal Rights Amendment, California 1976. Online unter: http://content.cdlib.org/view?docId=kt6f59n89c&doc.view=entire_text (28.08.2014).

Details

Seiten
17
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783346074522
ISBN (Buch)
9783346074539
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v509884
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Schlagworte
frauenbewegung sufragetten alice paul

Autor

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