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Verunreinigung der Weltmeere mit Plastik. Ursachen, Statistiken, Bekämpfungsmaßnahmen

Facharbeit (Schule) 2019 20 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Ozeanographie, Meereskunde

Leseprobe

INHALT

1 Einleitung

2 Das zerstörerische Plastik in den Meeren
2.1 Vergiftung der Meere und ihre Folgen
2.2 Auswirkungen auf die Tierwelt

3 Status der Verunreinigung mit Plastik
3.1 Lage und Quantifizierung
3.2 Hochrechnungen

4 Maßnahmen gegen die Verunreinigung
4.1 Reinigungsansätze und Proj ekte
4.2 Vermeidung der Verunreinigung
4.3 Nachhaltigkeitsentwicklungen

5 Folgerung und Ausblick

6 Quellenverzeichnis

7 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Die Menschheit vermehrt sich stetig und verbraucht jetzt schon unverhältnismäßig viele Ressourcen. Das Resultat sind Unmengen von Müll. Zwar bestehen unsere Müllberge erst seit ungefähr einem halben Jahrhundert aus Plastik, aber der Siegeszug dieses Stoffes, welcher aus ökologischer Sicht fast nicht abzubauen ist, kann nicht mehr aufgehalten werden. Das deutsche Umweltbundesamt nennt z.B. eine Zersetzungsdauer von 450 Jahren für Plastikflaschen, sowie 600 Jahre für ein Fischernetz (Umweltbun­desamt Broschüre, Wie lange braucht der Müll im Meer um abgebaut zu werden, 2013).

Seitdem 1907 der erste Kunststoff namens Bakelit entdeckt worden ist, wurden unzählige Weiterentwicklungen wie Nylon, PVC, Teflon und Vinyl erschaffen. Dabei handelt es sich hier, um erdachte und experimentell erschaffene Materialien. Die Herstellung von Kunststoffen ist eher eine Aneinanderreihung von vorhandenen Materialien, d.h. aus eingliedrigen Monomären werden durch Hitze oder Druck langkettige Moleküle, Polymere genannt, erschaffen. Die Basis für diese künstlich hergestellten Molekülketten ist allerdings organischer Herkunft, nämlich Kohlen-, Wasser-, und Sauerstoff. Der Gewinnungsprozess von Plastik beruht im Moment hauptsächlich auf Roherdöl. Jährlich verschlingt der Plastiksektor die gleiche Menge von diesem Rohstoff wie der gesamte weltweite Flugverkehr (World Economic Forum Industry Agenda, 2016, S.7).

Ein immenser Vorteil von Kunststoffen ist, dass sie sehr wandlungsfähig in ihren Eigen­schaften sind und somit mannigfaltigste Einsatzbereiche haben können. All diese in ihren Attributen sehr unterschiedlichen Stoffe werden „Plastik“ genannt. Der Name lässt sich aus dem Lateinischen ableiten und heißt so was wie „formbar“ und unter­streicht somit die herausragende Eigenschaft dieser künstlich erzeugten Stoffe. Man kann sie nach Belieben zu dem gewünschten Resultat verarbeiten - ein Wundermittel sozusagen. Sie erinnern allerdings auch an den Zauberlehrling und an „die Geister, die er rief“, denn verschwinden lassen, kann man Plastik nur sehr, sehr schwer.

Wir sind die Generation, die das Ende vieler vorhandener natürlicher Vorkommen erleben wird. So kann man z.B. im Münchener Museum „Mensch und Natur“ lesen, dass die Zinn- und Bleivorkommen in 30, Kupfer in 35 und Zink sogar schon in 25 Jahren aufgebraucht sein werden. Dies bestätigt die Notwendigkeit der Wiederverwendbarkeit - also das Aufbauen von Rohstoffkreislaufen in allen Bereichen unseres Daseins.

Im Bezug auf Plastikmüll heißt dies, dass wir diesen nicht einfach in die Umwelt freisetzen und ihn von Winden und Strömungen auf das offene Meer treiben lassen, sondern einfangen, bearbeiten und neue, wenn möglich umweltfreundlichere, Dinge daraus formen.

Laut einer 2016-er Studie über Plastikwirtschaft im Auftrag des World Economic Forums werden gegenwärtig nur 2-10% der weltweiten Plastikproduktion mehr oder weniger erfolgreich recycelt. Hingegen landen 35% des produzierten Kunststoffes unkontrolliert in der Natur und somit im Endlager Ozean (World Economic Forum Industry Agenda, S.12-S.13). Die Menschheit hat sich mit Plastik eine Art Büchse der Pandora geschaffen, die es gilt rechtzeitig zu verschließen, damit die Erde und die Tierwelt nicht im wahrsten Sinne des Wortes davon begraben werden. Das Zuklappen dieser Büchse ist ein schwieriges aber notwendiges Unterfangen. Im Zuge des Gebots der Nachhaltigkeit, welches besagt, dass wir unsere Umwelt lebenswert nachfolgenden Generationen hinterlassen sollen, ist die Bekämpfung von Plastikmüll auf unserer to do Liste ganz oben.

In meiner Seminararbeit möchte ich mich genau auf diesen Punkt beziehen und werde damit anfangen, den Status Quo der Vermüllung mit Plastik unseres Planeten und der Müllendlagerstädte Ozean darzulegen.

2 Das zerstörerische Plastik in den Meeren

2.1 Vergiftung der Meere und ihre Folgen

Plastik in seiner intakten Form ist nicht direkt giftig, aber ein Teilbereich davon ist extrem toxisch, wenn er anfängt sich zu zersetzten. Und gerade dies ist der Fall bei dem umhertreibenden Hartplastikmüll in den Ozeanen. Hierzu gehören z.B. Fässer, Kanister, Bojen, Fischernetze, größere Verpackungsmaterialien und Plastikflaschenkappen. Diese Hartplastikteile sind zwar stabil, aber unter der Einwirkung von UV-Oxidation und Biodegradation werden sie schnell spröde und porös und zerlegen sich letztlich in ihre Bestandteile.

Schon vor dem Zersetzten verursacht der hier angeprangerte Hartplastikabfall enorme wirtschaftliche Schäden. Nach einer 2016-er Studie der Vereinigten Nationen entstehen jährlich Kosten durch das Verheddern von Plastikmüll in Schiffsschrauben und Kühl­systemen. Allein im asiatisch-pazifischen Raum entstehen jährliche Reparaturkosten in der Höhe von ca. 279 Millionen US Dollar. Hinzu kommen noch Schäden von ca. 622 Millionen US Dollar, welche die Tourismusbranche bezahlen muss, um die vermüllten Strände für die Touristen attraktiv zu machen (UNEP, Marine Litter Vital Graphics, 2016, S. 18-19).

Wenn einmal zersetzt, gelangt Hartplastik automatisch in den Nahrungskreislauf der Meeres-bewohner, wie z.B. von Plankton, Fischen und Vögeln. So konnte in Muscheln, welche Plankton filtrieren, große Mengen Plastikpartikel nachgewiesen werden. Es sind hochgiftige und krebsverursachende Chemikalien wie DDT oder Biphenyle, die auf diesem Wege in die Biomasse der größeren Tierwelt eingebettet werden und letztendlich in Lebensmitteln für den menschlichen Verzehr landen.

Im Unterschied zu Hartplastik verhalten sich weiche Plastomere wie ein Schwamm bezüglich polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffen oder Schwermetallpartikeln aus dem umgebenden Meerwasser. Aufgrund ihres relativ großen Fläche/Gewicht - Verhältnisses saugen diese Plastikarten ein Mehrfaches an den schädlichen Substanzen auf und speichern diese. Werden nun solche Plastikteile von Meerestieren gegessen, vergiften diese die Biomasse und den Nahrungskreislauf.

Laut Messungen einer Studie der Environmental Science & Technology von 2017, haben 84% der im Nordpazifikwirbel entnommenen Proben mindestens eine giftige Chemikalie in besorgniserregender Konzentration aufgewiesen. Alarmierend war zudem auch die Tatsache, dass auf der Oberfläche des Nordpazifikwirbels mehr Plastik als Biomasse eingesammelt wurde. Dies weist darauf hin, dass vermutlich eine Vielzahl von Organismen mehr Plastik als Biomasse zu sich nehmen (Qiqing, C. u.a., Pollutants in plastics within the North Pacific Subtropical Gyre, in Environmental Science & Technology, 2017, S.1).

Wie die unteren Abbildungen überspitzt zeigen, werden die Fische in den nächsten Jahren mengenmäßig aus den Meeren von Plastik verdrängt. Die vom Weltwirtschaftsforum beauftragte Studie der Ellen MacArthur Foundation errechnet diese traurige Tatsache für das Jahr 2050: da könnte die Menge an Plastik die Menge der Fische in den Meeren übersteigen (World Economic Forum Industry Agenda, S.7).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Entwicklung Fisch-Plastikverhältnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3: Lebensraum Ozean

Auch wenn im Moment die Menge des in den Ozeanen herumtreibenden Plastiks nur ein Fünftel des Lebendgewichts der weltweiten Fische darstellt, ist Kunststoff wohl schon fester Bestandteil der Nahrungskette. In Form von zersetzten Partikeln ist er giftig und als größere, unzerlegte Teile lebensbedrohlich für die Tierwelt. Auf diesen Sachverhalt wird nun im folgenden Kapitel eingegangen werden.

2.2 Auswirkungen auf die Tierwelt (Verschlucken und Verheddern)

Ob Hart- oder Weichplastik - beides wird verschluckt. So dokumentiert die oben erwähnte Studie der UNEP, dass alle Meeresschildkröten, fast 60% der Wale, 40 % der Meeresvögel und 36% der Seehunde größere Stücke Plastik in ihren Mägen aufweisen (UNEP, Marine Litter Vital Graphics, 2016, S. 16). Ein sofortiger Tod nach dem Verschlucken tritt in den seltensten Fällen ein, aber Plastikvergiftungen und die Ver­stopfung des Verdauungstraktes führen auch indirekt zum Ableben. Ein Magen, der unverdauliches Plastik enthält, kann nicht mehr so gefüllt werden wie sonst. Das Völle­gefühl gaukelt dem Tier allerdings das Sattsein vor und so treten schleichend Unterer­nährungserscheinungen bei vielen Meerestieren auf. Sie sind damit anfälliger für Krankheiten oder sterben den qualvollen Hungertod.

Ein bekannter dokumentierter Fall ist der von Bob - einer jugendlichen Grünschildkröte aus dem Cape Town Aquarium in Südafrika. Im November 2014 wurde Bob im Natur­schutzgebiet ca. 4 Stunden von Cape Town aufgefunden. Er konnte nicht mehr tauchen und sein Bauchpanzer war angebrochen (Abb. 4). Obwohl Bob gereinigt und sein Panzer wasserdicht verklebt wurde (Abb. 5), blieb sein Gesundheitszustand unverändert schlecht. Er weigerte sich zu essen und musste somit mit Hilfe einer Magensonde in senkrechter Position künstlich ernährt werden (Abb. 6). Da Bob noch immer an Gewicht verlor, wurde das ein Kampf um jedes Gramm. Erst nach zwei Monaten löste sich die Blockade in seinem Darm - er fing an Plastik auszuscheiden. Nachdem kaputte Ballons mit noch dranhängender Leine und diverse große Plastikmüllteile den Dickdarm des Tieres verlassen hatten (Abb.7), erholte sich Bob schnell. Er aß selbständig und konnte wieder tauchen (Abb. 8). Hier folgt nun die Fotogeschichte von der Grünschildkröte die zwar Bob heißt, bei der es aber erst in ein paar Jahren bei Geschlechtsreife klar wird, ob sie männlich oder weiblich ist.

Da ich selber Bob im Dezember 2016 im Two Ocean Aquarium in Cape Town bewundern durfte, liegt mir seine Geschichte besonders am Herzen. Im Aquarium habe ich auch eine Umweltschulung bezüglich Plastikstrohhalme besucht. Man versuchte dabei, die Konsumenten in Südafrika darauf hinzuweisen, dass sie die mit jedem Getränk zu erhaltenden Halme nicht annehmen sollen. Wenn man nämlich diese überhaupt für ein Getränk braucht, dann sollten sie umweltverträglich aus echtem Stroh sein, denn sie landen größtenteils wegen den vielen starken Kapwinden am Strand oder im Meer. Die dort lebenden Pinguine lieben bunte Sachen und benutzen diese dann zum Nestbau. Leider werden sie dann aber von den Jungvögeln gerne angeknabbert und landen in deren Mägen mit katastrophalen Folgen. Auch Grünschildkröten und Fische reagieren auf die bunten Plastikhalme mit Neugier und Appetit. Ein hoher Preis für einen Drink mit Strohhalm - den man auch ohne trinken kann!

Lederschildkröten leben sogar um ein Vielfaches gefährlicher als Grünschildkröten, denn sie ernähren sich hauptsächlich von Quallen und diese werden von den Tieren sehr oft mit den Unmengen an im Wasser treibenden Plastiktüten verwechselt.

Die Umweltorganisation WWF wiederum stellte fest, dass Vögel Feuerzeuge, Zahnbürsten, Einmalrasierer und Luftballons mit Nahrung verwechseln und verschlingen. Dies liegt im Besonderen auch daran, dass Plastikteile mit Salzwasser in Verbindung wohl einen Geruch absondern, der von den Vögeln als Nahrung wahrgenommen wird. Bei der Untersuchung des Mageninhalts von Eissturmvögeln, einer Hochseevogelart, die sich nur aus dem Meer ernährt, fand man in 93% der Fälle Plastik in den Mägen. Diesbezüglich waren es im Durchschnitt 27 Plastikteile pro Vogel - eine horrende Menge (WWF Deutschland Broschüre, Unsere Ozeane versinken im Plastikmüll, 2017). Die Abbildung unten zeigt den Mageninhalt eines solchen Vogels, der daran verendet ist:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 9: Mageninhalt eines Hochseevogels, Fackler, C.

Dieses Schicksal musste auch ein Cuvier-Schnabelwal erleiden, ein Tiefseebewohner, der mit einer Tauchtiefe von bis zu 3 km der Rekordhalter im Tief- und Langtauchen unter den Säugetieren ist. Er wurde von norwegischen Wissenschaftlern entdeckt als er immer wieder versuchte an Land zu kommen - ein völlig atypisches Verhalten bei Schnabelwalen. Da es offensichtlich war, dass es innere Verletzungen und große Schmerzen hatte, erlösten die Wissenschaftler das Tier und stellten bei der anschließenden Obduktion mit Entsetzten fest, dass der Magen voll mit Plastikmüll war. (MDR Aktuell, 30 Plastetüten im Magen eines Wals, Februar 2017).

Das Fressen von Plastik ist eine der schlimmen Folgen des Kunststoffmülls in unseren Ozeanen. Die andere tödliche Folge ist das Verfangen von Tieren in Plastikabfall. Dies ist ein Problem, welches vor allem die größeren Meerestiere wie Wale, Schildkröten, Seehunde, Delphine und große Fische betrifft. Am häufigsten verursachen im Meer treibende verlassene Fischernetze den Tod durchs Verheddern. Laut UNEP wurden alleine 2015 ca. 30.000 Fälle bei über 258 Tierarten dokumentiert.

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Details

Seiten
20
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346084590
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v510885
Note
1
Schlagworte
Plastik Meere Nachhaltigkeit Verunreinigungen Lösungsansätze

Autor

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