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Raumfahrtindustrie. Internationalisierung von Forschung und Entwicklung

Hausarbeit 2019 31 Seiten

Ingenieurwissenschaften - Wirtschaftsingenieurwesen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Internationalisierung von F&E
2.1 F&E-Prozess
2.2 Motive, Formen und Ausprägungen
2.3 Risiko und Auswahl der passenden Form

3 Raumfahrtindustrie
3.1 Beschreibung und Abgrenzung
3.2 CPC Patentklassen

4 Patentauswertung
4.1 Vorgehensweise
4.2 Ergebnis und Einordnung

5 Fazit

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: F&E-Prozess

Abbildung 2: Internationalisierungsmotive für F&E

Abbildung 3: Ausprägung und Bedarf an externem Wissen der F&E-Typen

Abbildung 4: Situativ passende Kooperationsformen und -typen

Abbildung 5: Abgrenzung der Raumfahrtindustrie

Abbildung 6: Weltweite Verbreitung des CPC

Abbildung 7: Verteilung Patentanmeldungen und Stichproben

Abbildung 8: Suchprozess (schematisch)

Abbildung 9: Suchbeispiel

Abbildung 10: Beispiel für Suchergebnis

Abbildung 11: Nicht auswertbares Patent

Abbildung 12: Beispiel für eine Kooperation

Abbildung 13: Beispiel für eine Nicht-Kooperation

Abbildung 14: Kooperationen und ihr Anteil von n der Stufe 2 in 2014-2018

Abbildung 15: Kooperationen und ihr Anteil von n der Stufe 3 im Jahr 2014

Abbildung 16: Kooperationen und ihr Anteil von n der Stufe 3 im Jahr 2015

Abbildung 17: Kooperationen und ihr Anteil von n der Stufe 3 im Jahr 2016

Abbildung 18: Kooperationen und ihr Anteil von n der Stufe 3 im Jahr 2017

Abbildung 19: Kooperationen und ihr Anteil von n der Stufe 3 im Jahr 2018

Abbildung 20: Subklasse mit der häufigsten Ausprägung von Kooperationen

Abbildung 21: Kooperationen der Klasse 1/648 in 2014-2018

Abbildung 22: Ausprägung der Klasse 1/405 in 2014-2018

Abbildung 23: Ausprägung der Klasse 1/421 in 2014-2018

Abbildung 24: Ausprägung der Klasse 2001/1028 in 2014-2018

Abbildung 25: Raketenstarts 1988-2018

Abbildung 26: Starts aktiver Satelliten mit Schwerlastträgern 2013-2018

Abbildung 27: Starts aktiver Satelliten mit mittleren Trägern 2013-2018

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Abgrenzung Raumfahrtindustrie und Startdienstleister

Tabelle 2: CPC Einordnung der Raumfahrtindustrie

1 Einleitung

Die Raumfahrtindustrie ist heute allgegenwärtig, ohne für die meisten Menschen präsent zu sein. Jedoch wären T elekommunikation oder die Erforschung des Klimas und seiner Veränderung ohne Raumfahrtindustrie und die entsprechenden Satelliten nicht in der heutigen Ausprägung möglich. Aber auch die Erforschung des Weltalls und seiner grundlegenden Zusammenhänge, die Suche nach außerirdischem Leben oder zukünftigen Lebensräumen für die Menschen ist ein großer Teil der Raumfahrt. Hinzu kommen noch die Felder der Grundlagenforschung, zum Beispiel für Materialforschung oder auch der militärische und nachrichtendienstliche Bereich, der durch die Erdbeobachtung mit Hilfe von Satelliten unterstützt wird. Viele Projekte, die bis in die öffentliche Wahrnehmung dringen, werden international durchgeführt. Die populärsten Beispiele sind die internationale Raumstation ISS und das James- Webb Weltraumteleskop. Aus dieser Wahrnehmung heraus hat sich die vorliegende Arbeit der Frage gewidmet, wie stark die internationale Kooperation im Bereich Forschung und Entwicklung innerhalb der Raumfahrtindustrie ausgeprägt ist. Um diese Frage zu beantworten, werden Patentdaten ausgewertet, die über das europäische Patentamt verfügbar sind und als Ordnungsschema die „Cooperative Patent Classification" verwenden. Dabei wird zunächst davon ausgegangen, dass der Anteil von international entwickelten Patenten bei 30%-50% liegt. Zunächst wird allerdings eine Einführung gegeben, was unter der Internationalisierung von Forschung und Entwicklung zu verstehen ist. Danach folgt eine Beschreibung und Abgrenzung der Raumfahrtindustrie bevor sich die Arbeit kurz der Vorgehensweise zur Ermittlung und Auswertung relevanter Patentdaten widmet. Schließlich werden die Ergebnisse präsentiert und eingeordnet. Im Fazit folgt eine Bewertung der Situation und es werden weiterführende Fragen aufgeworfen, die in diesem Zusammenhang ebenfalls erläutert werden können.

2 Internationalisierung von F&E

2.1 F&E-Prozess

Forschung und Entwicklung sind unbestimmte Begriffe, unter denen im Wesentli­chen die Generierung von neuem Wissen und marktfähigen Produkten verstanden wird. Im unternehmerischen Kontext wird diese Generierung durch den geplanten und strukturierten Einsatz von Arbeit und Kapital erreicht. Dabei folgen Forschungs­und Entwicklungsaktivitäten einem allgemeinen Prozessmodell, das in die vier Pha­sen Grundlagenforschung, Technologieentwicklung, Vorentwicklung sowie Produkt- und Prozessentwicklung unterteilt wird. Während in der ersten Phase Grundlagen­forschung die Entwicklung von theoretischen Modellen und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen im Vordergrund steht, geht es in der letzten Phase Produkt- und Pro­zessentwicklung um die Erzeugung eines marktreifen und wirtschaftlich erfolgrei­chen Produktes. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein physisches Produkt handelt oder um eine Dienstleistung. Die Produktspezifität nimmt also im Laufe des F&E-Prozesses immer weiter zu. Gleichzeitig nimmt der Umfang des genutzten Wis­sens ab, da für die Marktreife eines Produktes nur noch das Wissen relevant ist, welches für den Aufbau möglichst kosteneffizienter Prozesse notwendig ist. Durch Einbeziehung aller berührten Wissensbereiche und sämtlichen vorhandenen Er­kenntnissen besteht die Gefahr, dass diese Effizienz verfehlt und das Produkt nicht mehr kostendeckend angeboten wird.1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: F&E-Prozess2

2.2 Motive, Formen und Ausprägungen

Die Internationalisierung dieses Prozesses geschieht aufgrund von unternehmens­bezogenen sowie standortbezogenen Parametern. Diese Parameter sind ihrerseits entweder marktbedingt, also eine Art Push-Effekt, oder organisatorisch bedingt, also eine Art Pull-Effekt. Ein Beispiel für einen unternehmensbezogenen und marktbe­dingten Parameter ist das Vorhaben, eine effektivere F&E zu realisieren. Wenn un­terstellt wird, dass alle Aktivitäten und Ressourcen im Bereich der F&E Transaktio­nen sind, die unter Kostenaspekten und zeitlicher Effizienz zu bewerten sind, sucht das betreffende Unternehmen bewusst nach dem Standort, an dem der Markt diese beiden Faktoren optimal anbietet. Somit ist die Effektivitätssteigerungsabsicht unter­nehmensbezogen, die Transaktionen unterliegen aber den jeweiligen Marktbedin­gungen. Unter Aktivitäten und Ressourcen können spezifische Forschungszweige, gesetzliche Rahmenbedingungen für Forschung oder Produktion, das Lohnniveau wissenschaftlicher Mitarbeiter und die Verfügbarkeit einer entsprechenden Logistik, zum Beispiel in Form von Laboreinrichtungen, verstanden werden. Aus diesem Bei­spiel wird deutlich, dass die Grenzen sowohl zwischen dem Standortbezug und Un­ternehmensbezug, als auch zwischen den Marktbedingungen und den organisatori­schen Bedingungen nicht scharf zu ziehen sind. Es ist demnach immer eine Misch­form zwischen unterschiedlichen Motivlagen zu finden3.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Internationalisierungsmotive für F&E4

Die Formen und Ausprägungen der internationalisierten F&E sind ebenso vielschichtig wie die Motivlagen und sind wiederum von den Zielen des Unternehmes abhängig. Die Zielsetzung ist davon geprägt, in welcher F&E-Phase, in Anlehnung an das F&E-Prozessmodell, sich das Unterenhmen bzw. ein F&E-Projekt befindet. Typische Ausprägungen sind Kooperationen, Direktinvestitionen und Auftrags-F&E. Bei der Auftrags-F&E wird ein ausländisches Institut mit einer bestimmten Forschung beauftragt, um aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu liefern. Der wirtschaftliche Nutzwert für den Auftraggeber ist bei Auftragsvergabe nicht gesichert. Dieses Modell eigent sich daher insbesondere für die Grundlagenforschung. Kooperationen sind vertraglich vereinbarte Modelle in unterschiedlichsten Ausprägungen. Es können Zweckgesellschaften entstehen, die kooperierenden Unterenhmen können aber auch eine vertragliche Vereinbarung über die verschiedenen Beiträge zur F&E- Aktivität treffen, wie eingesetzte Ressourcen oder den Ort der Durchführung bestimmter Teilprojekte. Ebenso können und sollten die wirtschaftlichen Ausbeutungsrechte des Ergebnisses vertraglich geregelt werden. Dieses Modell eignet sich ab der Phase der Technologieentwicklung, da ab dieser Phase eine konkrete Zielspezifikation getroffen werden kann und das Marktpotential abschätzbar wird. Die Direktinvestition ist der Aufbau einer eigenen ausländischen Niederlassung zu F&E-Zwecken, aber auch für die nachträgliche Wertschöpfung der Ergebnisse. Dieses Modell bietet die größte Sicherheit in Bezug auf den Schutz des generierten Wissens und dem damit geschaffenen wirtschaftlichen Potential. Auch dieses Modell eignet sich ab der Technologieentwicklung, hängt aber von der Höhe der Investitionen ab, die das Unternehmen bereit ist aufzuwenden.5 Innerhalb dieser Ausprägungen wird zwischen verschiedenen F&E-Typen unterschieden. Diese Typen sind Technology Transfer Units (TTU), Indigenous Technology Units (ITU), Global Technology Units (GTU) und Cooperative Technology Units (CTU). TTUs haben die Aufgabe, bestehende Technologien und Wissen an die Marktgegebenheiten des Ziellandes anzupassen. ITUs hingegen entwickeln Technologien speziell für den angestrebten Zielmarkt. GTUs entwickeln Technologien und Produkte für die globale Vermarktung. CTUs sind speziell auf die Erschließung von Quellen in Bezug auf die Grundlagenforschung ausgerichtet. Daraus ergibt sich eine steigende Notwendigkeit zur Kooperation mit externen Partnern im Zielland. Während TTUs unabhängig agieren können, da sie ausschließlich auf unternehmensintern vorhandene Technologien und Produkte zurückgreifen, benötigen ITUs externes Wissen, um die marktspezifischen Präferenzen zu erfassen. GTUs sind in einer ähnlichen Situation wie ITUs, allerdigns in einem globalen Maßstab, da sie versuchen, den kleinsten gemeinsamen Nenner global stark heterogener Nutzerpräferenzen zu finden. CTUs hingegen sind aufgrund ihres Zwecks ausschließlich auf die Kooperation mit externen Partner ausgelegt.6

2.3 Risiko und Auswahl der passenden Form

Ein wirtschaftliches Risiko bei der Internationalisierung von F&E ist die Nutzung von Skalen- und Lernkurveneffekten. Durch eine Dezentralisierung der Forschungsaktivität wird der interne Transferprozess von Wissen oder Material aufwendiger, was die Nutzung von Skaleneffekten erschwert. Diesem Risiko lässt sich allerdings durch angemessene Maßnahmen, wie einem strategischem F&E- Controlling, entgegenwirken.7

Ein unberechenbares und kaum zu beherrschendes Risiko ist der unbeabsichtigte Transfer von spezifischem Wissen, insbesondere bei allen F&E-Typen, die externes Wissen benötigen, da hier eine Kooperation mit externen Partner, möglicherweise auch potentiellen Wettbewerbern, notwendig wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Ausprägung und Bedarf an externem Wissen der F&E-Typen

Es ergibt sich ein wesentliches Problem der Internationalisierung von F&E. Der Schutz spezifischen Wissens. Je stärker die Kooperation und der Bedarf an exter­nem Wissen ausgeprägt ist, desto schwieriger wird es für das Unternehmen sein, spezifisches Wissen im Rahmen der eingegangenen Kooperation zu schützen. Dadurch entsteht die Gefahr des Überspringens von spezifischem Wissen auf Wett­bewerber, wodurch mögliche Wettbewerbsvorteile verloren gehen. Dieses Phäno­men wird als Knowledge Spill Over bezeichnet. Dieses Risiko steigt, je stärker die Wettbewerbsintensität im betrachteten Zielmarkt ausgeprägt ist. Daher sollte je nach Zielsetzung und Spezifität des eigenen Wissens eine situativ adäquate F&E- Strategie gewählt werden.8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten9

Abbildung 4: Situativ passende Kooperationsformen und -typen9

Die hier abgebildeten Kooperationstypen sind allenfalls Empfehlungen und sollten im Kontext der tatsächlichen Wettbewerbssituation gewählt werden.

3 Raumfahrtindustrie

3.1 Beschreibung und Abgrenzung

Die Raumfahrtindustrie befasst sich mit der Produktion von Trägerraketen und der Herstellung, dem Transport, der Ausbringung sowie dem Betrieb von künstlichen, unbemannten Satelliten. Die bemannte Raumfahrt zu Forschungszwecken ent­spricht nur ca. 5%. aller Rumfahrtmissionen.10 Somit ist die Bedeutung bemannter Raumfahrt unter Rentabilitätsgesichtspunkten in der Kurzfristperspektive zu ver­nachlässigen. Jedoch können alle Aufwendungen im Rahmen von bemannter Raum­fahrt als Investition in Forschung und Entwicklung betrachtet werden, da hier die Technologien und Möglichkeiten erforscht werden, welche perspektivisch zu neuen Geschäftsfeldern der Raumfahrtindustrie heranreifen werden. Beispiele hierfür sind Weltraumbergbau und bemannte Marsmissionen. Die bemannte Raumfahrt ist also in Bezug auf den F&E-Prozess als Grundlagenforschung zu betrachten.

Die Raumfahrtindustrie lässt sich weiter unterteilen in eine produzierende Raum­fahrtindustrie und in Startdienstleister. Während die produzierende Raumfahrtindust­rie alle Komponenten und Systeme entwickelt und herstellt, die zur Durchführung von Weltraummissionen notwendig sind, befassen sich die Startdienstleister mit der Vermarktung von Trägersystemen und der Durchführung von Satellitenstarts. Die Startdienstleister sind somit wichtige Impulsgeber im Rahmen der F&E. So gehen die nachträglich beschlossenen Maßnahmen bei der Entwicklung der Ariane 6 auf die Erfahrungen und Erkenntnisse von Arianespace zurück, nachdem diese festge­stellt hat, dass die aktuellen Entwicklungsziele nicht die Marktsituation wiederspie­geln.11 Die Abgrenzung des Portfolios der Raumfahrtindustrie und den Startdienst­leistern ist in Tabelle 1 dargestellt.

Tabelle 1: Abgrenzung Raumfahrtindustrie und Startdienstleister12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Raumfahrtindustrie ist eng mit der Luftfahrt verbunden, was eine klare Abgren­zung nicht immer möglich macht. Die grundlegende Technologie zum Start von Trä­gerraketen kommt wiederum aus der militärischen Raketentechnik und nutzt die glei­che T echnologie wie Interkontinentalraketen, die für den T ransport von Atomspreng­köpfen entwickelt wurden.13

[...]


1 Vgl. Oesterle, M.-J., Röber, B.: Internationalisierung der F&E: Formen und Bewertung, S. 558

2 eigene Darstellung

3 Vgl. Oesterle, M.-J., Röber, B.: Internationalisierung der F&E: Formen und Bewertung, S. 558­559

4 eigene Darstellung in Anlehnung an Oesterle, M.-J., Röber, B.: Internationalisierung der F&E: Formen und Bewertung, S. 558-559

5 Vgl. Oesterle, M.-J., Röber, B.: Internationalisierung der F&E: Formen und Bewertung, S. 560­563

6 Oesterle, M.-J., Röber, B.: Internationalisierung der F&E: Formen und Bewertung, S. 561

7 Vgl. Oesterle, M.-J., Röber, B.: Internationalisierung der F&E: Formen und Bewertung, S. 559­560

8 Vgl. Oesterle, M.-J., Röber, B.: Internationalisierung der F&E: Formen und Bewertung, S. 562

9 eigene Darstellung in Anlehnung an Oesterle, M.-J., Röber, B.: Internationalisierung der F&E: Formen und Bewertung, S. 560-562

10 Vgl. Wittmann, K., Hanowski, N., Raumfahrtmissionen, 2019, S. 52

11 Vgl. Hegmann, G., Europas neue Rakete blamiert sich schon vor dem Jungfernflug, 2018, o.S.

12 Quelle: Eigene Darstellung nach Wittmann, K., Hanowski, N., Raumfahrtmissionen, 2019, S..52-56; Laßmann, J., Gesamtsysteme, 2019, S. 146

13 Vgl. Laßmann, J., Gesamtsysteme, 2019, S. 143

Details

Seiten
31
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346081391
ISBN (Buch)
9783346081407
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v510915
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie und Management gemeinnützige GmbH, Hochschulstudienzentrum Hamburg
Note
1,0
Schlagworte
raumfahrtindustrie internationalisierung forschung entwicklung

Autor

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Titel: Raumfahrtindustrie. Internationalisierung von Forschung und Entwicklung