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Volkswagen als offizieller Mobilitätspartner bei der FIFA-WM 2022 in Katar

Hausarbeit 2018 16 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Rahmenbedingungen
2.1 Katar
2.2 Volkswagen-Konzern
2.3 Partnerschaft zwischen dem DFB und Volkswagen

3 Die Aktivierung der FIFA-WM 2022 in Katar durch Volkswagen
3.1 Reputationsrisiken
3.2 Handlungsempfehlungen

4 Fazit

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: „WM-Spiele zum Mittagessen“, aus Frankfurter Allgemeine Zeitung

Abbildung 2: Top 3 Social Media-Ranking der Fußball-Nationalspieler

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: „WM-Spiele zum Mittagessen“, aus Frankfurter Allgemeine Zeitung[1]

Mit der launigen Überschrift „WM-Spiele zum Mittagessen“ versehen, veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine Zeitung unter Berufung auf den Sport-Informations-Dienst am 04. Dezember 2018 die voraussichtlichen Anstoßzeiten der FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft der Männer im Jahr 2022 in Katar.

So sollen die Spiele der Vorrunde um 11:00 Uhr, 14:00 Uhr, 17:00 Uhr und 20:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit angepfiffen werden, teilte das Organisationskomitee der Weltmeisterschaft unter Vorbehalt der Zustimmung des Weltverbands FIFA mit.[2]

Auch abseits der Anstoßzeiten wird die Austragung der Weltmeisterschaft in Katar unter den verschiedensten Aspekten kritisch betrachtet. So reichen die Kritikpunkte von der „skandalösen Doppelvergabe im Jahr 2010 an Russland und Katar“ [3] über Vorwürfe des Stimmenkaufs bei der Vergabe der Weltmeisterschaften, dem fehlenden Fußballbezug des Gastgeberlandes sowie die Missachtung der Menschenrechte und Ausbeutung der Arbeiter beim Stadionbau.[4]

Die Probleme im Hinblick auf die Ausrichtung der FIFA-Weltmeisterschaft in Katar sind dementsprechend vielseitig und mannigfaltig.

Dennoch positioniert sich zum kommenden Jahr 2019 mit dem Volkswagen-Konzern ein neuer wichtiger Partner der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und fördert diese ab 2019 in einem Zeitraum von über fünf Jahren (Laufzeit des Vertrages bis zum 31. Juli 2024[5] ) als Mobilitätspartner.

Mit der vorliegenden Hausarbeit wird die FIFA-Weltmeisterschaft 2022 in Katar im Hinblick auf das Engagement des Volkswagen-Konzerns im Rahmen der Mobilitätspartnerschaft mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) näherbetrachtet.

2 Rahmenbedingungen

Die FIFA und das lokale Organisationskomitee stehen als Ausrichter der Weltmeisterschaft bereits einige Zeit vor der offiziellen Eröffnungsfeier im Fokus der breiten Öffentlichkeit. So sorgte unter anderem allein die Veröffentlichung der voraussichtlichen Anstoßzeiten für ein großes mediales Echo.

Das vorliegende Kapitel zeigt die Rahmenbedingungen des Gastgeberlandes Katar auf, legt anschließend den Fokus auf das Zusammenspiel zwischen Katar und dem Volkswagen-Konzern und betrachtet abschließend die Partnerschaft zwischen dem DFB und Volkswagen.

2.1 Katar

Der Staat Katar ist eine Halbinsel am Persischen Golf und grenzt direkt an Saudi-Arabien an. Auf einer Fläche von 11.437 Quadratkilometern (im Vergleich Deutschland: 357.050 Quadratkilometer) leben circa 2,7 Millionen Einwohner, wovon allerdings nur ungefähr 12 Prozent gebürtige Katarer sind. Der Islam ist als Religion für Katar prägend. Regiert wird Katar von einer Monarchie mit Beratender Versammlung. Vor allem aufgrund der immensen Bodenschätze (hauptsächlich Erdgas) belief sich das Bruttoinlandsprodukt Katars im Jahr 2017 auf circa 220 Milliarden US-Dollar, was Katar zu einem der reichsten Länder der Erde macht, betrachtet man das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt.

Klimatisch ist in Katar ein teilweise feuchtheißes Tropenklima vorherrschend, was in den Sommermonaten zu Temperaturen bis zu 50°C mit gelegentlichen Sandstürmen führen kann.[6] Ein Umstand, der zu einer Verlegung der normalerweise in den Sommermonaten ausgetragenen Fußball-Weltmeisterschaft in den November / Dezember 2022 führte. So soll das Endspiel am 18. Dezember 2022 stattfinden, was gleichzeitig auch dem Nationalfeiertag Katars entspricht.[7]

Wirtschaftlich betrachtet arbeiten Deutschland und Katar bereits seit einigen Jahren eng zusammen: So besuchte der damalige Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel die Halbinsel bereits im Jahr 2015 mit einer Wirtschaftsdelegation. Neben der Lieferung von 62 Leopard-Panzer und 24 Panzerhaubitzen mit einem Gesamtvolumen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro für den deutschen Hersteller Krauss-Maffei-Wegmann ist das Emirat Katar unter anderem auch an den deutschen Unternehmen Volkswagen, Hochtief, Siemens und der Deutschen Bank beteiligt.[8] Insbesondere die Beziehung zwischen Volkswagen und Katar wird im folgenden Kapitel weitergehend betrachtet.

Zudem plane Katar in den kommenden Jahren „große Investitionen“ auch in mittelständische Unternehmen in Deutschland, was in diesem Jahr im Rahmen einer gemeinsamen katarisch-deutschen Investmentkonferenz in Berlin bekanntgegeben wurde.[9]

Im Hinblick auf die Menschenrechte ist Katar allerdings gesondert zu betrachten. Insbesondere die Stellung von Frauen und Kinder sind noch immer rückständig. So sei das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Rechte zur Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit laut dem Bericht von Amnesty International 2017/18 nach wie vor erheblich eingeschränkt. Zudem seien Frauen „sowohl durch Gesetze als auch im täglichen Leben von Diskriminierung betroffen“ und auch die Todesstrafe bestehe in Katar weiterhin, auch wenn jedoch keine Meldungen über tatsächlich ausgeführte Hinrichtungen vorlagen.[10]

Dass die FIFA die Problematik der eingeschränkten Menschenrechte in Katar im Hinblick auf die stark vorherrschende Homophobie und fortlaufende Verfolgung Homosexueller im Gastgeberland erkannt hat, zeigen Aussagen des damaligen FIFA-Präsidenten Sepp Blatter. Da in Katar homosexuelle Handlungen gemäß Gesetz mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden, unabhängig vom Geschlecht und Herkunft, sind dementsprechend auch Gäste der Weltmeisterschaft 2022 von Verfolgung bedroht. Blatter kommentierte dies unter Gelächter mit den Worten „Ich denke, sie [Homosexuelle] sollten bei der WM jegliche sexuellen Aktivitäten unterlassen". Zwar entschuldigte sich Blatter anschließend für die diskriminierenden Worte, an der (zumindest zweifelhaften) Vergabe der Weltmeisterschaft an Katar änderte die eingeschränkte Menschenrechte-Situation jedoch nichts.[11]

2.2 Volkswagen-Konzern

Der Volkswagen-Konzern ist einer der entscheidenden Partner für das Emirat Katar im Hinblick auf die internationalen wirtschaftlichen Beziehungen. Nach 2016 wurde Volkswagen auch im vergangenen Jahr größter Autohersteller der Welt und auch die aktuellen Absatzzahlen lassen vermuten, dass sich dieser Erfolgszug trotz der Nachwirkungen der Dieselaffäre aus dem Jahr 2015 auch für das Jahr 2018 fortsetzen wird.[12]

So lieferte der Konzern im Jahr 2017 über 10,7 Millionen Fahrzeuge an Kunden aus und setzte insgesamt über 230 Milliarden Euro um.[13]

Bei der Betrachtung des Aufsichtsrats des Volkswagen-Konzerns wird die Bedeutung Katars für den Wolfsburger Autobauer offensichtlich: So sitzen mit Dr. Hussain Ali Al-Abdulla (seit 2010) und Dr. Hessa Sultan Al-Jaber (seit 2016) gleich zwei Katarer im Aufsichtsrat der Volkswagen AG.[14] Al-Abdulla ist neben seiner Aufsichtsratstätigkeit unter anderem als „Deputy Secretary General for Investment Affairs“ für die katarische Regierung tätig und tritt zudem in Katar als „Vice Chairman“ der Qatar Holding LLC auf.[15]

Der Zeitpunkt des Zutritts Al-Jabers zum Aufsichtsrat ist insofern interessant, da ihr Beitritt für Volkswagen die Möglichkeit schafft, die seit Jahresbeginn 2016 in Deutschland geltende Frauenquote von 30 Prozent zu erfüllen. Neben Annika Falkengren und Dr. Louise Kiesling wären somit „drei der zehn Anteilseigner-Sitze im Kontrollgremium von Frauen eingenommen.“ [16]

Weiterhin interessant zu betrachten ist die Aktionärsstruktur Volkswagens: So ist die Qatar Holding LLC laut Geschäftsbericht des vergangenen Geschäftsjahres 2017 zum 31. Dezember 2017 drittgrößter Aktionär der Volkswagen AG im Hinblick auf die Stimmrechtsverteilung (17,0 Prozent der Stimmrechte). Der Anteil am gezeichneten Kapital beträgt hingegen 14,6 Prozent.[17] Dementsprechend ist der Einfluss Katars auf Volks-wagen immens, insbesondere bei der Betrachtung, dass mit Dr. Hussain Ali Al-Abdulla der „Vice-Chairman“ des drittgrößten Aktionärs im Aufsichtsrat des Autobauers sitzt.

Es gibt also bereits einige Verbindungen zwischen Volkswagen und Katar und eine weitere Beziehung wird durch Volkswagen unter dem Titel „Driven by German Design“ vermarktet und präsentiert: So veranstaltete die Volkswagen AG von Oktober 2017 bis Januar 2018 eine multimediale Designschau in der Al Riway Gallery in Doha, der Hauptstadt Katars, und engagierte sich so als Partner des Deutschland gewidmetem Kulturjahres des Qatar Museums.[18]

Die Beziehungen zwischen Volkswagen und Katar sind daher vielfältig und tiefschichtig und dementsprechend kann man Katar durch aus als Interessensmarkt für Volkswagen betrachten, was durch die genannten Aspekte dieses Unterkapitels unterstrichen wird. Die neue Partnerschaft zwischen dem DFB und Volkswagen verbindet die Beteiligten ab dem Jahr 2019 nun auf einer weiteren Ebene. Durch die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar bekommt die Geschäftsbeziehung zwischen Katar und Volkswagen eine weitere Dimension.

2.3 Partnerschaft zwischen dem DFB und Volkswagen

Im Jahr 2017 schrieb der DFB als Rechtehalter der Werberechte der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im Rahmen eines Ausschreibungsverfahrens erstmals ein neues Werbepaket an alle interessierten Automobilunternehmen aus. Ziel sollte es sein, einen exklusiven Werbepartner über alle Produktbereiche des DFB hinaus zu finden, also sowohl die Werberechte für die Nationalmannschaften, als auch die Werbe-Partnerschaft für den DFB-Pokal neu zu vermarkten. Hier kam es durch die bisherige Präsenz von Mercedes-Benz als Partner der Nationalmannschaft zu Kannibalisierungseffekten mit Volkswagen als offiziellem Partner des DFB-Pokals. Zudem beinhaltete das damals ausgeschriebene Sponsoringpaket aufgrund der Laufzeit 01. Januar 2019 bis 31. Juli 2024 Werberechte an der UEFA Europameisterschaft 2020, der bereits angesprochenen FIFA-Weltmeisterschaft 2022 in Katar und auch der UEFA Europameisterschaft 2024.[19] Erst vor einigen Monaten erhielt Deutschland im Kampf gegen die Türkei den Zuschlag als Gastgeberland der UEFA Europameisterschaft im Jahr 2024.[20]

Verschiedener Medienberichte zufolge entwickelte sich nach der Ausschreibung des neuen Rechtepakets ein Zweikampf zwischen den beiden bisherigen Partnern Mercedes-Benz und Volkswagen. Mit dem Zuschlag an Volkswagen konnte der DFB das Sponsoringpaket finanziell deutlich aufwerten und erhält nun wohl zwischen 25 und 30 Millionen Euro jährlich. Begründet sei diese Preissteigerung mit den jüngsten Erfolgen der Nationalmannschaften (beispielsweise der Weltmeistertitel bei der FIFA-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien, der Sieg bei der UEFA U21 Europameisterschaft 2017 und beim FIFA Confederations-Cup 2017, sowie die Silber- (Männer) beziehungsweise Gold-Medaille (Frauen) der Nationalmannschaften bei den Olympischen Spielen 2016 in Brasilien) und der neu geschaffenen Branchenexklusivität für nunmehr nur noch einen Automobilpartner.[21]

[...]


[1] Frankfurter Allgemeine Zeitung (2018): WM-Spiele zum Mittagessen, in Frankfurter Allgemeine Zeitung online, Abruf: 14.12.2018

[2] SPONSORS (2018): Katar präsentiert Anstoßzeiten für WM 2022, in SPONSORS online, Abruf: 14.12.2018

[3] Krämer (2018): Katar und Fifa - warum das zusammenpasst, in Spiegel online, Abruf: 14.12.2018

[4] Becker (2016): Zur falschen Zeit am falschen Ort, in Frankfurter Allgemeine Zeitung online, Abruf: 14.12.2018

[5] DFB (2017): Volkswagen ab 2019 Mobilitätspartner des DFB, in DFB online, Abruf: 14.12.2018

[6] Auswärtiges Amt (2018): Katar, in Auswärtiges Amt online, Abruf: 16.12.2018

[7] Spiegel (2015): WM-Finale findet am 18. Dezember statt, in Spiegel online, Abruf: 16.12.2018

[8] Manager Magazin (2015): So wichtig ist Katar für die deutsche Wirtschaft, in Manager Magazin online, Abruf: 16.12.2018

[9] n-tv (2018): Katar setzt auf deutsche Mittelständler, in n-tv online, Abruf: 16.12.2018

[10] Amnesty International (o.J.): Katar 2017/18, in Amnesty International online, Abruf: 16.12.2018

[11] Wißmann (2011): Keinen Sex während der WM, in Zeit online, Abruf: 16.12.2018

[12] Wirtschaftswoche (2018): VW verteidigt den Titel, in Wirtschaftswoche online, Abruf: 16.12.2018

[13] Volkswagen (2018): Geschäftsbericht 2017, Seite 2

[14] Ebenda, Seite 85

[15] Bloomberg (o.J.): Hussain Ali Al-Abdulah, in Bloomberg online, Abruf: 16.12.2018

[16] Volkswagen (2016): Volkswagen will Frau Dr. Hessa al Jaber in den Aufsichtsrat berufen, in Volkswagen Nachrichten online, Abruf: 16.12.2018

[17] Volkswagen (2018): Geschäftsbericht 2017, Seite 110

[18] Volkswagen (o.J.): Driven by German Design, in Volkswagen Stories online, Abruf: 16.12.2018

[19] SPONSORS (2017): DFB sucht Autopartner, auch für den Pokal, in SPONSORS online, Abruf: 16.12.2018

[20] Zeit (2018): Deutschland richtet Europameisterschaft 2024 aus, in Zeit online, Abruf: 16.12.2018

[21] SPONSORS (2017): VW vs. Mercedes: Gewinner ist der DFB, in SPONSORS online, Abruf: 16.12.2018

Details

Seiten
16
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346084484
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v511415
Institution / Hochschule
Steinbeis-Hochschule Berlin
Note
1,1
Schlagworte
volkswagen mobilität mobilitätspartner fifa wm weltmeisterschaft katar sponsoring aktivierung kommunikation

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