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Italienische Jugendsprache

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 22 Seiten

Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entwicklung der italienischen Jugendsprache

3. Begriffserklärung

4. Italienische Jugendsprache und Massenmedien

5. Diatopische Markierung

6. Innersprachlicher Aufbau – Ausgewählte Aspekte
6.1 Phonologie
6.2 Orthographie
6.3 Morphologie
6.3.1 Derivation mittels Präfigierung
6.3.2 Derivation mittels Suffigierung
6.4 Lexikon
6.4.1 Semantische Figuren
6.4.2 Lexikalische Quellen
6.4.2.1 Xenismen
a) Angloamerikanismen
b) Hispanismen, Germanismen
6.4.2.2.Vulgärausdrücke
6.4.2.3 Jugendsprache und Sprachspiele
6.4.2.4 Jargons der Drogen- und Unterwelt
6.5 Jugendsprachliche Innovationen
6.5.1 Rückgriff auf Fachsprachen
6.5.2 neue Ausdrücke

7. Hip-Hop-Kultur in Italien
7.1 Geschichte
7.2 Diatopische Markierung
7.3 Charakteristika
7.4 Beispiellied

8. Fazit

Bibliographie

1. Einleitung

Eine Hausarbeit, die sich mit der italienischen "Jugendsprache" beschäftigt, muss, bevor sie sich mit den Charakteristika dieser beschäftigt, erst einmal klären, was "Jugendsprache" eigentlich ist. Eigentlich ist die Erklärung ganz einfach: "Jugendsprache" ist die Sprache der Jugend. Doch diese Definition nährt den Mythos, es gäbe eine Sprache, deren Besitzer ausschließlich die Jugend wäre und die nur von Jugendlichen gesprochen würde. Sprachwissenschaftler sehen "Jugendsprache" heute als ein komplexes sprachliches Register. Des Weiteren betont die Psychologie, dass die Jugendlichen häufig in zwei "Wertwelten" leben, die zum einen durch die Eltern und zum anderen durch die Altergenossen geprägt werden. Diese zwei Wertwelten können großen Einfluss auf die Sprache haben. Je nachdem, mit wem die Jugendlichen kommunizieren, wechseln sie von einem Sprachsystem in ein anderes.[1] Allgemein kann man sagen, dass es so viele Jugendsprachen wie Gruppen Jugendlicher gibt.[2]

Bis heute wird von der neueren Jugendsprachenforschung die Frage gestellt, ob die so genannten Jugendsprachen – also auch die italienische – wirklich als solche bezeichnet werden können. Liegt hier nicht vielmehr eine Verwechslung mit den Sondersprachen vor, aus denen eine Vielzahl der heutigen Jugend ihren Wortschatz rekrutiert? Auch die italienische Jugendsprache müsste demzufolge als Sondersprache bezeichnet werden, da sie ihr Potential größtenteils aus den Sondersprachen – allen voran der Gaunersprache und dem Drogenjargon – schöpft. Diese Problemstellung soll im Folgenden geklärt werden.[3]

2. Entwicklung der italienischen Jugendsprache

Noch vor zehn Jahren hätte die gewählte Thematik in der italienischen Linguistik Erstaunen ausgelöst: Das Sprachverhalten von Jugendlichen in Italien galt als weitgehend unauffällig. Zwar verfügte man in den 70er Jahren über zwei Wortschatzsammlungen, die die Sonderheit einer Jugendsprache propagierten („Il Mercabul. Il controlinguaggio dei giovani”, “Saggio di un vocabolario del gergo studentesco alessandrino”), diese fanden jedoch in der Fachwelt wenig Beachtung. Ansonsten darf man Annehmen, dass die Kommunikation unter Jugendlichen in den frühen 70er Jahren noch nicht im Zusammenhang mit einer eigenen Varietät des Italienischen gewertet wird. Eine generationsspezifische Varietät wird der Jugend in Italien erst in den 80er Jahren zugebilligt. Bis heute sind jugendsprachliche Varietäten immer noch sehr unvollkommen beschrieben und die Darstellung des Sprachverhaltens von Jugendlichen scheint den Massenmedien überlassen worden zu sein (siehe auch Punkt 4).[4]

3. Italienische Jugendsprache - Begriffserklärung

Die Sprache der Jugendlichen in Italien kann aufgefasst werden als eine Form überregionaler Umgangssprache, die in der Nähe eines italiano parlato trascurato anzusiedeln ist. Sie ist allgemein verständlich, distanziert sich faktisch von präskriptiven Normen und führt gleichzeitig Formen ein, die potentiell auch in das italiano comune vordringen können. Es existieren Parallelen zur niederen Volkssprache, dem italiano popolare (auch das sich rasch ausbreitende fare un bidone a qn. - „jdn. hereinlegen“ ist unter den Jugendlichen sehr beliebt, gehört aber gleichzeitig dem italiano popolare an).

Ein zweiter Definitionsversuch strebt eine Zuweisung auf der Grundlage von auslösenden politischen Bewegungen an. Demnach haben in den letzten zwanzig Jahren in Italien zwei Bewegungen Auswirkungen auf die Jugendsprache gezeigt, nämlich die contestazione im Gefolge des Mai 1986 und die Jugendrevolte um die Ereignisse in Bologna 1977 mit dem Einsetzen der indiani metropolitani.[5] Jugendsprache diente als Protestvokabular der unterschiedlichen Protestbewegungen, von 1968 über die indiani metropolitani des Jahres 1977 bis zu dem heutigen movimento dei verdi.[6] Die contestazione del 68 hat vor allem Bewegung in den politischen Wortschatz gebracht und hat, wie die folgenden Beispiele zeigen, neues Fachvokabular in die Umgangssprache eingeführt und gleichzeitig das Expressivitätspotential in der comunicazione politica durch vulgärsprachliche Anleihen erhöht; man denke an Slogans wie siamo sempre più incazzati/con governo e sindacati oder an Wandschriften wie merda ai baroni dell’Università.[7]

Nachdem nun geklärt wurde, wie die italienische Jugendsprache anzusehen ist, sollen nun verschiedene Aspekte der Jugendsprache in Italien genauer beleuchtet werden.

4. Italienische Jugendsprache und Massenmedien

Die Medien haben das jugendliche Käuferpotenzial erkannt und stellen ihre Werbung und Kommunikation auf das Zielpublikum ab. Bricolage, Ironie und Selbstironisierung, verbale Duelle sind zentrale Praktiken mit denen Jugendliche angesprochen und durch die medienspezifische Diskurse etabliert werden.[8]

Die Massenmedien stellen Identifikationsmuster bereit, die von Jugendlichen als Modewörter bereitwillig aufgegriffen werden und als „ battute “, als geistreiche Slogans, die jugendsprachliche Kommunikation mitgestalten.

So werden Sätze wie „ è una discussione da Bazzaglia“ aus der Fernsehsendung Quelli della notte oder “Nuova? No, lavato con Perlana!” fest in das jugendsprachliche Repertoire übernommen. Daneben behaupten sich in Italien auch andere Formen der Massenmedien, die unter anderem die Ausbildung eigener sondersprachlicher Sprachformen fördern. So propagiert seit Januar 1968 das Blatt Paninaro [9] den Lebensstil einer Jugendgruppe. Die Zeitschrift besteht aus comic strips (fumetti), die das Gruppenwesen der paninari vor allem im Kampf gegen die matallari und „böse Süditaliener“ thematisieren. Unter den Bildern werden die zahlreichen gergo-Ausdrücke im Text erklärt. Weiters verbreitet das dizionario del paninaro das Jugendvokbular. Neben il Paninaro behaupten sich seit einigen Jahren die Jugendzeitschriften Preppy und Sfitty vor allem für Mädchen, ohne sich merklich von der Aufmachung des Paninaro zu unterscheiden, und Wild Boys oder Cucador propagieren dasselbe Weltbild einer konsumorientierten Jargon-Schikkeria.[10] Auch Liedtexte (siehe hierzu auch Kapitel 7) tragen dazu bei, den jugend- bzw. sondersprachlichen Wortschatz zu verbreiten.

[...]


[1] vgl. Ingler, Yvonne (1998): „ Jugendsprache “,

http//www.linse.uni-essen.de/linse/esel/arbeiten/jugendsprache.html, Abruf: 02.02.2005

[2] vgl. Androutsopoulos, Jannis K./Scholz Arno (1998): Jugendsprache. Langue des jeunes. Youth language. Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main, S. 233 (Androutsopoulos/Scholz 1998)

[3] vgl. Baumann, Petra (2001): Das Cheli heute: Untersuchungen zur Jugendsprache in Madrid. Wien, S. 7 (Baumann 2001)

[4] vgl. Radtke 1990, S. 128-131

[5] Radtke, Edgar: “Substandardsprachliche Entwicklungstendenzen im Sprachverhalten von Jugendlichen im heutigen Italien”, S. 129-171, in Holtus G., Radtke E. (1990): Sprachlicher Substandard III, Standard, Substandard und Varietätenlinuistik, Max Niemeyer Verlag, Tübingen, S. 132-133 (Radtke 1990)

[6] vgl. Radtke1990, S. 144

[7] vgl. Radtke 1990 S. 158-159

[8] Schlobinski, Peter (2002): Jugendsprache und Jugendkultur. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Bd. 5/2002. http://www.bpb.de/publikationen/NE0MPT,5,0,Jugendsprache_und_Jugendkultur.html Abruf: 8.11.2004

[9] I paninari sind ursprünglich die Besucher der inzwischen geschlossenen Bar an der Piazza Liberty in Mailand gewesen. Sie zeichnen sich durch sportliche Kleidung luxuriöser Marken aus und sind 14 – 17 Jahre alt.

[10] vgl. Radtke 1990, S. 141-142

Details

Seiten
22
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638472630
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v51242
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
2,5
Schlagworte
Italienische Jugendsprache

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