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Transnationale Handelsgemeinschaft in Guangzhou. Verflechtung der sino-afrikanischen Handels- und Migrationsströme in der "Chocolate City“

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 15 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung
1.1 Konzept des „Afrikaners“
1.2 Transmigration
1.3. Konzept des Kulturbrokers

2 Afrikanische Präsenz in China
2.1 Guangzhou´s transnationale Handelsgemeinschaft
2.2 Xiaobei
2.3 Händler und Verkäufer
2.3 Logistik-Agenten

3 Resümee und Ausblick

4 Literatur

1 Einführung

Es gibt wohl kaum ein Phänomen, welches die gegenwärtige Welt tiefgreifender verändert und prägt als das, der Migration. Menschen sind zunehmend transnational, also über Ländergrenzen hinweg mobil und haben vielfältige Erwartungen, Vorstellungen und Informationen von Regionen, die jenseits ihres eigenen kulturellen Erfahrungshorizonts liegen. Zeitgleich werden immer mehr Produkte und Dienstleistungen an den unterschiedlichsten Orten der Welt produziert, vermarktet und gehandelt. Die Welt wird so zunehmend zu einem kleinen Ort, einem globalen Dorf, in der Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen lernen müssen miteinander zu leben (Bodomo 2012: xxiii). So zeigt sich dieses Phänomen auch in der stärker werdenden wirtschaftlichen und politischen Kooperation die China und Afrika verbindet.

Geschätzte zwei Millionen Chinesen leben heute in Afrika. Sie treiben Handel, exportieren Rohstoffe und unterstützen die Infrastruktur mit großen Bauprojekten. Dass dieser Prozess auf Gegenseitigkeit beruht, zeigt sich an der steigenden Zahl von Afrikanern in China sowie die vermehrte Entstehung afrikanischer Händlercluster vor Ort. Diese Händler haben dabei einen oft verkannten essentiellen ökonomischen Einfluss auf ihre Heimat- sowie Nachbarländer, indem sie sie mit den Gütern der Globalisierung versorgen (Matthews 2015:119). Die zahlreiche Ankunft der Händler aus beinahe allen Teilen Afrikas begann verstärkt Ende der 1990er Jahre. Die meisten Afrikaner in China sind ökonomische Migranten unterschiedlicher Gruppen. Die Zahlen der afrikanischen Migranten variieren aufgrund fehlender amtlicher Zählungen, doch die geschätzten halben Millionen Afrikaner werden meist durch die Aussicht auf Handel oder die Hoffnung auf eine Hochschulausbildung in die chinesischen Metropolen getrieben. Die Größte Gruppe der Migranten bilden die 300.000 bis 400.000 Händler, die auf den Märkten der Städte arbeiten. Von diesen Menschen leben rund 100.000 in der Metropole Guangzhou (Bodomo 2012: 11 ff.).

Der Kern dieser Arbeit ist die Analyse der afrikanischen Migration nach China mit speziellem Fokus auf die vielfältigen afrikanischen Transmigranten Guangzhous. Wie der Handel und die Migration in Verbindung stehen soll, anhand Adams Bodomos „Brückenthese“ untersucht werden. Sie besagt, dass Einwanderungsgemeinschaften wie diese als linguistische, kulturelle und wirtschaftliche Brücke zwischen ihren Ursprungs- und Gastgemeinschaften fungieren. Die afrikanischen Gemeinden in China sollen demnach helfen, eine wichtige Brücke der Kultivierung einer gegenseitigen, sozioökonomischen Integration zu formen (Bodomo 2012: 18). Es wird analysiert, ob und in wie fern afrikanische Handelsgemeinden als Bindeglied des sino-afrikanischen Verhältnisses gesehen werden können und wer dieser besonderen Rolle, als Vermittler zwischen den Kulturen gerecht werden kann. Das Konzept des "Kulturbrokers" wird Gegenstand näherer Betrachtung wobei aufgezeigt werden soll, warum kulturellen Mittlerpersönlichkeiten eine essentielle Rolle zukommen. Im Zuge dieser breitgefächerten Kontextualisierung soll der Fokus der Untersuchung auf die Verflechtung von Migration und Handel mit seinen vielfältigen Akteuren und ethnischen Netzwerken gesetzt werden. Wie ich später aufzuzeigen versuche, finden sich gerade im Kontext der Globalisierung und ihrer Konsequenzen Phänomene, die deutlich darauf hinweisen, dass neue Kommunikations- und Transporttechnologien die Voraussetzungen, Formen und Folgewirkungen transnationaler Migration nachhaltig prägen.

Angesichts der überaus komplexen, transdisziplinären Struktur des Themenfelds und des begrenzten Forschungsrahmens erhebt diese Arbeit keinerlei Anspruch auf eine umfassende Behandlung relevanter Aspekte. Sie stellt jedoch einen Versuch dar, essentielle Strukturen im Diskurs aufzuzeigen und neue Sicht- und Herangehensweisen zu ermöglichen.

1.1 Konzept des „Afrikaners“

Der Term des „Afrikaners“ wird beinahe inflationär in aktuellen Diskursen verwendet, doch scheint es verschiedene Dimensionen des Konzepts des „Afrikaners“ zu geben. Die simpelste Definition eines „Afrikaners“ ist die einer Person, die vom afrikanischen Kontinent stammt, der die Nationalität eines der 55 Länder Afrikas besitzt (Bodomo 2012: 2). Doch die so oft benutzte Sammelbezeichnung des „Afrikaners“ wird dabei oftmals dem Selbstverständnis der betroffenen Personen nicht gerecht. So verneinen zum Beispiel viele der in China ansässigen Nordafrikaner, ihre afrikanische Identität, da sie sich zum einen dem arabischen Kulturkreis näher verwandt fühlen und zum anderen, weil sie als „Afrikaner“ eventuelle Nachteile in China zu befürchten hätten. Der Term des „Afrikaners“ wird in der vorliegenden Arbeit in erster Linie für Personen benutzt, die sich selbst als Afrikaner bezeichnen, Bürger eines afrikanischen Landes oder afrikanischer Abstammung sind (Bodomo 2012: 3). Die afrikanische Gemeinde beschreibt in diesem Fall die gegenseitigen Interaktionen und das „networking“ in regionalen, nationalen, religiösen und linguistischen Gruppierungen. Der Term der afrikanischen Exilgemeinde wird als Gruppe von Afrikanern in China verstanden, welche konstant in formalen und informalen Gruppen miteinander kommunizieren und interagieren (Bodomo 2012: 5).

1.2 Transmigration

Während der letzten zwei Dekaden des 20ten Jahrhunderts wurden durch die revolutionären Entwicklungen des Kommunikations- und Transportwesens in Kombination mit dem Wandel von politischen Ideologien wie der Dekolonisation und der Erklärung der Menschenrechten, eine neue „grenzenlose“ Ära eingeleitet (Li 2008: 3). Handel fördert die Migration, weil sie Dank der Freiheit der Information auch Menschen in weit entfernten Teilen der Welt zeigen, wie der Lebensstandard in den Industrieländern aussieht und dazu animiert selbst nach einem höheren Lebensstandart zu streben. Durch Migration wird die Globalisierung weiter gefördert, weil sie Fremde zu Nachbarn und Arbeitskollegen macht. Die Neuankömmlinge haben, bedingt durch ihre Herkunft, Religion oder Abstammung Bedürfnisse, die sich von denen der Einheimischen deutlich unterscheiden. Das schafft Nachfrage nach neuen Produkten, die wiederum den internationalen Handel und kulturellen Austausch stimuliert. Im Zentrum der klassischen Migrationsforschung steht die Untersuchung der Prozesse der schrittweisen Integration, Akkulturation und Assimilation der Migranten an ihre Aufnahmegesellschaft. Dabei wird von einem einseitigen Migrationsstrom vom Sende- zum Empfängerland ausgegangen. Das Bild des klassischen Migranten wurde schrittweise um weiter Migrationstypen erweitert. Beispielsweise mit dem Diaspora Begriff, der Migranten umfasst, die aus ihrer Heimat vertrieben, die Kultur, Identität zu ihrem Heimatland beibehalten und oftmals sozial isoliert von der Aufnahmegesellschaft leben. Oder um den temporären Migranten, der einige Zeit in ein Land immigriert und dort sein Glück versucht, aber in sein Heimatland zurückkehrt, wenn er ausreichend verdient hat, oder aber in der Fremde gescheitert ist (Han 2005: 149 ff.).

Die Transmigration hingegen ist ein relativ neues Phänomen und erst seit den 1970er Jahren zu beobachten. Sie ist eng verwoben mit anderen Mechanismen der Globalisierung. Möglich gemacht wurde dies neben einer wirtschaftlichen Liberalisierung durch die rasanten Entwicklungen im Transport- und Kommunikationssektor. So können Migranten, beispielsweise durch Heimatbesuche und die Kommunikation über soziale Medien mit den Freunden und der Familie in Kontakt bleiben und so die Grundlagen für transnationale soziale Netzwerke schaffen. In den 1990er Jahren griff die Soziologie dieses Phänomen erstmals auf und fand dafür den Term der „Transmigration“. Transmigranten wurden definiert als:

„Immigranten, die solche sozialen Felder erschließen, die die nationalstaatlichen Grenzen umspannen und dadurch mehrfache Beziehungen familiärer, wirtschaftlicher, sozialer, religiöser, politischer und organisatorischer Art entwickeln und aufrechterhalten.“ (Han 2005: 70)

So unterscheiden sich Transmigranten in ihren Motiven und Lebenssituationen teilweise deutlich voneinander, doch vereint sie alle das ,,zwischen den Gesellschaften stehen“, ihre Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Transmigranten haben zwischen Herkunfts- und Gastgesellschaft Netzwerke, Aktivitäten, Lebensmuster und Ideologien entwickelt, die beide Gesellschaften miteinander verbinden. Sie sind durch mehrere Gesellschaften geprägt und und nehmen im Idealfall am politischen, kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Leben beider Gesellschaften teil. Oftmals wird aber der soziale Charakter der Migration außer Acht gelassen. Migration ist in den seltensten Fallen die isolierte Entscheidung eines Individuums, sondern ist häufig von den Kontakten, welche das Individuum zu Personen im Aufnahmeland, meist Menschen, die die Migration schon hinter sich haben, beeinflusst. Oftmals ist die Migration auch keine Einzelmigration, sondern stellt vielmehr die gemeinsame Migration von ganzen Gruppen dar. Die Migration ist eingebettet in ein soziales Netzwerk, welches sowohl bereits migrierte Personen im Aufnahmeland, als auch potentielle Nachzügler im Herkunftsland umfasst (Han 2005: 60).

1.3. Konzept des Kulturbrokers

Da es für das Zusammentreffen und Zusammenleben verschiedener ethnischer Gruppen und Kulturen keine verbindlichen Verhaltensregeln zur Verständigung geben kann, sind Kulturbroker von immer größerer Bedeutung für ein friedliches und von gegenseitiger Akzeptanz gekennzeichnetes Zusammenleben. Abgesehen von der rein sprachlichen Verständigung können unterschiedliche Traditionen, Verhaltensweisen und Wertvorstellungen zu Missverständnissen im interkulturellen Austausch führen. Es wird definiert als „the act of bridging, linking, or mediating between groups or persons of differing cultural background for the pupose of reducing conflict or producing change.“ (Jezewski 2001: 21). Aufgabe der Kulturbroker ist es, einander die unterschiedlichen Verhaltensweisen näher zu bringen und zwischen den Parteien zu vermitteln. Sie bemühen sich um eine Annäherung zwischen verschiedenen aufeinander treffenden Kulturen.

2 Afrikanische Präsenz in China

Ähnlich wie die chinesische Präsenz in Afrika, ist die afrikanische Präsenz in China ein auffallendes Phänomen. Als Teil der goldenen Ära der chinesisch-afrikanischen Beziehungen gingen viele Händler nach China, auf der Suche nach günstig produzierten Gütern zum Kauf und Wiederverkauf in ihrer Heimat. Der Prozess begann mit den afrikanischen Studenten, die entschlossen unabhängig ihrem Studium ihr weiteres ökonomisches Glück in China versuchen. Viele der afrikanischen Händler kamen im Zuge der asiatischen Finanzkrise 1997 aus vielen der umliegenden Südostasiatischen Ländern nach China, da dort die Krise weniger spürbar war und führten ihre Geschäfte dort kurzerhand fort. Es gibt unter Ihnen Händler, die nur eine sehr kurze Zeit in China sind und die, die permanent dort leben (Bodomo 2012: 10). Speziell in chinesischen Städten der Ostküste haben sich beachtliche afrikanische Gemeinden seit 1997 entwickelt. Chinesische Reaktionen auf diese Entwicklungen sind vielfältig und variieren zwischen Toleranz und Entgegenkommen bis hin zu negativen Meinungen, einschließlich xenophobischer Reaktionen (Bodomo 2012: 11).

Neben den sechs Hauptstädten afrikanischer Exilgemeinden wie Hongkong, Macau, Guangzhou, Yiwu, Shanghai und Bejing gibt es zudem auch eine Vielzahl an kleinen Netzwerken in beinahe allen ländlichen Städten Chinas. Diese Afrikaner sind dort meist als Englisch Lehrer, Einzelhändler, Athleten, Studenten und Künstler, aller Kategorien, inklusive Musiker tätig (Bodomo 2012: XXV).

Guangzhou beherbergt besonders viele Westafrikaner, in Yiwu leben besonders viele Menschen aus dem Maghreb, in Hongkong viele weiße Südafrikaner und in Macau, als ehemalige portugiesische Kolonie, besonders viele Afrikaner aus ehemaligen portugiesischen Kolonien Afrikas, wie Mozambik und Angola (Bodomo 2012: 12). Es gibt etwa 300.000 bis 400.000 Händler, 30.000 bis 40.000 Studenten, 4.000 bis 5.000 „Professionals“ wie Lehrer, Professoren, Sportler, Diplomaten und Beamte sowie jährlich 10.000 bis 100.000 Touristen. Auch temporäre Geschäftsreisende aus Afrika gehören mit 10.000 bis 20.000 zu dieser Gruppe.

2.1 Guangzhou´s transnationale Handelsgemeinschaft

Guangzhou liegt im Südwesten Chinas und ist die Hauptstadt der Guangdong Provinz am Zentrum des Perl Flusses. Als bedeutender Industrie- und Handelsstandort trägt Guangzhou seit vielen Jahrzehnten den Beinamen „the world´s factory“. Guangzhou ist die größte Stadt im Perlfluss Delta.

Doch schon viele Jahrhunderte davor war Guangzhou Ausgangspunkt des chinesischem Handels mit dem Orient und Indien, durch die so genannte Seidenstraße auf dem Meer. Als Ausgangspunkt der maritimen Seidenstraße ist Guangzhou seit jeher einer der wichtigsten Außenhandelsstätten Chinas in den letzten 2000 Jahren. Zum Beispiel hat der berühmte Vertragshafen Shinsang aus der Zeit gegen Ende der Ming Dynastie Guangzhou zur einzigen Stadt für Chinas Exportgeschäfte gemacht. Nach der Gründung der Volksrepublik China wurde Guangzhou zur führenden Stadt hinsichtlich der Öffnung und Absorption ausländischer Einflüsse. Dazu kommt die vorteilhafte geographische Position in der Nähe von Hongkong und Macao, sowie die Lage im Zentrum des Pearl Fluss Deltas – der Werkbank der Welt. Guangzhou ist durchdrungen von Unternehmen aus Übersee und wird von Ausländern als erster Halt auf dem Weg zu chinesischen Geschäftsfeldern gewählt. Seit 1957 findet zwei mal im Jahr, einmal im Frühling und einmal im Herbst, die CEFC (Chinese Export Commodities Fair – Chinesische Exportwarenmesse) in Guangzhou statt, welche zahlreiche ausländische Geschäftsleute anlockt.(Li 2008: 5).

Die 1978 durchgeführten Sozial Reformen führten zur Gründung der „special economic zones“, die den internationalen Charakter und das exportorientierte Handeln der Stadt begünstigten. Heute ist sie die drittgrößte Stadt der Region und Heimat der größten afrikanischen Gemeinde in China. Das Verhältnis zwischen Herkunfts- und Aufnahmeland wird hier durch die Herausbildung von transnationalen Sozialräumen gestaltet. Das heutige bunte Stadtbild spricht für die Entwicklung, die Guangzhou durchlebt hat. Eine Mischung aus Leuchtreklamen, Verkaufsständen, Läden und Menschen vielerlei ethnischer Hintergründe. Die Ankunft, der zahlreichen Händler aus beinahe allen Teilen Afrikas begann verstärkt zur Jahrtausendwende. Aufgrund der zahlreichen afrikanischen Migranten wird die Stadt von den Einheimischen auch oft „Chocolate City“ genannt. Es gibt heute eine lebendige, afrikanische Gemeinschaft mit einer eigenen Tanz- und Musikszene. Es haben sich besondere Zentren der afrikanischen Migration in Guangzhou herausgebildet, wie in der Guangyuan West Road und der Xiaobei Road, die nahe den Handelszentren liegen.

Es hat sich ein florierendes international agierendes Handelsnetzwerk mit den in der Diaspora lebenden Afrikanern entwickelt. Die sozioökonomische Beteiligung dieser Migranten hat Einfluss auf die Schaffung neuer Arbeitsplätze, die Übernahme einer „Mentoren“ Funktion gegenüber afrikanischen Neuankömmlinge und ungelernten Hilfskräften oder simpel als „Image“ Vertreter für Afrika. Aber hauptsächlich arbeiten die Migranten als Händler, im Export von Gütern ins Ausland, Logistik, Geldtransfer, Versorgung mit afrikanischer Speisen und als Mittelsmänner. Im täglichen Geschäftsleben hat sich zwischen Afrikanern und Chinesen eine weitgehend nonverbale Kommunikation eingespielt, die Bodomo als „Calculator Communication“ bezeichnet. Taschenrechner, Gesten, Körpersprache und wenige chinesische bzw. englische oder französische Ausdrücke genügen, um miteinander Handel zu treiben. Auf den Märkten werden außerdem zunehmend afrikanische Sprachen wie Igbo, Bambara, Swahili gesprochen.

Die Wichtigkeit des Ortes wird angesichts Guangzhous unternehmerischen Traditionen, religiösen Geschichte und offenen ökonomischen Klimas, deutlich. Ähnlich anderer Fälle von „Globalisierung von unten“ zeigt die Entwicklung dieses transnationalen, gesellschaftlichen Bereichs in China die bunte Dynamik der Globalisierung (Li 2008: 11).

2.2 Xiaobei

An keinem anderem Ort in Guangzhou gibt es eine solche ethnische Vielfalt wie auf den wenigen Quadratkilometern im Zentrum. Die Gruppe setzt sich aus Reisenden, Geschäftsmännern, Studenten, legal in China ansässigen und den illegalen Migranten zusammen. Die transnationalen Migranten des Viertels Xiaobei stammen vornehmlich aus Westafrika und verfolgen als Händler und Geschäftsmänner den Import und Export von Waren und Gütern wie Kleidung, Schuhen und elektronischen Geräte. Als eine Konsequenz wird Xiaobei zunehmend eine typische Enklave sozial-ökonomisch vielfältiger Bewohner. Da Xiaobei am Rande der Innenstadt liegt, waren die Mieten hier anfangs niedriger als in der Stadtmitte. Dazu kam ein hoher Anteil an leerstehenden Wohnungen, was zu der Ansammlung von transnationalen Händlern führte. Ab 1998 mieteten jedoch immer mehr afrikanische Geschäftsmänner in der Gegend Appartements, bis die Gemeinde afrikanischer Mieter im Tianxu Building immer auffälliger wurde und ethnische Enklave sich in Form der Ansammlung von schwarzafrikanischen Händlern in Hochhauswohnungen niederschlug (Li 2008: 13).

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Details

Seiten
15
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783346106780
ISBN (Buch)
9783346106797
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Ethnologie
Erscheinungsdatum
2020 (Januar)
Note
1,3
Schlagworte
Afrika China Handel Migration

Autor

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Titel: Transnationale Handelsgemeinschaft in Guangzhou. Verflechtung der sino-afrikanischen Handels- und Migrationsströme in der "Chocolate City“