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Inklusion in der Primarschule. Kann im deutschen Schulsystem auf Förderschulen im Primarbereich verzichtet werden?

Hausarbeit 2018 13 Seiten

Pädagogik - Inklusion

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Abstract

2 Einleitung

3 Begriffsannäherung
3.1 Integration
3.2 Inklusiver Unterricht
3.3 Primarstufe

4 Inklusion in der Primarschule
4.1 Zahlen, Daten, Fakten zur Inklusion in der Primarschule
4.2 Entwicklung von Inklusion in der Primarschule in Deutschland
4.3 Probleme und Folgen von Inklusion in der Primarschule
4.4 Vor- und Nachteile von Förderschulen trotz Inklusion in der Primarschule

5 Unterstützungsmöglichkeiten zur Verbesserung von Inklusion in der Primarschule

6 Diskussionsteil

I. Literaturverzeichnis

1. Abstract

Diese Hausarbeit befasst sich mit dem Thema „Inklusion in der Primarschule“, die Rolle der Förderschulen im deutschen Primarschulsystem und was dies für die Profession der Sozialen Arbeit bedeutet. Die wichtigsten Begriffe zum Thema werden kurz definiert, die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten zur Inklusion in der Primarschule erläutert und es wird Bezug auf die historische Entwicklung in Deutschland genommen. Es wird zudem auf mögliche Probleme und Folgen von Inklusion in der Primarschule eingegangen. Die Vor- und Nachteile von Förderschulen trotz inklusivem Schulsystem werden in kurzem Umfang beleuchtet. Im Hauptteil werden die Meinungen unterschiedlicher Wissenschaftler dargestellt, mit dem Ziel die Fragestellung „Kann im deutschen Schulsystem auf Förderschulen im Primarbereich verzichtet werden?“ im anschließenden Diskussionsteil zu beantworten, da die Bedeutung von Förderschulen im inklusiven Primarschulsystem häufig diskutiert wird und in vielen Fällen als Widerspruch gegen den Inklusionsgedanken verstanden wird. Durch die Literaturrecherche und Gegenüberstellung verschiedener Wissenschaftler ist das abschließende Ergebnis dieser Hausarbeit, dass Förderschulen nicht dem Inklusionsgedanken widersprechen, sondern diesen unterstützen können.

2 Einleitung

Im folgenden Text wird die Thematik der Inklusion in der Primarschule erläutert und sich konkret mit der Fragestellung „ Kann im deutschen Schulsystem auf Förderschulen im Primarbereich verzichtet werden?“ befasst. Diese Frage wurde in der Vergangenheit schon mehrfach aufgeworfen und von unterschiedlichen Professionen diskutiert. Meinungen waren unter anderem, dass das System der Förderschulen komplett der Idee der Inklusion widerspreche und Inklusion andererseits ohne Förderschulen gar nicht möglich wäre. Diese Hausarbeit soll sich diesen Meinungen annehmen und die Fragestellung beantworten. Mit der Begriffsannäherung wird in die Thematik eingeführt, es werden die Begrifflichkeiten Integration, inklusiver Unterricht und Primarstufe, mit Hilfe drei verschiedener Wissenschaftler, kurz erläutert. Im Hauptteil der Hausarbeit wird, mit dem Ziel einen Überblick über die Thematik zu bekommen, unter anderem die Entwicklung der Inklusion in der Primarschule in Deutschland und im europäischen Vergleich sowie die aktuelle Situation mit Zahlen, Daten und Fakten beleuchtet. Außerdem wird auf die Probleme und Folgen von Inklusion in der Primarschule sowie Vor- und Nachteile von Förderschulen trotz Inklusion eingegangen. Diese werden durch die unterschiedlichen Meinungen und Erkenntnisse von verschiedenen Wissenschaftlern erläutert und gegenübergestellt. In einem weiteren Kapitel wird sich mit gesammelten Unterstützungsmöglichkeiten und -ideen von Wissenschaftlern zur Verbesserung von Inklusion in der Primarschule beschäftigt und welche Rollen unter anderem die Förderschulen und die Soziale Arbeit bei dieser Verbesserung spielen könnten. Im anschließenden Diskussionsteil werden die verschiedenen vorher genannten Meinungen und Erkenntnisse der Wissenschaftler zusammengefasst. Außerdem wird die Fragestellung, ob im deutschen Schulsystem auf Förderschulen im Primarbereich verzichtet werden kann, beantwortet und meine eigene Meinung hierzu dargelegt.

3 Begriffsannäherung

3.1 Integration

Integration ist eine auf das Individuum bezogene Maßnahme, Kinder und Jugendliche in ein vorhandenes Bildungssystem einzubinden, ohne das eigentliche System zu verändern (Heimlich, 2016).

3.2 Inklusi ver Unterricht

Inklusion ersetzte den Begriff „Integration“. Laut Hans Wocken (2015) besagt die Definition des „Inklusiven Unterrichts“, „dass alle Kinder einer unausgelesenen und ungeteilten Lerngruppe sich allgemeine Bildung nach individuellen Vermögen und nach individuellen Bedürfnissen in vielfältigen Lernprozessen mit gemeinsamen und differentiellen Lernsituationen unter Nutzung förderlicher Ressourcen ohne behindernde Lernbarrieren und ohne diskriminierende exkludierende Praxen sowie mit entwicklungsorientierter Lernevaluation aneignen können, und zwar mit aktiver Unterstützung von kooperierenden Pädagogen und sozialen Netzwerken.“

3.3 Primarstufe

„Als Primarstufe wird die erste Stufe im deutschen Schulsystem bezeichnet. Sie umfasst zumeist die Klassen 1-4,…“ (Dorrance, 2016, S.273)

4 Inklusion in der Primar schule

4.1 Zahlen, Daten, Fakten zur Inklusion in der Primarschule

Verschiedene Wissenschaftler haben Daten zusammengetragen um einen Überblick über die aktuelle Situation von Inklusion in der Primarschule, innerhalb Deutschlands und Europas, zu schaffen. Anneka Beck (2014) kam zum Beispiel zu dem Ergebnis, dass immer noch 70% der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, trotz Inklusion in Deutschland, eine Förderschule besuchen. Zudem, erörtert Beck, habe Deutschland im innereuropäischen Vergleich eine auffallend hohe Förderschulbesuchsquote mit 4,3%, welche nur von Belgien mit 5,5% und 4,8% übertroffen würde. Als Vorbilder in der inklusiven Beschulung würden vor allem die skandinavischen Länder gesehen, an der Spitze Finnland, allerdings selbst mit einer Förderbeschulungsquote von 3,8%, schreibt der Wissenschaftler Bernd Ahrbeck in seinem Buch „Inklusion, eine Kritik“ (2016). Im Vergleich habe Schweden nur recht wenig Förderschulen, jedoch viele Sonderklassen, welche sich seit 1990 verdoppelt haben sollen und auch zukünftig nicht in Frage gestellt würden. In Bezug auf Deutschland kann auch noch hervorgehoben werden, dass das inklusive Lernen stark zwischen den einzelnen Förderschwerpunkten variiert. „Der Bereich emotionale und soziale Entwicklung arbeitet mit 43,2% am stärksten inklusiv, gefolgt von den Bereichen Sprache (34,6%), Hören (33,6 %) und Sehen (33,2%). Erst danach folgen die Bereiche Lernen (26,8%) sowie körperliche und motorische Entwicklung (24,3%). In den drei verbleibenden Bereichen Geistige Entwicklung (5,4%), Förderschwerpunktübergreifende Gruppierung ohne Zuordnung (4,2%) und Kranke (5,1 %) hat inklusiver Unterricht praktisch keinerlei Bedeutung“ (Klemm 2013, S.12). Somit scheint Inklusive Bildung nicht für alle Kinder gleich zugänglich zu sein. Durch die erhobenen Zahlen, Daten und Fakten wird deutlich wie unterschiedlich stark Inklusive Bildung innerhalb Europas vertreten ist und wie viel Deutschland im Vergleich zu den anderen Ländern noch aufholen kann.

4.2 Entwicklung von Inklusion in der Primarschule in Deutschland

1809-1810 legte Wilhelm von Humboldt, als preußischer Bildungsminister, den Grundstein für ein egalitäres Schulsystem. Darauf aufbauend begann schulische Inklusion 1870 damit, blinden und gehörlosen Schülern vermehrt den Schulbesuch zu ermöglichen. Das Ziel war „ein Elementarschulwesen zu schaffen, das auch den sinnesbehinderten Kindern zugänglich sein sollte, das durch Kombination von Spezial- und Volksschulen frühzeitige und behindertengerechte Bildung vermitteln, durch ein Höchstmaß an Gemeinsamkeit (…) soziales Lernen befördern und Exklusion verhindern sollte (…)“ (Ellger-Rüttgardt, 2016 S.19). Dieses Vorhaben scheiterte jedoch, nach Ellger-Rüttgardt, an fehlenden „ideellen und materiellen Vorrausetzungen“ und die Folge war eine einheitliche Forderung nach „besonderen Schulen“, als Vorbild galt Dänemark. Dies galt jedoch nur für sinnesbeeinträchtigte und nicht für geistig behinderte Kinder, ihnen war der Schulbesuch weiterhin nicht zugänglich. Ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurden immer mehr Hilfsschulen für die Kinder mit Lernproblemen errichtet, welche viele jedoch weniger als pädagogischen Fortschritt, sondern eher als eine Fehlentwicklung bewerteten (Eller-Rüttgardt, 2013). Diese wurden jedoch auch in der Weimarer Republik weiter ausgebaut. Während in der Zeit des dritten Reiches die meisten Sonderschulen einen Abbau erlebten und geistig behinderte Kinder der Schule verwiesen wurden, wurde in der Nachkriegszeit das alte Sonderschulwesen wiederaufgebaut. Ab 1960 erst hatten auch Kinder mit einer geistigen Behinderung in Westdeutschland die Chance für sie eingerichtete Schulen zu besuchen (Preuss-Lausitz, 2013). Ein flächendeckendes System von acht bis zehn behinderungshomogenen Sonderschularten wurde dann in den 1990er Jahren gebildet, dieses System bildet bis heute die Grundlage der meisten Förderschulsysteme. Die meisten dieser Förderschularten gliedern sich in Schulen für Lernen, Sprache, emotionale und soziale Entwicklung, körperliche und motorische Entwicklung, Hören, Sehen und Kranke (BRK-Allianz, 2013). Diese Trennungen abzuschaffen wird schon seit 30 Jahren durch unterschiedliche Anstrengungen versucht, um integrative Settings einzurichten (Beck, 2014). Seit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention (2008), in der es um gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft, die Inklusion, geht, streben die Bundesländer viele Veränderungen im Schulsystem an. Der Besuch einer Förderschule ist nun begründungspflichtig und eher die Ausnahme als die Regel.

4.3 Probleme und Folgen von Inklusion in der Primarschule

Die gesetzlichen Änderungen, die die Bundesländer seit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention im Schulrecht anstreben, werden mit unterschiedlicher Geschwindigkeit durchgesetzt und dies führt zu viel Unsicherheit über die Umsetzbarkeit der inklusiven Settings (Beck, 2014). Somit wurde durch unterschiedliche und wage Ressourcen- und Zeitrichtlinien immer noch kein einheitliches Vorgehen für die ganze Bundesrepublik realisiert. Obwohl mittlerweile alle Bundesländer in ihren Schulgesetzten „den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Schülerinnen und Schülern als eine, häufig präferierte, Möglichkeit der Beschulung“ (BMAS, 2011:47) festgehalten haben, bedeutet gemeinsamer Unterricht nicht zwangsläufig auch inklusive Schule. Anneka Beck (2014) ist der Meinung Kinder mit Behinderungen würden viel zu häufig außerhalb der Klasse in Kleingruppen oder alleine unterrichtet. Die Folge ist laut Beck (2014), dass so zwar ein integratives Lernen innerhalb der Schule stattfindet, aber kein einheitliches inklusives Setting mit individuellen Förder- und Entwicklungsplänen für Kinder einer Klasse vorhanden ist. Diese Trennung innerhalb der Klasse entsteht häufig durch zu viele Schüler pro Klasse, so können nicht alle gleich stark unterstützt werden. Durch den niedrigen Inklusionsanteil in Grundschulen müssen Kinder mit Förderbedarf zudem die Erfahrung machen bei der Einschulung zu einer Minderheit zu gehören (Klemm, 2013). Durch diese Faktoren kann eine Ausgrenzung der Kinder mit Förderbedarf innerhalb der Klasse stattfinden, denn die formale Zugehörigkeit garantiert nicht, dass ein Schüler in die Gruppe integriert wird und wenn diese Integrationsleistung in die Klasse nicht gelingt, wird laut Bernd Ahrbeck (2016) eines der Hauptziele der Inklusion verfehlt. So erleben besonders häufig Kinder mit schweren Verhaltensstörungen in Regelschulen Ausgrenzung oder sogar Mobbing, da sich die Kinder ohne Förderbedarf durch die Verhaltensauffälligkeiten belastet fühlen (Goetze, 1990; von Freyberg & Wolff, 2005/2006; Stein, 2012). Für Kinder und auch Lehrende können so psychische Lasten entstehen die mehr als zumutbar sind (Ahrbeck, 2016). Der Ressourcenmangel führt dazu, dass diese Problematiken schwer zu beheben sind. Es fehlt an Fachpersonal und auch an materiellen Ressourcen, aus diesem Grund bekommen die Kinder mit Förderbedarf oft nicht die Förderung, die sie bräuchten.

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Details

Seiten
13
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346099150
ISBN (Buch)
9783346099167
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v514774
Institution / Hochschule
Medical School Hamburg
Note
1,7
Schlagworte
inklusion primarschule kann schulsystem förderschulen primarbereich

Autor

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Titel: Inklusion in der Primarschule. Kann im deutschen Schulsystem auf Förderschulen im Primarbereich verzichtet werden?