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Die Eurozone als Beispiel für optimale Währungsräume

Seminararbeit 2019 19 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Theorie der optimalen Währungsräume
2.1 Wirtschaftliche Kriterien
2.2 Politische Kriterien

3. Analyse der Eurozone
3.1 Wirtschaftliche Kriterien
3.2 Politische Kriterien

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Nach dem ersten Weltkrieg gab es schon erste Aufrufe bezüglich einer politischen und wirtschaftlichen Verbindung Europas. Die Furcht vor einem neuen Krieg, die Angst vor einer schwächelnden Wirtschaft und der Verfall der politischen Macht der europäischen Länder sorgte dafür, dass diese Idee immer mehr Aufmerksamkeit bekam. Schon damals war die Rede von einer gemeinsamen Währung. Konkreter wurde es jedoch erst nach dem zweiten Weltkrieg. Seitdem versuchen die Regierungen der europäischen Länder Europa zu vereinen, was sich aber größtenteils auf wirtschaftliche und monetäre Aspekte bezieht. Nachdem viele Versuche der europäischen Vereinigung gescheitert sind, gibt es seit 1999 den Euro, der aktuell in 19 Staaten in Europa als offizielle Währung aufgeführt wird. (Clemens et al./2008)

In dieser Arbeit soll überprüft werden, ob die Eurozone eine erfolgsversprechende Währungsunion ist. Dabei werden politische sowie wirtschaftliche Aspekte untersucht. Die Analyse bezieht sich auf die Theorie der optimalen Währungsräume, die erstmals 1961 von Robert Mundell entwickelt wurde.

Zunächst wird die Theorie der optimalen Währungsräume genauer erläutert, welche sich aus sechs Kriterien zusammensetzt. Zudem werden Vor- sowie Nachteile eines Währungsraumes gegenübergestellt. Nachdem die theoretischen Grundlagen erklärt wurden, wird überprüft, ob die Eurozone die Kriterien für einen optimalen Währungsraum erfüllt. Zum Schluss wird ein kritisches Fazit gezogen, welches noch einmal die wichtigsten Ergebnisse zusammenfasst.

2. Theorie der optimalen Währungsräume

Die Theorie der optimalen Währungsräume befasst sich mit dem Thema, wann sich gewisse Regionen zu einem gemeinschaftlichen Währungsraum zusammenschließen sollten. Ein Währungsraum zeichnet sich dabei gewöhnlich durch eine gemeinsame Währung aus. Eine andere Möglichkeit ist, verschiedene Währungen des Währungsraumes an ein Festkurswechselsystem zu koppeln. Gegenüber anderen Ländern und Währungsräumen wird mit flexiblen Wechselkursen gehandelt. Außerdem benötigt ein Währungsraum eine Zentralbank, die für die Geld- und Währungspolitik zuständig ist. (Altmann, J./1994/S. 312) Die Ziele eines solchen Währungsraumes sind Vollbeschäftigung, Zahlungsbilanzgleichgewicht und Preisniveaustabilität. (McKinnon, R.I./1963/S. 717)

Optimale Währungsräume bringen dabei einige Vorteile mit sich: Durch eine einheitliche Währung fallen Umtauschkosten weg und die Transaktionskosten sind geringer. Außerdem sind die Preise besser vergleichbar und damit kommt ein verstärkter Wettbewerb unter zum Beispiel Unternehmen. Dies fördert das Wirtschaftswachstum im optimalen Währungsraum. Zudem ist aufgrund einer solidarischen Union mehr Sicherheit für die einzelnen Regionen gegeben.

Währungsräume können aber auch negative Konsequenzen hervorbringen: Wie oben erwähnt, gibt es in einem Währungsraum eine Zentralbank, die die Geld- und Währungspolitik vorgibt, was mit geringerer Macht und Entscheidungsgewalt der einzelnen Staaten einher geht. Ebenfalls entfällt der Wechselkursmechanismus für die einzelnen Regionen. Ferner stellt sich die Frage, ob die Regionen wirtschaftlich, politisch und kulturell zu einander passen.

Die Theorie der optimalen Währungsräume wurde erstmals 1961 von Robert Mundell vorgestellt. Im Laufe der Jahre untersuchten weitere Wissenschaftler die Theorie der optimalen Währungsräume und gaben ihre Kriterien für ein solches Währungsgebiet an. Dabei lassen sich diese Kriterien auf politische und wirtschaftliche Eigenschaften unterscheiden. Im Folgendem werden die Kriterien der Wissenschaftler genauer erläutert.

2.1 Wirtschaftliche Kriterien

Mundell untersuchte in einem Zwei-Regionen-Modell die Konsequenzen und Folgen von asymmetrischen Schocks auf Währungsräume. Seine Annahmen waren dabei, dass Löhne und Preise sich kurzfristig nicht senken lassen, ohne dabei Arbeitslosigkeit und Inflationsdruck zu verursachen. Zudem ging er davon aus, dass vor den asymmetrischen Schocks in den Regionen Vollbeschäftigung und Zahlungsbilanzgleichgewicht herrscht. (Mundell, R./1961/S. 658)

Dieses Gleichgewicht wird aufgrund einer Nachfrageverschiebung von den Gütern der Region B zu den Gütern der Region A beeinträchtigt. Mundell unterscheidet dabei zwischen Währungsgebieten mit nationalen Währungen und Währungsgebieten mit einer gemeinschaftlichen Währung. (Mundell, R./1961/S. 658)

Bei dem Währungsgebiet mit nationalen Währungen, verursacht die Nachfrageverschiebung Arbeitslosigkeit in der Region B und einen Inflationsdruck in der Region A. Die Preise in der Region A steigen an und somit sinkt, durch die terms of trade, ein Teil der Anpassungslast auf die Region B. Wirkt die Region A jedoch mit einer restriktiven Geldpolitik steigenden Preisen entgegen, so trägt die Region B die gesamte Anpassungslast. Das führt dazu, dass die Region B das Realeinkommen heruntersetzen müsste oder die Region A die Preise erhöhen müsste. Geschieht dies nicht, ist ein Rückgang der Produktion und eine Erhöhung der Arbeitslosigkeit in der Region B die Folge. (Mundell, R./1961/S. 658)

Bei dem Währungsgebiet mit einer gemeinschaftlichen Währung, verursacht die Nachfrageverschiebung ebenfalls Arbeitslosigkeit in der Region B und einen inflationären Druck in der Region A. Um der Arbeitslosigkeit in der Region B entgegen zu wirken, erhöht die Zentralbank die Geldmenge. Die erhöhte Geldmenge führt zu einem noch stärkeren Inflationsdruck in der Region A. Die terms of trade wenden sich erneut gegen die Region B, weil die Preise in der Region A steigen. (Mundell, R./1961/S. 658-659)

Der Unterschied zwischen diesen beiden Fällen ist lediglich, dass in dem einen Fall die Zentralbank des Währungsraumes die steigende Inflationsbereitschaft bestimmt und in dem anderen Fall die Zentralbanken der Regionen die Entscheidungsgewalt haben. (Mundell, R./1961/S. 659)

Die Möglichkeit den Wechselkursmechanismus zu benutzen, um die Leistungsbilanzen auszugleichen, scheidet bei einem Währungsraum aufgrund fester Wechselkurse aus.

Um den regionalen Unterschieden entgegen zu wirken, bedarf es nach Mundell eine gewisse Arbeitsmobilität. Arbeitnehmer müssen innerhalb des Währungsraumes mobil sein, um wie in diesem Fall, von der Region B zur Region A zu wandern. Region A hat eine hohe Nachfrage, die sie mit den Arbeitern aus der Region B nachkommen kann. Die Region wird daraufhin weniger von der Arbeitslosigkeit getroffen. (Mundell, R./1961/S. 663-664)

Ein optimaler Währungsraum ist für Mundell, wenn der Währungsraum Arbeitsmobilität garantiert.

McKinnon ist der Auffassung, dass ein optimaler Währungsraum offene Wirtschaften der Regionen voraussetzt. Der Grad der Offenheit einer Wirtschaft lässt sich durch die Relation handelbarer und nicht handelbarer Güter definieren. Handelbare Güter lassen sich exportieren sowie importieren. Nicht handelbare Güter sind nicht transportierbar und lassen sich somit nicht importieren oder exportieren. Ein hoher Offenheitsgrad spiegelt sich nur dann wider, wenn eine Wirtschaft einen hohen Anteil an handelbaren Gütern vorweist. (McKinnon, R.I./1963/S. 717-718) McKinnon sagt, dass größere Regionen einen kleineren Offenheitsgrad besitzen im Vergleich zu kleineren Regionen, die in der Regel durch einen hohen Offenheitsgrad charakterisiert sind. Das impliziert, dass kleinere Regionen, die einen hohen Offenheitsgrad besitzen, wesentlich stärker von flexiblen Wechselkursänderungen getroffen werden als große Regionen. Weiter lässt sich sagen, dass flexible Wechselkursänderungen, Regionen, die viel Handel untereinander betreiben, schaden. (McKinnon, R.I/1963/S. 722) Diese Theorie wurde unter der Annahme getroffen, dass die Preisbildung der handelbaren Güter durch den Weltmarkt bestimmt wird. Das hat zur Folge, dass die terms of trade durch den Wechselkursmechanismus nicht verändert werden können. (McKinnon, R.I./1963/S. 719-720)

Ein optimaler Währungsraum ergibt sich für McKinnon, wenn sich viele kleinere Regionen mit hohem Offenheitsgrad zusammentun und miteinander viel Handel betreiben.

Für Kenen ist der Schlüssel für einen optimalen Währungsraum, eine hohe Produktdiversifikation. Verfügt eine Region über eine hohe Produktdiversifikation, so verfügt diese ebenfalls über eine hohe Exportdiversifikation. Wenn dies der Fall ist, dann ist eine Region bei Außenhandelsstörungen nicht so stark betroffen. Rückgänge in einzelnen Branchen werden durch die hohe Diversifikation der Exportstruktur aufgefangen. Die daraus resultierenden zuverlässigen Exporterlöse tragen dazu bei, dass der Wechselkursmechanismus nicht essenziell ist. Zudem ist Kenen der Ansicht, dass Regionen mit einem oder wenigen Handelspartnern eher für einen Währungsraum geschaffen sind. Außerdem sollen die Produktionsstrukturen der Regionen sich ähneln. (Altmann, J./1994/S. 314)

Eine Region eignet sich für einen optimalen Währungsraum laut Kenen, wenn diese über eine hohe Exportdiversifikation verfügt und somit nicht auf den Wechselkursmechanismus angewiesen ist.

2.2 Politische Kriterien

Das Transfer Kriterium zielt auf die Bereitschaft der Regionen ab, Fiskaltransfers zu tätigen. Angenommen Region A fällt durch einen asymmetrischen Schock in eine Rezessionsphase. Dies führt zu sinkenden Preisen und Löhnen. In der Region B entsteht parallel eine Boomphase, welche sich durch einen steigenden Inflationsdruck charakterisiert. Durch Fiskaltransfers von Region A nach Region B kann beiden Regionen geholfen werden eine stabile Situation zu schaffen. In Region A kann durch Investitionen der Rezession entgegengewirkt werden und in Region B verringert sich daraufhin der Inflationsdruck. (Baldwin, R. & Wyplosz, C./2004/S. 339) Regionen, die die Bereitschaft haben, eine Versicherungsgemeinschaft zu bilden, um asymmetrischen Schocks entgegenzuwirken, bilden einen optimalen Währungsraum. (Mongelli, F.P./2002/S.10)

Das Solidaritätskriterium zielt auf den Zusammenhalt der Regionen, aufgrund einheitlicher Ziele, ab.

Das Kriterium der Homogenität der Präferenzen lässt sich anhand der Literatur schwer definieren, jedoch kann angenommen werden, dass es auf die politische Homogenität der einzelnen Regionen abzielt. Eine identische politische Willensbildung und ähnliche Ansichten zu Entscheidungsprozessen sind die Voraussetzungen für einen optimalen Währungsraum. (Mongelli, F.P./2002/S.10)

3. Analyse der Eurozone

3.1 Wirtschaftliche Kriterien

Die EU garantiert mit Artikel 45 im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union die Freizügigkeit der EU Bürger. Jeder Unionsbürger hat das Recht in einem anderem EU Land Arbeit zu suchen, dort zu wohnen, dort zu arbeiten und dort zu bleiben nach der Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Ferner haben diese ebenfalls das Recht auf Sozialleistungen in demjenigen Land, insofern sie dort zuvor gearbeitet haben. Somit sind rechtliche Voraussetzungen für eine hohe Arbeitsmobilität gegeben. (Ec.Europa) Doch die Arbeitsmobilität ist in der EU geringer als in anderen Währungsunionen, wie die Abbildung 1 zeigt. Die Abbildung zeigt die jährliche grenzüberschreitende Mobilität der kompletten Bevölkerung in den verschiedenen Währungsräumen. Die Eurozone stellt 2010 mit 0,95% grenzüberschreitender Mobilität einen relativ geringen Wert gemessen an den anderen Währungsräumen. Die USA stellt mit 2,4% grenzüberschreitender Mobilität den höchsten Wert. Beachtlich ist zudem das die Eurozone eine höhere Mobilität als die EU besitzt. Geht man nun davon aus, dass diese Mobilität hauptsächlich aus Gründen der Arbeitssuche geschieht, so zeigt dies, dass die EU keine hohe Arbeitsmobilität besitzt, obwohl die rechtlichen Voraussetzungen für die Arbeitsmobilität, ohne großartige Einschränkungen, gegeben sind. Gründe dafür sind hauptsächlich die Sprache sowie die kulturellen Unterschiede zwischen den EU Ländern. In den anderen Währungsräumen sind diese beiden Gründe nicht gegeben, weshalb die Arbeitsmobilität vermutlich höher ist als in der Eurozone.

Betrachtet man die vorliegende Abbildung 2 bezüglich des jährlichen Wanderungssaldos, so muss man das Kriterium der Arbeitsmobilität noch einmal genauer betrachten.

Mit dem Beginn der Eurokrise um das Jahr 2010 gerieten die Südstaaten Portugal, Griechenland und Spanien in eine vergleichsweise schwere Rezession. Durch einen wirtschaftlichen Schock kam es in diesen Ländern zu hohen Arbeitslosenquoten. Die nördlicheren oder Mittelstaaten waren nicht so stark betroffen wie die zuvor genannten, weshalb die Arbeitslosenquoten nicht so stark wie in den Südstaaten angestiegen sind. Anhand der Abbildung lässt sich das Mundell Kriterium der Arbeitsmobilität möglicherweise doch bestätigen. Dieses Kriterium besagt, dass regionale Unterschiede, aufgrund von asymmetrischen Schocks, durch Arbeitsmobilität ausgeglichen werden sollen. (Mundell, R./1961/S. 663-664) Die Wanderbewegungen von den Südstaaten in die nördlicheren Staaten sind deutlich zu sehen. Spanien, Griechenland und Portugal weisen allesamt ein negatives Wanderungssaldo in der Zeit der Rezession auf. Die nördlicheren Staaten hingegen weisen ein positives Wanderungssaldo auf. Dies beweist, dass das Mundell Kriterium durchaus als bestätigt gesehen werden kann, jedoch stellt sich die Frage, ob die Wanderungen stark genug waren, um der Theorie des Mundell Kriteriums zu entsprechen. Dieses muss eher bezweifelt werden, denn bei einem Wanderungssaldo von -32.000 Personen und einer Arbeitslosenquote um die 27%, kann man nicht von einer hohen Abwanderung in Griechenland sprechen. (Urmersbach, B./2019) Ähnliches gilt für die anderen beiden Länder. Problematisch ist zudem für diese Länder, dass hauptsächlich die jungen Facharbeiter die Regionen verlassen, um woanders Arbeit zu suchen. Dies schadet der angeschlagenen Wirtschaft noch stärker.

Dies und die vorherige Betrachtung bezüglich der jährlichen grenzüberschreitenden Mobilität im Vergleich mit anderen Währungsräumen, macht die EU zu einem eher ungeeigneten Währungsraum.

McKinnos Theorie der Offenheit wird innerhalb der EU durch den gemeinsamen Binnenmarkt gefördert. Ein Grundsatz dieses Binnenmarktes ist der freie Warenverkehr unter den EU Staaten. Dieser besagt, dass keine Zölle zwischen den Mitgliedsstaaten erhoben werden dürfen. Dies besagt Artikel 28 des AEUV. In dem Artikel 34 und 35 des AEUV werden zudem Mengenbeschränkungen aufgehoben. Diese Artikel fördern eindeutig den Handel unter den EU Staaten und schaffen somit eine gute rechtliche Grundlage für einen umfangreichen Handel zwischen den EU Staaten, was ein Punkt in McKinnons Kriterium ist.

In der Abbildung 3 ist zu sehen, dass die Mitgliedsstaaten grundsätzlich eher innerhalb der EU handeln. Großbritannien ist mit einer Quote von 50% Extra-EU Handel, das Land das am meisten Handel außerhalb der EU betreibt. Alle anderen EU Staaten handeln mit mehr als 50% des Gesamthandels innerhalb der EU. Grundsätzlich stellt sich aber auch hier wieder die Frage, ob dieser Intra-EU Handel stak genug ist, um das Kriterium zu erfüllen. McKinnon spricht von Volkswirtschaften, die viel Handel mit einander treiben. Prinzipiell kann man dieser Aussage anhand der Abbildung eher zustimmen als sie abzulehnen, da jedes Land außer Großbritannien über 50% Intra-EU Handel betreibt, was durchaus nicht wenig ist. Gerade kleinere Staaten scheinen von dem europäischen Binnenmarkt zu profitieren, da sie viel Handel in der EU betreiben.

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Details

Seiten
19
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346119094
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v514789
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
2,3
Schlagworte
eurozone beispiel währungsräume

Autor

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