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Die erschöpfte Gesellschaft. Human Enhancement als Folge einer chronischen Überforderung

Studienarbeit 2019 29 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG
1.1 PROBLEMSTELLUNG UND ZIELSETZUNG DER ARBEIT
1.2 AUFBAU, METHODE UND RELEVANZ DER ARBEIT

2. GRUNDLAGEN
2.1 DEFINITION VON ANTHROPOLOGIE UND ANTHROPOTECHNIK
2.2 DEFINITION VON HUMAN ENHANCEMENT
2.3 POSITION DES HUMAN ENHANCEMENT

3. DIE EINTEILUNG DES HUMAN ENHANCEMENT
3.1 GENETISCHES HUMAN ENHANCEMENT
3.2 PHYSISCHEN HUMAN ENHANCEMENT
3.3 NEUROLOGISCHES HUMAN ENHANCEMENT
3.4 KRITIK ZU HUMAN ENHANCEMENT

4. DISKUSSION
4.1 GESELLSCHAFTLICHE UND PERSÖNLICHE ANFORDERUNGEN AN DAS INDIVIDUUM
4.2 URSACHEN CHRONISCHER ÜBERFORDERUNG: DIE ERSCHÖPFTE GESELLSCHAFT
4.3 PERSÖNLICHE STELLUNGNAHME

5. FAZIT

6. AUSBLICK

LITERATURVERZEICHNIS

ANHANG

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Abgrenzung von Therapie und Enhancement

1. Einleitung

1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit

“I am I, and I wish I weren't.” Ein Zitat aus Aldous Huxley Werk „Brave New World“. Zu deutsch bedeutet es so viel wie „Ich bin ich, ich wünschte ich wäre nicht ich“. Das Zitat, dass erste Einblick in eine neues Zeitalter des Menschen gibt, in dem der Mensch nicht mehr in seiner natürlichen Form existieren kann, um im globalen Wettbewerb zu über­leben oder mit Aldous Huxley Worten „A love of nature keeps no factories busy.“ Zu Deutsch: Eine Laune der Natur, unterhält keine Fabriken. Als Laune der Natur kann hierbei der Mensch gesehen werden, der in den direkten Vergleich zu den Maschinen gestellt wird, bzw. seine Arbeitsleistung zum Aufrechterhalten einer Produktionsstätte ausreicht. Nachdem Aldous Huxley Werk „A brave new world“ bereits aus dem Jahr 1932 stammt, haben sich seitdem weitere Änderungen im menschlichen Umfeld entwi­ckelt. Neben dem immer noch bestehenden Vergleich zu Maschinen, der sich durch die Technologisierung sogar verstärkt hat, kommt eine stetige Bringschuld des Einzel­nen hinzu, die ihn dazu veranlasst, sein Leben und seinen Fähigkeiten stetig zu ver­bessern und auch sehr flexibel zu sein. Mit der Aussage und dem dazugehörigen Buch und Essay „Du musst dein Leben ändern“ fasst der deutsche Philosoph Peter Sloterdi- jk die Anforderungen an das Individuum zusammen.

Auf Grundlage der Aussage Sloterdijks beschäftigt sich vorliegende Studienarbeit mit der Forschungsfrage: „Die erschöpfte Gesellschaft: Human Enhancement als Folge einer chronischen Überforderung?“. Zur Beantwortung der Forschungsfrage werden u.a. die Begriffe Anthropologie, Anthropotechnik und Human Enhancement definiert. Der Fokus liegt auf der ausführlichen Betrachtung und Bewertung des Human Enhan­cements. Weiter wird versucht die Forschungsfrage anhand von gesellschaftlichen und persönlichen Anforderungen an das Individuum auszuarbeiten. Ziel der Arbeit ist die Beantwortung der Forschungsfrage und das Aufzeigen von zukünftigen Forschungsfel­dern.

Als Hinweis ist hier zu nennen, dass aus Gründen der leichteren Lesbarkeit im vorlie­genden Text die männliche Sprachform bei personenbezogenen Substantiven und Pronomen verwendet wird. Ohne eine Benachteiligung des weiblichen Geschlechts zu implizieren, soll dies lediglich als sprachlichen Vereinfachung als geschlechtsneutral verstehen zu sein. Im nächsten Schritt werden der Aufbau, Methoden sowie die wis­senschaftliche Relevanz der Arbeit dargelegt.

1.2 Aufbau, Methode und Relevanz der Arbeit

Die Arbeit ist in drei Themenfelder gegliedert: Grundlagen, Human Enhancement und Diskussion. Zunächst werden im Abschnitt „Grundlagen“ die Begriffe Anthropologie An- thropotechnik und Human Enhancement definiert und auch verschiedene Positionen zu den Genannten kritisch erläutert. Anschließend wird das Forschungsgebiet des Human Enhancement in seinen drei Strömungen, genetisches, physikalisches sowie neurologisches bzw. Neuro-Enhancement vorgestellt. Es werden dabei Grundlagen, Eigenschaften, Nutzen und Kritik erläutert und zum Teil mit Beispielen versehen. Im Feld des Neuroenhancements wird auch die Bedeutung der Neurowissenschaften auf­gezeigt. Zum Ende des Abschnitts „Human Enhancement“ wird das Gebiet noch kri­tisch betrachtet. Anschließend werden im Teil „Diskussion“ die gesellschaftlichen und persönlichen Anforderungen an das Individuum, sowie die Ursachen der erschöpften Gesellschaft, wie das Streben nach Erfolg oder die Null-Fehler-Toleranz dargestellt. Hierbei wird auch auf die Entstehung der Menschenbilder, wie „Der Mensch als Ma­schine“ oder „Der neue Mensch“ eingegangen. Abschließend wird eine persönliche Stellungnahme der Autorin gegeben.

Im Laufe der Arbeit werden die Themen sowohl wissenschaftlich, als auch literarisch analysiert, da beide Aspekte von dem Themengebiet des Human Enhancements be­einflusst werden, wie auch schon die Beispiele in der Einleitung zeigen.

Die Arbeit mündet mit der Beantwortung der Forschungsfrage und gibt einen Überblick auf weitere Forschungen.

Die Arbeit ist als Theorie- bzw. Literaturarbeit zu klassifizieren. Hierbei ist die Methode der systematischen Suche genutzt worden und mit der Schneeballsuche ergänzt wor­den. Für die systematische Suche sind Schlüsselwörter festgelegt und verwendet wor- den.1 Unter anderem wurden folgende Begriffe zur Suche verwendet: „Anthropotech- nik“, „Anthropologie“, „Human Enhancement“, „Neurowissenschaften“, „die erschöpfte Gesellschaft“. Für die Arbeit sind folgenden Datenbanken genutzt worden: Econbiz, Econstore, ABI/ Inform Collection so- wie die Onlinebibliothek der Hochschule für an­gewandtes Management und der Staats- und Landesbibliothek Sachsen. Hierbei ergab sich der größte Teil der Literatur. Ergänzend wurde die Schneeballsuche angewandt.

Die Literatur entstammt verschiedenen Jahrzehnten, was sich dadurch erklärt, dass viele Grundlagenliteratur schon älter ist. Auch ist englisch- und deutschsprachige Lite­ratur gleichermaßen verwendet worden.

Die Relevanz der Arbeit ergibt sich durch die Auswirkungen des Themas auf ein jedes Individuum, wie in der Einleitung schon kurz erwähnt. Insbesondere die Verwendung von recht junger Literatur stützt die aktuelle Bedeutung des Themas. Weitere Aspekt die die Arbeit begründen finden sich im Laufe dieser.

Die Arbeit beginnt nun mit der Darstellung der Grundlagen zu den Begriffen Anthropo­logie, Anthropotechnik und dem Human Enhancement.

2. Grundlagen

2.1 Definition von Anthropologie und Anthropotechnik

Die Arbeit beginnt mit einer Erklärung der Grundbegriffe in der Thematik des Human Enhancements: Anthropologie und Anthropotechnik. Der Ausdruck „Anthropologie“ ent­stammt dem Griechischen und setzt sich aus den beiden Wörtern „anthropos“, zu deutsch „Mensch“ und „-logie“, zu deutsch „Lehre“ zusammen. Somit handelt es sich dabei um die Lehre des Menschen bzw. Menschenlehre. Eine Frage in diesem The­menfeld ist die Frage nach „Was ist der Mensch?“, die schon zu Zeiten Emanuel Kants bestand.2 Früher war eine mögliche Antwort darauf, dass der Mensch das „vernünftige, politische, arbeitende, herstellende, religiöse, sprechende oder produzierende Tier“ ist.3 Hingegen ist heute eine Antwort schwieriger, da sich der Mensch ständig neu ge- staltet.4 Dieser Vorgang wird von dem deutschen Philosophen Peter Sloterdijk auch als „Anthropotechnik“ bezeichnet. Sloterdijk geht sogar so weit, dass er aussagt, dass der Mensch „zur Selbstformung verdammt“ ist. Die Entwicklung bzw. Formung des Men­schen ist nach Sloterdijk an das Handeln des Menschen gebunden, wobei hervorzuhe­ben ist, dass der Mensch nicht ohne Handeln leben kann. Somit ist die „Selbstformung“ unabdingbar.5 Neben der Selbstformung durch Handel kann Anthropotechnik auch durch die Anwendung von Technik am Menschen definiert werden.6 Hierzu zählen auch biotechnische Eingriffe am Menschen.7 Generell gilt, dass die Art und der Einsatz von Anthropotechnik von der Gesellschaft und ihren Bedingungen abhängt.8 Das wird auch in der historischen Entwicklung von Anthropotechnik deutlich. Die Verbindung von Mensch und Maschine ist seit der Aufklärung ein Thema.9 So beginnt im 18. Jahrhun­dert die Zeit der Androiden.10 Bei diesen handelt es sich um Automaten, die Menschen ähnelten. Hierbei sollte aber die Maschine als solche erkennbar bleiben. Sie wurden als reine Jahrmarktsattraktion entwickelt. Der erste bekannte Android wurde von Fami­lie Jaquet-Droz entwickelt.11 Es handelte sich um einen Flötenspieler, der Zunge und Lippen bewegen konnte.12 Neben der Funktion als Unterhaltung war keine weitere Auf­gabe der Maschine ersichtlich. Im 19 Jahrhundert begann die Erfindung der Arbeits­maschinen. Diese erledigten Aufgaben des Menschen effektiver. Dadurch begann die Maschine sich als ein Zeichen der Entfremdung zu entwickeln.13 Auch die Forschung des 20. Jahrhundert schloss an den Gedanke der Entfremdung an, indem sie den Menschen mit seinen Knochen, Gelenken und Gefäßen als feine Maschinen betrach- tet.14 Durch die Erfindung des Computer hat die Maschine-Mensch Beziehung einen weiteren Fortschritt gemacht. Hierbei ist besonders die Analogie zum Denken des Menschen mit den Eigenschaften des Computers zu nennen. Dennoch ist darzulegen, dass das menschliche Gehirn noch Eigenschaften wie z.B. das Wahrnehmen von Rei­zen hat, was es vom Computer differenziert.15 Des Weiteren ist durch die Erfindung des Computers im Bereich zwischen Realität und Science-Fiction Platz für den Gedan­ken der „Cyborgs“ entstanden. Bei diesem handelt es sich um eine Maschine, die mit menschlichen Körpern verbunden und in diesen integriert sind. Somit kann gesagt werden, dass die technologischen Fortschritte ein „Gamechanger“, d.h. Spielverände- rer, im Bereich der Anthropotechnik sind.16

Heutzutage ist nachfolgende Eigenschaft als charakteristisch im Bereich der Anthropo- technik zu sehen: Die Veränderungen am Menschen, die vom natürlichen Bild abwei­chen. Hierbei ist zwischen medizinischer Anthropotechnik wie z.B. dem Nachwachsen von fehlenden Körperteilen sowie verbesserter Anthropotechnik wie z.B. das Einsetzen eines digitalen Speichers im menschlichen Gehirn oder der genetischen Veränderung des Erbgutes, zu differenzieren. Auch die Erschaffung einer „Mensch-Maschine-Hybri­den“ wie z.B. eines Cyborgs ist denkbar. Abzugrenzen von der Anthropotechnik sind Hilfsmittel des Menschen, wie Brillen oder Hörgeräte sowie Maßnahmen, die eine Ver­besserung ohne größeren technischen Eingriff am menschlichen Körper vornehmen. Ein Beispiel dazu ist das Doping mit Medikamenten im Leistungssport.17 An dieser Stelle ist zu vermerken, dass es sich vorliegend nur um eine mögliche Definition han­delt, die im weiteren Verlauf der Studienarbeit verwendet wird. Dennoch finden sich andere Ausführungen in der Literatur, deren Grundgedanken aber alle die technische Verbesserung des Menschen beinhalten. Durch den technischen Fortschritt und der ständigen Umgebung mit Maschinen wird deutlich, dass heutzutage der Mensch selbst die größte Schwachstelle ist. Wie schon erwähnt, sieht der Philosoph Sloterdijk den Menschen zur stetigen Selbstformung gezwungen. Nach dessen Ansicht ist diese nur mit direkter Anwendung von Technik am Menschen möglich, mit anderen Worten durch Anthropotechnik. Andere Gestaltungsformen schließt er aus.18 Im Menschenbild des modernen Menschen findet sich auch der Gedanke der stetige Änderung wieder. Es lautet: „So wie wir sind, sind wir nicht genug“.19 Der Mensch strebt nach Verbesserung. Dieser Wunsch nach Änderung hin zum Optimierten findet sich im Grundgedanken des Human Enhancements wieder. Es folgt die Definition des Begriffs.

2.2 Definition von Human Enhancement

Der Ausdruck „Human Enhancement“ setzt sich aus zwei Wortkomponenten zusam­men. Das Wort „Human“ kann mit „Mensch“ bzw. „menschlich“ in das Deutsche über­setzt werden. „Enhancement“ kann mit den Begriffen „Erhöhung“, „Verbesserung“, „Er­weiterung“, „Steigerung“, und weiteren Ausdrücken umschrieben werden. Somit han­delt es sich bei „Human Enhancement“ um die Verbesserung des Menschen.20 Die Ur­sprünge des Wunsches nach einer Steigerung des Menschen finden sich mehrfach in der Geschichte wieder. Generell hat die Veränderung des Menschen schon zur Zeit Jesus Christus eine Rolle gehabt. Später wurde dann u.a. in China mit Kräutern und Substanzen wie z.B dem Huang Kraut oder in Südamerika mit coca und Kokain eine Verbesserung des Menschen zu erzielen versucht.21 Eine negative Ausgestaltung der menschlichen Verbesserung gab es zur Zeiten der Sowjetunion sowie im Nationalso­zialismus. Hierbei hat insbesondere die Vernichtung von „Unbrauchbaren“ einen Cha­rakter der Verbesserung gehabt, worunter die systematische Ausrottung von kranken und behinderten Menschen zu sehen war.22 Heutzutage ist ein Grund, die menschliche Verbesserung anzustreben, in der gesellschaftlichen Entwicklung zu finden. Eine ge­nau Ausführung hierzu findet sich im Kapitel „4. Diskussion“. Als ein Hauptgrund ist die Optimierung der menschlichen Gedächtnis- und Lernleistung zu nennen.23 Es wird ge­hofft, durch die Nutzung bessere Leistung in der Schule oder im Berufsleben zu brin- gen.24 Weitere Streben sind u.a. die Verlängerung der Lebenszeit, die Aufhellung der Stimmung, die Selektion der Nachkommen oder die Optimierung der Persönlichkeit.25

Zur Erreichung des Ziels der Verbesserung des Menschen sind unterschiedliche An­sätze möglich. Generell gilt, dass beim Human Enhancement technische Eingriffe am Menschen vorgenommen werden und die Verbesserungen nicht durch Erziehung, Training oder Lernen stattfindet.26 Auch ist die Nutzung von Hilfsmittel wie Brillen oder Hörgeräten nicht als Human Enhancement zu klassifizieren, denn diese sind, im Ge­gensatz zu den Verbesserungsmethoden nicht in den Körper integriert. Auch können die externen Hilfen vergessen, verloren oder gestohlen bzw. nicht verwendet werden.27 Es wird in drei Human Enhancement Arten differenziert: Das genetische, physische sowie neurologische Human Enhancement.28 Die Klassifizierung ergibt sich durch die Art einer Verbesserung. Die genaue Ausführung der drei Gebiete folgt im Kapitel drei der Arbeit und wird nun nicht weiter ausgeführt. Neben der Art des Human Enhance­ments kann auch noch die Art der Verbesserung differenziert werden. Diese ist im de­skriptiven oder normativen Sinne möglich. Eine deskriptive Verbesserung ist die tat­sächliche Erhöhung von Fähigkeiten wie z.B. das Erlangen einer höheren Reaktions­geschwindigkeit. Eine normative Verbesserung ist dadurch gegeben, dass die Optimie­rung einer Fähigkeit auch als Optimierung des kompletten Menschen gesehen werden kann. Problematisch hierbei ist die direkte Abhängigkeit zum aktuellen Menschenbild, d.h. der anthropologischen Ausgangslage. Mit dem Begriff der Fähigkeit ist vorliegend ein Faktor wie Intelligenz, Gedächtnis-, Denk-, oder Vorstellungsvermögen, Kraft und ähnliches gemeint. Hier ist zu erwähnen, dass für den Begriff Human Enhancement keine einheitliche Definition vorliegt und somit weitere Eigenschaften bei anderen Auto­ren zu finden sein können.29

Neben der Darlegung der Eigenschaften und Charakteristiken des Human Enhance­ments, ist für eine klare Definition noch die Abgrenzung zu anderen Gebieten in den Naturwissenschaften zu zeigen. Hierbei ist besonders die Differenzierung zur „Thera­pie“ bzw. „Heilung“ von Krankheiten wichtig.30 Wie eben dargestellt, will Human En­hancement die Verbesserung der menschlichen Natur erzielen. Hingegen ist bei der Therapie die Heilung von Krankheiten das Ziel. Somit ist bei Human Enhancement der gesunde Körper als Ausgangsobjekt, bei der Therapie der kranke Körper gegeben.31 Somit ist Human Enhancement aus medizinischer Sicht nicht notwendig.32 Die Abbil­dung 1 zeigt die Abgrenzung von Therapie und Enhancement im Zusammenhang mit Fähigkeiten und Lebensalter sowie der Gesundheit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Abgrenzung von Therapie und Enhancement im Zusammenhang mit Fä­higkeiten, Lebensalter sowie der Gesundheit (Quelle: Eckhardt (2011), S. 6)

Es wird deutlich, dass zunächst die Fähigkeiten einer Person bis zu einem bestimmten Lebensalter ansteigen und danach wieder weniger werden. Innerhalb eines bestimm­ten Alters können sich die Fähigkeiten in einem gewissen Rahmen mit Ober- und Un­tergrenze bewegen. Sofern die Fähigkeiten innerhalb der beiden Grenzen liegen, kann von Enhancement oder Therapie gesprochen werden. Wenn die Fähigkeiten unterhalb des Normalbereiches liegen ist von einer Therapie zu sprechen, da die Person weniger Fähigkeiten aufweist, als normal ist. Überhalb der Norm ist von Enhancement die Rede, da der Mensch eigentlich ausreichend ausgestattet ist, aber dennoch eine Ver­besserung über der Norm zu erzielen versucht wird.33 Zusammenfassend zeigt die Ab­bildung somit auf, dass erst von Human Enhancement gesprochen werden kann, wenn der Mensch der eigentlichen Norm entspricht.

Auch ist Human Enhancement vom Gebiet der Eugenik abzugrenzen. Hierbei handelt es sich um unfreiwillige Maßnahmen, die zum Teil auch erst langfristig sichtbar werden. Eugenik wurde zur Zeit des Nationalsozialismus sowie in der Sowjetunion genutzt.34 Die Abgrenzung zwischen Human Enhancement und anderen Gebieten ist notwendig, da sich dadurch eine andere Grundlage in der Medizin, Psychologie oder dem Recht bildet.35 So kann zum Beispiel die Pharmaindustrie kein Medikament als solches Aus­zeichnen, dass zur Heilung der fehlenden Leistungsfähigkeit dient, da eine Grundlage der Heilung, nämlich ein kranker Körper fehlt.36 Auch die Moral braucht eine Abgren­zung, da sie ohne eine Trennung unnötig wäre. Denn die Heilung einer Krankheit ist moralisch mehr vertretbar, als das optimieren einer Person, die dadurch einen unfairen Vorteil erlangt.37 Abschließend zum Gedanke der Abgrenzung finde sich die Tabelle 1 „Abgrenzung Human Enhancement/ Therapie und deren Mittel“ im Anhang der Arbeit auf Seite 26. Die Idee hinter dieser ist, dass gezeigt wird, welches Ziel, d.h. Human Enhancement bzw. Medizin/ Heilung mit welchem Mittel, d.h. Kulturtechnik bzw. An- thropotechnik zu erreichen ist. Eine genauere Ausführung ist für die Arbeit uninteres­sant. Es gilt lediglich festzuhalten, dass sich aus der Tabelle Fragen unterschiedlicher Art ergeben wie z.B. die Frage nach Gerechtigkeit, Sicherheit, Autonomie, Freiwillig­keit, Authentizität oder Fairness, um nur einige mögliche Themengebiete zu zeigen.38 Auf einige der Fragen wird im Laufe der Arbeit noch eingegangen.

Abschließend zur Definition von Human Enhancement ist ein Blick auf die Darstellung in der Literatur wichtig. Die Verbindung zwischen diesen beiden zeigt sich schon durch die Zitate in der Einleitung.

In der Literatur finden sich einige Beispiele, die als Human Enhancement betitelt wer­den können. Wichtige Autoren sind u.a. John Burdon, Sanderson Haldane, Johan Desmond Bernal und Aldous Huxley. Bei allen finden sich Züge des transhumanisti­schen Bildes wieder. Hierbei handelt es sich um Erweiterung des klassischen Huma­nismus und der Evolutionstheorie mit dem Gedanke, der technischen Verbesserung des Menschen. Insbesondere in Aldous Huxley Werk „A brave new world“ aus dem Jahr 1931 wird die Optimierung des Menschen sichtbar, da sowohl die Wissenschaft inzwischen neben der Heilung von Krankheiten auch die Optimierung des Menschen anstrebt, als auch die Grenzen zwischen Therapie und Verbesserung sich zum vermi­schen beginnen. Huxley zeigt die Situation, dass der Mensch sich an die geänderte Umwelt anpasst und nicht andersherum.39

Neben dem literarischen Zugang wird eine weitere Einordnung des Begriffes Human Enhancement durch das Aufzeigen der Meinung zu diesem möglich. Es folgt die Dar­stellungen der vier Hauptpositionen zum Human Enhancement.

[...]


1 Vgl. Töpfer (2010), S. 368

2 Vgl. Liessmann (2009), S. 431

3 Liessmann (2009), S. 431

4 Vgl. Liessmann (2009), S. 431

5 Vgl. Sloterdijk (2009)

6 Vgl. Liessmann (2009), S. 432

7 Vgl. Hübner (2015), S. 26

8 Vgl. Eckhardt (2011), S. 9

9 Vgl. Meyer-Drawe (1995), S. 360

10 Vgl. Dworschak (2001), S. 251

11 Vgl. Meyer-Drawe (1995), S. 361

12 Vgl. Dworschak (2001), s. 251

13 Vgl. Meyer-Drawe (1995), S. 363

14 Vgl. Coenen et. al. (2015), S. 178

15 Vgl. Meyer-Drawe (1995), S. 364

16 Vgl. Allhoff et. al. (2010), S. 5f.

17 Vgl. Hübner (2015), S.26f. und S. 45f.

18 Vgl. Liessmann (2009), S. 432 und S. 441

19 Liessmann (2009), S. 432

20 Vgl. Coenen et. al. (2015), S. 41

21 Vgl. Brühl et. al. (2019), S. 1

22 Vgl. Liessmann (2009), S. 435f.

23 Vgl. Welling (2014), S.7

24 Vgl. Brühl et. al. (2019), S. 3

25 Vgl. Coenen et. al. (2015), S. 42

26 Vgl. Coenen et. al.(2015), S. 21

27 Vgl. Allhoff et. al. (2010),S. 9f.

28 Vgl. Kirchhoffer (2017), S. 1

29 Vgl. Eckhardt (2011), S. 6f.

30 Vgl. Kirchhoffer (2017), S. 1

31 Vgl. Erny et. al. (Hrsg.) (2018), S. 39

32 Vgl. Welling (2014), S. 8

33 Vgl. Eckhardt (2011), S. 6

34 Vgl. Welling (2014), S. 50f.

35 Vgl. Eckhardt (2011), S. 9

36 Vgl. Galert et. al. (2009), S. 10

37 Vgl. Allhoff et. al. (2010), S. 11f.

38 Vgl. Hübner (2015), S. 49ff.

39 Vgl. Coenen et. al. (2015), S. 56 - 59 und 64 - 87

Details

Seiten
29
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346110480
ISBN (Buch)
9783346110497
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v514880
Institution / Hochschule
Hochschule für angewandtes Management GmbH
Note
1,0
Schlagworte
gesellschaft human enhancement folge überforderung

Autor

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Titel: Die erschöpfte Gesellschaft. Human Enhancement als Folge einer chronischen Überforderung