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"Die Chinesen kommen!" Chinas Outbound-Tourismus / Incoming-Service Europa

Diplomarbeit 2005 345 Seiten

Tourismus - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Eingrenzung des Themas
1.3 Methodik und Anmerkungen zum statistischen Material
1.4 Begriffsbestimmungen

2 Theoretischer Teil
2.1 Der Welttourismus
2.1.1 Entwicklung
2.1.2 Wirtschaftliche Auswirkungen und Entwicklungen des Internationalen Tourismus
2.1.3 Reiseströme
2.1.4 Zusammenfassung und Ausblick in die Zukunft
2.2 China im Überblick
2.2.1 Geographie und Klima
2.2.2 Bevölkerung & Gesellschaft
2.2.2.1 Bevölkerungsentwicklung
2.2.2.2 Bevölkerungspolitik
2.2.2.3 Regionale Unterschiede in der Bevölkerungsdichte
2.2.2.4 Urbanisierung und Migration
2.2.2.4.1 Beijing
2.2.2.4.2 Shanghai
2.2.2.4.3 Guangzhou
2.2.2.5 Minderheiten und Sprache
2.2.3 Geschichte
2.2.3.1 Die Frühgeschichte und die Zeit Marco Polos (1254-1324)
2.2.3.2 Die frühe Kolonialzeit (15. Jh. –17. Jh.) und die China-Euphorie im 18. Jh
2.2.3.3 Chinas langsamer Untergang im 19. Jh
2.2.3.3.1 Der erste Opium-Krieg (1839-1842) und die Taiping-Revolution (1850-1864)
2.2.3.3.2 Der zweite Opium-Krieg (1856-1860) und die Aufteilung in Einflussgebiete
2.2.3.4 China im 20. Jh. / Die erste Republik und der Kampf um die Macht
2.2.3.5 Die Gründung der Volksrepublik China 1949 unter Mao Zedong
2.2.3.6 Der Neubeginn und die Änderung der Politik
2.2.4 Staatsform, Staatsaufbau & Rechtssystem
2.2.4.1 Staatsform
2.2.4.2 Staatsaufbau
2.2.4.3 Rechtssystem und Pressefreiheit
2.2.4.4 Politisch-Administrative Gliederung
2.2.5 Wirtschaft
2.2.5.1 Die Wirtschaft ab
2.2.5.2 Die Wirtschaft ab 1976 – die Öffnung zur Außenwelt
2.2.5.3 1992 – die sozialistische Wirtschaft chinesischer Prägung
2.2.5.4 Chinas Außenhandel
2.2.6 Infrastruktur
2.2.7 Tourismusentwicklung
2.2.7.1 Entwicklung des internationalen Tourismus bis
2.2.7.2 Entwicklung von 1949 bis
2.2.7.3 Entwicklung von 1976 bis heute
2.2.7.3.1 Der Incoming-Tourismus Chinas
2.2.7.3.2 Der Outbound-Tourismus Chinas
2.2.8 Zusammenfassung
2.3 Administrative Regelungen im chinesischen Outbound-Tourismus
2.3.1 Die bei Auslandsreisen relevanten Behörden
2.3.1.1 China National Tourism Administration (CNTA)
2.3.1.2 China Council for Promotion of International Trade (CCPIT)
2.3.1.3 Civil Aviation Administration of China (CAAC)
2.3.1.4 China Association of International Exchange of Personnel (CAIEP)
2.3.2 Benötigte Reisedokumente und Devisenbeschränkung
2.3.3 Approved Destination Status (ADS)
2.3.3.1 Was ist der Approved Destination Status?
2.3.3.2 Welche Länder besitzen den Approved Destination Status?
2.3.3.3 Auswirkungen des ADS-Systems
2.3.3.3.1 Eine Verschiebung hin zu Privatreisen
2.3.3.3.2 Eine Zunahme der Anzahl von Touristen – Beispiel Australien
2.3.3.3.3 Die Auswirkungen des ADS-Systems auf Deutschland
2.3.4 Zusammenfassung
2.4 Der Outbound-Tourismus im Detail
2.4.1 Die Nachfrage
2.4.1.1 Push – Faktoren
2.4.1.1.1 Der politische Wandel
2.4.1.1.2 Die wirtschaftliche Entwicklung
2.4.1.1.3 Einkommen und Wohlstand
2.4.1.1.4 Urlaub, Freizeit, Wertewandel
2.4.1.1.5 Das Kommunikationswesen
2.4.1.2 Klassifizierung der Nachfrage
2.4.1.2.1 Herkunft
2.4.1.2.2 Reiseart
2.4.1.2.3 Urlaubertypisierung (Geschlecht, Alter, Bildung, Arbeitstätigkeit)
2.4.1.2.4 Reisemotive, Freizeitverhalten und kulturelle Unterschiede
2.4.1.2.5 Reisedauer
2.4.1.2.6 Räumliche Verteilung – Die meistbesuchten Reiseziele der Chinesen
2.4.1.2.7 Zeitliche Verteilung – Die Saisonalität
2.4.1.2.8 Ausgabeverhalten
2.4.1.2.9 Etappen der Reiseentscheidung
2.4.1.3 Zusammenfassung
2.4.2 Das Angebot
2.4.2.1 Die Entwicklung der chinesischen Reiseindustrie im Überblick
2.4.2.2 Chinas Tourismuspolitik
2.4.2.3 Luftverkehr
2.4.2.3.1 Geschichtliche Entwicklung
2.4.2.3.2 Hubs / Flughäfen
2.4.2.3.3 Airlines
2.4.2.3.4 Vergabe der Flugrouten
2.4.2.4 Die chinesischen Reiseagenturen
2.4.2.4.1 Entstehungsgeschichte
2.4.2.4.2 Die verschiedenen Arten von Agenturen auf dem Markt
2.4.2.4.3 Die genehmigten chinesischen Outbound-Agenturen
2.4.2.4.4 Die drei größten staatlichen Reiseveranstalter
2.4.2.4.5 CAAC lizenzierte IATA Ticketing Offices
2.4.2.4.6 Firmenreisestellen & Messe-, Incentive-, und Kongressreiseveranstalter
2.4.2.4.7 Preise der Outbound-Reisen und angebotene Routen in Europa
2.4.2.4.8 Vertrieb der Produkte
2.4.2.5 Die bekanntesten Incoming-Agenturen in Europa und Deutschland
2.4.2.5.1 CAISSA Touristic Group AG
2.4.2.5.2 Kuoni Travel Holding Ltd
2.4.2.5.3 Miki Travel
2.4.2.5.4 FTS Travel
2.4.2.5.5 Thomas Cook AG und Kompas International
2.4.2.6 Hauptprobleme der chinesischen Reiseindustrie früher und heute (2005)
2.4.2.7 Die Auswirkungen des Eintritts in die World Trade Organization
2.4.2.8 Zusammenfassung

3 Praktischer Teil
3.1 Einleitung
3.2 Messung
3.3 Datenerhebung
3.4 Datenauswertung
3.5 Reiseverlauf
3.6 Auswertung der Befragung der Touristen
3.6.1 Soziodemographisches Profil
3.6.2 Reiseerfahrenheit in Europa
3.6.3 Zeitpunkt der Reiseentscheidung
3.6.4 Selbsteinschätzung bezüglich des Kenntnisstandes über Europa und Deutschland
3.6.5 Durchschnittliche Gewichtete Zufriedenheit der Einzelitems
3.6.6 Gewichtete Gesamtzufriedenheit pro Tour
3.6.7 Unterschiede zwischen Reiseerfahrenen und Reiseunerfahrenen
3.7 Auswertung der Befragung der Experten
3.8 Diskussion
3.8.1 Soziodemographisches Profil
3.8.2 Reiseerfahrenheit in Europa
3.8.3 Buchungsverhalten
3.8.4 Wissen über die Reisedestination
3.8.5 Zufriedenheit mit der unternommenen Europarundreise
3.8.5.1 Shopping
3.8.5.2 Freie Zeit zur eigenen Verfügung
3.8.5.3 Die Verpflegung
3.8.5.4 Hotel und Bus
3.8.5.5 Informationen zum Bildungssystem
3.8.5.6 Unterschiede in der d. gewichteten Gesamtzufriedenheit pro Tour
3.8.5.7 Unterschiede zwischen Reiseerfahrenen und Reiseunerfahrenen
3.9 Zusammenfassung und Handlungsempfehlungen

4 Zusammenfassung und Schlussbemerkung

Anhangverzeichnis

Literaturverzeichnis

Ehrenwörtliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die Entwicklung des Welttourismus, 1960-2000.

Abbildung 2: Internationale Ankünfte 1960 in Prozent pro Region.

Abbildung 3: Internationale Ankünfte 2000 in Prozent pro Region.

Abbildung 4: Veränderung des weltweiten Flugverkehrs, 2002/2003 in Prozent

Abbildung 5: Die wichtigsten internationalen Reiseströme, 2000 (Mio. Ankünfte)

Abbildung 6: Länderkarte China.

Abbildung 7: Topographische Karte Chinas.

Abbildung 8: Klimakarte Chinas.

Abbildung 9: Bevölkerungsentwicklung Chinas, 1950-1999.

Abbildung 10: Propagandaposter der Ein-Kind-Politik.

Abbildung 11: Die Bevölkerungsstruktur 2000.

Abbildung 12: Die Bevölkerungsstruktur 2050.

Abbildung 13: Bevölkerungsdichte.

Abbildung 14: Städte nach Einwohnerzahl

Abbildung 15: Beijing und Umgebung.

Abbildung 16: Shanghai und Umgebung.

Abbildung 17: Guangzhou und Umgebung.

Abbildung 18: Chinesische Sprachen.

Abbildung 19: Deutsches Kolonialgebiet Tsingtau.

Abbildung 20: Stadtansicht des Schutzgebiets Tsingtau.

Abbildung 21: Maruta - Kriegsverbrechen Japans in China.

Abbildung 22: Übersicht über das politisch-administrative System der VR China.

Abbildung 23: China – Politisch-administrative Gliederung / Die Provinzen.

Abbildung 24: Die Sonderwirtschaftszonen.

Abbildung 25: Industrieller Produktionswert der Provinzen, 2000.

Abbildung 26: Außenhandel der VR China.

Abbildung 27: Das Verkehrsnetz Chinas.

Abbildung 28: Die Anzahl Chinas Outbound-Touristen, 1993-2004.

Abbildung 29: Foto der ersten chinesischen Reisegruppe in Europa am 01. September 2004.

Abbildung 30: Ankünfte der Chinesen für Kurzaufenthalte in Australien, 1982-2002.

Abbildung 31: Entwicklung der Besuchsgründe für Chinesen in Australien, 1982-2002.

Abbildung 32: Übernachtungen nach Kontinenten in Prozent in Deutschland, 2003.

Abbildung 33: Die Entwicklung des Asiatischen Quellmarkts für Deutschland, 1994-2003.

Abbildung 34: Entwicklung der chinesischen Übernachtungszahlen, 1996-2004.

Abbildung 35: Wachstum der Übernachtungszahlen chin. Gäste in Deutschland, 1996-2004.

Abbildung 36: Chinesische Touristen vor Schloss Neuschwanstein.

Abbildung 37: Entwicklung des BIP und der Erwerbsstruktur, 1980-1996.

Abbildung 38: Entwicklung der chinesischen Anteile am Welthandel, 1976-2000.

Abbildung 39: Die Entwicklung von Chinas BIP, 1978-2000.

Abbildung 40: „Sichtbare Veränderungen der Wirtschaftsreformen“.

Abbildung 41: Einkommensentwicklung in China, 1989-2002.

Abbildung 42: Bild des Reichstags in der chinesischen Ausgabe des National Geographic.

Abbildung 43: Herkunft der Outbound Touristen nach Provinz im Jahr 2001.

Abbildung 44: Quellmärkte für die Deutschlandreisen der Chinesen 2000.

Abbildung 45: Aktivitäten der Chinesen im Urlaub oder in der Freizeit

Abbildung 46: Faktoren, die bei der Reiseentscheidung wichtig sind.

Abbildung 47: Dauer der Auslandsreisen der Chinesen im Jahr 2003.

Abbildung 48: Besuchte Kontinente in Prozent im Jahr 2000.

Abbildung 49: Das Image Europas in Beijing und Shanghai 2003.

Abbildung 50: Anzahl der Übernachtungen in deutschen Bundesländern 2002.

Abbildung 51: Geburtshaus von Karl Marx in Trier.

Abbildung 52: Monatliche Entwicklung der chinesischen Übernachtungen in Deutschland 2002

Abbildung 53: Ausgabeverhalten der Asiaten bei Europareisen, 2003.

Abbildung 54: Einkaufstättenwahl der Chinesen in Deutschland, 2003.

Abbildung 55: Auslandsurlaube der Chinesen nach Reiseorganisation 2000.

Abbildung 56: Flottenübersicht ausgewählter chinesischer Airlines, 1997-1999.

Abbildung 57: Wachstum der Reiseagenturen, 1995-2000.

Abbildung 58: Anzahl der bisherigen Europabesuche der Befragten.

Abbildung 59: Zeitpunkt der Reiseentscheidung der Befragten.

Abbildung 60: Informationsstand der Befragten bzgl. EU..

Abbildung 61: Informationsstand der Befragten bzgl. Deutschland.

Abbildung 62: Durchschnittliche gewichtete Zufriedenheit der Einzelitems.

Abbildung 63: Stärken-Schwächen-Profil der Europareisen.

Abbildung 64: D. Gewichtete Gesamtzufriedenheit der Befragten pro Tour.

Abbildung 65: D.GGZ der Befragten in Abhängigkeit zur Reiseerfahrenheit in Europa.

Abbildung 66: Unterschiede zwischen reiseerfahrenen und reiseunerfahrenen Chinesen.

Tabellenverzeichnis

Tabelle 2-1: Internationale Ankünfte (in Mio.), 1960-2000.

Tabelle 2-2: Internationale Ankünfte 1960-2000 in Prozent pro Region.

Tabelle 2-3: Durchschnittliche jährliche Veränderung der Internationalen Ankünfte in Prozent

Tabelle 2-4: Wachstum „Personal Travel & Tourism“ ausgewählter Länder, 1994-2004.

Tabelle 2-5: Weltweite Einnahmen aus dem Internationalen Tourismus (in Mio. US$), 1960-2002

Tabelle 2-6: Länderranking - Einnahmen aus dem Internationalen Tourismus, 2002/2003.

Tabelle 2-7: Rangliste der Destinationen - Internationalen Touristenankünfte, 2003.

Tabelle 2-8: Die Internationalen Ankünfte nach Region (in Mio.), 2010.

Tabelle 2-9: Die führenden Outbound-Länder der Welt, 2020.

Tabelle 2-10: Rangliste Administrativer Regionen nach Bevölkerungsdichte.

Tabelle 2-11: Die Verstädterung Chinas, 1978-1999.

Tabelle 2-12: Rangliste der Städte Chinas nach Einwohnerzahl

Tabelle 2-13: Geschichtliche Entwicklung der Wirtschaft bis 2004.

Tabelle 2-14: Devisenbilanz - Deutschland / VR China, 1995-2002.

Tabelle 2-15: Devisenbeschränkung der VR China.

Tabelle 2-16: Liste der ADS Länder.

Tabelle 2-17: Veränderung Privatpässe/ Offizielle Pässe (Angaben in Tausend), 1993-2001.

Tabelle 2-18: Ankünfte / Übernachtungen der Chinesen in Deutschland, 1994-2003*.

Tabelle 2-19: Private Unternehmer und Entwicklung ihrer Beschäftigtenzahl, 1990-1999.

Tabelle 2-20: Gesellschaftsschichten in China, 1952-1999.

Tabelle 2-21: Beziehung zwischen Familieneinkommen und Reiseplänen.

Tabelle 2-22: Anteil des Reisebudgets am Haushaltseinkommen.

Tabelle 2-23: Passagieraufkommen der Hauptein- und Ausreisehäfen, 1996-1999.

Tabelle 2-24: Die prozentuale Verteilung der Ein- und Ausreisemöglichkeiten.

Tabelle 2-25: Chinas vier große Outbound Gateways - Wohnbevölkerung.

Tabelle 2-26: Soziodemographisches Profil der Reisenden bei CITIC Travel

Tabelle 2-27: Soziodemographisches Profil der chin. Freizeiturlauber in Australien.

Tabelle 2-28: Kenndaten der chin. Freizeiturlauber in Australien.

Tabelle 2-29: Urlaubs- und Reisemotive der Chinesen.

Tabelle 2-30: Unterschiede in den Kulturdimensionen.

Tabelle 2-31: Weltweite Reiseziele der Chinesen im Jahr 2000.

Tabelle 2-32: Reiseziele der Chinesen 2000 in Europa.

Tabelle 2-33: Die wichtigsten Destinationen für Chinesen in Baden-Württemberg 2002.

Tabelle 2-34: Nationale Feiertage und Schulferien in China 2004.

Tabelle 2-35: Nationale Feiertage und Schulferien in China 2005.

Tabelle 2-36: Top Ten Nationen beim Tax Free Einkauf in Deutschland.

Tabelle 2-37: Eingekaufte Warenkategorien in Prozent 2003.

Tabelle 2-38: Verkaufte Flugsitze ins Ausland, 1990-2000.

Tabelle 2-39: Umsatzwachstum chinesischer Airlines, 1990-1999.

Tabelle 2-40: Überblick über die wichtigsten lizenzierten Outbound-Reiseagenturen in China.

Tabelle 2-41: Anzahl der betreuten Outbound-Touristen einiger Reiseveranstalter, 2000.

Tabelle 2-42: Die in China bekanntesten Incoming-Operators.

Tabelle 3-1: Soziodemographisches Profil der Befragten.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

China, das „Reich der Mitte“, wurde vom Westen im Laufe seiner langen Geschichte zeitweise bewundert, zeitweise verachtet. Lange Zeit war China eine Weltmacht, die umgeben war von Tributstaaten. Dann wurde es zum Spielball der imperialistischen Mächte. Die Weltmacht China genügte sich selbst und schottete sich ab. Heute ist das Bild des Westens von China geprägt von scheinbaren Widersprüchen - kommunistische Staatsführung und marktwirtschaftliche Entwicklung, Buddhismus und staatlicher Atheismus, Tradition und Moderne, ein Land – zwei Systeme, arme Bauern und reiche Unternehmer. Aber der Übergang zwischen beiden Gegensätzen ist fließend, wie es das Yin-Yang Prinzip der chinesischen Philosophie beschreibt.

Dem Ausland präsentiert sich China heute gerne als ein weltoffenes Land, das sich dem Weltmarkt öffnet. Ausländische Touristen können nach China reisen und Chinesen können ins Ausland reisen, auch wenn für sie noch mehr Beschränkungen existieren. War China früher fast ausschließlich Empfängerland, wird es nun allmählich zum Entsenderland. Um es in den Worten der Medien zu formulieren – der Drache erwacht, der Riese erhebt sich. Napoleon hatte einst gesagt: „Wenn China erwacht, erzittert die Welt!“

Der chinesische Outbound-Reisemarkt ist ein Sektor, der seit Jahrzehnten wächst und dem ausgezeichnete Zukunftsperspektiven eingeräumt werden. Doch der Outbound-Reisemarkt, der sich in die zwei großen Bereiche der Geschäftsreisenden und der klassischen Urlauber aufteilen lässt, ist eng verknüpft mit der wirtschaftlichen und politischen Zukunft Chinas. Schätzungen der WTO rechnen bis 2020 damit, dass jährlich 100 Millionen Chinesen ins Ausland reisen werden – soviel wie heute aus ganz Asien. Im Jahre 2003 reisten 20,2 Millionen Chinesen ins Ausland,[1] 2004 waren es 28,85 Millionen, was einem Plus von 42,8% gegenüber dem Vorjahr entspricht.[2]

Voraussetzungen für diese Prognose ist eine positive Entwicklung verschiedener Faktoren, wie etwa der politischen Stabilität und des wirtschaftlichen Wachstums. Viele Autoren sehen das Land im Fernen Osten als die kommende Wirtschaftsmacht schlechthin. Bücher wie „China, Wirtschaftsmacht der Zukunft“ von Martina Niembs aus dem Jahr 1996, oder „Chinas Jahrhundert - Die Zukunft der nächsten Supermacht hat bereits begonnen“, von Laurence J. Brahm aus dem Jahr 2001, lassen nur wenige Zweifel am Erfolg der Reformen. Kritiker zeichnen allerdings ein anderes Bild der Gegenwart und der Zukunft.

„Die Hölle auf Erden“ von Charles Reeves, ebenfalls aus dem Jahr 2001, schildert die Verhältnisse in der Arbeitswelt der einfachen Chinesen und befürchtet deshalb Revolten. Johnny Erling zeigt sich ebenfalls kritisch in seinem im Jahre 2002 veröffentlichten Buch „China, der große Sprung ins Ungewisse“.

Man kann sich Gedanken über die Zukunft machen, doch vorhersehen kann man sie nicht. „Why is predicting the future so difficult? After all, if history is just one damn thing after another, shouldn’t the future be more of the same? But over and over again, even our most highly educated guesses go disastrously wrong…Of course the smart play would be not to try to guess what’s coming next. But that’s not how we’re wired. Trapped as we are in the one-way flow of time, not predicting the future would be like driving a car without bothering to glance through the windshield from time to time. We desperately need prophets, even false ones, to help us narrow the infinity of plausible futures down to one or at least a handful.”[3] Oder wie Siemens-Chef Heinrich von Pierer es bei einem Interview über Chinas Aufstieg zur globalen Wirtschaftsmacht formulierte: “Ich rate zur Vorsicht, aktuelle Trends einfach linear fortzuschreiben, es kommt doch immer alles anders. Wenn man so rechnen würde, wäre meine Enkeltochter, die im Moment zehn Zentimeter pro Jahr wächst, im Jahr 2050 mehr als fünf Meter groß.“[4]

Vermutlich werden weder die Propheten, die den nahenden Niedergang Chinas prophezeien richtig liegen, noch die, die den Aufstieg zur größten Supermacht der Welt in kurzer Zeit vorhersehen. Aufgrund der Globalisierung, durch die Länder weltweit immer enger miteinander verflochten sind und Outsourcing zu dramatischen Veränderungen führt, werden die Auswirkungen der Reformen in China aber auch unweigerlich Auswirkungen auf andere Länder haben.

Die Überschrift „Die Chinesen kommen“ steht im Jahr 2003 in den Zeitungen immer wieder zu lesen, was eher an die „Gelbe Gefahr“ erinnert, mit der die USA und die europäischen Kolonialmächte die Ressentiments gegen die asiatischen Völker, insbesondere China, zu schüren versuchten. Die Bevölkerung wird jedoch nur auf eine friedliche Invasion von Urlaubern aus dem Fernen Osten vorbereitet, die in Zukunft Deutschland bereisen und es verändern werden. So überstieg im Jahr 2003 zum ersten Mal die Zahl der chinesischen Outbound-Touristen weltweit die der japanischen.[5]

So die ZEIT pathetisch: „Der 15. Februar 2003 ist ein historischer Tag. Wenn die Maschine der Air China mit der Flugnummer CA 931 auf dem Frankfurter Flughafen landet, dann steigen zum ersten Mal nicht nur chinesische Geschäftsleute, sondern auch Urlauber mit Touristenvisum aus.

Seit vergangenem Jahr gehört Deutschland, Chinas stärkster Wirtschaftspartner in Europa, zu den so genannten ADS-Destinationen. Diesen Ländern billigt die Volksrepublik China einen besonderen Status (Approved Destination Status) zu. Chinesen dürfen als Urlauber dorthin reisen. Jetzt tritt das Abkommen, das auf Initiative des deutschen Wirtschaftsministeriums und der chinesischen Tourismusbehörde ins Leben gerufen wurde, in Kraft.“[6]

Die „Welt am Sonntag“ äußert sich jedoch skeptisch zu überzogenen Erwartungen: „Nein, was mich stört, ist die Aufgeregtheit, die unsere Tourismus-Oberen beim Herausposaunen ihrer Erfolgsbilanzen befällt: 1,3 Milliarden Chinesen! 20 Millionen davon auf Reisen! In fremden Ländern! Was für eine Zahl, was für ein Geschäft. Und was die an Kohle rausknallen - 200 Euro pro Tag. Mal 20 Millionen! Da werden runde Veranstalteraugen schlitzig und schlitzige rund. Ebenso bei den Hoteliers. Und bei den Wirten.“[7]

Die FAZ dagegen beschwört gar den Untergang der deutschen Zivilisation herauf, die von den Chinesen in Zukunft vor dem Untergang gerettet wird: „Noch mögen sie mit Deutschland ein Land besuchen, das sie wegen seines Reichtums und seiner Sauberkeit beeindruckt. Doch es ist schon abzusehen, dass sie in der Bundesrepublik bald nur noch eine Kultur der Vergangenheit, eine Wirtschaftsmacht des zwanzigsten Jahrhunderts erblicken werden. So wie sich Reisende aus dem Westen bisher gerne Eingeborenentänze anschauten und sich mit Leuten in folkloristischer Kleidung fotografieren ließen, so werden die Chinesen demnächst unsere Rituale bestaunen...Wir werden gut daran tun, die Erwartungen unserer Gäste nicht zu enttäuschen. Mag es zunächst auch gewöhnungsbedürftig sein, als Eingeborener einer vergangenen Kultur sein Geld zu verdienen: So ist es ja vielleicht wirklich unsere letzte Chance.“[8]

Das Problem ist folglich, dass bei der öffentlichen Diskussion des Themas eine nüchterne Analyse des Themas fehlt. Chinesen haben, wie bereits erwähnt, noch nicht lange die Möglichkeit, als klassische Urlauber im Sinne von Freizeittouristen nach Europa zu reisen, weshalb die Fachliteratur zu diesem speziellen Thema noch begrenzt ist und Erfahrungen im Geschäft mit China erst noch gesammelt werden müssen. Doch Deutschland und die Bevölkerung sollte sich auf die chinesischen Urlauber einstellen und versuchen, deren Bedürfnisse zu befriedigen, denn nur so können deutsche Unternehmen von ihnen langfristig profitieren.

1.2 Zielsetzung und Eingrenzung des Themas

Trotz der Steigerung der Gästeankünfte in Europa und der damit verbundenen Bedeutungssteigerung des Entsenderlandes China in der globalen Tourismuswirtschaft, liegen bisher nur wenige wissenschaftliche Analysen in Englisch zu diesem Thema vor – noch weniger in Deutsch.

Es ist daher das generelle Ziel der beiden Autoren, bestehende wissenschaftliche Veröffentlichungen in deutscher, englischer und chinesischer Sprache zu untersuchen und in einen thematischen Zusammenhang zu bringen, um somit einen Beitrag zu leisten, bestehende Defizite der Veröffentlichungen im Hinblick auf den Tourismus nach Europa und Deutschland im besonderen zu verringern. Bei ihrer Betrachtung werden sich die Autoren weitestgehend auf Festlandschina beschränken. Die beiden Sonderverwaltungs-zonen Hongkong und Macao, die nicht zu Festlandschina zählen, werden in den offiziellen Statistiken als Ausland geführt.

Diese Diplomarbeit analysiert den chinesischen Outbound-Tourismus und stellt den Versuch dar, eine detaillierte Marktübersicht zu schaffen für Unternehmen, die Interesse am chinesischen Incoming-Geschäft haben. Aktuelle Entwicklungstrends sollen beschrieben und Zukunftsprognosen gewagt werden. Allen Interessenten, seien es Incomingstellen, Reiseveranstalter oder Hotels, die direkten Kontakt zu chinesischen Touristen haben, soll es mit dieser Diplomarbeit ermöglicht werden, sich gezielt über Einzelaspekte zu informieren, weshalb auch der landeskundliche Teil ausführlich behandelt wird.

Spezielles Ziel dieser Untersuchung ist es, Handlungsempfehlungen für Reiseveranstalter im Incoming-Geschäft abzuleiten, damit diese ihren Service verbessern können. Die Autoren der vorliegenden Arbeit schöpfen hierzu aus ihren individuellen beruflichen Erfahrungen in China und Deutschland und bringen ihr Wissen über die jeweils andere Kultur ein.

1.3 Methodik und Anmerkungen zum statistischen Material

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in drei große Kapitel – die Einleitung, den Theoretischen Teil und den Praktischen Teil.

Die Einleitung führt zum Thema hin. Sie spricht die Problemstellung an, nennt die Ziele der Arbeit und grenzt das Thema ein. Begriffsbestimmungen, die zum Verständnis des Theoretischen Kapitels notwendig sind, werden am Schluss der Einleitung näher erläutert.

Das Theoretische Kapitel schafft zuerst einen Überblick über den Welttourismus. Seine Entwicklung wird dargestellt, gefolgt von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Touristenströme. Ein Abbild der aktuellen Touristenströme bildet den vorletzten Teil dieses Abschnitts, der durch eine Zusammenfassung abgerundet wird und eine Zukunftsprognose wagt.

Der zweite Abschnitt schafft einen Überblick über China. Unterschiedliche Aspekte des Landes werden beleuchtet, die dem Leser das „Reich der Mitte“ nahe bringen sollen. Diese grundlegenden Kenntnisse über Land und Leute sind, gerade auch im Hinblick auf das Verständnis der nachfolgenden Kapitel, notwendig. Als erstes wird die Geographie und das Klima der VR China beschrieben. Die Bevölkerungs-struktur und der Aufbau der Gesellschaft werden erklärt, gefolgt von einem Überblick über Geschichte, Staatsform und Staatsaufbau. Die Situation der Wirtschaft wird beschrieben, die Infrastruktur des Landes wird untersucht und der letzte Teil befasst sich mit der Entwicklung des Tourismus von 1949 bis heute.

Der dritte Abschnitt stellt die administrativen Regelungen im chinesischen Outbound-Tourismus dar. Zuerst werden die wichtigsten chinesischen Behörden Chinas vorgestellt, die für den Tourismus relevant sind, danach wird dem Leser vermittelt, welche Reisedokumente in China existieren und welche Beschränkungen hinsichtlich der Devisenausfuhr bestehen. Zusätzlich wird das derzeitige System der kontrollierten Tourismusentwicklung in Form einer Liste mit erlaubten Reiseländern (ADS) beschrieben. Es wird ausführlich erklärt, was das ADS-System ist und warum es eingeführt wurde. Abgesehen davon wird klar dargestellt, welche Länder bis jetzt diesen Sonderstatus besitzen und welche Folgen ein solcher Sonderstatus nach sich zieht.

Der fünfte Abschnitt bildet den Hauptteil. Er beschäftigt sich mit der Entwicklung von Chinas Outbound-Tourismus und ist in zwei große Teile gegliedert – die Nachfrage und das Angebot.

Zuerst werden die Faktoren diskutiert, die zu einem Anstieg der Nachfrage nach Reisen insgesamt und Reisen ins Ausland im Besonderen geführt haben. Diese Faktoren werden auch als Push-Faktoren bezeichnet. Zu diesen für den Tourismus förderlichen Faktoren zählen zum einen der politische Wandel sowie die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre, wie auch das zur Verfügung stehende Einkommen und der Wohlstand der Reisenden. Es wird auf den Urlaubsanspruch eingegangen, das Freizeitverhalten der Chinesen und den Wertewandel insgesamt. Ein weiterer förderlicher Faktor ist die Entwicklung des Kommunikationswesen.

Die Nachfrage, also die Verbraucherseite oder Kundenseite kann in neun wichtige Aspekte aufgegliedert werden. Es wird beschrieben, wo die Urlauber Chinas herstammen und welche Reiseart sie bevorzugen. Es wird eine Urlaubertypisierung vorgenommen und eine Statistik nach Geschlecht, Alter, Bildung und Arbeitstätigkeit vorgenommen. Darüber hinaus wird auf die Reisemotive der Chinesen eingegangen und kulturelle Unterschiede werden angesprochen, die auf das Verhalten und die Motive Einfluss haben.
Es wird dargestellt, wie lange die Reisen durch Europa dauern und wohin sie gehen. Auch wann die Reisen hauptsächlich stattfinden und wie viel die Chinesen bei ihrer Reise ausgeben wird erläutert. Bevor dieser Abschnitt durch eine Zusammenfassung abgeschlossen wird, werden allerdings noch die Etappen der Reiseentscheidung näher erläutert.

Der zweite große Teil bei der Beschreibung der Entwicklung des chinesischen Outbound-Tourismus befasst sich mit der Seite des Angebots, beziehungsweise der Produzentenseite. Ein Überblick über die Entwicklung der chinesische Reiseindustrie leitet das Kapitel ein. Da die Führung Chinas einen weit reichenden Einfluss hat, wird auf die Tourismuspolitik gesondert eingegangen. Danach folgt eine Beschreibung der touristischen Infrastruktur, die hinsichtlich des Outbound-Tourismus relevant ist. Das System der Reiseagenturen insgesamt wird dargestellt, gefolgt von einem Überblick über chinesische Outbound-Reiseagenturen und Incoming-Agenturen in Europa. Abgerundet wird dieses Kapitel mit der Darstellung der Hauptprobleme der chinesischen Reiseindustrie und einer Erörterung der Veränderungen dieser im Rahmen des Beitritts zur World Trade Organization.

Abschluss des Theoretischen Teils bildet eine Zusammenfassung.

Der Praktische Teil stellt eine Ergänzung des theoretischen Teils dar, der nicht alle Fragen klären konnte. Somit stellt der Praktische Teil eine Lösung des Informationsdefizits dar, was die Motivation und Zufriedenheit der chinesischen Reisenden mit Europarundreisen betrifft.

Die Autoren haben einen Tourism-Service-Quality Fragebogen entworfen, der nicht nur Informationen zur Person abfragte, sondern auch Informationen hinsichtlich der Motivation und Zufriedenheit liefern sollte. Dieser Fragebogen wurde an vier Busgruppen chinesischer Gäste auf Europarundreise verteilt. 154 Fragebögen waren auswertbar. Die Ergebnisse werden dargestellt, diskutiert und durch eine Fremd-einschätzung durch chinesische Reiseleiter ergänzt.

Anschließend werden, aufbauend auf diesen Ergebnissen, Handlungsempfehlungen für Reiseveranstalter beim Umgang mit chinesischen Reisegruppen gegeben.

Das Vierte Kapitel ist die Zusammenfassung und die Schlussbemerkung.

Neben der Literaturrecherche und der Auswertung von Sekundärquellen wurden von den Autoren auch Interviews mit Experten auf dem Gebiet des chinesischen Outbound-Marktes geführt, um ihr Wissen zu vertiefen.

Wie bereits angesprochen, ist der moderne Tourismus in der VR China eine relativ junge Erscheinung, weshalb die Daten zur Entwicklung des Tourismus und damit zusammenhängenden Aspekten oft lückenhaft und unvollständig sind. Mayr[9] beurteilt die Situation der Fremdenverkehrsstatistik in der VR China wie folgt: „China hat eine höchst unzureichende Fremdenverkehrsstatistik, die nur einen bescheidenen Satz von regionalisierten Daten enthält,...“.

Bis zum Jahr 2005 hat sich an dieser Situation nicht viel geändert und eine der in Deutschland jährlich von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (F.U.R.) durchgeführte vergleichbare Reiseanalyse, ist nicht erhältlich.[10] Die Beschaffung wichtiger Informationen, die nicht in der allgemein zugänglichen Literatur, wie etwa die der WTO, zu entnehmen war, hat sich somit als schwierig erwiesen.

Die bei der Untersuchung herangezogenen statistischen Quellen unterscheiden sich darüber hinaus in den Erhebungsmethoden, so dass eine Übertragbarkeit fehlender Daten von der einen auf die anderen Quelle nicht ohne weiteres vorgenommen werden kann. Bei den Statistiken über Auslandsreisen etwa, muss beachtet werden, dass auch Reisen in die Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao als Reisen ins Ausland gelten.

1.4 Begriffsbestimmungen

Die in der Tourismusindustrie verwendete Terminologie ist vielfältig, lässt aber oft eine eindeutige Definition eines Sachverhaltes vermissen, weil Begriffe in der Fachliteratur teilweise synonym verwendet werden und nicht standardisiert sind.

So verwendet Kaspar etwa die Begriffe „Tourismus“ und „Fremdenverkehr“ synonym und versteht darunter die „Gesamtheit der Beziehungen und Erscheinungen, die sich aus der Ortsveränderung und dem Aufenthalt von Personen ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsächlicher und dauernder Wohn- und Aufenthaltsort ist.“[11] Diese synonyme Verwendung der Begriffe ist allerdings irreführend, da ein Unterschied zwischen beiden Termini existiert, der später ersichtlich wird.

Althof[12] hingegen vermeidet den Begriff „Fremdenverkehr“, weil er den seiner Ansicht nach psychologisch negativ besetzten Begriff „Fremder“ vermeiden möchte und verwendet deshalb den Begriff „Incoming-Tourismus“, um die Reisen von Ausländern ins Inland zu beschreiben.

Damit reiht er sich in die deutsche Fachliteratur ein, die aus Marketinggründen dazu übergangen ist, den Fremdenverkehr in „Incoming-Tourismus“ umzubenennen, trotz anderweitiger Definitionen der World Tourism Organization (WTO).

Im Folgenden sollen die Definitionen der WTO[13] den Standard für diese Arbeit setzen.

- Tourismus – Die Aktivitäten von Personen, die an Orte außerhalb ihrer gewöhnlichen Umgebung reisen, um dort aus Gründen der Freizeit, aus geschäftlichen Gründen und anderen Gründen nicht länger als ein Jahr zu bleiben.
- Tourist – Besucher, der mindestens eine Nacht in einer Unterkunft am Besuchsort verbringt. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich hierbei um eine private Unterkunft handelt.
- Ausflügler – Besucher, der keine Nacht in einer Unterkunft am Besuchsort verbringt.
- Besucher – jede Person, die zu einem anderen Ort als dem gewohnten reist und dort kürzer als 12 aufeinander folgende Monate verweilt und dessen Hauptgrund der Reise nicht die bezahlte Arbeit im Besuchsort ist.
- Reisender – jede Person auf einer Reise zwischen zwei oder mehreren Aufenthaltsorten.

So wie man unterschiedliche Arten von Urlaubern unterscheiden kann, die sich wie gezeigt hinsichtlich der Kriterien Reisemotiv und Aufenthaltsdauer am Besuchsort unterscheiden, so lassen sich auch unterschiedliche Arten von Reisen unterscheiden. Diese kann man in Kategorien einteilen, die nach Reisender, Destination und Reisemotiv divergieren.

Im Folgenden soll der Begriff „ Destination “ nach Bieger[14] verstanden werden als:

„Geographischer Raum... , den der jeweilige Gast ... als Reiseziel auswählt. Sie enthält sämtliche für einen Aufenthalt notwendigen Einrichtungen für Beherbergung, Verpflegung, Unterhaltung/Beschäftigung. Sie ist damit das eigentliche Produkt und die Wettbewerbseinheit im Tourismus, die als strategische Geschäftseinheit geführt werden muss.“

Die WTO empfiehlt, die touristischen Aktivitäten mit Hilfe von drei Arten von Reiseverkehrsströmen zu klassifizieren:

Domestic-Tourismus = Reisen von Inländern im Inland (=Binnenreiseverkehr)

Outbound-Tourismus = Reisen von Inländern ins Ausland (= Ausreiseverkehr)

Inbound-Tourismus = Reisen von Ausländern ins Inland (=Einreiseverkehr)

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem chinesischen Outbound-Tourismus. Darunter sollen im Rahmen der Arbeit alle Reisen der Einwohner der VR China ins Ausland verstanden werden.

Legt man ein Land als Ausgangspunkt fest, in diesem Falle China, so kann man die Begriffe „Domestic“, „Inbound“ und „Outbound“ auch kombinieren und folgende Bezeichnungen verwenden:

Inlandstourismus = umfasst den Binnenreiseverkehr und den Einreiseverkehr (= Incoming-Tourismus)

Nationaler Tourismus = umfasst Domestic- und Outbound-Tourismus (= Outgoing-Tourismus)

Internationaler Tourismus = besteht aus Inbound- und Outbound-Tourismus[15]

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich ebenfalls in geringem Umfang mit dem „National Tourism“ Chinas, also der Tourismusentwicklung des Landes insgesamt.

Der Begriff „International Tourism“, also der Internationale Tourismus, ist bei der Betrachtung der Reiseströme des Welttourismus von Bedeutung. Der Begriff soll im Rahmen dieser Arbeit folglich als Gesamtheit aller, die Landesgrenzen überschreitenden, Reiseströme verstanden werden.

Hinsichtlich der Reisemotivation kann man grob zwischen Leisure Tourism, den Freizeitreisen und Business Travel, den Geschäftsreisen unterscheiden. Der Geschäftstourismus wird heutzutage auch in Deutschland mit dem Anglizismus MICE-Tourismus umschrieben, da der Geschäftstourismus aus den Segmenten M eetings, I ncentives, C onventions und E xpositions besteht.

Meetings können hierbei als Veranstaltungen bezeichnet werden, auf denen Menschen zusammen kommen, um Ideen und Gedanken auszutauschen. Unter Incentive Travel versteht man ein Segment des Geschäftstourismus. Eine Reise wird hierbei als Incentive, also als ein Anreiz oder eine Belohnung für Erreichtes von einer Unternehmung für deren Angestellten bezahlt. Das Wort Expositions deckt sich mit dem Begriff der Messe. Auf einer Messe stellen Aussteller ihre Produkte oder Dienstleistungen aus und erreichen damit potentielle Kunden und Käufer. Der Begriff Conventions entspricht dem deutschen Wort Kongress. Ein Kongress ist eine Mischung aus Meeting und Messe, denn Menschen kommen zusammen, tauschen Informationen aus und nebenbei werden auch noch Produkte oder Dienstleistungen ausgestellt.[16]

Oft werden Geschäftsreisen aber nicht ausschließlich aus Gründen des Business unternommen. Vielmehr wird der Besuch zum Zwecke des Geldverdienens auch für Freizeitaktivitäten in der Destination genutzt. Der Geschäftstourismus ist daher geprägt durch eine Mischung der Reisemotivation. Zum einen möchte der Tourist seiner geschäftlichen Tätigkeit nachgehen, zum anderen möchte er aber auch seine Freizeit in der Destination nutzen.

Wie die Autoren später noch aufzeigen werden, sind ein beachtlicher Teil der chinesischen Geschäftsreisen „versteckte“ Freizeitreisen. Eine klare Trennung zwischen beiden Begriffen ist somit im Rahmen dieser Arbeit nur begrenzt sinnvoll, da Freizeittourismus von Geschäftstourismus in Statistiken von Nicht-ADS-Staaten ohnehin nicht zu unterscheiden sind.

Der Begriff ADS steht für Approved-Destination-Status, oder Authorised Destination Status. Dies bedeutet, dass chinesische Reisegruppen nur in Länder reisen dürfen, die diesen Sonderstatus besitzen. Besitzt ein Land diesen Status nicht, so ist offiziell nur eine Einreise aufgrund einer Geschäftsreise erlaubt, was den hohen Anteil an „verstecktem“ Freizeittourismus erklärt.

2 Theoretischer Teil

2.1 Der Welttourismus

Es war eine Mischung aus Wunsch, Beweglichkeit, Erreichbarkeit und Bezahlbarkeit, die den modernen Massentourismus ermöglichten. Mit dem 20. Jh. kamen neue Technologien, wie etwa die Luftfahrt, die Computer, die Roboter und die Kommunikation über Satelliten, die die Art und Weise verändert haben, wie die Menschen heute leben, arbeiten und sich amüsieren. Der modernen Technologie ist es in mehrfacher Hinsicht zu verdanken, dass sich der moderne Massentourismus entwickelte, denn sie war es, die die zur Verfügung stehende freie Zeit der Menschen vergrößerte und das zur Verfügung stehende Einkommen erhöhte. Ihr ist es auch zu verdanken, dass sich die Telekommunikation verbesserte und effizientere Fortbewegungsmittel zur Verfügung stehen.

Einige Länder allerdings hatten und haben von dieser Veränderung in technischer Hinsicht nicht in gleichem Masse profitiert. Global gesehen kann man aber davon ausgehen, dass trotz immer wiederkehrenden Rezessionen, politischen Unruhen, Kriegen und Unsicherheiten hinsichtlich des Preises und Verfügbarkeit von Öl, der Internationale Tourismus auch in Zukunft einer der dynamischsten Wachstumsmärkte der Weltwirtschaft bleiben wird. In den Ländern der Ersten Welt ist Verreisen nicht mehr nur ein Vorrecht für ein paar Privilegierte. Vielmehr können Millionen Menschen heute neue Orte genießen, ihre gewohnte Umgebung verlassen und nach neuen Erfahrungen streben. Im neuen Zeitalter dieses Internationalen Tourismus, in Zeiten der Globalisierung, werden die Reiseströme aber von einer Reihe exogener Faktoren beeinflusst. Diese Faktoren sind zum einen die wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung, zum anderen technologische Entwicklungen und Innovationen sowie Umwelt- und Marketingfragen, um nur einige zu nennen. Diese Faktoren, zu denen auch die Frage der Sicherheit des Reisens in Zeiten des Terrors zählt, müssen von den Verantwortlichen bei der Produktentwicklung und bei der Ausführung der Reisen berücksichtigt werden.[17]

2.1.1 Entwicklung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Entwicklung des Welttourismus, 1960-2000

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Zahlen aus Tabelle 2-1

Die Anfänge des modernen Internationalen Tourismus liegen in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Ab dann entwickelte er sich relativ dynamisch, wie auf Abbildung 1 zu erkennen ist. So wuchsen die internationalen Touristenankünfte im Zeitraum von 1960-2000 mit durchschnittlich 5,8%, wohingegen die Einnahmen aus dem Tourismus sich im gleichen Zeitraum sogar fast verdoppelten und um durchschnittlich 11% jährlich stiegen.[18]

Der Internationale Tourismus entwickelte sich sehr dynamisch. In den letzten Jahrzehnten wuchs der Internationale Tourismus sogar deutlich rascher als die Weltwirtschaft. Sowohl in Ländern mit niedrigen Einkommen, als auch in Ländern mit mittleren und hohen Einkommen expandierte der Tourismus schneller als die Gesamtwirtschaft.[19]

Während das Welt-BIP von etwa 450 Mrd. US$ im Jahr 1980 auf etwa 700 Mrd. US$ im Jahr 2000 stieg, was einer Steigerung von 250 Mrd. und somit etwa einer Steigerung von 56% entspricht, stiegen die weltweiten Touristenankünfte von etwa 290 Mio. im Jahr 1980 auf etwa 670 Mio. im Jahr 2000 (Tabelle 2-1), was einem Anstieg um etwa 380 Mio. entspricht und somit eine Steigerung um 131% bedeutet.[20]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2-1: Internationale Ankünfte (in Mio.), 1960-2000

Quelle: Eigene Darstellung nach WTO in Smeral, S.: Die Zukunft des Internationalen Tourismus, 2003, S.16

Zwischen 1980 und 2000 stieg die Anzahl der internationalen Touristenankünfte also deutlich rascher als das Welt-BIP.

Folgende Tabelle stellt die internationalen Ankünfte in Prozent pro Region dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2-2: Internationale Ankünfte 1960-2000 in Prozent pro Region

Quelle: Eigene Darstellung nach WTO in Smeral, S.: Die Zukunft des Internationalen Tourismus, 2003, S.16

Die Wachstumsraten des Welttourismus in den letzten Dekaden sind nicht mehr so groß wie in den ersten Dekaden (siehe Tabelle 2-3). Wachstumseinbrüche der Weltwirtschaft oder kriegerische Ereignisse führten bislang allerdings meist nur zu einer Verlangsamung der Tourismusexpansion, gefährdeten aber nicht das Wachstum insgesamt. Als einschneidende wirtschaftliche Ereignisse sind etwa die Ölkrisen 1973 und 1981 zu nennen, oder die Asienkrise 1998. Als kriegerische Ereignisse beeinflussten etwa der erste Golfkrieg 1991 oder die politischen Unruhen in der Türkei oder Ägypten Ende der 90er die Reiseströme. Zu drastischen Nachfrageeinbrüchen kam es auch 2001 aufgrund einer schwächeren Weltkonjunktur, dem Anschlag des 11. September und dem Krieg in Afghanistan. Folge war ein Rückgang des Gesamtwachstums um 1,3%, was der stärkste Rückgang seit 1982 war.[21]

Langfristig betrachtet expandierte der internationale Tourismus in Asien und im pazifischen Becken am stärksten, während die Steigerungsraten in Europa sowie Nord- und Südamerika relativ gering ausfielen (Tabelle 2-3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2-3: Durchschnittliche jährliche Veränderung der Internationalen Ankünfte in Prozent

Quelle: Eigene Darstellung nach WTO in Smeral, S.: Die Zukunft des Internationalen Tourismus, 2003, S.16

In Folge der stärkeren Wachstumsraten in Asien und im pazifischen Raum verlor deshalb Europa innerhalb von vier Jahrzehnten etwa 14 Prozentpunkte seines Anteils an den weltweiten Touristenankünften. Besaß Europa 1960 noch einen relativen Marktanteil von 72,62%, so waren es 2000 nur noch 58,92% (vergleiche Abbildungen 2 und 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Internationale Ankünfte 1960 in Prozent pro Region

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Zahlen aus Tabelle 2-2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Internationale Ankünfte 2000 in Prozent pro Region

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Zahlen aus Tabelle 2-2

Asien und der pazifische Raum konnten hingegen etwa 13 Prozentpunkte hinzugewinnen. Betrug der relative Marktanteil 1960 noch 1,02%, so wuchs er bis zur Jahrtausendwende auf 13,91%, wie auf Abbildung 3 zu erkennen ist. Zwar konnten auch Afrika und der Nahe Osten ihre Marktanteile ausbauen, aber da ihr relativer Marktanteil gering ausfällt, hatte dies auf eine grundsätzliche Verschiebung der Marktanteile keinen großen Einfluss.

Der gesamte afrikanische Kontinent konnte in vier Jahrzehnten seinen relativen Marktanteil an den internationalen Touristenankünften nur um etwa 3 Prozentpunkte steigern und besaß damit zur Jahrtausendwende einen relativen Marktanteil von nur 4,1% (siehe Tabelle 2-2).[22]

2003 waren die einschneidenden Ereignisse der Irakkrieg und der Ausbruch der Lungenkrankheit SARS in China. Gemäß Daten der IATA brach das internationale Passagieraufkommen im Flugverkehr von Januar bis August um 5,7% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein. Wie in Abbildung 4 zu sehen ist, wirkten sich diese Ereignisse besonders stark auf Nordamerika und den Asiatisch-Pazifischen Raum aus. Nordamerika büßte etwa 10 Prozent am Passagiervolumen ein, wohingegen im asiatisch pazifischen Raum ein noch größerer Verlust von 14,4% gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen war (vgl. Abb. 4).[23]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Veränderung des weltweiten Flugverkehrs, 2002/2003 in Prozent

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an WTO World Tourism Barometer, October 2003, S.9 in http://www.world-tourism.org, 10.12.2004

Der Welttourismus insgesamt und auch der Tourismus in China erholten sich aber wieder von diesem Einschnitt. Betrachtet man das durchschnittliche Wachstum des „Personal Travel & Tourism“, was den Konsumentenausgaben für Tourismus- und Reiseaktivitäten entspricht, so nimmt China, wie Tabelle 2-4 zu entnehmen ist, eine herausragende Stellung ein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2-4: Wachstum „Personal Travel & Tourism“ ausgewählter Länder, 1994-2004

Quelle: Eigene Darstellung nach WTTC: China, 2004, S.16, http://www.wttc.org, 06.12.2004

2.1.2 Wirtschaftliche Auswirkungen und Entwicklungen des Internationalen Tourismus

Heute, in einer Zeit der Internationalisierung und Globalisierung, zählt in vielen Ländern der Tourismus zu den wichtigsten Branchen der Volkswirtschaft. So gehört der Tourismus z.B. in 83% der Länder zu den fünf wichtigsten Exportbereichen und ist die maßgebliche Devisenquelle in zumindest 38% der Länder.[24]

Urlaubstourismus, im Gegensatz zu Geschäftstourismus hat eine wirtschaftliche Ausgleichsfunktion, weil Geld in Regionen fließt, die wirtschaftlich nicht so stark entwickelt, dafür aber landschaftlich attraktiv sind.

Der aus wirtschaftlicher Sicht angestrebte Zustand für eine Volkswirtschaft, ist der Zufluss von ausländischen Devisen.[25] Ein Devisenüberschuss aus der Reisetätigkeit wird dann erreicht, wenn ausländische Gäste insgesamt mehr im bereisten Land ausgeben, als die Einwohner dieses Landes umgekehrt im Ausland ausgeben. Als bekannte und beliebte internationale Reisedestinationen sind die USA, Frankreich und Italien führend beim Devisenüberschuss aus der Reisetätigkeit. Eine Devisen-beschränkung, auf die später eingegangen wird, stellt eine Möglichkeit dar, diesen angestrebten Zustand zu erreichen.

Ein weniger erwünschter Zustand aus wirtschaftlicher Sicht, ist ein Devisendefizit aus der Reisetätigkeit. Dieses Defizit entsteht dann, wenn die Reiseausgaben der Einwohner eines gegebenen Landes im Ausland, die Einnahmen durch ausländischen Touristen im Inland, übersteigt. Japan, beispielsweise ist ein Land, das schon seit einiger Zeit ein Devisenabfluss verzeichnet, weil viele Japaner das Land verlassen und ihr Geld im Ausland ausgeben und gleichzeitig aufgrund eines ungünstigen Währungskurses nicht in gleichem Masse von Einnahmen ausländischer Touristen profitieren konnte.[26] Auch in Deutschland, dem Reiseweltmeister, ist ein Devisendefizit aus der Reisetätigkeit zu verzeichnen.

Insgesamt betrachtet, sind die Einnahmen aus dem Internationalen Tourismus stark gestiegen. Betrugen die Einnahmen aus dem Internationalen Tourismus 1960 noch 6.857 Mio. US$, so wuchsen sie innerhalb von 4 Dekaden auf 455.464 Mio. US$ im Jahr 1999 (siehe Tabelle 2-5).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2-5: Weltweite Einnahmen aus dem Internationalen Tourismus (in Mio. US$), 1960-2002

Quelle: Eigene Darstellung nach WTO in Statistisches Bundesamt: Tourismus in Zahlen, 2001, S.250; http://www.world-tourism.org, 16.12.2004

Wie bereits angesprochen, haben sich mehrere Ereignisse in den letzten Jahren auch auf die weltweiten Einnahmen aus dem Internationalen Tourismus ausgewirkt. 1997 wirkte sich die Asienkrise auf die Einnahmen aus, 2001 war der Anschlag auf das World Trade Centre in Amerika und 2003 sollte sich auch SARS auf die Einnahmen auswirken.

Eine Gliederung der WTO vom Juni 2004 nach Einnahmen aus dem Internationalen Tourismus sieht wie folgt aus (die Zahlen für 2003 sind geschätzt):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2-6: Länderranking - Einnahmen aus dem Internationalen Tourismus, 2002/2003

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an “WTO World Tourism Barometer”, June 2004, S.3 in http://www.word-tourism.org, 10.12.2004

Wie man auf Tabelle 2-6 erkennen kann, liegt China heute etwa auf dem 7. Platz hinsichtlich der Einnahmen aus dem Internationalen Tourismus. Das Jahr 2003 kann aufgrund des Ausbruchs der Lungenkrankheit SARS als Ausnahmejahr aufgefasst werden.

2.1.3 Reiseströme

Die Weltreiseströme sind ungleich verteilt zwischen den Regionen. Die 715 Millionen Internationalen Touristen-Ankünfte, die im Jahr 2002 zu verzeichnen waren, konzentrieren sich auf ein paar wenige Märkte und Regionen. Drei Regionen der Welt haben den größten Anteil am Internationalen Tourismus und zwar nicht nur als Empfängerländer, sondern auch als Entsendeländer – Europa, Nord- und Südostasien und Nordamerika. Etwa 58% der Internationalen Touristenankünfte entfallen auf Europa, 16% finden in Nord- und Südostasien statt und 12% sind in Nordamerika zu verzeichnen. Zusammengenommen kommen also neun von zehn internationalen Touristen in diesen Regionen an. Auffallend ist hierbei, dass der afrikanische Kontinent nur marginal am internationalen Tourismus partizipiert. Hinsichtlich der Tourismusnachfrage, einer Messgröße für den wirtschaftlichen Einfluss des Tourismus auf die Wirtschaft insgesamt, konzentriert sich der Tourismus auf die Top 4 der Welt: USA, Deutschland, Großbritannien und Japan. Die ersten zehn Länder der Welt USA, Deutschland, Großbritannien, Japan, Frankreich, Italien, China, die Niederlande, Kanada und Belgien/Luxemburg tragen mehr als die Hälfte zur Tourismusnachfrage weltweit bei.[27]

Der Großteil des Tourismus findet innerhalb einer Region statt, da sich der so genannte „Distance-Decay-Factor“ auswirkt. Dieser besagt, dass mit zunehmender Entfernung, aufgrund der steigenden Reisekosten und dem steigenden Zeitaufwand, die Anzahl der getätigten Reisen sinkt. So stammen etwa 87% der internationalen Ankünfte in Europa aus europäischen Ländern (ungefähr 350 Millionen Ankünfte). In Amerika stammen 71% der internationalen Ankünfte vom amerikanischen Kontinent (92 Millionen Ankünfte) und 77% der internationalen Ankünfte im asiatisch-pazifischen Raum stammen von diesem selbst (88 Millionen).[28]

Abgesehen von diesen intraregionalen Aktivitäten, existieren 6 Hauptreiseströme, die den internationalen Tourismus dominieren und etwa ein Viertel aller Ankünfte weltweit ausmachen. Wie in Abbildung 5 zu erkennen ist, befinden sich die größten Reiseströme, die in der Abbildung rot gefärbt sind, zwischen Europa und Amerika. Vom Volumen her mittlere Reiseströme wurden blau eingefärbt und Reiseströme in geringem Ausmaß wurden gelb gefärbt. Die Pfeile geben die Richtung der Reiseströme an, die Zahlen bei den Pfeilen stellen die Ankünfte in Mio. dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Die wichtigsten internationalen Reiseströme, 2000 (Mio. Ankünfte)

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Todd, G.: Climate Change and Tourism, 2003, S.8 in http://www.world-tourism.org, 09.12.2004

Rangfolge der Weltreiseströme nach Ankünften:

1. Nordeuropa nach Südeuropa: 116 Millionen (nicht in Abbildung 5 zu erkennen)
2. Nordamerika nach Europa: 23 Millionen (großer Reisestrom)
3. Europa nach Nordamerika: 15 Millionen (großer Reisestrom)
4. Nord-Ost-Asien nach Süd-Ost-Asien: 10 Millionen (mittlerer Reisestrom)
5. Nord-Ost Asien nach Nordamerika: 8 Millionen (mittlerer Reisestrom)
6. Nordamerika in die Karibik: 8 Millionen (mittlerer Reisestrom)[29]

Es sei angemerkt, dass der Anteil von Business-, Leisure- und VFR- (Visit Friends and Relatives) Tourismus zwischen den unterschiedlichen Regionen variiert. Weiter kann man davon ausgehen, dass eine Nord-Süd Bewegung der Reiseströme, wie sie etwa von Nordeuropa nach Südeuropa und von Nordamerika in die Karibik zu verzeichnen ist, hauptsächlich wegen der unterschiedlichen klimatischen Bedingungen zu verzeichnen ist.

Zwar ist das Massenphänomen des Reisens bei diesen Reiseströmen nicht nur durch Freizeittourismus zu erklären, aber der Wunsch, eine sonnige Destination zu besuchen, steht im Vordergrund.

Weit weniger wichtig ist das Wetter bei dem Reisestrom von Nordamerika nach Europa, weshalb hier ein größerer Anteil von Business-Reisen vorherrscht. Bei Leisure Touristen dieses Reisestromes steht nicht das Wetter im Vordergrund, weil es sich nicht sehr vom eigenen unterscheidet. Die Reise wird vielmehr unternommen, weil man die fremde Kultur erfahren und seine Sehenswürdigkeiten besuchen möchte.

Die Sonne-Sand und Meer Komponente ist, weil ebenso eine Nord-Süd-Bewegung, stark ausgeprägt beim Reisestrom innerhalb Asiens. Allerdings ist der Anteil von Business und VFR-Reisen ebenfalls bedeutend beim Reisestrom Nord-Ost-Asien nach Süd-Ost-Asien. Die Zusammensetzung des Anteils der Reisenden bei den Reiseströmen von Nord-Ost-Asien nach Nordamerika und zwischen Europa und Nordamerika umfasst ebenfalls eine Reihe unterschiedlicher Arten von Reisenden.

Die wichtigsten Regionen:

Europa hält den Hauptanteil an touristischen Aktivitäten weltweit. Innerhalb Europas finden die meisten Reisen statt – die wichtigsten Entsendeländer liegen im Norden, Westen und in der Mitte Europas. Zusammengerechnet betrugen die Ankünfte 162 Millionen im Jahr 2000. Der größte einzelne Reisestrom allerdings ist der vom kühlen Norden in die warmen, mediterranen Länder im Süden, die besonders in den Sommerferien gefragt sind. Diesem Reisestrom sind etwa 116 Millionen Ankünfte im Jahr 2000 zuzurechnen, was etwa schon einem Sechstel der weltweiten Touristenankünfte entspricht.

Europa ist ebenfalls ein wichtiges Quellgebiet des weltweiten Outbound-Reisemarktes. 15 Millionen Europäer überquerten im Jahr 2000 den Atlantik und reisten nach Nordamerika. Die Reiseströme nach Nord-Ost-Asien und Süd-Ost-Asien sind zwar von der Anzahl her deutlich kleiner (je 5 Millionen), aber dennoch beachtlich. In die Karibik reisen etwa 4 Millionen Europäer.[30]

Nordamerika ist das zweitwichtigste Gebiet, wenn man den weltweiten Outbound-Tourismus betrachtet. So zog Europa im Jahr 2000 etwa 23 Millionen Touristen aus den USA und Kanada an. Während der Wintermonate verlassen auch viele Nordamerikaner ihr Land und reisen in die warme Karibik. Etwa 8 Millionen taten dies im Jahr 2000.

Das dritte Zentrum touristischer Aktivitäten ist Asien. Der Hauptreisestrom findet innerhalb dieser Region in Nord-Süd-Richtung statt. 10 Millionen reisten im Jahr 2000 von Nord nach Süd und 5 Millionen von Süd nach Nord.

Es existieren auch zwei relativ große Ströme außerhalb dieser Region. 5 Millionen Ankünfte von Europäern und 4 Millionen Ankünfte von Nordamerikanern verzeichnete Nord-Ost-Asien im Jahr 2000. Eine kleinere Anzahl wurde in Süd-Ost-Asien verzeichnet, das 5 Millionen Europäer empfing und 2 Millionen Amerikaner.[31]

Global betrachtet fallen andere Gebiete der Welt, die weniger entwickelt sind, nicht ins Gewicht. Süd-Amerika, Afrika, der Nahe Osten und Ozeanien spielen weder als Entsendeländer noch als Empfängerländer eine ähnlich bedeutende Rolle.

Laut Informationen der WTO vom Juni 2004 sieht die Verteilung der führenden Tourismusdestinationen wie folgt aus (die Zahlen für 2003 sind geschätzt):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2-7: Rangliste der Destinationen - Internationalen Touristenankünfte, 2003

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an „WTO World Tourism Barometer“, June 2004, S.3 in http://www.world-tourism.org, 10.12.2004

2.1.4 Zusammenfassung und Ausblick in die Zukunft

Zusammenfassend lässt sich also folgendes über den Welttourismus festhalten:

1. Der Internationale Tourismus wächst deutlich schneller als die Weltwirtschaft und hat sich seit seinen Anfängen sehr dynamisch entwickelt. Von einem Stopp des Wachstums angesichts exogener Einflüsse, ist nicht auszugehen.
2. Mit steigendem Wohlstand nehmen die touristischen Wachstumsraten ab. Die Tourismuswirtschaft in Niedriglohn-Ländern wächst schneller als in Hochlohn-Ländern.
3. Je nach Land und Region unterscheiden sich die Tourismuswachstumsraten erheblich voneinander. Nicht für jedes Land, bzw. jede Region hat der Tourismus den Charakter eines Luxusgutes.

Wie die WTO bereits 1996 prognostizierte, werden die internationalen Ankünfte im Ostasiatisch-Pazifischen Raum bis 2010 weltweit am stärksten wachsen (Tabelle 2-8).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2-8: Die Internationalen Ankünfte nach Region (in Mio.), 2010

Quelle: Eigene Darstellung nach WTO, WTO News, No.2, May/June 1996, S.3, in: WTO, International Tourism, 1997, S.30

Im Jahr 2000 führte die WTO eine Expertenbefragung durch, um die internationalen Touristenankünfte zu prognostizieren (WTO: Tourism 2020 Vision – Europe, 2000). Die Studie unterstellt nach 2010 langfristig keine Abschwächung des Wirtschaftswachstums und geht deshalb von einem jährlichen Wachstum von 3% aus. Die Touristenankünfte in Europa würden somit im Jahr 2020 etwa 717 Mio. betragen, weltweit 1,6 Mrd.

Die Experten der WTO gehen weiter davon aus, dass Europa zwar auch weiterhin mehr Ankünfte verzeichnen wird, aber nicht so stark wachsen wird, wie der Ostasiatisch-Pazifische Raum. Dies wird bis 2020 zu einer weiteren Verschiebung der relativen Marktanteile führen. So wird der europäische Anteil am Welttourismus langfristig von 58,9% im Jahr 2000 auf 45,9% im Jahr 2020 sinken. Im Gegensatz dazu wird der Anteil Ostasiens und des pazifischen Beckens am Welttourismus von 13,9% im Jahr 2000 auf 25,4% im Jahr 2020 steigen.[32]

Des Weiteren geht die WTO davon aus, dass in China 100 Mio. Touristen jährlich, bis zum Jahr 2020, das Land verlassen werden. Dies würde einer jährlichen Wachstumsrate von 1995-2020 von 12,8% entsprechen. Somit würde die VR China zum viertgrößten Entsenderland der Welt aufsteigen und seinen relativen Marktanteil am Outbound-Markt von 0,9% im Jahre 1995 auf 6,4% im Jahre 2020 ausbauen (siehe Tabelle 2-9).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2-9: Die führenden Outbound-Länder der Welt, 2020

Quelle: WTO: Chinese Outbound Tourism, 2003, S.28

Die Autoren stimmen mit Herrn Faber[33] überein: „Die Beschleunigung des Wandels selbst – der jetzt nachweislich ist, wenn sich Regionen öffnen, in die Marktwirtschaft eintreten und industrialisieren -, zusammen mit der Tatsache, dass so viele bevölkerungsreiche Länder (die ehemalige Sowjetunion, China und Indien) in das freie, globale, kapitalistische System eintreten werden, wird tatsächlich eine ‚neue Weltordnung’ schaffen.“ Allerdings fühlen sich die Autoren nicht in der Lage, die Entwicklungen zweier Dekaden vorherzusehen und können deshalb, den in folgendem Zitat zum Ausdruck gebrachten, Optimismus Herrn Fabers nur beschränkt teilen: „Wenn die USA innerhalb eines Jahrhunderts von einem sehr bescheidenen Start weg die weltweit dominante Wirtschaftsmacht werden konnten, dann wird es angesichts der Beschleunigung der Veränderungen...sehr wahrscheinlich sein, dass in zehn bis 20 Jahren China bei weitem die wichtigste Wirtschaft auf der Welt werden kann – unabhängig von der Zahl der Krisen, die es durchlaufen muss.“[34]

2.2 China im Überblick

China, beziehungsweise die Volksrepublik China, wie der offizielle Name des ostasiatischen Staates lautet, wird von den Chinesen selbst als „Zhōngguó“, als „Reich der Mitte“, bezeichnet. Der Name China wurde dem Land von Ausländern gegeben und leitet sich vermutlich von einer Dynastie des 3. Jahrhundert vor Christus ab. Der Name der Dynastie ist die Qin-Dynastie (221v.Chr.-206v.Chr.), die man „Tschin“ ausspricht. Über mehrere Stationen und Sprachen erreichte das Wort auf der Seidenstrasse Europa.[35]

Seit 1949 wurde die Volksrepublik China in folgende Teile gespaltet: Die Volksrepublik China, worunter man Festlandschina, Hongkong und Macao und zahlreiche weitere Inseln zählt sowie die Republik China „Zhōnghuá Mínguó“. Im alltäglichen Sprachgebrauch wird der Begriff Taiwan synonym für die Republik China verwendet, die streng genommen aus Taiwan, Penghu, Quemoy und Matsu besteht.[36]

Neuerdings wird aber auch der Begriff „Greater China“ verwendet, der neben dem Staatsgebiet der Volksrepublik auch die mit ihm verflochtenen und ethnisch weitgehend homogenen Wirtschaftsräume Taiwan, Hongkong, Macao und teilweise auch den Stadtstaat Singapur – mit seiner 75% chinesischen Bevölkerung – mit einschließt.[37]

Im Rahmen dieser Arbeit beschränken die Autoren dieser Diplomarbeit sich hinsichtlich der geographischen Betrachtung weitestgehend auf die Volksrepublik China. Hinsichtlich der Betrachtung der Entwicklung des Outbound-Tourismus beschränken sich die Autoren auf Festlandschina, denn die Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao werden in den meisten Statistiken als Ausland geführt. Ein Land – zwei Systeme.

2.2.1 Geographie und Klima

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Länderkarte China

Quelle: http://de.wikipedia.org, 21.02.2005

China befindet sich im Osten des asiatischen Kontinents, wobei sich die Volksrepublik China zwischen 18° und 54° nördlicher Breite sowie 71° und 135° östlicher Länge erstreckt. In China - dessen Territorium etwa vier Zeitzonen überschneiden würde - wird nur eine einzige Zeit benutzt, die der Greenwich Mean Time acht Stunden voraus ist. Ausschlaggebend für diese Festlegung war die Zeit in Peking. Im Westlichsten Zipfel von China ist somit der astronomische Mittag erst um 15:00 Uhr.

Die Volksrepublik China misst, inklusive der als 23. Provinz der Volksrepublik betrachtete Republik Taiwan und der Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao, 9.627.343 km². Somit ist China eines der größten Länder hinsichtlich der Ausdehnung und ist von der Fläche her vergleichbar mit den USA und etwa 27 mal größer als Deutschland.

Nur Kanada und die Russische Föderation übertreffen China hinsichtlich der räumlichen Ausdehnung. Die maximale Nord-Süd Ausdehnung beträgt etwa 4000km, die maximale West-Ostausdehnung etwa 5000km.[38]

China grenzt an 14 Staaten (siehe Anhang 1): im Westen an Tadschikistan, im Nordwesten an Kirgisien und Kasachstan, im Norden an die Mongolei und im Nordosten an Russland und Nordkorea, im Südosten an Vietnam, Laos, Myanmar, im Südwesten an Indien, Bhutan und Nepal sowie an Pakistan und Afghanistan. Die gesamte Länge der Landesgrenzen beträgt 22.117 km; die Küsten weisen eine Länge von 14.500 km auf.[39]

China verfügt über vielfältige Landschaften. Topographisch betrachtet, fällt das chinesische Festland wie eine Treppe mit vier großen Stufen, von Westen nach Osten ab. Aufgrund dessen fließen alle großen Ströme von West nach Ost und münden im Pazifik oder fließen gen Süden (Abbildung 7).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7 : Topographische Karte Chinas

Quelle: http://goasia.about.com, 21.02.2005

Der größte Teil des fruchtbaren Landes liegt entlang der zwei größten Flüsse, dem Chang Jiang (Yangtze) und dem Huang He. In diesem Gebiet wurden auch Chinas bedeutendste und älteste Ansiedlungen gegründet (Abbildung 6).

Im Osten, entlang der Küsten des Gelben Meeres und des Ostchinesischen Meeres, findet man weite und dicht besiedelte fruchtbare Ebenen vor. Die Ufer des Südchinesischen Meeres sind bergiger und die Landschaft Südchinas wird bestimmt durch Berge und Hügel.

Im Westen Chinas befindet sich das Hochland von Tibet. Südlich davon erstrecken sich das Himalayagebirge, wo sich auch der höchste Punkt, der Mount Everest, befindet. Der Nordwesten verfügt ebenfalls über hohe Plateaus. Dort befinden sich die Taklamakan Wüste sowie die Wüste Gobi. Aufgrund von längeren Dürreperioden und vielleicht auch wegen schlechten Ackerbaumethoden, breitet sich die Wüste Gobi aus. Sandstürme sind in im Norden während des Frühlings keine Seltenheit.[40]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Klimakarte Chinas

Quelle: http://www.chinalink.de, 21.02.2005

Aufgrund der Ausdehnung des Landes und durch die topographische Vielfalt des Landes, ist die VR China durch unterschiedliche Klimazonen geprägt. Diese sind aber alle durch den Monsun beeinflusst. Da der Monsun die verschiedenen Regionen Chinas aber unterschiedlich auswirkt, ergibt sich eine Zweiteilung Chinas in einen sommerfeuchten Osten und einen ganzjährig trockenen Westen. Der Wechsel von winterlicher zu sommerlicher Witterung beginnt in den Monaten Mai und Juni. Der Monsunregen setzt ein und wandert bis in den Juli nach Nordchina weiter. Gegen Ende des Sommers verlagert sich der Monsunregen wieder nach Süden. Im Herbst beginnt dann die Zeit der Taifune.

Diese Wirbelstürme, die vor allem in Südchina auftreten, können auf Taiwan und der Küste Festlandschinas verheerende Auswirkungen haben, schwächen sich allerdings auf dem Festland zunehmend ab und richten zunehmend weniger Schäden an.[41]

Aufgrund der Größe des Landes, kann man zwischen sechs verschiedenen Klimazonen unterscheiden:

1. Im Nordwesten Chinas herrscht ein Trockenklima vor, so dass die Landschaft von winterkalten wüsten- und steppenhaften Beckenlandschaften gekennzeichnet ist. Die spärlichen Niederschläge verteilen sich hier über das ganze Jahr. Die tages- und jahreszeitlichen Temperaturschwankungen sind in dieser Region besonders groß.
2. In Nordosten Chinas, der Mandschurei, herrscht ein hochkontinentales Klima. Aufgrund der Gebirgsabstimmung gegen den Pazifischen Ozean liegen die jährlichen Schwankungen der Temperaturen bei über 40° Celsius. Die Sommer sind subtropisch und zeichnen sich durch große Hitze und eine hohe Luftfeuchtigkeit aus, während die Winter trocken und kalt sind.
3. Das Tibetische Hochland mit Höhenlagen zwischen durchschnittlich 3.000 bis über 4.000 m.ü.NN zeichnet sich durch ein ausgeprägtes Hochlandklima aus. Die Winter sind dort extrem kalt und in den Sommermonaten fällt viel Regen, weil das Gebiet durch die Monsunzirkulation beeinflusst wird. Das Hochlandklima ist durch starke Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht sowie zwischen Sommer und Winter gekennzeichnet.
4. Das Wetter in Nord- und Zentralchina ist unterschiedlich. Generell zeichnet sich das Gebiet durch ein Winterkaltes Klima aus, aber die Niederschlagsmengen variieren stark je nach geographischer Breite und Entfernung zur Küste sowie je nach Höhenlage über dem Meer.
5. Der Süden und der Südwesten Chinas zeichnen sich durch ein Subtropisches Klima aus. Die Stadt Kunming in der Provinz Yunnan ist etwa als „Stadt des ewigen Frühlings“ bekannt, weil nur geringe Schwankungen während der Jahreszeiten auftreten. Je nach Höhenlage herrschen schwül-heiße Verhältnisse vor. Die Regenzeit dauert von Mai bis Oktober und die Wintermonate sind meist frostfrei.
6. Tropisches Monsunklima herrscht im äußersten Süden Chinas. Die Höchsttemperaturen liegen bei 30°C und die täglichen Temperaturschwankungen sind gering. Die Wintermonate sind frostfrei und niederschlagsarm. Ab Februar setzt der Sommermonsun ein, was sich durch steigende Niederschlagsmengen und infolgedessen eine hohe Luftfeuchtigkeit bemerkbar macht.[42]

2.2.2 Bevölkerung & Gesellschaft

2.2.2.1 Bevölkerungsentwicklung

Zwischen etwa 1770 und 1950 (180 Jahre), hat sich die Bevölkerungszahl Chinas verdoppelt. Von 1950 bis 1980 (30 Jahre) fand ebenfalls eine Verdoppelung der Bevölkerungszahl statt. Betrug die Bevölkerung nach einer Zählung von 1911 noch 374 Mio. Menschen, lag die Einwohnerzahl 1953 schon bei 582 Mio. 1953 wurde die erste Volkszählung durch die neue kommunistische Regierung durchgeführt, die 1949 an die Macht kam. Die zweite Volkszählung 1964 kam auf 695 Mio. Einwohner und die dritte Volkszählung 1982 wies eine Bevölkerungszahl von 1008 Mio. aus. Etwa 1980 wurde somit die „Milliardengrenze“ überschritten (vgl. Abb. 9).[43]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Bevölkerungsentwicklung Chinas, 1950-1999

Quelle: http://de.wikipedia.org, 21.02.2005

China führte seine 5. nationale Volkszählung am 1. November 2000 durch. Gemäß dieser Zählung, die sich aufgrund der schwer zu zählenden Wanderarbeiter als schwierig erwiesen hat, lebten in China insgesamt 1,29533 Milliarden Menschen.[44] Nach Schätzungen der Central Intelligence Agency (CIA) betrug die Einwohnerzahl der VR China 1.298.847.624 Einwohner im Juli 2004.[45] Somit ist China heute das bevölkerungsreichste Land der Erde. Es zeigt sich außerdem, dass trotz der Maßnahmen gegen ein zu großes Bevölkerungswachstum, die Gesamtbevölkerung immer noch steigt.

2.2.2.2 Bevölkerungspolitik

Überbevölkerung ist in China kein Phänomen der Neuzeit. Kriege, politische Unruhen und gewaltige Naturkatastrophen haben zwar in der Geschichte Chinas kurzfristig zu einer dramatischen Senkung des Bevölkerungswachstums geführt, wie in Abbildung 9 zu erkennen ist. Sie konnten aber den langfristigen Trend, hin zu einer Steigerung der Gesamtbevölkerung, nicht stoppen, sondern nur verlangsamen. So kamen in der Taiping-Revolution (1850-1864) schätzungsweise 20 Mio. Menschen ums Leben. Der so genannte „Große Sprung“ (1958-1960) kostete etwa 30-40 Mio. Einwohnern das Leben.[46]

Die politische Führung um Mao Zedong war der Ansicht, dass ein mächtiger Staat eine hohe Bevölkerung benötigt. In den fünfziger Jahren stieg die Bevölkerungszahl stark an, trotz niedriger Lebenserwartung. „Zum Motor des Wachstums sollte von nun an die Entwicklung der ländlichen Gebiete werden, in denen nach wie vor achtzig Prozent der Bevölkerung lebten. Mao setzte auf die einzige Ressource, die China im Überfluss besaß - die Masse seiner Menschen.“[47]

Erst am Ende der fünfziger Jahre begann man zögerlich mit Kampagnen zur Geburtenkontrolle, weil man vermutlich erkannte, dass es schwierig werden würde, so viele Menschen zu ernähren. Die Gesamt-bevölkerung Chinas sank vorübergehend während des „Großen Sprungs“ (Abbildung 9), der eine große Hungerkatastrophe mit auslöste.

Zahlreiche Geburtenplanungskampagnen wurden durchgeführt. Abtreibungen waren von diesem Zeitpunkt an erlaubt und Verhütungsmittel, wo vorhanden, kostenlos erhältlich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 10: Propagandaposter der Ein-Kind-Politik

Quelle: http://www.iisg.nl, 21.02.2005

Neben Kampagnen (siehe Abbildung 10) wurden das Heiratsalter erhöht und eine Zwei-Kind-Beschränkung eingeführt. In Zeiten der Wirtschaftsliberalisierungen und der Öffnung des Landes gegenüber dem Ausland Ende der 70er galt die Überbevölkerung als Haupthindernis für den wirtschaftlichen Fortschritt. Die seit 1979 geltenden Regeln sehen die Ein-Kind-Familie als Ideal vor. Sofortige Abtreibung bei ungenehmigten Schwangerschaften ist vorgesehen. Die Regeln sind regional allerdings sehr unterschiedlich und es gab immer eine hohe Anzahl von Ausnahmen. So wurden etwa den nationalen Minderheiten höhere Kinderzahlen zugestanden, ebenso Bauern, deren erstes Kind eine Tochter ist – während die männliche Nachkommenschaft für das Fortbestehen der Familie und der väterlichen Linie sehr willkommen ist, verursachen Töchter nach der traditionellen chinesischen Einstellung nichts als Kosten.

Die Sanktionierung von ungenehmigten Geburten reicht von Entzug von Sozialleistungen über Geldstrafen bis zu Entlassungsdrohungen. Die Durchführung dieser Politik gestaltet sich als schwierig, denn es gibt auf dem Schwarzmarkt gefälschte Lizenzen zu kaufen und korrupte Beamte verhindern ebenfalls eine effektive Durchführung der Politik.[48]

Dennoch wird geschätzt, dass durch die Geburtenkontrolle zwischen 300 und 340 Millionen Geburten verhindert wurden. Trotz dieser Maßnahmen wird die Bevölkerung weiter wachsen. Für etwa 2050 wird der Gipfel mit 1.5 Milliarden Menschen erwartet. Das aktuelle Bevölkerungswachstum liegt bei etwa 0,6% pro Jahr und das Ziel, die Bevölkerungszahl Chinas auf maximal 1,2 Mrd. Menschen zu begrenzen, wurde dennoch um etwa 70 Mio. überschritten.[49]

Im April 2004 wurde diese Regelung erneut gelockert: in Shanghai dürfen seitdem Geschiedene und wiederverheiratete Partner Nachwuchs bekommen, auch wenn sie schon ein Kind aus einer früheren Ehe haben.

Regeln:

- Für die Heirat benötigt ein Paar eine Heiratserlaubnis. Die Frau muss außerdem einen Nachweis erbringen, dass sie mit Maßnahmen der Empfängnisverhütung vertraut ist.
- Das Mindest - Heiratsalter wurde für Frauen auf 23 Jahre, für Männer auf 25 Jahre (auf dem Land) bzw. 26 Jahre (in der Stadt) festgesetzt.
- Es gibt ein eigenes Amt für Bevölkerungskontrolle. Wer ein Kind haben will, muss es vorher beantragen.
- Betriebe, teilweise auch Wohngebiete, bekommen Geburtenquoten zugeteilt. Dabei haftet nicht nur der Einzelne, sondern der gesamte Betrieb für deren Einhaltung.
Ausnahmen:
- In ländlichen Gebieten dürfen Paare zwei Kinder haben, wenn das erste Kind ein Mädchen ist.
- Nationale Minderheiten dürfen ebenfalls mehr als ein Kind haben.

Die Ein-Kind-Politik hat außer den Spannungen durch die Zwangsausführung der Abtreibung bei fehlender Genehmigung des Kindes auch andere soziale Probleme erzeugt. Das bekannteste Problem ist, vor allem in den Städten, die Entstehung einer Generation von Einzelkindern (die "kleinen Kaiser"), die von ihren Eltern und Großeltern besonders verwöhnt werden und infolge dessen wenig Sozialkompetenz entwickeln können und zunehmend an Übergewicht leiden. Das zweite Problem ist die Überalterung der Gesellschaft, was in vielen Jahren, wie bei uns in Deutschland, Probleme mit der Altersversorgung nach sich ziehen wird.[50]

Seit 1979 setzt China seine Ein-Kind-Politik radikal durch. Die traditionelle Vorliebe für männliche Nachkommen hat dazu geführt, dass weibliche Föten abgetrieben werden. Von 1982 bis 1989 stieg die Zahl männlicher Babys im Vergleich zu je 100 weiblichen von 107 auf 114. Dies liegt deutlich über dem biologischen Durchschnitt von 106. Beim zweiten Kind stieg das Verhältnis Mädchen zu Jungen sogar auf 100 zu 120. Selbst die Regierung stellt fest: "Fälle von Ertränken und Aussetzen weiblicher Säuglinge kommen von Zeit zu Zeit vor." Die Folge ist eine demographische Verschiebung - Frauenmangel -, die schon jetzt unangenehme Folgen für die Frauen in China hat: Sie werden zunehmend verschleppt und zu Ehen oder in die Prostitution gezwungen.[51]

„So hat nach einer Umfrage des Chinesischen Teenager-Entwicklungs- und Forschungszentrums rund ein Drittel aller Oberschüler immer noch keine Sexualkunde auf dem Stundenplan. Das erste fürs ganze Land herausgegebene Aufklärungsbuch lagert seit vorigem Jahr in den Lehrerzimmern, doch die meisten Exemplare sind bis heute nicht ausgepackt.

Nach wie vor haben viele Schüler deshalb keine Ahnung von Kondomen, Pessaren oder Pille; Schwangerschaftsabbrüche unter Schülerinnen häufen sich. In Chongqing zum Beispiel waren in diesem Jahr über ein Drittel aller Abtreibungspatientinnen Teenager.“[52]

Laut eines offiziellen Textes der Chinesischen Botschaft, steht China sechs Problemen hinsichtlich der Bevölkerungsstruktur gegenüber:[53]

1. Ein schwerwiegendes Ungleichgewicht hinsichtlich des Geschlechts bei Neugeborenen. Die Volkszählung 2000 zeigte, dass das Verhältnis männlich zu weiblich 119:92 erreichte, was sogar 130 in Provinzen wie Jianxi, Guangdong und Henan überstieg.
2. Die Zahl der Menschen mit Behinderungen bleibt hoch. Jährlich werden in China 800.000 bis 1.200.000 Behinderte geboren.
3. Die Überalterung der Gesellschaft (siehe Abbildung 12). Entwickelte Länder wie Großbritannien brauchten 80 Jahre, um eine Erwachsenengesellschaft zu einer älteren Gesellschaft zu entwickeln, wobei das Pro-Kopf-Einkommen von 5.000 US$ auf 10.000 US$ während desselben Zeitraums stieg. Einige Städte wie Dalian und Shanghai sind überaltert, bevor sie reich geworden sind.
4. Soziale Probleme, hervorgerufen durch die Wanderarbeit. In ländlichen Gebieten lassen Wanderarbeiter ihre Kinder zurück.
5. Kinder von Wanderarbeitern. Das größte Problem ist die Ausbildung und der Umstand, dass die Kinder ausgegrenzt werden. Schulen, die gebaut werden, um die Kinder von Wanderarbeitern zu unterrichten, können sich schwer messen mit anderen Schulen. Selbst wenn die Schulen für Kinder von Wanderarbeitern geöffnet werden, dann sind die Schulgebühren für die Eltern aufgrund des Einkommensunterschiedes, verglichen mit der Stadtbevölkerung, kaum aufzubringen.
6. Schwerwiegende Auswirkungen auf die Sicherheit der Bevölkerung, haben ansteckende Krankheiten, wie zum Beispiel AIDS. AIDS verbreitet sich rasch und zwar nicht nur innerhalb der Hochrisikogruppen.

Die aktuelle Bevölkerungsstruktur sieht wie folgt aus: 22,3% der Gesamtbevölkerung sind zwischen 0 und 14 Jahren alt (Abbildung 11). Etwa 153,4 Mio. dieser Altersklasse sind männlich und 135,8 Mio. sind weiblich. 70,3% sind zwischen 15 und 64 Jahren alt, davon 469,3 Mio. männlich, 443,2 Mio. weiblich. 65 Jahre und älter sind 7,5% der Bevölkerung, davon 46,3 Mio. Männer und 50,7 Mio. Frauen (Abbildung 12).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 11 : Die Bevölkerungsstruktur 2000

Quelle: http://www.wonaging.unc.edu, 16.12.2005

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 12 : Die Bevölkerungsstruktur 2050

Quelle: http://www.womanaging.unc.edu, 16.12.2005

2.2.2.3 Regionale Unterschiede in der Bevölkerungsdichte

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 13: Bevölkerungsdichte

Quelle: http://www.iiasa.ac.at, 17.12.2004

Im Jahr 2002 hat China eine Bevölkerungsdichte von 134 Personen pro km², während Deutschland eine Bevölkerungsdichte von 231 Einwohner pro km² aufweist. Diese absolute Zahl sagt allerdings nicht viel über die Bevölkerungsdichte in den einzelnen Provinzen aus, die sehr unterschiedlich ausfallen. Wie auf Abbildung 14 zu erkennen, lebt der Großteil der Bevölkerung im historischen Zentrum – den Plateaus, den Ebenen, den Becken Ost-Chinas. Die Regionen mit ihrem fruchtbarem Schwemmland, ihrem gutem Boden und ausreichend Wasservorrat waren schon seit jeher die erträglichsten Ackerbauflächen. Diese hohe Produktivität im Ackerbau spiegelt sich in der hohen Bevölkerungsdichte wider. In den urbanen Gebieten Ost-Chinas kann die Bevölkerungsdichte gar über 2.200 Personen pro km² steigen. Im Gegensatz dazu leben im unwirtlichen Westen nur wenige Menschen. Diese Regionen weisen teilweise sogar nur 10 Einwohner pro km² auf (siehe Tabelle 2-10).[54]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2-10: Rangliste Administrativer Regionen nach Bevölkerungsdichte

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an http://en.wikipedia.org, 18.12.2005

Wie auf Abbildung 13 zu erkennen ist, konzentriert sich die Bevölkerung in den Küstengebieten im Osten und in Zentralchina mit durchschnittlichen Einwohnerzahlen von 400 Einwohnern pro km². Weite Teile der westlichen Provinzen sind nahezu unbesiedelt. Die Nordwestliche Provinz Xinjiang, in der die muslimische Minderheit der Uiguren lebt, weist nur eine Bevölkerungsdichte von 11 Einwohnern pro km² auf und Tibet ist die Provinz, in der am wenigsten Menschen leben. 2 Einwohner pro km² leben hier.[55]

Die Ahui-Tengchong Linie stellt eine imaginäre Linie dar, die die VR China in zwei Hälften teilt. Eine Dichtbevölkerte im Osten und eine nahezu Unbevölkerte im Westen (Abbildung 14).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 14: Städte nach Einwohnerzahl

Quelle: Staiger B., Das große China-Lexikon, 2003, Tafel XIII

2.2.2.4 Urbanisierung und Migration

Die chinesische Regierung versuchte in den 50ern und 60ern die steigende Bevölkerungsdichte und damit den steigenden Druck in den Städten zu kompensieren, indem sie ein großes Umsiedelungsprogramm startete. Bis zu diesem Zeitpunkt kaum besiedelte Gebiete im Norden, Nordosten und Westen des Landes wurden bei der Umsiedelung von der Regierung forciert, was nicht nur aus wirtschaftlicher, sondern auch aus strategischer Überlegung heraus geschah. Erstens versprach man sich eine Urbarmachung des Landes und zweitens eine Sinisierung, das heißt eine Marginalisierung der dort lebenden Minderheiten durch die Han Chinesen. Man wollte abspalterischen Tendenzen dieser Minderheiten, ihrem Streben nach Unabhängigkeit, entgegentreten.[56]

Ein weiterer Gedanke, der während der Kulturrevolution (1966-1976) verwirklicht wurde, war die Idee der Umerziehung der Intellektuellen – sie sollten auf dem Land von den Bauern lernen und wurden dazu aus ihren Berufen entlassen und zur Landarbeit gezwungen. Um die Bewegung der Bürger zu kontrollieren, wurde ein spezielles Meldewesen, das Hukou-System, entworfen.

Vergleichbar einem internen Passsystem, war es seit den späten 50ern niemandem mehr erlaubt, ohne Polizeierlaubnis umzuziehen. Solch eine Erlaubnis wurde typischerweise nur an einige Individuen vergeben, die eine Arbeit in einer vom Staat unterstützten Firma fanden. Den meisten Menschen in den ländlichen Gebieten wurde es verwehrt, von ihrer Farm oder ihrem Dorf wegzuziehen, weshalb die Urbanisierungsrate nur mäßig war.

Nach dem Tod Maos 1976 wurde diese Verfahrensweise nach den Reformen 1978 weitgehend abgeschafft. Es ist allerdings immer noch schwierig für die Landbevölkerung in die Städte zu ziehen, weil die Regierung immer noch die Migration kontrolliert. Heute kann man deshalb von einer Benachteiligung der Wanderarbeiter sprechen, die in die Städte kommen, um im Niedriglohnsektor zu arbeiten. Viele Wanderarbeiter leben in ärmlichen Verhältnissen ohne ausreichend sanitäre Einrichtungen. Sie haben keinen Zugang zum Gesundheitssystem, weil erstens niemand umsonst behandelt wird und sie zweitens ohnehin größtenteils unangemeldet und illegal dort arbeiten. Auch deren Kinder haben somit keinen Zugang zum Schulsystem und müssen entweder betteln gehen, oder einen anderen Weg aus der Armut finden. Ungeachtet dieser Entbehrungen und Schwierigkeiten drängen immer mehr Bauern in die Städte, weil sie sich dort ein besseres Leben versprechen.[57]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2-11: Die Verstädterung Chinas, 1978-1999

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an China Statistic Almanac

Wie auf Tabelle 2-11 zu erkennen, ist die Urbanisierungsrate von 1978 mit etwa 18% auf etwa 31% im Jahre 1999 gestiegen. Grund hierfür waren die Wohlstandsunterschiede innerhalb Chinas. Das verfügbare durchschnittliche Jahreseinkommen der Stadtbevölkerung lag im Jahr 2001 bei 6.860 RMB, was 829 US$ entspricht. Die Landbevölkerung musste hingegen mit nur 2.366 RMB oder 286 US$ auskommen. In den Großstädten ist das Pro-Kopf-Einkommen am höchsten.

So liegt das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in Beijing bei etwa 3.000 US$, in Shanghai bei 4.000 US$. Im chinesischen Westen dagegen verfügt der Durchschnittsbürger hingegen nur über ein Einkommen von 500 US$ (vgl. Abb.25). Experten gehen davon aus, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich in den nächsten Jahren noch weiter öffnen wird, weil in den Städten die Einkommenszuwächse bei über 8% liegen, während auf dem Land nur etwa 4% erreicht werden. An dieser Stelle sei verwiesen auf das Kapitel Push-Faktoren/ Einkommen und Wohlstand, in dem näher auf das Einkommen eingegangen wird.

Die reichsten 20% aller Haushalte nahmen 1999 mehr als 46% des gesamten Volkseinkommens ein, die ärmsten 20% aller Haushalte dagegen weniger als 6%. Die bedeutet, dass die Hälfte aller Ersparnisse in China von nur 5% der Bevölkerung gehalten wird. Ein Großteil der extrem reichen Oberschicht lebt in den Zentren wie etwa Shanghai oder Guangzhou, in denen auch eine erhebliche Bevölkerungszunahme zu verzeichnen ist (siehe Tabelle 2-12).[58]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2-12: Rangliste der Städte Chinas nach Einwohnerzahl

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an http://de.wikipedia.org, 18.12.2004

Die schlechten Lebensbedingungen auf dem Lande sowie die Hoffnungen auf höhere Einkommen in den Städten, führten zu einer Migration von etwa 150 Mio. Wanderarbeitern, die in den Städten Arbeit suchen. Nach offizieller chinesischer Statistik lag die Arbeitslosenquote 2001 bei nur 3,6%, was aber nur ideologischen Charakter hat, weil die Statistik nicht mit der deutschen Statistik vergleichbar ist. Andere Statistiken gehen von einer viel höheren Arbeitslosenquote aus.[59]

Diese Diplomarbeit wird sich auf die Städte Beijing, Shanghai und Guangzhou konzentrieren, weil dies die Gebiete sind, in denen die meisten potentiellen Touristen leben und weil die Tourismusindustrie in diesen Regionen am fortgeschrittensten ist. Nähere Informationen zur Einkommensdisparität und Migration siehe Kapitel „Einkommen und Wohlstand“.

Es folgt nun eine detailliertere Sicht auf die Metropolen Chinas, die für den Outbound-Tourismus Chinas als Quellmarkt am bedeutsamsten sind.

2.2.2.4.1 Beijing

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 15: Beijing und Umgebung

Quelle: Microsoft Encarta Encyclopedia Deluxe 2003

Vor 1949 war Beijing (Běijīng), was soviel wie „Nördliche Hauptstadt“ bedeutet, in der westlichen Welt auch bekannt als Peking. Beijing Stadt ist eine regierungsunmittelbare Stadt, das heißt, sie ist direkt der Zentralregierung unterstellt. In der Hauptstadt konzentriert sich die Macht – sie ist Sitz der Führer und von dort spannt sich das Schienennetz über das Land. Die Stadt hat eine lange Geschichte, die 3.000 Jahre zurückreicht. Beijing ist nicht nur Chinas politisches, sondern vielmehr auch kulturelles Zentrum. Abgesehen davon ist Beijing ein Symbol für die schnellen und dramatischen Wandelungen, die China in den letzten 20 Jahren durchlaufen hat. Quasi fast alle Einwohner sind „Han-Chinesen“ und Mandarin ist die dominierende Sprache. Die Stadt zählt etwa 6 Mio. Einwohner – zählt man den Bezirk dazu, dann kommt man auf etwa 13 Mio.[60]

2.2.2.4.2 Shanghai

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 16: Shanghai und Umgebung

Quelle: Microsoft Encarta Encyclopedia Deluxe 2003

Shanghai (Shànghăi) wird auch als das „Tor zur Welt“ oder die „Perle des Orients“ bezeichnet. Shanghai liegt an der Küste der Ostchinesischen Meeres im Mündungsgebiet des Jangtsekiang am Huangpu-Fluss. Wie Beijing ist Shanghai eine regierungsunmittelbare Stadt und ist somit direkt der Zentralregierung unterstellt. Shanghai ist in 19 Bezirke unterteilt und beheimatet 13,4 Mio. Menschen im Stadtgebiet und etwa 17 Mio. im Ballungsgebiet. Shanghai kann als das Industriezentrum, Finanzzentrum und Zentrum der Geschäftswelt bezeichnet werden, weil das Pro-Kopf BIP am höchsten ist. Wie in Beijing wird Mandarin von den meisten gesprochen und verstanden.[61]

2.2.2.4.3 Guangzhou

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 17: Guangzhou und Umgebung

Quelle: Microsoft Encarta Encyclopedia Deluxe 2003

Guangzhou, in Deutschland auch bekannter unter dem Namen Kanton, ist ein bedeutender Industrie- und Handelsstandort in Südchina. In der Stadt leben etwa 3 Mio. Menschen, während der gesamte Bezirk etwa 7 Mio. Einwohner hat. Guangzhou ist die Hauptstadt der Provinz Guangdong, die im Jahre 2003 auch unrühmlich bekannt wurde als Epizentrum des Ausbruchs der Lungenkrankheit SARS. Die Provinz Guangdong ist eine der Regionen, deren Wirtschaft am schnellsten wächst und zählt schon heute zu den reichsten im Land. Da Guangzhou weit von der Hauptstadt Beijing entfernt ist, unterscheiden sich nicht nur die Sitten und Gebräuche vom Norden, sondern auch die Wertvorstellungen. In Kanton wird darüber hinaus eine andere Sprache gesprochen – kantonesisch. Die meisten Geschäftsleute verstehen allerdings auch Mandarin.[62]

2.2.2.5 Minderheiten und Sprache

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 18: Chinesische Sprachen

Quelle: Staiger B., Das große China-Lexikon, 2003, Tafel XVI

Chinesisch ist eine Untergruppe der sino-tibetischen Sprachfamilie. Die chinesische Sprache kann aber in viele Dialekte unterteilt werden, die sich voneinander so sehr unterscheiden wie etwa Spanisch und Französisch, die ja beide der romanischen Sprachfamilie angehören. Die Einwohner Chinas würden sich deshalb ohne eine gemeinsame Sprache nicht verstehen. Erst die so genannte Allgemeinsprache (Putonghua), die im Westen auch unter der Bezeichnung Mandarin bekannt ist, ermöglicht eine mündliche Kommunikation.[63]

1956 wurde die Allgemeinsprache Unterrichtssprache in allen Schulen und hat sich mittlerweile auch in fast allen Bereichen als Schriftsprache durchgesetzt. Die Aussprache des Hochchinesisch ist allerdings wie bei uns mit dem Hochdeutschen dialektisch gefärbt, so dass man zum Beispiel hören kann, ob eine Person aus dem Norden oder aus dem Süden des Landes stammt. 1958 wurde ebenfalls eine Reform des Schriftsystems durchgeführt, bei dem über 2.000 der traditionellen Schriftzeichen zu Kurzzeichen, so wie man sie heute kennt, vereinfacht wurden. Darüber hinaus wurde die so genannte Pinyin-Umschrift eingeführt, die das „phonetische Alphabet der chinesischen Sprache“ darstellt. Ausländern war es nun möglich, chinesische Zeichen mit lateinischen Buchstaben wiederzugeben.

Chinesisch wird heute von etwa 1.200 Mio. Menschen gesprochen, von denen die meisten in der VRC leben. Die am weitesten verbreitete Variante ist das Hanyu (Mandarin, Sprache der Han – vgl. Abb.18). Mandarin ist die Muttersprache von ca. 850 Mio. Menschen. Weitere wichtige chinesische Sprachen sind Gan (20 Mio. Sprecher), Hakka (30 Mio.), Jinyu (45 Mio.), Min Bei (10 Mio.), Min Nan (40 Mio.), Wu (Shanghaiisch, 77 Mio.), Xiang (36 Mio.) und Yue (Kantonesisch, mehr als 80 Mio. Sprecher).

Chinas Bevölkerung besteht aus vielen ethnischen Minderheiten, die wie bereits angedeutet, ihre eigene Sprache sprechen. Etwa 92% gehören den so genannten „Han-Chinesen“ an. Der Name Han stammt von den Menschen der Han Dynastie (206 v.Chr – 220 n.Chr.). Während dieser Dynastie sahen sie die Einwohner des Nordens, der Mitte und der südlichen Ebenen und Becken Ostchinas als Teil derselben Gruppe. Sie hatten eine gemeinsame Sprache sowie ähnliche Wertvorstellungen. Diese Bevölkerungs-fraktion ist das Ergebnis einer Vermischung verschiedener ethnischer Gruppen und Kulturen. Jedoch aufgrund der isolierten geographischen Lage vieler Regionen in China, blieben verschiedene ethnischen Gruppen von der Vermischung mit anderen Ethnien unberührt.[64]

Offiziell werden 56 Minderheiten anerkannt, denen teilweise auch Vorrechte gegenüber den „Han-Chinesen“ eingeräumt werden. Trotzdem wird vom westlichen Ausland der Umgang der chinesischen Regierung der VRC mit Minderheiten kritisiert. Einer der Brennpunkte ist die Provinz Xinjiang, in der die muslimische Minderheit der Uiguren lebt. Die Regierung der VRC wünscht sich eine engere Bindung dieser Provinz an die VRC, weil abspalterische Tendenzen, vergleichbar denen in Tibet und Taiwan, das Land destabilisieren. In China herrscht Religionsfreiheit, vorausgesetzt die Religionsgemeinschaft stellt das Herrschaftssystem der Regierung nicht in Frage und akzeptiert eine Unterordnung unter den Staat. Die Taoisten wie die Konfuzianer bilden jeweils 20% der Bevölkerung und stellen somit die größte Gruppe innerhalb des Landes dar. Dazu kommen 9% Lamaistische Buddhisten, 3% südliche und 9% nördliche Buddhisten. 8% der Bevölkerung sind Christen, vorwiegend Protestanten und Katholiken, 2% sind Moslems, von denen die meisten Sunniten sind. 1% zählen zu den Shintoisten.[65]

2.2.3 Geschichte

2.2.3.1 Die Frühgeschichte und die Zeit Marco Polos (1254-1324)

China zählt zu den ältesten Zivilisationen beziehungsweise Hochkulturen der Welt. Chinas schriftliche Aufzeichnungen reichen über 3.500 Jahre zurück. China war über einen sehr langen Zeitraum ein sehr mächtiges Reich, das sich seiner Überlegenheit bewusst war. Die Chinesen begriffen ihre Zivilisation nicht als eine Zivilisation neben anderen, sondern als die Zivilisation schlechthin. China war im sinozentrischen Weltbild der Mittelpunkt der Erde, umgeben von Barbarenvölkern – übrigens wird China noch heute auf chinesischen Weltkarten im Mittelpunkt dargestellt, Europa im Westen und Amerika im Osten abgebildet.

Die Papierherstellung, die Druckkunst, der Kompass und das Schießpulver wurden in China erfunden und in der Song- (960-1279n.Chr.) und der Yuan-Dynastie (1261-1368n.Chr.) in andere Teile der Welt gebracht. Es war diese Erfahrung der Überlegenheit, die den Chinesen das Bewusstsein der Unvergleichlichkeit und Überlegenheit über alle anderen Völker gab – ein Bewusstsein, das sie bis zum Ende am Ende des 19. Jahrhundert getragen hat.[66]

Marco Polo (1254-1324) ist eine der bekanntesten Figuren des Mittelalters und einer der ganz wenigen Fernostreisenden dieser Zeit, auch wenn es Bedenken über die Wahrheit seines Reiseberichtes gibt und einige Kritiker gar behaupten, er sei nie in China gewesen. Laut eigener Schilderung in seinem Buch „Die Wunder der Welt“ erzählt der Venezianer Marco Polo über seine Erfahrungen im Reich der Mitte. In einer Zeit, in der Fernreisen noch spektakulär waren, begleitete er im Jahre 1271 als Siebzehnjähriger seinen Vater Niccolò und seinen Onkel Maffeo nach China, die als Kaufmänner auf einer Handelsreise unterwegs waren. Dort trat er in den Dienst des mongolischen Khubilai Khan ein, durchreiste als sein Gesandter und Berichterstatter einen Großteil Südostasiens und kehrte erst 1295, nach nahezu fünfundzwanzig Jahren, nach Venedig zurück. Der Bericht entstand anschließend im Jahre 1298 in einem Genueser Gefängnis, in dem Marco Polo und sein Gefährte Rustichello de Pisa als Kriegsgefangene festgehalten wurden. Dieser Gefährte schrieb Polos Geschichten auf und die in höfischem altfranzösisch niedergeschriebene Urfassung „Divisament dou monde“ wurde bis zum Ende des 15.Jahrhunderts in nahezu alle europäischen Sprachen übersetzt und prägte das Weltbild Chinas nachhaltig – auch Christoph Columbus las seinen Bericht in der 1485 erschienen lateinischen Ausgabe. Polo beschrieb China als ein mächtiges Reich und fortgeschrittene Zivilisation von unvorstellbarem Reichtum.[67]

Zitat aus der Schrift Marco Polos: „Einer, der es nicht mit eigenen Augen gesehen hat, vermag sich den Glanz und die Großartigkeit dieses Hofes gar nicht vorzustellen“.[68]

2.2.3.2 Die frühe Kolonialzeit (15. Jh. –17. Jh.) und die China-Euphorie im 18. Jh.

Ende des 15., Anfang des 16. Jahrhunderts begann die Kolonialzeit. Die Portugiesen waren die erste europäische Kolonialmacht in Asien. So zählten sie die Molukken, die Gewürzinseln, heute bekannt unter dem Namen Indonesien, zu ihrem Besitz. Von dort aus kontrollierten sie quasi den gesamten Gewürzhandel. Auch Seide und andere Textilien wurden gegen Silber und Gold erstanden. Die Holländer verdrängten dann die Portugiesen vom ersten Platz der Kolonialmächte in Asien Anfang des 17. Jhds. Die Kolonialmächte gründeten die Ostindien-Kompagnien und versuchten ihre militärisch strategische und wirtschaftliche Position auszubauen. Weitere wichtige europäische Kolonialmächte in Asien waren Frankreich und England.[69]

Preußen und Deutschland insgesamt war ein Nachzügler in dieser Hinsicht. Der Handel mit Asien hat die höfische Kultur in Europa nachhaltig geprägt, denn die Mitbringsel aus China veränderten den Alltag zu Hofe. Die Luxuswaren Chinas waren unter den Machthabern in Europa hoch geschätzt. So wurde die Sänfte eingeführt, auf denen sich Kaiser und Damen tragen ließen. Die Hofdamen lernten, den Fächer anmutig zu handhaben, während die Herren den Spazierstock schwangen. In England führte die Herzogin von Bedford den Five o’Clock Tea ein und Herrscher in ganz Europa schmückten ihr Anwesen mit Porzellansammlungen – den so genannten „Chinoiserien“ des Rokoko. 1709 gelingt es einem Alchimisten in Dresden das Geheimnis des chinesischen Porzellanbrennens zu entschlüsseln und 1714 wird dann die Meißner Porzellanmanufaktur gegründet. Chinesische Feuerwerke wurden beliebt und die bis dahin unbekannten Sonnenschirme spendeten den Damen Schatten, die in den chinesischen Gärten lustwandelten. Es ist die Zeit des Absolutismus, und Denker wie Gottfried Wilhelm Leibnitz oder der französische Aufklärer Voltaire, sehen in China ein leuchtendes Vorbild für eine vernunftbestimmte Staatsführung. Der Himmelsglaube der Chinesen und ihre vernunftbegründete Moral zeigten den Weg zu einem Leben ohne Kirche und Erbadel. China wurde zum Gegenbild und Vorbild.[70]

2.2.3.3 Chinas langsamer Untergang im 19. Jh.

Anfang des 19. Jahrhunderts ist es mit der China-Euphorie dann vorbei und die Bewunderung Chinas schlägt in Geringschätzung und Verachtung um. Nach der Französischen Revolution 1789 wurde China als orientalische Despotie betrachtet, die rückständig ist und ewigen Stillstand bedeutet. In Europa begann die industrielle Revolution und für China brach zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Ende der chinesischen Welt an.

Die Qing-Dynastie (1644-1911) war die letzte Dynastie Chinas. Der Kaiser Qianlong (was übersetzt soviel bedeutet wie Stärke und Erhabenheit), der das Land von 1735 bis 1796 regierte, lehnte einen gleichberechtigten Handel mit England ab. Während seiner Regierungszeit fand der Niedergang Chinas statt. Die Bevölkerung verarmte, die Verwaltung verfiel und die Bauern rebellierten gegen die Korruption.[71]

2.2.3.3.1 Der erste Opium-Krieg (1839-1842) und die Taiping-Revolution (1850-1864)

Ab 1827 kehrte sich der chinesische Handelsüberschuss in ein ständig wachsendes Defizit um, weil England mit seiner Britisch East India Company durch den Export von Opium süchtig machte und viele Kisten schmuggelte. 1838 beschloss der Kaiser dann, gegen den Opiumschmuggel vorzugehen und betraute seinen Verwaltungsbeamten Lin Zexu mit einer Anti-Opium-Kampagne. Er ließ 1400 Tonnen Opium beschlagnahmen und vernichten. London nahm dies zum Anlass, den Krieg zu erklären und besiegte China nach fast 4 Jahren Krieg. Die chinesische Regierung kapitulierte 1842. Der erste >>ungleiche Vertrag<< von Nanjing wurde geschlossen. China wurde dem Westen geöffnet und Missionare konnten ungehindert ihrer Arbeit nachgehen.

Unmittelbar nach 1850 brach ein Massenaufstand nach dem anderen aus. Der schwerste Aufstand war die Taiping-Revolution (1850-1864). Hong Xiuquan (1813-1864), ein Angehöriger des chinesischen Hakka-Volkes wollte ein Zeitalter des „Großen Friedens“ (tai ping) schaffen. Er gab sich als jüngerer Bruder Christi aus, der von Jehova beauftragt sei, ein Reich Gottes auf Erden zu schaffen. Die Taiping-Revolution gilt als einer der blutigsten Kriege des 19. Jahrhunderts, in dessen fünfzehnjährigem Verlauf schätzungsweise 20 Millionen Chinesen das Leben verloren.[72] „In ehemals dicht besiedelten Gebieten habe man, zeitgenössischen Berichten zufolge, nach den Aufständen tagelang durch verlassene Ortschaften und ein Meer von Leichen gehen können, ohne eine Menschenseele anzutreffen.“[73]

2.2.3.3.2 Der zweite Opium-Krieg (1856-1860) und die Aufteilung in Einflussgebiete

Noch bevor der Taiping-Krieg zu Ende war, begannen die Engländer zusammen mit den Franzosen den so genannten Zweiten Opiumkrieg (1856-1860). 1860 marschierten englische und französische Truppen in Beijing ein und brannten den Kaiserpalast nieder. Ein Tributstaat Chinas nach dem anderen fiel an die imperialistischen Mächten, die sich Asien untereinander aufteilten. Ebenfalls 1860 wurde der Vertrag von Tianjin geschlossen, nach dem die Insel Kowloon an die Briten fiel. 1898 pachtete England Hongkong dann für 99 Jahre. Macao war zu diesem Zeitpunkt schon fast 350 Jahre im Besitz der Portugiesen. Sie errichteten dort einen Handelsposten 1556.

Im Frühjahr 1900 begann in der Provinz Shandong ein Aufstand gegen soziale Missstände und die Fremden – der so genannte Boxeraufstand.

Die Fremden, gegen die sich der Hass richtete, das waren für die Boxer die christlichen Missionare und ihre chinesischen Gemeinden, denn diese gewannen Konvertiten zum Christentum, indem sie ihnen Schutz in Straffällen und Unterstützung bei lokalen Streitigkeiten und Machtkämpfen versprachen. Die Konvertiten waren somit privilegiert, was den Hass gegen sie und die Ausländer schürte.[74]

Die Rebellen verkündeten: „Erst wenn die ausländischen Teufel alle getötet sind, wird wieder Einigkeit innerhalb der großen Qing-Dynastie und Friede im Reich herrschen.“[75] Sie hatten allerdings keinen Erfolg damit, denn die imperialistischen Mächte stellten eine internationale Streitmacht auf und schlugen den Aufstand nieder.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 19 : Deutsches Kolonialgebiet Tsingtau

Quelle: http://www.jaduland.de, 20.12.2004

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 20: Stadtansicht des Schutzgebiets Tsingtau

Quelle: http://www.jaduland.de, 20.12.2004

Am 7. September 1901 war der Boxeraufstand zu Ende und auch das 1897 von Deutschland kolonialisierte Dorf Tsingtau im Nordosten Chinas, das heutige Qingdao, wurde ausgebaut und sollte zu einem Paradebeispiel kolonialer Machtentfaltung werden. Kaiser Wilhelm II. ließ die Stadt nach deutschem Vorbild bauen mit Fachwerkhäusern am Kaiser-Wilhelm-Ufer, einer protestantischen und einer katholischen Kirche im Stadtzentrum umgeben von den Prinz-Heinrich-Bergen. 1904 wurde dann die deutsche Germania-Brauerei eröffnet. 1914 besetzte Japan, als Deutschlands Kriegsgegner im ersten Weltkrieg, das „Schutzgebiet“ und seitdem war Tsingtau als Kolonialbesitz Deutschlands endgültig verloren. Deutschlands Kolonialgeschichte hat allerdings bleibende Spuren hinterlassen - Das Tsingtao Bier wurde zur beliebtesten Marke in ganz China.

Zu Beginn des 20. Jhds. lag die Qing-Dynastie in Trümmern. Im Land hatten sich zwei Oppositionsbewegungen gegründet: zum einen die Reformer, die eine konstitutionelle Monarchie errichten wollten, zum anderen die Revolutionäre, die das Kaisertum endgültig beseitigen wollten und China zu einer Republik machen wollten.[76]

2.2.3.4 China im 20. Jh. / Die erste Republik und der Kampf um die Macht

1911 wurde die Qing-Dynastie gestürzt und der letzte Kaiser Pu Yi musste den Thron verlassen. Der Revolutionäre Sun Yatsen, rief am 1.Januar 1912 die Republik aus, die aber rasch in kämpferischen Wirren um die Macht unterging. 1921 wurde die Kommunistische Partei gegründet und 1925 starb Sun Yatsen und wurde zum Helden verklärt, der das Land einen wollte.

Die ausländischen Mächte versuchten, Kämpfe unter den Chinesen auszunutzen, um ihre eigenen Privilegien im Land zu sichern. Vor allem Japan nutzte die Gelegenheit, um seinen Einfluss in China zu vergrößern. In Reaktion darauf entwickelte sich ein chinesischer Nationalismus, der in der Bewegung des vierten Mai ausbrach. Die Streitigkeiten untereinander wurden beigelegt, und man bildete eine Einheitsfront gegen den Imperialismus. Schließlich konnte sich der Nachfolger Sun Yatsens, Chiang-Kaishek, militärisch durchsetzen und das Land unter der Flagge der Republik 1928 vereinen. Japan sah sich dadurch zur Aktion gezwungen, eroberte die Mandschurei und errichtete dort 1932 den Marionettenstaat Mandschuko.[77]

Der Kampf gegen Japan während des Zweiten Weltkriegs (1937-1945) vereinte für diese Zeit die Kommunisten und die Nationalisten in China, denn man wollte eine neue Ära der Fremdherrschaft verhindern. Doch Chiang Kaishek fühlte sich durch die Kommunisten, die andere Ziele verfolgten, bedroht. Der im Kampf gegen Japan ruhende Konflikt zwischen Kommunisten und Nationalisten flammte nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf und es kam zum Bürgerkrieg. 1949 besiegten dann die Truppen Mao Zedongs nach dem so genannten „langen Marsch“ endgültig die Kuomintang unter Chiang Kai-shek, die von den Amerikanern unterstützt wurden. Die Nationalisten flohen auf das erst kurz vorher von Japan zurückgewonnene Taiwan, wo die Republik bis heute fortbesteht und weiter von Amerika unterstützt wird.[78]

2.2.3.5 Die Gründung der Volksrepublik China 1949 unter Mao Zedong

Auf dem Festland dagegen wurde die Volksrepublik China gegründet. Am 1.Oktober 1949 wurde die Volksrepublik China ausgerufen. Die japanische Besatzung während des 2. Weltkriegs und die begangenen Kriegsverbrechen, für die sich Japan bis heute nicht nur nach wie vor nicht offiziell entschuldigt hat, sondern vielmehr Schreine von Kriegsverbrechern ehrt, stören das bilaterale Verhältnis nach wie vor. Zum Symbol für die in China von Japan begangenen Kriegsverbrechen wurde das Massaker von Nanking. „Die Truppen verbreiteten Terror unvorstellbaren Ausmaßes in Nanking, Mord, Plünderung und Quälerei bis zum Exszeß.“[79] Abgesehen davon benutzte Japan China als Testlabor, um neuste Waffen zu testen. Neu erfundene biologische und chemische Kampfstoffe wurden in Lagern, den so genannten Maruta, an der Zivilbevölkerung getestet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 21: Maruta - Kriegsverbrechen Japans in China

Quelle: Black Death, 09.09.2002 in http://www.time.com, 05.12.2004

“The resurrection of the ghosts of Unit 731 in court last week reminds Japan how much there is to regret. Supervised by Dr. Shiro Ishii, a renowned Tokyo scientist, the center's staff performed experiments on what research documents refer to as maruta, literally "wooden logs." The lumber was in fact live subjects, mostly Chinese soldiers and civilians but also captured Russians, British and Americans. They were frozen alive to research frostbite. Burned alive to research human combustion. Loaded into vacuum chambers until their bellies ruptured. Hung by their ankles to see how long a person can live upside-down. They were infected with plague, anthrax and cholera and subjected to vivisection without anesthesia. For 13 years the experiments continued, ending with Japan's surrender in 1945. Between 3,000 and 12,000 maruta died. None survived Unit 731.”[80]

Diese Erfahrungen, während der Kolonialzeit und während des Kriegs gegen Japan, hatte Auswirkungen auf die folgende politische Entwicklung Chinas.

Nach dem Beispiel der Sowjetunion wurde das kommunistische Herrschaftssystem errichtet. Es wurde eine Landreform durchgeführt, Großgrundbesitzer enteignet, Volkskommunen gegründet und landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften gegründet und Kampagnen zur Veränderung des Bewusstseins gestartet. Mao versuchte ein neues Wirtschaftsprogramm, das im Mai 1958 als „Großer Sprung nach vorne“ verkündet wurde und auf Autarkie setzte. Es endete als Katastrophe. 30-40 Millionen Menschen verhungerten. Die Jahre 1966-1969 gingen in die Geschichte ein als „Große Proletarische Kulturrevolution“. Mao mobilisierte die Jugend, um gegen die Feinde der Revolution vorzugehen. Die Roten Garden zogen über das Land und stürzten das Land in Anarchie und Chaos. Klassenfeinde wurden bekämpft. Hierzu zählten ehemalige Kapitalisten und Grundbesitzer sowie Intellektuelle, Professoren und Lehrer, die in Kampfversammlungen angeklagt wurden. Diese Zeit gilt den heute lebenden Chinesen als eine der schwierigsten Perioden der Volksrepublik. Die damaligen Jugendlichen werden oft als die „verlorene Generation“ bezeichnet, weil sie so gut wie keine Schulbildung besitzen.[81]

2.2.3.6 Der Neubeginn und die Änderung der Politik 1976

Mao starb 1976 und Deng Xiaoping übernahm die Macht. Er änderte den politischen Kurs radikal. Einer seiner bekanntesten Aussprüche: „Reich werden ist glorreich“. Seit seiner Machtübernahme wurden die Beziehungen zum Westen verbessert, die VR China wurde international anerkannt und das Land wurde reformiert zu einer sozialistischen Marktwirtschaft. Sonderwirtschaftszonen wurden versuchsweise Anfang der 80er an der Küste eingerichtet, um in eng begrenzten Räumen die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen dieser Reformen zu testen. Seitdem gehört China zu den am schnellsten wachsenden Marktwirtschaften der Welt. Am 1. Juli 1997 wurde Hongkong aus britischer Herrschaft entlassen und wurde chinesische Sonderverwaltungszone. Am 1. Dezember 1999 folgte das bis dahin portugiesische Macao als zweite Sonderverwaltungszone.

Vor seinem Tod 1997 stimmte Deng Xiaoping einem Aufstieg Hu Jintaos zu und wies an Hu Jintao sollte das Zentrum der Vierten Führungsgeneration Chinas bilden. Hu Jintao wurde am 15. März 2003 zum neuen Staatsoberhaupt gewählt. Wen Jiabao ist der derzeitige Regierungschef.[82]

Zitat der “China Daily” zur Wahl Hu Jintaos: „Hu is a principled man with a stategic vision; he is good at dealing with the overall situation and making innovations with a pioneering spirit; he is quick-minded and attentive to detail; he works solidly and dares to take decisions at critical moments; he is democratic in his style of work, approachable, calm and modest, with a strong personal charisma; he is informative and has a good memory and works selflessly night and day. It is for all these reasons that he has left a deep impression on the people since he took to politics.”[83] (beachte Kapitel “Rechtssystem und Pressefreiheit“).

Nähere Informationen zu dem Thema Neubeginn ab 1976 siehe Kapitel „Die Wirtschaft ab 1976“ und „Tourismusentwicklung ab 1976“.

2.2.4 Staatsform, Staatsaufbau & Rechtssystem

2.2.4.1 Staatsform

China ist ein diktatorisch regierter Staat unter der Führung der Kommunistischen Partei Chinas. Das Herrschaftssystem, das Mao in den ersten Jahren nach der Gründung der VR 1949 errichtet hatte, bestand aus drei landesweiten Hierarchien: Partei, Regierung und Militär. In seiner Grundstruktur ist es bis heute unverändert. Wie in der ehemaligen Sowjetunion ist es auch in China die Aufgabe der Partei, die Politik zu bestimmen, und die der Regierung, diese auszuführen. Theoretisch betrachtet ist die Regierung also ein reines Verwaltungsorgan. Offiziell herrscht in China allerdings eine „Demokratische Diktatur des Volkes“ und man verkündet: „Die Kommunistische Partei Chinas vertritt nach wie vor die Erfordernisse der Entwicklung fortschrittlicher Produktivkräfte, die Richtung des Vorwärtsschreitens fortschrittlicher Kultur und die grundlegenden Interessen der überwiegenden Mehrheit des chinesischen Volkes.“[84]

2.2.4.2 Staatsaufbau

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 22: Übersicht über das politisch-administrative System der VR China

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung 1997, S.43

Der Nationale Volkskongress (NVK) ist das formell höchste Organ der Staatsmacht und der Gesetzgebung. Die knapp 3.000 Abgeordneten des NVK werden alle fünf Jahre von den ebenfalls indirekt gewählten Volksvertretungen auf Provinzebene bestimmt, doch haben die KP-Personalexperten die meisten Delegierten vorher ausgesucht. Er tritt jährlich zusammen und diskutiert über das Regierungs-programm. In der politischen Wirklichkeit entscheidet allerdings der Ständige Ausschuss des Politbüros, wo der Weg langgeht und der NVK segnet diese Entscheidungen ab. Auf dem Parteitag, der alle fünf Jahre einberufen wird, werden diese Richtungsentscheidungen öffentlich in Fünfjahresplänen propagiert.[85]

Dieser Ausschuss der Parteizentrale in Beijing besteht aus derzeit neuen Mitgliedern, die die Herrscher über China sind. Diese Personen besetzen die Posten des Premierministers, des Vorsitzenden des Militärausschusses, des Vorsitzenden des Nationalen Volkskongresses und des Vorsitzenden der Politischen Konsultativkonferenz.[86]

Bis heute im Jahr 2005 entscheiden folglich diese neun Männer, was jede Organisation zu tun hat - die KP mit ihren 68 Millionen Mitgliedern herrscht nach dem leninistischen Prinzip des „demokratischen Zentralismus“.

2.2.4.3 Rechtssystem und Pressefreiheit

Gewaltenteilung in China ist reine Fiktion. Die Justiz ist nicht unabhängig, denn die Richter werden von den lokalen Regierungen ausgewählt und bezahlt. Urteile müssen sie mit der Partei vorher absprechen.[87]

Donald J. Lewis, Professor an der juristischen Fakultät in Hongkong formuliert die Situation wie folgt:

„Das chinesische Rechtssystem befindet sich, trotz der in den letzten 20 Jahren erzielten und erstaunlichen Fortschritten, noch im Aufbau. Es ist jedoch eine Sache, ein Gesetz zu erlassen, und eine andere, es zu befolgen oder zu vollziehen. China hat noch eine Menge Probleme zu lösen, was den >>gesetzlichen Formalismus<<, die Förderung eines >>Rechtsbewusstseins<< und den Gesetzesvollzug anbelangt. Rechtssysteme werden nicht über Nacht geschaffen und schon gar nicht in einem Umfeld, in dem eine historische Rechtstradition fehlt.“[88]

Die historische Rechtstradition fehlt deshalb, weil auch im kaiserlichen China Exekutive und Legislative nicht voneinander getrennt waren. Das Konzept des autonom geschaffenen Rechts, und die Verpflichtung der Staatsgewalt, auf die Rechtsidee gegeneinander abzuwägen ist seit jeher ein Widerspruch in Chinas Rechts- und Ordnungssystem. Mao Zedong übernahm die Tradition, indem die jeweiligen politischen Machthaber die Quelle der Gesetzgebung waren. Genau wie am kaiserlichen Hof vor ihnen entstand ein ausgefeiltes bürokratisches System mit einer zentralen Machtbasis. Weder Mao Zedong, noch die ersten Revolutionsführer lösten sich von den überlieferten kollektiven Ordnungs- und Strukturprinzipien.[89]

Das System ändert sich ständig, und sowohl Anwendung als auch Durchführung der Auslegung unterliegt Einzelpersonen. Während die administrativen Verordnungen von verschiedenen Regierungsabteilungen mit unterschiedlicher administrativer Befugnis erlassen werden, geben Ministerien und Staatsämter Bestimmungen heraus, die damit konkurrieren und bisweilen völlig gegensätzliche Klauseln enthalten. Folglich ist eine Sachlage persönliche Auslegung.[90]

Aufgrund eines fehlenden, gut funktionierenden Rechtssystems besteht folglich die permanente Gefahr, sich eines Gesetzverstoßes schuldig zu machen. Gute Kontakte zu Kadern können dieses Risiko reduzieren. Je bedeutender der Kontakt, desto größer auch der Schutz. Folge dieses Umstandes ist die Entstehung des so genannten „Guanxi-Kapitalismus“. Guanxi bedeutet soviel wie Beziehungen. Korruption großen Ausmaßes ist die Folge, was von der Regierung als Problem angesehen wird.

Brahm[91] beschreibt den Zustand folgendermaßen: „Seit Beginn der Wirtschaftsreformen im Jahre 1978 hat sich China von einer nicht-materialistischen zu einer übermäßig materialistisch eingestellten Gesellschaft entwickelt. Im Zuge dieses rasanten Wandels war die Macht, die mit einer Regierungsopposition verbunden ist, zu einem handelsfähigen Gut geworden. Ende der 1990er Jahre war die Bestechlichkeit im Amt, ein Auswuchs der Wirtschaftsreform, das größte Hindernis für eben diese Reform.“

Dies spiegelt sich bei den Recherchen der Organisation Transparancy International wider. Für das Jahr 2004 ergaben deren Untersuchungen, dass China von internationalen Geschäftsleuten als relativ korruptes Land wahrgenommen wird. Auf einer Skale von 0 (extrem korrupt) bis 10 (sauber, keine Korruption) wurde China von den Befragten ein Wert von 3,4 zugesprochen – Deutschland im Vergleich wurde mit 8,2 relativ gut bewertet.[92] Auch wenn die Chinesen gegen Korruption vorzugehen versuchen, die Auffassung, was als Korruption gilt, ist unterschiedlich. Nicht alles, was in Deutschland als Korruption angesehen wird, gilt auch in China als verwerflich. So ist es in China etwa kein Verbrechen mit Geschenken Beziehungen zu pflegen. Beziehungspflege wird als eine Zukunftsinvestition betrachtet, die zielgerichtet eingesetzt werden muss – auch in der Reiseindustrie.

Eine weitere Folge der fehlenden Durchsetzbarkeit von Recht hat für Unternehmer folgende Konsequenzen. Viele Fälle gelangen erst gar nicht zu den Volksgerichtshöfen, sondern werden in ein Schiedsgerichtsverfahren umgeleitet. Dieses besteht aus der CIETAC (China International Economic and Trade Arbitration Commission) und aus inländischen Schiedsausschüssen.[93]

Selbst die KP sieht sich Schwierigkeiten gegenüber, ihre Anordnungen durchzusetzen, denn sie werden unter Umständen von den jeweiligen Provinzregierungen nicht durchgesetzt, wie The Economist beschreibt: „Another bureaucratic complication is the power struggle between the centre and the provinces. ‚The mightiest dragon cannot crush the local snake,’ goes a favourite 16th century saying in a country traditionally run on decentralised lines. The central government in Beijing may appear all powerful to outsiders, but in practice its reach is limited.”[94]

Oder wie ein anderes chinesische Sprichwort es formuliert: „Die da oben machen die Regeln, die unten finden Lösungen, diese zu umgehen!“ An dieser Stelle sei auf das Kapitel über die Schwierigkeiten der Reiseindustrie heute verwiesen, bei dem die Auswirkungen dieses Zustands sichtbar werden.

Was die Pressefreiheit anbelangt, so existiert diese in so weit, als die Journalisten über alles schreiben dürfen, was die Zensoren zulassen. „Über allen Reportern und Redakteuren hängt das Damoklesschwert des ‚Verrats von Staatsgeheimnissen’ und der ‚Subversion’, mit dem Kritiker mundtot gemacht werden.“[95]

Welche Konsequenzen dieser Zustand hat, konnte besonders zu Zeiten von SARS beobachtet werden. Es waren die Zeitungen Honkongs, die zuerst vom Ausmaß der Krankheit berichteten – diese sind in ihrer Freiheit nicht so sehr eingeschränkt. Die People’s Daily, die einflussreichste Zeitung des Landes, ist ihrem traditionellen Stil allerdings treu geblieben.

„Sie wird bis heute restriktiv geführt und befolgt die von Präsident Jiang Zemin ausgegebene Devise, wonach eine Zeitung von den Politikern gemacht wird. Ihre Auflage schrumpft von Jahr zu Jahr und sie findet in der breiten Bevölkerung kaum noch Leser.“[96] (vgl. Auszug aus der „China Daily“ in Kapitel „Der Neubeginn und die Änderung der Politik 1976“, S.59).

2.2.4.4 Politisch-Administrative Gliederung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 23: China – Politisch-administrative Gliederung / Die Provinzen

Quelle: Staiger B., Das große China-Lexikon, 2003, Tafel VI

Die Volksrepublik China ist administrativ und politisch wie folgt aufgegliedert: Am wichtigsten sind die Provinzen, in die China schon seit Jahrhunderten unterteilt ist. Davon gibt es 22. Des Weiteren existieren 5 autonome Regionen, 4 regierungsunmittelbare Städte und 2 Sonderverwaltungszonen.

Die 22 Provinzen sind: Anhui, Fujian, Gansu, Guangdong, Guizhou, Hainan, Hebei, Heilongjiang, Henan, Hubei, Hunan, Jiangsu, Jiangxi, Jilin, Liaoning, Qinghai, Shaanxi, Shandong, Shanxi, Sichuan, Yunnan, and Zhejiang. China sieht Taiwan als 23. Provinz an, nachdem Chiang Kaishek dorthin nach der Niederlage gegen die Armee Mao Zedongs floh und sich mit Hilfe der Amerikaner und seinem Guomindang-Regime einen eigenen Staat aufbaute. Die fünf autonomen Regionen sind Guangxi, Innere Mongolei, Ningxia, Tibet, und Xinjiang. Beijing, Chongqing, Shanghai, und Tianjin sind die vier regierungsunmittelbaren Städte. Hongkong und Macao sind die beiden Sonderverwaltungszonen.[97]

2.2.5 Wirtschaft

2.2.5.1 Die Wirtschaft ab 1949

1949 kam die Kommunistische Partei an die Macht und gründete die VR China. Während den ersten Jahren nach den 2. Weltkrieg wurde das Land an 300 Millionen arme Bauern verteilt. 1953 dann wurde in China die Planwirtschaft eingeführt und die Regierung übernahm alle Produktionsmittel. Von nun an entschied die Regierung, wie die Wirtschaft sich zu entwickeln hatte – das System der Fünf-Jahres-Pläne wurde eingeführt. Sie legten fest, in welche Bereiche investiert werden sollte und woher die dazu nötigen Produktionsmittel und sonstige Ressourcen stammen sollten. Erfolg wurde gemessen am Erreichen der Produktionsziele und den Zeitplänen. Folge war jedoch, dass Qualität und Innovation weniger wichtig wurden, wie sie es in der Vergangenheit waren. Die Regierung schrieb den Menschen vor, welchen Beruf sie ergreifen sollten. Das Wechseln des Berufs war deshalb nur schwer möglich. Der Staat kontrollierte das Gehalt und die Preise und war darüber hinaus alleiniger Eigentümer des Transportwesens und der Immobilien. Dinge des täglichen Lebens, wie etwa Lebensmittel, wurden durch ein System der Kontrolle von oben rationiert. Folglich blieb den Unternehmen, Familien und Individuen nur wenig Spielraum hinsichtlich ihres wirtschaftlichen Verhaltens.[98]

Die Regierung schuf hunderte großer Staatsbetriebe im Industriesektor, während die Betriebe im Agrarsektor kollektiviert wurden. China, das sich außenpolitisch immer mehr isolierte, versuchte mit dem „Grossen Sprung nach vorne“ das Land wettbewerbsfähiger zu machen und eine Selbstversorgung anzustreben. Leider war diesem Projekt kein Erfolg beschieden. Auch zu Zeiten der Kulturrevolution (1966-1976) lag die Wirtschaft danieder.[99]

2.2.5.2 Die Wirtschaft ab 1976 – die Öffnung zur Außenwelt

Erst die 5. Fünf-Jahrespläne von 1976 brachten eine Besserung. Die Kommunistische Partei unter Deng Xiaoping setzte sich zum Ziel, nicht nur die Landwirtschaft zu reformieren, sondern auch die Industrie, die Verteidigung sowie die Wissenschaft und den Technologiesektor. Alle darauf folgenden Fünf-Jahrespläne hatten diese Ziele im Sinn.

„Reich zu sein ist keine Schande“ verkündete Deng Xiaoping und leitete damit eine Wende in der Wirtschaftspolitik Chinas ein. 1979 wurde die Kollektivierung der Landwirtschaft gelockert. Zwar war der Landbesitz weiterhin unmöglich, aber die Bauern waren von nun an die Eigentümer ihrer hergestellten Produkte, die sie selbst auf dem Markt verkaufen durften. 1984 wurden die Reformen auf die Städte ausgedehnt. Private Unternehmen wurden in der Industrie zugelassen und die Staatsunternehmen, denen mehr Eigenverantwortung zugestanden wurde, mussten gegen nicht-staatliche Unternehmen konkurrieren.[100]

In der Zwischenzeit hatte China auch einen anderen außenpolitischen Kurs eingeschlagen und sich der Außenwelt geöffnet. Investitionen des Auslands wurde zugelassen, um die Geschwindigkeit der Modernisierungen zu erhöhen und von der fortgeschrittenen Technologie zu profitieren.

1980 begann China mit der Einrichtung so genannter Sonderwirtschaftszonen. Diese sind geographisch oder sachlich klar abgegrenzte Gebiete eines Staates, in denen im Vergleich zum übrigen Wirtschaftsbereich abweichende Vorschriften und Gesetze gelten. Die chinesischen Sonder-wirtschaftszonen lassen sich nicht als Zollfreizonen im Sinne von Freihäfen einordnen, weil nur Materialien, die direkt in den Produktionsprozess einfließen, von Importzöllen befreit sind. Auf alle anderen Importgüter werden Zölle erhoben. Ein weiteres Merkmal, das die chinesischen Sonderwirtschaftszonen von Freihäfen unterscheidet, ist die Tatsache, dass neben den importierten Rohstoffen auch inländische Rohstoffe verwendet werden.

1979 wurden in Shenzhen, Zhuhai und Shantou Sonderwirtschaftszonen gegründet. 1980 kam dann Xiamen dazu und 1988 wurde die Insel Hainan zu einer Special Economic Zone (SEZ) erklärt.[101]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 24: Die Sonderwirtschaftszonen

Quelle: http://www.reisenett.no 06.12.2004

Die Sonderwirtschaftszonen wurden von der chinesischen Regierung als Experimentiermodelle und Modellregionen eingesetzt. Die Transformation von der Plan- zur Marktwirtschaft sollte keine Stichtagsumstellung sein, die zu großen Spannungen durch schlagartige Veränderungen führt. Vielmehr sollten die Auswirkungen einer Umstellung kontrolliert in einer Art Pilotverfahren getestet werden. Da in den Sonderwirtschaftszonen nur ca. 1% der Bevölkerung leben ist der Beschäftigungszuwachs in den Zonen zwar relativ bedeutungslos, dennoch sind sie als eine Art Laboratorium für wirtschaftliche und politische Reformvorhaben von Nutzen.

Vermutlich werden die ursprünglichen fünf Sonderwirtschaftszonen langfristig gesehen ihre Sonderrolle verlieren, denn immer mehr spezielle Entwicklungszonen werden, meist an der Küste, geschaffen.[102]

Auch der Beitritt Chinas zur World Trade Organization 2001 hat für die Sonderwirtschaftszonen sowie für den Tourismus, weitreichende Konsequenzen, denn einheitliche Handelsbedingungen müssen geschaffen werden. Näheres hierzu im Kapitel „Die Auswirkungen des Eintritts in die World Trade Organization.“

2.2.5.3 1992 – die sozialistische Wirtschaft chinesischer Prägung

1992 verkündete die Regierung das Ziel, eine sozialistische Wirtschaft chinesischer Prägung, soll heißen eine von der Kommunistischen Partei geführten Marktwirtschaft, einzuführen. Einige Chinaexperten bezeichnen dieses System auch als „Kader-Kapitalismus“, oder „Raubtierkapitalismus“, weil Korruption ein großes Problem ist und deshalb meist nur Unternehmer mit guten Beziehungen wirtschaftlich erfolgreich sind. Im Jahre 1995 wies die Wirtschaft ein stabiles hohes Wachstum auf und das vorher isolierte Land war der siebtgrößte Teilnehmer am internationalen Handel.

Während der letzten 35 Jahre (Stand 2004) lag das Wirtschaftswachstum der VR China bei etwa 8 Prozent und somit über dem internationalen Durchschnitt. Während der letzten 25 Jahre (Stand 2004) wuchs das reale BIP Chinas durchschnittlich mit 9 Prozent jährlich, wohingegen der Außenhandel seit 1978 sogar um jährlich 15 Prozent anstieg.[103] Pro Jahr wuchs die Wirtschaft der Sonderwirtschaftszonen an der Küste am stärksten, nämlich mit rund 13 Prozent pro Jahr. Das Wachstum in den Binnengebieten blieb jedoch zurück, womit sich auch die stark differierende Brutto-Industrie-Produktion pro Provinz erklären lässt (siehe Abb.25).

Im Jahr 2000 lag die VR China weltweit auf Platz 80 hinsichtlich des Bruttosozialprodukts pro Einwohner. Dieses lag bei etwa 850 US-Dollar pro Einwohner pro Jahr. Wie bereits im Kapitel „Urbanisierung und Migration“ angemerkt, ist die Wirtschaftskraft allerdings noch stärker regional unterschiedlich verteilt, als die Bevölkerung. So werden 58 Prozent des chinesischen BIP an der Ostküste erwirtschaftet, obwohl dort nur 38 Prozent der Bevölkerung leben (Abb.25).[104] Während die Wirtschaftsräume an der Süd- und Ostküste um die SEZ zum Teil bereits eine ähnlich hohe pro Kopf-BIP aufweisen wie Portugal, Griechenland oder Südkorea, liegt die Westhälfte weit zurück. In der autonomen Region Hongkong hingegen wird das Einkommensniveau Deutschlands oder Frankreichs erreicht.

China steigt kontinuierlich auf der Rangliste der Wirtschaftsnationen und eine konsumfähige und konsumorientierte Mittelschicht wächst heran. Im Jahr 1978/1979 fand die politische Wende statt und eine Vielzahl von Reformen wurden durchgeführt (siehe Tabelle 2-13). Nach Meinung von Experten ist das hohe Wirtschaftswachstum weniger von der Entwicklung der Weltkonjunktur abhängig, als vielmehr von der Expansion der Binnennachfrage. Allgemein wird davon ausgegangen, dass die hohen Wachstums-zahlen beibehalten werden könnten, weil der Nachholbedarf so groß ist. So geht die Investment Bank Goldman Sachs davon aus, dass China die USA im Jahr 2040 als weltgrößte Wirtschaftsmacht ablösen wird.[105]

Wenige Jahre nach der Jahrtausendwende steht China noch einigen Herausforderungen auf dem Weg zur weltgrößten Wirtschaftsmacht gegenüber. Offiziell wurde die Arbeitslosenquote in den Städten im Jahr 2002 mit 4 Prozent angegeben. Die Asiatische Entwicklungsbank hingegen schätzt die städtische Arbeitslosigkeit auf 8,5 Prozent und die ländliche Arbeitslosigkeit auf 30 Prozent.

Der Renminbi, die chinesische Währung, ist bis heute (Stand 2005) nur für Leistungsbilanztransaktionen frei konvertibel, nicht allerdings im Kapitalverkehr.[106]

[...]


[1] Vgl.: “Chinese to travel Europe from September”, 11.07.2004 in http://www.chinadaily.com.cn, 03.01.2005

[2] Vgl.: ”What’s New”, 13.01.2005 in http://www.itehk.com, 24.02.2005

[3] TIME: Visions of Tomorrow, 25.10.2004, S.41f.

[4] Spiegel Special: China – Aufstieg zur Weltmacht, Ausgabe Nr. 5, 2004, S.55

[5] Vgl.: “Chinese to travel Europe from September”, 11.07.2004 in http://www.chinadaily.com.cn, 03.01.2005

[6] ZEIT: Die Chinesen kommen, 08/2003

[7] Welt am Sonntag: Die Chinesen kommen, 26.09.2004

[8] FAZ: Die Chinesen kommen, 02.10.2004, S.1

[9] Mayr, A.: Strukturwandel und Entwicklungsprobleme des Fremdenverkehrs in der Volksrepublik China in: Jäger, H. (Hrsg.): Liber Amicorum Günter Niemz, 1993, S.200

[10] Vgl.: Zhang Guangrui: Tourism Research in China in Lew, A.A. et al.: Tourism in China, 2003, S.67ff.

[11] Kaspar, C.: Die Tourismuslehre im Grundriss, 1996, S.16

[12] Althof, W.: Incoming Tourismus, 2001, S.12

[13] Vgl.: WTO: Concepts, Definitions and classifications for tourism statistics, 1995, S.17

[14] Vgl. Bieger, T.: Management von Destinationen und Tourismusorganisationen, 2000, S.74

[15] Vgl.: WTO: Concepts, Definitions and classifications for tourism statistics, 1995, S.27; Freyer W.: Expansionsstrategien von touristischen Dienstleistungsunternehmen in Pompl, W./ Lieb, M.G.: Internationales Tourismus-Management, S.46

[16] Vgl.: WTO: International Tourism, 1997, S.125ff.

[17] Vgl.: WTO, International Tourism, 1997, S.12

[18] Vgl.: Smeral, S.: Die Zukunft des Internationalen Tourismus, 2003, S.15

[19] Vgl.: Smeral, S.: Die Zukunft des Internationalen Tourismus, 2003, S.63

[20] Vgl.: Pompl, W.: Internationalisierung im Tourismus in Pompl. W/ Lieb, M.G.: Internationales Tourismusmanagement, 2002, S.25

[21] Vgl.: Pompl, W.: Internationalisierung im Tourismus in Pompl. W/ Lieb, M.G.: Internationales Tourismusmanagement, 2002, S.24

[22] Vgl.: Smeral, S.: Die Zukunft des Internationalen Tourismus, 2003, S.15

[23] Vgl.: WTO: World Tourism Barometer, October 2003, S.9 in http://www.world-tourism.org, 10.12.2004

[24] Vgl.: WTO in http://www.sustainabletravelinternational.org, 21.02.2005

[25] Vgl.: Freyer, W.: Tourismus – Einführung in die Fremdenverkehrsökonomie, 1995, S. 354

[26] Vgl.: WTO: International Tourism, 1997, S.28

[27] Vgl.: Todd,G.: Climate Change and Tourism, 2003, S.6 in http://www.world-tourism.org, 09.12.2004

[28] Vgl.: ebenda, 09.12.2004

[29] Vgl.: Todd,G.: Climate Change and Tourism, 2003, S.6 in http://www.world-tourism.org, 09.12.2004

[30] Vgl.: Todd,G.: Climate Change and Tourism, 2003, S.6f. in http://www.world-tourism.org, 09.12.2004

[31] Vgl.: Todd,G.: Climate Change and Tourism, 2003, S.7. in http://www.world-tourism.org, 09.12.2004

[32] Vgl.: Smeral, E.: Die Zukunft des Internationalen Tourismus, 2003, S.182

[33] Faber, M.: Zukunftsmarkt Asien, 2004, S.365

[34] ebenda, S.342

[35] Vgl. Microsoft Encarta Encyclopedia Deluxe 2003

[36] Vgl.: http://en.wikipedia.org, 10.12.2004

[37] Vgl.: Taubmann, W. in Lackner, M. (Hrsg.): Länderbericht China, 2000, S.31

[38] Vgl. http://en.wikipedia .org, 10.12.2004; Microsoft Encarta Encyclopedia Deluxe 2003

[39] Vgl.: http://www.cia.gov, 10.12.2004

[40] Vgl.: Baedeker: China, 2000, S.17ff.

[41] Vgl. Baedeker: China, 2000, S.23

[42] Vgl. Toops, S.: China: A Geographic Preface in: Gamer, R. (Hrsg.): Understanding Contemporary China, 1999, S.21ff.; Baedecker China 2000, S.27ff.

[43] Vgl. Weggel, O.: China, 1994, S. 177; Microsoft Encarta Encyclopedia Deluxe 2003

[44] Vgl. http://www.china-a.de, 21.02.2005

[45] Vgl. http://www.cia.gov, 21.02.2005

[46] Vgl. Seitz, K.: China, 2002, S.90 und S.177

[47] Vgl. ebenda, S.90 und S.172

[48] Vgl.: http://de.wikipedia.org, 03.10.2004

[49] Vgl.: http://de.wikipedia.org, 24.10.2004

[50] Vgl.: ebenda

[51] Vgl.: FOCUS, 04.09.1995

[52] Vgl.: Spiegel, 48/2003

[53] Vgl.: http://www.china-embassy.org, 03.11.2005

[54] Vgl. Microsoft Encarta Encyclopedia Deluxe 2003; http://www.env-it.de, 17.12.2004

[55] Vgl.: Barrata, M.: Fischer Weltalmanach – Zahlen, 2000, S.165

[56] Vgl.: Microsoft Encarta Encyclopedia Deluxe 2003

[57] Vgl.: Microsoft Encarta Encyclopedia Deluxe 2003

[58] Vgl.: Reisach, U./ Tauber T./ Yuan, X.: China – Wirtschaftspartner zwischen Wunsch und Wirklichkeit, 2003, S.83f.

[59] Vgl.: Reisach, U./ Tauber T./ Yuan, X.: China – Wirtschaftspartner zwischen Wunsch und Wirklichkeit,2003, S.85

[60] Vgl.: http://de.wikipedia.org , 19.12.2004

[61] Vgl.: http://de.wikipedia.org, 19.12.2004

[62] Vgl. http://de.wikipedia.org, 19.12.2004

[63] Vgl. http://de.wikipedia.org, 19.12.2004

[64] Vgl.: Microsoft Encarta Encyclopedia Deluxe 2003; http://de.wikipedia.org, 18.12.2004

[65] Vgl.: Microsoft Encarta Encyclopedia Deluxe 2003; http://de.wikipedia.org, 18.12.2004

[66] Vgl.: Reisach, U./ Tauber, T./ Yuang, X.: China – Wirtschaftspartner zwischen Wunsch und Wirklichkeit, 2003, S.282 ; WirtschaftsWoche: Sonderheft China, 01/2004, S.40f.

[67] Vgl. Seitz, K.: China, 2002, S.61f.; Münkler, M. : Marco Polo, 1998, S.7ff.

[68] Münkler, M. : Marco Polo, 1998, S.78f.

[69] Vgl.: http://de.wikipedia.org, 18.12.2004

[70] Vgl.: Stumpfeld, H.: Vom Zauber des Entfernten in McK Wissen 10: China, 2004, S.74ff.; Andresen K. „Ich sage nur China, China, China in Spiegel Special: China, 2004, S.67

[71] Vgl.: Seitz, K.:China, 2002, S.79

[72] Vgl.: Seitz, K.: China, 2002, S.86ff.

[73] Schmidt-Glintzer, H.: Das neue China, 2001, S.19

[74] Vgl.: Seitz, K.: China, 2002, S.95

[75] Andresen K. „Ich sage nur China, China, China“ in Spiegel Special: China, 2004, S.68

[76] Vgl.: Andresen K. „Ich sage nur China, China, China“ in Spiegel Special: China, 2004, S.68f.

[77] Vgl.: Seitz, K.: China, 2002, S.108f.

[78] Seitz, K.: China, 2002, S.124ff.

[79] Schmidt-Glintzer, H.: Das neue China, 2001, S.69

[80] Vgl.: Time Asia Magazine: Black Death, 09.09.2002

[81] Seitz, K.: China, 2002, S.171

[82] Seitz, K.: China, 2002, S.213ff.; Lorenz, A.: Neuer Lack, alter Kern in Spiegel Special, 05/2004, S.18ff.

[83] China Daily, 16.03.2003, S.2

[84] Vgl.: Die Kommunistische Partei Chinas in http://www.china.org.cn, 06.01.2005

[85] Vgl. Seitz, K.: China, 2003, S.148ff.

[86] Vgl. Seitz, K.: China, 2003, S.148ff.

[87] Vgl. Lorenz, A. “Neuer Lack, alter Kern” in: China Special Nr.5 2004 S.18ff.

[88] Donald J. Lewis (Professor an der juristischen Fakultät, Universität Hongkong) in: Brahm, Laurance J. (Hrsg.): Chinas Jahrhundert, 2001, S.303

[89] Vgl.: Brahm, Laurance J. (Hrsg.): Chinas Jahrhundert, 2001, S.269

[90] Brahm, Laurance J. (Hrsg.): Chinas Jahrhundert, 2001, S.270

[91] ebenda, S.505

[92] Vgl.: http://www.transparency.org, 07.11.2004

[93] Vgl.: Donald J. Lewis (Professor an der juristischen Fakultät, Universität Hongkong) in: Brahm, Laurance J. (Hrsg.): Chinas Jahrhundert, 2001, S.304

[94] The Economist: Behind the mask, S.11, 20.03.2004

[95] Lorenz, A. in: Spiegel Special Nr.5 2004: China, S.20

[96] Ma Ling (Journalistin und Kommentatorin, Ta Gong Bao) in: Donald J. Lewis (Professor an der juristischen Fakultät, Universität Hongkong) in: Brahm, Laurance J. (Hrsg.): Chinas Jahrhundert, 2001, S.470f.

[97] Vgl.: http://de.wikipedia.org, 21.02.2005

[98] Vgl.: Seitz, K.: China, 2002, S.153f.

[99] Vgl.: Seitz, K.: China, 2002, S.160ff.

[100] Vgl.: ebenda, S.213ff.

[101] Kirchof, S. und Roth, C.: Sonderwirtschaftszonen in China als Instrument der Regionalpolitik in Oberender, O. (Hrsg.): China im Aufbruch, 2004, S.224ff.

[102] Kirchof, S. und Roth, C.: Sonderwirtschaftszonen in China als Instrument der Regionalpolitik in Oberender, O. (Hrsg.): China im Aufbruch, 2004, S.236ff.

[103] Vgl.: The Economist: Behind the Mask, 20.03.2004, S.3

[104] Vgl.: Woetzel, Jonathan R.: Dichtung und Wahrheit in McK Wissen 10, 2004, S. 14

[105] Vgl.: The Economist: Behind the Mask, 20.03.2004, S.4

[106] Vgl.: DZT: Marktinformation China/Hongkong, 2004, S.3f.

Details

Seiten
345
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638475099
Dateigröße
6.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v51577
Institution / Hochschule
Hochschule Heilbronn, ehem. Fachhochschule Heilbronn
Note
1,3
Schlagworte
Chinesen Chinas Outbound-Tourismus Incoming-Service Europa Touristik

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Titel: "Die Chinesen kommen!" Chinas Outbound-Tourismus / Incoming-Service Europa