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Die Moraltheorie Niklas Luhmanns - Implikationen für die Politik

Hausarbeit (Hauptseminar) 2000 20 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Die Moraltheorie Niklas Luhmanns
2.1. Grundlegende Begriffe und Zusammenhänge
2.2. Funktion der Moral
2.3. Eine moralfreie Theorie der Moral
2.4. Zusammenfassung

3. Implikationen für die Politik
3.1. Das politische System nach Luhmann
3.2. Zum Verhältnis von Politik und Moral
3.3. Warum findet Moral in der Politik Anwendung?
3.4. Zusammenfassung

4. Generelle kritische Anmerkungen zur Moraltheorie

5. Schlussbemerkung

LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Moral ist ein expandierendes Thema, das heutzutage in allen Lebensbereichen von Relevanz zu sein scheint. Mit dem Übergang zur modernen Gesellschaft entstand die Notwendigkeit einer universellen, gesellschaftspraktischen Moral.[1] Auch und gerade in der Politik wird Moral immer wieder thematisiert. Bereits zu Zeiten Machiavellis wurde moralisches Verhalten Regierender beleuchtet und in Frage gestellt.[2] Mit zunehmender Komplexität der Gesellschaft gewinnt die Frage nach moralischen Urteilen und dem damit verbundenem Handeln immer mehr an Bedeutung und wird zunehmend schwieriger zu beantworten. Der Begriff der Moral wird uneinheitlicher und komplexer, je weiter die gesellschaftliche Differenzierung fortschreitet und je eigenständiger die gesellschaftlichen Subsysteme werden.[3] Auch für die Politik wird es schwieriger, zu formulieren, inwieweit sie auf Moral verpflichtet ist und dies überhaupt werden soll. Derartige Infragestellungen werden immer häufiger, jedoch läßt sich eine befriedigende Antwort nur schwerlich formulieren.

Im folgenden wird die Theorie der Moral Niklas Luhmanns vorgestellt und näher beleuchtet. Es wird versucht, die Frage zu beantworten, in welchem Zusammenhang Politik und Moral nach Luhmann stehen und ob Moral in der Politik überhaupt zur Anwendung kommen sollte. Es wird demnach nach den Implikationen Luhmanns Moraltheorie für die Politik gefragt. Dafür ist es zunächst notwendig, die Theorie der Moral grundlegend zu skizzieren und in ihren Zusammenhängen darzulegen. Anschließend wird auf die eigentliche Fragestellung, die Implikationen der Moraltheorie Luhmanns für die Politik, eingegangen und es wird versucht, das Verhältnis von Moral und Politik zu klären. Anschließend werden einige allgemeine Kritikpunkte an Luhmanns Moraltheorie angeführt und in einer Schlußbemerkung nochmals die Essenz der Arbeit zusammengefaßt.

Generell wird davon ausgegangen, dass die Theorie Sozialer Systeme Luhmanns bekannt ist, weshalb nicht explizit auf sie eingegangen wird.[4] Das würde in Verbindung mit der Fragestellung den Rahmen einer Seminararbeit überschreiten. Wenn es zum Verständnis der hier zu skizzierenden Moraltheorie notwendig erscheint, werden die generellen Zusammenhänge der Theorie Sozialer Systeme in angemessenen Umfang dargestellt, ohne die gesamte Theorie darzulegen.

2. Die Moraltheorie Niklas Luhmanns

Wie bereits erwähnt, läßt sich in der öffentlichen Diskussion ein immer stärkeres Interesse an moralischen und ethischen Fragen feststellen. Dieses Interesse hängt mit Sicherheit auch mit der Zunahme ökologischer Gefahren und Risiken zusammen. Viele Stimmen reagieren auf die Beobachtung derartiger Risiken mit moralischen Postulaten und normativen Appellen. Risiken sind nach Luhmann mittlerweile normale Begleitphänomen alltäglichen Handelns und ergeben sich zum einen aus der fortschreitenden technologischen Entwicklung und zum anderen aus der Zunahme von Entscheidungs- bzw. speziell von Gefahrenabwendungsmöglichkeiten.[5] Je mehr Risiko jedoch besteht, desto stärker wird der Ruf nach Verantwortung beziehungsweise nach Ethik und Moral.[6] Luhmann möchte anders als viele andere keine moralischen oder ethischen Begründungsversuche unternehmen, sondern vielmehr moralische Phänomene soziologisch beobachten.[7] Das eigentliche soziologische Objekt sollte nach Luhmann die Frage sein, wie die semantische Ausstattung von Moral mit der Typik sozialer Systeme und deren soziokulturellen Evolution variiert.[8] Im folgenden wird nun die Moraltheorie Luhmanns zunächst genauer vorgestellt.

2.1. Grundlegende Begriffe und Zusammenhänge

Jede Moraltheorie ist gehalten, zunächst ihre Begriffe zu definieren. Unter Moral versteht Luhmann eine spezifische Art der Kommunikation, die mit der binären Unterscheidung (Code) gut/böse bzw. gut/schlecht operiert und damit Achtung oder Mißachtung zum Ausdruck bringt.[9] Achtung ist dabei keine Eigenschaft sondern eine personenbezogene Zuteilung, die jeweils in sozialen Systemen erworben oder entzogen wird. Sie ist stets an Achtungsbedingungen geknüpft, die mehr oder weniger erwartbar vorformuliert sein können.[10] Achtung ist demnach eine generalisierte Anerkennung und Wertschätzung, „mit der honoriert wird, dass ein anderer den Erwartungen entspricht, die man für eine Fortsetzung der sozialen Beziehung voraussetzen zu müssen meint“[11].

[...]


[1] Vgl. Luhmann, Niklas: Politik, Demokratie, Moral. In: Konferenz der deutschen Akademien der Wissenschaften (Hg.): Normen, Ethik und Gesellschaft. Mainz 1997, S. 18.

[2] Machiavelli vertrat die Ansicht, dass ein Regierender (Fürst) stets den Anschein erwecken muß, gut und moralisch zu handeln. Das impliziert bei ihm jedoch nicht, dass der Regierende sich dann auch derart verhält, sondern vielmehr eine Aufforderung zur Heuchelei. Nach Machiavelli ist es von seiten des Fürsten häufig notwendig, unmoralisch zu handeln, wozu der Herrscher in diesem Moment sogar verpflichtet ist, um seine Herrschaft zu sichern, was als oberstes Ziel gilt. Vgl. hierzu ausführlich: Machiavelli, Niccolò: Il Principe. Stuttgart 1986, S. 119ff.

[3] Vgl. z.B. Hillmann, Karl-Heinz: Wörterbuch der Soziologie. 4. überarb. und ergänzte Aufl., Stuttgart 1994.

[4] Zum besseren Verständnis vgl. Luhmann, Niklas: Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. 1. Aufl., Frankfurt 1987, S. 30-345.

[5] Zu den Begriffen Gefahr und Risiko vgl. Luhmann, Niklas: Die Moral des Risikos und das Risiko der Moral. In: Bechmann, Gotthard (Hg.): Risiko und Gesellschaft. Grundlagen und Ergebnisse interdisziplinärer Risikoforschung. Opladen 1993, S. 327f.

[6] Vgl. ebenda, S. 329.

[7] Vgl. z.B. Kneer, Georg und Armin Nassehi: Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme. Eine Einführung. 3. unveränd. Aufl., München 1997, S. 178f.

[8] Vgl. Luhmann, Niklas: Soziale Systeme, S. 322.

[9] Vgl. Kneer, Georg und Armin Nassehi: Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme, S. 179.

[10] Vgl. Luhmann, Niklas: Soziologie der Moral, S. 47ff.

[11] Luhmann, Niklas: Soziale Systeme, S. 318.

Details

Seiten
20
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638480161
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v52256
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Politikwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Moraltheorie Niklas Luhmanns Implikationen Politik Moralisches Urteil Handeln

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