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Ein Ingenieur in den Leuna-Werken - Arthur Rabich, sein Leben und Wirken im Leunawerk 1927 bis 1964

Wissenschaftliche Studie 2006 94 Seiten

BWL - Wirtschafts- und Sozialgeschichte

Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

II. Anlagenverzeichnis

0. Zum Verfasser
0.1 Der Verfasser als Zeitzeuge
0.2 Zum Verfasser selbst
0.3 Zu des Verfassers Erinnerung

1. Die persönliche Vorgeschichte von Arthur Rabich
1.1 Vorfahren und Kindheit sowie Jugend
1.2. Berufsausbildung zum Ingenieur.

2. Ingenieur im Leunawerk
2.1. Das Werk
2.2. Die Arbeitsstätte
2.2.1 Die Maschinentechnik im Werk, die Hauptwerkstätte
2.2.2 Das Personal, die Intelligenzler und der äußere Einfluß
2.3. Die übergeordnete Macht und Politische Gesinnung
2.3.1 Druck und Terror im Wandel der Zeit
2.3.2 Der zweite Weltkrieg, das Werk und die Werkssiedlung
2.3.3 Die Besetzung des Werkes
2.3.4 Die Reparation, Ab- und Aufbau der Werks- und Produktionsstätte
2.3.5 Die Umerziehung, die Partei-Nahme
2.3.6 Der „faschistische“ Putsch am 17. Juni 1953 im Werk, Intelligenz u.
2.4. Hauptdaten und -ereignisse, Ingenieur Arthur Rabich im Leunawerk
2.4.1 als Maschineningenieur in einem Chemiewerk
2.4.2 Der Hochdruck- und Hydrierbereich
2.4.3 Der Reparatur-, Sanier- und Fertigungsbereich

3. Arbeiten als konstruierender und projektierender Maschineningenieur
3.1. Maschineningenieur in einem Chemiewerk mit Pioniergeist
3.2. Besondere Kapitel der Ingenieurarbeit
3.3. Das soziale Umfeld der Intelligenzler, der Ingenieure
3.3.1 Allgemeines
3.3.2 Der Krieg und die Folgen, die Entführung von Führungskräften
3.3.3 Schutz und Vertrauen gegenüber den Mächten, die Demontage
3.3.4 Die technische Information, Beschaffung und Beschränkung
3.3.5 Die Motivation, „Demokratie“, die Lebenssituation
3.3.6 Die Umstrukturierung von Kohle auf Öl, vom Ingenieur zum Rentner

4. Das Private - neben dem Beruf
4.1. Der Geist, das Motiv
4.2. Das Persönliche, Wohnen, Leben

5. Literatur, Quellen, Nachwort

6. Historische Folgerungen nach Meinung des Verfassers

7. Abbildungen, Verzeichnis

8. Anhang 1: Die Intelligenzler als Führungs-Gruppe 70 Vgl. hierzu 2.2

9. Anhang 2: Kreativitätsergebnisse als Beute der Sieger

II. Anlagenverzeichnis:

1 Einreisegenehmigung für Sohn Adalbert Rabich 1949/1950

2 Arthur Rabich als Soldat November 1916, Höhe 100, Pigmywurf

3 Unterer Deckel für Methanol-Ofen 325 at (Hauptwerkstätte)

4 Hauptwerkstätten-Leitung 1926

Von links n. rechts: Ing. Kreker, Schmidt, Veil, DI Gravius, Ing. Hoffmann

5 Abdunkelungsmahnung 1942 für Spergauer Straße 31, Leuna

6a Arthur Rabich 1947

6b Arthur Rabich im Konstruktionsbüro 1955

7 Das Konstruktionsbüro 1943 Von links nach rechts, stehend: Biskup, Jan Brems (Belgien), Günter, Kohl, Marzodko Sitzend: Hobohm, Otto, Rabich, Hucke

8 „ 1954 Vor dem „Klubhaus der Werktätigen“ = Gesellschaftshaus, von links nach rechts, oben: Haftenberger, Otto, Enderlein, Hermersdorfer, Krebs, Bubel, Herrmann; unten: Krieg, Marzodko, Admas/Rose, Malikowski, Köhler/Halt, Rabich, Hertel

9 Leiter der Hauptwerkstätten, OI Maier, * 29.05.1883, + 25.04.1964

10 Leitungsgremium der Hauptwerkstätten 1955 Abschied von Obering. Maier, dem Leiter, darunter: oberste Reihe 2.v.lks: Obermeister Kettner, daneben Obermeister Liebsch H4, Dipl.Ing. Gebauer, Blei/Kunststoffe, Reihe darunter: Dipl.Ing. Biehre, H4, Obermeister Nette, Rohrnetze; Ing. Winter, A-und E-Schweißerei; viertletzter Obermeister Förster, H3; vorletzter Ing. Schneider, Dreherei + H2; Dipl.-Ing. Pflaume, Feuerschmiede/Glüh- und Vergütungsbetrieb; Reihe darunter von links nach rechts: Ing Meißner, Werkzeugmacherei; Ing. Kas- selmann, Betr.Stütte Callm, Armaturen; Ing. Bräutigam, Spenglerei; Dipl.-Ing. Weinbrecher, H3 + WM-Wartung; Obermeister Mann, Dreherei; Sekretär Lang, Vorzimmer OI Maier; Ing. Meier, R-Güte- Kontrolle; Ing. Rabich, Konstruktionsbüro; Obering. Maier; Ing. Renker, Rohrnetze; OI Kilger, Vertreter von OI Maier, danach Leiter der Hauptwerkstätten; Dipl.-Ing. Skorianetz, dann OI und Vertreter von OI Kilger; Ing. Florstedt, Heizung und Lüftung; Ing. Hasselbarth, H4.

11 Ausbohren von Gaskompressoren-Zylindern

12 Hydrieranlage, Prinzip

13 Gratulation zum 25jährigen Betriebsjubiläum

14a Me 15 (Hauptwerkstätte) von oben

14b/c Hydrier-Elemente, Ofen/Reaktor, - Kammergang, Anheben eines Ofens

15 800 Futterrohr auf 20 m Drehmaschine vgl. Werkfoto 72082

16 Egalisier-Apparat für Dichtlinsen/große Hochdruckrohre

17 Ausdrehen eines 800er Entspannungsmantels

18 Das Leunawerk Karte 1:25000

19 Ansicht auf Ort mit Kiesgruben-Stadion, 1928 Von Nordwesten nach Südosten, Straßenbahn Merseburg-Leuna (an Spergauer Straße), links Eisenbahn Merseburg-Leuna/Kiesgrube-Leipzig, Stadion/Kiesgrube ca. 800 Tausend m³ ausgekoffert

20 800er Doppelkonusdichtung

21 Hochdruck-Flanschausführungen

22 2000at Behälter Kugelabscheider, fertiger Abscheider nach dem Probedruck, Vergleich zu Schrumpfmantel

23 Aufschrumpfen eines Verstärkungszylinders und -flansches 3 m Mantelstück eines Verstärkungszylinders und eines zweiten Flansches (Werkfotos 67733, 68264, 68263, 68332)

24 Entspannungsmaschine, Prinzip Entwickelt von Obering. Beerenbruch, weiter OI Wolfrom, ohne Stopfbuchsen, Steuerung von Steu- erschieber, -kasten mit Gestänge, Fotos von Anlage und Einsatz 1937 vorhanden

25 Elektro-Vergütungsofen für Haarnadeln (1951)

26 Behelfs-Baracke auf Kellerdecke nach Bombenzerstörung 1944

Weitere Bilder von Arthur Rabich usw. sind im Hausarchiv.

Viele Fotos sind erhalten, siehe Archiv Leunawerke in Merseburg, König-Heinrich- Straße (jetzt = Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Abteilung Merseburg, Frau Schatz, der an dieser Stelle gedankt sei für die Hilfen bei der Akteneinsicht 1990ff.).

Chronologie von dem Maschinen-Ingenieur Arhur Rabich, - als Konstrukteur und Betreuer der Maschinen und Einrichtungen im Leunawerk von 1927 bis 1964 -

0. Der Verfasser

0.1 Der Verfasser als Zeitzeuge.

Hier kann nur ein Abriß zur Darstellung kommen, weil nicht mehr alle Unterlagen erhalten sind: ein Teil wurde nach dem Ableben von Arthur Rabich von seiner dritten Ehefrau vernichtet - die beruflichen Erfolge können somit nicht mehr aufgelistet werden - und das Leunawerk-Archiv, insbesondere nach 1990, ist leider nur unvollständig erhalten. Ein Teil von Archiv-Material verschwand während des Transportes von Leuna. Daher müssen Lücken durch Erinnerung geschlossen werden.

Es ist unvermeidlich, dass von einem unmittelbaren Zeitzeugen Wahrgenommes, Erlebtes an- ders verarbeitet, beurteilt und bewertet wird als von einem Historiker, der seine Kenntnisse über Studium von Archivmaterial, Akten usw. erworben hat. Aber die Erinnerung ist nicht immer frei von subjektivem, wie die Anamnesen in Gerichtsprozessen zur Genüge beweisen. Bei den sogenannten Dokumenten hilft meist erst die Einordnung in das Umfeld, den rich- tigen historischen Bezug zu gewinnen. Gänzlich ungeeignet für die Verarbeitung scheint gewisses Sekundärmaterial zu sein, in dem einmal von einem produziertes angeblich wahres „Geschichts“-Material in die eigene vorgefaßte Meinung oder Vorstellung eingepasst wird.

Verfasser ist unmittelbarer Zeitzeuge im Werk für mehrere Jahre nach der Kapitulation der Wehrmacht des Dritten Reiches und sodann durch mehrmalige Besuche pro Jahr1in Leuna und im Werk, so auch nach 1990 im Zusammenhang mit der Fortführung umweltbezogener Projekte. Durch die Position seines Vaters kam er mit den verschiedensten leitenden Ingenieuren und Geschäftsleuten, wie Werkzeugmaschinen-Herstellern in Kontakt und konnte so unmittelbare eigene Erkenntnisse gewinnen. Von besonderem Gewinn waren die Gespräche mit früheren leitenden Angestellten aus den Leuna-Werken, die sich in einem Leunakreis in der Bundesrepublik zusammengefunden hatten.

Für das Angestellten-Dasein im Leunawerk wurde der Sohn als Zeitzeuge 1997 zusammen mit einem ehemaligen Betriebsleiter der Hauptwerkstätten, Herrn Diplom-Ingenieur Stagge2 von der Universität Halle (Historisches Institut) befragt. Hierbei kamen nicht nur Einzelheiten der Hauptwerkstätten, sondern auch die politischen Wandlungen bzw. Auswirkungen ins Ge- spräch. Einiges wurde hier mit eingearbeitet. Bei einem Workshop 14./15.11.2003 gem. AHF-Information Nr. 120 v. 18.12.2003 waren einige Zeitzeugen über die Arbeit in den Leuna-Werken 1958-1963 anderer Meinung als die Referentin, sie sprachen ihr die Kom- petenz hinsichtlich ihrer Aussagen über die mitteldeutsche Chemieindustrie und ihre Arbeit im 20. Jahrhundert, Institut MLU, Historisches Institut für Zeitgeschichte in Halle ab.3.

0.2 Zum Verfasser:

Der Verfasser ist einer von drei Söhnen des beschriebenen Ingenieurs, * 1926 in Berlin-Char- lottenburg. Er besucht die Siedlungs- und Ludwig-Jahn-Schule in Leuna, das Domgymnasium in Merseburg. In Halle studiert er an der Martin-Luther-Universität 1945 bis 1948. Im Leunawerk ist er von Mitte 1945 bis 1949 beschäftigt, zumeist in den Hauptwerkstätten des Leunawerkes4. Bis Ende der fünfziger Jahre nimmt er an Gesprächen seines Vaters mit Chef-Ent- wicklern von West-Lieferanten, insbesondere auf der Hannover Messe teil. Der Kontakt nach Leuna reißt auch durch die DDR-Zeit hin nicht nur nicht ab, sondern wird durch viele Besuche spezifisch informations-intensiviert (Abb. 1). Die fast überall - auch im Leunawerk - aushängenden Parolen auf Plakaten und Fahnen sind da jedesmal als sichtbarer Ausdruck des grenzbedingten politischen System-Unterschiedes beeindruckend.

In Halle ist er für Naturwissenschaften immatrikuliert, an der Technischen Hochschule Braun- schweig ab 1948 für Maschinenbau und ist im Institut für Maschinenkonstruktion und Leichtbau angestellt, u.a. mit der Erforschung des Standes vom Leichtbau weltweit beauftragt. Im Arbeitskreis der Konstruktionsingenieure im Verein Deutscher Ingenieure in Braun- schweig hält er am 15. Dezember 1953 einen Vortrag „System, Konstruktion und Berechnung von Hochdruckabdichtungen5“. Nach dem Studium ist er leitend hauptsächlich auf verschie- denen Gebieten der Entwicklung, Konstruktion und Forschung mit anspruchsvollen Technik- problemen konfrontiert, so auch im Battelle-Institut in Frankfurt und in Manager-Positionen der Industrie. Er promoviert in Berlin in Verfahrenstechnik. Er ist führend in der Wirtschaft, in der Normung tätig und gilt bei verschiedenen Institutionen als Experte, zuletzt nach 1990 an der Bergakademie in Freiberg/Sachsen.

Schon früh - Anfang 1950 - ist er aktiv im Verein Deutscher Ingenieure (VDI) engagiert, in der bereits seit Jahrzehnten sein Vater war und von dem dieser zwangsweise formal getrennt wurde. Der VDI ist bekanntlich Schöpfer des Deutschen Institutes für Normung, des Deut- schen Museums (Technik) in München und der Verfahrenstechnischen Gesellschaft, die in enger Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft der Chemiker, Frankfurt/Main stand. Des Verfassers Tätigkeit dort war eng mit seinen Erfahrungen im Maschinen- und Apparatebau, der Anlagentechnik verknüpft, so daß er die meisten Gebiete jetziger Geschichtsschreibung gleichzeitig als Sachkenner beurteilt konnte, zumal viele Lösungen vom ihm als Aufgaben von ihm vertrauten Entwicklungs- und Forschungsproblemen betrachtet wurden. Es soll nicht verhehlt werden, dass einige der im Leunawerk anfallenden Schwierigkeiten technischer und politischer Art von seinem Vater mit dem Verfasser eingehend erörtert wurden und die Tei- lung der Deutschen Industrie von ihnen beiden als besonders schmerzlich empfunden wurden. Besonders kraß kam dies zutage, wenn die Behörden sich als Feinde menschlicher Beziehun- gen erwiesen oder gar den Verfasser als spionageverdächtig einbuchteten, er aber freikam, weil sein Vater im östlichen Wirtschaftsbereich von Bedeutung war. Merkwürdig kam den Verfasser allerdings auch die in den westlichen Bundesländern die nicht wenig verbreitete Abwertung wissenschaftlicher und technischer Leistung in der DDR vor; sie anerkannten nicht die Hürden, die ein Ingenieur in Leuna wegen Mangels an Literatur und Maschinen, An- lagen, Stoffen zu überwinden hatte.

0.3 Zu des Verfassers Erinnerung:

Schon Gustav Freytag weist auf die Unvollständigkeit des Bildes aus der Erinnerung hin, es „sollen Berichte Vergangener und Lebender die Zeit malen, in welcher sie arbeiteten. Aber je näher wir der Gegenwart kommen, desto weniger machen die Aufzeichnungen des einzelnen den Eindruck des Gemeingültigen…“6. Aber unbeschadet dessen soll - eben wegen der beste- henden Archiv-Lücke - dieser ungewöhnliche Bericht7folgen, wobei dem Verfasser das Wort einfällt, dass der Vorsitzende Richter in seine Belehrung des Zeugen8einflicht, dass er alles, was mit der Sache zu tun hat, schildern solle und zwar ganz der Wahrheit, d.h. seiner Erin- nerung entsprechend. Wenn dem Zeugen nichts einfällt, mahnt er - zuweilen unter Vorhalten einer früheren Vernehmungs-Aussagen: er solle sich anstrengen, besonders, wenn der Zeuge antwortet: „wenn ich das damals so gesagt habe, wird es wohl stimmen“. Aber diese Ansicht entspricht nicht der Strafprozessordnung, in einem Gerichts-Prozeß ist die persönliche direkte Erinnerung Beweismittel9, dann sogar im Rang vor „Urkunden“, deren Echtheit und Wahr- heitsbezug erst geprüft werden müsste.. Dabei liegen in solchen Wirtschafts-Kriminalitäts- prozessen die Erinnerungszeiten im allgemeinen nur in der Größenordnung von 10 Jahren zu- rück10.

Leuna ist die Heimat des Verfassers, entstanden aus dem Erleben und Wahrnehmen in Kind- heit und Jugend. Der Ort war eine Werks-Siedlung östlich vom Werk11, abgetrennt durch eine Mauer, aber deren Häuser und Wohnungen waren Werkseigentum. „Die Unternehmens- philosophie der IG Farben12bezog über den Ausbau sozialer Bereiche im Werk und in der Stadt die Familien in ihrer Gesamtheit ein.“13Genau lässt sich das nicht umreißen, denn es wurden auf eigenem Werks-Gut sogar Düngeversuche, Pflanzenschutzexperimente usw. be- trieben. Auf jeden Fall war man auch draußen eingebunden in das Werksgeschehen, nicht zuletzt dann, wenn die Sirenen aufheulten und von Brand oder anderem im Werk kündeten. Das ist auch für das politisch motivierte Leben gültig: wir mussten auf den Straßen nach Ein- richtung des Winterhilfswerkes 1933 Plaketten auf den Straßen „verkaufen“, ein eigenartiges - ja sogar niederdrückendes „Geschäft“, was erst wieder auftauchte als Student, wenn man erstmalig am Straßenrand mit erhobenem Finger stand, um mitgenommen zu werden. Bettler war sonst verbannt. Verwunderlich war die Umbenennung von Straßen zu Adolf-Hitler- und Ludendorff-Straße14, es stand aber nicht im Gegensatz zum Kriegerdenkmal mit einem Edda- Sinnspruch.

Die Ortsteile Leunas waren in der Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg nach Sozialschichten15 gegliedert, die (sozialistischen) Arbeiter-Feinde waren direkt hinter der Eisenbahnlinie im Nordteil „isoliert“. Kennzeichnend für die Opposition zum Vorstand der IG/Leuna ist das Wort vom 20.03.1927 Ernst Thälmanns zu den Leuna-Arbeitern“ „Ihr steht einem äußerst brutalem und gefährlichem Feind gegenüber, den Konzernherren der IG-Farben…“.16. Die Familie Rabich wohnte seit Ende der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts aber nicht mehr im Nordteil, sondern in einem „Meister-Viertel“ in der Spergauer Straße17, die zentral längs der Werksgrenze verlief und in der auch noch die Schienen der Straßenbahn Leuna-Merseburg verlegt waren. Wenn man aus dem Dachboden-Fenster des Reihenhauses, in dem wir als Zwillinge in Doppelbetten schliefen, sah, konnte man das Leben jenseits der 2 m hohen Mau- er im Werk18und vor dem Haus das Fahren und Quietschen der Straßenbahn hören und beob- achten. Als Kind erinnere ich mich noch, wie in der Zeit vor 1933 einmal die Dampfloks mit roten Fahnen bestückt an der Generatoren-Halle, deren Geräusche man nachts besonders deut- lich hören konnte, vorbeifuhren, oder wie bei Gewitter in den Ableit-Antennen an den Trag- masten der Straßenbahn-Oberleitung der Blitz einschlug usw. Beim Schulgang in die Ludwig- Jahnschule musste man an riesigen Kühltürmen jenseits der Mauer vorbei, deren Konden- sations-Wasserfracht manchmal auf die Straße fiel.

Die Frühzeit des Verfassers19war eng mit dem Ort und dem Werk verbunden. Allgegen- wärtig war das Werk und seine Erzeugnisse, selbst die Tankstelle mit Leuna-Benzin zeugte davon. Alle Instandhaltungsarbeiten der Häuser und Wohnungen wurden von der Siedlungs- werkstatt erledigt, die Grünanlagen, die Hecken wurden von der Siedllungsgärtnerei im Pflan- zenschutz gewartet, der Eiswagen fuhr durch die asphaltierten Straßen zu den Haushalten, das Ambulatorium war zentrale medizinische Einrichtung des Werkes, es gab eine Siedlungs-Bü- cherei, Siedlungs-Kindergarten, es wurde zu Ferienheimen verschickt usw. Für die elitäre Schicht waren Golf- und Tennisplätze, Boote und Reitpferde verfügbar. Im Gesellschafts- haus20waren spezielle Räume für kulturelle Hochereignisse geschaffen. Reparaturen an pri- vaten Geräten, z.B. am Getriebe unseres Holländers, der Waschmaschine etc. ließ mein Vater im Werk in der Werkzeugmacherei präzise und legal durchführen. In der riesigen Kiesgrube, die in der Bauzeit des Werkes und der Siedlung entstand, war ein Sportplatz, Tennisplatz usw. entstanden, in der 1946 ein russisches Militärkonzert stattfand, das der deutschen Bevölke- rung russische Volkslieder nahe brachte - und auch ein deutsches Lied vom Chor singen ließ. Bemerkenswert war der Turnverein mit Deutschen Meistern des Geräteturnens, die bei der Feuerwehr des Werkes stationiert waren, diese waren auch meine Lehrer. Der Bau von Segelflugzeugen in einer Werkstatt war meine erste Bekanntschaft mit der Fliegerei. Im Hause meines Vaters lernte ich praktisch arbeiten und übte das auch aus, vom Bauen von Kaninchenställen bis zum Schweißen von Heizungsleitungen in der Wohnung am Bayernring.

Leuna wies eine Bevölkerung aus unterschiedlichen Heimaten auf, so eine pfälzische aus der ersten Zeit des Leunawerkes 1916 ff. Mundartlich war es sprachlich nicht typisch provinzial- sächsisch geprägt, z.T. sogar thüringisch aus den Bereichen um Weißenfels-Naumburg, denn die Arbeiter kamen von überall. Im Domgymnasium war einzugsgemäß natürlich auch die gehobene Bildungsschicht der Gegend bestimmend, so von Adel (z.B. von Throtha), von Pfarrern, von Ärzten usw., die selbst aus nicht aus der hiesigen Gegend stammten. Das war auch bei der Hitlerjugend so, denn hier wurden durch die Napolas, die Manöver usw. die Jun- gens gemischt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges änderte sich das in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR. Aber im Übergang - in der Notzeit des Krieges - mit seinen Fremdarbeitern21aus anderen Ländern Europas, den Soldaten der Luftwaffe, den Kindersol- daten22, der kurzen amerikanischen Besetzungszeit23und danach entstand ein Sprachgemisch, weil oft ein enger persönlicher Kontakt zum Lebenserhalt aufgebaut werden musste. Das Hei- mat-Gefühl „Leuna“ ist also nicht ohne weiteres der Landschaft zuzuordnen. Andererseits gab es doch ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den Leunaer Kindern, das aber nur in wenigen späteren Klassentreffen ihren Niederschlag fand. Kontakt zwischen Kindern von der Siedlungs- und der Ludwig-Jahn-Schule war auf geringstes Maß geschrumpft, selbst in der Hitlerjugend wirkte sich das aus. Fast die gesamte Führerschicht kam dort aus den ge- hobeneren Vierteln24. Weiter wirkte die Kriegs- und Hungersnot etwas vereinend, denn jetzt mussten auch Akademiker „Fremde“ aus ausgebombter Situation aufnehmen, etwas besorgen, vornehmlich nach der SPD-KPD-Herrschaft. Während der Kriegszeit gehörte das Soldaten- sein zum gewöhnlichen Erscheinungs-Bild. So waren oben auf dem Verwaltungsgebäude B 24 eine leichte 2cm-Flak aufgestellt, und im Ort sowie im Werk wurden überall Luftschutz- bunker und Schutz-Bauten errichtet; dort musste man sich bei Angriffen zusammendrängeln. Sichtbar war für mich als Jungen der Wandel durch die ansteigende Frauen-Beschäftigung im Werk, die Frauenquote stieg hier von 1945 von 8 auf 1953 auf 20 % und 1979 auf 41 % an, sondern auch außerhalb des Werkes allerortens, z.B. als Straßenbahnfahrerin usw.

Während des Krieges/der Kindheit war die Kenntnis über die IG und die Werke bei den Kin- dern minimal, man hörte von Versetzungen nach Japan, nach der Tscheschoslowakei (Aus- sig), nach Auschwitz (Morowitz) durch Ingenieure dorthin und von Niedersachswerfen/ Nord- hausen. 1936 wurden weitere Hydrierwerke für die Treibstofferzeugung installiert, wie in Böhlen, Lützkendorf, Magdeburg, Zeitz, aber Vorstellungen über das „andere“ Leben in den anderen IG-Farben-Werken gewann man nicht. Die Ausmaße der Benzinproduktion konnte man in Leuna anhand der langen Braunkohle-Transportzüge aus dem Geiseltal und Elster- Luppe-Gebiet über Zöschen gewinnen. Und letztlich aus den Schutz-Vorbereitungen vor Luftangriffen durch Vernebelung - dem Verfasser noch deutlich in Erinnerung, weil leichte Ätzungen spürbar wurden. Und die Luftabwehr wurde aufgebaut; das Werk war wichtig!

Der Verfasser intensivierte den Kontakt zum Leunawerk im Mai 1945, wo die US-Armee im Süden des Werkes eine Standard-Kontrollstelle am Werkseingang im April eingerichtet hatte und danach als Schlosser für Rohr-Instandhaltungsarbeiten Juli 1945. Hier lernte er den dramatischen Niedergang und die Ausraubung des Werks-Inventars als Besiegter unmittelbar kennen, aber auch den Versuch eines Wiederaufbaues unter improvisatorischen Bedingungen, als die Umerziehung oder geistige Verwaltung durch die Kommunisten Trumpf war. Nicht alle beugten sich freiwillig der roten Armee, der kommunistischen Diktatur25. Zur Universität musste ich durch das Werk marschieren bis zum Eisen-Bahnhof Leuna-Werke Nord, da die Straßenbahn die Strecke nach Halle nur mit Hindernissen, Unterbrechungen bewältigte, ein Umsteigen an der Saale mit Stegwanderung zum anderen Flussufer26war unumgänglich.. Die Leunawerk-Direktion schwenkte auf die Partei-Linie um, jetzt wurden junge Leute aus dem Werk zur Arbeiter- und Bauern-Fakultät an der Universität in Halle geschickt. Untertänigkeit und Anpassung schien manches Lebens-Schicksal zu verbessern. Im Werk selbst bekam der Verfasser als Technischer Zeichner und Werkstudent direkten Kontakt zu den Arbeitern in der Hauptwerkstatt, einer konservativer Arbeiterschaft, von der auch der Widerstand am 16./

17.Juni 1953 ausging. Tief beeindruckt war ich von der Infrastruktur im Werk und der Viel- fältigkeit der Wissensbereicherung in allen möglichen Versuchswerkstätten und Laboratorien. Wegen der Entfernungen war ein typisches Bild die Radfahrerei fast sämtlicher Werks- angehörigen, sogar von leitenden Angestellten, die mittags zum Essen in die Siedlung fuhren.

Auf meiner Deutschlandreise 1950/51 als Beauftragter des Leichtbau-Institutes in Braunschweig konnte der Verfasser einige der früheren Leuna-Gefährten seines Vaters besuchen, denn sie waren gestreut von der BASF, Hoechst, Bayer-Leverkusen, AGFA, Chemische Werke Hüls und in Pension im Harz, Bielefeld, Essen-Kettwig u.a. Da war das Thema immer wieder die unselige Trennung und das Abdriften der Leunawerke vom Pionier-Werk zu einem Produktionsstandort im Sinne zentraler Chemieerzeugung. Das zeigte sich auch auf den Messen so. Nach 1990 konnte ich manche ehemaligen IG-Werke27besichtigen wie Schwarzheide, Bitterfeld28. Überrascht war ich von der Ähnlichkeiten der Siedlungs-Orte und von manchem Tiefstand der Werk-Substanz, jahrzehntelang hatte man oft versucht, weiter zu existieren ohne wesentliche Neuerungen. War eine Sanierung noch sinnvoll?

Eine Bemerkung möchte ich zu den sogenannten Zwangsarbeitern machen, die später wegen der neuen gesetzlichen Situation haufenweise Anträge auf Wiedergutmachung stellten und sich die Archivare in Merseburg abmühen mussten, um deren Berechtigung herauszufinden. Mir sind in Erinnerung noch die hübschen russischen „Hauspersonal-Mädchen“ in Familien und die enorme Sorge und Angst nach der Besetzung durch die Sowjetarmee vor Zurück- schleppung nach der Sowjetunion, wohl berechtigt. Man muß hier nachforschen und die Lage dieser Arbeiter differenziert betrachten und nicht alles gleich zu Opfern von Machtprotzen machen. Aus eigener Erfahrung weiß ich um die Interessenslage mancher dieser „Verschlepp- ten“ - auch als Opposition gegen die UdSSR.

1. Die persönliche Vorgeschichte von Arthur Rabich.

1.1 Vorfahren und Kindheit sowie Jugend.

Arthur Rabich ist der Urenkel von Christian Ludwig Rabich, * 3.09.1786 in Herda, der das Hufschmied-Handwerk erlernt und als solcher in Langensalza selbständig arbeitet. Dieser Ra- bich stammt aus einem bäuerlichen Haus und ist wiederum der Urenkel von Simon Rabich, * 10.10.1659 in Herda - aus dritter Ehe, der nebenbei Organist an der Kirche in Gerstungen ist. Weitere drei bzw. vier Generationen zurück reicht die dann nur bruchstückhaft ermittelbare Ahnenreihe des thüringischen Bauern-Geschlechtes Rabich29aus Herda bei Berka/Werra. Nach den bisherigen genealogischen Ermittlungen stammen alle in den Ländern der Erde le- benden Namensträger von hier30. Mit Christian Ludwig Rabich beginnt dann im 19. Jahrhun- dert die Mühlhausener Unterlinie der Stammlinie B (Simon Rabich) in einer Art „technischer Berufe“, wobei sie die Berufe Dampfmaschinenheizer und hauptsächlich Schlosser ergreifen. Man muß allerdings sagen, daß er sich seiner Ahnen erst Anfang der 30iger Jahre bewußt wird und erst nach 1950 sich intensiver mit der eigenen Ahnenforschung beschäftigt.

Arthur Rabich wird als 4. Kind31, als Sohn des Schlossers/Monteurs Albert Rabich32, der am 15.11. 1865 in Mühlhausen geboren ist und am 20.05.1889 das Dienstmädchen Magdalena Peters, * 05.11.1865 in Berlin, heiratet. Arthur Rabich erblickt am 21. 01.1896 in Sangerhau- sen/Preußen das Licht der Welt, wohin der Vater 1889 - zur dortigen Maschinenfabrik - geht. Nach Zwischenstationen in Halle/Saale und 1900 Aschersleben33siedelt er am 19.07. 1909 mit seinen Eltern nach Essen um, weil sein Vater, Albert R. jetzt für die Firma Krupp tätig wird34. Bis zum 15. Jahr besucht er die dortige Mittelschule, um - wie das so üblich ist - an- schließend vom 06.04.1911 im Betrieb des Arbeitgebers seines Vater eine dreijährige Schlos- serlehre35anzutreten. Sodann geht er am 01.05.1914 für ein viertes Jahr in gleicher Firma als Hilfs-Zeichner in ein Technisches Büro/Kranbau (Gußstahlfabrik Krupp). Hiernach folgt am 07.04. 1915 ein Studium an der Staatlichen Maschinenbauschule in Essen, welches in den Fe- rien im August/Oktober 1915 eine Beschäftigung als Zeichner36nach sich zieht, jedoch erst am 13. August 1920 - nach Ablegung der Reifeprüfung37am 26.04.1919 - vor dem Staatlichen Prüfungsausschuß beendet werden kann.

Im August 1914 beginnt der Erste Weltkrieg. Am 9. Oktober 1915 wird A.R. in das stehende Heer beim 60. Infanterie-Regiment eingegliedert. Beim Feldheer gehört er zum Königlich Preußischen Infanterie-Regiment 18638, 3. Kompagnie, I. MGK (MaschinengewehrK.) Er er- hält für seine Verdienste das Eiserne Kreuz 2. Klasse39und wird Gefreiter. Die Löhnung be- trägt anfangs 9,90, später 15.90 Mark/Monat. Er kommt 1918 zweimal kurzzeitig in ein Kriegslazarett. Herausragend sind folgende menschlichen Erlebnisse: der Kampf erfolgt noch Mann gegen Mann, Truppe gegen Truppe, auf beiden Seiten Christen. Kann das ein normaler Christ verstehen? Auf welchen Seiten wird denn nun Gott40sein? Warum läßt er das zu? Da- rüber hinaus: der Kampf zwingt zur Kameradschaft, zum Unterdrücken persönlicher Angst. Die Stichwaffe (Seitengewehr) bleibt Souvenir aus dieser Kriegszeit und liegt später im ehe- lichen Schlafzimmer-Schränkchen.

Für die kriegerische Teilnahme (Abb. 2) ist zu erwähnen die Schlacht an der Somme im Juli 1916, wo Franzosen und Engländer den Deutschen gegenüberliegen und Trommelfeuer überstanden werden muß. Wesentlich verschärft wird die tagelange und infernalische Munitionsschlacht im September/Oktober von Seiten der Entente, die die deutsche Front zermürben will. Grabenkämpfe setzen ein. Das IR 186 behauptet jedoch die Stellung41. Am 10. Oktober wird es durch ein anderes abgelöst. Die Verluste des Regiments betragen innerhalb dieser 10 Tage: 207 Tote, 594 Verwundete, 135 Vermißte.

Am 6. April 1917 beginnt die Artilleriebeschießung der deutschen Einheiten an der Aisne. Sie dauert bis 15. 4., der 8. April ist Ostern. Die seelische Belastung steigt aufs Unermeßliche. Am 16. April folgt der Infanterie-Angriff. Die Anpassung an die Lage geschieht - soweit möglich - in den Laufgräben. Die Verluste auf beiden Seiten wachsen. Diese Schlacht wird später als Niederlage der Franzosen gewertet, aber mit welchen Opfern! 1/3 des IR 186 ist zunichte geschossen. Im September/Oktober wird das Regiment an der Nordfront von Verdun eingesetzt, in der Öffentlichkeit bekannt als der unerbittliche Stellungskrieg. Am 24. Septem- ber werfen Feind-Flieger Karten „an die Kameraden der Westfront“ ab mit Aufforderungen zum Überlaufen, aber die Bomben machen da mehr Eindruck42. Die Verluste werden auf deutscher Seite für die 6 Wochen angegeben: 80 Tote, 474 Verwundete.

Im Cheppywald vor Avocourt hat das IR 186 im Januar 1918 erneut starkes Granatfeuer zu bestehen. Tauwetter verschlammt die Verteidigungsgräben völlig. Hier wird im Februar die Tragik potenziert: durch von Deutschen verlegte Minen und: abgefeuerte Granaten töten die eigenen Deutschen! Ende April 1918 produziert der Angriff in Bewegungskriegsart auf Kem- mel bei den deutschen Soldaten eine Art Siegesrausch und Überlegenheitsgefühl43, aber: 85 Tote, 406 Verwundete sind die ernüchternde Bilanz. Noch einmal, Ende Mai setzt das Re- giment zum Sturmangriff am Dikkebusch-See an, diesmal mit „nur“ 53 Toten und 158 Ver- wundeten. Am 1. Oktober 1918 beginnt dann der (endgültige) Rückzug. Nach dem Waffen- stillstand marschiert das Regiment nach Aachen. Am 11. Januar 1919 wird das Regiment in Butzbach aufgelöst. Am 15. Januar wird Arthur R. entlassen. Am 28. April setzt er das Stu- dium fort, unterbrochen durch eine einmonatige Zeichnertätigkeit August/September 1919.

Zwei Ereignisse prägen hier den zwangzigjährigen Menschen:

- die kriegerische Leistung auf Befehl

-das Zerbrechen der Ehe seiner Eltern in der Kriegszeit;

Nach der Rückkehr in die Heimat hat er praktisch nur noch eine Mutter und drei Schwestern.

Ohne Zweifel erlebt er bewußt den Ersten Weltkrieg und ihm bleiben die Qualitäten der deutschen Heeres-Führung wohl für immer im Gedächtnis44. Das Gezeter der Soldaten- und Arbeiter-Räte sind dem Front-Soldaten zuwider. Die sogenannte sozialistische Revolution bleibt ihm zutiefst fremd, alle Geistes-Diktaturen verabscheut er, wozu er nicht nur die Revolutionäre Kommunistische Arbeiterpartei, sondern später auch die National-Sozialistische Deutsche Arbeiter-Partei und letztlich die absolutistischen Religions-Doktrinen zählt.

1.2 Die Berufsausbildung zum Ingenieur.

Am 1. September 1920 beginnt der Lebensweg als Ingenieur/Konstrukteur bei der Firma Krupp in Essen in der Abteilung für Hütteneinrichtungen45. Die selbständige Lösung im Schwermaschinenbau ist die erste Erfahrung. Am 1. April 1922 wechselt er über zur Firma Haniel und Lueg in Düsseldorf46- jetzt als Konstrukteur für Pressen, als Projekteur für hy- draulische Anlagen. Der Übergang zum Lehramt für Maschinenelemente am Technikum Al- tenburg/Thüringen vom 12. 4. 1923 bis 30.06. des gleichen Jahres befriedigt ihn nicht, wes- halb er als Gruppenführer bei der Berliner Aktiengesellschaft für Eisengießerei und Maschi- nenfabrikation (vormals I.C. Freund) eintritt. Hier werden von ihm schlüsselfertige Projekte des Schleusen-, Brücken- und Wehre-Baues bis zur Übergabe verantwortlich betreut47. Er scheidet mit dem 31.03.1927 aus48, nachdem er wegen der ernormen wirtschaftlichen Zwänge bei seiner Firma seine Beschäftigung ernsthaft gefährdet sieht, letztendlich das Motiv zum Einstieg in die aufstrebende Chemische Industrie - als verheirateter Maschineningenieur, der zwei kleine Kinder hat. Im Mai 1926 heiratet er nämlich in Berlin49Frieda Kliems, ein Kind von einem Bauernhof im Oderbruch50.

Der zunehmende Druck zum Erhalt des Arbeitsplatzes und zum Vorwärtskommen sorgt für einen besonderen Einsatz im beruflichen Leben, gekoppelt mit ständigem Drang nach Weiterbildung und provozierenden Aufgaben. Arbeitslosigkeit macht sich zu dieser Zeit in der Weimarer Republik breit, am 16. Juli 1926 tritt das Gesetz zur Arbeitslosigkeits-Versicherung über eine Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung in Kraft. Ende Dezember 1930 gibt es 4,4 Millionen Arbeitslose, nur das Ammoniakwerk Merseburg ragt als Insel in der Brandung heraus, auch aus dem brodelnden Kampf von unten und der „Linken“.

2. Ingenieur im Leunawerk.

2.1 Das Werk.

Das Entstehen des Werkes in Leuna fußt auf dem zum Patent angemeldeten Verfahren von 1909 (BASF, Ludwigshafen), Ammoniak aus Elementen durch Katalyse unter Drücken bis 250 Athmosphären bei erhöhter Temperatur darzustellen. Hierfür erhält der Professor für phy- sikalische Chemie (Technische Hochschule Karlsruhe) Dr. Fritz Haber 1918 den Nobelpreis. Das Verfahren wird großtechnisch erstmals 1913 bei der BASF erprobt. Man erfährt die Wir- kung von Katalysatoren, muß aber in zahlreichen Versuchen erst herausfinden, daß Eisen als vorläufig bestes geeignet ist. Am 27. April 1917 wird in Leuna die Hochdrucksynthese-An- lage unter Einsatz eines eisenhaltigen Katalysators51und bei einer Temperatur von über 400 ° C angefahren. Im Dezember 1920 wird die Ammoniak-Fabrik Merseburg eine selbständige Gesellschaft, bleibt jedoch vielfach in Personalunion mit anderen chemischen Großbetrieben verbunden. Sie wird zur Keimzelle der Produktion von synthetischen Stoffen.

Der eine oder andere mag bei Benzin aus Braunkohle noch an die Geschichte des Leunawer- kes oder die der Braunkohle-Hydrierung denken, vielleicht bei dem Damenstrumpf-„Perlon“ an die Schaffung der Voraussetzung zu deren Synthese über Caprolactam in Leuna, aber schon die 1942 in Betrieb genommene, weltweit erste Produktionsanlage zur Fertigung syn- thetischer Tenside ist kaum noch jemanden gegenwärtig. Die meisten werden nur ahnen kön- nen, daß der Weg zur Verfahrenstechnik, zur Technologie-Hochburg der Chemischen Großin- dustrie im wesentlichen im Leunawerk bereitet wird und zwar aus einem von Fehlschlägen begleitetem Experimentier-Stadium heraus, ständig mühevoll lernend im Querschnittswissen des Hochdruck-Apparatebaues, der Meß- und Regeltechnik, beim Vortasten zu neuen, korro- sionsfesten Baustählen usw. Manchmal wird ein innerbetrieblicher Wettbewerb wie bei der Hydrier-Anlage angesetzt, der zeitige Gewinner gilt als erfolgreich. Der Werdegang der Ver- lierer ist kaum dokumentiert. Heute ist es Mahnung: die vielfältigen Erfahrungen dieser Pio- nierzeit gehen verloren, wenn man sich ihrer nicht erinnern kann52. Letztlich rührt die Verfah- Der Vater von Frieda Kliems, * 03.06.1901 in Friedrichsaue/Kreis Lebus, ist Emil, * 07.02.1871 in Lebus, ihre Mutter Anna Dorothea Hergoß, * 05.09.1870 in Ziebingen im Kreis Sternberg, östlich der Oder. Sie stammt nachweislich väterlicherseits von einem Musketier aus dem Ramin´schen Regiment ab, der 1775 Kossäth im Oderbruch (Sachsendorf) ist und mütterlicherseits ebenfalls von einem Musketier im 18. Jahrhundert unter Friedrich dem Großen im siebenjährigen Krieg im Einsatz. Der Hof ihrer Eltern direkt hinter dem Oderdamm wurde Februar 1945 durch die Sowjetarmee völlig zerstört, die Bewohner umgebracht. rens-Methodik von heute von der einfachen Zielsetzung einer „Produktion" her und hat eine geschichtliche Vergangenheit.

Am 2. Dezember 1925 schließen sich mehrere Chemiefabriken zur IG Farbenindustrie Akti- engesellschaft zusammen, wobei das Ammoniakwerk Merseburg GmbH. juristisch außen vor- bleibt. Dessen Stammkapital gehört jedoch größtenteils der IG Farben und dessen Manager werden durch sie eingesetzt. Die Produktionspalette wird erweitert. 1927 werden in Leuna 18 000 t Rohmethanol als chemischer Grundstoff erzeugt. Am 1. April 1927 geht der erste Sumpfphasenreaktor53zur Kohlehydrierung in Betrieb, nachdem in den Ludwigshafener La- borbetrieben der BASF durch Matthias Pier das Verfahren der Gewinnung von Kohlenwasser- stoffen aus Braunkohle einerseits durch Einbezug der Erfahrungen aus der Ammoniak- und Methanol-Hochdrucksynthese (Abb.3) in Leuna und andererseits aus der Erkenntnis der Wir- kung von Katalysatoren als industriell gangbar betrachtet wird. Die IG gibt so das Signal zu einer wirtschaftlichen Realisierung. Das Personal wird im Zeitraum von 1926 (ca. 9750) auf 1927 (12500) erheblich aufgestockt, während anderswo die Arbeitslosigkeit grassiert. 1928 sind bereits 18800 Arbeitskräfte beschäftigt. Dann wird unablässig weiter aufgerüstet. Am

14.12.1933 kommt der sogenannte Benzin-Vertrag mit dem Dritten Reich54zustande, wo die Produktionskapazität erheblich aufgewertet und im Vierjahresplan integriert wurde.

Einen krassen Einschnitt stellt der zweite Weltkrieg dar. Viel Personal wird zur Wehrmacht oder andere Dienststellen eingezogen. Der Krieg geht verloren. Nach der Besetzung räumen die 1421 Beschäftigten im Mai 1945 im wesentlichen auf, die Produktion von Ammoniak, Wassergas usw. läuft bald schwächlich an. Der US-Oberstleutnant Collins von der ersten Be- satzungsmacht interessiert sich für die synthetischen Treibstoffe, Fach-Spürnasen orten die Entwicklungsdokumente55, horchen Spezialisten aus und bringen die Informationen zum Ver- werten in die USA. Es ist fast unmöglich, das Wissen, den so entführten Technologie-Fort- schritt kapitalmäßig zu schätzen. Wunderlich ist schon: meinem Vater Arthur Rabich begeg- net nach Jahren ihm altbekanntes in der englischen Literatur56. Interessanterweise wird die (druckarme) Fischer-Tropsch-Synthese57in den USA scheinbar häufiger diskutiert als das Leuna-Verfahren. Woran mag das liegen? In Leuna regieren in den Jahren nach dem Krieg aber mehr Not, materialwirtschaftliche Engpässe u.a. als Forschungsgedanken, wenn es auch heißt: man sei immer den anderen ein Stück voraus! Das muß einen Ingenieur schmerzen, insbesondere, wenn es - vermeintlich und nach Ansicht anderer Intelligenzler - anders gehen kann und sollte.

Im geschäftsführenden Ausschuß des Leunawerkes - unterhalb vom Kommandanten - ist Dr. Augsten58Vorsitzender, auch Dr. Wirth kommt hinzu. Die Richtlinien der Unternehmenspo- litik bestimmt die Besatzungsmacht59. Langsam, mühevoll und ingenieurtechnisch fast völlig neu, d.h. abgeschnitten60von den meisten gewohnten Informations-61und Lieferquellen wird das Hauptmotiv zur Arbeit die Erfüllung vorgegebener Planziele, ohne langfristige Perspekti- ven. Wie im Werk Leverkusen die „Technische Zeitschriftenschau für die Ingenieur-Abtei- lungen der I.G.-Farbenindustrie AG“, der das Blatt „Referate aus dem technischen Gebiet der chemischen Industrie“ folgt, wird in Leuna zwar eine Referate-Sammlung der im Werk erhält- lichen Zeitschriftenaufsätze u.a. mit einschlägigen Kommentaren gedruckt, aber die Besor- gung ausländischer Zeitschriften, Dokumente, Normen wird schwierig und schließlich dras- tisch geknebelt. Die Werks-Bibliothek wird stranguliert62. Wenn man die wissenschaftlichen Vorträge für die Intelligenz im Saal von Me 24 seinerzeit ansieht, so sind es meist und zu- nehmend DDR-Leute. Während einiger Jahre lehren jedoch auch Wissenschaftler von Rang aus dem Westen, so z.B. Prof. Luther der TH Braunschweig am 18.06. 1957 über die Wech- selwirkung in Kunststoff-Weichmacher-Systemen63. 1951 wird in den Jahresberichten des Leunawerkes am 27.6. der Vortrag von Rabich, Leuna über den neuesten Stand des Werk- zeugmaschinenbaues, am 24.01.1950 der von DI Stagge über Schweißen von Guß64in den Jahresberichten erwähnt.

In den Hauptwerkstätten des Leunawerkes bleibt die langjährig herausgebildete Kernmann- schaft, sie ist produktionswichtig. Sie behält ihre geistige Grundeinstellung. Im Krieg werden meistens nur die Anlern- und Hilfsarbeiten durch Frauen und durch ausländische Arbeitskräf- te erledigt. Zu der sogenannten Stammbelegschaft des Leunawerkes sind also während des Krieges die beschäftigten Ausländer hinzuzurechnen, die großenteils in Lagern in mehr oder weniger Entfernung untergebracht werden müssen und sind, so in Daspig, Spergau, im Krey- pauer Wäldchen, Lager West am Friedhof usw. Leider existieren über die Personen-Zahlen und ihren Einsatz unterschiedliche Angaben, je nachdem, zu welchem Zeitpunkt und auf wel- che Art die Erfassung erfolgt, teilweise stammen sie aus Rückführ-Protokollen nach dem Weltkrieg. Die Fluktuation und ihre Gründe sind wohl kaum zu rekonstruieren. Eine Auf- stellung der Personalabteilung Me 24b65besagt - vermutlich vom Ende des Krieges:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Unter denjenigen aus der UdSSR sind auch Kommunisten, die mit den deutschen z.T. konspirieren. Ein besonderes Kapitel stellen die (wenigen) Arbeitskräfte, meist wohl Kommunisten dar, die nach 1945 vom Westen nach Leuna kommen, meist un- oder angelernte Arbeiter, nur in geringem Maße Rückkehrer, die einst den „goldenen“ Westen suchten. Die Erfassung erfolgt durch die Kaderabteilung der Leunawerke66.

Die Belegschaft des Werkes erreicht (Ende) 1945 3066 Angestellte und 13 138 Arbeiter, 1950 sind es 2975, 1955 3 436, 1960 4 042 und 1965 3814 Angestellte. Zeitweise herrscht ein Arbeitswechsel-Verbot67oder ein Wechsel muß genehmigt werden. Ein großer Teil kommt aus dem Umland und benutzt die öffentlichen Verkehrsmittel, was erhebliche Probleme auf- wirft. 1947 stammen bei einer Personalzahl von 29 Tsd. nur 3,3 Tsd. aus Leuna68. Verspä- tungen und damit unpünktliches Erscheinen sind wegen der Verkehrsschwierigkeiten anfäng- lich bedeutend, zumal 1945/46 noch manche Brücken gesprengt sind und die Menschen per Fuß über Notbrücken auf die andere Seite der Saale, Luppe usw. gelangen müssen. Für den größten Teil der Belegschaft wird Gemeinschaftsessen ausgegeben, allerdings sind die Zutei- lungen unterschiedlich69und werden von der Direktion den jeweiligen Gegebenheiten „ange- paßt“70, z.B. für die Intelligenz in der Art von Prämien-Paketen. „Positives“ Verhalten wird belohnt71. Wenig erfolgreich ist das Bemühen, bei den Kindern von „Intelligenzlern/ Akade- mikern“ den Zugang zum Studium an einer Universität trotz ihrer derart verdächtigen Ab- stammung zu erreichen. So beschreibt Dir. Dr. Eckhard am 10.01.1948 an General-Direktor Makarow die Situation erfolgloser Bewerbungen von Kindern der Werksangehörigen72. Was bleibt, ist oft nur der Weg des Absetzens nach dem Westen.

2.2 Die Arbeitsstätte.

2.2.1 Die Maschinentechnik im Werk, die Hauptwerkstätte.

Das Werk ist nach einer Grundstruktur gegliedert, so z.B. in die Maschinentechnische und Bautechnische Abteilung (BTA), in denen Konstruktionsbüros tätig sind, z.B. in der ersten mit einem zentralen73und verschiedenen weiteren, so in den Hauptwerkstätten. 1936 führt Reg. Baumeister Zscheye das Konstruktionsbüro in der Bautechnischen Abteilung unter Dr.- Ing. Höpke74. Zu der Belegschaft der BTA zählen zu dieser Zeit 205 Personen und 1324 Arbeiter im Werk sowie 1020 in Firmen75. Ab 1926 entwirft das BTA-.Konstruktionsbüro größere Objekte, so die Materialprüfung Bau 175, das Laboratorium Salzbetriebe 376 u.a. Die letzten Produktionsbauten der Hydrierung (erste Phase) werden 1927 von hier betreut. Die einzelnen Bauphasen des Werkes spiegeln sich in dieser Belegschaft wieder, so 1927 mit 33 technischen Angestellten, 1932 7, 1939 23, 1942 65, 1945 23 und 1950 4076.

Die Hauptwerkstätte ist im Werk konstruktiver und fertigungstechnischer Mittelpunkt für die Sicherheit der Anlage-Funktionen und der Prozeßentwicklung in maschinen- und apparate- technischer Hinsicht. Die Leitung der Hauptwerkstätten (Abb.4) hat grundlegenden Einfluß auf die marktwirtschaftliche Stellung des Leunawerkes, gilt aber mehr als Assistenz der Pro- duktionsbetriebe, z.B. der Hydrierung und als Ausführender bzw. Umsetzer der Wünsche und Forderungen der Laboratorien und der Materialprüfung. Demgemäß wird in die Gebäude, al- len voran Me 15, und deren Ausstattung mit Werkzeugmaschinen, Vorrichtungen usw. kräftig investiert. Leiter sind: von 1916 bis 1931 Diplom-Ingenieur Gravius , von 1930 bis 1935 O- beringenieur DI Wolfrom und von 1935 bis 1955 OI Regierungsbaumeister Julius Maier. Die Ausstattung sämtlicher Betriebe der Hauptwerkstätten kann daran ermessen werden, daß im zweiten Weltkrieg mehrere hundert Werkzeugmaschinen installiert sind. Besorgniserregend ist bereits im Jahrzehnt nach dem zweiten Weltkrieg77das hohe Alter der Werkzeugmaschi- nen und Hebezeuge/Kräne. Im Jahresbericht von 1959 wird zudem die miese Ausnutzung des Leistungsvolumens in Me 15 reklamiert; es fehlen ca. 20 Arbeitskräfte und: es wird haupt- sächlich Generalreparatur getrieben, keineswegs für Eigenbedarf gearbeitet. Die (noch mög- liche) Lagerführung ist katastrophal78. Eine solche Phase kündet von schlechter Zukunft.

Das Personal der Hauptwerkstätte und insbesondere von Me 15 ist von Anfang hochquali- fiziert und sieht sich über Jahrzehnte - bis in die DDR-Zeit hinein - als etwas „Besonderes“. Der Wechsel in der Geschäftsführung, der Generaldirektion, der Machthaber zeigt hier nur verhältnismäßig geringe Wirkung, wie die spezifische Kreisleitung der sozialistischen Ein- heitspartei in der Zeit von 1945 bis 1960 immer wieder beklagt. Eine gewisse Meinungs-Sta- bilität ist zu verzeichnen. Z.B. gelten die „neuen“ Methoden des Schnelldrehers Gustav Zabel, von Pawel Bykow nicht als wirklich neu. „Was können die uns schon lehren. Wir sind die Be- sten.“79. Nach dem „Aufstand“ am 17. Juni 1953 heißt es: Im Bau 15 ist die reaktionäre und opportunistische Auffassung noch nicht überwunden80. Diese traditionsbewußte Einstellung macht sich einerseits positiv z.B. beim Winterfestmachen 1945/46 bemerkbar, denn die 24m- Drehbank, noch unter freiem Himmel arbeitend, wird geschützt, andererseits 1946 negativ z.B. zu Beginn der Demontage am 15.03. bis zum offiziellen Ende am 11. 01. 1947 breit: „Die Russen schleppen alles weg, und: sie können das Gelumpe sowieso nicht gebrauchen, es steht bloß auf den Bahnhöfen herum und verrottet.“81Fast überall spürt man die Knappheit: Energie, Versorgung der Anlagen usw. Die Reparationsleistungen sind in der Gegend um den Bau 15 direkt und klar sichtbar: überall stehen Kisten mit kyrillischen Aufschriften herum. Was soll da der politisch deklarierte Produktionsaufschwung? Die Arbeitsdisziplin geht ge- waltig zurück, bis zu 30 % Fehlzeiten werden registriert. Die Betriebsleiter weisen auf die ernsten Schwierigkeiten der Erfüllung der Auflagen aus dem Zweijahres-Plan 1947 hin, schon bedingt durch die enormen Mängel in der Material- und Anlageteile-Beschaffung, aber diese scheinen nicht behebbar - oder? Da kommt - unerwartet - ein Umschwung, es soll in Leuna mehr produziert werden, also wird ein bereits demontierter Ofenmantel zurückgegeben.82Das Grundübel im Material- und Maschinenwesen bleibt jedoch von nun an bestehen. 1956 heißt es im Jahresbericht der VEB Leuna-Werke „Walter Ulbricht“: „auf dem Lager fehlt jeder „ei- serne Bestand“. Die Initiative erschöpft sich wesentlich im Kampf zwischen Lagernormative und Anforderung der Werkstätten“83.

2.2.2 Das Personal, die Intelligenzler und der äußere Einfluß.

Unverständlich scheint die Zerrissenheit in der Zielsetzung der immer stärker sichtbaren Ein- flußnahme der kommunistischen Partei, die sich einerseits an den sowjetrussischen „Vorbil- dern“ in der Wirtschaftsorganisation orientiert84und andererseits eine Anpassung an den Stand von Technik und Wissenschaft fordert, wobei sie an die Realisations-Schranken stößt. Am 3.3.1946 gibt die KPD Richtlinien zur Wirtschaftspolitik heraus, wonach alte Strukturen zu zerschlagen sind85. Am 21.04.1946 bekennt sie, daß sie dabei auf die „moralisch-politische Unterstützung und den militärischen Schutz durch die sowjetische Besatzungsmacht“ speku- liert86. Sie schiebt die „Arbeiterklasse“ als vorrängig vor, aber diese muß die Leitung der Wirtschaft erst erlernen87, weshalb die Intelligenzler-Arbeit materiell zu würdigen sei, insbe- sondere, weil „die Bereitschaft zur schöpferischen Mitarbeit und zu neuen Initiativen bei An- gehörigen der Intelligenz“ sinkt88. Die administrative Planung von der Parteispitze zu den Kommissionen in der Wirtschaft zeigt ihre Tücken, zumal gewaltige Umstellungen in der Schwerindustrie nach der Isolation von Mitteldeutschland notwendig sind: „Mängel in der Arbeit des Staatsapparates bedeuten Zeit- und Qualitätsverlust bei der Durchsetzung vorgegebener Zielstellungen“89.

Ein typisches Merkmal der (frühen) „Intelligenzler“ ist deren langjährige Treue von den er- sten Zeiten als BASF-Abgeordneter an. Beispiel hierfür sei der Leiter der „Hauptwerkstatt I“ (Hauptschlosserei Hochdruck, Hochdruckmateriallager), Herr Ingenieur Veil, der 1910 zur BASF kommt und von 1916 bis 1954 in der Hauptwerkstätte verbleibt. So wird er praktisch der erste Vorgesetzte von Arthur Rabich90. Zur sogenannten ersten Mannschaft gehören noch: von 1916 bis 1950 Herr Ingenieur Krater (Werkzeuge, Werkzeugmaschinen, Sattlerei), Inge- nieur Schmidt von 1916 bis 1938 (Stahlbau, Kesselschmiede) und Ingenieur Hoffmann (Me- chanische Betriebe, Feuerschmiede und Sandstrahlerei). 1952 sind zu den Managern unter der Hauptwerkstätten-Leitung91anzusiedeln92: OI Bielek (H4 = Vergütung), Bräutigam (Speng- lerei), Brandt (H3/Werkzeugmacherei - hier noch DI Weinbrecher), Florstedt (Heizung u. Lüftung), DI Gebauer (Schweißerei, Kunststoffwerkstatt, Bleilöterei), Kesselmann (Betriebs- stätte Calm), Kummer (Dreherei), Meier (TKO/Techn. Gütekontrolle), OI Pflaume (Feuer- schmiede), OI Renker (Rohrnetze), OI DI Richter (Hydrierung), OI Skorianetz (Stahlbau, Kesselschmiede), Veil (H193, Hochdruck), Rabich94(Konstruktionsbüro = Stabstelle). Diese Mannschaft ist aufs engste untereinander verbunden und ihr unterstehen mehrere Tausend Be- schäftigte95.

Die Manager, die „Intelligenzler“ sind den kommunistischen und später SED-Parteigenossen von ihrem Beharren auf (jetzt) Westorientierung ein Dorn im Auge, denn sie sind der Hemm- schuh für ihre Arbeiter-Ideologie. Aber selbst wenn einer - wie OI Maier - ein Genosse wird, so hat dieser womöglich eine „andere“ - nicht genehmigte - Meinung. Als Hauptverbreiter über den fundamental-negativen Eingriff der Demontage werden der Hauptingenieur Dr. Wirth (= Vorgesetzter von Herrn OI Maier) und der stellvertretende Hauptchemiker Dr. Will- froth ausgemacht96. Intelligenzler sind und bleiben vielfach reserviert gegenüber dem Partei- zug97, manchmal sind sie sogar eine oppositionelle Clique. Es nützt wenig, daß man Mitte 1947 einen Rat der technologischen Entwicklung postuliert98, 1950 ein spezielles Programm zur Arbeit mit der Intelligenz verabschiedet99. Am 16.07.1948 spricht der „oberste“ Genosse Walter Ulbricht im Hörsaal Me 24 über den Zweijahrplan. In der Aussprache „glauben sich 2 Betriebsleiter gemüßigt zu sehen, die Diskussion auf das alte und völlig ausgefahrene Gleis der Ernährungsschwierigkeiten schieben zu müssen." Aber: "die Intelligenz darf nicht länger abseits stehen100." Diese Fehlinterpretation zeigt sich z.B. darin, daß Dr.-Ing. Erich Göbel vom Zentraleinkauf offen feststellt, daß für eine Produktion eine ausreichende Zuteilung von Rohstoffen und Materialien erfolgen muß101, aber dies sachlich nicht gegeben ist. DI Günther Adolphi102sieht sich (damals) gehindert, an der demokratischen Aufbauarbeit teilzuneh- men103.

Die Mobilität der Werksangehörigen ist weitgehend reglementiert. Trotzdem verlassen 1957 4 378 Belegschaftsangehörige (= 15 %) das Leunawerk, nach der Statistik sind darin 579 West- flüchtige, 492 scheiden aus wegen Lohnverbesserung, 307 wegen der Arbeitsbedingungen104. Im Kernbereich wie den Hauptwerkstätten oder im Konstruktionsbüro zeichnet sich allerdings weitgehend Konstanz ab105. Die ersten Intelligenzler verlassen Leuna im Zustand der Bedro- hung durch die Besetzer. In Erkenntnis tatsächlicher Erwartbarkeiten wandern später „Intel- ligenzler“ zunehmend nach dem Westen, der Bundesrepublik, dem anderen Wirtschaftssystem ab106. Einige aus dem Werk verlassen die SBZ und ziehen dann andere nach. Besonders Au- genmerk richtet die SED auf die „unentbehrlichen“ Intelligenzler, denn deren Potential ist endlich. Dieser Verlust ist kaum abschätzbar. Am 6.3.1953 setzt sich Oberingenieur H. Bieg- ler aus der Materialprüfung ab107. Am 13.1.1955 erstattet Karl einen Bericht vor der Kreis- leitung SED über den Weggang von Dr. Scheuer und Dr. Elan vom Analytischen Labor, was mag diese veranlassen? In den ersten 3 Quartalen von 1960 verlassen 23 Intelligenzler und 24 Angestellte von 249 Westflüchtigen das Werk108, in den Hauptwerkstätten sind es 1959 20 und 1960 28 Flüchtige, über das Jahr 29, hauptsächlich Jugendliche. Im November wird vom Oktober 1960 gesagt, daß 3 Intelligenzler, darunter Dr. Kraft, als flüchtig gelten. SED Be- zirksvorsitzender B. Koenen schreibt, daß die „Abwanderung bedrohliche Formen“ annäh- me109. Neue Intelligenzler nach der Parteivorstellung sind noch nicht da, also klein beigeben? Ein eklatantes Beispiel gibt der Caprolactam-Betrieb110. Im August 1944 finden drei leitende Kräfte den Bombentod. Ab August 1945 folgt der Wiederaufbau mit einigen Stillstandspha- sen. Der Leiter, Dr. Friedolfsheim setzt sich 1946 nach dem Westen ab. Dr. Striegler wird nach der Montage im Oktober 1946 nach der Sowjetunion verschleppt. Im Mai 1948 geht der Nachfolger Dr. Kahr nach Westdeutschland, dem im Juli 1952 wiederum dessen Nachfolger Dr. Deiters folgt und schließlich siedelt 1954 dessen Nachfolger Dr. Schäffler ebenfalls dort- hin, wobei zu berücksichtigen ist, daß bereits im November 1953 Dr. Meier, bereits 1946- 1951 in Leuna, den Betrieb übernimmt. Im Versuchslaboratorium verbleibt im Zeitraum von Februar 1946 bis Januar 1949 von den 22 Chemikern nur einer, von den 24 Laboranten nur 8 dort111. Von den 45 Angestellten sind 41 in der NSDAP und ihren Organisationen gewesen, von 14 SED-parteiorganisierten ist nur 1 Chemiker dabei, 6 in Blockparteien, 18 parteilos112. In solchen fachbezogenen Positionen nutzt die Parteizugehörigkeit offenbar kaum etwas.

Der Aderlaß aus der führenden technischen Schicht im Leunawerk hat unterschiedliche Moti- ve: 1) die Entnazifizierung, vornehmlich durch besondere Kommissionen113, 2) die „Ver- schleppung“ nach West und Ost, 3) der offene und unausgesprochene Druck von Partei und seinen Anhängern auf Ingenieure, Chemiker u.a., sich von der Arbeiterklasse ihr Management vorschreiben zu lassen, Dinge zu tun, die wider die „Vernunft“, den „Fachverstand“ sind. Letztlich bleibt nicht verborgen, daß Mißliebige114inhaftiert, eingekerkert, zum Tode ver- urteilt werden. Wegen der nachteiligen Folgen scheint Maulhalten besser. Die Lücken können dann nur teilweise, manchmal erst nach längerer Zeit geschlossen werden115. Beispiel dafür ist der Produktionsdirektor Dr. Sundhoff, der von den Kommunisten angegriffen wird und 1957 nach dem Westen ausweicht wie nachher Dr. Wirth116. Der Leiter der Methanolfabrik und sein Stellvertreter wandern zugleich nach dem Westen ab, die wichtige Produktion wird nur mühsam fortgeführt. Ein dramatischer Vorgang. Die zurückbleibenden „Intelligenzler“ müssen weiter für deren Voraussetzung sorgen, so besonders in den Hauptwerkstätten, wo es zudem überall an Material fehlt und permanent Mängelbeseitigung getrieben werden muß.

2.3 Die übergeordnete Macht und politische Gesinnung

2.3.1 Druck und Terror im Wandel der Zeit.

Bei den Ingenieuren ist in den vergangenen Jahrzehnten vielfach die fehlende gesellschaftli- che Parteiname kritisiert worden, was z.B. in den Umfragen beim Verein Deutscher Ingeni- eure117, Berlin/Düsseldorf deutlich wird. Der Ingenieur Arthur Rabich wird 1923 besuchendes Mitglied in diesem Verein (zunächst in Düsseldorf, ab 1924 Berlin, dann Halle/Saale mit An- schrift 1928 Leuna, Merseburger Straße im Haus Sachse & Rothmann, 1929/30 Rössen Ebert- straße 44 und schließlich 1931 Spergauer Straße 31). 1932 wird er sogenanntes Vollmit- glied118, das letzte durch Mitgliedskarte nachgewiesene Jahr ist 1942. Die Zonen-Trennung des ehemaligen Deutschen Reiches sorgt für eine gründliche Spaltung, die Kammer der Tech- nik in der sowjetischen Besatzungszone wird kein Ersatz. Die Verbindung zum VDI119wird daher von Arthur Rabich bis in die 60iger Jahre aufrecht erhalten. Der Ehrenkodex120dieser Berufsvereinigung ächtet eine Arbeitsbeeinflussung durch oder über Partei-Politik.

Über die Agitationsarbeit der Kommunisten und Sozialisten im Werk ist bereits viel zu Zeiten der DDR veröffentlicht und verherrlicht worden. An und für sich hatten diese Wühlkräfte wenig Wirkung, für den Verfasser war es immer ein Rätsel, wie diese Arbeitnehmer in der IG existieren konnten. Und ich ging ja in die Sattlerstraße im Norden von Leuna, jenseits der Bahn öfter und kannte dort auch Schüler von der Ludwig-Jahnschule. Klar, dass nur wenige sich so weit vorwagten bei der dann drohenden Inhaftierung121.

Durch die nationalsozialistische Machtergreifung wird - begünstigt durch die positive Ein- stellung der Werks-Direktion dazu - der NSDAP eine Wirkungsmöglichkeit eingeräumt. Den- noch kann bei der Betriebsratswahl am 22.03.1933 diese nur 28 % der Stimmen auf sich ver- einen122. Otto Zschäge von den Hauptwerkstätten als SPD-Mann kann sich nicht durchsetzen, der faschistische Kandidat wird Rats-Vorsitzender. Am 10. Oktober 1933 gehören 629 Beleg- schaftsmitglieder der SA, SS und HJ, 418 der NSDAP und 421 dem Stahlhelm123an. 1934 sind bereits 20 % der Werksangehörigen so „organisiert“124. Zwar setzen sich bei den Wahlen der Belegschaft die Nationalsozialisten im Werks-Vertrauensrat durch125, aber in der Intelligenz ist die Stimmung gespalten, A.R. zählte zu den „Antifaschisten“126und wird als solcher auch - mindestens teilweise - bekannt, sodaß er nach der amerikanischen Beset- zung127in die Leunaer Gemeindevertretung kommen soll. Die erste Besatzungsmacht nutzt ihre Werkspolitik anders als die zweite. Offensichtlich läuft die Ausforschung des technischen Wissens an der reinen Militärinstanz vorbei, was auch bei der zweiten zu beobachten ist. Nach dem Stand vom 22.11.1947 befinden sich im Werk noch aus der NSDAP und ihren Gliederungen 3 229, davon 289 einst führend, aus anderen nationalsozialistischen Gliede- rungen 2 521 und aus HJ und BDM 106128.

Dr. Schneider129wird 1936 „General“-Direktor bzw. Betriebsführer der Leunawerke. Die Kommunisten, die wesentlich aus der unteren Schicht der Werksangehörigen stammen und vor 1933 im Werk agieren, werden jetzt weitgehend ausgeschaltet130. Die Personalpolitik wird so ausgerichtet, daß KPD-Angehörige nicht eingestellt werden, dennoch sollen bis 1939 noch etwa 50 davon im Werk verblieben sein131. Ab 1935 sind - auch unter Mitwirken der Gesta- po132- die Antifaschisten isoliert, besonders, weil das Verhältnis der Angestellten zu den Ar- beitern bei den Vertrauensmännern sich deutlich zugunsten der Angestellten verschiebt und der wirtschaftlich-technische Aufschwung die minimale Gegenströmung verdrängt. Im Krieg hat dann die Produktion Vorrang. Ein spürbarer Stimmungsumschwung tritt erst ein, als sich abzeichnet, daß der Krieg verloren werden wird. Eine winzige sogenannte Widerstandsgruppe wird am 8. Juli 1944 ausgemerzt. Der Volkssturm wird als Gegenwehr gegen den äußeren „Feind“ von den alten Hasen im Leunawerk belächelt133.

2.3.2 Der zweite Weltkrieg, das Werk und die Werkssiedlung.

Das Werk wird - für alle sichtbar - schon früh auf Abwehr feindlicher Luftangriffe gerüstet, es werden große Bunker gebaut, Scheinwerke auf den Feldern errichtet, Flakstellungen ausge- hoben usw. Der erste Luftangriff am 17.08.1940 bringt den Ernst zum Bewußtsein (Abb.5), aber dramatisch wird die Lage - auch für die Menschen - ab 12. Mai 1944134. Der Gauleiter für Halle-Merseburg Eggeling konstatiert im September 1944 in der Bevölkerung einen Ver- trauensschwund135.Die Bomber fliegen wegen der Geschützabwehr über 11, später über 13 km hoch136. Von den 7 Angriffen im Sommer 1944 fallen aber im Durchschnitt nur 15 bis 45 % Sprengbomben in das Werk, von den im November und Dezember 1944 liegt die Zahl nur bei 3 bis 11 %137. Die Produktion wird anfänglich wegen der geringen Zahl wirksamer Treffer kaum beeinträchtigt, die Ersatz- und Reparaturleistung der Haupt- und Betriebswerkstätten behebt die Schäden schnell. Gezielt folgen bis Ende des Krieges 22, z.T. schwerste Angriffe mit jeweils mehreren Hunderten von Maschinen138

[...]


1Z.T. erst über Messebesuche in Leipzig oder Kongresse.

2Ehemals junger Betriebsführer in den Hauptwerkstätten (Blei-, Schweiß-, Kunststoffwerkstätten) bis 1950. War nach dem Krieg u.a. für Westbeschaffungen zuständig, fuhr über die Grenze, selbst oder mit Lastwagenfahrer Otto Evers, der selbst bei Beschuß die Ruhe behielt. S. Interview vom 8.8.1995 als Zeitzeuge. Der Russe - beim Grenzübertritt - hatte andere Anschauungen als die in der Werkleitung. „Die an der Grenze hatten kein Verständnis, daß wir Dinge aus dem Westen brauchten usw., die es im Osten nicht gab.“ Ebda.

3S. www.h-net.msu.edu/reviews/showrev.cgi?path=555.

4Beschrieben in der diesbezüglichen Biografie, Kapitel 10 auf CD, www.familie-rabich.de

5Ca 20 Seiten Text, dazu zahlreiche Dias, 77 Lit.Zitate. Dort Vergleich mit BASF (DI W.Raeithel, HeidelbergLudwigshafen).

6Gustav Freytag. Bilder aus der deutschen Vergangenheit, vierter Band, aus neuer Zeit, Einleitung, S.3 Leipzig: S. Hirzel - und Berllin-Grunewald H. Klemm. Entnommen aus fahrbarer Kriegsbücherei an der Front mit dem Eindruck: Dieses Buch gehört nach dem Kriege den kriegsinvaliden Kameraden, halts in Ehren.

7Ungewöhnlich, weil die Arbeit eines Maschinenbauingenieurs in der geschichtlichen Darstellung der Chemischen Industrie faktisch kaum vorkommt, bis auf die Probleme des Apparate- und Anlagenbaues.

8Der Verfasser ist seit über 2 Jahren kritischer Beobachter der Hauptverhandlung eines der größten Wirtschafts- Kriminalitätsprozesse des letzten Jahrzehnts, wo aus mehr aus 12 Tsd. Verhandlungsblättern und in über 150 Verhandlungstagen - geplant bis Ende 2007 - vor der großen Strafkammer die Feststellung des wahren Tather- ganges versucht wird. Siehe hierzu vom Verfasser: Der Wirtschaftskriminalitätsprozeß als Quelle der Wirt- schaftsgeschichte. www.grin.com.

9Mit der Einschränkung durch die Beweiswürdigung in diesen Rang gehoben.

10Hier, weil die Ermittlung über 4 Jahre und die Hauptverhandlung schon 2 Jahre dauert.

11Westlich lagen die riesigen Halden aus Braunkohlen-Asche der Hydrierung.

12Plumpe, Gottfried. Die IG Farbenindustrie 1904-1945. Berlin: Duncker&Humblot.1990.

13Beschreibung unter: www.sachsen-anhalt.de/LPSA/index.php?id=8924.

14Direkt an der katholischen Kirche. Wer Veranlasser war, ist Verfasser unbekannt.

15Zuerst gingen wir 1933/4 in die Siedlungsschule, in der auch Kinder des „Akademiker-Viertels“ (= leitende Angestellte des Werkes) eingeschult waren, dann wurden wir ein kleiner Teil von Leuna, in dem wir wohnten, abgetrennt und der Ludwig-Jahn-Schule zugeteilt, in der auch Kinder der untersten Schicht, nördlich der Ei- senbahnlinie Merseburg-Leipzig wohnend, lernten. Die Ludwig-Jahnschule war im früheren Sumpf-Aue-Gebiet der Saale errichtet worden. Wir mussten also zu Fuß neben den Gleisen der Straßenbahn dahin wandern. Für die andere Wahrnehmung: Schunck, Peter. Fallobst, 2002 und Biografie, 2000. zitiert in Kapitel 10, www.familie- rabich.de auf CD. Sein Vater war Direktor und er wohnte an Saale-Ufer im Vornehmen-Viertel. Hier war ggf. das Auto von Horch mit Chauffeur das standesgemäße - und das Hauspersonal.

16Nach Josiah DuBois, nach Jan Große Nobis generals in grey suits, zitiert s.www.ig-farben.org. Auf der anderen Seite die braune Front, siehe IG-Werkzeitung „Von Werk zu Werk“ Oktober 1935, wo die Fahnen der Dritten Reiches auf der Vorderseite wehten als Ausdruck höherer Gesinnung. Im Ort hat der Verfasser nichts in Erinnerung von Deutscher Arbeitsfront, von SA-Aufmärschen, wohl vom Antreten, um Mussolinie auf der Durchfahrt von Berlin nach dem Süden befehlsgemäß zuzujubeln. Und der 50. Geburtstag des Führers war auffällig, denn die Fahnen, die geschmückten Häuser mit der Zahl 50 waren imponierend. Die Sportvorführungen auf dem Sportplatz mit den adretten BDM-Mädchen machte Eindruck.

17Nach alter Tradition hierauf zu dem nächstgelegenen Ort Spergau (außerhalb der Gemeinde Leuna) gelangend.

18Mit einem Eingang zu einem getrennten Gebäude (Deutsche Arbeitsfront?).

19Ausführlich dargestellt in Kapitel 10 auf der CD, siehe www.familie-rabich.de. Weitere Ereignisse im Leben des Verfassers im Leunawerk, siehe Kapitel 11 (Vergiftung mit Weichmacher oTKP) ebendort.

20Schade, R. Die Gesellschaftsbauten von IG-Farben in Leuna. Seminar 27.04.1995, siehe www.fh-merse- burg.de/ ~SCI/Voll1995.html.

21Z.T. in engem persönlichen oder Haushalts-Kontakt in den Familien.

22Z.B. Luftwaffenhelfer mit 16 Jahren ab Februar 1943, s. Dülk, Franz - Fritz Fischensteiner, Feuerglocke, Luft- waffenhelfer-Schicksale. Schüler-Soldaten aus Würzburg..bei Einsatz in Leuna. Kitzingen.1993 und Schätz, Ludwig. Schüler-Soldaten. Die Geschichte der Luftwaffenhelfer im 2. Weltkrieg. Darmstadt. 1972/1974. - siehe auch: Druba, Volker, Kinder-Soldaten. Magister-Arbeit. Universität Heidelberg, Fak. Sozial- und Verhaltens- wissenschaft, 2000.

23Hier war das Werk nicht mehr voll abgeschlossen, weshalb hier Diebstahl z.T. in größerem Stile stattfand.

24Meist dicht vor den Grünanlagen am Abhang zur Saale.

25Wenn es auch aktive „Kämpfer“ des kommunistischen Regimes gab, wie an anderer Stelle geschildert.

26Galt anfangs auch für die Eisenbahn kurz vor Ammendorf über die Luppe.

27Am 22.04.1990 fordern IG Farben die Leuna- und Bunawerke zurück (Landratsamt Merseburg).

28Siehe hierzu Hackenholz, Dirk. Die elektrochemischen Werke in Bitterfeld 1913-1945. Münster: LIT. 2004.

29An anderer Stelle umfangreich beschrieben einschließlich spezifischer historischer Hintergründe. Stammtafeln aller Linien vorhanden, Hausarchiv. Siehe Kapitel 6 bis 8 auf CD, siehe www.familie-rabich.de.

30Eine Reihe von Namensträgern Rabich, besonders aus dem slawischen Raum, sind transkribierte „Rabich“ und haben eine andere ethymologische Bedeutung.

31Insgesamt 5 Kinder, 4 davon leben als Erwachsene. 1. Kind Frieda, * 10.12.1889 in Sangerhausen, danach Rosa, * 29.11.1892 (ledig geblieben) und Franziska * 1.11.1894 (ledig geblieben). Frieda heiratet gegen den Willen des Vaters 1912, bei 5 Kindern 1930 geschieden. Weiteres s. in Abhandlung von Arthur R. „Die Ko- nietzkas als Anhang der Familie Rabich (= Die Erbschaftsjäger)“. Akte III sowie Gesamt-Vorgang. Die Fortsetzung der Erbschleicherei findet in der Erbsache der Schwester Rosa statt, s. Schr. an Nachlaßgericht 8 VI 232/78 Essen-Borbeck v. 15./29.10.1979, wegen angeblicher „Schenkung“, vgl. Brief an Gericht v. 2.2.1979.

32stirbt 20.04.1939 in Mühlhausen.

33Hier kommt A.R. zur Bürgerschule. Nachdem diese nicht mehr bezahlt werden kann zur Volksschule.

34Bleibt bis März 1917 dort, anschließend bei Firma Thyssen in Mülheim/Ruhr. Kehrt 1919 n. Mühlhausen in Thüringen zurück (arbeitslos). Ehescheidung 14.11.1919, am 12.08.1922 OLG Naumburg rechtskräftig. Die Mutter lebt praktisch seit 1917 in Trennung, wechselt sodann (endgültig) von evgl.-Lutherisch zu Neuapostolisch, + 29. 03.1940. Albert R. heiratet am 24.04.1924 ein zweites mal und zwar Hulda Bötticher, geb. Mosebach, * 19.12.1872 in Dachrieden, + 31.09.1941 in Mühlhausen.

35Zeugnis vom 5.4.1914 der Fr. Krupp AG. Hierzu: ein Bild aus meiner Schlosserlehrzeit von 1910 bis 1913, Reparaturwerkstatt II d. Krupp-Werke, in der 1904 sein Vater als Schlosser eingetreten ist. 1) Akte I, von der Wendevorrichtung zum (elektronisch gesteuerten) Manipulator, 2) Eindruck zu meinem Lebenslauf. Hier S.6 (unermüdlich und unverzagt alle Mittel der Technik und Wissenschaft überprüfen...). Darüber und die Quali- fikation, s. Gas- u. Dampfmaschinen-Universalist. Hier erhält A.R. die Anregung für das technische Studium. Speziell: Wert eines Rückschlagventils, den er später bei der Leunaer Entspannungsmaschine System Beren- bruch/Wolfrom nutzt. Siehe 13309 v. 26.10.45 u.BSk 1088 v. 25.6.1946.(Akte A.R.). Hausarchiv.

36Lt. Zeugnis in Leistungen und Führung: sehr gut.

37Mit Auszeichnung bestanden.

38S. Pfeffer, Georg. Geschichte des Infanterie-Regiments 186. Oldenbourg-Berlin: G. Stalling, 1926.

396.7.1917 56. Inf. Div./Inf. Regiment 186.

40Austritt aus evgl. Landeskirche 31.10.1911.

41S. Heeresbericht vom 5. Oktober (Westfront).

42S. Geschichte... S. 137.

43S. Geschichte S. 163.

44Hierfür ist kennzeichnend das auch dem Sohn erinnerlich gebliebene bekannte Foto mit Kaiser Wilhelm II., Generalfeldmarschall von Hindenburg und General Ludendorff im Kaiserlichen Hauptquartier, Jagdschloß Pleß/Oberschlesien von 1916. Ihm blieb der „Macher“ Ludendorff in Aufrichtigkeit ein gewisses Vorbild, auch als dieser sich deutlich von dem Gefreiten Adolf Hitler lange vor 1933 distanzierte.

45Lt. Zeugnis: anerkennenswerter Eifer, sehr gute Vorkenntnisse.

46Erwähnenswert ist, daß die Franzosen vom 8.3.1921 bis 25.8.1925 Düsseldorf und Duisburg als ReparationsFaustpfand besetzt halten, wovon ein Passierschein v. 18.12.1923 vorhanden ist (Akte). Hausarchiv.

47Lt. Zeugnis: gute Veranlagung zur selbstschöpferischen Arbeit, jeder Aufgabe gewachsen. Eine Schleuse kann Verfasser noch 1950 mit ihm gemeinsam bei Hannover-Anderten besichtigen. A.R. erscheint nicht im Adreßbuch von Berlin, genau so wenig wie nachher als verheirateter. Untermieter?

48Lt. Zeugnis: die Einschränkung der öffentlichen Arbeiten auf dem Gebiet des Wasserbaues zwingt uns zu Personaleinschränkungen in dieser Spezialabteilung. Er bewirbt sich am 23.03.1927 beim Ammoniakwerk Merseburg, das ihm dann mitteilt, es seien Wohnungsschwierigkeiten in Leuna zu erwarten.

49Lt. Anschrift vom Einstellungsvertrag Ammoniakwerk Merseburg vom 20.04.1927: Neptunstr.14 in Herms- dorf bei Berlin wohnend. Mit der Einstellung ist die Mitgliedschaft in der Pensionskasse BASF - später IG Farben AG Ludwigshafen verbunden, die nach 1945 alten „verdienten“ beim Westbesuch einen Zuschuß ge- währt. Die Pensionskasse wurde immer leerer, schließlich gelangte die IG Farben i.A. in Liquiditation, nachdem WCM, ein berüchtigter Raubritter-Kapitalist - s. Kap. 12, www.familie-rabich.de. Pleite gegangen war.

50Weiteres siehe Geschichte des Geschlechtes Rabich, Kap.2 und Kap.10, Kliems. Als „Helferin“ setzte sich die 2. Ehefrau Anna von Fritz Neumann, Berlin Stargarder Str. ein. Die Mutter wohnte ebenfalls in Berlin. …..>

51Reaktionsbeschleuniger ohne Stoffverbrauch. Der Mitarbeiter von Fritz Haber bei den BASF-Forschungsla- boratorien in Ludwigshafen Alwin Mittasch benötigt bei der Ammoniaksynthese ca. 20 Tsd. Versuche bei rund 3 Tsd. Stoffen, um Eisen als das seinerzeit beste Element zu finden. Auch heute weiß man noch nicht genau, welche Vorgänge dabei für die energetisch günstige Konstellation ablaufen, deshalb ein diesbezügliches Forschungsprogramm. s. vdi-nachrichten 2000 Nr. 41, S.9.

52Ausnahme z.B.: Biegler, H. - H. Kilger - W. Küntscher. Technische Baustähle. Halle/Saale: Wilhelm Knapp 1952. Hier sind 30 Jahre werkstofflicher Leuna-Erfahrung geordnet zusammengefaßt.

53Im Sprachgebrauch „Ofen“ genannt.

54Vertrag durch Bosch-Schmitz.S. Salewski, Michael. Die bewaffnete Macht im Dritten Reich 1933-1939. Wehrmacht, Bd. 4, S. 149. Vgl. Meine, Wolfgang - Erika Onderka, Leuna, Kraft aus Kohle und Öl. Wettin.1997. Die Produktion von Benzin-Treibstoffen auf dieser Basis wurde 1959 eingestellt.

55Der US-Werkskommandant Capitain Mills oder Oberstleutnant Brook müssen zustimmen, wenn Auskünfte an Kommissionen v. Besatzungsmitgliedern gegeben werden. S. LAM, Leunawerke, Personalabt. Rundschreiben Nr. 13. Auch die Sowjets forschen später und intensiver sowie systematisch die Werkserfahrungen aus, z.T. müssen extra Berichte, Aufstellungen, so z.B. v. 6.3.1947 ohne Vergütung geleistet werden. S. LAM, Leuna- werke A 571. Weiteres zu BIOS, CIOS, FIAT (Field Information Agency Technology) weiter unten.

56Science and technology in Germany during the 1930s and 1940s, a collection of the Combined Intelligence Objectives Sub-Committee, the Field Information Ageny, Technical; the Joint Intelligence Objectives Ageny. 1994. 2873 items, published by the British Intelligence Objectives Sub-Committee (BIOS). - Holroyd, G. Synthetic fuels production and hydrocarbon produced IG Farben industry AG. Leuna. Intelligence Objectives Sub-Committe 1945ff. - Hochdruckgefäße für die Kohlehydrierung. Trans. ASME 72(1950)4 S. 357-363. Referate 1070/24. - Helling, A.G. Werkstoffe für Hochdruckapparate. Chem. Engg. 56(1949)9 S. 116-117. Referate 1041/25. Vorhanden in der TIB Hannover. Seinerzeit übersetzt für meinen Vater.

57S. BIOS, Final Report Nr. 82. Warren, T.E. Inspection of hydrogenation and Fischer-Tropsch plants in Western Germany during Sept. 1945.

58Wird am 10.04.1946 durch den Werkleiter Dr. Eckhard abgelöst, sowjetischer Generaldirektor ist bis August 1947 Oberst Batmanow. S. Geschichte, VEB Leuna 1945-1981, S. 287. Dr. Eckhard ist nach Meinung der russi- schen Direktion ausführungswilliger - bei Demontage. LAM, Leunawerke A 108-109, Bl. 59-61 v.13.04.46

59Durch SMAD-Befehl Nr. 167 wird das Leunawerk am 5.6.1946 in eine sowjetische Aktiengesellschaft ge- wandelt (1.8.1946). 1954 wird das Werk „deutscher“ volkseigener Betrieb, der „Generaldirektor“ wird den Di- rektiven der Berliner Zentralverwaltung unterworfen. Am 15.02.1958 wird es der VEB Mineralöle und organi- sche Grundstoffe zugeschlagen. Die Richtlinien deutscher Generaldirektion bestimmt personalgemäß die Partei.

60Durchbrochen durch persönliche Zusendungen, z.B. vom Sohn 1950 Artikel über Hochdruck aus Chemistry & Industry, Referateblatt-Auszüge aus Leverkusen, sonstige Literatur-Auszüge, Übersetzungen, z.B. über tech- nische Entwicklungen, Gewindewirbeln usw. Hier Hinweis auf: Wiley, J.L. - H.C. Anderson: bibliography of pressure hydrogenation. I. Review and compilation of the literature on pressure hydrogenation of liquid and solid carbonaceous materials. II. Patents, III. Subject Index. Bulletin 385 by Bureau of Mines. US Government Prin- ting Office, Washington: 1950. S. Hinweis im Brief vom 17.02.1951 an Vater. Hier enthalten: Josenhanns, die Bombardierung... Der Sohn fährt 27.5.1951 zum Zentralamt für Forschung und Technik/KdT. S. Briefe v.5.9., 3.u.6.12.1950, 14.2.1951, 17.2.1951. Hausarchiv.

61Geschichte, VEB Leuna 1945-1981, S. 186: Noch in den 60iger Jahren beklagt man sich: Die Intelligenzler sind westorientiert, die geistige Elite ist einseitig auf wissenschaftliche Ergebnisse ausgerichtet, mißt sich an kapitalistischen Ländern. Der Generaldirektor Erich Müller - 1966-1968 - ist reiner SED-Mann. Ebda. S. 192.

62Arthur Rabich versucht auf andere Weise an Informationsmaterial heranzukommen, z.B. über seinen Sohn.

63LAM, Leunawerke, Jahresbericht S. 158.

64LAM, Leunawerke, Jahresbericht 1951, S. 117 bzw. 1950, S. 134.

65Ohne Datum, loses Blatt in LAM, Leunawerke, Werkleitung, in A 1408.

66S. J3 Cfd/We. v. 2.2.1955 für Januar 1955: 15 Rückkehrer, 18 Zuzügler von 33, davon sind wieder 7 nach Westdeutschland zurück. Oktober 1954 v. d. 41 keiner zurück, Nov. 54 3 zurück v. 49, z.T. sind sie arbeitslos, Dez. 54 15 Rückkehrer, 27 Zuzügler, von denen 6 wieder nach Westdeutschland, 1 ist sogar ein Rückkehrer. LAM, Leunawerke A231. Besonderes: Hermann Schlingemann aus Dülmen, * 28.07.1935 sucht als Bäcker- geselle 24.6.1955 „Arbeit“.

67LAM, Leunawerke, A 92, Bl. 558, Befehl Nr. 001 von Marschall Schukow v. 18.12.1945.

68Übersicht über das Verkehrswesen vom 25.02.1947 - aus 500 Wohngemeinden: 6,6 Tsd. aus dem Landkreis Merseburg, 3,5 aus Bad Dürrenberg, 3,4 aus Halle/Saale, 3 aus Weißenfels, 2,8 aus dem Kreis Weißenfels, 2,75 aus Merseburg, 1,15 aus Naumburg-Stadt. 75 % fahren mit der Reichsbahn, 7 % mit der Straßenbahn. LAM, Leunawerke, A 225.

691948 ist die personalzahlenmäßige Lebensmitteleinstufung so: Gruppe 1 (best) 619, 2 21 547, 3 2 259, 4 1 542 unabhängig von Deputaten u.a. LAM, Leunawerke, A 103-107, Blätter 506, 507, 520, 619. Vgl. über Zusatzkarte: LAM, Leunawerke, A 14132, Rundschreiben Nr. 42 v. 6.8.1945.

70So wird z.B. im Aktenvermerk vom 12.3.1947 eine Höherstufung von Gruppe 4 für Boten gefordert und überlegt, ob statt der Ernährungsämter diese Aufgabe der Betriebsrat übernehmen soll. LAM, Leunawerke, A 225. Für Gruppe 1 wird eine Sonderlebensmittelzuteilung am 13.8.1946 (darunter: OI Maier MTA) angeordnet, LAM, Leunawerke, Werkleitung, A 97/Bl. 541. Weitere Angaben: A95/96 Bl. 41/42, Bl.399.

71Die Intelligenz wird umworben durch Verbesserung der Lebenssituation, Naimark, 1997, S. 578, 580, wenn auch die Arbeiter dagegen sind. Ebda. S. 581.

72zuständig ist der kommunistische Kurator Elchlepp, der sowjetische Major Rosenbaum. Unter der Liste findet man Namen wie H.-P. Baumann, Thilo Biegler, Karl-Erich Seyb. LAM, Leunawerke, Werkleitung/Befehle sowj. Generaldirektion A99-102. Bl. 202/203.-

731950 OI Lüttge mit 25 Mann.

74Dr. Höpke stellt sich - 17.06.1953 - auf die Seite der SED-Arbeiterklasse. S. Geschichte, Leunawerke, 1945- 1981, S. 79.

75Organisationsschema vom 1.1.1936, LAM, Leunawerke, D 431, Me Allg. Z. 184 und LAM,Leuna-w., 9341

76LAM, Leunawerke, D 431, Bl. 208.

77Statistik der Hauptwerkstättenbetriebe 1949-1961 in LAM, Leunawerke, Akte 22756, z.T. von Rabich abgezeichnet; mit Analyse, Maschinenplanung, Belegung usw.

78LAM, Leunawerke, 1959, S. 234/235.

79Geschichte VEB Leuna 1945-1981, S. 75.

80Geschichte, VEB Leuna 1945-1981, S. 78. Vgl. auch S. 80 (Vorbehalte gegen ukrainische Facharbeiter), S. 120 (1959 sehen 20-bis 30jährig lang im Werk arbeitende hochqualifizierte Facharbeiter auf Jugendbrigaden herab), S. 137 (klassenbewußte sind noch 1961 im Bau 125 gering).

81Geschichte, VEB Leuna 1945-1981, S. 46. Es gibt verschiedene Übersichten über die Auswirkungen, so z.B. im Energiebereich, wo ohnehin ein Engpaß vorhanden ist. 1944 gibt es eine Kessel-Kapazität von 2 496 t/h (1.Zahl) und 320,65 MW Turbinenleistung, davon sind jeweils zerstört 208/54, demontiert 580/112, betriebsfähig 894/68, aber erforderlich 1700/153. Von der Gaskompressoren-Kapazität mit Ansaugleistung 620 Tsd. vor den Luftangriffen, fallen durch diese aus 150 Tsd., 22,7 werden abgebaut, installiert sind derzeit nur 140 Tsd. s. Brief Techn.Dir. Dr. Wirth v.19.7.1946 LAM, Leunawerke, A 225.

82Geschichte, VEB Leuna 1945-1981, S. 53 und 57.

83LAM, Leunawerke, Jahresbericht 1956, S. 180.

84Walter, Manfred. Zur Entwicklung des Kombinatsgedanken in der Wirtschaftspolitik der SED (1945-1971). Dissertation Bergakademie Freiberg. 1975, S. 17 und 36.

85Walter. 1975, S.48-51.

86Walter, 1975, S. 55.

87Walter, 1975, S. 70.

88Walter, 1975, S. 93, 95 und 147.

89Walter, 1975, S. 81.

90Naturgemäß auch dem Verfasser unmittelbar bekannt.

91Leitung OI Maier, Ende 1955 ausgeschieden, nach 1.1.1957 ersetzt durch Dr. Kilger, sodann durch OI Skorianetz, vom 1.1.1958 bis 31.12.1966 (dann 69 Jahre). LAM Leunawerke, Akte 22755, Anlage.

92Entnommen der Schrift „25 Jahre Jubiläum Arthur Rabich“ anhand von Fotos. Im wesentlichen Ingenieure.

93Am 31.12.1960 wird die Hauptschlosserei 1 in Me 15 für Hochdruck Apparate- und Brennerbau für Methanolund Ammoniaksynthese sowie für Versuchsanlagen statistisch geführt, in Me 15a die Schlosserei für Hochdruckarmaturen, wo auch das Abtlg. - und Konstruktionsbüro liegt. LAM, Leunawerke, Akte 22756.

94Abgelöst 1963 durch DI Poczatek, s. LAM, Leunawerk, Akte 22755 Anlage Betriebsleitungen.

95Eine grafische Darstellung der Belegschaften ist in LAM, Leunawerke, Akte 22756 enthalten für 1951-55 mit 2700 bis 2900 und für 1956 bis 1960 um 2900 bis 3000 (gesamt), einzelne Betriebe sind getrennt dargestellt. Das Konstruktionsbüro (Stabsabteilung) n.d. Stand vom 01.01.1952 auf B.Sk 1687. In gewissem Sinne müssen auch fremde Büros, Dienstleister hinzugezählt werden, z.B. Friedrich Uhde, das im Westen nach Dortmund und Ha- gen übersiedelt, ein großes Anlagenbau-Büro mit Hochdruckarmaturen-Bau. Es wird auf Anordnung des SMAD am 31.10.1945 eingestellt und firmiert neu unter KIB GmbH (Konstruktions- und Ingenieurbüro als Teil des Ammoniakwerkes). S. LAM, Leunawerke, Personalabteilung, Rundschreiben Nr. 100 v. 22.11.1945.

96Geschichte, VEB Leuna 1945-1981, S. 30.

97Geschichte, VEB Leuna 1945-1981, S. 69, S. 116 (in der Großdreherei Bau 15 wird 1958 über den Neuerer Erich Seifert gespottet), S. 121 (vielen Angehörigen der Intelligenz fällt es schwer, die traditionellen Bahnen ihrer Arbeit zu verlassen). S. 134: Die Neue Intelligenz taucht 1961 hervor, auf den Hochschulen parteipolitisch „richtig“ programmiert.

98Geschichte, VEB Leuna 1945-1981, S. 48, 109.

99Geschichte, VEB Leuna 1945-1981, S. 62

100Leuna-Echo 1948, Nr. 2 (Sept.) S. 3. 1949 wird bei dem Vortrag von DWKV, Berlin und SED-Genossen Bergner/Kreisleitung im Feierabendhaus beklagt, daß die versammelten Geistesschaffenden die Nutzanwendung aus den richtungsweisenden Referaten nicht ziehen. Leuna-Echo 2, 1949, 10, S.3. Der alte IG-Geist geht noch um, s. Leuna-Echo 2, 1949, 16 S.3. In LDP- und CDU-Betriebsgruppen sind reaktionäre Tendenzen zu erkennen, die das Einvernehmen der Blockparteien stören. Leuna-Echo 3/1950,7 S.4.

101Leuna-Echo, 1948, 2, S.4. DI Bittner vom Reparaturbetrieb Me 75 sieht Schwierigkeiten in der Ersatzteilbeschaffung, Leuna-Echo, 2(1949)3 S.4 u. 5 S.4.

102der spätere Gründer/Leiter der Technischen Hochschule Merseburg.103Leuna-Echo, 1948, 2, S.9.

104Wagner-Kyora, 1999, S. 632 mit Zitat 83).

105Im August 1950 sind von den 3092 Angestellten im Werk 2245 bereits vor 1945 dort, von den 310 Führungskräften sind 247 bereits vor 1945 im Werk. LAM Landesleitung SED IV/La/11/123, zitiert bei WagnerKyora, S. 622, Fn. 49).

106Geschichte, VEB Leuna 1945-1981, S. 56. 1956 gehen 500 Werksangehörige nach dem Westen (s. S. 109), 1961 300 (vgl. S. 115, 135). Manche bereits nach der DDR-Gründung, so Dr. Seyb, s. Brief vom 10.12.1949. Hausarchiv.

107LAM, Kreisleitung SED, Republikflucht IV/412/235.

108LAM, Kreisleitung SED, Republikflucht IV/412/235, S. 35.

109Aktennotiz Me 26/Dr. Aug. v. 17.3.1947. LAM, Leunaw. A 225. SED geht April 1946 aus KPD und SPD/ SBZ hervor. S.Weber, H. DDR, Grundriß der Geschichte 1945-1990.Hannover: Fackelträger. 1976/1991. 110Leuna, Metamorphosen, S. 193-198. Bericht des später in Leuna pensionierten Dr. Meier.

111LAM Leunawerke 1893, zitiert Wagner-Kyora, 199, S. 622, Fn. 50).

112Wagner-Kyora, S. 622, Fn. 51).

113Von den Führungskräften werden 47 als untragbar eingeschätzt. LAM, Leunawerke, A 103-107, Bl. 506.

114Oft ist nicht ersichtlich, warum welche Leute inhaftiert werden. Es existiert in den Dokumenten ein Entwurf vom 30.08.1945 wegen Verhaftungen, es soll sofort eine Meldung an das Personalbüro erfolgen, s.- Rundschrei- ben Nr. 49 vom 1.9.1945, LAM, Leunawerke, Personalabteilung, mehrfach abgeheftet mit textlichen Abwei- chungen.

115Von 1945 bis 1950 sollen 310 ausgeschieden sein, 144 davon sind nach der BRD gegangen. Geschichte, Leuna 1945-1981, S. 63.

116Geschichte, Leuna 1945-1981, S. 109/110, 115, 135. Dr. Sundhoff April 1957, Dr. Wirth Frühjahr 1958. S. Wagner-Kyora, Habilitation MLU-Halle-Wittenberg 2000/2001, S. 222/223.

117Größter berufsständischer Verein in Deutschland.

118Der nationalsozialistische BdT hat wenig Bedeutung und kann sich praktisch nicht etablieren.

119Der VDI hat und schafft neue Arbeitskreise, Gesellschaften, so z.B. eine für Verfahrenstechnik und Chemie (GVC), die faktisch von den Erkenntnissen der IG-Werke profitiert.

120Wird aber nach 1980 aufgeweicht; die „Alten“ sind jetzt zunehmend in der Minderheit, ideologisches wird jetzt den „neuen“ und modernen Wirtschaftsauffassungen angepaßt. Meinem Vater würde es grausen. 121Beispielhaft seien angeführt: Otto Jährling: ein Kommunist, der in den Leuna-Werken an der Spitze der Vereinigung von KPD und SPD stand. Kommission zur Erforschung der Betriebsgeschichte bei der Kreisleitung der SED des VEB Leuna-Werke „Walter Ulbricht“, Leuna. 1982 und Franz Lehmann, ein Kommunist und aktiver Kämpfer der Leuna-Arbeiter, ebda. Leuna, 1983.

122Geschichte, VEB Leuna 1916-1945, S. 140.

123Nicht zu verwechseln mit dem Tannenbergbund, der eine anti-diktatorische Haltung einnimmt.124Geschichte, VEB Leuna 1916-1945, S. 142.

125Ein Großteil der Belegschaft war IG-orientiert. Geschichte... S. 184. 1944 betrug sie 27 Tsd. Mann. S. 185.

126Der kleine Kreis der Anti-Diktatur-Intelligenzler kommt in den hinteren Zimmern des Gesellschaftshauses mittags zusammen. Man wußte jedoch nie genau, ob einer etwas nach „draußen“ trug. Der Chef Gesellschaftshaus ist selbst gegen SED eingestellt.

127Noch am 4.3.1945 werden Volkssturmbataillone zur Verteidigung umgruppiert, Leunawerke, Akte Personalabteilung/Rundschreiben 1944-146, AM, Direktionsbüro Me 26, hier Nr. 18. Die Besetzung erfolgt am 15. April. Bald setzt die politische Umerziehung - zur Demokratie - ein, z.B. spricht am 7.6.1945 R. Siewert über die „Wahrheit über Buchenwald“, Rundschr. Nr. 8 v. 5.6.45. Die Militärregierung hat das Sagen, der Werkskommandant Cpt. Mills oder Oberstleutnat Brooks - s. Rdschr. Nr.13 - muß zustimmen, wenn Auskünfte an Kommissionen oder Besatzungsmitglieder gegeben werden, denn es sind verschiedene amerikanische Ausforschungsstellen im Werk. Der amerikanischen folgt nach dem 3. Juli 1945 die sowjetische „Industrie-Spionage“ beim Feind. S. Stengler, W. Dokumentation zur Chronik der wis- senschaftlich-technischen Entwicklung der Leuna-Werke von 1945 bis 1961. Landesarchiv Merseburg/Leuna- Werke. Im Rundschreiben Nr. 66 vom 24.5.1946 wird eine Ablieferungspflicht technischer Unterlagen angeordnet, s. LAM, Leunaw., A 142. Lt. Aktennotiz vom 18.05.1945 gelten Heimatflakangehörige nicht als Wehrmachtsangehörige. USArmy Cpt. McLechlam. LAM, Leunaw. A 1413.

128LAM, Kreisleitung SED, Faschistischer Putschversuch 17.6.1953 IV/412/240, Abschrift der Personalabt. Bericht vom 25.11.1947 bzw. 15.7.1953.

129Er war Leiter der Stickstoffproduktion, zugleich Leiter der Verbindungsstelle zum Heer. Geschichte... S. 154.130Geschichte des VEB Leuna-Werke „Walter Ulbricht“ 1916-1945. Leipzig: VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie. 1989. S.147.

131Geschichte, VEB Leuna 1916-1945, S. 144 und S. 147, S. 165, S. 184.132Geheime Staatspolizei.

133In Merseburg trifft der heranrückende Amerikaner erstmalig auf Volkssturm.

134Bei dem Luftangriff treffen das Werk nur etwa 5 % der Bomben, lt. Einschlags-Karte. S. Schunck, Peter, Davongekommen, 2000, S. 43. Weitere Angriffe: 29.5./28./29.7./24.8./11. u. 13.9. (Amerikaner), 5x im November, u.a. 25.11. (Engländer); 6./7.12.1944. ebda. S. 45.

135Bundesarchiv NS 19/3911, s. Findbuch, Bd. 57, Bestand NS 19, Bd.2, 1997. Interessant: Dr. Rudolf Gericke aus dem Leunawerk bittet den Reichsführer SS für sein Büro um Ersatz seines Bildes. BA NS 19/3320. 136Mit ein Grund, daß nur 128 Maschinen abgeschossen worden sein sollen. Die Wirkung des Abfanggeschwaders aus Jägern Me 163, stationiert in Brandis bei Leipzig, ist unbekannt.

137Leuna, Metamorphosen, S. 160 aus LAM-Akten.

138So besonders am 6.12.1944 und 14.1.1945, letzter am 4.4.1945. s. Geschichte, S. 198. Vgl. hierzu auch die detaillierte Darstellung der Bomberangriffe in Veröffentlichung von Martin Pabst (LA Merseburg). Danach am 6.12.1944: mittags 460 Bomber B 17, abends 497 RAF (475 Lancaster, wovon 5 verloren gingen), begleitet von 12 Mosquito-Jäger. Am 14/15.01.1945 sollen 573 Lancaster, wovon 10 abgeschossen wurden, begleitet von 14 Mosquitos, beteiligt gewesen sein in einem 3stündigen Bombardement. Nach Albert Speer war dies der schwer- ste Angriff seiner Art, w. www.raf.mod.uk/bomberasumant/jene45.html (hier Bild). Zerstörte Lager kann man in Beildern finden auf Box 1, Folder 16, 7-11 In: The Elbert D. Thomas, Photograph Collection 1933-1945, UTAH State Historical Society, Salt Lake City, Utah, USA. An diesem Tag werden bei Bergung eines Blindgängers am 20 m hohen Bayernring-Bunker 6 Häftlinge getötet. Der Bunker wird 1946/47 gesprengt. LAM, Leunawerke, A 95/96 Bl. 543 v. 24.7.1946. Der Abbau wird wegen der starken Armierung als schwierig angesehen. Deshalb muß erheblich mit Preßlufthämmern usw. gearbeitet werden.

Details

Seiten
94
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638481922
ISBN (Buch)
9783656076223
Dateigröße
6.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v52489
Note
Schlagworte
Ingenieur Leuna-Werken Arthur Rabich Leben Wirken Leunawerk

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Titel: Ein Ingenieur in den Leuna-Werken - Arthur Rabich, sein Leben und Wirken im Leunawerk 1927 bis 1964