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NAFTA - North American Free Trade Agreement

Hausarbeit 2006 50 Seiten

BWL - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Freihandel
2.1 Definition Freihandel
2.2 Geschichtliche Entwicklung
2.3 Definition Freihandelszone
2.4 Die Rolle des GATT

3. Entstehungshintergründe der NAFTA
3.1 Die Vereinigten Staaten von Amerika
3.2 Mexiko
3.3 Kanada

4. Die Vertragsinhalte des NAFTA - Abkommens

5. Kapitel 11 des NAFTA-Vertrages

6. Wirtschaftliche Auswirkungen der NAFTA
6.1 Für die USA
6.2 Für Mexiko
6.3 Für Kanada
6.4 EU und NAFTA
6.4.1 NAFTA und EU im Vergleich
6.4.2 Der Handel zwischen der EU und den NAFTA-Staaten
6.5 Wirtschaftliche Beziehungen zwischen Deutschland und den NAFTA-Staaten

7. Die Idee über eine mögliche Erweiterung der NAFTA

8. Fazit

9. Abbildungsverzeichnis

10. Tabellenverzeichnis

11. Anhangsverzeichnis

1. Einleitung

Außenwirtschaftliche Beziehungen werden vor allem mit dem Ziel aufgenommen und aufrechterhalten, um durch internationale Arbeitsteilung den Wohlstand der beteiligten Volkswirtschaften zu erhöhen.[1] Um dieses Ziel zu erreichen, schlossen die USA, Kanada und Mexiko ein Freihandelsabkommen (engl. North American Free Trade Agreement) ab. Der Wirtschaftsraum dieser Länder umfasste 2004 mehr als 432 Millionen Menschen und ist geprägt von den starken Unterschieden zwischen den reichen Ländern USA und Kanada und dem Schwellenland Mexiko.

Die Meinungen in den politischen Lagern, den Befürwortern und Gegnern eines Freihandelsabkommen gingen weit auseinander. Zu den Befürwortern zählten Kapitalgeber und Konzerne, die sich eine Erleichterung durch einen einheitlichen Markt erhofften. Zu den Gegnern gehörten die amerikanischen Gewerkschaften.[2] Sie befürchteten Arbeitsplatzverlagerungen nach Mexiko, einem Land mit billigen Arbeitskräften und wenigen Umweltschutzbestimmungen. Mexikanische Landwirte betrachteten die NAFTA kritisch, weil sie sich durch den offenen Markt einem unfairen Wettbewerb ausgesetzt sehen, bedingt durch die hohen staatlichen Zuschüsse für US-Farmer. Auch Soziale Gruppen und Umweltgruppen fürchteten die negativen Auswirkungen des Freihandelsabkommens auf die allgemeine Gesundheit und die Umwelt durch eine Ausdehnung des Handelsvolumens. Insgesamt fand der NAFTA-Vertrag während der Verhandlungen in Mexiko breite Zustimmung. In den USA dagegen löste er eine hitzige Debatte und intensive Lobby-Aktivitäten aus. Die Stimmung der Öffentlichkeit hat in Handelsfragen oft mehr Einfluss auf die Entscheidungsfindung der Kongressabgeordneten als in anderen westlichen Demokratien. Der bekannteste Gegner des Freihandelsabkommen war der zweimalige Präsidentschaftskandidat Ross Perot. Er kämpfte für eine Ablehnung im Kongress und prognostizierte einen gewaltigen Verlust von Arbeitsplätzen. Die von George Bush sen. eingeleiteten NAFTA-Verhandlungen wollte Bill Clinton 1993 zu Ende bringen. Eine Fernsehdebatte zwischen Al Gore und Ross Perot, in der es Al Gore gelang, Perot unglaubwürdig erscheinen zu lassen, ebnete mit Mühe und Not den Weg durch den Kongress. Auch das erst nach vielen Zugeständnissen im Bereich Umwelt, Arbeit und Landwirtschaft.[3]

Diese Arbeit über das nordamerikanische Freihandelsabkommen befasst sich mit der Entwicklung bis zum fertigen Abkommen, den Inhalten, den Erwartungen der Mitglieder sowie mit der heutigen Situation. Es werden die durch das Kapitel 11 entstehenden Konflikte zwischen den Mitgliedern angesprochen und es wird dargestellt, ob und wie sich Arbeitsplätze verlagerten.

2. Freihandel

Da es sich bei der NAFTA um ein Freihandelsabkommen handelt, wird in diesem Kapitel die Geschichte des Freihandels kurz vorgestellt sowie der Begriff der Freihandelszone definiert. Da der Vertrag zum Teil nach den Regelungen des GATT ausgerichtet ist, wird dieses Abkommen ebenfalls kurz erläutert.

2.1 Definition Freihandel

Mit Freihandel[4] bezeichnet man den freien Handel von Gütern (Waren- und Dienstleistungen) zwischen Wirtschaftssubjekten in verschiedenen Staaten. Eine daraufhin ausgerichtete Wirtschaftspolitik bezeichnet man als Freihandelspolitik, eine dem Freihandel endgegengesetzte Politik als Protektionismus. Ein Freihandelsabkommen ist ein völkerrechtlicher Vertrag zur Gewährleistung des Freihandels zwischen den vertragsschließenden Staaten (bzw. Völkerrechtssubjekten). Das Abkommen sichert den Freihandel im Rahmen der Zoll- und Barrierefreiheit des Handels zwischen den Vertragspartnern. Schließen sich mehrere Freihandelabkommen zusammen können Freihandelszonen entstehen. Die Vertragspartner erwarten durch den Freihandel Vorteile bei der Güterverteilung und eine Steigerung des Außenhandels. Multilaterale Freihandelsabkommen liegen unter anderem der NAFTA; der EFTA oder dem MERCOSUR zugrunde. Normalerweise haben bei Freihandelsabkommen staatliche Eingriffe in Form von Subventionen und Ein- sowie Ausfuhrverboten zu unterbleiben. In der Realität sieht es oft anders aus.

2.2 Geschichtliche Entwicklung

Die Politik[5] der meisten Länder war ab Mitte des 19. Jahrhunderts, unter dem Einfluss der klassischen und neoklassischen Wirtschaftstheorie und des Manchesterliberalismus, auf die Senkung von Zöllen ausgerichtet. Im Jahre 1878 fand diese Politik ein Ende. Durch die Einführung neuer, zusätzlicher Grenzen in den ehemaligen russischen, österreichischen und osmanischen Gebieten wurden dort auch die etablierten wirtschaftlichen Verflechtungen zum Erliegen gebracht. Durch die Weltwirtschaftskrise von 1929 (Schwarzer Freitag) schlossen die einzelnen Länder panikartig ihre Grenzen für ausländische Produkte, wodurch sie allerdings die Wirtschaft vermehrt unter Druck setzten.

Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde wieder vermehrt auf eine offene Außenhandelpolitik gesetzt und die ersten Freihandelszonen wie die EFTA, ASEAN und EG entstanden. Die Unterorganisation der UNO, die WTO (hervorgegangen aus GATT), setzt sich fördernd für die Bildung von Freihandelszonen und den Abschluss von Freihandelsabkommen ein. Diese Politik bildete die Grundlage der Globalisierung und findet viele Gegner in einer lautstarken Gegenbewegung. Bei jeder Gründung einer Freihandelszone finden sich viele Globalisierungsgegner mit entsprechenden Gegenargumenten ein, die sich vor allem mit der Gefahr vor Ausbeutung und der Untergrabung der Wirtschaftspolitik der einzelnen Nationalstaaten beschäftigt.

Allgemein befürworten Staaten aus der Dritten Welt einen Freihandel für Agrarprodukte. Die USA und die EU möchten offiziell eher einen allgemeinen Freihandel fördern, da es ihnen, anders als den Dritte Welt-Ländern, möglich ist, besonders günstig Industrieprodukte herzustellen. Allerdings fördern sie auf der anderen Seite ihre Bauern durch Agrarsubventionen, was dazu führt, dass die Marktpreise für Agrarprodukte der Industrieländer trotz höherer Produktionskosten deutlich geringer sind als die Agrarprodukte aus Entwicklungsländern, obwohl diese geringere Produktionskosten haben. Dadurch sind die Marktchancen für die Produkte aus den Entwicklungsländern deutlich geringer als sie es bei einem allgemeinen Freihandel ohne Subventionen wären.

2.3 Definition Freihandelszone

Eine Freihandelszone[6] ist ein Zusammenschluss von Staaten bzw. ein Gebiet, in dem zur Liberalisierung des Handels zwischenstaatliche Zölle und andere Handelshemmnisse abgeschafft worden sind. Bei Importen in eine solche Freihandelszone ist die Vorlage von Ursprungszeugnissen notwendig, um zu verhindern, dass Waren aus Drittländern über dasjenige Mitgliedsland eingeführt werden, das den geringeren Zoll erhebt. Eine Freihandelszone unterscheidet sich durch eine Zollunion dadurch, dass bei jedem Mitgliedsland die Außenhandelszölle gegenüber Drittländern weiter bestehen bleiben.

2.4 Die Rolle des GATT

Das GATT-Abkommen[7] (General Agreement on Tariffs and Trade = Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen) wurde 1947 gegründet. Es handelt sich um keine internationale Organisation sondern um einen Vertrag, der ursprünglich von 23 Mitgliedern ins Leben gerufen wurde. Ziele des GATT waren die Erhöhung des Lebensstandards, Vollbeschäftigung, eine Steigung des Realeinkommens und der Nachfrage, die Erschließung der Hilfsquellen der Welt sowie eine Produktionssteigerung. Die Regeln des GATT sollen helfend dazu beitragen, besonders durch den Abbau von Zöllen und anderen nichttarifären Handelsschranken. Sitz des GATT-Sekretariats war Genf und bis 1994 wurden in acht Verhandlungsrunden Handelshemmnisse und Zölle Schritt für Schritt abgebaut. Heute ist das GATT ein Abkommen innerhalb der Welthandelorganisation (WTO). In der letzten der acht Runden (1994), der sogenannten Uruguay-Runde, wurde mit der Marrakesh-Erklärung die Welthandelorganisation gegründet.

Diskriminierung beim Handel soll vor allem durch zwei Prinzipien verhindert werden:
- Meistbegünstigungsprinzip (Artikel I GATT): Handelsvorteile, die einem Vertragspartner

gewährt werden, müssen auch für alle andere Vertragspartner gelten.

- Inländerbehandlung (Artikel III GATT): Inländische und ausländische Anbieter müssen

grundsätzlich gleich behandelt werden.

3. Entstehungshintergründe der NAFTA

Am 17.12.1992 unterzeichneten die Staatsoberhäupter der USA (Präsident Clinton), Kanadas (Premierminister Mulroney) und Mexikos (Präsident Salinas) in ihren jeweiligen Hauptstädten die Verträge über die Gründung der Nordamerikanischen Freihandelszone ( NAFTA , engl. North American Free Trade Agreement; ALÉNA, franz. Accord de libre échange nord américain; TLCAN, span. Tratado de Libre Comercio de América del Norte ), die nach Ratifizierung durch die Parlamente der drei Staaten am 1.1.1994 in Kraft traten. [8] Während das am 1.1.1989 in Kraft getretene Freihandelsabkommen USA - Kanada (CUFTA) zwei Industriestaaten mit ähnlichen Wirtschaftsstrukturen umfasste, wurde jetzt mit Mexiko ein Schwellenland des Südens integriert. Es handelt sich also um eine heterogene Freihandelszone. Die daraus folgende Asymmetrie im Entwicklungsniveau kann als eines der beiden wichtigsten Charakteristika der NAFTA gelten. Das andere ist die unterschiedliche Relevanz des Abkommens für die beteiligten Länder. Die Größe und genaue Lage der Mitgliedsstaaten gibt Abbildung 1 wieder. Die Partnerländer geben im Unterschied zur Europäischen Union kein Stück ihrer nationalen Souveränität auf. Es gibt keine gemeinsame Zollpolitik.[9] Ebenso sieht das nordamerikanische Freihandelsabkommen keine Strukturhilfen für den ärmsten Partner vor. Es handelt sich um einen zwischenstaatlichen Vertrag. Neben dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) ist die NAFTA die weltweit größte Freihandelszone.[10]

Abbildung 1: Mitgliedsstaaten der NAFTA

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: „Nafta“, Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional 2005

Um die Gründe für die Bildung einer nordamerikanischen Freihandelzone verstehen zu können, ist es sinnvoll näher auf die Beziehungen zwischen den drei Ländern einzugehen. Kanada und Mexiko sind auf einseitige Weise von den USA wirtschaftlich abhängig, da die USA bei den Im- und Exporten jeweils den größten Handelspartner darstellen. Für die USA ist das umgekehrt nicht der Fall. Zwischen Mexiko und den USA besteht aufgrund der Geschichte, sowie ökonomischer und kultureller Unterschiede ein wechselseitiges Spannungsfeld. Der größte Unterschied zwischen den beiden Ländern liegt in der Wirtschaftskraft. Das Bruttoinlandsprodukt Mexikos betrug nur 3,6 % (1991) dessen der USA.[11]

Im Anhang 1 bis 3 befinden sich die wichtigsten wirtschaftlichen Indikatoren der drei Länder, die die Unterschiede im Entwicklungsniveau aufzeigen. Wesentliche Unterschiede in der Entwicklung waren:[12]

- ein starkes Lohngefälle; der Durchschnittslohn war in den USA und Kanada Ende der Achtziger neunmal höher als in Mexiko
- im Vergleich zu den alternden Gesellschaften Kanadas und den USA hat Mexiko infolge des hohen Bevölkerungswachstums einen hohen Anteil an jungen Einwohnern
- in Mexiko können anders als in den USA und in Kanada besonders im tertiären Sektor nicht genügend neue Arbeitsplätze geschaffen werden

Die Handelsströme zwischen Mexiko, den USA und Kanada sagten Anfang der neunziger Jahre (siehe Tabelle 1) vor allem aus, dass sowohl Kanada als auch Mexiko sehr stark von den Exporten in die USA abhängig waren, der Handel zwischen Mexiko und Kanada nur sehr gering war und beinahe 30 % des Gesamthandels der USA auf die beiden Nachbarländer fiel.[13]

Die Initiative zur Bildung eines Freihandelsabkommen mit den USA ging offiziell von Mexiko aus. Hintergrund für das Angebot war ein mit durch die USA indirekt herbeigeführter Kurswechsel. Durch das Scheitern des gemäßigt-protektionistischen Entwicklungsmodells Mitte der Achtziger (Auslöser war der Ausbruch der Verschuldungskrise 1982), schlug Mexiko die Wende zu einer marktwirtschaftlichen Liberalisierung und zu einer außenpolitischen Annäherung zu den USA ein. Die Regierung de la Madrid (von 1982 bis 1988) war marktwirtschaftlich orientiert. Die wirtschaftsliberalen Bedingungen der Hilfsprogramme des IWF und der US-Regierung vervollständigten die Rahmenbedingungen für ökonomische Reformen. Der indirekt herbeigeführte Kurswechsel durch die USA geschah u.a. durch das Angebot von Hilfsleistungen bei Wohlverhalten, durch die Prägung von mexikanischen Eliten (durch ein Studium an US-amerikanischen Universitäten) und auch durch die Mitverursachung der Schuldenkrise durch eine Hochzinspolitik.[14] Der Vorschlag Mexikos war eine logische Konsequenz der neoliberalen Öffnung.

Weder die USA noch Mexiko waren an einem Beitritt Kanadas interessiert. Mexiko befürchtete eine Verzögerung der Verhandlungen und die USA sahen ihre Regionalinteressen und allgemeinen Ziele gefährdet. Kanada konnte kaum eigene Ziele nennen, um an den Verhandlungen teilnehmen zu dürfen. Die Kanadier konnten erst an den Verhandlungen teilnehmen, nachdem kanadische Politiker ihre Minimalposition öffentlich deutlich gemacht hatten. Man versuchte trotzdem weiterhin Kanada auszuschließen. Die NAFTA wurde zu Beginn praktisch bilateral ausgehandelt.[15] Die Vertragsverhandlungen wurden im Herbst 1992 erfolgreich beendet. Sie verliefen orientiert auf die Verwirklichung der jeweiligen ökonomischen Interessen.

Tabelle 1: Handelsströme zwischen Kanada, Mexiko und den USA, Anteil der Gesamtexporte des jeweiligen Landes 1992 in Prozent

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: International Monetary Fund, Directions of Trade Statistics, Yearbook, 1993 aus: Pekka Helstelä: „Risikominderung durch wirtschaftliche Integration“, S. 65

Mexiko stellte für die Verhandlungen ein 7-Punkte-Programm auf[16]:

1. Der Vertrag sollte den freien Handel von Gütern, Investitionen und Dienstleistungen beinhalten, allerdings sollte er sich dabei strikt an die in der mexikanischen Verfassung vorgeschriebenen Grenzen bewegen.
2. Der Vertrag musste mit den GATT-Vorgaben kompatibel sein.
3. Die tarifären Handelshemmnisse sollten während einer angemessenen Übergangszeit abgebaut werden.
4. Bei den nicht-tarifären Handelshemmnissen legte man auf einen schnellen Abbau wert (abgesehen vom mexikanischen Maisanbau).
5. Mexiko wollte „Ursprungsregeln“, die einerseits verhinderten, dass Mexiko zu einer Exportplattform für Drittländer zur Bedienung des US-Marktes werden würde, aber andererseits nicht so drastisch waren, dass sie Direktinvestitionen aus Drittländern abschrecken würden.
6. Der Vertrag sollte Richtlinien zum Verbot von Exportsubventionen haben.
7. Er sollte Richtlinien zur Streitfallregelung enthalten.

Mit der NAFTA haben Kanada und die USA für den größten Teil der mexikanischen Ausfuhren in diese Länder die Zölle vollständig abgebaut. Zwischen den USA und Kanada bestand bereits seit 1989 weitgehende Zollfreiheit. Die vollständige Liberalisierung wurde bis Ende 2008 vereinbart. Die NAFTA ist eine reine Freihandelszone, sie stellt keinen Binnenmarkt im Sinne der EU dar. Es gelten folglich die jeweils nationalen Gesetze und Vorschriften über den Handel. Importe aus Drittländern unterliegen nationalen Zöllen und Einfuhrregelungen. Ein gemeinsamer Außenzoll existiert nicht. Unter die Freihandelsregeln fallen nur die Waren, die ihren Ursprung in einem der NAFTA-Mitgliedstaaten haben. Importe aus Drittländern dürfen nur dann zollfrei transportiert werden, wenn ein Ursprungswechsel durch ausreichende (siehe dazu Kapitel 4, S. 15) Be- oder Verarbeitung des Produktes in einem NAFTA-Land stattgefunden hat.

3.1 Die Vereinigten Staaten von Amerika

Die Ziele der Vereinigten Staaten von Amerika lassen sich auf folgende Punkte zusammenfassen:[17]

- die Nutzung des ausreichend vorhandenen Arbeitskräftepotentials Mexikos
- die Sicherung und Erhöhung der politischen Stabilität von Mexiko
- Eindämmung der illegalen Migration und gemeinsame Bekämpfung des Drogenhandels
- vereinfachter bzw. verbesserter Zugang zum Zukunftsmarkt Mexiko
- Sicherheit für Investoren und die Ermöglichung von Investitionsmöglichkeiten
- Sicherung des Zugangs zur mexikanischen Energie (Rohöl über den Staatsmonopolisten PEMEX) und[18]
- Schutz von geistigem Eigentum (Copyright).

Ein weiterer Grund für ein Abkommen mit Mexiko ist, dass das Land eine Brückenfunktion zwischen Nord- und Südamerika übernehmen soll.

Zu Beginn der Zeitpunkt der NAFTA-Verhandlungen waren die Handelsbarrieren zwischen den USA und Mexiko bereits vermindert (etwa ein Sechstel der Exporte nach Mexiko war vor Inkrafttreten der NAFTA vollkommen von Zöllen befreit). Die USA hatten allerdings immer noch mit quantitativen Beschränkungen in Form von Einfuhrlizenzen zu tun und einem Höchstzollsatz von 20 Prozent. Kanada hatte mit den gleichen Beschränkungen zu kämpfen.[19]

Die USA wollte mit allen Mitteln die illegale Migration von Mexikaner in ihr Land vermindern. Die ökonomische Situation in Mexiko führte zu einer verstärkten Armutsmigration von Mexikanern in die USA: Die Grenze zwischen den beiden Ländern ist 3.141 km lang. Mittlerweile leben 10 Millionen Hispanics[20] (in die offiziellen Statistiken werden Lateinamerikaner und Mexikaner zusammen erfasst) in den Vereinigten Staaten. Ungefähr 4,8 Millionen von ihnen sind illegal eingereist.[21] Die USA verwenden jährlich eine große Summe um die Grenzen zu sichern, aber ihre Länge macht es unmöglich die Migration zu stoppen.

Besonders für die südlichen US-Staaten ist die wirtschaftliche Entwicklung Mexikos von großer Bedeutung. Der erste Schritt zu einer gesunden Entwicklung war das 1965 begonnene Maquiladora-Programm, welches die Ansiedlung von Lohnveredelungsbetrieben im mexikanischen Grenzgebiet zu den USA fördern sollte. Dieses Programm ermöglicht US-Unternehmen Maschinen und Anlagen zollfrei und steuerbegünstigt nach Mexiko zu bringen, um dort dann die zollfrei angelieferte Komponenten aus den USA mit Hilfe der sehr viel billigeren mexikanischen Arbeitskräfte zu Zwischen- oder Endprodukten zu verarbeiten. Diese wurden zurück in die USA transportiert. Zu verzollen ist nur der in Mexiko zugefügte Wertschöpfungsanteil.[22] Ursprünglich waren dieses Programm und eine entsprechende Zone nur für die Region um die mexikanische Grenzstadt Tijuana gedacht. Später wurde diese Zone auf einen 20 km breiten Streifen entlang der gesamte Grenze zu den USA und danach auch auf ganz Mexiko erweitert. Für die USA wurde das Programm im Laufe der Jahre immer interessanter, da die Reallöhne in Mexiko sanken und die mexikanische Währung (Peso) abgewertet wurde. Es bestehen keine großen Unterscheide beim Anteil des Forschungs- und Entwicklungspersonal bei den Arbeitskräften.[23]

Eine Abhängigkeit zwischen den USA und Mexiko bestand Ende der achtziger Jahre durch die starke Verschuldung Mexikos bei US-Banken. Die neun größten US-Banken hatten 1982 44,4 % ihrer Dollar Einlagen als Kredite an Mexiko vergeben.[24] Ein Zahlungsstopp hätte für die Banken und das gesamte Bankensystem gravierende negative Auswirkungen bedeutet.

Die USA erwarteten durch die NAFTA weiterhin eine Reduzierung des US-Handelbilanzdefizits durch verstärkte Exporte nach Mexiko. Eine Exportsteigerung würde neue Arbeitsplätze schaffen. Auf der anderen Seite befürchtete man Arbeitsplatzverluste, wenn die zu lohnkostenintensive Produktion von den USA nach Mexiko verlagert werden würde.

Der mangelhafte Schutz geistigen Eigentums wirkt wie ein nichttarifäres Handelshemmnis. Der Schutz geistigen Eigentums ist in Mexiko nur schwach ausgeprägt. Durch eine zentrale Zielsetzung bei den NAFTA-Verhandlungen hoffte die USA auch diesen Bereich bei den GATT-Verhandlungen voranzutreiben.

3.2 Mexiko

Das Angebot von Mexiko an die USA hatte vor allem folgende Gründe:

- die Sicherung des Zugangs zum US-Amerikanischen Markt sowie die Absicherung der marktwirtschaftlichen Reformen und Festschreibung der neoliberalen Strategie[25]
- die Veränderungen der Weltwirtschaft durch die Öffnung der osteuropäischen Länder.[26]
- Vertrauen schaffen für ausländische Investoren[27]

Der letzte Punkt kann als übergeordnetes Ziel betrachtet werden. Durch eine hohe Kapitalzufuhr wird genügend Geld ins Land geschafft, um in den kommenden Jahren die Arbeitsproduktivität im kapitalarmen Mexiko steigern oder einfach nur halten zu können.

Über die Bildung einer Freihandelszone mit den USA soll Mexiko als Standort für ausländische Direktinvestitionen interessanter werden. Gleichzeitig soll der Markt für Exporte in die USA weiter erschlossen werden. Beide Ziele haben die Absicht das Handelsbilanzdefizit auszugleichen. Mexiko hofft, das die Exporte durch ausländische Direktinvestitionen gesteigert werden können, dadurch gleichzeitig Arbeitsplätze neue und dies beides, ohne dass das inländische Preisniveau gefährdet wird. Die sich weltweit abzeichnenden Regionalisierungstendenzen in der Weltwirtschaft weckten die Befürchtung, dass sich Mexiko in der Welt isoliert und in seiner Entwicklung zurückgeworfen wird. Alles zusammen half ebenfalls zu einem Angebot an die USA dazu.[28]

Mexikos wirtschaftspolitisches Interesse sah aber keine Regelungen zum Umwelt- und Arbeitsschutz vor. Für die Mexikaner ist das Maquiladora-Programm (siehe dazu Kapitel 3.1) umstritten. Es wurden zwar im großen Umfang Arbeitsplätze geschaffen, allerdings mit sehr schlechten Arbeitsbedingungen.

3.3 Kanada

Aufgrund von ökonomischen Bedenken hatte Kanada lange die Bildung einer Freihandelzone mit den USA verhindert. Die kanadische Regierung änderte 1985 ihre Meinung und schlug den USA die Bildung einer Freihandelszone vor. Die Befürchtungen stiegen, dass man Nachteile erleiden würde, wenn man diesen Weg nicht einschlüge. Kanada ist seit vielen Jahren wirtschaftlich von den USA abhängig und schaffte es nie, sich aus dieser Abhängigkeit zu lösen. Eine damals erkennbare Tendenz zu mehr Protektionismus in der US-Politik und das Herausbilden von Handelsblöcken in Europa und Asien verstärkten diese Befürchtung. Weiter wollte Kanada seine eigenen sichern und eine Verlagerung der US-Industrien in den Südwesten der USA verhindern.[29] Als vierter Grund hoffte die Regierung eine stärkere Geschlossenheit der kanadischen Provinzen und ihrer sehr unterschiedlichen Wirtschaftspolitik herbeizuführen.

Kanadas Beteiligungen an den Verhandlungen zur NAFTA waren weitgehend defensiver Natur. Durch seine ökonomische Abhängigkeit von den USA befürchtete das Land Nachteile zu erleiden, wenn man sich nicht durch eine Beteiligung an der NAFTA diesen Absatzmarkt für die Zukunft offen hielte. Deswegen äußerte Kanada Interesse an einer Teilnahme an den Verhandlungen über das ursprünglich nur an die USA gerichtete Angebot Mexikos über eine Freihandelszone.[30]

[...]


[1] Vgl. „Nafta“, Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional 2005

[2] Vgl. Harald Victor Proff, „Freihandelszonen in Nordamerika“, S. 93

[3] http://www.fes.de/fulltext/stabsabteilung/00503toc.htm vom 01.11.2005

[4] Vgl. „Freihandel“, Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional 2005

[5] Vgl. „Freihandel“, Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional 2005

[6] Vgl. „Freihandelszone“, Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional 2005

[7] www.gatt.org und http://www.takuzinis.lv/xhtml1.1/20041219.html vom 18.11.2005

[8] Im Anhang vier befindet sich ein Zeitablauf der NAFTA-Verhandlungen.

[9] Vgl. Carsten Volkery: „Keine Zeit mehr für Siesta“, Brand Eins 10/2003

[10] http://www.bpb.de/wissen/I99XHJ,0,0,Nordamerikanische_Freihandelszone_(NAFTA).html vom 18.11.2005

[11] Vgl. Harald Victor Proff, „Freihandelszonen in Nordamerika“, S. 69

[12] Vgl. Harald Victor Proff, „Freihandelszonen in Nordamerika“, S. 72

[13] Vgl. Harald Victor Proff, „Freihandelszonen in Nordamerika“, S. 74

[14] Vgl. Stefan Schirm, „Kooperationen in den USA“, S. 51

[15] Vgl. Harald Victor Proff, „Freihandelszonen in Nordamerika“, S. 94/95

[16] Vgl. Harald Victor Proff, „Freihandelszonen in Nordamerika“, S. 112/113 (Drittquelle!)

[17] Vgl. Pekka Helstelä, „Risikominderung durch wirtschaftliche Integration“, S. 74

[18] Vgl. Pekka Helstelä, „Risikominderung durch wirtschaftliche Integration“, S. 75

[19] Vgl. Pekka Helstelä, „Risikominderung durch wirtschaftliche Integration“, S. 65

[20] Vgl. „Vereinigte Staaten von Amerika“, Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional 2005

[21] Vgl. Carnegie Endowment for International Peace, „NAFTA’s Promise and Reality – Lessons from Mexiko for
the hemisphere“, S. 49

[22] Vgl. Harald Victor Proff, „Freihandelszonen in Nordamerika“, S. 70

[23] Vgl. Harald Victor Proff, „Freihandelszonen in Nordamerika“, S. 72

[24] Vgl. Harald Victor Proff, „Freihandelszonen in Nordamerika“, S. 90

[25] Vgl. Stefan Schirm, „Kooperationen in den Amerikas“, S. 51

[26] Vgl. Harald Victor Proff, „Freihandelszonen in Nordamerika“, S. 74

[27] Vgl. Pekka Helstelä, „Risikominderung durch wirtschaftliche Integration“, S. 71

[28] Vgl. Harald Victor Proff, „Freihandelszonen in Nordamerika“, S. 83

[29] Vgl. Harald Victor Proff, „Freihandelszonen in Nordamerika“, S. 9

[30] Vgl. Harald Victor Proff, „Freihandelszonen in Nordamerika“, S. 94

Details

Seiten
50
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638482257
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v52543
Institution / Hochschule
Hochschule Bremen
Note
1,3
Schlagworte
NAFTA North American Free Trade Agreement Wirtschaftsintegration

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Titel: NAFTA - North American Free Trade Agreement