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Das Tafelbild und seine Funktion im Erdkundeunterricht

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 21 Seiten

Didaktik - Geowissenschaften / Geographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Kurze Einführung

2. Die Rolle der Tafel in der Schule

3. Funktionen der Tafel, bzw. des Tafelbildes
3.1 Der Einstieg
3.2 Veranschaulichung und Verbildlichung
3.3 Notizblock
3.4 Das „dramaturgische“ Tafelbild – die Ergebnissicherung
3.5 Disziplinierung

4. Tafel versus Medienvielfalt
4.1 Der Overheadprojektor
4.2 Der Computer
4.3 Andere Medien

5. Kriterien
5.1 Die Handschrift
5.2 Sauberkeit beim Zeichnen
5.3 Schrittweise Entfaltung vor der Klasse
5.4 Die Störungen des Unterrichts durch das Abschreiben
5.5 Gleichzeitig Unterricht führen und ein Tafelbild entstehen lassen Wie geht das?

6. Schülerhefte als Spiegelbild des Unterrichts

7. Zusammenfassung

8. Stellungnahme zum Unterrichtspraktikum
8.1 Planung
8.2 Fachwissen versus Unterrichtsmethoden
8.3 Die Fachsprache
8.4 Das Lehrerverhalten
8.4.1 Die Haltung
8.4.2 Elementare Verhaltensweisen
8.5 Fazit

9. Literaturangaben

Das Tafelbild und seine Funktion im Erdkundeunterricht

1. Kurze Einführung

Was ist eigentlich ein Tafelbild? Und wozu dient es? Die Tafel an sich ist das am häufigsten gebrauchte Medium in der Schulpraxis. Was macht sie so beliebt? Oder wird sie von anderen Medien aus dem Schulalltag verdrängt? Diese Fragen werde ich versuchen hier zu verdeutlichen und mit Beispielen aus meinem eigenen Unterrichtspraktikum zu untermauern.

2. Die Rolle der Tafel in der Schule

Zunächst einmal sollte man sich die Rolle der Tafel in der Schule näher anschauen. Sie ist historisch begründet. Schon seit Jahrhunderten stehen „Pauker“ vor einem Stück Holz oder Metall und notieren, disziplinieren und informieren mit seiner Hilfe. Die Tafel ist aus der Schule nicht wegzudenken. Schon allein aus dem Grund, da sie ein Medium ist, das ständig präsent und dazu unendlich variabel ist. Die Tafel ist, nach Hilbert Meyer, „das Rückgrat des Frontalunterrichts“[1]. Aber auch bei anderen Unterrichtsmethoden ist die Tafel ein häufig gewähltes Medium. Warum ist das so? Dazu werde ich ein paar Funktionen der Tafel und der Tafelbilder anführen, welche diesen Sachverhalt erklären sollten.

3. Funktionen der Tafel, bzw. des Tafelbildes

3.1 Der Einstieg

Die Arbeit mit der Tafel hat viele verschiedene Aspekte, birgt auch einige Tücken und erfordert einige Fähigkeiten (die man jedoch trainieren kann). Zu den Funktionen der Tafel gehört zum Beispiel auch der Einstieg in die Unterrichtsstunde. Der, von den Grells so hoch gepriesener, „informierender Einstieg“[2], lässt sich kaum besser als mit einer Tafel bewältigen. Es reicht ja schon, wenn der Lehrer in die Klasse kommt und ohne ein Wort zu sagen, eine Frage an die Tafel schreibt. Das ist zwar ein ganz simples Beispiel, aber allein schon dieses, meist ungewohntes Verhalten des Lehrers, weckt eine Fragehaltung bei den Schülern. Die Schüler werden durch den informierenden Einstieg motiviert, da klare Ziele gesetzt werden. Diese Ziele gilt es dann auch in der Stunde zu erreichen. Und da taucht wieder unsere Tafel auf: Unter der Anfangsfrage werden im Laufe der Unterrichtsstunde Lösungsvorschläge notiert. Anschließend dann auch die richtige Lösung. All das ist ständig präsent, dem Schüler zugänglich und überprüfbar. Wenn das Tafelbild dann noch in den Heftern und gleichzeitig in den Köpfen der Schüler den Anker wirft, dann ist das Hauptziel jedes Unterrichts erreicht: Die Schüler haben etwas Neues gelernt.

Dies habe ich in meiner ersten Stunde versucht. Ich habe mich vorgestellt, sagte, dass ich nun einen Film vorführen werde, und dann schrieb ich VULKANISMUS an die Tafel. Die Reaktion war verblüffend. Noch bevor ich den Fernseher angeschlossen habe, haben sich zwei Schüler zu Wort gemeldet und fragten, was ich denn genau vorhätte und ob auch Ätna dran komme. Möglicherweise hing das mit den Berichten der Medien über Vulkanaktivitäten zusammen. Ich war auf jeden Fall sehr positiv überrascht.

3.2 Veranschaulichung und Verbildlichung

Eine andere Funktion der Tafel besteht im Verbildlichen und Veranschaulichen des Unterrichtsstoffes. Damit meine ich sowohl das gemeinsame Lösen eines Problems an der Tafel, wie es in der Mathematik zum Beispiel der Fall ist, als auch die verbal geäußerten Meinungen und Lösungsvorschläge in ein übersichtliches Diagram zu überführen. In den naturwissenschaftlichen Fächern ist die Tafel ja geradezu unentbehrlich. In Mathematik oder Chemie werden hier Aufgaben visualisiert, die Tafel wirkt in diesen Fächern besser als jedes andere Medium. Die Schüler können beobachten, wie das Problem vor ihren Augen eine plausible und logische Lösung findet. Da der Lehrer es Schritt für Schritt entwickelt und hoffentlich auch erläutert, verbleibt den Schülern sehr viel Zeit um, zwischen den einzelnen Schritten Verständnisfragen zu stellen. Das bewährt sich vor allem in der Mathematik, speziell bei Algebra. Doch auch schon in den früheren Klassen, in der Geometrie. Da dient ein Tafelbild der Veranschaulichung der Thesen, die man so leicht verständlich macht. Natürlich sind nicht nur die Mathematik oder andere naturwissenschaftlichen Fächer mit dem Privileg ausgestattet, Tafelbilder zur Veranschaulichung zu benutzen. Dies gilt natürlich für jedes Schulfach. In Erdkunde oder Biologie lassen sich verschiedene Texte, die einen Kreislauf beschreiben, sehr gut mit Hilfe der Schüler in eben ein solchen Kreislauf (diesmal jedoch schematisch) überführen. Auch in Fächern die nicht so viel Schemata aufweisen, vor allem alle philologischen Zweige der Schulbildung, lässt sich die Tafel zum Veranschaulichen gebrauchen. Abgesehen von ganz simplen Arbeitsanweisungen oder Regieanweisungen, kann man an der Tafel auch zeichnen. Vor allem bei den jüngeren Schülern ist das sehr beliebt. In der Grundschule kann und sollte ein Lehrer viel mit der Tafel arbeiten, bunte Kreide benutzen und vor allem (das gilt natürlich auch für die älteren Schüler) die Schüler mit einbeziehen. Die Tafel stellt ein gutes Mittel zu diesem Zweck dar. Der Schüler muss nämlich nach vorne kommen, seinen Teil der Zeichnung an die Tafel malen und es den Mitschülern erläutern. Auf diese Weise entsteht nicht nur ein Tafelbild, das die Lerninhalte in sich fasst. Es verlangt von den Schülern die eigene Scheu vor der Klasse zu sprechen, zu überwinden und auch ihre Sprache präziser und auf den Sachverhalt konzentriert zu gestallten.

Ich überlegte mir den Kreislauf der Gesteine (meine letzte Stunde) als Tafelbild anzuschreiben, habe mich aber dann doch für den Overheadprojektor entschieden. Eigentlich nur aus Zeitgründen. Das war vielleicht nicht die glücklichste Entscheidung, da es eigentlich nicht darum geht, den Stoff unbedingt durchzubringen, sondern ihn vielmehr verständlich zu machen. Im Großen und Ganzen aber, war ich doch zufrieden mit den Ergebnissen. Die Schüler erarbeiteten sich selber einen Text, den sie dann in ein Schaubild umzusetzen versuchten. Abgesehen von der Zeitknappheit war ich mit ihren Überlegungen, Begründungen (aus dem Text entnommenen Passagen) und der Mitarbeit sehr zufrieden. Es hätte an der Tafel durchaus besser klappen können, da sie selbst die Möglichkeit gehabt hätten, dem Diagram eine Form zu geben und diese dann zu begründen.

Viel besser klappte das schon in der Stunde, in der ich die Gebirgsbildung behandelt habe. Die Schüler wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Gruppen wiederum in Zweier-Grüppchen. Beide Gruppen haben einen unterschiedlichen Text erhalten. Diese Texte sollten sie in Partnerarbeit durchgehen und stichwortartig zusammenfassen. Nach der vorgegebenen Zeit rief ich die Schüler dann an die Tafel. Sie sollten zunächst der jeweils anderen Gruppe erzählen, welchen Sachverhalt der Text beschreibt. Dann den ersten Punkt ihrer Überlegung an die Tafel schreiben und kurz auf dem OH-Projektor (dort waren nämlich die Folien mit den Abbildungen der Prozesse drauf) erläutern. Die Schüler bewältigten diese Aufgabe mit Begeisterung. Wir wurden zwar nicht ganz fertig, das wurde aber in der nächsten Stunde nachgeholt. Das Tafelbild hat aber in diesem Fall seine Aufgabe komplett erfüllt. Ein recht komplizierter Text wurde von den Schülern für die Mitschüler erarbeitet, erläutert und festgehalten. Er wurde in seine Bestandteile zerlegt und das Tafelbild präsentierte die komprimierten, leicht verständlichen Informationen. Es fand der Transfer von Medium Text zum Medium Tafel statt, so dass am Ende das Tafelbild entscheidender als der Text selber wurde.

3.3 Notizblock

Natürlich kann die Tafel auch als ein riesiger Notizblock benutzt werden. Zum Anschreiben von Terminen, als Wahlzettel, zum kurzen Erläutern (von, zum Beispiel schwierigen Wörtern, Rechtschreibung, leichten naturwissenschaftlichen Problemen, Nebenrechnungen, kurzen Beweisen etc.), zum Festhalten wichtiger Stichwörter, oder um die Hausarbeiten anzuschreiben. In diesem Fall ist das Tafelbild nicht so pedantisch zu führen, wie in den letzten Beispielen, da es nicht von den Schülern abgeschrieben wird. Diese Funktion des Tafelbildes dient nur der reinen Information. Es ist, sozusagen, ein großer Zettel, auf dem ohne besondere Reihenfolge Informationen, Brainstormingergebnisse und Ähnliches notiert wird.

Dies war die, von mir am häufigsten gewählte Form der Tafelnutzung. Ich habe versucht, die Aussagen der Schüler darauf zu notieren, kleine erklärende Skizzen zu malen, Stichwörter festzuhalten. Diese Art des Tafelbildes erfordert zwar keine große Vorbereitung, doch auch hier kann man sich verrechnen (siehe 5.2).

3.4 Das „dramaturgische“ Tafelbild – die Ergebnissicherung

Die beeindruckendste Funktion hat das „große Tafelbild“. Das ist auch dies, an das man sich noch aus der eigenen Schulzeit erinnert, das hängen bleibt. Das ist das Tafelbild, welches zum roten Faden der ganzen Unterrichtsstunde wird. Es hat die Aufgabe, die Sinnzusammenhänge und die Fragen und Aufgaben der Stunde in sich zu vereinen. Das, von Meyer „dramaturgisch“, genannte Tafelbild entwickelt sich nur langsam an der Tafel. Es muss den Schülern den Sinn der Stunde verdeutlichen, die Probleme und Sachzusammenhänge gut herausstellen. Es ist nicht einfach, ein solches Tafelbild zu entwickeln, denn es muss sehr gut strukturiert sein, es muss sich dem Niveau der Klasse anpassen können, es muss die gesamte Stunde im Zeitraffer darstellen, es muss, es muss, es muss… Es gibt eine Unzahl von Dingen die bei einem „dramaturgischen“ Tafelbild zu beachten sind. Das wichtigste ist eine exakte und präzise Vorbereitung des Lehrers unter Einbezug der Problemdarstellung und seiner zu unterrichtenden Gruppe. Ist das berücksichtigt worden, kann kaum etwas schief gehen. Das Tafelbild sollte natürlich von den Schülern abgeschrieben werden, nicht um sonst bereitet der Lehrer es so sorgfältig vor. Die Hauptfunktion eines solchen Tafelbildes dient im Wesentlichen der Ergebnissicherung. Hier sind die gesamte Stunde, die wichtigsten Aussagen und Argumente, das Hauptproblem und seine Lösung (oder Lösungen, oder Teillösung) grafisch dargestellt. Die Stunde in die Form eines kleines Diagrams gepresst. So können die Schüler das Problem, seine Erarbeitung und Lösung auf einen Blick erkennen und damit auch besser aufnehmen. Der Lernerfolg soll natürlich durch das Abschreiben noch erfolgreicher werden. Das Abschreiben zwingt nämlich das Unterbewusstsein zu einer erneuten Aufnahme des Tafelbildes. Außerdem ist das Abschreiben eine Übung, die das Ergebnis der Stunde in den eigenen Hefter überträgt, aus dem ja für die spätere Klausur gelernt wird. Viele haben auch einfach ein „fotografisches Gedächtnis“ und können sich in dieser knappen und prägnanten Form viel mehr merken.

3.5 Disziplinierung

Das Tafelbild hat, neben den oben beschriebenen, auch die simple Funktion, die Aufmerksamkeit der Schüler zu erregen. Es ist ein Mittel, das Unterrichtsgespräch, bzw. -geschehen auf sich und den Unterrichtsstoff zu lenken. Die Kanalisierung der Unterrichtstunde, der Weg etwas zu reduzieren, was am Anfang sehr komplex aussah. Das Tafelbild muss den Schüler ansprechen, am besten, wenn er darauf seine eigenen Beiträge findet. Diese Funktion dient vor allem dazu, den Schülern zu helfen, sich auf das Unterrichtsthema zu konzentrieren. Es hat durchaus eine disziplinierende Funktion. Ganz abgesehen davon, dass man die Disziplin mit der Tafel ja geradezu fördern kann, indem man den Wissensstand der Schüler an ihr überprüft. Diese, früher so beliebte Methode, sollte allerdings selten oder gar nicht angewendet werden, da sie zu nichts anderem führt, als zur Demütigung und Demotivierung schwacher Schüler.

Hierbei ist es wichtig den Schülern zu erlauben mit der Klasse zu sprechen, nicht nur mit dem Lehrer. Ich nahm einige Schüler an die Tafel. Sie sollten mir bei einer Skizze helfen, doch dabei verwickelte ich mich in Einzelgespräche, statt mich zurückzunehmen und sie mit der Klasse reden lassen. Das ist bei dieser Form der Unterrichtsführung natürlich auch wichtig zu beachten.

[...]


[1] Hilbert Meyer: Unterrichts Methoden II: Praxisband. 2 Auflage. Frankfurt am Main: Scriptor. 1989.

[2] Jochen und Monika Grell: Unterrichtsrezepte. 11 Auflage. Beltz Verlag. 1996

Details

Seiten
21
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638483728
ISBN (Buch)
9783638765190
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v52742
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,3
Schlagworte
Tafelbild Funktion Erdkundeunterricht

Autor

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Titel: Das Tafelbild und seine Funktion im Erdkundeunterricht