Lade Inhalt...

Bedeutung und Möglichkeit von Öffentlichkeitsarbeit in Nichtregierungsorganisationen

Magisterarbeit 2001 114 Seiten

Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Theoretische Erläuterungen zu Nichtregierungsorganisationen, Öffentlichkeit und Öffentlichkeitsarbeit
1. Nichtregierungsorganisationen (NRO) - Definition, gesellschaftliche Zusammenhänge und Strukturen
1.1 Bestimmung des Begriffs der Nichtregierungsorganisation
1.2 Gesellschaftliche Gründe für Nichtregierungsorganisationen
1.3 Tendenzen in der Entwicklung von Nichtregierungsorganisationen..
1.4 Die Beziehung zwischen NRO und Staat in der BRD
1.5 Ehrenamtlichkeit in Nichtregierungsorganisationen
2. Der Begriff der Öffentlichkeit
2.1 Die Konsistenz einer Öffentlichkeit
2.2 Kommunikationssysteme und Zielfunktionen der öffentlichen Kommunikation
2.2.1 Die Be deutung der einzelnen Öffentlichkeitselemente
2.2.1.1 Die Rolle der Massenmedien
2.2.1.2 Die Rolle des Publikums
2.2.1.3 Die Rolle der Sprecher
2.3 Kommunikationsmodelle
3. Öffentlichkeitsarbeit / Public Relations
3.1 Funktionsweise öffentlicher Zusammenhänge / Die Entstehung von Public Relations
3.2 Definition und Konzept der Öffentlichkeitsarbeit
3.3 PR-Modelle
3.4 Aufgaben der Öffentlichkeitsarbeit
3.5 Ziele und Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit
3.6 Die Bedeutung der Massenmedien
3.7 Medienarbeit
3.7.1 Kontakterstellung mit Medienvertretern
3.7.2 Formen und Möglichkeiten der Medienbeiträge
3.8 Das Internet in der Öffentlichkeitsarbeit
3.9 Öffentlichkeitsarbeit im Direktkontakt mit dem Publikum

III. Öffentlichkeitsarbeit und Nichtregierungsorganisationen
1. Überblick über die sechs untersuchten Nichtregierungsorganisationen
1.1 Organisationsinhalte / Organisationsaufgaben / Organisationsziele
1.1.1 amnesty international
1.1.2 Gesellschaft für bedrohte Völker
1.1.3 Deutsches Rotes Kreuz
1.1.4 Indianerhilfe Paraguay
1.1.5 Greenpeace
1.1.6 terre des hommes
1.2 Unterscheidung der Organisationstypen
2. Aufgaben der Öffentlichkeitsarbeit in den untersuchten Nichtregierungsorganisationen
3. Ziele der Öffentlichkeitsarbeit von Nichtregierungsorganisationen
4. Probleme der Öffentlichkeitsarbeit in Nichtregierungsorganisationen
5. Der Stellenwert von Öffentlichkeitsarbeit bei Nichtregierungsorganisationen
5.1 Einnahmen /Ausgaben für ÖA
6. Strategien und Arbeitsweisen in der Öffentlichkeitsarbeit der Nichtregierungsorganisationen
6.1 Die Beziehung zwischen NRO und Medien
6.2 Analyse der Medienarbeit der sechs untersuchten Organisationen
6.2.1 Pressemitteilungen
6.2.2 Medienpräsenz in Funk und Fernsehen
6.2.3 Medienpräsenz in den Printmedien
6.2.4 Nichtregierungsorganisationen im Internet
6.3 Zusammenfassung der Medienarbeit
7. Betrachtung der Eigenpublikationen der Nichtregierungsorganisationen
7.1 Beispiel einer Mitgliederzeitung: Das ai-Journal
7.1.1 Beurteilung des ai-Journals
7.2 Zusammenfassung der Eigenpublikationen
8. Nichtregierungsorganisationen im Direktkontakt
8.1 Untersuchung der aktionsorientierten Öffentlichkeitsarbeit des Direktkontakts
8.2 Zusammenfassung des Direktkontakts
9. Dachverbände und Öffentlichkeitsarbeit
10. Öffentlichkeitsbezogene Zusammenarbeit von Nichtregierungsorganisationen
11. Ergebnisse der Öffentlichkeitsarbeit in den untersuchten Nichtregierungsorganisationen

IV. Abschlußbetrachtung

Literaturverzeichnis

Anhang / Liste der Kontaktpersonen und Gesprächspartner

Verzeichnis der Abbildungen und Tabellen

Tab. 1 Ausgaben des BMZ-Haushaltes

Tab. 2 Verteilung des BMZ- Etats

Tab. 3 Online-Öffentlichkeitsarbeit

Tab. 4 Überblick über die untersuchten Organisationen

Tab. 5 Organisationstypen

Tab. 6 Stellenwert der Öffentlichkeitsarbeit innerhalb der Organisationen

Tab. 7 Ausgaben für die Öffentlichkeitsarbeit

Tab. 8 Übersicht über die Periodika der untersuchten Organisationen

Tab. 9 Übersicht über die genutzten Formen und Aktivitäten im Direktkontakt

Tab. 10 Dachverbands- und Netzwerkzugehörigkeiten der untersuchten Organisationen

Abb. 1 Aufgabenbereiche der Öffentlichkeitsarbeit

Abb. 2 Medialer Nachrichtenkonsum (in % der Gesamtbevölkerung)

Abb. 3 Täglicher Nachrichtenkonsum (in % der Gesamtbevölkerung)

Abb. 4 Wertschätzung und tatsächliche Unterstützung der Organisationen

Abb. 5 Anzahl der Pressemitteilungen der Organisationszentralen im Jahr 2000

Abb. 6 Inhaltliche Ausrichtung der Pressemitteilungen des Jahres 2000 im prozentualen Anteil der gesamten Mitteilungen

Abb. 7 Fernsehbeiträge in ARD und ZDF zu den untersuchten Organisationen

Abb. 8 Anzahl der Beiträge zu Nichtregierungsorganisationen in Printmedien, 2000

Abb. 9 Verhältnis der WAZ-Beiträge zu Nichtregierungsorganisationen im Jahr 2000: Lokalteil / Mantel

Abb. 10 Eigenpublikationen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit von Nichtregierungsorganisationen

I. Einleitung

In der folgenden Arbeit sollen die Bedeutung und die Möglichkeiten von Öffentlichkeitsarbeit in Nichtregierungsorganisationen untersucht werden. Die Untersuchung wird dabei in drei grundsätzlichen Schritten vorgenommen: a) ein theoretischer Teil über Nichtregierungsorganisationen, ihre Definition und Bedeutung in der heutigen Gesellschaft, sowie über den Begriff der Öffentlichkeit und der Öffentlichkeitsarbeit, b) ein analytischer Teil, der sich mit dem Umgang mit der Öffentlichkeit, also der Öffentlichkeitsarbeit auf Seiten der Nichtregierungsorganisationen beschäftigt, c) einer Analyse dessen, ob theoretische und von Seiten der Organisationen selbst gestellte Ansprüche mit der tatsächlichen Arbeit übereinstimmen, wo Probleme und Grauzonen liege n und wie und ob diese gegebenenfalls gelöst werden können.

Der zweite Teil wird dabei sowohl empirisch, als auch inhaltlich untersucht werden. Zu diesem Zweck habe ich sechs Organisationen aus zum Teil unterschiedlichen Arbeitsgebieten und von unterschiedlichen Größen ausgewählt, die über dementsprechend unterschiedliche Mittel und Kapazitäten verfügen: amnesty international, das Deutsche Rote Kreuz, die Gesellschaft f ü r bedrohte V ö lker, Greenpeace, die Indianerhilfe Paraguay und terre des hommes. Als Untersuchungsmaterialien dienten hierbei zum einen jegliche Art von Eigenpublikationen (Magazine, Selbstdarstellungen, Broschüren, Satzungen, etc.) sowie Untersuchungen von Medienbeiträgen zu bestimmten Themen / Organisationen. Außerdem war das Internet ein wichtiger Faktor bei der Beschaffung und Sichtung weiterer Informationen.

Zusätzlich zu den bereits genannten Quellen habe ich versucht, mittels Interviews mit und Fragebögen an die entsprechenden Verantwortlichen der deutschen Organisationszentralen, weitere Arbeitsweisen und Problemfelder der Organisationen zu erforschen, wobei ich bereits zu Beginn auf erste Probleme traf. Nahezu alle Organisationen wiesen auf mangelnde Kapazitäten hin, was sich darin auswirkte, daß sie bestenfalls bereit waren, telefonische Interviews durchzuführen. Greenpeace erklärte umgehend, daß sie weder in der Lage seien, Interviews zu geben, noch einen individuellen Fragebogen auszufüllen. Sie boten ihre Hilfe aber insofern an, als daß sie sehr ausführliche Informationsmaterialien zur Verfügung stellten und zumindest Einzelfragen beantworteten. Andere Organisationen, wie das Deutsche Rote Kreuz benötigten insgesamt fünf Monate und ein regelmäßiges Nachhaken, ehe sie meinen Fragebogen beantworteten. Die Gesellschaft f ü r bedrohte V ö lker hingegen erklärte sich zu einem ausführlichen Telefoninterview bereit, das sehr aufschlußreiche Ergebnisse bot.

Diese doch stark unterschiedliche Kooperationsbereitschaft führte letztendlich dazu, daß einige der Fragen nach wie vor offen geblieben sind, ich werde an den entsprechenden Stellen darauf hinweisen. Einige Punkte, wie etwa die Evaluation medialer Beiträge, konnten nur exemplarisch untersucht werden. Eine vollständige Auswertung aller Medien ist nahezu unmöglich und würde den Rahmen dieser Arbeit bei weitem sprengen. Die Anzahl an lokalen, regionalen und überregionalen Printmedien, TV- und Radiosendern ist zu breit gefächert und sehr unüberschaubar. Der Versuch herauszufinden, wer zu welchem Zeitpunkt über welche Organisation berichtete, kann daher nur auf einzelne Medien angewendet werden. Auch die Organisationen selbst und die entsprechenden Medienvertreter sahen sich dazu größtenteils nicht in der Lage. Selbst wissenschaftliche Statistiken stehen diesbezüglich nicht zur Verfügung oder beschränken sich ebenfalls auf eine Auswahl an Periodika oder Sendern.

Im Hinblick auf das Veranstaltungs- und Aktionswesen stellte sich das Problem (und hiermit spreche ich in Grundzügen bereits eines der generellen Probleme in der Öffentlichkeitsarbeit von Nichtregierungsorganisationen an), daß die Organisationszentralen zwar Auskunft über die von ihnen geplanten und durchgeführten Aktivitäten darstellen konnten, sie aber gleichzeitig in einem sehr großen Umfang auf die Arbeit ehrenamtlicher Mitglieder in Orts- und Regionalgruppen aufbauen, deren Aktivitäten sie jedoch nicht immer kontrollieren oder dokumentieren. Das gesamte Spektrum ist daher umfangreicher, als die Beispiele, die von den Organisationen aufgezeigt werden und auch hier läßt sich etwa die Anzahl der Veranstaltungen nicht genau nachvollziehen. In der aktuellen Literatur ist der Bereich des Direktkontakts und Veranstaltungswesens (von Nichtregierungsorganisationen) nahezu komplett ausgeschlossen. Zum Zeitpunkt meiner Untersuchungen lagen keine wissenschaftlichen oder theoretischen Abhandlungen zu diesem Gebiet vor, aus diesem Grunde fußt dieser Teil nahezu ausschließlich auf meinen eigenen Betrachtungen und Untersuchungen der Organisationen.

Letztendlich werden verschiedene Strategien und Motivationen der Öffentlichkeitsarbeit aufgezeigt werden, mit deren Hilfe die Organisationen ihre unterschiedlichen Ziele verfolgen. Dabei wird sowohl die Frage der Effektivität dieser Vorgehensweise, als auch die Frage der eigentlichen Intentionen angesprochen werden, so daß im letzten Schritt die tatsächliche Bedeutung, die Möglichkeiten, aber auch die Art und Weise des Einsatzes von Öffentlichkeitsarbeit in Nichtregierungsorganisationen geklärt werden.

II. Theoretische Erläuterungen zu Nichtregierungsorganisationen, Öffentlichkeit und Öffentlichkeitsarbeit

1. Nichtregierungsorganisationen (NRO) - Definition, gesellschaftliche Zusammenhänge und Strukturen

1.1 Bestimmung des Begriffs der Nichtregierungsorganisation

Eine genaue Bestimmung des Begriffs der Nichtregierungsorganisation (NRO) fällt aufgrund einer Vielzahl unterschiedlicher und teils konträrer Darstellungen recht schwer. Gleichzeitig besitzt dieser Begriff viele Äquivalente. Am häufigsten wird wahrscheinlich die internationale Bezeichnung der Non Governmental Organisation (NGO) benutzt. Nichtstaatliche Organisation (NSO) und Private and Voluntary Organisation (PVO)[1] sind mehr oder weniger häufig verwendete und verwandte Begriffe. Aber auch die Non Profit Organisation (NPO) wird häufig (wenn auch nicht immer richtig) mit NRO gleichgesetzt.

Bei Definitionsversuchen kommt es häufig zur irreführenden Beschränkungen auf einzelne Organisationssparten. So heißt es beispielsweise in einem Aufsatz der Parit ä tischen Organisation:

„ [NRO] sind Vereine, Stiftungen oder andere gemeinn ü tzige Zusammenschl ü sse, die sich f ü r die Belange von Menschen in Afrika, Asien oder Lateinamerika einsetzen. Ein besonderes Merkmal ihrer Arbeit ist die N ä he zu den armen und benachteiligten Bev ö lkerungsgruppen in den Entwicklungsl ä ndern durch die Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen dort. Das unterscheidet sie von der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit, die auf Vereinbarungen zwischen Regierungen beruht.“[2]

Hier ist mit der Entwicklungshilfe ein sehr eng begrenzter Bereich der Nichtregierungsorganisationen aufgegriffen, der alleine auf keinen Fall das gesamte Spektrum von NRO wiedergibt.

In anderen Publikationen werden Nichtregierungsorganisationen als ein Nachfolgemodell der „neuen sozialen Bewegung“ gesehen.[3] Hiergegen spricht in erster Linie die Tatsache, daß die beiden Formen in unterschiedlichen Organisationsstrukturen / -formen auftreten. Auch die geschichtliche Entwicklung widerlegt die oben genannte Hypothese, da viele Jahre ein Nebeneinander beider Formen stattgefunden hat. Charakteristika der „neuen Sozialen Bewegung“ sind laut Klaus von Beyme „ der Protest als Handlungsmotiv, die gr öß ere Heterogenit ä t der Zusammensetzung und die Pluralit ä t der Ü berzeugungen ihrer Anh ä nger/innen “.[4] Organisationsformen sind nur in geringem Maße oder gar nicht fest geregelt. Nichtregierungsorganisationen hingegen weisen feste Strukturen und Organisationsformen auf (in Deutschland sind sie meist als eingetragener Verein vertreten). Sie können entweder der Neuen Sozialen Bewegung ähnlich einen Protestcharakter besitzen oder eine bürgerinitiierte Ergänzung staatlicher Aufgabengebiete vertreten[5].

Inhaltlich wie organisatorisch gesehen läßt sich die Masse der NRO kaum auf einen Nenner bringen. Auch der Begriff an sich gibt nur wenig Aufschluß zur Begr iffsklärung. Der Name Nichtregierungsorganisation sagt lediglich, daß es sich zum einen um eine Organisation handelt, die keine Regierungsorganisation ist. Dementsprechend könnten alle Organisationen, Institutionen und Einrichtungen darunter fallen, die nicht dem Regierungsapparat angehören. Es handelt sich hierbei um eine Kritik die auch Joachim Hirsch in seiner Abhandlung „Das demokratisierende Potential von ‘Nichtregierungsorganisationen‘“ aufgreift, die er im Folgenden als ein „ Catch-All-Word “ bezeichne t: „ Das „ Nicht “ bezeichnet jedenfalls viel eher eine widerspr ü chliche Bestimmung denn eine klare Positionierung innerhalb des gesellschaftlich-politischen Gef ü ges.[6]

Jörg Bergstedt äußert sich zur Definition der NRO in seinem Kurzessay „NGO“ folgendermaßen:

„ ... einen verbindenden Begriff f ü r alle Organisationen, die nicht an der Regierung selbst beteiligt sind, aber dort bestimmte Interessen vertreten ... Dazu geh ö ren die Umweltverb ä nde, die Gewerkschaften, Kirchen, alle Firmen und deren Zusammenschl ü sse sowie viele mehr “[7] Wichtig ist für Bergstedt auch die „ Denklogik “:

... durch sie wird sichtbar, da ß nicht die jeweilige Organisationsform, sondern eine bestimmte Handlungsstrategie das „ NGO “ -Dasein definiert.[8]

Für ihn zählt also weniger Form oder Aufbau der Struktur einer NRO / NGO, sondern ihre Strategien und Ziele. Eine hierarchisch aufgebaute Organisation kann demnach genauso gut eine NRO sein wie eine basisdemokratisch organisierte Einrichtung, eine Organisation mit 5 Mio. Mitgliedern genauso gut wie eine mit 500.000.

Erstmals benutzt wurde der Begriff der Non Governmental Organisation (NGO) anscheinend 1946 von den Vereinten Nationen im Rahmen der ersten Generalversammlung, während der diese die Bedeutung der Arbeit von NRO für die UN betonte. Weiter ausgeführt und definiert wurde dies 1968 vom Economic Council (ECOSOC) in der Resolution 1297, in der eine offizielle Zusammenarbeit unter den folgenden Kriterien beschlossen wurde:

- „ Share the ideals of the UN Charter;
- Operate solely on a not-for-profit basis;
- Have a demonstrated interest in the United Nations issues and proven ability, to reach large or specialised audiences, such as educators, media representatives, policy makers and the business community;
- Have the commitment and means to conduct effective information programmes about

UN activities by publishing newsletters, bulletins, and pamphlets; organizing conferences, seminars and round tables; and enlisting the co-operation of the media. “ [9]

Überdies hält sich die UNO an die folgende Definition:

A non-governmental organization (NGO) is a non-profit, voluntary citizens ‘ group, which is organized on a local, national or international level. Task orientated and driven by people with a common interest; NGOs perform a variety of services and humanitaria functions, brig citizens ‘ concerns to Governments, monitor policies and encourage political participation at the community level. They provide analysis and expertise, serve as early warning mechanisms and help monitor and implement international agreements. Some are organized around specific issues, such as human rights, the environment or health. Their relationship with offices and agencies of the United Nations System differs depending on their goals, their venue and their mandate.[10]

In Artikel 71 der UNO-Charta wird Nichtregierungsorganisationen, die die hier festgelegten Kriterien erfüllen, ein sogenannter „Konsultativstatus“ zuerkannt - dies allerdings ausschließlich für den Wirtschaft- und Sozialrat (ECOSOC) der UNO. Dieser „Konsultativstatus“ ist in drei Kategorien unterteilt[11]:

- I. general consultive status: für Organisationen, die sich mit der Mehrzahl der Aktivitäten des ECOSOC befassen
- II. special consultive status: für Organisationen, die spezifische Beiträge in einigen Gebieten des ECOSOC leisten können
- III. Listen- / Rosterstatus: für alle übrigen Die Rechte, die den Organisationen dabei zuerkannt werden, variieren vom Rederecht über das Recht auf Verbreitung von Stellungnahmen als offizielles UN-Dokument bis hin zum Vorschlagsrecht für Tagesordnungspunkte.[12]

Überdies führt Karl-Ernst Pfeifer die Punkte Ressourcentransfer (Finanzierung durch Spendengelder und andere nichtstaatliche Mittel) sowie die gesellschaftliche Verankerung („ ein Zusammenschlu ß von Personen, deren Handlungsmotivation nicht durch eigene, sondern stellvertretend durch die Interessen Dritter sowie gemeinsam geteilte Weltorientierung bestimmt wird.“) an.[13]

Zusammenfassend lassen sich also jene Definitionskriterien festhalten, die Nichtregierungsorganisationen zumindest einen gemeinsamen Rahmen geben. Dazu gehören:

- Gemeinnützigkeit / Non-Profit-Charakter
- Staatliche Unabhängigkeit
- Strukturierte Organisationsform (irgendeiner Art)
- Kapazitäten an Fachkenntnissen / -leuten
- Ressourcentransfer
- Gesellschaftliche Verankerung
- Zivilgesellschaftlich initiiert

Während mit diesen Kriterien zumindest ein äußerer Rahmen gegeben ist, fällt der Widerspruch der zugehörigen Interessengebiete größer aus. Pfeifer nimmt hierzu eine grobe Unterteilung in vier Typen von Nichtregierungsorganisationen vor, bei denen es allerdings zu thematischen Überschneidungen kommen kann:[14]

1. Kirchliche Organisationen
2. Nichtkommerzielle, private Organisationen überörtlicher Bedeutung (z.B.: DRK, terre des hommes)
3. Politische Stiftungen
4. Entwicklungspolitische Aktionsgruppen

Ein Widerspruch wird an dieser Einteilung deutlich, wenn diese etwa mit der Definition des BMZ verglichen wird, die politische Stiftungen, ihrer Parteiennähe wegen, aus dem Bereich der Nichtregierungsorganisationen ausschließt.[15]

Joachim Hirsch bezieht zudem Interessengruppen privatwirtschaftlicher Unternehmen (z.B. Gewerkschaften) mit ein.[16] Im Gegensatz zu Pfeifer nimmt Hirsch eine Unterteilung nach primären Arbeitsaufgaben der NRO vor[17]:

- NRO mit Hauptaufgabe in Problemdefinition
- NRO mit Hauptaufgabe in agenda setting[18]
- NRO mit Hauptaufgabe in Lobbyarbeit
- NRO mit Hauptaufgabe in praktischer Projektarbeit

Zusammenfassend erscheint es logisch, die Nichtregierungsorganisation als eine zivilgesellschaftliche Interessengruppe zu bezeichnen, die unter den oben genannten Rahmenbedingungen agiert.

1.2 Gesellschaftliche Gründe für Nichtregierungsorganisationen

Über die Ursachen, die gerade in den 1970er / 1980er Jahren zu einer starken Zunahme von Nichtregierungsorganisationen geführt haben, sind sich die meisten Autoren einig - sie sehen den Grund in einem relativen „ Staatsversagen[19] oder zumindest in einer Überforderung des Staates, sich mit dem breiten Spektrum an sozialem Handeln angemessen auseinanderzusetzen. So urteilt Bertrand Schneider über die Arbeit der Regierungen:

Ihre schwerf ä lligen, oft b ü rokratischen Strukturen k ö nnen sich nicht den unz ä hligen Facetten einer so komplexen Realit ä t anpassen, nicht bis zu den D ö rfern der Aller ä rmsten, zu den entlegensten Gebieten, vordringen. “ [20]

Der Vorteil einer NRO wird also in ihrer Flexibilität und Mobilität gesehen. Die schnelle Aktion vor Ort bietet hier die wahre Hilfe. Die oben bereits angesprochenen „sozialen Bewegungen“ haben sich zum Teil fester organisiert und professionalisiert und sind somit bedingt auch in die Form der Nichtregierungsorganisation übergetreten. Sie befassen sich mit Interessen, die von staatlicher Seite gar nicht, oder nur gering abgedeckt werden. Auch der Protestcharakter kann hier weiter aufrecht erhalten oder oppositionelle Positionen zu staatlichem Handeln eingenommen werden. Deutschland ist ein gutes Beispiel für ein Land, in dem nationale Schwerpunkte neu gesetzt und festgelegt worden sind. Hier sei die neue Situation nach dem Niedergang des Ostblocks genannt. So heißt es in einem Papier des Ausschusses für Entwicklungshilfe:

Mehrere Jahre nach der Wiedervereinigung hat Deutschland immer noch mit den politischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen dieses Ereignisses zu k ä mpfen Vor diesem Hintergrund der Sorgen „ zuhause “ , steht die internationale Entwicklung zur Zeit nicht im Mittelpunkt der ö ffentlichen Diskussion in Deutschland.“[21]

Nachfolgend wird erklärt, daß aufgrund innerdeutscher Schwerpunkte andere soziale und solidarische Tätigkeiten den internen Probleme n untergeordnet werden.

Joachim Hirsch führt als weiteren Punkt eine Globalisierung an, die von einer generellen Internationalisierung von Waren und Dienstleistungen sowie den Finanzund Kapitalmärkten begleitet ist und auch den Kommunikations- und Informationsfluß auf dieser neuen Ebene ansiedelt.[22] Das Ergebnis ist ein geringerer Handlungsspielraum des einzelnen Staates und das Auftreten grenzüberschreitender Probleme, die nicht allein auf nationaler Ebene gelöst werden können.

Weiterhin betont Hirsch die „ Verwissenschaftlichung der Politik[23], die in der Konfrontation mit der Bevölkerung eine entsprechend professionelle Reaktion erfordert, um auf diese eingehen und Einfluß nehmen zu können. Das Beispiel der UNO und dem von ihr vergebenen Konsultativstatus für Organisationen unterstützt diese Aussage.

Auch individuelle Gründe, wie die der christlichen Verantwortung bei kirchlichen Organisationen[24] oder der Versuch des Aufbaus eines weitreichenden (internationalen) Austausches von Erfahrungen, Perspektiven und Informationen sollten bei den Entstehungsgründen von Nichtregierungsorganisationen berücksichtigt werden.

Festzuhalten bleibt an dieser Stelle eine zunehmende internationale (globale) Vernetzung, die eine zentrale Aufgabensteuerung von gesellschaftlichen Interessen nahezu unmöglich macht und daher zu einer Aufspaltung und Untergruppierung verschiedener Spezialisten und Interessenvertreter führen muß. Interessenschwerpunkte des Staates führen zu der Vernachlässigung anderer Interessenpunkte. Zusammen mit einer Überforderung und einem Mangel an Flexibilität und Spontaneität führen diese Punkte zu Ergänzungs- und Oppositionsangeboten, die Nichtregierungsorganisationen abzudecken versuchen.

1.3 Tendenzen in der Entwicklung von Nichtregierungsorganisationen

Die UNO hat das Jahr 2001 zum „Jahr des Ehrenamtes“ erklärt. Es scheint als würde nicht nur die (Welt)Bevölkerung die Regierungsarbeit als unzureichend sehen, sondern als hätten auch die Regierungen (und supranationale Organisationen) einen zusätzlichen Hand lungsbedarf zu der eigenen Arbeit erkannt. Dies kann auf der einen Seite als ein Beweis der staatlichen Überforderung gesehen werden, auf der anderen Seite aber auch als eine einfache Lösung zur Einsparung staatlicher Mittel und Energien. Positiv gesehen könnte es sich um einen Appell an eine neue Menschlichkeit im Zeitalter der Globalisierung handeln, negativ gesehen, um einen Rückzug staatlicher Verantwortung. Prof. Dr. Peter Glotz sieht noch andere Aspekte, die sich auf die Veränderungen im Bereich der Nichtregierungsorganisationen auswirken können. In seinem Vortrag „Non- Profit-Organisationen in der beschleunigten Gesellschaft“, der im Rahmen des 7. Deutschen Fundraising-Kongresses in Leipzig gehalten wurde, weist er auf die sich verändernden, gesellscha ftlichen Strukturen innerhalb der heutigen Informationsgesellschaft des „ digitalen Kapitalismus “ hin.[25] Den Ausgangspunkt bildete hier die Annahme der Entstehung eines gesellschaftlichen, klassengeprägten Zweidrittelblocks, der sich in eine größere, finanzstarke und kapitalistisch ausgerichtete Schicht mit hohem Einkommen und in eine kleinere, sozial schwache Schicht mit hoher Arbeitslosigkeit oder Teilzeitbeschäftigung, unterteilt. Seine Vermutung geht dahin, daß diese kleinere Schicht sich im Zuge der Entwicklungen neue Aufgaben und Lebensinhalte suchen wird, die auf „ ganzheitlichen Konzepten der Lebensf ü hrung “ basieren werden.[26] Dieses wird sich, so Glotz, neben einer neuen Konzentration auf das familiäre und private Leben, auch auf Tätigkeiten in Bereichen der Sozialarbeit, des Umweltschutzes, des Gesundheitswesens, der Ausbildung, der Rechtshilfe, der Wissenschaft, der Kunst und des Spiels, auswirken. So schreibt er: „ Die Idee geht dahin, gemeinn ü tzige T ä tigkeiten als grunds ä tzliche Alternative zu traditionellen Arbeitsverh ä ltnissen, zum (erst 200 Jahre alten) Jobsystem aufzuwerten ... Er [der dritte Sektor] wird sehr viele, gut ausgebildete und argumentationsf ä hige Menschen anziehen. In ihm wird ein wichtiger Teil des intellektuellen Lebens in der Gesellschaft des digitalen Kapitalismus stattfinden.[27]

Auch wenn Glotz in seiner Rede nicht direkt auf Nichtregierungsorganisationen eingeht, so schließt die von ihm aufgezeichnete Tendenz NRO als einen Teil der Non-Profit- Organisationen oder des dritten Sektors mit ein.

Die Zahl der allgemein als Nichtregierungsorganisationen bezeichneten Institutionen ist jedoch in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, so daß es derzeit nur vage Schätzungen über genaue Zahlen gibt. Das Deutsche Spendeninstitut z.B. verzeichnete im Jahre 2000 Einträge von 8537 Spendenorganisationen.[28] Klaus Neuhoff hingegen geht von allein 91.000 Vereinen aus, die den sechs Spitzenverbänden der freien Wohlfahrtspflege angeschlossen sind.[29] Dabei muß natürlich auch weiterhin berücksichtigt werden, daß nicht jede Spendenorganisation aus den oben genannten Definitionsgründen auch gleichzeitig eine NRO ist und nicht jede NRO auch eine Spendenorganisation (wie z.B. Gewerkschaften).

1.4 Die Beziehung zwischen NRO und Staat in der BRD

Auch wenn eines der Hauptkriterien für Nichtregierungsorganisationen die staatliche Unabhängigkeit ist, so basiert ein beträchtlicher Teil der Arbeit vieler NRO doch auf staatlichen Zuschüssen und Förderprogrammen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Sozialmarketing errechnete, daß Non Profit Organisationen sich zu 64% aus Zuwendungen der öffentlichen Hand finanzieren.[30] Auch wenn der Bereich der Non- Profit Organisationen nicht deckungsgleich mit dem der NRO ist, so ist die Schnittmenge doch groß genug, um diese Kalkulationen grob auf NRO zu übertragen.

In Deutschland werden die meisten Fördergelder an NRO vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) vergeben. Hier ist das BMZ Ansprechpartner und Förderer von Kirchen, politischen Stiftungen und anderen Entwicklungsprojekten für humanitäre Hilfe, Nahrungsmittelhilfe und freiwillige entwicklungspolitische Bildung. Über die zwischenstaatliche Institution Deutscher Entwicklungsdienst (DED) werden Entwicklungshelfer ausgebildet und versandt. Aber auch andere Ministerien können entsprechend ihrer Ausrichtung Ansprechpartner und Förderer sein. Das Auswärtige Amt unterstützt NRO-Projekte im Bereich der Bildung und kulturellen Zusammenarbeit, während die Verwaltungsstellen der Länder und Gemeinden Projekte von NRO und anderen privaten Institutionen für Ausbildung und Erziehung sowie technischer Zusammenarbeit fördern.[31]

Die folgenden Zahlen sollen einen ersten Aufschluß über die Entwicklung der Ausgaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammena rbeit und Entwicklung (BMZ) in den letzten zehn Jahren geben.

Tab.1: Ausgaben des BMZ-Haushaltes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: VENRO: Aktuelle Information - Aufw ä rtstrend oder Mogelpackung?[32]

Eine weitere Tabelle gibt Auskunft darüber, welchen Institutionen welcher Anteil der hier zur Verfügung stehenden Gelder in den Jahren 2000 / 2001 zugeteilt wurden und werden soll:

Tab. 2: Verteilung des BMZ-Etats

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: VENRO: Aktuelle Information - Aufw ä rtstrend oder Mogelpackung?[33]

Die beiden Tabellen zusammengenommen zeigen, daß von den gesamten Ausgaben für Entwicklungshilfe und wirtschaftliche Zusammenarbeit in den Jahren 2000 und 2001 (7,102 Mrd. DM / 7,224 Mrd. DM) jeweils etwa 7 % an nichtstaatliche Organisationen vergeben werden. Ebenso demonstriert Tabelle 1, daß die Ausgaben des BMZ, gemessen an dem Einkommen des Bruttosozialproduktes in den letzten 10 Jahren deutlich gesunken sind. Dieses wiederum veranschaulicht eine neue Interessenverschiebung der bundesdeutschen Regierungen. Die Frage ist, wie es zu dieser Verschiebung kommen konnte. Zwar wurde der Etat des BMZ vom Jahr 2000 zum Jahr 2001 um 1,7 % (ca. 1,02 Mrd. DM) erhöht, allerdings sind für die darauffolgenden Jahre erneute Reduzierungen veranschlagt (2002: -1,6%; 2004: - 1,5%). Vielversprechend klingen zwar die Worte des derzeitigen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, der während seiner Regierungserklärung im November 1998 mitteilte:

Diesen Abw ä rtstrend werden wir stoppen und dabei auf Effizienz und Koh ä renz der Ma ß nahmen zur Bew ä ltigung globaler Zukunftsaufgaben achten.[34] im Endeffekt ist es jedoch Fakt, daß jene 0,23 / 0,22 % des BSP bereits an sehr geringen Maßstäben festgemacht sind und die Politik der vorherigen Regierung somit weiter fortgesetzt wird. Bestenfalls kann also von einer Stagnation, nicht aber von einer Verbesserung die Rede sein.

1995 förderte die Bundesregierung Programme von ca. 50 bundesweit tätigen NRO und privaten Institutionen sowie von etwa 250 lokalen und regionalen Gruppen (keine NRO im Sinne der UNO-Charta), deren Aufgabengebiet auf entwicklungspolitischer Bildung lag.[35] Laut Eigendarstellung ist ihr Anliegen

Kampf gegen die Armut, ... Schutz der nat ü rlichen Ressourcen und die Bildung sowie Ausbildung der Bev ö lkerung in den Entwicklungsl ä ndern, aber ... auch ... Vermeidung von Krisen und anderen Katastrophen.[36]

Entgegen dem ersten Anschein sind Arbeitsschwerpunkte wie das Gesundheitswesen, die soziale Infrastruktur, Gemeinwesen, der institutionelle Ausbau, politische Bildung, mediale / kulturelle Entwicklung, Umweltschutz und Menschenrechte in die Förderpunkte des BMZ einbezogen.[37] Es gibt zwei Durchführungsorganisationen, die sämtliche Projekte koordinieren und evaluieren: die Kreditanstalt f ü r Wiederaufbau (KfW) und die Gesellschaft f ü r Technische Zusammenarbeit (GTZ).

1.5 Ehrenamtlichkeit in Nichtregierungsorganisationen

Das Europäische Beobachtungsnetz für KMU (kleine und mittelgroße Unternehmen) fand heraus, daß in der Bundesrepublik Deutschland 30% der Bevölkerung ehrenamtlich in einer gemeinnützigen Organisation tätig sind. Angeführt wurde die Liste vom Vereinigten Königreich (48%), Schweden (36%) und Belgien (32%), an hinterer Stelle rangierten Spanien, Italien (13%) und Luxemburg (17%).[38] Der europäische Anteil (ermittelt aus 12 Mitgliedsländern) soll bei 25,3% liegen. Der Zuspruch, der einer unbezahlten Tätigkeit entgegen gebracht wird, ist also in vielen Ländern relativ hoch und scheint die These zur gesellschaftlichen Veränderung von Dr. Peter Glotz zu bestätigen.

Tatsächlich baut die Arbeit fast aller Nichtregierungsorganisationen auf einem hohen Anteil von freiwillig Tätigen auf. In Organisationen wie der deutschen Sektion von amnesty international waren 1999 9530 aktive, unentgeltliche Mitglieder[39] zu verzeichnen, die einer Anzahl von 43 Festangestellten (plus 4 Zivildienstleistenden)[40] gegenüberstanden. In kleineren Organisationen wie der Indianerhilfe Paraguay, die ca. 150 Mitglieder aufweist, werden alle ausgeübten Tätigkeiten ehrenamtlich ausgeführt. Das DRK gibt sogar ein ehrenamtliches Engagement von ca. 400.000 Mitgliedern an.[41] Was unter diesem Engagement genau zu verstehen ist, welche Tätigkeitsbereiche hierunter fallen und wie kontinuierlich die Arbeit stattfindet wurde im Einzelnen nicht weiter differenziert. Es ist wahrscheinlich, daß auch einmalige Einsätze in diese, doch sehr hohe Zahl, miteinbezogen wurden. Nichtsdestotrotz zeigt sich bereits hier die Bedeutung, die die freiwillige Tätigkeit in der Struktur von Nichtregierungsorganisationen, einnimmt.

2. Der Begriff der Öffentlichkeit

Um Bedeutungen und Möglichkeiten der Öffentlichkeitsarbeit zu klären, sie zu analysieren und möglichst gezielt zu nutzen und einzusetzen, bleibt die Notwendigkeit der genauen Definition des Begriffs Öffentlichkeit nicht aus. Was ist Öffentlichkeit, wie funktioniert sie, welche Elemente gehören ihr an, welche Faktoren nehmen Einfluß auf sie, und was kann sie erzielen? In einem Artikel des Fischerlexikon „Staat und Politik“ von 1964 umreißt Jürgen Habermas den Bereich der Öffentlichkeit wie folgt:

Unter Ö ffentlichkeit verstehen wir zun ä chst einen Bereich unseres gesellschaftlichen Lebens, in dem sich so etwas wie ö ffentliche Meinung bilden kann. Der Zutritt steht grunds ä tzlich allen B ü rgern offen.“[42]

Des weiteren weist er in dem Artikel auf die Grundvoraussetzung des Rechts auf Versammlung, Meinungsäußerung und Meinungsveröffentlichung hin. So entsteht ein grober Umriß der Bedingungen und Akteure, auf denen eine Öffentlichkeit nach den Prinzipien einer demokratischen Gesellschaft basiert.

2.1 Die Konsistenz einer Öffentlichkeit

Öffentlichkeit basiert auf dem Verbund verschiedener Teilelemente, die sich im Laufe der menschlichen Geschichte bedeutend verändert haben. In dem oben genannten Artikel geht Habermas genauer auf diese historischen Veränderungen ein. So beschreibt er die Öffentlichkeit des Mittelalters als eine Form der Darstellung und Repräsentation, in der sich Herrscher vor dem Volk dargestellt haben. Das, was als Öffentlichkeit bezeichnet wurde, war weniger ein Ausdruck der Allgemeinheit, als eine Demonstration und Verlautbarung herrschaftlicher Entscheidungen und Souveränität. Das Interaktionsspektrum war somit auf ein Minimum beschränkt, bzw. gar nicht erst vorhanden, sondern durch einen einseitigen Aktionsraum belegt.

Heute hingegen sieht die Situation grundlegend anders aus. Öffentlichkeit ist heute ein , „ nach Kompetenzen geregelter Betrieb eines mit dem Monopol legitimer Gewaltanwendung ausgestatteten Apparates.[43] Und selbst dieses Monopol ist nur bedingt von Relevanz, da in einer demokratischen Öffentlichkeit verschiedene Elemente und Akteure Einfluß auf die Öffentlichkeit haben.

Nach Friedhelm Neidhardt definiert sich Öffentlichkeit über ein Kommunikationsforum, das sich aus Öffentlichkeitsakteuren und einem Publikum zusammensetzt.[44] Der Unterschied zu der repräsentativen Öffentlichkeit des Mittelalters besteht dabei in dem Austausch und gegenseitigen Einfluß, den die beiden Ebenen aufeinander ausüben. Hierbei kommt die Rolle der Mediatoren ins Spiel, die als Vermittler in den Arenen der Öffentlichkeit auftreten und meistens von den Medien in Anspruch genommen werden. Eine demokratische Öffentlichkeit umfaßt also 3 elementare Grundbausteine: Öffentlichkeitsakteure, d.h. a) die Sprecher einer bestimmten Gruppe, die Anliegen und ihre Ziele zum Ausdruck bringen und dafür Zustimmung gewinnen wollen, b) das Publikum, das sich aus einer möglichst breiten Bevölkerung zusammensetzen soll, c) die Mediatoren, die als Vermittler zwischen Publikum und Akteuren auftreten und somit eine Kommunikation ermöglichen.

Diese Öffentlichkeit, die auch Habermas in ähnlicher, wenn auch nicht ganz so detaillierter Weise für das Fischerlexikon „Staat und Politik“ beschrieben hat, gehört heute zu der verfassungsrechtlichen Grundausstattung jeder Demokratie. Wichtigstes Kriterium ist dabei der Zugang aller Bevölkerungsteile zu Kommunikation und den Öffentlichkeitsarenen.

2.2 Kommunikationssysteme und Zielfunktionen der öffentlichen Kommunikation

Da Öffentlichkeit und Kommunikation heute zwei kaum voneinander zu trennende Konstanten bilden, die sich gegenseitig beeinflussen, ja sogar bestimmen und definieren, ist es wichtig, ihre genaueren Aufgaben und Ziele zu betrachten. Aus diesem Grund hat Amitai Etzioni 1968 die Theorie der „ kybernetischen F ä higkeiten “ aufgestellt, in dem er Öffentlichkeit als Kommunikationssystem ana lysierte und wertete.[45] Dieses System, auf dem fast alle folgenden Theorien basieren, beruft sich auf ein Drei-Stufen-Konzept der Funktionen und Aufgaben von öffentlicher Kommunikation: a) die Transparenzfunktion, in der Themen und Meinungen zusammenkommen und allen gesellschaftlichen Gruppen zugänglich sein müssen (Input), b) der Validierungsfunktion, in der die aufkommenden Themen und Meinungen diskursiv behandelt und somit verbreitet werden (Throughput), c) die Orientierungsfunktion, in der sich nach der Diskussion aufgrund einer öffentlichen Kommunikation eine öffentliche Meinung bildet (Output). Wie schon in der Definition von Habermas und den Ausführungen Neidhardts wird die Interaktion zwischen Publikum und Öffentlichkeitsakteuren aufgegriffen. Allerdings beruht Etzionis Modell auf der Hypothese des öffentlichen Diskurses und somit einer öffentlichen Diskursfähigkeit. In einem weiteren Modell, dem Spiegelmodell Niklas Luhmanns[46], wird eben diese Kritikfähigkeit kritischer gesehen. Zwar übernimmt er die Tranzparenzfunktion in sein Modell und sieht den Input als gegeben, zweifelt aber die weiteren Schritte, d.h. die Kristallisierung einer öffentlichen Meinung an. Nach seiner Theorie spiegelt sich die Gesellschaft dermaßen in dem, was die Öffentlichkeit als Input bereits liefert, daß es zu einer Institutionalisierung dieser Themen kommt und keine neue, unabhängige Meinung gebildet werden kann.[47]

Das Diskursmodell von Jürgen Habermas und Bernhard Peters wiederum[48] sieht unter gegebenen Umständen durchaus eine Funktionserfüllung der Öffentlichkeit. Diese Bedingungen setzen sich zum einen aus der bereits mehrfach erwähnten allgemeinen Offenheit von Themen, Meinungen und Akteuren, einer diskursiven Verbreitung und dem daraus folgenden kollektiven Lernprozeß sowie den letztendlichen gemeinsamen Einsichten, Problemlösungen und Zielsetzungen zusammen.[49] Hierbei ist es den Autoren wichtig herauszustellen, daß die Basis dieser kollektiven Akzeptanz auf einer zwanglos erzielten Überzeugung beruht.

Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß sich eine Öffentlichkeit nach allen aktuellen Definitionen und Theorien aus drei primären Bausteinen zusammensetzt: den Akteuren, dem Publikum und einem (oder mehreren) medialen Vermittlern. Ziel der Öffentlichkeit ist es dabei, eine allgemein zugängliche Diskussion zu initiieren, die zu einer öffentlichen Meinungsbildung führt. Inwieweit diese Ziele erreicht, bzw. die Möglichkeiten einer modernen Öffentlichkeit ausgeschöpft werden, kann von Fall zu Fall variieren und ist dementsprechend zu überprüfen.

2.2.1 Die Bedeutung der einzelnen Öffentlichkeitselemente

Der größte Teil öffentlicher Kommunikation verläuft heute über die Vermittlung der Massenmedien. Somit erwirken diese in der Öffentlichkeit die dritte Größe neben Sprechern und Publikum.[50] Massenmedien sind im 20. Jahrhundert zu der bestimmenden Öffentlichkeitsarena geworden. Dennoch darf auch der althergebrachten Versammlungsöffentlichkeit ein gewisser Stellenwert nicht aberkannt werden. Während Massenmedien in erster Linie von etablierten Sprechern genutzt werden, ist gerade für kleinere und Randgruppen die Versammlungsöffentlichkeit von besonderer Bedeutung. Diese Gruppen, die noch nicht auf eine breite Popularität oder Zustimmung zurückgreifen können, müssen davon ausgehen, daß ihre Anliegen von Massenmedien erst einmal weitgehend ignoriert werden. Somit müssen sie sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten im Kleinen organisieren und versuchen, die Aufmerksamkeit und Zustimmung weiterer Bevölkerungsteile möglichst effizient auf sich zu ziehen. Eine Versammlung bietet hierfür einen relativ leicht zu organisierenden Weg.

2.2.1.1 Die Rolle der Massenmedien

Der größte Teil der (politischen) Kommunikation läuft heutzutage über die Medien ab, da diese von nahezu allen Bürgern genutzt und konsumiert werden. Friedhelm Neidhardt geht sogar soweit zu behaupten, daß fast jeder Bundesbürger täglich von mindestens einem Medium politisch informiert wird.[51] Die Ausführung, in der die Medien ihre Rolle dabei betreiben, ist allerdings von zwei Seiten zu betrachten. Zum einen sind Medien heute relativ autonom[52], folgen keiner missionarischen Rollenauffassung und nehmen eher eine Chronistenpflicht war[53], zum anderen aber schließt dies die Existenz von (politischen) Präferenzen nicht aus und kann zu erheblichen Niveauunterschieden führen.[54] Außerdem hat sich der Faktor Marktwirtschaft in den Medien zunehmend ausgebreitet. Sowohl in den privaten als auch in den öffentlich rechtlichen Betrieben ist die Abhängigkeit von Sponsoren und die Einnahme von Werbemitteln unumgänglich geworden. Somit kommt es zu einem Verhältnis von konkurrierenden Medien, die sich dementsprechend ausgeprägt an ein kommerziell interessantes Publikum wenden, um Zuschauer-/ - hörerquoten,

2.2.1.2 Die Rolle des Publikums

Das Publikum ist der Adressat von Öffentlichkeitsakteuren und den Medien. Es setzt sich, laut Friedhelm Neidhardt, aus der Gesamtheit aller Bürger zusammen.[55] Um dieses Publikum zu einer Kommunikationsbeteiligung zu motivieren, bedarf es einer Betrachtung seiner Motivationsantriebe. Diese Bestehen zum einen aus dem Bedürfnis an Unterhaltung, zum anderen aus einem Bedürfnis an Orientierung, also dem Konsum von Informationen, die es für sich werten und nutzen kann. Ein Zwang zur Beteiligung besteht in der Massenkommunikation nicht.[56] Dies verschärft den Druck auf Sprecher und Medien insofern, als daß sie diese Motivation, zusätzlich zu der ohnehin schon bestehenden Konkurrenz untereinander, hervorrufen müssen. Das Problem, auf das die Öffentlichkeitsakteure (Sprecher und Medien) hierbei stoßen, ist die große Heterogenität des Publikums. Diese Heterogenität hat zur Folge, daß es sich beim größten Teil des Publikums um Laien handelt, die wenig Vorkenntnisse mitbringen, also nur eine geringe Verständnisfähigkeit besitzen. Aufgrund dieser und der Tatsache, daß Öffentlichkeitssprecher ihr Publikum nur begrenzt kennen, müssen die Öffentlichkeitsakteure einen Weg finden, ein möglichst großes Publikum mit einer möglichst leicht verständlichen Sprache anzusprechen, die von allen verstanden wird und einen Motivationsreiz zur Öffentlichkeitsbeteiligung bietet.

Im Publikum befinden sich allerdings in jedem Fall drei Gruppen, auf die sich Sprecher und Medien einstellen müssen. Anhänger, Gegner und Unentschiedene / Neutrale. Als die wichtigste Gruppe stellt Neidhardt die der „Unentschiedenen / Neutralen“ dar,[57] die auch Jürgen Habermas als ein bedeutendes Potential sieht.[58] Ohne sie, so schreibt er, käme es zu einer Klientelisierung und somit sehr begrenzten Ausrichtungsmöglichkeiten der Öffentlichkeit und Öffentlichen Meinung. Die Neutralen bieten demnach die Möglichkeit der „ floating votes “ d.h. einer Entscheidung, die erst nach oder im Laufe einer öffentlich geführten Diskussion getroffen wird. Demzufolge ist die Gruppe der Neutralen / Unentschiedenen diejenige, die die Akteure

2.2.1.3 Die Rolle der Sprecher

Als Öffentlichkeitssprecher bezeichnet Friedhelm Neidhardt jene Gruppe von Öffentlichkeitsakteuren, die sich vor Medien und Publikum für eine andere Gruppe der Gesellschaft einsetzen. Er unterschiedet hierbei in fünf verschiedenen Typen von Sprechern mit unterschiedlichen Rollen in der Öffentlichkeit:[59]

a) Repräsentanten: als die direkten Vertreter gesellschaftlicher Gruppen wie z.B. Parteien, Organisationen, Vereinen, Bewegungen
b) Advokaten: als Handelnde, die in der Öffentlichkeit die Belange von unorganisierten Gruppen vertreten
c) Experten: die Sprecher mit Sonderkompetenzen darstellen, aber nicht der Gruppe, über die sie sprechen, selbst angehören müssen
d) Intellektuelle: die die Bedingungen von Experten erfüllen aber den zu verhandelnden Themen zudem noch kritisch und ethisch-gesellschaftliche Perspektiven zufügen
e) Kommentatoren: die zum einen Bericht erstatten, zum anderen aber ihre eigene Meinung mit ins Spiel bringen

2.3 Kommunikationsmodelle

Im Kontakt zwischen Öffentlichkeitsakteuren und ihrem Publikum kommt es zu bestimmten Verhaltensweisen. Friedhelm Neidhardt hat versucht, diese in drei grundlegende Muster zu unterteilen und ist dabei zu der Bestimmung von drei verschiedenen Modellen gekommen: a) dem Verlautbarungsmodell, b) dem Agitiationsmodell, c) dem Diskursmodell.[60] Entscheidend für die Unterscheidung dieser Muster sind die kommunikativen Elemente. Kommunikation entsprechend dem Verlautbarungsmodell gleicht dabei eher einem Monolog. Sprecher nehmen sich den Raum für ihre Darstellungen und Botschaften, ohne dem Publikum aber die Möglichkeit zu einer Antwort oder Reaktion zu lassen. Eine klassische Kommunikation kommt also gar nicht erst zustande.

Im Gegensatz dazu liefert das Agitationsmodell einen Spielraum, in dem vor allem die Sprecher untereinander in einen kommunikativen Austausch treten. Dieses Modell ist laut Neidhardt jedoch von einer gewissen Polemik geprägt, der Austausch findet nur an der Oberfläche statt.[61] Eine wahre Verständigung zwischen den Fronten wird durch die Anhäufung gegenseitiger Angriffe, rhetorischer Fragen und falsifizierter Behauptungen ersetzt. Von Seiten des Publikums bedarf es somit einer enormen Kritik- und Selektionsfähigkeit, um ernsthafte Gewinne und reelle Orientierungschancen aus diesem Kommunikationsverhalten ziehen zu können. Den idealtypischen Fall bildet somit das Diskursmodell, da es hier zu einem interaktiven Wechsel kommt. Hier, so schreibt Neidhardt, findet eine „ argumentative Auseinandersetzung, auch mit den Gegnern und Kritikern der eigenen Beitr ä ge statt.“[62]

3. Öffentlichkeitsarbeit / Public Relations

3.1 Funktionsweise öffentlicher Zusammenhänge / Die Entstehung von

Public Relations

Die oben aufgeführten Kommunikationskonzepte bilden die theoretische Grundlage der praktischen Öffentlichkeitsarbeit, denn diese stellt eine bestimmte Form der Kommunikation dar. Wie Punkt II.2.1 gezeigt hat, gibt es eine komplexe Ansammlung von verschiedenen Elementen und Bausteinen, aus denen sich eine Öffentlichkeit zusammensetzt. Dementsprechend viele Faktoren müssen in Betracht gezogen werden, wenn man sich als Öffentlichkeitsakteur auf dem Öffentlichkeitsmarkt durchsetzen möchte. Auf diesem Markt, auf dem das Publikum auch als Kundschaft gesehen werden kann[63], kommt es zu einer Austauschbeziehung zwischen Medien, Sprechern und Publikum, bei der es um ökonomische, politische und soziale Themen geht. Jede dieser Öffentlichkeitsgruppen hat ihre eigenen Vorstellungen und Anforderungen. Während das Publikum auf Unterhaltungs- und Orient ierungswerte ausgerichtet ist (Vgl. Punkt II.2.2.1.2), benötigen die Medien Aufmerksamkeit und Zustimmung des Publikums, um sich auf dem Öffentlichkeitsmarkt behaupten zu können. Die Öffentlichkeitssprecher haben ähnliche Wünsche wie die Medien, ihre Beweggründe hierfür sind jedoch andere. Während es bei den Medien in erster Linie um die Positionierung auf dem Markt geht, benötigen die Sprecher Medien und Publikum, um ihre Ziele publik zu machen, Zustimmung zu gewinnen und auf diese Weise einen öffentlichen Druck zu erzeugen, der auf politische, gesellschaftliche und ökonomische Aspekte Einfluß nehmen kann.

Um diese Aufgabenstellung, also die möglichst gezielte und erfolgreiche Bindung und Überzeugung von Medien und Publikum durchführen zu können, entwickelte sich auf den Seiten der Öffentlichkeitsakteure ein ganz neues Aufgabenfeld: Die Öffentlichkeitsarbeit / Public Relations.[64]

Wie von Habermas dargestellt, hat sich die Öffentlichkeit im Laufe der Geschichte vehement verändert. Sie hat sich von einer repräsentativen Öffentlichkeit zu einem Forum interaktiver Kommunikation entwickelt. Und doch läßt sich bei dem, was wir heute als Öffentlichkeitsarbeit oder Public Relations bezeichnen, auf uralte Wurzeln zurückgreifen. James E. Grunig und Todd Hunt beispielsweise führen die ersten Wurzeln der Öffentlichkeitsarbeit auf die Arbeitsweisen der Apostel und Evangelisten zurück, die im Auftrag des Evangeliums nahezu klassische, wenn auch der damaligen Zeit angepaßte, Verhaltensweisen der PR-Aktivitäten aufwiesen.[65] Ihre Briefe und Berichte waren an ein breiteres Publikum gerichtet, das letztendlich sogar die Sprecher selbst überlebte. Versammlungen und Reden hatten Bezug zu ihrem unmittelbaren Umfeld und boten schon damals den Raum für ein interaktives Kommunikationsforum.

Andere Autoren, wie Carl Hundhausen sehen den Beginn der Public Relations erst in der aufkommenden Industrie- und Massengesellschaft, die zu einer Minderung persönlicher Kontakte führte und somit den Informationsfluß neu erstellen mußte.[66]

3.2 Definition und Konzept der Öffentlichkeitsarbeit

Letztendlich aber ist es nach wie vor nicht leicht, den Begriff der Öffentlichkeitsarbeit (Public Relations) genau zu definieren und einzugrenzen. Gernot Bauer umriß diese grob als ein Informations- bzw. Erlebnis- / Erfahrungsangebot an Informationsverbraucher.[67] Ronneberger wiederum benutzt den Begriff Public Relations und erklärt:

PR versteht sich als eine Funktion der ö ffentlichen Interessendarstellung; ü berall, wo partielle Ö ffentlichkeiten durch Interessendarstellung hergestellt werden, kann sich PR ereignen. Aus der Sicht der demokratisch verfa ß ten, politischen Systeme erscheint die PR-Funktion als konstitutiver Faktor, d.h. ohne PR w ü rden solche Systeme nicht funktionieren.[68]

Ambrecht[69] geht genauer auf das Kalkül von PR-Akteuren ein:

Ihr Verh ä ltnis zur Umwelt m ü ssen sie anhand sich wandelnder Bedingungen immer wieder neu definieren. Der PR kommt hier eine (wenn nicht die) entscheidende Aufgabe zu: Ihre Akteure identifizieren Umweltver ä nderungen, interpretieren diese f ü r die Organisation und sichern durch strategisches und programmatisches Vorgehen Handlungsspielr ä ume f ü r die Organisation ab.: Der PR Proze ß kann als st ä ndiger und wechselseitiger vernetzter Input- Transformation-Output-Proze ß zwischen dem >Suprasystem< Umwelt und den drei f ü r die PR relevanten >Subsystemen< Organisation, Kommunikation und Zielpublikum verstanden werden.[70]

Ähnlich nur komplizierter beschreibt es Jarchew wenn er sagt:

„(PR) bedeutet den Proze ß des Erhalts und der Optimierung der dynamischen Zustandsstabilit ä t und der ko-evolution ä ren Entwicklungsm ö glichkeiten von synreferentiell kooperierenden sozialen Systemen durch die Abstimmung interner Umwelten mit den Mitteln sprachlicher und bildlicher Kommunikation.“[71]

Gernot Bauer wiederum versucht die Öffentlichkeitsarbeit zusätzlich anhand eines Funktionsschemas zu definieren: das RACE Schema. Dieses Schema besteht aus vier Stadien: a) Research (R), also die Suche und Forschung nach dem eigentlichen Problem, b) action (A), also die Vorgehensweise, in der man sich mit dem Problem beschäftigt, c) communication (C), der Weg, auf dem das Publikum informiert wird, d) evaluation (E), die Auswertung und Untersuchung des Erfolges bzw. Mißerfolges in der Realisierung der Ziele.

Die Definitionsproblematik, bzw. von nahezu allen Autoren immer wieder angesprochene Vielfalt der Definitionen von Öffentlichkeitsarbeit, wird sich im Rahmen dieser Arbeit kaum lösen lassen. Sie spiegelt sich bereits in den unterschiedlichen Bezeichnungen wider, die das Gebiet der Öffentlichkeitsarbeit

Barthenheier / Horst Kleinert (Hrsg.): Ö ffentlichkeitsarbeit. Dialog zwischen Institutionen und Gesellschaft, Berlin / New York 1982, S.125

[...]


[1] Bertrand Schneider: Die Revolution der Barf üß igen (Ein Bericht an den Club of Rome), Wien 1986, S. 103

[2] im Internet: http://www.paritaet.org/bengo/1100.htm: „ Bengo und die NRO “, 07.02.2001 11

[3] Joachim Hirsch: Das demokratisierende Potential von Nichtregierungsorganisationen, Wien 1999, S. 1

[4] Klaus von Beyme: Neue soziale Bewegungen und politische Parteien, in: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zu der Wochenzeitung DAS PARLAMENT 44/1986, S.35

[5] Vgl. Karl-Ernst Pfeifer: Nichtregierungsorganisationen - Protagonisten einer Entwicklungspolitik?, Hamburg / Münster 1992, S. 43

[6] Hirsch 1999, S. 2

[7] Jörg Bergstedt: „ NGO “, im Internet: http://www.thur.de/philo/uvungo.html, 21.01.2001

[8] Ebd.

[9] Im Intnernet: http://www.un.org/partners/civil-society/ngo/ngos-dpi.htm, 11.01.2001

[10] Ebd.

[11] Vgl. im Internet: http://www.bundesregierung.de: Außenpolitik: VN und Globale Zusammenarbeit: Nichtregierungsorganisationen: Nichtregierungsorganisationen und die Vereinten Nationen,

12.02.2001

[12] Vgl. ebd.

[13] Vgl. Pfeifer 1992 , S. 3 ff.

[14] Ebd., S. 9 ff.

[15] Vgl. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit: journalistenhandbuch, Bonn 2000, S. 236

[16] Vgl. Hirsch 1999, S. 3

[17] Vgl. ebd., S. 4

[18] Die Bestimmung und Auswahl von Themen / Interessengebieten zwecks einer (medialen) Verbreitung und Thematisierung innerhalb der Bevölkerung - vgl. Scott P. Robinson: Media-Agenda-Setting, im Internet: http://www.niu.edu/newsplace/agenda.html, 10.5.2001

[19] Hirsch 1999, S. 4

[20] Schneider 1986, S. 102

[21] OECD: Politik und Leistungen der Mitglieder des Ausschusses f ü r Entwicklungshilfe - Deutschland, Paris 1995, S. 7

[22] Vgl. Hirsch 1999, S. 5

[23] Ebd.

[24] Vgl. Pfeifer 1992, S. 5

[25] Vgl. Prof. Dr. Peter Glotz: Non-Profit-Organisationen in der beschleunigten Gesellschaft, Vortrag im Rahmen des 7 Deutschen Fundraising-Kongresses, 7.4.2000

[26] Ebd.

[27] Ebd.

[28] Deutsches Spendenorganisationen: im Internet: http://www.dsk.de/rds/rdsstati.htm, 11.12.2000

[29] Vgl. Klaus Neuhoff: Nonprofits weiter im Aufwind - 450.000 Vereine im Lande, in bsm-Newsletter, 2/1999, S.10

[30] Im Internet: http://www.sozialmarketing.de/zahlen.htm, 16.03.2001

[31] Vgl. OECD 1995, S. 24

[32] VENRO: Aktuelle Information - Aufw ä rtstrend oder Mogelpackung?, im Internet: http://www.venro.org/fr-rbrief.html, 21.12.2000

[33] Ebd.

[34] Regierungserklärung von Bundeskanzler Gerhard Schröder, 10. November 1998, Bonn

[35] Vgl. OECD 1995, S.15

[36] Ebd., S.13

[37] Vgl. ebd., S.30

[38] Europäische Kommission: Amt für amtliche Veröffentlichungen der Europäischen Gemeinschaft: Das Europ ä ische Beobachtungsnetzwerk f ü r KMU - Sechster Bericht, Luxemburg 2000, S. 248

[39] amnesty international: Das Jahr `99, Bonn 2000, S.16

[40] Vgl. im Internet: http://www.dsk.de/rds/0.htm, 12.01.2001

[41] http://www.drk.de/aktuelles/hitparade2001/inhalt.htm, 12.01.2001

[42] Fischer Lexikon: Staat und Politik, 1964, S.220, aus Jürgen Habermas: Kultur und Kritik, 1973, S. 61

[43] Ebd., S.64

[44] Vgl. Friedhelm Neidhardt (Hrsg.): Ö ffentlichkeit, Ö ffentliche Meinung, Soziale Bewegung, Opladen 1994, S.7

[45] Vgl. Etzioni, Amitai: The Active Society: A Theory of Societal and Political Processes, New York 1968, S.157 ff.

[46] Vgl. Niklas Luhmann: Gesellschaftliche Komplexit ä t und Ö ffentliche Meinung. S. 181 f. in Ders.: Soziologische Aufklärung 5. Konstruktivistische Perspektiven, 1990

[47] Ebd.

[48] Vgl. Neidhardt 1994, S. 9

[49] Ebd.

[50] Vgl. ebd., S. 10

[51] Vgl. ebd., S.11

[52] Vgl. Jeffrey C Alexander: The Mass News Media in Systemic, Historical and Comparative Perspective, S. 107ff.; in: Ders.: Action and its environments, 1988

[53] Vgl. Schönbach, in: Neidhardt S. 11

[54] Katrin Voltmer: Mass Media: Political Independence of Press and Broadcasting Systems. Berlin, Zeitungsauflagen etc. positiv zu beeinflussen. Dadurch wiederum machen sie sich, trotz ihrer eingangs erwähnten Autonomie, abhängig von wirtschaftlichen Interessen.

[55] Vgl. Friedhelm Neidhardt 1994, S.12

[56] Vgl. Luhmann 1990: Gesellschaftliche Komplexit ä t und Ö ffentliche Meinung, S. 172

[57] Neidhardt 1994, S. 24

[58] Vgl. Jürgen Habermas: Strukturwandel der Ö ffentlichkeit, Frankfurt a.M. 1990, S.42 27 zu einer argumentativen Debatte zwingen, welche wiederum die Folgeentscheidungen ermöglicht und sinnvoll erscheinen läßt.

[59] Neidhardt 1994, S. 14

[60] Ebd., S.20 f.

[61] Vgl. ebd.

[62] Ebd.

[63] Vgl. Neidhardt 1994, S.15

[64] Vgl. Grunig, James und Hunt, Todd: im Internet: http:// www.asu.edu/cronkite/thesis/kimhill/methods.htm, 21.05.2001

[65] Vgl. ebd.

[66] Vgl. Carl Hundhausen: Public Relations. Theorie und Systematik., Berlin /New York 1969, S. 21

[67] Vgl. Gernot Bauer: ECON Handbuch Ö ffentlichkeitsarbeit, München 1993, S.28

[68] Franz Ronneberger: Legitimation durch Information, 1977; zitiert aus: Haedrich, Günther / Günter Ronneberger zielt also weniger auf eine Definition, sondern auf die Rahmenbedingungen der PR/Öffentlichkeitsarbeit ab.

[69] Vgl. Bauer 1993, S. 30

[70] Wolfgang Ambrecht in Gernot Bauer: ECON Handbuch, 1993, S. 29

[71] Jarchew, zitiert aus: Gernot Bauer: ECON Handbuch, 1993, S. 30

Details

Seiten
114
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638132183
Dateigröße
830 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v5276
Institution / Hochschule
Universität Bremen – Kulturwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Public Relations PR NGO NRO Nichtregierungsorganisation

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Bedeutung und Möglichkeit von Öffentlichkeitsarbeit in Nichtregierungsorganisationen