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Exegese Mt 8,23-27 (Das Rettungswunder von der Stillung des Sturmes)

Hausarbeit 2005 20 Seiten

Zusammenfassung

Eine Zufügung οι μαθηται lesen die zweite Hand des Codex Ephraemi
rescriptus (C2), die Majuskel L, die Minuskelfamilie f13, der Mehrheitstext, der Altlateiner h und der Kirchenvater Eusebius. Eine Zufügung οι μαθηται αυτου lesen die erste Hand des Codex Ephraemi rescriptus (C*), die Majuskeln W und Θ, die Minuskelfamilie f1, die Minuskel 1424 und andere, die Altlateiner b g1 (q), die Vulgata Clementia, die gesamte syrische und die mittelägyptische Überlieferung. Den vorliegenden Text ohne Zufügung bezeugen der Codex Sinaiticus (a) und Codex Vaticanus (B), die Minuskeln 33 (wie es scheint, aber keine sichere Lesart) und 892, die Lektionare 844 und 2211, altlateinische und Vulgata Handschriften, die sahidische und die bohairische Überlieferung. [...]

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Übersetzung

2. Textkritik am Beispiel von Mt 8,25
2.1. Äußere Bezeugung
2.2. Innere Bezeugung und abschließendes textkritisches Urteil

3. Textanalyse Mt 8,23-27
3.1. Abgrenzung des Textes
3.2. Kontextstellung
3.3. Textaufbau

4. Literarkritik
4.1. Allgemeines
4.2. Synoptischer Vergleich (Mt 8,23-27; Mk 4,35-41; Lk 8,22-25)

5. Gattungsbestimmung

6. Einzelexegese

7. Zusammenfassung

8. Literaturverzeichnis

1. Übersetzung

23 Kai embanti autw eiV to ploion hkolouqhsan autw oi maqhtai autou.

Und als er in das Boot einsteigt, folgten ihm seine Jünger nach.

24 kai idou seismoV megaV egeneto en th qalassh, wste to ploion kaluptesqai upo twn kumatwn, autoV de akaqeuden.

Und siehe, ein heftiger Sturm entstand auf dem Meer, so dass das Boot bedeckt wurde (wörtl.= wird) von den Wellen, er aber schlief.

25 kai proselqontoV hgeiran auton legonteV kurie, swson, apollumeqa.

Und nachdem sie herangekommen waren, weckten sie ihn auf und sprachen (wörtl.= sprechen): „Herr, bewahre uns vor dem Tode, wir sterben.“

26 kai legei autoiV Ti deiloi este, oligopistoi; Tote egerqeiV epetimhsen toiV ane- moiV kai th qalassh, kai egeneto galhnh megalh.

Und er spricht zu ihnen: „Was seid ihr furchtsam, ihr Kleingläubigen?“ Darauf stand er auf, bedrohte die Winde und das Meer, und es entstand eine große Stille.

27 oi de anqrwpoi eqaumasan legonteV potapoV estin outoV oti kai oi anemoi kai h qalassa autw upakouousin;

Die Menschen aber erstaunten und sprachen (wörtl.= sprechen): „Was ist er für einer, dass sogar die Winde und das Meer auf ihn hören?“

2. Textkritik am Beispiel von Mt 8,25

2.1. Äußere Bezeugung

Eine Zufügung oi maqhtai lesen die zweite Hand des Codex Ephraemi rescriptus (C2), die Majuskel L, die Minuskelfamilie f13, der Mehrheitstext, der Altlateiner h und der Kirchenvater Eusebius.

Eine Zufügung oi maqhtai autou lesen die erste Hand des Codex Ephraemi rescriptus (C*), die Majuskeln W und Q, die Minuskelfamilie f1, die Minuskel 1424 und andere, die Altlateiner b g1 (q), die Vulgata Clementia, die gesamte syrische und die mittelägyptische Überlieferung.

Den vorliegenden Text ohne Zufügung bezeugen der Codex Sinaiticus (a) und Codex Vaticanus (B), die Minuskeln 33 (wie es scheint, aber keine sichere Lesart) und 892, die Lektionare 844 und 2211, altlateinische und Vulgata Handschriften, die sahidische und die bohairische Überlieferung.

2.2. Innere Bezeugung und abschließendes textkritisches Urteil:

Die erste Lesart oi maqhtai kommt wegen ihrer relativ geringen äußeren Bezeugung als ursprüngliche Lesart meines Erachtens nicht in Betracht.

Dagegen sind die beiden anderen Lesarten relativ gleichwertig, denn die Lesart oi maqhtai autou wird von einer ganzen Reihe Zeugen vertreten, für die Variante des vorliegenden Textes nach Nestle-Aland27 spricht wiederum die Bezeugung wichtiger Handschriften wie Codex Sinaiticus und Codex Vaticanus, beide aus dem 4. Jahrhundert und damit die ältesten hier genannten Zeugen.

Bei der Lesart oi maqhtai autou handelt es sich zweifelsfrei um die längste Lesart. Da diese Variante sehr wahrscheinlich später als Erklärung hinzugefügt wurde, lässt sich hier die Regel „lectio brevior lectio potior“ anwenden. Das lässt sich einmal damit begründen, dass bereits zwei Verse zuvor in 8,23 erwähnt wird, dass die Jünger (nämlich oi maqhtai autou) Jesus auf das Boot nachfolgten. Es ist also dem Leser bereits bekannt und er kann sich in 8,25 aus dem Kontext erschließen, dass es die Jünger gewesen sein müssen, die Jesus weckten. Des weiteren spricht für die kürzere Lesart, dass sie durch die ältesten vorliegenden Zeugen vertreten wird und sich daher die Zufügung oi maqhtai autou daraus entwickelt hat.

Meines Erachtens stellt also die vorliegende Lesart von Nestle-Aland27 die ursprüngliche dar. Die Fakten bezüglich des Kontextes und des Alters der Handschriften sprechen dafür, dass sowohl oi maqhtai als auch oi maqhtai autou eine jeweilige Zufügung darstellen.

3. Textanalyse Mt 8, 23-27

3.1. Abgrenzung des Textes

Das 8. Kapitel des Matthäusevangeliums ist vor allem durch Wundergeschichten geprägt. Das Rettungswunder von der Stillung des Sturmes folgt auf die Nachfolgeworte Jesu in Mt 8,18-22 als Nachfolgegeschichte. Sie wird durch kai embanti autw markiert und weist auf eine neue Handlung hin. Inhaltlich bezieht sich der Beginn der Perikope auf Mt 8,18, wo Jesus befiehlt, ans andere Ufer des Sees zu fahren. Die Nachfolgeworte Jesu 8,19-22 bilden somit einen Einschub. Der folgende Vers 28a kai elqontoV autou eiV to peran bezieht sich auch noch auf die Sturmstillungsgeschichte, da hier das Ziel der Überfahrt genannt ist.

3.2. Kontextstellung

Dem 8. Kapitel des Matthäusevangeliums geht die Bergpredigt voraus (Mt 5-7), in der im Sinne des Evangelisten die Lehre Jesu repräsentiert wird. Die darauf folgenden Wundergeschichten zeigen die Taten Jesu als Beweis seiner Vollmacht. Auf drei Heilungswunder folgen die Worte von dem Ernst der Nachfolge, nach denen wiederum das Wunder von der Sturmstellung gestellt ist. Hierauf folgen erneut zwei Heilungswunder. Es fällt somit auf, dass es sich bei der Perikope Mt 8,23-27 um das einzigste Natur- bzw. Rettungswunder handelt. Inhaltlich ist hierbei wichtig, dass es um den „Kleinglauben“ der Jünger Jesu und um mangelndes Vertrauen in die Vollmacht Jesu geht.

3.3. Textaufbau

Die Einleitung in Vers 23 besteht aus einer kurzen Situationsangabe. Jesus und seine Jünger steigen in ein Boot, um an das andere Ufer zu gelangen, wie es bereits in Mt 8,18 angekündigt worden ist (ekeleusen apelqein eiV to peran). Die Einleitung enthält nur das allernötigste Material.[1] Die Jünger werden erwähnt als die später „zu Rettenden“. Sie bilden das Subjekt des Verses und sind damit die tragenden Gestalten der Wundergeschichte. Die Erwähnung des Bootes bildet die Voraussetzung für eine Seegeschichte. Jesus selbst wird nur indirekt erwähnt. Er stellt das Ziel der Jünger in Ihrer Nachfolge dar und wird nur im Personalpronomen genannt, namentlich tritt er dagegen in Vers 22 im unmittelbaren Kontext auf.

Die Notsituation wird ziemlich ausschweifend dargestellt und bildet den Auftakt des eigentlichen Rettungswunders. Diese Notsituation lässt sich in einen äußeren und einen inneren Bereich aufteilen.[2] Die äußere Notlage erweist sich im naturellen Bereich aufgrund der Bedrohung durch die Elemente Wasser und Wind, die innere Notlage entsteht infolge des Schlafens Jesu, das ein Entziehen des Wundertäters darstellt (V.24c).[3]

In Vers 25 folgt die Bitte der Jünger um Rettung und in Vers 26 der Jüngertadel durch Jesus. Beides bildet als „Kurzdialog“ das Zentrum der Wundergeschichte.

Die Beseitigung der Notsituation erfolgt im eigentlichen Rettungsakt. Auch hier wieder auf personaler und natureller Ebene: Die Gefahr wird durch das Bedrohen der Elemente seitens des Wundertäters beseitigt (V.26b) und die Elemente kommen zum Schweigen als Reaktion auf den Wunderakt (V.26c).

Hierbei fällt auf, dass die Schilderung des Wunders selbst sehr knapp gehalten ist, nachdem zuvor ein besonderes Augenmerk auf die enormen Naturgewalten gelegt wurde.

Das Ende der Perikope bildet Vers 27 mit dem Chorschluss. Er rundet die Sturmstillungserzählung ab. Im Gegensatz zum Beginn der Erzählung sind hier jedoch oi anqrwpoi statt der Jünger als Subjekt eingeführt.

Die Analyse des Textaufbaus zeigt, dass die vorliegende Perikope „als Ringkomposition chiastisch aufgebaut“[4] ist. Der Kurzdialog zwischen den Jüngern und Jesus steht im Zentrum. Der innere Rahmen wird durch die Schilderung der Notsituation und deren Beseitigung gebildet und den äußeren Rahmen stellen die Situationsangabe und der Chorschluss als Auftakt und Abschluss dar.[5] Das heißt, „die Worte der Jünger und Jesu, Jesu „Schlafen“ und „Aufstehen“, das „große Beben“ und die „große Windstille“ entsprechen sich antithetisch“.[6]

[...]


[1] Vgl. R. Kratz, Rettungswunder, S. 221

[2] Vgl. ebd., S. 222

[3] Vgl. ebd.

[4] U. Luz, Das Evangelium nach Matthäus, S. 21

[5] Vgl. R. Kratz, Rettungswunder, S. 222

[6] U. Luz, Das Evangelium nach Matthäus, S. 21

Details

Seiten
20
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638484787
ISBN (Buch)
9783656800859
DOI
10.3239/9783638484787
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Erscheinungsdatum
2006 (März)
Note
1
Schlagworte
Exegese Rettungswunder Stillung Sturmes) Exegetisches Proseminar Neues Testament

Autor

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Titel: Exegese Mt 8,23-27 (Das Rettungswunder von der Stillung des Sturmes)