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Förderung der Zweitsprache Deutsch: Schlüssel zu höherer Bildung von Migrantenkindern

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 14 Seiten

Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung

1. Migrantenkinder und Sprachbarrieren im deutschen Bildungswesen

2. Mangelnde Deutschkenntnisse türkischer Migrantenkinder als Bildungsproblem
2.1 Bilingualer Kinderwortschatz und die Rolle der Schule
2.2 Bilinguale Wortschatzentwicklung bei Migrantenkindern vom Vor- bis ins Grundschulalter: Vorbereitungs- und Förderklassen sowie muttersprachlicher Ergänzungsunterricht
2.3 Lesegewohnheiten von Migranten

3. Bildungserfahrung und -information türkischer Eltern und deren Konsequenzen
3.1 Kontakt zwischen Schule und Elternhaus: Kommunikationsprobleme
3.2 Konsequenzen für die Schullaufbahn der Kinder

4. „Mama lernt deutsch“

5. Resümee

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Seminararbeit ist entstanden im Rahmen des Hauptseminars „Perspektiven und Forschungsfelder der Bildungssoziologie“ am Soziologischen Institut der Universität Heidelberg.

Das gewählte Thema dieser Arbeit soll als Schnittstelle meiner beiden Studiengänge Germanistik und Soziologie fungieren, angeregt durch das Thema meines Referats in diesem Seminar, die „PISA-Studie“.

Indem diese das erschreckende Ergebnis brachte, dass gerade in Deutschland immer noch die soziale Herkunft über den Schulerfolg und damit die Zukunft eines Menschen entscheidet, verbunden mit der Erkenntnis, dass Lesekompetenz der Schlüssel zu Schulerfolg, intellektueller Entwicklung und damit Teilhabe am modernen gesellschaftlichen Leben bedeutet – zwei im ersten Moment nur mittelbar zusammenhängende Einsichten – versuchte ich diese beiden Aspekte in einen Zusammenhang zu stellen.

Es darf angenommen werden, dass alle in Deutschland am Sprach- und Bildungserwerb Beteiligten Mehrsprachigkeit positiv und als etwas im gesamtgesellschaftlichen Interesse Erstrebenswertes betrachten. Dabei stellt sich jedoch die Frage, welche sozialen Problemlagen und sprachlichen Ideologien behindern oder verzerren den Erwerb von und den Umgang mit Mehrsprachigkeit? Einerseits ist der Erwerb von Fremdsprachen durchweg positiv konnotiert, andererseits wird Mehrsprachigkeit im Klassenzimmer eher als Hindernis denn als Chance angesehen.

Gerade Kinder von Zuwanderern sollte deshalb schon frühzeitig im Vorschulalter die deutsche Sprache nahe gebracht werden, um ihnen den Eintritt in das deutsche Schulsystem zu erleichtern und sprachlichen und damit schulischen Defiziten gegenüber deutschen Mitschülern vorzubeugen. Dies bedeutet gleichzeitig eine Miteinbeziehung der Eltern in diesen Lernprozess, die gleichsam sensibilisiert und integriert werden müssen, um ihren Kindern die bestmögliche Schulbildung bereitzustellen.

Diverse Maßnahmen und Projekte an deutschen Schulen sprechen dafür, dass dieses Bildungsproblem kein solches mehr bleiben muss.

1. Migrantenkinder und Sprachbarrieren im deutschen Bildungswesen

Von ausländischen Mitbürgern wird stets verlangt, dass sie sich unauffällig in das Gefüge der einheimischen Gesellschaft einordnen. In diesem Fall wird Integration als einseitiger Prozess und damit individuelles Problem dem Einzelnen zugeschoben. Dabei bedeutet Integration auch ein Mitwirken der „aufnehmenden“ Gesellschaft, die gleichsam eine große Rolle spielen sollte. Ihre Aufgabe ist es, dem ausländischen Mitbürger und seiner Familie eine Teilhabe an den von ihr geschaffenen Werten zu ermöglichen. Dies bedeutet, dass unsere Gesellschaft bestehende Statusgrenzen aufhebt und damit soziale Mobilität ermöglicht.[1]

Migrantenkinder sind die Kinder von deutschstämmigen Aussiedlern ebenso wie die Kinder von Arbeitsmigranten, auch wenn sie in Deutschland geboren sind und insofern über keine eigenen Migrationserfahrungen verfügen, sowie die Kinder anderer Personen ohne deutsche Staatsbürgerschaft, d.h. die Kinder von Unionsbürgern aus den EU-Mitgliedsländern und die Kinder von „Drittstaatlern“, insbesondere von Asylbewerbern und Asylberechtigten, von Kontingent- und Konventionsflüchtlingen, von Kriegs- bzw. Bürgerkriegsflüchtlingen sowie von Staatenlosen und Personen, deren Staatsangehörigkeit unbekannt ist.[2]

In diesem Zusammenhang trägt auch das deutsche Bildungswesen und die deutsche Schule erhebliche Verantwortung in ihrer Aufgabe der individuellen Förderung eines jeden Schülers und damit Migrantenkindern, gerade weil in der Bundesrepublik die Ausbildungs- und Berufschancen entscheidend von der schulischen Bildungskarriere abhängen. Die öffentliche Schule hat rechtlich gesehen die Aufgabe, kulturelle und historische Grundlagen des Gemeinwesens zu vermitteln, wozu in erster Linie die deutsche Sprache als Bestandteil der gemeinsamen, geschichtlich gewachsenen Identität und Kultur sowie als Staatssprache gehört.[3]

Eines der größten Hindernisse in der Schullaufbahn von Kindern aus Migrantenfamilien stellt jedoch nach wie vor gerade die sprachliche Kompetenz im Deutschen dar. Wie die PISA-Studie erneut zeigte, tut sich das Bildungswesen in der Bundesrepublik auch im internationalen Vergleich schwer, Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache schulisch optimal zu fördern.[4] Das wohl erschreckendste Ergebnis, das PISA lieferte, ist die Tatsache, dass bei uns immer noch die soziale Herkunft über den Schulerfolg entscheidet und damit über die Zukunft des einzelnen Menschen. Der Anteil der Schüler, deren Eltern beide zugewandert sind liegt in der Gruppe der in PISA identifizierten extrem schwachen Leser bei 20 Prozent. Fast 50 Prozent der 15-jährigen Jugendlichen aus zugewanderten Familien überschreiten die elementare Kompetenzstufe im Lesen nicht. Weiterhin scheinen sich die sprachlichen Defizite kumulativ negativ auf die Lernzuwächse in den Sachfächern auszuwirken, sodass auch die Kompetenzdefizite im mathematischen und naturwissenschaftlichen Bereich im Schulverlauf tendenziell zunehmen.[5]

Der überwiegende Teil der Migrantenkinder wurde in Deutschland bereits eingeschult. Sprachbarrieren stellen jedoch vor allem für ältere Schüler, die ohne Deutschkenntnisse nach Deutschland gekommen sind, eine erhebliche Hürde dar.[6]

Dabei lässt sich die Bedeutung der Sprachkompetenz für die Bildungs- und Berufskarriere für Jugendliche und junge Erwachsene ausländischer Herkunft klar belegen: Eine repräsentative Bevölkerungsbefragung aus dem Jahre 1999 zeigt, dass 25- bis 55-jährige Zuwanderer, die angeben, sehr gut bzw. gut Deutsch zu sprechen, sich in der Anzahl der Bildungsjahre der deutschen Referenzgruppe annähern. Zum Vergleich: Die Anzahl der Bildungsjahre der Deutschen beträgt im Durchschnitt 12,1 Jahre, die der Aussiedler 11,9 Jahre und die der Ausländer 11,6 Jahre. Was das Brutto-Erwerbseinkommen betrifft, so verringert sich der Unterschied zwischen Zuwanderern und Deutschen auch hier mit zunehmender Beherrschung der deutschen Sprache.

[...]


[1] Vgl. Hischer, E. (Hrsg.): Aufgaben der Psychologie in Erziehungswissenschaft und Gesellschaft. Rheinstetten 1981, S.117

[2] Vgl. Herwartz-Emden: Einwandererkinder im deutschen Bildungswesen. In: Cortina, K.S. u.a. (Hrsg.): Das Bildungswesen der Bundesrepublik Deutschland, Rheinbek 2003, S.662

[3] Vgl. ebd., S.708

[4] Vgl. ebd., S.661

[5] Vgl. ebd., S.692

[6] Vgl. ebd., auch im folgenden, S.661f.

Details

Seiten
14
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638487085
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v53193
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
2,0
Schlagworte
Förderung Zweitsprache Deutsch Schlüssel Bildung Migrantenkindern Hauptseminar

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