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Möglichkeiten der Entwicklung des Freizeitsports Tauchen unter besonderer Berücksichtigung regionaler Aspekte

Magisterarbeit 2005 137 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportarten: Theorie und Praxis

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Problem- und Zielstellung

2. Theoretischer Teil der Arbeit
2.1 Entwicklung des Tauchens
2.1.1 Die Geschichte des Tauchens 6
2.1.2 Die Entwicklung des Tauchens in Verbänden, Vereinen und Organisationen
2.1.3 Ausbildungswege und Möglichkeiten im Tauchsport
2.2 Freizeit im Brennpunkt unserer Zeit
2.2.1 Eine Begriffsbestimmung von Freizeit 21
2.2.2 Geschichtlicher Aufriss und Entwicklungen im Freizeitbereich
2.2.3 Grundaussagen zum Freizeitsport
2.2.4 Einflussfaktoren für Entwicklungen im Freizeitsport
2.3 Wissenschaftliche Fragestellung und Hypothesen

3. Untersuchungsmethodik
3.1 Untersuchungsmethoden
3.2 Kennzeichnung der Probanden
3.3 Auswertungsverfahren
3.4 Methodenkritik

4. Darstellung und Diskussion der Untersuchungsergebnisse
4.1 Darstellung der Untersuchungsergebnisse
4.1.1 Standortanalyse
4.1.2 Mündliche Befragung
4.1.3 Schriftliche Befragung
4.2 Darstellungen der Hypothesenprüfung
4.2.1 Der Einflussfaktor persönliche Interessen
4.2.2 Der Einflussfaktor Informationsmanagement
4.2.3 Der Einflussfaktor Zeitbudget
4.2.4 Der Einflussfaktor finanzielle Ressourcen
4.3 Diskussion der Untersuchungsergebnisse
4.3.1 Die Ergebnisse der Standortanalyse
4.3.2 Die Ergebnisse der schriftlichen Befragung
4.3.3 Die Ergebnisse der Hypothesenprüfung
4.3.4 Beantwortung der wissenschaftlichen Fragestellung

5. Zusammenfassung und Schlussfolgerung

Anhang

A Tabellenanhang

B SPSS – Outputs

C Email VDST

D Fax Landratsamt

E Fragebogen

F Gesprächsleitfaden

G Literatur

H Quellenverzeichnis

0. Einleitung

„Sitzt man nach einem erfolgreichen Tauchgang wieder im Boot, in Hitze oder Kälte, hat man alles sorgfältig geprüft, gereinigt und verstaut, denkt man an die Fotos oder Filmaufnahmen, die man aus der Tiefe mit nach oben gebracht, an die Tiere, die man gesehen, die Abenteurer, die man erlebt hat, dann fühlt man, wie der Körper zufrieden ist, wie der Geist sich erholt hat und wie die vergangene Stunde zu etwas Besonderem geworden ist.“ (vgl. Hass, 1996, 7)

„Faszination Unterwasserwelt“ - schwerelos, frei in eine fremde Welt gleiten, die Natur erleben, wie nirgendwo - das muss etwas Besonderes sein! Immer mehr Menschen begeistern sich für diese Sportart und erkunden Seen, Flüsse und Meere weltweit. Besonders ausländische Tauchorte, wie Ägypten, die Malediven, die Seychellen und andere sind für die Urlaubsreisenden von besonderem Interesse. Diese wunderbare Welt mit ihren Riffen, Korallen und unzählig schönen und einzigartigen Fischen lassen das Tauchen zu einem unvergesslichen Erlebnis werden.

Aber auch in Deutschland hat sich der Tauchsport etabliert. In den 90er Jahren hat er auf Grund seiner Natur- und Erlebnisorientierung seine Boomzeit erlebt. Zahlreiche Tauchvereine sind entstanden und die Zahl der Mitglieder in Tauchverbänden, wie dem Verband Deutscher Sporttaucher (VDST), stieg beträchtlich an. Zu den attraktivsten Tauchzielen in Deutschland zählen bspw. die Ostsee, der Bodensee, der Kulkwitzsee, die es den Menschen ermöglichen, unabhängig von einer Urlaubsreise den Tauchsport in ihrer Freizeit auszuüben.

Die „Faszination Unterwasserwelt“ bestimmt auch seit Mitte der 90er Jahre meinen persönlichen Lebensweg. Erste Erfahrungen mit dem Tauchen sammelte ich als Pioniertaucher bei der Bundeswehr. Sie prägten meinen Berufswunsch Sportwissenschaften zu studieren und mein (gewordenes) Hobby zu professionalisieren. Seither habe ich Erfahrungen im Tauchsport insbesondere in Gewässern Sachsens gesammelt und die Ausbildung vom Taucher zum Tauchlehrer absolviert. Dieses persönliches Interesse am Tauchsport führten zum Wunsch, meine Abschlussarbeit zum Thema „Möglichkeiten der Entwicklung des Freizeitsports Tauchen unter besonderer Berücksichtigung regionaler Aspekte“ zu schreiben und mich mit Chancen der Etablierung des Tauchsports in der Region Chemnitz und Umgebung auseinander zu setzen.

1. Problem- und Zielstellung

Wie eingangs erwähnt, hat sich der Tauchsport nicht nur auf internationaler Ebene sondern auch auf nationaler Ebene etabliert. Immer mehr Menschen gehen dem Tauchsport in ihrer Freizeit nach und erkunden die deutsche Unterwasserwelt.

Nimmt man diese in der Literatur ausgewiesene Sachlage zum Ausgangspunkt der Betrachtungen, kann man die Fragestellung aufwerfen, welche Entwicklungsmög-lichkeiten der Freizeitsport Tauchen unter besonderer Berücksichtigung regionaler Aspekte (im Rahmen dieser Arbeit die Region Chemnitz und Umgebung) bietet.

Entwicklung soll im Kontext dieser Arbeit als jene Frage verstanden werden, welche Chancen der Etablierung des Freizeitsports Tauchen im Sinne von Wachstums-potentialen bestehen. Um diese Frage zu klären, müssen Einflussfaktoren für eine solche Entwicklung bestimmt, auf die Region bezogen und im Rahmen einer empirischen Untersuchung erforscht werden.

Deshalb werden im Rahmen dieser Arbeit theoretische Konzeptionen zur Freizeit, zum Freizeitsport und insbesondere dem Tauchsport dargestellt. Darin eingeschlossen werden Einflussfaktoren identifiziert und beschrieben, die die Entwicklung von Freizeitsportarten, speziell dem Tauchen beeinflussen. Daraus leiten sich die wissenschaftliche Fragestellung und die Hypothesen der Arbeit ab. Nachfolgend wird die Methodik der empirischen Untersuchung vorgestellt, die Ergebnisse der Studie präsentiert und die formulierten Hypothesen geprüft.

Die Diskussion der gewonnenen Ergebnisse soll die Frage „Bestehen Chancen der (weiteren) Etablierung des Freizeitsports Tauchen in Chemnitz und Umgebung? - Welche Faktoren beeinflussen das Interesse der Bevölkerung am Tauchen und tragen zur Entscheidung bei, diesen in der Freizeit regional auszuüben?- “ beantworten. Abschließend werden in einem Ausblick insbesondere gesellschaftliche und infrastrukturelle Entwicklungen skizziert, die für die (weitere) regionale Entwicklung des Tauchsports von Bedeutung sein können.

2. Theoretischer Teil der Arbeit

„Tauchen , im allgemeinen Sinn der Aufenthalt von Menschen und anderen Luft atmenden Lebewesen unter der Wasseroberfläche. Das Tauchen wird heutzutage als Beruf, Sport oder zur Freizeitgestaltung ausgeübt. In erster Linie ist dabei das Tauchen mit Hilfsgeräten gemeint.“ (vgl. Encarta)

2.1 Entwicklung des Tauchens

Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit der Geschichte des Tauchens, der Entwicklung des Tauchens in Verbänden, Vereinen und Organisationen sowie mit Ausbildungswegen und Möglichkeiten des Tauchens in der heutigen Zeit.

2.1.1 Die Geschichte des Tauchens

Tauchen im geschichtlichen Aufriss berücksichtigt die Frühphase des Tauchens, die Tauchglocke als erstes technisches Hilfsmittel, die Tauchkammer, das Helmtauchen bis hin zu den Entwicklungen des autonomen Tauchgeräts.

Frühphase des Tauchens

Der Wunsch des Menschen sich hinab ins Meer zu begeben, geht bis weit in die Geschichte zurück. Da man kaum sagen kann, wann dies zum ersten Mal geschehen ist, nehmen Historiker an, dass es etwa 5.000 Jahre v. Chr. war. Die älteste, überlieferte Darstellung eines Mannes unter Wasser ist wahrscheinlich die eines Tauchers auf einem assyrischen Relief aus dem Jahr 885 v. Chr. (vgl. Webdiver, 2002).

Erst mit dem sozialen Fortschritt und dem aufstrebenden Handel erkannte man, dass sich mit Tauchen auch Geld verdienen ließ. Man tauchte nach Korallen, Schwämmen, Perlen und natürlich auch nach verlorengegangener Fracht oder gesunkenen Schiffen. Tauchen wurde eines Tages zum Beruf. Geübte Berufstaucher boten außerdem ihre Dienste an, um Hafenanlagen und Brücken zu bauen oder Fundamente zu legen. Dennoch wurde nicht nur aus wirtschaftlichem Interesse getaucht, sondern auch für militärische Zwecke (vgl. Sténuit In: Hass, 1996).

Erste technische Hilfsmittel – Die Taucherglocke

Die ersten Tauchversuche mit technischem und wissenschaftlichem Hintergrund fanden vermutlich unter Alexander den Großen um 322 v. Chr. statt, wie Aristoteles in seiner „Problemata“ erwähnt.

1250 wurden erstmals in einem französischen Manuskript technische Details einer Taucherglocke genannt.

Um 1294 erwähnte der englische Mönch Roger Bacon kurz die Glocke des Mazedoniers. Er spricht von einer Maschine oder einem Luftreservoir, zu dem die Arbeiter von den Wracks hinschwimmen konnten, um Luft zu holen.

Um die Wracks der berühmten „schwimmenden Tempel“ des Nemisees in Italien zu erforschen, wurde 1531 mit Erfolg eine Tauchglocke eingesetzt. Zu dieser Zeit war es schon möglich so über eine Stunde unter Wasser zu bleiben. In vorwiegend spanischen, französischen und englischen Archiven findet man Dokumente aus dem 17. und 18. Jahrhundert, die bestätigen, dass diese Geräte für das Bergen versunkener Schätze durchaus geläufig waren (vgl. Sténuit In: Hass, 1996).

Die erste wirklich fortschrittliche Unterwasserbasis hatte 1690 Sir Edmund Halley entwickelt. Er ließ eine Taucherglocke patentieren, die über eine Leitung mit luftgefüllten Fässern verbunden war. Sowohl die Glocke, als auch die Fässer wurden in die Tiefe hinabgelassen, wobei sich die Taucher in der Glocke befanden. Es wurde bewiesen, dass Tauchglocken für die Unterwasserwelt geeignete Geräte sind (vgl. Uhlmann, 2002).

Leider haben weder Halley noch seine Nachfolger die Idee von Denis Papin, der als erster an die Benutzung von Pumpen oder Blasebälgen dachte, weiter verfolgt.

John Smeaton, setzte erstmalig 1788 eine Luftpumpe für Frischluft in der Tauchglocke ein. Diese Tauchmaschine war ein großer Fortschritt und diente als Vorbild für die Druckkammern, die noch heute bei Unterwasserarbeiten benutzt werden (vgl. Sténuit In: Hass, 1996).

Die Tauchkammer

Ein weiterer Erfinder war der Engländer John Lethbridge, der 1715 aus Not heraus ein Tauchgerät, das aus einem durch Eisenringe verstärkten Fass bestand, entwickelte. Der Taucher konnte liegend in diesem Fass durch eine Glasscheibe den Meeresboden beobachten. Die Arme wurden durch zwei Öffnungen gesteckt und ermöglichten es so dem Taucher unter Wasser einfache Arbeiten auszuführen. Dieses Fass von Lethbridge hatte, wie auch die anderen Taucherglocken allerdings einen entscheidenden Nachteil: Die Taucher mussten nach einer gewissen Zeit an die Oberfläche zurückkehren, da die Luft in der Glocke verbraucht war (vgl. Clauss; Villino; Wolf, 2002).

Helmtauchen

Der englischer Entdecker Charles Anthony Deane, lässt 1823 seinen "Rauchhelm" für die Brandbekämpfung patentieren, der wenige Jahre später zum Tauchen benutzt wurde. Über einen Schlauch erfolgte die Luftversorgung von der Wasseroberfläche aus. 1828 vermarkten Charles und sein Bruder John Deane diesen Helm zusammen mit einem Tauchanzug.

Der in Deutschland geborene und in England lebende Erfinder August Siebe verbindet 1839 den Taucherhelm der Gebrüder Deane mit einem wasserdichten luftgefüllten Gummianzug. Dieser geschlossene Tauchanzug wurde mit einer Pumpe an der Wasseroberfläche verbunden. Es wird der erste wirklich effektive Standardanzug entwickelt, der noch heute bei den eingesetzten Helmtauchgeräten als Prototyp gilt. In seinem Nachruf wird Siebe als der Urvater des Tauchens bezeichnet (vgl. Uhlmann, 2002).

Das autonome Tauchgerät

Die Franzosen Benoit Rouquayrol, ein Bergbauingenieur und Auguste Denayrouse, ein Marineleutnant, patentieren 1865 einen Apparat für das Atmen unter Wasser. Es bestand aus einem Stahlbehälter für Pressluft auf dem Rücken des Tauchers, der über eine Anordnung von Ventilen mit einem Mundstück verbunden war. Dieses, auch "Aerophore" genannte Gerät, lieferte nur dann Luft, wenn der Taucher einatmet. Dies geschah u.a. über eine Steuermembrane, die auch den Umgebungsdruck berücksichtigte; also praktisch der erste Atemregler. Die "Aerophore" ist der Vorläufer der modernen Tauchausrüstung (vgl. Sténuit In: Hass, 1996).

Der englische Händler und Seefahrer Henry A. Fleuss entwickelte 1876 das erste Tauchgerät, das mit reinem Sauerstoff anstelle von Pressluft betrieben wurde. Dieser Prototyp eines geschlossenen Kreislaufgerätes gilt auch als Vorläufer der modernen Geräte, wie sie heute z.B. von Militärtauchern benutzt werden. Die Tauchtiefen waren beschränkt, aber der Apparat ermöglichte relativ lange Tauchzeiten von bis zu drei Stunden (vgl. Uhlmann, 2002).

1942 - 1943 arbeiten Jacques-Yves Cousteau, ein französischer Marineleutnant und Emile Gagnan, ein Ingenieur von Air Liquide, gemeinsam für eine Pariser Erdgas-gesellschaft , mit dem Ziel einen Atemregler zu entwickeln, der schon bei leichtem Einatmen automatisch Pressluft liefert. Im Januar 1943 wird diese Entwicklung von Costeau in der kalten Marne (Fluss bei Paris) getestet.
Der Gagnan-Cousteau Regler, auch "Aqua Lung" genannt, veränderte das Tauchen grundlegend. Der einfache Aufbau und die solide Konstruktion machten ihn zu einem zuverlässigen und preiswerten Atemregler für das Sporttauchen. Die begonnene Produktion des Reglers bei Air Liquide konnte die Nachfrage kaum decken. Mitbewerber erkannten das Potential dieser Technik und brachten gleiche oder leicht modifizierte Geräte auf den Markt. Diese Erfindung war eine technische Revolution. Sie schufen für Wissenschaftler, Ingenieure und Sportler die Möglichkeit zur umfangreichen Erforschung der Welt unterhalb der Wasseroberfläche (vgl. Sténuit In: Hass, 1996).

ABC – Ausrüstung

Guy Gilpatric, ein ehemaliger amerikanischer Pilot, der im südlichen Frankreich wohnt, benutzt als Erster eine Gummimaske mit eingesetzten Gläsern zum Schnorcheln. Seit Mitte der 30er Jahre sind dann Maske, Flossen und Schnorchel allgemein gebräuchlich. Flossen wurden 1933 von dem Franzosen Louis de Corlieu zum Patent angemeldet (er nannte sie "Schwimmpropeller") und später weltweit von dem amerikanischen Unternehmer Owen Churchill verbreitet. Die moderne Maske (schließt im Unterschied zu einfachen Schwimmbrillen Augen und Nase ein) entwickelte sich aus den Ideen verschiedener Leute. Dazu gehören z.B. der Russe Alec Kramarenko und die Franzosen Yves Le Prieur und Maxime Forjot (vgl. Uhlmann, 2002).

2.1.2 Die Entwicklung des Tauchens in Verbänden, Vereinen und Organisationen

Vor dem Boom in den 90er Jahren war das Tauchen eher eine gemächliche, sehr individualistische und exklusive Sportart, die meist von naturverbundenen Männern ausgeübt wurde (vgl. Scholl In: Hass, 1996).

Die ersten Vereine und Verbände entstanden in den 50er Jahren und hatten eine geringe Mitgliederzahl. So zählte zum Beispiel der VDST zwischen 1954 und 1960 in Deutschland nur ca. 500 – 1000 Mitglieder (vgl. Verband Deutscher Sporttaucher, o.J.). Erst mit dem Boom des Tauchsports entstanden viele Tauchvereine, die sich zu Verbänden zusammenschlossen und mit der Zeit zu nationalen und internationalen Verbänden etablierten. Laut Statistik des VDST gibt es in der Bundesrepublik ca. 300.000 – 600.000 ganzjährig aktive Sporttaucher, wobei die Zahl der Urlaubstaucher auf ca. 1.600.000 Gerätetaucher und die der Urlaubsschnorchler auf ca. 3 - 6 Millionen geschätzt wird (vgl. Reutzel, 2003). Durch die Entstehung von Tauchbasen und Tauchshops, werden die Tauchverbände und Tauchvereine heutzutage in gewerbliche und nichtgewerbliche Tauchorganisationen unterschieden:

- Nichtgewerbliche Tauchverbände und Tauchvereine

Die damaligen Strukturen der nichtgewerblichen Vereine und Organisationen sahen genau so aus wie die Sportarten, die kein großes Publikumsinteresse auslösten. Die einheitlichen Standards und vor allem das wirtschaftliche Interesse fehlten weitgehend. Die Ausbildung entsprach diesen Strukturen. Vor allem Berufs- oder Militärtaucher sowie tauchbegeisterte Ärzte fassten ihr Wissen und ihre Erkenntnisse systematisch zu einer Ausbildungsrichtlinie zusammen. Die Tauchausbildung war nach den seinerzeitigen Gegebenheiten und Kenntnissen sehr gründlich, aber auch sehr langwierig. Heute steht in den nichtgewerblichen Verbänden nicht nur die medizinische Tauglichkeit im Vordergrund, sondern auch auf Fitness im Sinne eines hohen sportlichen, psychischen und physischen Trainingsstandes des Tauchers wird großer Wert gelegt.

- Gewerbliche Tauchsportorganisation

Gewerblich orientierte Tauchverbände entwickelten sich mit dem Entstehen von Tauchbasen und speziellen Tauchshops. Die Verbände übernahmen die Rolle des Mittlers zwischen wirtschaftlichen Interessen und tauchsportlichen Grundsätzen. Diese Organisationen lehnen sich in der Ausbildung an die Richtlinien des jeweiligen nationalen Tauchsportverbandes an, der wiederum Mitglied in der Welttauchsportorganisation CMAS ist. Dementsprechend sind die meisten europäischen gewerblichen Tauchverbände in ihrem Ausbildungs- und Anforderungsprofil sehr eng mit dem Weltverband verknüpft, was somit die Internationale Anerkennung der Brevets dieser Verbände durch die CMAS zur Folge hat.

Im Gegensatz zu Europa hat das Tauchen als Freizeitsport in den Vereinigten Staaten und Kanada andere Wurzeln. Dort spielte bereits in den 60er Jahren das wirtschaftliche Interesse am Freizeittauchen eine wesentliche Rolle. In dieser Zeit setzte sich die Tauchorganisation PADI in Nordamerika durch und bestimmte maßgeblich alle Teile der Sporttauchwelt. In den 80er Jahre etablierte sich PADI auch in Europa und veränderte das Interesse am Tauchsport nachhaltig (vgl. Scholl In: Hass, 1996).

- Tauchverbände

Durch die Entwicklung des Tauchsports sind zahlreiche verschiedene Verbände entstanden. Zu den wichtigsten und größten Organisationen in Deutschland zählen:

- CMAS – Welttauchsportverband
- VDST – Tauchsportverband Deutschland
- Barakuda – größter gewerblicher Tauchsportverband Europas
- PADI – größter gewerblicher Tauchsportverband weltweit.
- CMAS

Die CMAS ( Confederation Mondiale des Activites Subaquatiques) ist der Welttauchsportverband. Vertreten in 90 Ländern ist er im sportlichen Vereinsbereich die Dachorganisation aller nationalen Organisationen. Jacques- Ives Cousteau war zusammen mit Vertretern aus 15 Ländern 1959 der Gründervater des Weltverbands. Mit über 70.000 Tauchlehrern, die nach einheitlichen Richtlinien ausbilden, ist die CMAS einer der Repräsentanten des Tauchsports (vgl. Scholl In: Hass, 1996).

- VDST

Der VDST (Verband Deutscher Sporttaucher e.V.) ist der einzige offizielle Tauchsportverband Deutschlands, der 1954 in Düsseldorf gegründet wurde und mit 70.000 Mitgliedern in ca. 920 Vereinen, aufgeteilt in 17 Landesverbände, einer der größten Mitgliedsverbände der CMAS ist. Der VDST hat die Entwicklung der Ausbildungsrichtlinien und Sicherheitsstandards des Tauchsports in Deutschland von Anfang an mitgestaltet. Neben dem Gerätetauchen engagiert sich der VDST im Wettkampfsport (Flossenschwimmen/ Streckentauchen, Freigewässer/ Langstreckentauchen, Orientierungstauchen und Unterwasserrugby). In diesen Disziplinen gibt es Nationalmannschaften, die an internationalen Wettkämpfen teilnehmen (vgl. Tiziano, 2002).

- Barakuda

Der „ International Aquanautic Club – Barakuda“ mit Sitz in Essen wurde 1949 gegründet und ist seit 1986 einer der führenden gewerblichen Organisationen Mitteleuropas. Mit weit über 600 Tauchlehrern und als Lizenznehmer von ca. 100 Tauchbasen weltweit sowie einem spezialisierten Tauchtouristikzweig wird Barakuda als Profi im Tauchgeschäft angesehen (vgl. Rubins, 2002).

- PADI

PADI (Professional Association of Diving Instractors) wurde 1966 in der USA als eine gewerbliche Organisation im Bereich des Tauchens gegründet. Bezogen auf die westlichen Länder Europas hatte PADI 1994 bei den Brevetierungen einen Marktanteil von ca. 55 – 62 % erreicht und ist sowohl in den USA als auch in Westeuropa Marktführer. Durch seine einfache Ausbildung für Jedermann hat es PADI seit Mitte der 80er Jahre geschafft, den europäischen Tauchmarkt völlig zu verändern (vgl. Scholl In: Hass, 1996).

Abbildung 2.1: Mitgliederzahlen in Deutschland in Verbänden

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Reutzel, 2003

International Padi, 2003

2.1.3 Ausbildungswege und Möglichkeiten im Tauchsport

Für die Ausbildung als Gerätetaucher wird das Tauchen in zwei Bereiche unterteilt: Das Sporttauchen und das aufgabenorientierte Tauchen.

Für die Verständlichkeit der Ausbildung im Sporttauchen wird sich im Folgenden näher auf die Richtlinien von CMAS und PADI konzentriert.

Ausbildungswege zum Sporttaucher

Die Möglichkeiten zur Nutzung des Tauchsports erfordern eine entsprechende Ausbildung. Vom Anfänger bis zum Tauchlehrer werden verschiedene Ausbildungsabschnitte durchlaufen. Als Grundvoraussetzung zum Erlernen des Tauchsports gilt eine medizinische Tauchtauglichkeitsuntersuchung, die als Sicherheit für die Tauchschüler bis hin zum Tauchlehrer unabdingbar ist.

Im Alter sind bei der Ausbildung zum Gerätetaucher nach oben keine Grenzen gesetzt. Die Mediziner sind sich aber noch nicht schlüssig, wie früh man das Tauchen, wegen eventueller Wachstums- und Entwicklungsstörungen, erlernen kann. In der Regel können Jugendliche zwischen 12 und 14 Jahren (CMAS) bzw. 12 und 15 (PADI) sich das Tauchen aneignen (vgl. Scholl In: Hass, 1996).

Eine wichtige Entscheidung bei der Wahl des Tauchverbandes ist, ob der Tauchschein international anerkannt wird und man auf der ganzen Welt die schönsten Tauchplätze und Reviere besuchen und betauchen kann.

- Anfängerausbildung

Tauchschüler, die nach CMAS Richtlinien ausgebildet werden, erhalten in Vorbereitung auf den Praxisteil einen umfassenden, theoretischen Überblick über das Tauchen. Die Ausbildung selbst findet im Wechsel von Theorie und Praxis statt. Am Anfang stehen die Eingewöhnung an die Unterwasserwelt sowie die notwendige Tauchausrüstung für die anschließende Praxis, die meist im Schwimmbad erfolgt.

Damit der Schüler nach dem Erlernen der Funktionsweise der Ausrüstung und der grundsätzlichen Tauchtechniken seine Freiwassertauchgänge absolvieren kann, muss er theoretische Zusammenhänge der Tauchphysik und der Tauchmedizin erlernen. Nach Ablegen von 5 Übungs- bzw. Freiwassertauchgängen und einer schriftlichen Theorieprüfung erhält der Tauchschüler sein erstes Brevet das CMAS*.

In der Ausbildung zum Open Water Diver (OWD) bei PADI wird die Theorie und

Praxis in 5 Module (Theorie/ Schwimmbad) unterteilt. Schon nach 3 Schwimmbad- und Theoriemodulen kann bei PADI der erste von mindestens 4 Freiwassertauchgängen unternommen werden.

In ihrem methodischen Ansatz sind die Ausbildungswege von CMAS und PADI zwar unterschiedlich, sie führen aber grundsätzlich zu gleichen Ergebnissen und werden international anerkannt.

- Ausbildungsstufen vom Taucher bis zum Tauchlehrer

Da man sich beim Tauchen bis zum Tauchlehrer entwickeln kann, müssen verschiedene Spezialkurse und Brevets, die Voraussetzungen sind, erlangt werden.

Die nächsten Ausbildungsstufen heißen bei CMAS das CMAS** Brevet und bei PADI der Advance Open Water Diver ( AOWD ). Diese Stufen sollen weitere Kenntnisse und Fertigkeiten auch für anspruchsvolle Situationen vermitteln. Um diesen Schritt gehen zu können müssen aber folgende Voraussetzungen eingehalten werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anschließend kann die Ausbildung zum CMAS*** oder PADI Divemaster fortgesetzt werden.

Die meisten Taucher, die diesen Ausbildungsweg eingehen, beabsichtigen eine anschließende Ausbildung zum Tauchlehrer. Für diese Ausbildung gibt es folgende Zulassungsvoraussetzungen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(vgl. Scholl In: Hass, 1996).

Für Taucher mit besonders großer Erfahrung und Einsatzbereitschaft gibt es noch das CMAS**** Brevet. Der Taucher muss 20 Jahre alt und mindestens 2 Jahre CMAS*** Taucher sein, 165 Tauchgänge davon 100 seit CMAS*** haben und einen Spezialkurs in Meeres- oder Süßwasserbiologie nachweisen.

Ausbildung zum Tauchlehrer

Im CMAS - System ist die Zulassung zur Tauchlehrerausbildung meistens von den Bestimmungen des Landesverbandes abhängig. Wenn der Taucher 18 Jahre alt ist, einem Mitgliedsverband der CMAS angehört, das CMAS*** – Brevet besitzt, seither mindestens 50 weitere Tauchgänge mit bestimmten Profil durchgeführt hat, eine ärztliche Tauchertauglichkeitsuntersuchung und bestimmte theoretische und praktische Teile der Ausbildung und Prüfung bestritten hat, kann er eine Tauchlehrerausbildung beginnen.

Bevor der ausgebildete Tauchlehrer berechtigt ist, den CMAS* Tauchschein auszubilden, muss er eine schriftliche Prüfung bestehen, einen Lehrvortrag halten und anschließend eine umfangreiche praktische Prüfung im Freiwasser bestehen (vgl. Scholl In: Hass, 1996).

In der Ausbildung bei PADI zum Instruktor (Tauchlehrer) muss man mindestens 18 Jahre alt sein, einen Nachweis von 100 Tauchgängen im Logbuch haben und ein brevetierter PADI Divemaster oder PADI Assistant Instruktor sein ( vgl. Windhör, o.J.).

Diese Ausbildung besteht aus einem neuntägigen Instructor Development Course (IDC) und einen 20 Prüfungsstunden umfassenden Instructor Examination (IE).

Der zertifizierte Instructor ist nach bestandenem Examen berechtigt und in der Lage, die Ausbildung bis hin zum Divemaster durchzuführen und Prüfungen abzunehmen (vgl. Scholl In: Hass, 1996).

Abbildung 2.2: Taucher Gesamtausbildungen in Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Martin; Dieter; Tom, 2003

Padi, 2003

Diese Ausbildungswege ermöglichen, das Tauchen als Freizeitsport aktiv auszuüben. Darüber hinaus zählen zum Sporttauchen, der Wettkampfsport Tauchen mit den Disziplinen Unterwasserrugby, Orientierungstauchen und Flossenschwimmen. Als der Weltverband CMAS im Jahre 1959 gegründet wurde, gab es nur eine einzige Wettkampfdisziplin, die "Unterwasserjagd", die auch heute noch in einigen Ländern als Wettkampfsport betrieben wird. Erst 1967 fand eine erste internationale Meisterschaft in Angera (Italien) statt, die spätere Wettkämpfe des Flossenschwimmens und des Orientierungstauchens zum Inhalt hatte. Seit 1970 haben sich diese beiden Disziplinen formal voneinander getrennt (vgl. Dr. Kienle, 2002).

- Unterwasserrugby

Im Gegensatz zu den anderen Wassersportarten ist Unterwasserrugby eine noch sehr junge Sportart. Sie entstand aus dem Bedürfnis, das eintönige Konditionstraining der Taucher im Hallenbad ein wenig spannender und abwechslungsreicher zu gestalten (vgl. Kremer, 2002).

- Orientierungstauchen

Das Orientierungstauchen ist für Taucher eine sehr interessante Disziplin. Sie verlangt vom ihm gleichzeitig technisches Verständnis, koordinative und konditionelle Fähigkeiten. In kürzestmöglicher Zeit müssen Orientierungspunkte (Bojen), die meistens im Freiwasser auf einer Tiefe von 2 - 5 m liegen, in einer bestimmten Reihenfolge angetaucht bzw. umtaucht werden.
Um den Taucher kontrollierbar und sichtbar zu machen, ziehen sie mit einer ca. 4m langen Leine eine Boje hinter sich her (vgl. Verband Deutscher Sporttaucher, o.J.).

- Flossenschwimmen

Flossenschwimmen ist eine geschwindigkeitsorientierte Leistungssportart, mit der Monoflosse kann man bis zu zwölf Stundenkilometer (12 km/h) erreicht. Auffällig und einzigartig ist der typische Stil; die Arme werden vom Sportler am Hinterkopf vorbei maximal nach vorne gestreckt. Die Sportler legen im Schwimmbad Wettkampfstrecken von 50 m, 100 m, 200m, 400 m, 800 m und 1500 m zurück. Im Freigewässer sind es je nach Gewässerbedingungen (Temperatur, Strömung) Wettkampfstrecken zwischen drei und 20 Kilometern. Geatmet wird durch einen

48 cm langen Schnorchel oder aus einem Druckluft-Tauchgerät unter Wasser (vgl. Irmer; Höfers, 2002).

Wettkampfartiges Tauchen

Daneben gibt es Tauchwettbewerbe, die nicht vom Sportkomitee der CMAS als offizielle Disziplinen anerkannt sind. Hierzu gehört beispielsweise das Apnoe -Tieftauchen (Tauchen ohne Gerät) mit immer neuen publikums- und medienwirksamen Rekordversuchen und Berichten über langes Atemanhalten unter Wasser. Diese Beschäftigungen sind aber eher als nicht zu unterbindende Formen der Selbstgefährdung anzusehen und genauso wenig dem ernsthaften Unterwassersport zuzuordnen wie Weltrekordversuche und Wettkämpfe im Unterwasserskat, Unterwasserschach, Unterwasserkarate oder Radfahren unter Wasser (vgl. Kienle, 2002).

Neben dem Sport- und Freizeittauchen, wird der Tauchsport auch aufgabenorientiert ausgeführt. Aufgabenorientiertes Tauchen bedeutet, dass eine auf die Aufgabe zugeschnittene präzise Planung des Tauchgangs, des Umfeldes sowie eines eventuell auftretenden Notfalls erfüllt werden muss. Das Tauchen ist hier nicht Selbstzweck, sondern dient einem Ziel: Durchführung von Unterwasserarbeiten, Erfüllung einer militärischen Mission, Erforschung einer Höhle oder eines Wracks (vgl. Comper In: Hass, 1996).

Dieses Tauchen grenzt sich vom Sporttauchen ab und wird in verschiedene Bereiche unterteilt:

- Tauchlehrer
- Gewerbliches Tauchen - Berufstaucher
- Militärtaucher ( Kampfschwimmer, Minentaucher, Pioniertaucher )
- Forschungstaucher
- Rettungstaucher.

Zusammenfassend lässt sich Tauchen in folgende Kategorien unterteilen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Freizeit im Brennpunkt unserer Zeit

Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit dem Themenspektrum Freizeit. Zur Annäherung an das Phänomen Freizeit werden neben einer Begriffsbestimmung, Entwicklungen im Freizeitbereich durch einen geschichtlichen Rückblick aufgezeigt. Aussagen zum Freizeitsport, im besonderen zum Tauchen sowie über Faktoren, die die Entwicklungen im Freizeitbereich maßgeblich bestimmen, wird ein weiterer Bestandteil dieses Kapitels sein.

2.2.1 Eine Begriffbestimmung von Freizeit

Grundsätzlich ist eine einheitliche Definition zum Begriff Freizeit nicht vorhanden. Was unter Freizeit zu verstehen ist, wird in der wissenschaftlichen Literatur kontrovers diskutiert. Das resultiert aus der Annahme, dass Freizeit als Komplementärbegriff zur Arbeitszeit verstanden wird. Daraus resultiert die Fragestellung, ob alle Aktivitäten neben der Arbeitszeit als Freizeit zu verstehen sind oder nicht. Deutlich wird, dass Freizeit immer als eine Dimension von „Zeit“ zu betrachten ist.

Auf Grund der differenzierten Aussagen zum Freizeitbegriff wird im Folgenden von der These ausgegangen, dass Freizeit sich abgrenzt von Arbeitszeit und der damit im Zusammenhang stehenden Reproduktion der menschlichen Arbeitsfähigkeit (Schlaf/ Essen). Freizeit versteht sich daher als „Freie Zeit“. Sie wird als Zeit verstanden, die individuell mit Aktivitäten gestaltet wird. Freizeit wird somit nicht im Rahmen der gesellschaftlich organisierten Tätigkeiten zur Befriedigung materieller und ideeller Bedürfnisse verbraucht. Die Grenze von Freizeit ergibt sich aus dem Bezugsverhältnis zur Arbeitzeit (vgl. Frankfurter – Akademie, 2003).

Wie sich das Verhältnis von Arbeitszeit, regenerativer Zeit und Freizeit im geschichtlichen Rückblick verhält und welche Entwicklungen sich bis in die heutige Zeit ergeben haben, wird im nächsten Abschnitt dargestellt.

2.2.2 Geschichtlicher Aufriss und Entwicklungen im Freizeitbereich

Eine „Geschichte“ zu Freizeit ist nicht vorhanden. Geschichtliche Fragmente aus früheren Zeiten befassen sich lediglich mit der Freizeit einiger Mächtiger und lassen das Leben und die Freizeit des Volkes auf Grund meist nicht vorhandener Dokumente außen vor (vgl. Tokarski, 1985). Um Freizeit in der heutigen Zeit zu begreifen, heutige Freizeitphänomene zu erklären sowie zukünftige Prozesse zu prognostizieren, ist es notwenig, Kenntnisse zur Freizeit aus früheren Jahrhunderten zu besitzen. Ebenso wie alle Entwicklungen ist auch Freizeit als Produkt von sozialem Wandel zu verstehen; es ist ein permanenter Prozess (vgl. Elias, 1983 In: Tokarski, 1985). Wie sich Entwicklungen im Freizeitbereich vollzogen haben, wird im Folgenden skizziert; Ausgangspunkt der Ausführungen ist die Zeit der Industrialisierung.

Freizeit in der Epoche der Industrialisierung

In der Zeit zwischen 1750 und 1800 entwickelte sich die moderne Industrie- gesellschaft. Im Zuge der Industrialisierung vollzog sich der Übergang von der Mechanisierung zur Maschinisierung der Arbeit. Das brachte einen Anstieg der täglichen Arbeitszeit von 12 – 16 Stunden mit sich. Sonntags- und Kinderarbeit waren selbstverständlich. Mit der einsetzenden Verstädterung zu dieser Zeit ergab sich ein Überangebot an Lohnarbeitern, die für Billigstlöhne täglich 14 – 16 Stunden arbeiteten. Freizeit spielte für das arbeitende Volk zu dieser Zeit kaum eine Rolle. Eine erste Wendung trat 1839 für Jugendliche und Frauen mit der sogenannten Fabrikregulierung in Kraft, die eine maximale Arbeitszeit von 10 Stunden für diese bedeutete. Die Arbeiterbewegung kämpfte für die Konsolidierung der Arbeitszeit; erste Erfolge konnten um die Jahrhundertwende verzeichnet werden. 1918 / 1919 erfolgte der entscheidende Durchbruch mit der Einführung des 8–Stunden–Tages. Das brachte eine Verteilung von Arbeitszeit und Freizeit in den Sozialschichten mit sich: Höhere Sozialschichten verloren an Freizeit, während untere Schichten an Freizeit gewannen, was sich bis heute immer mehr verstärkte (vgl. Opaschowski, 1997).

Freizeit in der Epoche der Spätindustrialisierung

Die Phase der Spätindustrialisierung beginnt ab 1918. Sie umfasst die Epochen der Weimarer Republik, des Dritten Reiches sowie die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik Deutschland[1]. Jede der drei Zeitären hat ihre besondere Bedeutung für die Freizeit (vgl. Tokarski, 1985).

- Weimarer Republik

In dieser Zeit erfolgte die gesetzliche Verankerung des 8–Stunden–Tages sowie die Einschränkung von Samstagsarbeit. Gleichzeitig wurde der Urlaubsanspruch für Angestellte erweitert und für Arbeiter eingeführt (vgl. Bischoff und Maldaner, 1980 In: Tokarski, 1985). Somit ergab sich erstmals ein definierter Rahmen für Arbeits- und Freizeit. Das nie zuvor gekannte Maß an freier Zeit wurde als Massenproblem definiert und begründete die Suche nach einer sinnvollen Freizeitgestaltung. In der Weimarer Republik gestalteten die Menschen ihre freie Zeit meist in Vereinen, Organisationen und Gruppen, da sich diese als eine billige Form der Freizeitgestaltung darstellte. In dieser Zeit vollzogen sich die ersten Entwicklungen von Reisen zur Erholung, Bildung und politischen Betätigungen sowie Kulturreisen, die im heutigen Verständnis mit Tourismus gleichzusetzen sind. Organisierte Reisen, die zuvor von Arbeiterorganisationen angeboten wurden, wurden 1933 staatlich übernommen (vgl. Tokarski, 1985).

- Drittes Reich

Freizeit war in der Zeit des Nationalsozialismus, wie alle anderen Lebensbereiche nicht frei verfügbar, sondern wurde nach den Grundsätzen des Regimes ausgerichtet. Die Entwicklung zum totalen Staat schränkte den individuellen Spielraum immer mehr ein, selbst die Freizeitgestaltung unterlag dem Staat. Es gelang, die Menschen sowohl in ihrer Arbeit als auch in ihrer Freizeit zu beeinflussen, zu kontrollieren und zu lenken (vgl. Hofer, 1974 In: Tokarski, 1985). Bezahlte Ferientage waren neben den sogenannten Volksempfängern (Radios) und dem Volkswagen (Auto) die wichtigsten Errungenschaften zur Förderung des Volkstourismus. Bezeichnend waren außerdem die KdF– Reisen( Kraft durch Freude). All diese Aktivitäten ließen den Massentourismus salonfähig werden (vgl. Spode, 1980 In: Tokarski, 1985).

- Bundesrepublik Deutschland[2]

Die Phase nach dem zweiten Weltkrieg brachte eine starke Arbeitszeitverkürzung bezogen auf Tages-, Wochen- und Lebensarbeitszeit bei gleichzeitiger Intensivierung der zu leistenden Arbeit mit sich. Verkürzte Arbeitszeiten und vermehrter Wohlstand haben die Nachkriegsära zur Konsumzeit werden lassen (vgl. Opaschowski, 1980 In: Tokarski, 1985). Während in den 50er Jahren Freizeit vorwiegend erholungsorientiert war, kennzeichneten vor allem die 60er und 70er Jahre Freizeit als Konsumorientierung. Die 80er Jahre wurden von Opaschowski als erlebnisorientierte Freizeit prognostiziert: „ Zeit zum verstärkten intensiven und bewussten Leben und zur Entwicklung eines eigenen freizeitkulturellen Lebensstiles (vgl. Opaschowski, 1980 In: Tokarski, 1985, 40).“ Sie zeigen die Richtung zur Freizeitgesellschaft und dem damit verbundenen Paradigmenwechsel von der Industriegesellschaft zur Freizeitgesellschaft auf. Der ständige Zugewinn von freier Zeit seit der Wende zum 20. Jahrhundert sowie die Bedeutungszunahme der Freizeitindustrie stützen diese Annahme. Die gegenwärtige Situation mit einer hohen Arbeitslosenquote, Rezession sowie stark abnehmenden Wachstums- und Inflationsraten stehen diesem Paradigmenwechsel entgegen. Eine Freizeitgesellschaft in der vorherrschenden Gesellschaftsform der Industriegesellschaft kann es nur geben, wenn die Arbeit als Garant für die Freizeit nicht gefährdet ist (vgl. Tokarski, 1985)[3].

In den 90er Jahren hat sich der Stellenwert von Arbeit verändert; Freizeit überholte die Arbeitszeit und wurde genauso wichtig wie Arbeit und Geldverdienen.

Es wurde zwar noch an fünf Tagen in der Woche gearbeitet, aber die 40 - Stundenwoche wurde unterschritten. Somit standen den Menschen erstmals mehr Stunden für Freizeit als für Arbeit zur Verfügung. Freizeit näherte sich quantitativ und qualitativ immer mehr der Arbeit an; Aktivitäten in der Freizeit erreichten einen Arbeitscharakter und Ansprüche an Freizeit wurden an die Arbeitswelt herangetragen (vgl. Opaschowski, 1997).

Freizeit in der Gegenwart

Freizeit ist heute gekennzeichnet durch einen deutlichen Rückgang der Berufsarbeitszeit (Lebensphase, Jahr – Woche – Tag) und zunehmender Freizeit.

Neue Urlaubsregelungen, Arbeitszeitverkürzungen, flexiblere Arbeitszeiten sowie die steigende Lebenserwartung begründen diese Tatsache. Damit geht einher, dass Freizeit zunehmend zum zentralen Lebensmittelpunkt wird; die Arbeit in diesem Zusammenhang die notwendigen finanziellen Mittel erbringt, um Freizeit möglichst erlebnisreich zu gestalten (vgl. Rupe, 2000).

Auf Grund des gestiegenen frei verfügbaren Zeitbudgets und der höheren Wertschätzung von Freizeit nutzen Menschen eine immer größer werdende Bandbreite von Aktivitäten aus (vgl. Stradas, 1994). Durchschnittlich verfügen alle Personen ab 12 Jahren über fünf Stunden Freizeit am Tag. Schüler, Studenten, Rentner und Pensionäre haben mit ca. sechs Stunden / Tag den größten Anteil an Freizeit; Familien mit Kindern unter 6 Jahren mit rund vier Stunden / Tag den wenigsten (vgl. Opaschowski, 1997).

Betrachtet man die Aktivitäten in der Freizeit in der heutigen Zeit, so zeigt sich:

Tabelle 2.1: Freizeitbeschäftigungen der Deutschen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Media Perspektiven, 2002

Der Medienkonsum steht an erster Stelle der Freizeitaktivitäten. Aber auch der Freizeitsport nimmt eine nicht unwesentliche Rolle in der Gestaltung von Freizeit ein. Das liegt an der Zunahme der aktiven statt passiven Freizeitgestaltung und ist im immer mehr wachsenden Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung begründet. Schwimmen und Wandern zählen dabei zu den beliebtesten Sportarten in der Freizeit (vgl. Strasdas, 1994).

2.2.3 Grundaussagen zum Freizeitsport

Geht man der Bedeutung des Begriffes Sport nach, so zeigt sich, dass Sport als

Sammelbezeichnung für alle bewegungs-, spiel- oder wettkampforientierten körperlichen Aktivitäten des Menschen steht. Sportliche Aktivitäten können dabei sowohl individuell als auch in Gruppen als Mannschaftssport ausgeübt werden. In erster Linie ist Sport leistungsorientiert und dient der Selbstentfaltung des Individuums (vgl. Microsoft Encarta Enzyklopädie, 2001).

Im Laufe der Geschichte hat sich Sport unterschiedlich entwickelt; in den letzten Jahren vollzog sich eine starke Differenzierung in Richtung:

- Leistungs- und Profisport
- Vereinsgebundener Breitensport
- Gesundheits- oder Ausgleichsport
- Freizeitsport.

Freizeitsport bezeichnet in diesem Zusammenhang die regellose körperliche Betätigung in sehr verschiedenen Lebenssituationen und aus verschiedenen Motiven heraus (vgl. Strasdas, 1994). Im Gegensatz zum Berufs- und Spitzensport wird Freizeitsport ausschließlich in der Freizeit ausgeübt (vgl. Microsoft Encarta Enzyklopädie, 2001). Ebenso sind der Vereins- und Gesundheitssport dem Freizeitsport zugehörig (vgl. Strasdas, 1994).

Der Freizeitsport, auch Ausgleichssport oder Erholungssport genannt, wird vom Deutschen Sportbund durch die Abteilung Breitensport vertreten und gefördert. Mit der schrittweisen Senkung der Wochenarbeitszeit ist es inzwischen allen Berufstätigen möglich, sich aktiv in der Freizeit sportlich zu betätigen. Dabei steht weniger das Streben nach Höchstleistungen, sondern vielmehr die gemeinsame, kooperative Betätigung von Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts im Vordergrund. Sportvereine, von Gemeinden und Privaten gefördert, ermöglichen ein breites Spektrum an Freizeitsportaktivitäten für die Bevölkerung (vgl. Microsoft

Encarta Enzyklopädie, 2001).

Auch Tauchen zählt zu jenen Sportarten, die in der Freizeit ausgeübt werden können. Nähere Angaben zum Tauchsport erfolgten bereits im vorangestellten Kapitel. Grundsätzlich lässt sich aber festhalten, dass der Freizeitsport Tauchen durch eine starke Ausrüstungsintensität und Landschaftsorientierung gekennzeichnet ist (vgl. Strasdas, 1994). In den 90er Jahren erfuhr der Tauchsport eine Boomzeit (vgl. Scholl In: Hass, 1996). Das geht mit den Aussagen einher, dass Tauchen zu den Sportarten zählt, die auf Grund ihrer Natur- und Erlebnisorientierung im Trend liegen (vgl. Strasdas, 1994). Entsprechend der Entwicklung zur Erlebnismaximierung wird eine Zunahme von sogenannten Abenteueraktivitäten, so auch des Freizeitsports Tauchen erfolgen (vgl. Schulze, 1994 In: Strasdas, 1994). Diese Prognosen können bis in die heutige Zeit bestätigt werden; die Zahl der Freizeittaucher steigt weiter an (Padi, 2003).

2.2.4 Einflussfaktoren für Entwicklungen im Freizeitsport

Welche Faktoren die Entwicklung von Freizeitsportarten beeinflussen, zeigen die weiteren Ausführungen. Zur Annäherung an relevante Einflussfaktoren werden die von Tokarski beschriebenen Bedingungen für das Freizeitverhalten von Einzelpersonen bzw. spezifischen sozialen Gruppen herangezogen.

Tokarski skizziert für die Bestimmung von individueller Freizeit bzw. Freizeit spezifischer sozialer Gruppen, eine quantitative und qualitative Seite von Freizeit.

Als quantitative Seite werden Rahmenbedingungen für Freizeit in unserer Gesellschaft definiert. Zu diesen gehören:

Zeitliche Aspekte

- Das Verhältnis von Arbeitszeit, freier Zeit sowie Freizeit und die verschiedenen Zeithaushalte unterschiedlicher sozialer Gruppen
- Die Unterscheidung der freien Zeit sowie der Freizeit nach Feierabend, Wochenende und Urlaub.

Materielle Aspekte

- Die Höhe der Freizeitausgaben und die Ausstattung mit Freizeitgütern.

Verhaltensmäßige Aspekte

- Freizeitaktivitäten entsprechend der Häufigkeit ihrer Ausübung.

Als qualitative Seite von Freizeit benennt Tokarski Faktoren, die das Verhalten des Einzelnen bestimmen und sowohl das persönliche Freizeitverhalten als auch das Freizeitverhalten spezifischer sozialer Gruppen beeinflussen.

Zu diesen gehören:

- die Freizeitinteressen und Bedürfnisse
- die Intensität einer Verhaltensweise
- Freizeiteinstellungen
- Freizeitmotivation und Funktionen der Freizeit für den Einzelnen

(vgl. Tokarski, 1985).

Diese benannten quantitativen und qualitativen Einflussfaktoren für Freizeit werden im Folgenden zusammengefasst und auf den Freizeitsport übertragen. Darüber hinaus werden informative Aspekte mit einbezogen, da Werbung und Öffentlichkeitsarbeit im Bereich Freizeitsport eine wesentliche Rolle spielen (vgl. Strasdas, 1994). Ausführungen dazu folgen später in den Beschreibungen der einzelnen Einflussfaktoren.

Abbildung 2.3: Einflussfaktoren für Entwicklungen im Freizeitsport

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

a) Einflussfaktor I: Verhaltensmäßige Aspekte

Verhaltensmäßige Aspekte beeinflussen die Entwicklung im Freizeitsportbereich. Ausgehend von den von Tokarski benannten Faktoren lassen sich folgende Aussagen treffen:

- Freizeitinteressen und Freizeitbedürfnisse

Freizeitinteressen stellen eine Größe zur Bestimmung von individueller Freizeit bzw. Freizeit spezifischer sozialer Gruppen dar. Folgt man der allgemeinen Untersuchung von Interessen innerhalb der Motivationsforschung so zeigt sich, dass Interessen als Sozialisationsprodukt verstanden werden. Interessen sind demnach erlernt. Diese Auffassung wird auch von Rubinstein geteilt, der die Meinung vertritt, dass Interessen Motive darstellen, die sowohl an den kognitiven Bereich als auch den emotionalen Bereich der Persönlichkeit gebunden sind (vgl. Rubenstein, 1965 In: Tokarski, 1985).

Bezogen auf die Erforschung von Freizeitinteressen können kaum fundierte Aussagen getroffen werden, da der Schwerpunkt bislang auf der Erforschung von Freizeitaktivitäten gelegen hat. Freizeitinteressen und Freizeitaktivitäten sind jedoch nicht gleichzusetzen, da formulierte Freizeitinteressen nicht unbedingt in einer Freizeitaktivität münden müssen. In diesem Zusammenhang spielen Freizeitbedürfnisse eine wesentliche Rolle. Bedürfnisse wie Entspannung, Erholung, Kommunikation, Information und Bewegung bestimmen die Gestaltung von Freizeit (vgl. Tokarski, 1985).

- Intensität der Freizeitnutzung

Auch die Intensität einer Freizeittätigkeit beeinflusst das persönliche Freizeitverhalten bzw. das Freizeitverhalten spezifischer sozialer Gruppen. In der bisherigen Freizeitforschung spielte die Intensität einer Freizeitaktivität lediglich eine untergeordnete Rolle. Bei der Erforschung der Intensität von Freizeitaktivitäten haben zwei Indikatoren eine besondere Relevanz: Zum einen die Zeitspanne, die eine Person einer Freizeittätigkeit widmet und zum anderen die Verquickung dieser Freizeitaktivität mit anderen adäquaten bzw. sinnzusammenhängenden Freizeittätigkeiten (vgl. Tokarski, 1985).

- Einstellungen zur Freizeit

Einstellungen zur Freizeit stellen einen weiteren Einflussfaktor für die Bestimmung und Gestaltung von Freizeit dar. Einstellungen zur Freizeit ermöglichen die Bestimmung, welche Bedeutung dieser Lebensbereich für den Einzelnen hat. Dabei zeigt sich seit geraumer Zeit, dass Freizeit in unserer Gesellschaft immer mehr an Bedeutung gewinnt. Diese Entwicklung liegt zum einen in der Verkürzung der Arbeitszeit begründet, zum anderen spielen in diesem Zusammenhang veränderte wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedingungen eine wesentliche Rolle (vgl. Tokarski, 1985).

- Freizeitmotivation und Freizeitfunktionen

Freizeitaktivitäten beruhen auf immer wiederkehrenden Motivationen und beeinflussen das Freizeitverhalten. In Übereinstimmung mit einer Vielzahl von Autoren (z.B. Scheuch, 1977; Schmitz-Scherzer, 1974 In: Tokarski, 1985) sind freizeitrelevante Motivationen von sozialen Merkmalen, wie Stellung im Lebenszyklus und Zugehörigkeit zu Sozialgruppen abhängig. Freizeitmotivationen sind dabei abgegrenzt von Freizeitbedürfnissen (z.B. Selbstachtung, Kreativität, Erholung) zu betrachten. „Sie bezeichnen diejenigen Vorgänge, die ein Verhalten in Gang setzen, aufrechterhalten und auf ein bestimmtes Ziel hin ausrichten. (vgl. Tokarski, 1985, 121). Bezogen auf die Motivationen in der Freizeit werden die folgenden Punkte, ohne dass diese näher beschrieben werden, genannt:

- Sportliche und spielerische Aktivitäten
- Soziale Kommunikation
- Regenerative Tätigkeiten
- Familienbezogene Freizeitbeschäftigung
- Unterhaltung, Zerstreuung, Vergnügen
- Beschäftigung zur intellektuellen Auseinandersetzung, Diskussion, Bildung
- Praktisch-nützliche und produktive Tätigkeiten
- Tätigkeiten im Haushalt
- Freizeitbetätigung im Rahmen sozialer Selbstdarstellung
- Streben nach Mobilität und neuen Umweltreizen
- Aktive Erschließung der Umwelt.

Im Gegensatz zu Freizeitmotivationen zielen Freizeitfunktionen auf Befriedigungen, die durch ein Verhalten entstehen, ab. Dabei wird zwischen allgemein gesellschaftlichen und individuellen Funktionen von Freizeit unterschieden. Hinsichtlich der gesellschaftlichen Funktionen von Freizeit sind nur wenige der benannten Funktionen empirisch fundiert. Exemplarisch zählen dazu nach Kaplan (1960) die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, Nützlichkeit und schöpferische Betätigung; nach Scheuch (1980) die Herstellung der Distanz zum Alltag und nach Wippler (1970) geistige Betätigung, Kontakte zu anderen, Kreativität, Vielfältigkeit sowie Leistung und Lernen (vgl. Kaplan, 1960; Scheuch, 1980; Wippler, 1970 In: Tokarski, 1985).

Individuelle Funktionen, auch als Freizeiterleben definiert, werden von zwei voneinander unabhängigen Ansätzen untersucht. Der erste Ansatz klassifiziert Motive und Funktionen nach Selbstauskünften der Probanden, indem man den Befragten Tätigkeitskataloge in Verbindung mit möglichen Bedeutungen vorlegt. In diesem Zusammenhang wurden verschiedene empirische Untersuchungen durchgeführt (z.B. Reitzle, 1982; Bischop & Witt, 1970; Tokarski, 1979 In: Tokarski, 1985). Übereinstimmend zeigten diese Studien, dass Freizeitaktivitäten im Hinblick auf ihren funktionalen Hintergrund bedeutungsvariabel und multifunktional sind. Zur theoretischen Untersetzung wird beispielhaft die Untersuchung von Donald & Havighurst (1959) angeführt. In ihrer Untersuchung zeichneten sich als die vier wichtigsten Funktionen für Freizeit die folgenden ab: Freude an der Tätigkeit, Abwechslung vom Beruf, Kontaktmöglichkeiten und das Gefühl, etwas zu lernen (vgl. Donald & Havighurst, 1959 In: Tokarski, 1985).

[...]


[1] Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf die Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und berücksichtigen Entwicklungen in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) nicht.

[2] Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf die Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und berücksichtigen Entwicklungen in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) nicht.

[3] Die augenblickliche Situation spricht dem entgegen, so dass auf eine Skizzierung einer solchen Freizeitgesellschaft im Rahmen dieser Arbeit verzichtet wird.

Details

Seiten
137
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638487535
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v53247
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Sportwissenschaftliche Fakultät
Note
1,1
Schlagworte
Möglichkeiten Entwicklung Freizeitsports Tauchen Berücksichtigung Aspekte

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Titel: Möglichkeiten der Entwicklung des Freizeitsports Tauchen unter besonderer Berücksichtigung regionaler Aspekte