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Geschichte in der Lebenswelt von Comics

Am Beispiel des Bandes „Das Geschenk Cäsars“ aus der „Asterix“ – Reihe Goscinnys und Uderzos

Seminararbeit 2001 17 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Geschichte und Lebenswelt
1.1 Lebenswelt als philosophische Kategorie
1.2 Geschichte in der Lebenswelt – Geschichte als Lebenswelt

2. Formen von Geschichte in der Lebenswelt

3. Der Begriff „Comic“
3.1 Die Geschichte der Comics

4. Realität und Fiktion
4.1 Die Gallier
4.1.1 Aussehen und Kleidung
4.1.2 Das Dorf
4.1.3 Verhalten
4.2 Gaius Julius Caesar und seine Soldaten

5. Der Nutzen der Comics für das historische Lernen im Geschichtsunterricht

Bibliographie

Einleitung

Bei dem Thema „Geschichte im Comic“ wird ein Großteil der Menschen in Deutschland sofort an die „Asterix“-Alben und die „Mosaik“-Hefte denken. Nicht ohne Grund, denn diese Comics sind die bei weitem auflagenstärksten und bekanntesten ihrer Zunft. Das erste Asterix-Album erschien 1961 in Frankreich mit einer bescheidenen Auflage von 6000 Exemplaren, doch schon Band 8 erreichte bereits eine Auflagenstärke von 600.000 Stück. Durch den überdurchschnittlichen Bekanntheitsgrad der Asterix – Bände, gerade in Deutschland, wo die Figur heute deutlich populärer ist als in ihrem Ursprungsland Frankreich, weiß jedes Kind, dass Rom unter der Führung Gaius Julius Caesars zum Weltreich wurde und dabei auch zum Beispiel Gallien, Belgien und Britannien eroberte (siehe entspr. Comic – Bände und Filme). Die vorliegende Arbeit will zeigen, dass Geschichte in der Lebenswelt auch in Comics einen großen Anteil an der Entstehung historischen Wissens haben kann.

1. Geschichte und Lebenswelt

1.1 Lebenswelt als philosophische Kategorie

Die uns umgebende, natürliche, aus vertrauten Situationen bestehende Welt, in der wir uns bewegen und verhalten ist nach Husserl die sogenannte Lebenswelt.[1] Sie ist die „einzig wirkliche“ Welt, die Welt, die allzeit vorhanden ist, in der wir uns bewegen und die primär unreflektiert in unser Bewusstsein dringt. In ihr bewegen wir uns auf einer Basis von selbstverständlichen Erwartungen und gleichzeitig in der Vorstellung, dass jeder andere Mensch diese unsere Wirklichkeitsauffassung teilt. Die Lebenswelt bildet einen vorwissenschaftlichen Bereich menschlichen Lebens und Handelns.

1.2 Geschichte in der Lebenswelt – Geschichte als Lebenswelt

Ein Bedürfnis nach Geschichte entsteht dort, „wo eine Gruppe, eine Gesellschaft, ein Kultur nach Rechenschaft über sich selbst und Wegweisung für die Gegenwart und Zukunft verlangt“[2]. Dies gilt genauso für den Einzelnen. Geschichte dient dazu, Verhaltenssicherheit, Ich-Bestätigung oder soziale Zugehörigkeit zu erlangen und so erst das Individuum zu formen.[3] Geschichte im eigenen Lebensbereich dient immer der Orientierung in der Welt, das heißt, durch die Beschäftigung mit Geschichte wird zur Formung der eigenen sozialen Identität beigetragen und das Individuum wird sich früher oder später zu bestimmten sozialen Gruppen zugehörig fühlen. Die Aneignung von Geschichte in der Lebenswelt findet als großer Teil der Sozialisation, in diesem Fall in Formen nicht-intentionaler und nicht-organisierter Lernprozesse statt.[4] Es sind Lernprozesse im öffentlichen und privaten Leben, während für die Aneignung der Geschichte als Wissenschaft intentionale und organisierte Lernprozesse nötig sind. Geschichte in der Lebenswelt wird von den Kindern und Jugendlichen kaum oder wenig wahrgenommen, trotzdem lernen sie von ihr, durch die Beschäftigungen in der Freizeit, zum Beispiel mit historischen Filmen, Romanen, Artikel in den Tageszeitungen oder eben durch Comics mit historischer Kulisse. Der Einzelne entwickelt sich, indem er sich mit seiner Lebenswelt auseinandersetzt.

2. Formen von Geschichte in der Lebenswelt

Geschichte ist materiell und ideell in der Gesellschaft vorhanden, jeder Einzelne ist bewusst oder unbewusst in Geschichte eingehüllt. Historische Darstellungen findet man Bildungs-, im Trivial- und im Erlebnisbereich. Wobei auch hier mit dem Bildungsbereich die nicht-wissenschaftlichen Beschäftigung und damit populäre Darstellungen gemeint sind. Vom Bildungs- zum Trivialbereich der historischen Darstellungen sinkt das Anspruchs- und Argumentationsniveau ab. Eine Tatsache, welche sich bereits in der verwendeten Sprache niederschlägt. Geschichte kann Inhalt der Freizeitbeschäftigungen sein: Ob es nun Urlaubsreisen, Wandern, Sport oder das Fernsehen sind - Dinge, die ebenso dem Erlebnisbereich zu zuordnen sind wie Poster, Bilder oder Postkarten - um Geschichte in der eigenen Lebenswelt kommt man nicht herum. Schon ein Gespräch mit dem Großvater genügt, um bewusst oder unbewusst Informationen zur Geschichte aufzunehmen. Geschichte in Romanen, Filmen, Festspielen, Ausstellungen und im Fernsehen, in den Sendungen selbst oder in der Werbung, wird ebenso aufgenommen und verarbeitet, oft ohne das der Einzelne merkt, das er gerade historisches Wissen erworben hat, denn „Geschichtsbewusstsein kann lästig sein, weil es jene Unbekümmertheit verwehrt, die beim Handeln oft nützlich ist [...]“[5].

3. Der Begriff „Comic“

Als Comic wird heute im Allgemeinen eine komplexe Bild-Text-Geschichte bezeichnet. Der Zusammenhang von Text und Bild wird durch Sprechblasen, Onomatopöie („Soundwords“) und erzählenden oder erklärenden Text, meistens am Bildrand, hergestellt. Die Geschichte wird mittels einer Aneinanderreihung von Einzelbildern, den Panels, erzählt. In Abgrenzung zum Comic bezeichnet der Cartoon einen Gag, der nur aus einem Bild besteht, zum Beispiel in Form von Karikaturen. Eisner spricht in diesem Sinne weniger von Comics als von „Sequential Art“. McCloud geht noch einen Schritt weiter und schließt Worte als Element aus seiner Definition aus. Sie lautet:

„Co.mic(´komik; amerik.)der; -s, -s: I. Zu räumlichen Sequenzen angeordnete, bildliche oder andere Zeichen, die Informationen vermitteln und/oder eine ästhetische Wirkung beim Betrachter erzielen sollen.“[6]

Im Gegensatz zum Comic genießt der Cartoon - vor allem der politisch kommentierende „Editorial Cartoon“ - in den USA ein höheres Ansehen, als dessen große Brüder, die Comics. Ein Pulitzer Preis für „Editorial Cartooning“ wird seit 1922 jährlich vergeben. Je nachdem, ob man den Cartoon zu den Comics dazu zählt oder nicht, kann man sich streiten, ob Maus 1992 der erste Comic ist, der den Preis erhielt, oder ob es der erste war, der ihn außerhalb der genannten Kategorie gewinnen konnte.

3.1 Die Geschichte der Comics

Das Bild als kreativer Ausdruck und Kommunikationsform ist wohl fast so alt wie die Menschheit selbst. Aber das Erzählen mit Hilfe von Bildsequenzen erlangte erst mit der Verfeinerung der Drucktechniken eine größere Bedeutung. Zu nennen sind hier die Bilderbogen, die aus dem Einblattdruck des 15. und 16. Jahrhunderts hervorgingen und die im 18. Jahrhundert entstandenen Bildfolgen des englischen Malers und Kupferstechers William Hogarth.[7] 1809 bedachte Thomas Rowlandson seinen Serienhelden Dr. Syntax mit aus dem Munde quellenden Spruchbändern, die als Vorstufe zu den Sprechblasen zu werten sind. Zum wichtigen Pionier wurde der Schweizer Universitätsprofessor Rodolphe Töpffer mit seinen zwischen 1833 und 1845 erschienen „illustrierten Romanen“, in denen Goethe eine neue Form volkstümlicher Kultur sah. 1845 veröffentlichte ebendieser Rodolphe Töpffer mit seinem „Essai de Physiognomie“ eine erste Theorie des Erzählens in Bildern.

Im 19. Jahrhundert wurden die Bildergeschichten des Wilhelm Busch, die allerdings noch ohne Sprechblasen auskamen, äußerst populär. Mit seinen Geschichten „Max & Moritz“ (Erstveröffentlichung 1865), „Die fromme Helene“, „Fipps der Affe“ oder „Plisch und Plum“ machte sich Busch unsterblich.[8] Amerikanische Zeitungsbesitzer, allen voran William Hearst und Joseph Pulitzer, kamen nun auf die Idee, sich ähnlicher Bildergeschichten zu bedienen, um neue Käuferschichten zu erreichen. In der Fachliteratur hat es sich durchgesetzt, „Yellow Kid“ von Richard Felton Outcault, der am 5. Mai 1895 zum ersten Mal in der New Yorker Zeitung Sunday World erschien, als ersten wirklichen Comic zu bezeichnen. Richtiger ist wohl zu sagen, das „Yellow Kid“ weniger den Beginn der Erzählform, sondern vielmehr die Durchsetzung beim Massenpublikum markiert. Es folgten Rudolph Dirks’ „Katzenjammer“ (1897) und Winsor McCays „Little Nemo“ (1905). Bis Ende der 20er Jahre waren Comics ausschließlich komisch, sie entsprachen also noch dem Sinn des Wortes. „Popeye“ oder „Micky Maus“ wurden aus der Taufe gehoben, ehe 1929 mit „Buck Rogers“ und „Tarzan“ das Genre des Abenteuercomics begründet wurde, welches sich sehr schnell ausbreitete. Es entstanden Helden wie „Dick Tracy“ (1931), „Prinz Eisenherz“ (1937) und der bis heute populärste seiner Art: „Superman“ (1938).

Trotz seiner Popularität – einige Reihen erzielten Auflagen in Millionenhöhe - blieb der Comic von den Medienwissenschaften lange unbeachtet, wahrscheinlich weil die Lektüre fast ausschließlich Jugendlichen vorbehalten war. 1942 erschien mit Martin Sheridans „Comics and Their Creators“ ein erstes Buch zur Materie, welches anekdotenhaft die Schöpfer der damals populärsten Serien porträtierte. Das vorherrschende Genre war über die Jahre nach den Funnies nun der Superheldencomic geworden. Ein Erwachsenenpublikum für Comics gab es in den 50er Jahren noch nicht, bestenfalls duldeten Eltern das Interesse ihrer Sprösslinge an den bunten Heften, die als „Schmutz- und Schundliteratur“ galten. Die in den USA sprunghaft angestiegene Jugendkriminalität wurde in erster Linie mit dem Konsum von Comicheften erklärt. In diesem Zusammenhang kam der Psychologe Frederic Wertham durch sein Buch „Seduction of the Innocent“ zu einiger Berühmtheit, in dem er einen direkten Zusammenhang zwischen dem Lesen von Comics und kriminellem Verhalten „nachwies“.

[...]


[1] Zitiert von Rolf Schörken: Geschichte als Lebenswelt. In: Handbuch der Geschichtsdidaktik. S. 3

[2] Joachim Rohlfes: Geschichte und ihre Didaktik. Göttingen 1986 S. 35

[3] Rohlfes, S. 36

[4] Rolf Schörken: Geschichte als Lebenswelt. In: Handbuch der Geschichtsdidaktik. S. 7

[5] Rohlfes, S. 35

[6] Scott McCloud: Comics richtig lesen. Hamburg 1994, S. 28

[7] Andreas C. Knigge in: Scott McCloud: Comics richtig lesen. S. 4

[8] Wolfgang Strzyz: Comics im Buchhandel. Frankfurt am Main 1999, S. 12

Details

Seiten
17
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638487603
ISBN (Buch)
9783638840781
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v53256
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Historisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Geschichte Lebenswelt Comics Geschichtsdidaktik

Autor

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