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Demographischer Wandel und Qualifikationsentwicklung

Seminararbeit 2004 29 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Demographischer Wandel und Einflussgrößen
2.1 Fertilität
2.2 Mortalität
2.3 Migration
2.4 Demographische Entwicklung

3 Bildungs- und Qualifikationsentwicklung
3.1 Brennpunkt: Aufspaltung des Bildungsniveaus
3.2 Theoretisches Erklärungsmodell (Sali-I-Martin)

4 Mögliche Lösungsansätze unter Einbezug der Politik
4.1 Fachkräfte aus dem Ausland – gesteuerte Zuwanderung?
4.2 „Lebenslanges Lernen“ und die Beschäftigung Älterer
4.3 Familienfreundliche Politik & Frauenförderung als Ausweg?

5 Fazit – Gesamtwirtschaftliche Chancen und Risiken

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Deutschland Altersaufbau 1950/2001

Abbildung 2: Bevölkerungsentwicklung in Deutschland 1991-2003

Abbildung 3: Bevölkerungsprognosen 2000-2050 für Deutschland (eigene Darstellung)

Abbildung 4: Entwicklung des Erwerbstätigendurchschnittsalters

Abbildung 5: Erwerbstätige nach Tätigkeitsniveau 1991-2010 in Deutschland (eigene Darstellung)

Abbildung 6: Humankapital und Produktivität (eigene Darstellung)

1 Einleitung

Der Begriff der demographischen Entwicklung ist omnipräsenter denn je. Nicht nur die Politik, sondern auch die Medien, Wirtschaft und Gesellschaft nehmen sich zunehmend diesem Thema an. Eine Steigerung dieses öffentlichen Interesses ist vollkommen notwendig und sinnvoll. Immer älter werdende Menschen und schrumpfende Bevölkerungszahlen aktivieren verstärkt die Handlungs- und Denkweisen der Betroffenen.

Das Themenfeld der demographischen Entwicklung ist enorm vielfältig und kann daher erschwert ganzheitlich und umfassend dargestellt werden. Mit den Veränderungen der Altersstrukturen entwickeln sich, teils als reaktiver und teils als additiver Effekt, weitere wichtige Sachverhalte.

Im Laufe dieser Arbeit geht es um die Folgen durch Veränderungen demographischer Verhältnisse, vor allem in Bezug auf die Qualifikationsentwicklung in der Gesellschaft.

Im ersten Teil werden wichtige und für das weitere Verständnis des Hauptteils notwendige Grundlagen erläutert und spezifische Faktoren des demographischen Wandels näher beschrieben. Nach einer kurzen allgemeinen Prognose der Bevölkerungsstruktur im Jahre 2050, befasst sich der Hauptteil dieser Arbeit mit der Qualifikationsentwicklung der Gesellschaft und den Arbeitsmarktentwicklungen vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung. Die in Kapitel 3.1. näher beschriebene „Bildungsschere“ zwischen alt und jung und/oder gering- beziehungsweise hochqualifiziert fusst in dem theoretischem Erklärungsmodell von Sali-I-Martin, in welchem sich auch zugleich der Handlungszwang und die Notwendigkeit von konstruktiven Maßnahmen offenbart.

Mögliche Lösungsansätze durch die Akteure der Politik, Unternehmen und Gesellschaft schließen sich an das Erklärungsmodell an, wobei zwischen der staatlich induzierter Migration, der Vertiefung des Stichwortes „Lebenslanges Lernen“ und der familienfreundlichen Gestaltung von Rahmenbedingungen im Unternehmen differenziert wird. Im abschließenden Fazit ergeben sich zusammenfassend die gesamtwirtschaftlichen Chancen und Risiken und die Herausstellung der Bedeutung von Bildung im demographischen Prozess.

2 Demographischer Wandel und Einflussgrößen

Daten über Bevölkerungsstrukur und –entwicklung eines Landes sind grundlegender Informationsbedarf für fast alle Bereiche von Staat, Wirtschaft und der Gesellschaft.[1]

Im Verlauf dieser Arbeit werden die Wechselbeziehungen des Bevölkerungsprozesses deutlich herausgestellt, um ersichtlich zu machen, dass eine Bevölkerung nicht nur ein statisches Gebilde darstellt, sondern als ein interdependenter Prozess zu verstehen ist.[2]

Demographischer Wandel, als eine Änderung von ursprünglichen Tatbeständen der Bevölkerung, vollzieht sich in allen Ländern der Welt. Für das Aufzeigen der Problematik in Bezug auf die Bevölkerungsstruktur von Industrieländer, vor allem für Deutschland, ist eine komprimierte Beschreibung notwendig.

Die „klassische Pyramidenform“ der Bevölkerungsstruktur verschwindet in Deutschland zunehmend mit einer Entwicklung zur „Urnenform“.[3]Wie in Abbildung 1 verdeutlicht, gibt es eine erhebliche Verschiebung der Altersstruktur von 1950 bis 2001. Die geburtenreichen Jahrgänge sind mittlerweile am mittleren bzw. oberen Ende des Altersaufbaus zu finden, während heutige Jahrgänge deutlich abgeschwächte Geburtenzahlen und einen geringeren Anteil am Bevölkerungsaufbau aufweisen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Deutschland Altersaufbau 1950/2001

Quelle: STATISTISCHES BUNDESAMT, (2004).

Die Alterung der Bevölkerung ist ein langfristiger und irreversibler Vorgang.[4]Zukünftige demographische Entwicklungen sind in einem hohen Maße von Ereignissen der Vergangenheit bestimmt, welche in der Abbilung 1 deutlich auszumachen sind, jedoch im Rahmen dieser Arbeit nicht konkreter analysiert werden können.[5]

In der gängigen Literatur beinhalten Veränderungen des Bevölkerungsaufbaus und die komplexen Interdependenzen bezüglich des demographischen Wandels drei wesentliche Einflussgrößen. Eine der primären Ursachen ist zum Einen die „Alterung von unten“, womit ein Rückgang der Fertilität gemeint ist. Zum Anderen wird durchgängig die steigende Lebenserwartung Älterer genannt, was mit einer „Alterung von oben“ einhergeht.[6]Die Migration als wichtige Einflussgröße trägt zusätzlich einen großen Beitrag zur Veränderung der Bevölkerungsstruktur bei. Da allein die konkrete Erläuterung dieser drei Größen den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde, sind im Folgenden ausgewählte wichtige Sachverhalte erörtert.

2.1 Fertilität

Bei der Fertilität handelt es sich um die „altersstrukturbereinigte, zusammengefasste Gesamtgeburtenrate“[7], welche aus einer Querschnittsbildung aus dem Geburtsverhalten aller Frauenjahrgänge zwischen 15 und 45 Jahren, bezogen auf ein Jahr, besteht. Hinter der so definierten Geburtenrate stehen allgemeine Bestimmungsfaktoren, wie das physische Können, soziale Dürfen und das psychologische Wollen.[8]

Der Rückgang der Geburtenrate hat eine Vielzahl von Gründen. Schon 1982 führte Caldwell Untersuchungen durch, die schließlich in der „Wealth Flows Theory of Fertilitiy Decline“ fußten.[9]Die Grundgedanken des ökonomischen und emotionalen Reichtumstransfers zwischen Generationen sind in der heutigen Zeit aktueller den je, weil gegensätzlich zu früheren Zeiten die Kinder nicht mehr als billige Arbeitskräfte und Alterssicherung von Bedeutung sind.[10]Der wirtschaftliche Nutzen von Kindern hat folglich erheblich abgenommen. Dies ist vor allem in Relation mit den erhöhten Ausgaben für die Nachkommen und die sogenannten Opportunitätskosten zu sehen, welche auch in der heutigen Zeit stetig weiter steigen.[11]Im Kapitel 3.1. übernimmt diese rationale Sichtweise bezüglich des Nachwuchses die ausschlaggebende Problembasis für mögliche Lösungsansätze im Bereich der Frauenerwerbstätigkeit. Der abnehmende Nutzen der Nachkommen stellt einen der wichtigsten Gründe dar, wieso sich die Fertilität der Deutschen sogar unterhalb des „Reproduktionsniveaus“[12]befindet. Geburtenraten ausländischer Bevölkerung in Deutschland liegen hingegen merklich oberhalb der Fertilität der Deutschen, da dort zusätzlich noch weitere gesellschaftliche und werteorientierte Normen eine entscheidende Rolle spielen.[13]Die Geburtenrate darf allerdings nicht getrennt von den weiteren Einflussgrößen der Mortalität und Migration betrachtet werden.

2.2 Mortalität

Die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt nimmt in Deutschland weiter zu. Für einen neugeborenen Jungen beträgt diese 75,1 Jahre bzw. für ein neugeborenes Mädchen 81,1 Jahre.[14]Häufig wird die Mortalität auch als Sterberate pro 1000 Einwohner verstanden. Von 1991 bis 2003 sind in Deutschland in jedem Jahr mehr Menschen gestorben als geboren wurden. Der Sterbefallüberschuss stieg, wie Abbildung 2 zeigt, in den Jahren 1994/1995 stark an und reduzierte sich im Verlauf der Jahre auf bis zu 48.216 Menschen. In den letzten Jahren wiederholte sich der enorme Anstieg des Überschusses der Sterbefälle gegenüber den Geburten. Dem Überschuss von 71.798 Menschen im Jahr 2000 stand nur drei Jahre später ein verdoppelter Überschuss von 147.198 gegenüber. Die Zahlen bestätigen die Annahme, dass zukünftig der Anteil der älteren Bevölkerung zunimmt und auch der Sterbefälle stetig steigen, was wiederum erhebliche Auswirkungen auf die Bevölkerungsstruktur eines Landes impliziert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Bevölkerungsentwicklung in Deutschland 1991-2003

Quelle: Statistisches Bundesamt, (2004a).

2.3 Migration

Die absoluten Zu- und Fortzugzahlen, sowie die Ausländeranteile an der Bevölkerung, summieren sich unter dem Begriff der Einflussgröße Migration. Diese beinhaltet die Binnenwanderung sowie die Außenwanderung, wobei Letztere in dieser Arbeit relevanter ist. Die Außenwanderung besitzt eine wesentliche Bedeutung für die Bundesrepublik Deutschland, da die im Jahr 2002 in Deutschland lebenden rund 7,3 Millionen Menschen mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit die Bevölkerungsstruktur und gesellschaftlichen Verhältnisse in einem hohen Maße prägen.[15]

Die alters- und geschlechtsspezifische Struktur der Einwanderer unterscheidet sich jedoch teilweise erheblich von ihrer heimatlichen Struktur. Aufgrund des vornehmlichen Einwanderungsgrundes, nämlich der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit, ist der Anteil der Männer und jüngeren Jahrgänge deutlich stärker vertreten.[16]

Die Migration ist auch im folgendem Verlauf der Arbeit immer wieder ein wichtiger Bestandteil, sodass weitere konkretere Sachverhalte Einzug erhalten. Daher wird an dieser Stelle auf weitere Erläuterungen verzichtet.

2.4 Demographische Entwicklung

Aufgrund der Trägheit des Bevölkerungsprozesses, ergeben diesbezügliche Vorhersagen relativ zuverlässig vorausgesagte Prognosen der demographischen Entwicklung.[17]Aus Abbildung 3 ist eine ungefähre Verdopplung des Altenquotienten für das Jahr 2050 abzulesen, die mit einer drastischen Reduzierung der Gesamtbevölkerung einhergeht.[18]Dem Statistischem Bundesamt zufolge wird die Bevölkerung im Jahre 2050 auf ungefähr 75,1 Millionen Personen sinken, mit einem Altenquotienten von 29,6 Prozent.

[...]


[1]Vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT (2004), S .29.

[2]Vgl. SCHIMANY (2003), S. 26.

[3]DICKMANN (2004), S. 18.

[4]Vgl. SCHIMANY (2003), S. 13.

[5]Vgl. LANGE (1996), S. 6; Damit sind zum Beispiel vom langjährigen Durchschnitt abweichende Fertilitätsraten, als auch singuläre Ereignisse (Krieg, Krankheiten, „Pillenknick“, usw.) gemeint.

[6]Vgl. SCHIMANY (2003), S. 15.

[7]DICKMANN (2004), S. 16.

[8]Vgl. SCHMIDT/ HEIGL/ MAI (2000), S. 76; Das physische Können steht für die biologischen Möglichkeiten bzw. Grenzen der Fortpflanzung (Alter, Zeugungsfähigkeit, etc.). Das soziale Dürfen reflektiert die Normen und Werthaltungen, während das psychologische Wollen die Motivation zur Elternschaft meint.

[9]Caldwell geht in seiner Theorie davon aus, dass das Fertilitätsverhalten rational bestimmt ist und vom ökonomischen Nutzen der Nachkommen für die Familie abhängig ist. In einer zunehmend

kapitalistischeren „modernen“ Gesellschaft erweist sich eine hohe Fertilität (nach Caldwell) ökonomisch als Nachteil.

[10]Vgl. Schimany (2003), S. 184.

[11]Zu nennen sind die erhöhten Ausgaben für Bildung und Konsum der Nachkommen.

[12]Scheider / Bräuniger et al (2002), S. 11;

Vgl. STATISTISCHES BUNDESAMT (2004), S. 38; Dem Statistischen Bundesamt zufolge bedeutet Reproduktionsniveau, dass die auf längere Sicht zur Erhaltung der Bevölkerungszahl erforderliche Anzahl von 2,1 Kindern in Deutschland mit „nur“ 1,35 Kindern je Frau in 2001 unterschritten wurde.

[13]Vgl. LANGE (1996), S. 7.

[14]Vgl. Statistisches Bundesamt (2004), S. 39.

[15]Vgl. Statistisches Bundesamt (2004), S. 37; „Migration“ wird im Folgenden als Außenwanderung verstanden.

[16]Vgl. LANGE (1996), S. 9.

[17]Vgl. Fehr/Halder (2004), S. 2.

[18]Altenquotient: Zahl der 60-Jährigen und Älteren bezogen auf die Zahl der 20- bis unter 60-Jährigen.

Details

Seiten
29
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638487917
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v53295
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Institut für Volkswirtschaftslehre
Note
2,3
Schlagworte
Demographischer Wandel Qualifikationsentwicklung Entwicklung Herausforderung Wirtschaftspolitik

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Titel: Demographischer Wandel und Qualifikationsentwicklung