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Das nationalsozialistische Deutschland und die "soziale Revolution"

Zur Modernisierungsfunktion des Nationalsozialismus im Spiegel der neueren Forschung

Diplomarbeit 2000 138 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

GLIEDERUNG

1. Fragestellung und Konzeption

2. Methodisches Vorgehen

3. Zur Begriffsproblematik des Modernisierungsansatzes und des Revolutionsterminus

4. Nationalsozialismus und Modernisierung: Zur Frage der Anwendbarkeit und Leistungsfähigkeit der Modernisierungstheorie

5. Dahrendorfs´ These der `sozialen Revolution´: Komplementäre und konkurrierende Eklärungsansätze

6. Die neuere Forschung zu Nationalsozialismus und Modernisierung

7. Operationalisierung der Fragestellung

8. Die nationalsozialistische `Volksgemeinschaft´: Überprüfung der Modernisierungsthese an den einzelneN gesellschaftlichen Sektoren
8.1. Gab es eine moderne nationalsozialistische Wirtschaftspolitik?
8.2. War die NS-Sozialpolitik zukunftsweisend?
8.3. Das Ende der Klassengesellschaft? Soziale Mobilität im Dritten Reich
8.4. Das Dritte Reich: Eine moderne Technokratie? Technokratische Elemente im politischen Totalitarismus des Dritten Reiches

9. Der NS-Staat als `Brücke zu Bonn´?

10. Eine `NS-Sozialrevolution´? Versuch einer Bilanz

11. Anmerkungen

12. Abkürzungsverzeichnis

13. Literaturverzeichnis

1. Fragestellung und Konzeption

Zu den komplexesten Fragen, mit denen sich sowohl die Sozialwissenschaft als auch die Historiographie bei der Beurteilung des Dritten Reiches konfrontiert sieht, gehört die Frage, in welcher Weise und in welchem Ausmaß sich der Nationalsozialismus auf die deutsche Gesellschaft, vor und nach 1945, ausgewirkt hat. Daß das Jahr 1945 für den tiefsten und folgenreichsten Bruch in der neueren deutschen Geschichte steht, ist als Feststellung weithin anerkannt und unbestritten. Die zwar populäre, aus wissenschaftlicher Sicht jedoch nicht haltbare Sicht von der „Stunde Null" macht deutlich, wie intensiv eine Mehrheit der westdeutschen Gesellschaft die Zäsur des 8. Mai 1945 empfunden hat. Umstritten bleibt jedoch, wo genau denn die Ursachen für den fundamentalen Wandel zu suchen seien. Die Frage nach der Bedeutung von vormodernen und modernen Elementen in Ideologie und Praxis des Nationalsozialismus ist dabei schon von den Zeitgenossenii aufgeworfen worden, eine differenzierte Betrachtung der deutschen Gesellschaft im Dritten Reich ist aber erst möglich, seit in den sechziger Jahren zum ersten mal ernsthafte wissenschaftliche Untersuchungen auf diesem Gebiet durchgeführt wurden.iii Größere Fortschritte konnten dann jedoch erst in den siebziger Jahren erzielt werden, als sich die Quellenbasis sowohl qualitativ als auch quantitativ stark verbesserte. Daher steht jetzt eine Fülle von Material zur Verfügung, wenn man sich mit den sozialen Auswirkungen des Nationalsozialismus beschäftigen will. Neben dem Problem der drohenden Unüberschaubarkeit des Literaturkorpus` ergeben sich noch weitere forschungspragmatische Probleme, denn es versteht sich von selbst, daß ein politisches System wie das des Nationalsozialismus oftmals sehr widersprüchliche Quellen hinterlassen hat und den Forscher schon deshalb vor größere Interpretationsschwierigkeiten stellt. Auch die teilweise stark unterschiedlichen theoretischen Ausgangspositionen und die teilweise ideologisch bedingten Interpretationsperspektiven der mit dieser Thematik befaßten Sozialwissenschaftler haben Anteil an oftmals komplexen Interpretationsproblemen. Bekanntlich ist die Debatte gekennzeichnet durch eine grundsätzliche Uneinigkeit über das tatsächliche Wesen des Nationalsozialismus, seiner sozialen Zielsetzung, Motivation und Ideologie, aber auch der wissenschaftlichen Kriterien und Methoden, mit Hilfe deren man die unter dem Nationalsozialismus ablaufenden Veränderungen näher beschreiben könnte. Die Uneinigkeit bei der Interpretation des durch den Nationalsozialismus möglicherweise verursachten sozialen Wandels beruht dabei auf den inneren Widersprüchen der nationalsozialistischen Bewegung, ihrer „verquollenen nationalsozialistischen Ideologie"iv, die keine stringente Interpretation zuläßt. Nur schwerlich kann man die sozialen Zielvorstellungen klar definieren und diese Ziele dann von den zur Verwirklichung notwendigen Mitteln unterscheiden. Oftmals führten nationalsozialistische Maßnahmen wie zum Beispiel Gesetze und Verordnungen in der Praxis oftmals zum genau entgegengesetzten Ergebnis. Eine weitere Schwierigkeit ist definitorischer Natur: Wie oftmals in der Sozial-, Politik- aber auch Geschichtswissenschaft sind die verwendeten Begriffe und Konzepte zur Definition sozialen Wandels oftmals nebulös und ungenau, lassen mehrere Interpretationen zu oder sind gar politisch oder alltagssprachlich vorbelastet.i

Sind divergente gesellschaftliche Sozialstrukturen und Wertvorstellungen in der Bundesrepublik nun hauptsächlich auf die Erfahrung der militärischen Niederlage und dem sich anschließenden kollektiven Lernprozeß hin zu einer Demokratie westlichen Typus´, in der Kenntnis von Flucht und Vertreibung zu Kriegsende, in den Entscheidungen der Besatzungsmächte oder in den weitreichenden politischen und sozialen Auswirkungen der deutschen Teilung zu suchen? Oder wäre es nicht auch denkbar, in Ergänzung zu dieser Interpretation, daß grundsätzliche und sehr tiefgreifende Veränderungen in der deutschen Gesellschaft bereits während der Herrschaft des Nationalsozialismus ihren Ursprung haben könnten?

Diese Sichtweise ist seit der Veröffentlichung des Buches „Gesellschaft und Demokratie in Deutschland" von Ralf Dahrendorf Mitte der sechziger Jahre als eine diskurswürdige Interpretation der sozialen Auswirkungen des Nationalsozialismus von der Wissenschaft anerkannt worden. Die Wissenschaft gesteht angesichts dieser unklaren Ausgangslage dem Nationalsozialismus teilweise eine faktisch revolutionäre Wirkung, zum Teil aber auch eine entschieden reaktionäre Richtung zu. Ian Kershaw faßt dies in seinem Buch „Der NS-Staat" pointiert zusammen: „Manche betrachten ihn [den Nationalsozialismus, A.S.] trotz einiger in seiner Ideologie begründeter archaischer, reaktionärer Aspekte als eine modernisierende Kraft, andere halten ihn für kraß antimodern oder sehen in ihm paradoxerweise eine `revolutionäre Reaktion´, während wiederum andere keinen Grund entdecken können, warum sie im Nationalsozialismus etwas anderes sehen sollten als nackte soziale Reaktion.“v

2. Methodisches Vorgehen

Der folgende Beitrag kann und soll im wesentlichen lediglich einen Überblick über den gegenwärtigen Stand der fortlaufenden Diskussion bieten. Nach einigen grundsätzlichen Bemerkungen über das Konzept und die Problematik des Modernisierungskontrukts und einigen auf den Nationalsozialismus bezogenen modernisierungstheoretischer Überlegungen sollen zunächst die wichtigsten älteren und neuesten Forschungen auf diesem Gebiet dargestellt und daran anschließend ausgewählte wirtschafts-, sozialpolitische- und gesellschaftliche Trends in der NS-Zeit - unter besonderer Berücksichtigung der immer wieder teilweise unzweifelhaft als modern einzuordnenden Seiten der „braunen Gesellschaft" - an Hand von passenden Indikatoren mit der Frage nach der Modernisierung in Verbindung gebracht werden. Abschließend wird in einem Resümee die Kernfrage nach einer möglichen Sozialrevolution sowie Modernisierungsfunktion des Nationalsozialismus zu beantworten versucht werden. Im Mittelpunkt der kommenden Ausführungen steht dabei nicht so sehr die Modernisierungsfunktion des Nationalsozialismus auf die deutsche Nachkriegsgesellschaft, vielmehr werden die Folgen auf die deutsche Gesellschaft in den Jahren 1933 bis 1939 in der vorliegenden Arbeit schwerpunktmäßig untersucht.

Das bestimmende Interpretationsmuster läßt sich indes wie folgt umschreiben: wie alle gesellschaftlichen Phänomene ist auch der Nationalsozialismus in längerfristige soziale Entwicklungen eingebettet und die Modernisierung wird als ein solcher längerfristiger Prozeß von der sozialwissenschaftlichen Forschung an erster Stelle genannt. Nachfolgend will ich mich also mit der Problematik Nationalsozialismus und Modernisierung im Lichte der neueren sozialwissenschaftlichen Theorie auseinandersetzen, möchte mich aber zunächst aus methodischen Gründen um eine möglichst klare Begriffsdefinition bemühen. Denn in der Tat ist die Wissenschaftsfrage in den Geistes- und Sozialwissenschaften nicht zuletzt, wie Karl-Dietrich Bracher schreibt, „ein Problem der Sprache geblieben: Terminologie und Vokabular entscheiden über Wege zur Ermittlung von Irrtum und Wahrheit, über Wertung und Interpretation".vi

3. Zur Begriffsproblematik des Modernisierungsansatzes und des Revolutionsterminus

Wenn man über Modernisierung spricht, bedingt dies zunächst eine begriffliche Erläuterung des Adjektivs `modern´. Etymologisch gesehen wird seit Beginn des 13. Jahrhunderts das Paradigma `antiqui/moderni´ zunächst lediglich zur Bezeichnung der jeweils für eine Zeit konkurrierenden und sich dann ablösenden (philosophischen) Schulrichtungen genannt.vii Das Prädikat `modern´ ist freilich nicht nur ein rein heuristischer Begriff, denn ab etwa Mitte des achtzehnten Jahrhunderts hat sich im Zuge von Aufklärung und französischer Revolution ein tiefgreifender Bedeutungswandel klassischer Topoi vollzogen, so daß „das alte Wort `modern´ einen neuen Sinngehalt gewonnen“ hat.viii Nun ist eine eindeutig normativ besetzte Trennung zwischen dem überkommenen `Alten´ und dem `Modernen´ zu konstatieren. Die Anerkennung eines Eigenwertes der modernen Zeit war dabei Voraussetzung für eine neue Verwendung des Wortes `modern´ als Epochenbegriff, denn die Modernität der Gegenwart wird bestimmt durch eine qualitative Absetzung von der Vergangenheit. Das Modernitätsbewußtsein des 20. Jahrhunderts gilt darüber hinaus als Imperativ des Wandels, wird aber nach wie vor von einer positiv besetzten normativen Konnotation begleitet. Dies ist die Konsequenz eines neuzeitliche Bewußtseins der Gegenwart als vorübergehenden, auf die Zukunft gerichteten Durchgangspunkt.ix

Sozialwissenschaftlich ist die `Modernität´ nun eine Kategorie zur Bezeichnung bestimmter charakteristischer Merkmale neuzeitlicher Gesellschaftsentwicklungen wie Mobilisierung, Säkularisierung, Industrialisierung, aber auch Demokratisierung. Auffällig dabei bleibt: Der Terminus `Moderne´ ist ein äußerst schillernder Ausdruck und wird in den unterschiedlichsten Kontexten verwendet. Die Sozialwissenschaft hat sich indessen an der Diskussion über Kriterien des Begriffs `Moderne´ wenig beteiligt, das zeigt sich besonders im Vergleich mit Literatur und bildender Kunst. Hier versteht man die Moderne als Freigabe von Individualität und als Suche nach, oder aber Verzweiflung an möglicher Authentizität.x Verglichen mit der Art, wie die moderne Gesellschaft sich in diesem Bereich selbst zu beschreiben sucht, hat die Soziologie kaum etwas an begrifflicher Tiefe zu schaffen vermocht, man ist eher an ein Schlagwort als an einen wissenschaftlichen Terminus erinnert, und oftmals wird den zu beschreibenden Objekten, also beispielsweise dem `modernen Denken´, lediglich ein neues Mäntelchen umgehängt.

Im Unterschied zum Epochenbegriff `Moderne´ hat die Sozialwissenschaft dagegen den Systembegriff `moderne Gesellschaft´ sowie den allumfassenden Begriff der `sozialen Modernisierung´ hervorgebracht.xi Es handelt sich hierbei um die Beschreibung von Entwicklungen, die (meist) eher langfristig abliefen, zunächst im Spätmittelalter in Westeuropa sukzessive einsetzten, sich im Laufe des letzten und diesen Jahrhunderts beschleunigten und im Ergebnis eine Transformation auch von Teilen der übrigen Welt verursachten - und somit eine allmähliche Aufhebung der traditionellen gesellschaftlichen Ordnung bewirkten. Forschungspraktisch werden unter Modernisierung dabei eine Vielzahl von Prozessen, die mit der Entstehung und Ausbreitung moderner Gesellschaften einhergehen, subsumiert: In einer modernen Gesellschaft haben Wissenschaft und Technik, insbesondere Bildung, einen herausragenden Stellenwert, kommt es zu verstärkter Industrialisierung, Bürokratisierung, Demokratisierung, Differenzierung und Säkularisierung, nimmt die Verstädterung zu, ist die Individualisierung fortgeschritten und vieles mehr, die Liste ließe sich fast beliebig verlängern.xii Modernisierung verweist also nicht auf monokausale spezifische Veränderungen, sondern stellt ein ganzes Knäuel miteinander verwobener Umwandlungsprozesse dar.

Um klarer zu sehen, führt kein Weg an einer formalen und vor allem inhaltlichen Klärung des Konzepts vorbei:

Die Modernisierungstheorie ist ein US-amerikanischer Ansatz, dessen Entstehungsgeschichte sich auf die fortschrittsoptimistischen fünfziger Jahre zurückverfolgen läßt.xiii Das Modell, das dabei Pate stand, waren die USA auf dem (vorläufigen) Gipfel ihrer Machtentfaltung: eine Gesellschaft, die noch weitgehend unberührt war von den traumatischen Erfahrungen späterer Epochen. Weder warf der Vietnamkrieg seine Schatten noch die sich bald dramatisch zuspitzenden ethnischen Konflikte. Der Glaube an Fortschritt und Entwicklung, an Wachstum als Einrichtungen von Dauer war ebenso ungebrochen wie die Überzeugung von der globalen Mission Amerikas. Es entstand eine ganze Reihe von teilweise konkurrierenden sozialwissenschaftlichen Modernisierungstheorien, auch weil die Thematik Modernisierung Konjunktur hatte: „Modernisierung wirkte attraktiv gerade wegen ihres vagen allgemeinen, vieldeutigen, amorphen Charakters; obendrein weckte das Wort durchweg positive Assoziationen" schrieb Hans-Ulrich Wehler in „Modernisierungstheorie und Geschichte."xiv

Generell kann man feststellen: je weniger hoch die Ansprüche an die Erklärungskraft eines theoretischen Modernisierungskonstruktes, desto höher die Chancen zur Einigung zwischen den konkurrierenden Schulen der Modernisierungstheorien; je höher der Anspruch, desto deutlicher wird auf die Unterschiede zwischen den Theorien verwiesen. Zur Definition von sozialem Wandel greifen die unterschiedlichen Modernisierungstheorien dabei in der Regel auf sehr ähnliche Begriffe zurück. Für traditionelle Gesellschaften werden idealtypische Merkmale wie „zugeschriebener Status", „geringe Differenzierung", „niedrige Partizipation am gesellschaftlichen Prozeß", als typische Elemente moderner Gesellschaften dagegen „erworbener Status", „starke Differenzierung" sowie „hohe Partizipation" genannt.xv Modernisierung bedeutet demnach eine tiefe Umwälzung, die sich meist über einen längeren Zeitraum, oftmals über Jahrhunderte, erstrecken kann. Hierbei sind aber auch erheblich kürzere Fristen denkbar. Die klassische Modernisierungstheorie geht von der Annahme aus, daß sich eine traditionelle Gesellschaft, die auf vorwiegend agrarischer und handwerklicher Produktion, persönlichen Abhängigkeitsverhältnissen, örtlicher Bindung an ländliche Kulturen, fest gefügten gesellschaftlichen Hierarchien und religiös geprägten Weltanschauungen basiert, langfristig in eine industrielle Klassengesellschaft mit hochentwickeltem industriellen Sektor, säkular geprägten Kulturen, rationalen, bürokratisch-unpersönlichen gesellschaftspolitischen Ordnungssystemen und politischen Massenpartizipationssystemen wandelt.xvi In ihrer einfachsten begrifflichen Fassung wird die Modernisierung dabei als ein Prozeß der sozialen Mobilisierung, der Differenzierung und der Säkularisierung beschrieben.xvii

Den verschiedenen Forschungsrichtungen, in denen sich die Soziologie und die Politikwissenschaft mit der Evolution von Gesellschaftssystemen befaßt, liegt die gemeinsame Prämisse zugrunde, daß die moderne Gesellschaft zwar in einer Revolution aller gewohnten Produktions- und Lebensverhältnisse, der industriellen Revolution, entstanden ist, daß aber die nun geschaffene Gesellschaftsordnung nicht überwunden wird in einer abermaligen revolutionären Umwälzung, die alle Sozialkategorien beseitigen würde, die durch die industrielle Revolution erst entstanden sind.xviii Sowohl die Modernisierungsforschung als auch Rationalisierungstheorien in der Tradition Max Webersxix gehen davon aus, daß die modernen Gesellschaften durch einen radikalen Bruch mit der traditionalen Gesellschaft entstanden sind und daß diese Entwicklung weitgehend unumkehrbar sei. Kontroversen hat es darüber gegeben, welche Voraussetzungen für den Entwicklungsschritt von der traditionellen zur modernen Gesellschaft erfüllt sein müssen, wie unvermeidlich dieser Prozeß sei und ob es dabei Ungleichzeitigkeiten, Antinomien und Rückschläge geben könne. Grundvorstellung bleibt jedoch, daß mit der Tradition der Moderne selbst nicht mehr gebrochen werden kann.xx

Einzig der evolutionäre Marxismus hat der Konzeption der Modernisierung widersprochen. Mit der bürgerlichen Revolution komme erst die „Vorgeschichte der menschlichen Gesellschaft" zum Abschluß.xxi Auf die bürgerliche Revolution folge unvermeidlich die proletarische, die eine Gesellschaft vollständig neuen Typus´, ein „beste Welt aller Welten“ schaffen werde. Wenn die „Vorgeschichte der Menschheit" durch einen „aus den gesellschaftlichen Lebensbedingungen der Individuen hervorwachsenden Antagonismus" gekennzeichnet ist, entstehe erstmals in der proletarischen Revolution eine nichtantagonistische und „herrschaftsfreie Gesellschaft“.xxii Daneben gibt es sicherlich im theoretischen Werk von Marx hiervon abweichende, auf der Linie soziologischer Modernisierungstheorien liegende Vorstellungen, in denen der Grundgedanke der weltgeschichtlichen Zäsur zwischen vorbürgerlicher Gesellschaft und der bürgerlichen Gesellschaft das spätere Konzept einer nachbürgerlichen Gesellschaft völlig neuer Machart dominiert:

So schreibt Marx: „Eine Nation soll (!) und kann von anderen lernen."xxiii Zwar war Marx natürlich kein „Modernisierungstheoretiker" im heutigen Sinne, aber die zutiefst optimistische und fortschrittsgläubige Utopie, daß es entwickelte und unentwickelte Staaten gebe, wird auch hier deutlich. Niemand hat den Sachverhalt klarer ausgedrückt als wiederum Karl Marx: „Das industriell entwickeltere Land zeigt dem minder entwickelten Land nur das Bild der eigenen Zukunft."xxiv Für die „Marxisten" jedoch, zu denen sich Marx bekanntlich nicht zählte, war die evolutionäre Auffassung bestimmend, daß die Entstehung der modernen Gesellschaft auf einen Kontinuitätsbruch hinauslaufe, der eigentliche Bruch mit der Geschichte also erst noch bevorstehe.

Zurück zur „westlichen“ Modernisierungsdiskussion. Ursprünglich stand hinter der Modernisierungstheorie das Bedürfnis nach einem Instrumentarium, um gesellschaftliche Entwicklungen beschreiben, vergleichen und, falls möglich, direkt beeinflussen zu können. Langfristig gesehen bestand das Ziel der klassischen US-amerikanischen Modernisierungstheorie in der Mehrung von Wohlstand und der Etablierung von demokratischen Regierungsformen.xxv Ich folge hierbei zunächst einem zugegeben sehr schlicht erscheinenden Definitionsvorschlag von Daniel Lerner. Unter Modernisierung versteht der Autor zunächst ganz allgemein einen Prozeß sozialen Wandels, „whereby less developed societies acquire characteristics common to more developed societies."xxvi Die Definition erscheint einfach, enthält aber die vier wesentlichen forschungleitenden Überzeugungen, die für die Modernisierungstheorie charakteristisch sind: Modernisierung sei eine Eigenleistung der jeweiligen von diesem Prozeß betroffenen Gesellschaft; die unterschiedlichen Pfade der Modernisierung ständen nicht im Widerspruch zueinander, sie seien vielmehr oftmals komplementär und kompatibel; sowie die Annahme, daß das Vorangehen einiger weniger Gesellschaften keinen Nachteil für die nachkommenden Staaten bedeute. Lerner benutzt allerdings den neutralen Begriff des sozialen Wandels, ohne den revolutionären Charakter eines solchen Prozesses sonderlich zu betonen. Wesentlich deutlicher dagegen geraten andere, politologische Forschungsdiskussionen über Modernisierungstheorien,xxvii so definiert etwa Samuel P. Huntington den „Grand Process of Modernization" als „bridge across the Great Dichotomy between modern and traditional societies".xxviii Anfang und Ende des Prozesses werden jetzt nicht durch Entwicklungsgrade definiert, sondern konkreter durch zwei verschiedene Gesellschaftsformationen, die jedoch durch einen fundamentalen Entwicklungsbruch voneinander getrennt sind. Der Übergang von Tradition zu Modernität gelingt zuerst einer „Durchbrechergesellschaft", nämlich England, und seitdem ist es naheliegend, nationale Gesellschaften sozialwissenschaftlich auf einer Art Achse zwischen Tradition und Moderne zu lokalisieren.

Dabei lassen sich Modernisierungsprozesse durch bestimmte formale und inhaltliche Eigenschaften genauer definieren. Huntington nennt mehrere formale Merkmale des Begriffes Modernisierung: Modernisierung sei, wie bereits erwähnt, ein revolutionärer Prozeß; traditionelle und moderne Gesellschaften unterschieden sich radikal voneinander; der Übergang von der einen zur anderen Gesellschaft sei eine tiefgreifende Umwälzung. Allenfalls die neolithische Revolution, also die Seßhaftwerdung des Menschen, so Huntington, käme in ihrer Bedeutung der industriellen Revolution nahe. Zweitens betont Huntington, daß es sich hierbei um einen komplexen, multidimensionalen Prozeß handele. Das unterscheidet den Modernisierungsbegriff beispielsweise von dem des wirtschaftlichen Wachstums bzw. der wirtschaftlichen Entwicklung.xxix Talcott Parsons entwickelte dabei die systematischste Vorstellung der Dimensionen der Modernisierung.xxx Er unterscheidet nicht nur zwischen der Modernisierung der Person, der Kultur und der Gesellschaft, sondern auch innerhalb der Gesellschaft zwischen ihren verschiedenen Teilbereichen. Die Richtung, welche die Modernisierung auf diesen Bereichen erreicht, fällt oftmals unterschiedlich aus, und es ist keineswegs garantiert, ob diese Entwicklungen miteinander kompatibel sind. Ob man dann allerdings noch von sozialer Modernisierung sprechen kann und der Terminus nicht zu sehr an begrifflicher Schärfe verliert, soll ja in der vorliegenden Arbeit weiter unten am Beispiel des Nationalsozialismus genau untersucht werden.xxxi

Modernisierung sei weiter, so Huntington, ein systemischer Prozeß. „Changes in one factor are related to and affect changes in the other factors".xxxii Deshalb sei es beispielsweise nicht mit einem bloßen Institutionentransfer getan - ein Punkt, der insbesondere bei einer Untersuchung der Entwicklung der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft von großer Wichtigkeit sein könnte. Wichtig für eine Erforschung der Auswirkungen der NS-Diktatur auf die deutsche Gesellschaft wird auch Talcott Parsons bekanntes Konstrukt des „dauernden Wandels" sein:xxxiii Parsons geht davon aus, daß das Hauptproblem modern konstituierter Gesellschaften (und von einer solchen Natur ist, das ist Grundvoraussetzung, auch die deutsche Gesellschaft zwischen 1933 und 1945) darin bestehe, mit ständigem Wandel ohne allzugroße Brüche und Systemkrisen fertig zu werden. Das erreichte Maß an institutioneller Flexibilität unter den Bedingungen konstanten, raschen Wandels bilde den zentralen Maßstab von Modernität.

In den letzten Jahren hat sich nun in der sozialwissenschaftlichen Theoriendebatte ein Paradigmenwechsel vollzogen: Schon die systemtheoretische und modernisierungstheoretische Adaption Max Webers in den 60er und 70er Jahren, die nicht in Amerika, sondern vor allem in der Bundesrepublik erfolgte,xxxiv wollte sich von dem Fortschrittsoptimismus der Modernisierungstheorie wie dem Marxismus absetzen. Viele Wissenschaftler tendieren auch heute dazu, den Endzweck von Modernisierung wieder weniger formal zu fassen und statt dessen das Wohlergehen und die Sicherung der psychischen und physischen Integrität von Individuen und Gruppen der Gesellschaft als zentralen Wert aufzufassen. Während Parsons Standpunkt noch davon ausging, daß der Modernisierungsprozeß per se, gewissermaßen automatisch zu Demokratie und Wohlstand führen würde, betont die `postmoderne´ Richtung der Modernisierungstheorie die zumindest potentiellen (selbst-)destruktiven Seiten der Moderne. xxxv Der Modernisierungsprozeß könne zu schweren gesellschaftlichen Krisen führen, was bewußtes, korrigierendes Eingreifen erfordere, um eine kaum mehr zu beherrschende, umfassende Krise zu vermeiden.

Für die in meiner Arbeit zu untersuchende Debatte, ob der Nationalsozialismus in Deutschland zu einer Modernisierung geführt habe, ist es nun nicht nur notwendig, daß der weit gefaßte Begriff der Modernisierungsfunktion für den jeweiligen zu definierenden Gegenstandsbereich präzisiert wird. Dies soll in Gliederungspunkt 4 (Nationalsozialismus und Modernisierung: Zur Frage der Leistungsfähigkeit der Modernisierungstheorie) weiter unten geschehen, denn nur so lassen sich soziale Prozesse nicht nur beschreiben, sondern zum Teil erklären. Darüber hinaus erscheint es aber auch sinnvoll, den Prozeß der Modernisierung, wie bereits angedeutet, zu kontextualisieren, d.h. übergreifende Entwicklungsfortschritte und -defizite in Westeuropa und Deutschland aufzuzeigen. Denn der ganze Kontinent stand während der zwanziger und dreißiger Jahre vor schwerwiegenden Umwälzungen, die dringend politisches Handeln erforderten:xxxvi

a) Die Metamorphose der Gesellschaften Westeuropas hin zu einer modernen Massenkonsumgesellschaft nach US-amerikanischem Vorbild ist eines jener Modernisierungsprobleme, mit denen alle westeuropäischen Gesellschaften in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen konfrontiert waren und an denen sie weitgehend scheiterten bzw. auf die sie nur unzureichend vorbereitet waren. Dieser Wandlungsprozeß erforderte spezifische Voraussetzungen in der Produktionstechnik, z.B. die Massenproduktion moderner Konsumgüter,xxxvii eine überdurchschnittlich gesteigerte Produktivität, eine veränderte Industriekultur und Unternehmermentalität, höhere Einkommensspielräume der Arbeitnehmer, verringerte Arbeitszeit sowie Veränderungen in der Distribution des Handels (Warenhäuser und Filialisten vs. Einzelhandel, neue Vertriebswege etc.).xxxviii
b) Die Anerkennung der Keynesianischen Revolution für ein modernes Verständnis des Zusammenspiels von Wirtschaft, Staat und Sozialpolitik als Voraussetzung von politischer und ökonomischer Stabilität der Volkswirtschaften fehlte vielerorts.xxxix
c) Im Bereich der Sozialpolitik war die Konstituierung sozialer Staatsbürgerrechte in Ergänzung zu den ökonomischen und politischen Rechten sowie eine Wandlung der entsprechenden wohlfahrtsstaatlichen Institutionen eine wichtiges Reformthema.xl
d) Die Bewältigung von aus dem Industrialisierungsprozeß Europas entstandenen innergesellschaftlichen Integrationsproblemen, die zu schweren Auseinandersetzungen führten, war virulent. Dies betraf vor allem die Stellung der Arbeiter und ihrer Bewegung,xli sowie die Einbindung der transnationalen katholischen Glaubensgemeinschaften in die Nationalgesellschaften. Eminent wichtig, insbesondere in Deutschland, war aber auch die Frage, was mit den „proletaroiden Kümmerexistenzen" von Teilen des verarmten alten Mittelstandes oder auch mit den vielen obsoleten Kleinerwerbslandwirten auf dem Lande geschehen sollte.
e) Die überfällige Neuordnung der Weltwirtschaft weg von politischem und wirtschaftlichen Nationalismus sowie der Abschied vom Zeitalter des Imperialismus und Kolonialismus war ein weiteres Modernisierungsproblem Westeuropas nach dem Ersten Weltkrieg. Dabei standen wirtschaftspolitische Konzepte wie freier Welthandel in Konkurrenz zu ebenso beliebten wirtschaftlichen Autarkiebestrebungen, die an Attraktivität und Anhängerschaft vor allem nach den Erfahrungen der gerade überwundenen Weltwirtschaftskrise gewannen. Dies war ein damals also durchaus `moderner´ Gedanke, und bis an die Schwelle der vierziger Jahre orientierten sich viele Wirtschaftswissenschaftler und Politiker in Europa an der Theorie vom Ende des Exportindustrialismus.xlii

Neben den alle westeuropäischen Nationen mehr oder weniger egalitär betreffenden Modernisierungsproblemen sah sich Deutschland zudem mit einer Reihe von spezifisch nationalen Problemen konfrontiert:xliii

i) Die im Vergleich zu anderen modernen Industriegesellschaften überproportional groß gebliebene, nicht ausreichend produktive Landwirtschaft stellte eine belastende politische und ökonomische Hypothek dar.xliv Insbesondere ist hier auch an den anachronistischen, massiven politischen Einfluß des ostelbischen Junkertums zu denken.
ii) Die Bevölkerung in Deutschland war infolge verspäteter nationalstaatlicher Identifizierung ausgeprägt regional und lokal identitätsverhaftet.
iii) Vormoderne patriarchalisch-obrigkeitsstaatliche Strukturen in Staat, Familie und Arbeitswelt erwiesen sich als kontraproduktiv zu dem sich abzeichnenden Modernisierungsprozeß.
iv) Die gesellschaftliche und politische Bevorzugung des Militärs führte zu einem unverhältnismäßig hohen Einfluß dieses Akteurs.xlv
v) Die mittelalterlich anmutenden, zum Teil rechtlich verankerten „ständischen Sekuritäts- und Stabilisierungserwartungen" des selbständigen Mittelstandes und des Handwerks führten dazu, daß sich dieser gegen die nivellierenden Folgen des sozialen Wandels heftig zur Wehr setzte.xlvi

Dieser weltgeschichtliche und nationale Problemkontext bildet den Rahmen, innerhalb dessen das Verhältnis von Nationalsozialismus und Modernisierung diskutiert wird. Dabei gilt es, wie schon erwähnt, zu bedenken, daß Begriffe wie Moderne und Modernisierung heuristische Begriffe sind, die Bezüge politischer und normativer Art zu ihrer jeweiligen Gegenwart haben, deren Bewertung oftmals von persönlichen positiven wie negativen Urteilen über den Modernisierungsprozeß abhängen, selbstverständlich ohne daß dies die Redlichkeit und Geltung wissenschaftlicher Urteile immer beeinträchtigen muß.

Im verstärkten Maße gilt dies natürlich vor allem auch für das Begriffspaar der `sozialen Revolution´, zu dessen Begriffsproblematik ich mich ebenso kurz äußern möchte.xlvii

Ein ähnlich schillernder Ausdruck wie der Begriff der `Modernisierung´ ist der Revolutionsbegriff. Insgesamt gäbe es gute Gründe, den Gebrauch des Revolutionsterminus wegen der großen Definitionsschwierigkeiten im wissenschaftlichen Bereich aufzugeben.xlviii Im Hinblick auf die auch heute in der wissenschaftlichen Literatur weitverbreiteten Neigung, den Revolutionsbegriff extensiv zu benutzen, ist es freilich sinnvoll, sich mit dieser Begrifflichkeit zu beschäftigen, selbst wenn die Definitions- und Interpretationsarbeit im Rahmen dieser Arbeit nur gestreift werden kann. Eine inhaltliche Auseinandersetzung tut aber auch deshalb Not, weil das Adjektiv `revolutionär´ nicht der NS-Propaganda vorbehalten blieb: Bereits vor und auch nach 1933 wurde der Terminus `Revolution´ sowohl von den Anhängern als auch den Gegnern des Regimes zur Beschreibung der Modifikationen in Deutschland ausgiebig benutzt, ja sogar unbestreitbar revolutionäre Zeitgenossen wie Clara Zetkin sahen in der nationalsozialistischen Bewegung mehr als nur „ein Asyl für politisch Obdachlose, für sozial Entwurzelte [...] und Enttäuschte", nämlich durchaus revolutionäre Elemente, „die der bürgerlichen Gesellschaft außerordentlich unbequem, ja gefährlich werden können."xlix

Über die Sinnhaftigkeit der Anwendung des Revolutionsbegriffs auf die nationalsozialistische Politik gibt es nun unterschiedliche wissenschaftliche Auffassungen: sie reichen von einer generellen Ablehnung der wegen seiner „semantischen Verwirrung"l geringen Präzisierbarkeit des Begriffes bis hin zu einer nahezu vorbehaltlosen Übernahme des nationalsozialistischen Revolutionsanspruchs.li Den Begriff `Revolution´ zu verwenden hieße - wie es in der Literatur einmal pointiert beschrieben wurde – „ein semantisches Minenfeld betreten".lii Denn offensichtlich ist häufig neben der wissenschaftlichen Redlichkeit ebenso die jeweilige persönliche Vorliebe entscheidend für das, was per Definition eine `Revolution´ – und ganz besonders eine `soziale Revolution´- ausmacht. Die Ambivalenz traditioneller und revolutionärer Elemente im Nationalsozialismus erfordert jedenfalls ein hohes Maß an begrifflicher Schärfe und das Dilemma liegt darin, daß es zwei grundsätzlich unterschiedliche Auffassungen von `Revolution´ gibt.liii Der Revolutionsbegriff ist einmal geprägt durch den Mythos von der `guten Revolution´: hier wirkt das ethische Vermächtnis der französischen und amerikanischen, je nach politischem Standpunkt natürlich auch der russischen Revolution nach, und man glaubt aus guten moralischen und intellektuellen Gründen diesen Begriff nicht auf die sogenannte nationalsozialistische `Machtergreifung´ anwenden zu können. Marxistische Interpretatoren neigen, das kommt erschwerend hinzu, zu einer Art Alleinvertretungsanspruch auf die wahre und gute Revolution, unterscheiden lediglich etwas simplifizierend zwischen Putsch und Revolution und laufen insofern zeitweilig Gefahr, an intellektueller Neutralität zu verlieren. Dagegen kann man durchaus sinnvoll einwenden, daß eine Revolution nichts Positives, progressives oder moralisch lobenswertes zu sein brauche und auch nicht auf die marxistische Vorstellung von einer grundlegenden Änderung der wirtschaftlichen Substanz einer Gesellschaft beschränkt sein müsse.liv

Als ein wichtiger Repräsentant jener Sichtweise, welche die Anwendung des Revolutionsbegriffs nicht per se ablehnt, gilt Karl-Dietrich Bracher. Er erkennt zwei Möglichkeiten mit dem Begriff Revolution sinnvoll zu arbeiten:lv

Einmal hält er es für möglich, den Revolutionsbegriff auf „sämtliche tiefgreifende politische Umwälzungen" anzuwenden, gleichgültig des dahinterstehenden Menschenbildes und unabhängig von den Auswirkungen auf die jeweilige Sozialstruktur der Gesellschaft. Zum anderen lasse sich der Revolutionsbegriff inhaltlich erweitern, so daß ganz generell „große, langfristige Änderungsprozesse einschneidender Art als Revolution (industrielle, soziale, Entwicklungs- oder Modernisierungs-Revolutionen) zu bezeichnen" wären. Beide Typen sind nach Bracher auf den Nationalsozialismus auch anwendbar, so daß man mutatis mutandis die revolutionären „Qualitäten" des Nationalsozialismus nicht bestreiten könne. Der Nationalsozialismus hätte in sehr effizienter Weise seine „Machtergreifung" als auch die der „Gewaltordnung" neu durchgesetzt, und als eine „Machtergreifung neuen Typs" besitze diejenige Hitlers „geradezu typologische[n] Zuschnitt". Außerdem, so Bracher, müsse man aufgrund der weltgeschichtlichen Nachwirkungen des Nationalsozialismus von einer revolutionären Wirkung gewissermaßen ex post sprechen.

War aber die nationalsozialistische „Erhebung“ nun gewissermaßen eine unfreiwillige Revolution, so wie Dahrendorf es sah? Bracher geht davon aus, daß sich der Nationalsozialismus unter formal-politischen Gesichtspunkten als `revolutionär´ einordnen lasse, betont aber als „zweite große Frage" die Berücksichtigung des intentionalen Aspektes, die „Frage nach seinem revolutionären Gehalt". Es gelte zu untersuchen, welche „Elemente der Ideologie, Programmatik, Zielstruktur des Nationalsozialismus [...] neben der Herrschaftstechnik und in ihrer Umsetzung in Herrschaftspolitik als revolutionär" zu charakterisieren seien.lvi Bracher unterstreicht, daß Erörterungen über das revolutionäre Wesen des Nationalsozialismus die Interdependenz von „Ideologie und Praxis" sowie von „Innen- und Außenpolitik" miteinzubeziehen haben, da diese Wechselwirkungen für den Nationalsozialismus stilbildend seien. Dabei sei auf die ambivalente, ja antinomische Grundstruktur des Nationalsozialismus zu verweisen. Bei jeder Auseinandersetzung mit diesem werde man auf jenen „Grundzug stoßen, der es unmöglich macht, mit einer simplen Formel das Problem der Einordnung zu lösen und eine einfache Antwort auf die Frage: traditionell oder revolutionär, konterrevolutionär oder modernistisch, improvisiert oder planvoll, zu geben."lvii Wie wir später sehen werden, ist vielmehr eine intensive Verflechtung und Verschränkung traditioneller und revolutionärer Elemente charakteristisch für den Nationalsozialismus.

4. Nationalsozialismus und Modernisierung: Zur Frage der Anwendbarkeit und Leistungsfähigkeit der Modernisierungstheorie

Eine der häufigsten Vorwürfe gegen die Modernisierungstheorie lautet, daß sie zu linear, zu harmonistisch und zu normativ, ja zu westlich orientiert sei. Hier sei an die noch bis vor kurzen anhaltende Diskussion über die angeblich alternativ zur Moderne existierenden „asiatischen Werte" erinnert. Das ist sicherlich nicht der Ort für eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit der Kritik an der Modernisierungstheorie an sich, aber es gilt doch sich der spezifischen Vorzüge aber auch Schwächen des Ansatzes für das gestellte Thema bewußt zu werden.lviii

Ein erster methodischer Einwand zielt auf die Abstraktionshöhe des Modernisierungsbegriffs. Dieser Kritik zufolge eigne sich der Terminus lediglich „zum Vergleich großer sozialer Einheiten im säkularen Trend, nicht als Interpretationsschema einzelner Wissenschaftsdisziplinen oder Politikfelder“.lix Demnach wäre es nicht sinnvoll, Modernisierungstheorien auf den Nationalsozialismus anzuwenden, weil ein Zeitraum von lediglich zwölf Jahre zu kurz sei, um Beschleunigungen oder Verlangsamungen von Modernisierungsprozessen zu beobachten. Dem kann man entgegenhalten, daß sich entscheidende gesellschaftliche Veränderungen sehr wohl innerhalb eines kürzeren Zeitraums ereignen können, man denke nur an den `Machtergreifungsprozeß´ oder die partiell traditionszerstörenden Effekte der `Gleichschaltung´. Grundsätzlich gesehen ist es aber zutreffend, daß die meisten Entwicklungen eine längere Entstehungszeit kennen und sich über politische Epochengrenzen hinaus fortsetzen.lx

[...]


11. Anmerkungen

i Die vorliegende Arbeit verwendet durchgängig die „alten“ Rechtschreibregelungen.

ii Vgl. Ernst Nolte (Hg.): Theorien über den Faschismus. Königstein/Ts. 1984, S. 515; Michael Schneider: Nationalsozialistische Durchdringung von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Zur Sozialgeschichte des Dritten Reiches. In: AfS XXXI, 1991, S. 514-557, besonders S. 514-517. Deutlich wird auch, denkt man etwa an die Arbeiten des Instituts für Sozialforschung, daß die Dynamik und Gewalttätigkeit des Nationalsozialismus bis zu seinem Ende unterschätzt wurde. Siehe hierzu: Helmut Dubiel; Alfons Söllner (Hg.): Wirtschaft, Recht und Staat im Nationalsozialismus. Analysen des Instituts für Sozialforschung 1939-1942 von Max Horkheimer, Friedrich Pollock, Franz Neumann, A.R.L.. Gurland, Otto Kirchheimer und Herbert Marcuse. Frankfurt/Main 1981. Vgl. dazu auch Dan Dinner (Hg.): Zivilisationsbruch. Denken nach Auschwitz. Frankfurt/Main 1988.

iii Als Pioniere auf diesem Forschungsfeld sind sicherlich Ralf Dahrendorf: Gesellschaft und Demokratie in Deutschland. München 1965, sowie wenige Jahre später David Schoenbaum: Die braune Revolution. Eine Sozialgeschichte des Dritten Reiches. Köln 1968, zu nennen.

iv Ralf Dahrendorf, Gesellschaft, S. 432-433.

v Vgl. Ian Kershaw: Der NS-Staat. Geschichtsinterpretationen und Kontroversen im Überblick. Reinbek bei Hamburg 1994, S. 235.

vi Vgl. Karl-Dietrich-Bracher: Schlüsselwörter in der Geschichte. Düsseldorf 1978, S. 16.

vii Mein etymologischer Exkurs kann freilich nur recht kursorisch ausfallen. Vgl. hierzu ausführlichst: Hans-Ulrich Gumbrecht Modern, Modernität, Moderne. In: Otto Brunner; Werner Conze; Reinhart Kosselleck (Hg.): Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland, Bd. 4. Stuttgart 1978, S. 93-131.

viii Ebd., S. 99 ff., Zitat S. 100.

ix Ebd., S. 120 ff.

x Vgl. Niklas Luhmann: Das Moderne der modernen Gesellschaft. In: Die Modernisierung moderner Gesellschaften. Verhandlungen des 25. Deutschen Soziologentages in Frankfurt/Main 1990. Herausgegeben im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Soziologie von Wolfgang Zapf. Frankfurt/Main und New York 1991, S. 87-107.

xi Zur Einführung in die Modernisierungsdiskussion s.h. immer noch Hans-Ulrich-Wehler: Modernisierungstheorie und Geschichte. Göttingen 1975. Auch Hans van der Loo, Willem van Reijen: Modernisierung. Projekt und Paradox. München 1992.

xii Zu den wichtigsten älteren modernisierungstheoretischen Ansätzen vgl. Peter Flora: Modernisierungsforschung. Zur empirischen Analyse der gesellschaftlichen Entwicklung. Opladen 1974; Wolfgang Zapf (Hg.): Theorien des sozialen Wandels. Köln 1969. (Diese Titel enthalten zugleich umfangreiche Literaturangaben.)

xiii Vgl. Stichwort Modernisierung in: Manfred Assendorf und Jens Flemming u.a.(Hg.): Lexikon der wissenschaftlichen Grundbegriffe. Reinbek bei Hamburg 1994, S. 445-446; Gerd Reinhold (Hg.): Soziologisches Lexikon. München 1997, S. 442-444.

xiv Hans-Ulrich Wehler, Modernisierungtheorie, S. 11.

xv Ein wichtiger Modernisierungstheoretiker ist Karl Deutsch, der den Begriff Mobilisierung geprägt hat. Dieser Terminus beinhaltet Beschreibungen wie „hohe Partizipation“ und „starke Differenzierung“. Deutsch hat eine Reihe von Indikatoren entwickelt, die es erlauben, die Reibungslosigkeit und Geschwindigkeit der Zirkulation von Gütern, Personen und Informationen in einer Gesellschaft zu untersuchen. Beispielsweise wird die Bedeutung von Wanderungen, das Wachstum der Städte, die Wandlung des Lebensraumes und die Mobilität der Arbeitskraft analysiert. Die Mobilität der Güter ist nach Deutsch an die Intensivierung des (Außen-)handels geknüpft, an eine erhöhte Rentabilität von Handel und Industrie sowie einer Vergrößerung des Wirtschaftsraumes (erhöhte Nachfrage aufgrund einer vergrößerten Geldmasse). Einen weiteren Indikator sozialer Mobilisierung liefert die Zahl und Pluralität der innerhalb einer Gesellschaft umlaufenden Informationen (Bücher, Zeitungen, Rundfunk etc.). Vgl. hierzu auch Raymond Boudon und Francois Bourricaud: Soziologische Stichworte. Opladen 1992, S. 343-349, hier S. 343-344.

xvi Vgl. Ian Kershaw: Der NS-Staat. Geschichtsinterpretationen und Kontroversen im Überblick. Reinbek bei Hamburg 1994, S. 263-264.

xvii Vgl. Fernand Braudel: Die Geschichte der Zivilisation: 15. bis 18. Jahrhundert. München 1979; Shmuel Noah Eisenstadt: Tradition, Modernity and Change. New York 1975; zitiert nach Hans von der Loo und Willem van Reifen, Modernisierung, S. 44 ff.

xviii Vgl. Johannes Berger: Gibt es ein nachmodernes Gesellschaftsstadium? Marxismus und Modernisierungstheorie im Widerstreit. In: Johannes Berger (Hg.): Die Moderne. Kontinuitäten und Zäsuren. Soziale Welt: Sonderband 4. Göttingen 1986, S. 79-96, besonders S. 79-81.

xix Max Weber definiert „Modernität“ allgemein in Anlehnung an den Rationalisierungsbegriff als „Fortschritt an Verrechtlichung“. Außerdem bestimmt er den „Fortschritt zum Kapitalismus“ als „Maßstab der Modernisierung“ sowie der „Fortschritt zum bureaukratischen, auf Anstellung, Gehalt, Pension, Avancement, fachmäßiger Schulung und Arbeitsteilung, festen Kompetenzen [...] ruhendes Beamtentum“ als „ebenso eindeutige[n] Maßstab der Modernisierung“ eines Staates. Vgl. Max Weber: Zur Politik im Weltkrieg. Schriften und Reden 1914-1918. Hg. von Wolfgang Mommsen, S. 450-451. In: Max Weber Gesamtausgabe. Hg. Horst Baier, Rainer M. Lepsius u.a.. Abtl. I: Schriften und Reden, Bd. 15, Tübingen 1984.

xx Vgl. Johannes Berger, Gibt es ein nachmodernes Gesellschaftsstadium?, S. 79.

xxi Karl Marx: Zur Kritik der Politischen Ökonomie. Berlin (Ost) 1969, S. 9. (Marx-Engels Werke, Bd. 13).

xxii Ebd.

xxiii Karl Marx: Das Kapital. Kritik der Politischen Ökonomie (1867). Berlin (Ost) 1968, S. 15. (Marx-Engels Werke, Bd. 23).

xxiv Ebd., S. 12.

xxv In der Bundesrepublik war diese Linie eigentlich nur in den Arbeiten von Wolfgang Zapf bedeutsam, der als einer der profiliertesten deutschen Modernisierungstheoretiker gilt. Vgl. beispielhaft Wolfgang Zapf (Hg.): Modernisierung und Modernisierungstheorien. Arbeitsgemeinschaft Sozialberichterstattung. Wissenschaftszentrum Berlin, Oktober 1990.

xxvi Vgl. Daniel Lerner: Modernization. In: International Encyclopedia of the Social Sciences, Bd. 10, 1968, S. 386-402, Zitat S. 386. Zitiert nach Johannes Berger. Was behauptet die Modernisierungstheorie wirklich und was wird ihr bloß unterstellt? In: ders. (Hg.), Modernisierung und Modernisierungstheorie. Schwerpunktheft des Leviathan, Jg. 19, 1991, Heft 2, S. 45-62.

xxvii Als Überblick auch zur politikwissenschaftlichen Modernisierungstheorie immer noch unentbehrlich: Hans-Ulrich Wehler, Modernisierungstheorie (Anmerkung 11), S. 34 ff.

xxviii Samuel P. Huntington: The Change to Change. Modernization, Development and Politics. In: Comparative Politics, Bd. 3, 1971, S. 288.

xxix Daniel Lerner, Modernization, S. 390.

xxx Die theoretischen Grundlagen der soziologischen Modernisierungstheorie wurden von Parsons gelegt. Vgl. Talcott Parsons: Das System moderner Gesellschaften. München 1972. Zu den Hauptvertretern zählen ferner Eisenstadt, Lerner und Zapf, sowie die politischen Soziologen Huntington und Lipset. Vgl. auch insbesondere Shmuel N. Eisenstadt: Modernization: Growth and diversity. Blommington 1963; ders.: Breakdowns of Modernization. In: Economic Development and Cultural Change, 1964, Ed. 12, S. 345-367; Samuel P. Huntington: Political Development and Political Decay, In: World Politics, Ed. 17, 1965, S. 386-430.

xxxi Verwiesen sei hier nur auf das Sonderproblem, daß einige der systematisch zum Modernisierungsprozeß gehörenden Erscheinungen wie Alphabetisierung oder Industrialisierung in Deutschland natürlich bereits eingetreten waren, Deutschland also ein modernes Land war, andererseits andere zum Modernisierungsprozeß gehörende Veränderungen nicht oder nur teilweise vollzogen wurden (man denke etwa an den überkommenen Einfluß der Großgrundbesitzer und der traditionellen Eliten, an das tradierte Wertesystem oder die überkommenen Sozialisationsmuster). Vgl. hierzu auch Horst Matzerath und Heinrich Volkmann: Modernisierungstheorie und Nationalsozialismus. In: Jürgen Kocka (Hg.): Theorien in der Praxis des

Historikers. Forschungsberichte und Diskussionen (=GG, Sonderheft 3). Göttingen 1977, S. 93, Anmerkung 19.

xxxii Samuel P. Huntington, The Change to Change, S. 288.

xxxiii Vgl. Talcott Parsons: Das System moderner Gesellschaften. München 1972, S. 11 ff.

xxxiv Weber, so hieß es, bewahre uns vor einer unkritischen Bestandsaufnahme der Modernisierungsprozesse. Vgl. hierzu Wolf-Dieter Narr: Theorienbegriffe und Systemtheorie. Stuttgart 1976; Peter Flora: Modernisierungsforschung. Opladen 1974.

xxxv Die Untaten während der nationalsozialistischen Ära werden hier als in letzte Konsequenz dem Modernisierungsprozeß innewohnende Tendenzen gedeutet, vgl. hierzu zum Beispiel Zygmund Baumann: Dialektik der Ordnung. Die Moderne und der Holocaust. Hamburg 1992; ders.: Moderne und Ambivalenz. Das Ende der Eindeutigkeit. Hamburg 1992; auch Frank Bajohr u. a. (Hg.): Zivilisation und Barbarei. Die widersprüchlichen Potentiale der Moderne. Hamburg 1991; Max Miller und Hans-Georg Soeffner (Hg.): Modernität und Barbarei. Soziologische Zeitdiagnosen am Ende des 20. Jahrhunderts. Frankfurt/Main 1996.

xxxvi Vgl. die Ausführungen von Michael Prinz und Rainer Zitelmann (Hg.), Nationalsozialismus und Modernisierung. Darmstadt 1994, Nachwort, S. 352 ff., denen ich nach einer Überarbeitung gefolgt bin.

xxxvii Vgl. hierzu beispielhaft das vorzügliche neue Buch von Volker Wittke: Wie entstand moderne Massenproduktion? Die diskontinuierliche Entwicklung der deutschen Elektroindustrie von den Anfängen der „großen Industrie“ bis zur Entfaltung des Fordismus (1880-1975). Berlin 1996.

xxxviii Vgl. Werner Abelshauser und Dietmar Petzina (Hg.): Deutsche Wirtschaftsgeschichte im Industriezeitalter. Königstein/Ts. 1981.

xxxix Vgl. Knut Borchardt: Zwangslagen und Handlungsspielräume in der großen Wirtschaftskrise der frühen dreißiger Jahre: Zur Revision des überlieferten Geschichtsbildes. In: Michael Stürmer (Hg.): Die Weimarer Republik. Königstein/Ts. 1980. Borchardt macht auf die politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen aufmerksam, die dazu geführt haben, daß die Wirtschaftspolitiker vor Hitler keine wirkungsmächtige Strategie zur Krisenüberwindung gefunden haben.

xl Zu sozialen Staatsbürgerrechten vgl. Thomas H. Marshall: Staatsbürgerrechte und soziale Klassen. In: ders. Bürgerrechte und soziale Klassen. Zur Soziologie des Wohlfahrtsstaates. Frankfurt/Main 1992, besonders S. 33-94.

xli Als Überblick: Jürgen Kocka: Arbeiterverhältnisse und Arbeiterexistenzen. Grundlagen der Klassenbildung im 19. Jahrhundert. Bonn 1990; Heinrich-August Winkler: Der Schein der Normalität. Arbeiter und Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik 1924-1930. Berlin und Bonn 1985, ders. Der Weg in die Katastrophe. Arbeiter und Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik 1930-1933. Berlin und Bonn 1987; Josef Mooser: Arbeiterleben in Deutschland 1900-1970. Klassenlage, Kultur und Politik. Frankfurt/Main 1984.

xlii Vgl. Peter Krüger: Zu Hitlers „nationalsozialistischen Wirtschaftskenntnissen“. In: GG 6, 1980, S. 263-282.

xliii Vgl. Michael Prinz und Rainer Zitelmann (Hg.), Nationalsozialismus, S. 353.

xliv Vgl. Ulrich Kluge: Vierzig Jahre Agrarpolitik in der Bundesrepublik Deutschland., Bd. 1 und 2. Hamburg 1989.

xlv Vgl. Detlev Bald: Von der Wehrmacht zur Bundeswehr. Kontinuität und Neubeginn. In: Werner Conze und Rainer M. Lepsius: Sozialgeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Beiträge zum Kontinuitätsproblem. Stuttgart 1983, S. 387-409.

xlvi Vgl. Jürgen Kocka und Michael Prinz: Vom „neuen Mittelstand“ zum angestellten Arbeitnehmer. Kontinuität und Wandel der deutschen Angestellten seit der Weimarer Republik. In: Conze, Lepsius, Sozialgeschichte (Anmerkung 45), S. 210-255.

xlvii Vgl. hierzu: Eugen Weber: Revolution? Conterrevolution? What revolution? In: Walter Laqueur: Facism. A Reader´s Guide. Analyses, Interpretations, Bibliography. Berkeley 1978, S. 435-467; Karl-Dietrich Bracher: Tradition und Revolution im Nationalsozialismus. In: ders.: Zeitgeschichtliche Kontroversen um Faschismus, Totalitarismus, Demokratie. München 1980, S. 62-78. Die Forschungskontroverse um die Anwendbarkeit des Revolutionsbegriffes auf den Nationalsozialismus referiert: Gerhard Schreiber: Interpretationen 1923-1983. Darmstadt 1988, S. 247-263; Grundsätzlich zum „Mythos Revolution“ vgl. Berliner Debatte INITIAL, „Mythos Revolution“, Heft 5, 9. Jg. 1998.

xlviii Vgl. Eugen Weber, Revolution?, S. 435.

xlix Clara Zetkin: Der Kampf gegen den Faschismus (1923), nach Ernst Nolte: Theorien über den Faschismus (Anmerkung 2), S. 92 ff.

l Vgl. Hans Mommsen, Nachwort. In: David Schoenbaum: Die braune Revolution. Eine Sozialgeschichte des Dritten Reiches. München 1980, S. 361.

li Vgl. Rainer Zitelmann: Hitler. Selbstverständnis eines Revolutionärs. Stuttgart 1991.

lii Jeremy Noakes: Nazism and Revolution. In: Noel O`Sullivan (Hg.): Revolutionary Theory and Political Reality. London 1983, S. 73-100, nach Ian Kershaw, Der NS-Staat (Anmerkung 5), S. 236.

liii Vgl. Karl-Dietrich Bracher, Tradition und Revolution im Nationalsozialismus, S. 62-78.

liv Ebd., S. 55-70.

lv Ebd., S. 69 ff.

lvi Ebd., S. 71 ff.

lvii Ebd., S. 74.

lviii Besonders klar und präzise ist die Zusammenfassung bei Horst Matzerath und Heinrich Volkmann: Modernisierungstheorie und Nationalsozialismus. In: Jürgen Kocka (Hg.): Theorien in der Praxis des Historikers. Forschungsberichte und Diskussionen, (= GG, Sonderheft 3), 1977, S. 87-116, die ich so einleuchtend fand, daß ich ihr bei der Überarbeitung gefolgt bin.

lix Vgl. Jens Alber: Nationalsozialismus und Modernisierung. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 41, 1989, S. 346-365.

lx Vgl. hierzu das Nachwort von Michael Prinz in: ders., und Rainer Zitelmann: Nationalsozialismus und Modernisierung. Darmstadt 1994, S. 348-351.

Details

Seiten
138
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638132541
ISBN (Buch)
9783668105454
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v5345
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Instiut für Sozialwissenschaft
Note
1.3
Schlagworte
Nationalsozialismus Modernisierung

Autor

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Titel: Das nationalsozialistische Deutschland und die "soziale Revolution"