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Nosferatu - Phantom der Nacht - Eine vergleichende Filmanalyse

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 22 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Werner Herzog
2.1. Biografie
2.2. Werner Herzog & Klaus Kinski

3. Handlungsanalyse
3.1. Unterschiede in der Handlung: Stoker-Murnau-Herzog
3.2. Sequenzprotokoll

4. Analyse der Normen und Werte – Symbolik

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Glaube an Vampire und Vampirismus ist seit Jahrhunderten unter verschiedensten Völkern weit verbreitet. Um Vampire oder vampirähnliche Wesen und die Mittel zu ihrer Bekämpfung ranken sich unzählige Mythen, Volksmärchen und Bräuche. Erste Belege von Vampirvorstellungen lassen sich schon für das 12. Jahrhundert finden. Die eigentliche Blütezeit des Vampirglaubens erstreckte sich aber vom 17. bis zum 19. Jahrhundert.[1] In dieser Zeit entstand daher auch eine Fülle an Dichtung und Literatur, die sich mit dem Thema des Vampirismus auseinandersetzte. Besonders in England gab es das seit langem etablierte Genre der „Gothic Tale“, des Schauerromans.[2] In diese Hochzeit der Schauerromane und Vampirliteratur fällt auch das Erscheinen von Bram Stokers Roman „Dracula“ im Jahr 1897 - dem unbestrittenen Klassiker unter den Vampirromanen. Sein Einfluss auf das Genre - sei es in Literatur als auch Film – war und ist seither immens. Bis heute gilt „Dracula“ als der Vampirroman schlechthin. Die meisten späteren Vampirgeschichten gehen auf ihn zurück und auch bei den meisten Filmen, die sich mit diesem Genre auseinandersetzen, ist ein - mal expliziter, mal impliziter – Einfluss durch Stokers Romanvorlage nicht zu verkennen.[3]

Auch der deutsche Regisseur und Meister des Stummfilms, Friedrich Wilhelm Murnau, hat sich in Auszügen von Stokers Roman inspirieren lassen.

Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilm „Nosferatu – eine Symphonie des Grauens“ aus dem Jahr 1921 gilt als einer der ersten Vampirfilme und wird ebenso als Klassiker und Meisterwerk des Genres gefeiert. Werner Herzogs Vorhaben, diesen Klassiker neu zu interpretieren, stellte demnach nicht nur eine Herausforderung, sondern auch ein Wagnis dar, würde er sich doch mit dem gefeierten Original messen lassen müssen. Herzog ließ sich dadurch jedoch nicht einschüchtern, sondern ganz im Gegenteil, fühlte sich dadurch erst recht herausgefordert:

Dieser neue Nosferatu kann in den kommenden 50 Jahren vielleicht erreicht, nicht aber übertroffen werden. […] Natürlich ist klar, dieser Nosferatu aus den Jahr 1921 ist für meine Begriffe der größte und bedeutsamste Film , der jemals im deutschen Film gemacht worden ist.[…]Ich habe mir dann gedacht, mein Film ist so eigenständig und weicht auch so stark davon ab, dass ich also gar nicht in Konkurrenz zu treten brauche. […] Ich kann mich übrigens, nachdem ich den Film fertig gesehen habe, glaube ich, sehen lassen. Der ist doch so eigentümlich und so neuartig und hat auch das Genre weiterentwickelt, so dass ich mich doch sehen lassen kann – und auch ganz ruhigen Gewissens…er respektiert die Gesetzmäßigkeiten des Genres“ [4]

Das Genre des Vampirfilms hat sich im Laufe der Jahre immer wieder gewandelt und erneuert – wobei einige genrespezifische Elemente jedoch immer weitestgehend erhalten blieben:

Düstere Schlösser, Heimaterde in Särgen, Blutgier des Vampirs, sexuelle Attraktivität und junge Frauenhälse[5] - um nur einige zu nennen.

In wie weit sich die Darstellungsweise dieser spezifischen Charakteristika des Genres im Laufe der Zeit verändert hat, soll in dieser Arbeit anhand des Dreiervergleichs von Bram Stokers Roman „Dracula“ und der Umsetzung seiner Motive in Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilmklassiker „Nosferatu –Symphonie des Grauens“ und Werner Herzogs Remake „Nosferatu – Phantom der Nacht“ analysiert werden. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Analyse von Werner Herzogs Remake „Nosferatu –Phantom der Nacht“.

- Bei Herzogs Remake soll untersucht werden, was
- im Vergleich mit Stoker und Murnau unverändert blieb: welche Konstanten im Genre bestehen
- welche Änderungen vorgenommen wurden: welche Variablen bestehen, und wie sie motiviert waren ( Regisseur, ästhetisch, gesellschaftlich )

Was macht die Besonderheit an Werner Herzogs Remake von Murnaus Stummfilmklassikers aus?

Welche Neuinterpretationen nimmt er vor, wie sind diese ästhetisch umgesetzt und welche Bedeutung ist ihnen beizumessen?

Und letzten Endes:

Ist Herzog - gemessen an seiner eigenen Einschätzung - eine gleichzeitige Hommage und Neuinterpretation des Murnauklassikers, sowie eine Modifizierung des Genres gelungen?

Diese Fragen sollen in der folgenden Arbeit analysiert werden. Um Herzogs eigenwillige Arbeitsweise verstehen zu können, ist daher zu allererst ein Blick auf dessen Biografie und Bezugspersonen ( vor allem Klaus Kinski ) seines künstlerischen Lebens zu werfen, bevor dann eine genauere Analyse der Handlung, Figuren, Bauformen, Normen und Werte des Films vorgenommen werden kann, um zu einem Fazit zu gelangen.

2. Werner Herzog

2.1. Biographie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Werner Herzog ist der Grenzgänger des deutschen Filmes. Er liebt das Extreme in der Arbeit und erzählt davon in seinen Werken. Körperlich scheut er keine Strapazen, besteigt Berge, schlägt sich durch Dschungel. Seine Werke werden heiß verehrt und doch auch immer wieder als spröde kritisiert.[6]

Als Opernregisseur begeisterte er seit Mitte der 80er-Jahre vor allem durch seine Wagner-Inszenierungen.

Werner Herzog wurde am 05.09.1942 als Werner H. Stipetic in München geboren und sieht sich als bayerischer Regisseur. Er wuchs auf einem Bauerhof in den oberbayerischen Bergen auf.

Er studierte Geschichte, Literatur- und Theaterwissenschaften in München und Pittsburgh, USA.[7]

Neben Spielfilmen drehte er auch Dokumentarfilme. Sein Werk umfasst aber auch Prosa und Drehbücher. Er gilt als renommierter Opernregisseur. Sein Ruf als schwieriger Charakter geht einher mit der Bewunderung für seinen kühnen Geist und eisernen Willen bei all seinen Projekten. Herzog ist ein naturbegeisterter Romantiker.

Auch als Dokumentarfilmer sucht Herzog die Extreme. Fiktion und Dokumentation, erklärt Herzog, seien für ihn keine Gegensätze. Deswegen ist es Herzog auch gleichgültig, ob er mit Schauspielern oder Laien arbeitet. In seinen Dokumentarfilmen porträtiert er außergewöhnliche Personen. In seinen besten Spielfilmen widmet er sich ekstatischen Männern, wie in „Aguirre" oder „Fitzcarraldo".[8]

Viele seiner Filme drehte er in englischer Sprache. Seine fruchtbarste Filmzeit hatte er in der Zusammenarbeit mit Klaus Kinski. In fünf seiner bekanntesten Filme – „Aguirre, der Zorn Gottes" , „Nosferatu - Phantom der Nacht", „Woyzeck", „Fitzcarraldo" und „Cobra Verde" – besetzte er die Hauptrolle mit Klaus Kinski. Kinski war Herzogs Alter Ego. Nach Kinskis Tod erzählte Herzog über die oftmals schwierige Beziehung und zugleich ungewöhnliche Freundschaft der beiden 1999 in seinem Dokumentarfilm „Mein liebster Feind”.

Herzog sucht immer das Authentische. In „Fitzcarraldo" ließ er von Indios ohne Rücksicht auf Verluste ein Boot über einen Berg ziehen. Mit dieser wahrhaftigen Kraftanstrengung schaffte er echte Bilder für die Leinwand. Dass er mit diesem Wahnsinn, auch in finanzieller Hinsicht, Produktionen ruinieren kann, ist ihm egal. Für Herzog steht immer das Schicksal des Einzelnen im Vordergrund, niemals die Erzählung.[9]

Als filmischen Paten nennt Herzog für sich Friedrich Wilhelm Murnau und dessen Stummfilme. Der filmische Expressionismus dieser Zeit begeistert ihn nicht zufällig – er kommt Herzogs Hang zum Pathetischen entgegen. Entsprechend ist es nicht verwunderlich, dass er ein melancholisches Remake des Filmklassikers „Nosferatu" gedreht hat.[10]

„Nosferatu“ war Herzogs erste internationale Großproduktion. Herzog standen für sein Projekt mit amerikanischer Unterstützung 2,5 Millionen Mark zur Verfügung – für 1978 ein großes Budget. Nach eigener Aussage Herzogs bildet „Nosferatu – Phantom der Nacht“ein Bindeglied zwischen dem hochgefeierten klassischen deutschen Vorkriegsfilm und der neu entstehenden deutschen Filmkunst nach der durch den Zweiten Weltkrieg geschlagenen Lücke.[11]

Seine eigene Produktionsfirma gründete Herzog 1963 in München. Er lebt ständig in München und San Francisco.

[...]


[1] vgl. Prodolliet, S. 20.

[2] ebd.

[3] vgl. Prodolliet, S. 17.

[4] Herzog, Werner: zit. nach: Prüßmann, S. 109.

[5] vgl. Faulstich S. 201

[6] vgl. http://www.deutsches-filmhaus.de/bio_reg/h_bio_regiss/herzog_werner_bio.htm

[7] vgl. http://www.wernerherzog.com/main/index.htm

[8] vgl. http://www.deutsches-filmhaus.de/bio_reg/h_bio_regiss/herzog_werner_bio.htm

[9] vgl. http://www.deutsches-filmhaus.de/bio_reg/h_bio_regiss/herzog_werner_bio.htm

[10] vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Herzog

[11] vgl. Prüßmann S: 106.

Details

Seiten
22
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638489324
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v53492
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg
Note
2,0
Schlagworte
Nosferatu Phantom Nacht Eine Filmanalyse Medienwechsel Dracula Buch/Hörspiel/Film Thema Nosferatu

Autor

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