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Das Symbol "Tür“ im Religionsunterricht einer 3. Klasse als Zugang zu Advent und Weihnachten

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 19 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Sachanalyse
1.1 Symbole
1.1.1 Allgemein
1.1.2 Religiöse Symbole
1.2 Symbol „Tür“
1.2.1 Allgemein
1.2.2 Christliche Bedeutung
1.3 Advent

2. Didaktische Überlegungen
2.1 Bedeutung von „Türen“ in der Lebenswelt der Kinder
2.2 Bedeutung der Unterrichtsstunde für die Kinder / Allgemein: Symbole im Religionsunterricht
2.3 Entwicklung des Symbolverständnisses bei Kindern
2.4 Unterrichtseinheit zum Thema „Tür“ in der Adventszeit
2.5 Einordnung des Themas in die Richtlinien des Bildungsplanes
2.6 Lernziele

3. Methodische Analyse
3.1 Unterrichtseinheit zum Thema „Symbol“
3.1.1 Erste Unterrichtsstunde
3.1.2 Zweite Unterrichtsstunde
3.1.3 Dritte (ausführliche) Unterrichtsstunde
3.1.4 Vierte Unterrichtsstunde
3.1.5 Folgende Unterrichtsstunden

4. Verlaufsplanung

5. Literaturverzeichnis

1. Sachanalyse

1.1 Symbole

1.1.1 Allgemein

Der Begriff „Symbol“ geht auf das griechische Wort „symballein“ zurück, das ursprünglich so viel wie „zusammenwerfen“, „zusammenfügen“ bedeutet. In der antiken Welt spielte das Symbol eine durchaus praktische Rolle. Ein Symbol war ein in zwei Teile auseinandergebrochener Gegenstand, z.B. ein kleines Täfelchen, ein Ring, ein Knochen. Gastfreunde, Boten, Vertragspartner... brachen den Gegenstand beim Abschied auseinander. Später konnte er zur Erkennung wieder zusammengefügt werden.

Heutzutage ist das Wort „Symbol“ angesichts verschiedenster psychoanalytischer, soziologischer, philosophischer, theologischer und sprachwissenschaftlicher Symboltheorien bedeutungsbreit. Ich möchte trotzdem versuchen, den Begriff „Symbol“ grob zu erläutern.

Symbole sind eine besondere Gruppe von Zeichen. Sie „weisen auf etwas hin, was außerhalb ihrer selbst liegt.“[1] Jedes Symbol ist also zweiteilig und besteht aus einer materiellen sowie einer immateriellen Ebene. Die materielle Ebene ist etwas physisch Wahrnehmbares und wird Signifikant (das Bezeichnende) genannt, die immaterielle Ebene ist etwas physisch Nicht – Wahrnehmbares und wird Signifikat (das Bezeichnete) genannt. Zwischen dem Symbol und dem von ihm Repräsentierten besteht ein innerer Zusammenhang. In der Regel hat jedes Symbol eine Geschichte, in deren Verlauf es entstanden ist. Das Bezeichnete und das Bezeichnende lassen sich - im Gegensatz zum willkürlich gesetzten Zeichen - nicht austauschen. „Die Erscheinung des Symbols ist nicht etwas Zufälliges, sondern gehört letztlich zum Wesen der sich darstellenden Wirklichkeit"[2] Paul Tillich bezeichnet diese Eigenschaft des Symbols als Selbstmächtigkeit. Außerdem nennt er jedes Symbol uneigentlich, „es weist über sich hinaus auf das im Symbol Gemeinte, das Symbolisierte. Um des Symbolisierten willen muss es sich selbst ständig verneinen und überflüssig machen.“[3] Der eigentliche Sinn, auf den das Symbol verweist, kann nur dann wirklich zur Geltung kommen, „wenn das Symbol sich selbst in seiner direkten Anschaulichkeit und Gegenständlichkeit transzendiert.“[4]

Ein Symbol ist inhaltlich nicht eindeutig zu bestimmen. „Als prinzipiell unendlich interpretierbare Variable bedingt es sich in Abhängigkeit vom jeweiligen Kontext mit seinen möglichen

Inhalten und Interpreten und kann so stets neue Bedeutungen erhalten.“[5]

Symbole haben auch eine begrenzte Bedeutung. Ein Gegenstand kann in einem bestimmten Kontext (z.B. eine gesellschaftliche oder religiöse Gruppe) eine Bedeutung/einen Sinn haben. Für andere Menschen ist es jedoch ein simpler Gegenstand.

Symbole sind ambivalent, d.h. sie können Gegenteiliges (positives und negatives) ausdrücken, z.B. Symbol Hand: streicheln und schlagen.

Auch Handlungen, Gebärden und Worte können Symbole sein. Dementsprechend kann ein und derselbe Inhalt in sehr verschiedenen Bereichen symbolische Gestalt gewinnen. Als Symbol der Liebe kann z.B. gelten: der Kuss, die Umarmung, das bloße Bild der Umarmung, die rote Rose, die Farbe Rot allein, der Rosenduft allein usw.

Symbolische Sprache findet man z.B. in Mythen, Märchen, Sagen und Legenden.

1.1.2 Religiöse Symbole

Symbolische Sprache ist die Sprache der Religion für das, was über den menschlichen Verstand hinausgeht. Alle Religionen, die an einen Gott glauben, standen schon immer vor der Frage, wie es den Menschen möglich sein könnte, Anteil am Göttlichen (Transzendenten) zu haben. Man glaubt, dass man durch den Umgang mit Riten und Symbolen Anteil daran gewinnt. „Der Begriff des Symbols in der Theologie gründet sich vielfach auf dem Symbolbegriff Paul Tillichs [Er nennt Symbole „gegenständliche Vertreter des Unbedingt – Transzendenten und der Beziehung zu ihm.“[6] ] und seiner Gottesvorstellung“[7], auf welche im Rahmen dieser Seminararbeit jedoch nicht näher eingegangen werden kann.

1.2 Symbol „Tür“

1.2.1 Allgemein

Eine Tür legt den Gedanken des Übergangs, der Schwelle zwischen zwei Bereichen nahe: zwischen zwei Zimmern, dem Drinnen und Draußen, zwischen Bekanntem und Unbekanntem, Licht und Finsternis... Das Symbol „Tür“ ist zweideutig: Es bedeutet Aufnahme und Ausschluss. Türen können einladen oder signalisieren: „kein Zutritt“

Die Tür ist auch Symbol für den Übergang von einer Phase zur nächsten, den ein Mensch schafft oder nicht schafft. Die offene Tür kann einladen zu einer Veränderung, Umorientierung oder neuen Perspektiven, die sich bieten. Die verschlossene Tür kann stehen für das Warten – Müssen, für die innere Blockade.

Der Mensch erlebt die Tür in ihrer doppelten Funktion und erkennt sich zugleich wieder in ihr. Denn auch wir können verbinden, Zugang schaffen, durchlässig sein. Wir nehmen Vermittlerfunktionen wahr, tragen zur Kommunikation und somit zu einem besseren gegenseitigen Verständnis bei. Auf der anderen Seite können wir auch verhindern, abblocken, verbergen, verstecken. Dadurch wird die Kommunikation mit anderen Menschen gestört, erschwert oder sogar unmöglich gemacht.

1.2.2 Christliche Bedeutung

Eine Kirchentür symbolisiert den Eingang zum Haus Gottes. „In der frühen Kirche war es üblich, dass Neu-Christen die Kirchenschwelle erst nach Erfüllung der Aufnahmebedingungen und schwere Sünder sie erst nach Sühne ihrer Schuld überschreiten durften.“[8] Das Durchschreiten der Kirchentür symbolisierte also auch den Übergang von der Schuld zur Gnade und den Weg in Gottes Nähe. Doch nicht nur wir können Gottes Nähe suchen, sondern er kommt selbst in diese Welt und sucht den Weg zu uns. Dabei stößt er auf Türen, die teilweise offen und teilweise geschlossen sind. Sie bedeuten Aufnahme und Ausschluss. Gott öffnet jedem Menschen die Tür zu ihm , doch nicht alle Menschen öffnen Gott ’ihre Tür’, dabei steht er davor und möchte zu uns kommen (Offenbarung 3,20: „Siehe ich stehe vor der Tür und klopfe an.“). In diesem Sinne forderte Papst Johannes Paul II. am 22. Oktober 1978, dem ersten Tag seines Pontifikates, die Welt auf: „Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus!“[9]

In vielen christlichen Liedtexten, besonders in Advents- und Weihnachtsliedern, kommt dieser Aspekt des Türe – Öffnens für Gott vor, so z.B. in dem bekannten Adventslied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit...“. In einem anderen Adventslied wird an Gott die Bitte formuliert: „O Heiland, reiß die Himmel auf [...] reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für.“ Dass Gott durch die Geburt Jesus Christus an Weihnachten diese Tür tatsächlich für uns geöffnet hat, wird im folgenden Lied besungen: „Lobt Gott, Ihr Christen all zu gleich [...], der heut schließt auf sein Himmelreich und schenkt uns seinen Sohn. [...] Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis; der Cherub steht nicht mehr dafür. ...” In der Bibel ist diese offene (Himmels-) Tür ein Sinnbild für die Kommunikation Gottes mit den Menschen, ein Symbol für die Verbindung von Gott und Mensch. Das Bild der Himmelstür taucht sowohl im Alten als auch im Neuen Testament oft auf. So sieht Jakob in Genesis 28 in einem Traum die geöffnete Pforte des Himmels, die den Blick auf Gott frei gibt. Auf sie wird auch im Buch der Offenbarung in Kapitel 4, 1ff Bezug genommen: „Danach sah ich, und siehe, eine Tür war aufgetan im Himmel...“ In Matthäus 16, 19 gibt Jesus symbolisch Petrus die Schlüssel des Himmelreiches. Sehr zentral ist auch die Rede von der engen Pforte und der verschlossenen Tür in Lukas 13,22ff.

„Insgesamt lässt sich sagen, dass im NT Gottes Handeln in Jesus als Öffnen der Tür zum Paradies ausgelegt wird, die seit dem Sündenfall geschlossenen war“[10] (Genesis 3). Jesus redet in Johannes 10, 7 & 9 sogar von sich selber als der Tür.

So zerreißt auch in seiner Todesstunde der Vorhang im Tempel, der das Allerheiligste (also den Bereich Gottes) von den Menschen trennt (z.B. Lukas 23, 45). Diese Trennung wird also durch seinen Tod durchbrochen.

Das Bild der Tür kommt in der Bibel noch an vielen weiteren bedeutsamen Stelle vor. Diese können jedoch an dieser Stelle nicht alle genannt werden. Ich habe mich dewegen auf die Stellen in der Bibel beschränkt, deren Bedeutung zum größten Teil für diese Unterrichtsstunde besonders bedeutsam sind.

1.3 Advent

Der Begriff „Advent“ geht zurück auf das lateinische Wort „adventus“, das „Ankunft“ heißt. In den christlichen Kirchen ist die Adventszeit die Vorbereitungszeit auf das Fest der Geburt Christi, sowie die Wiederkunft zum Gericht. Schon im 6. Jahrhundert nach Christi Geburt wurde die Adventsliturgie in ihren Grundzügen von Papst Gregor dem Großen festgelegt. Die Adventszeit umfasst die vier Wochen vor Weihnachten mit ihren vier Adventssonntagen. Diese vier Wochen sollen symbolisch auf die 4000 Jahre hinweisen, welche die Menschheit nach kirchlicher Rechnung auf die Ankunft des Erlösers warten musste. Die Adventszeit ist mit vielen Volksbräuchen durchsetzt, z.B. Adventskranz, Adventskalender, Nikolaustag.

[...]


[1] nach: Tillich, Paul: Offenbarung und Glaube, Schriften zur Theologie II. Gesammelte Werke VIII.

Stuttgart 1970, S.139 in: Biehl / Baudler, Erfahrung – Symbol – Glaube, S. 147

[2] nach: Wörterbuch der Symbolik. Hg. v. M. Lurker. Stuttgart 1991, S. 719f.

auf: http://www.br-online.de/bildung/databrd/sch1.htm/fakten1.htm

[3] Biehl/Baudler: Erfahrung – Symbol – Glaube, S.59 f

[4] ebd, S.60

[5] http://www.4dp.de/4dp.htm

[6] nach: Tillich, Religiöser Symbolismus, in: Die Frage nach dem Unbedingten, Schriften zur Religionsphilosophie, in: GW V, Stuttgart 1964, S. 198 à Paper aus dem Seminar: „Das Symbolverständnis von Paul Tillich“

[7] http://www.4dp.de/4dp.htm

[8] http://www.rpi-loccum.de/download/tuer.rtf

[9] ebd.

[10] ebd.

Details

Seiten
19
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638489447
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v53506
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
1,0
Schlagworte
Symbol Symboldidaktik

Autor

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Titel: Das Symbol "Tür“ im Religionsunterricht einer 3. Klasse als Zugang zu Advent und Weihnachten