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Die Lähmung der Innovationsfähigkeit durch die Institutionalisierung von Bildung.

Hausarbeit 2002 24 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2.1 Bildung wird zur Ware im Tausch gegen gesellschaftliche Positionen
2.2 Die Erhöhung der Bildungsnachfrage fördert Halbbildung
2.3 Die Entfremdung von Lehrinhalt und –form kann als Folge der Institutionalisierung der Halbbildung gesehen werden

3. Die Soziale Herkunft entscheidet über das Bildungsverhalten und den Erfolg
3.1 Die Unterschiede sozialer Herkunft
3.2 Die Wertorientierung bestimmt die Lebensentscheidung für Bildung
3.3 Der Einfluß der Eltern auf die Laufbahnentwicklung

4. Konklusion

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Auftrag an die Sächsische Hochschulentwicklungskommission aus dem Jahr 1999 wird der „starke Verlust an innovationsfreudigen und unternehmerisch begabten Menschen“ beklagt und mit der vergangenen SED-Herrschaft begründet (vgl. Weiler u.a. 2001, S.6) Der Auftrag wird sich damit einer gesellschaftlichen Erscheinung bewusst, die infolge der Sozialisation der breiten Bevölkerung durch ein Netzwerk staatlicher Institutionen entstanden ist, die sich durch Eigenschaften auszeichneten, auf die Innovationsfreude und unternehmerische Begabung einschränkende Wirkungen gehabt zu haben. Elf Jahre nach dem Fall der SED-Herrschaft konstatiert der Bericht der Kommission im ersten Kapitel den Umstand knapper staatlicher Ressourcen bei einer gleichzeitig wachsenden Nachfrage nach höherer Bildung und eröffnet unter dem Titel „Herausforderungen für die Hochschule von morgen“ mit der Feststellung einer sich verschärfenden Konkurrenz um „Wissenschaftler, wissenschaftlichen Nachwuchs und Mittel“ und der zukünftigen Entwicklung einer weiteren Differenzierung der wissenschaftlichen und didaktischen Ziele. Als in Frage kommenden Weg, die Herausforderungen zu bestehen, wird unter anderem die Reform der Auswahl- und Zulassungsverfahren ins Blickfeld gerückt. Die „Auswahl der Studierenden“ durch die Hochschule wird in Erwägung gezogen. Zudem wird die Notwendigkeit der Befriedigung eines lebenslangen, berufsbegleitenden Qualifizierungsbedarfs identifiziert, für den die Hochschulen „einen [...] Ausbildungssektor zu entwickeln“ haben. (vgl. a.a.O., S.4f)

In einem solchen Mangel an innovativen Menschen bei einer gleichzeitig expandierenden Bildungsnachfrage kommen zwei Phänomene zum Ausdruck, die sich unter Umständen bedingen. Da die Ausgangslage den Lebenslauf gestaltenden Institutionen angelastet wird, stellt sich die Frage, ob die kommende institutionelle Struktur tatsächlich eine Verbesserung verspricht oder das beschriebene Problem der Ausgangslage einfach ein systemimmanentes Phänomen institutioneller Bildung ist, das zu reproduzieren man in der institutionalisierten Bildung ständig Gefahr läuft.

Es stellt sich die Frage, ob der Verlust innovationsfreudiger Menschen nicht gerade durch die Differenzierung der institutionellen Bildung gefördert wird. Wachsende Absolventenzahlen höherer Bildung verändern den Arbeitsmarkt und damit die Art und Weise der Zuteilung von Lebenschancen durch die höhere Bildung (vgl. Reinhold 1997; Lutz 1983). Die Möglichkeiten sozialen Aufstiegs mittels sich differenzierender Möglichkeiten institutioneller Bildung initiieren dabei einen gesamtgesellschaftlichen Lernprozeß, in den reine Positionsinteressen einfließen und die Bildung zu der von Adorno beschriebenen Halbbildung verkommen lassen. Die Bildungsexpansion reproduziert eine Hierarchie gesellschaftlicher Positionen, die sich als Spezialisierungen in der Struktur der Produktionsverhältnisse beschreiben lassen, indem sie das Individuum über den Bildungstitel in den Produktionsprozeß integriert und ihm zugleich die Annerkennung der Selektion anerzieht. Die Reproduktion sozialer Ungleichheit wird hierdurch verschärft, da die Fähigkeit, die Selektionsfunktion einer institutionell sozialisierten Halbbildung durch eine im privaten bejahte Bildung zu überwinden, vom sozio-kulturellen Kapital der jeweiligen Schicht abhängig gemacht wird.

Die Überwindung der anerzogenen Unmündigkeit hin zu Innovation und unternehmerischem Geist liegt auf diese Weise in den Händen der familialen Sozialisation, in denen nur ein entsprechendes Bildungsverständnis und private Initiative gegen die institutionelle Halbbildung gefeit macht. Mechanismen, die darauf abheben, innovative, unternehmerisch begabte und leistungswillige Aspiranten zu identifizieren und zu fördern, verklären die Konstitution dieser Individuen und verschärfen soziale Ungleichheiten, indem sie Kinder höherer und mittlerer Schichten begünstigen. Hierzu ist bekräftigend hinzuzufügen, dass „empirische Studien [...] nachweisen [konnten], dass unterschiedliche Bevölkerungsgruppen einen ungleichen Zugang zu Bildung finden. [...] Für Kinder aus Familien gehobener Sozialstellung ist die Wahrscheinlichkeit, eine weiterführende Schule erfolgreich abzuschließen, um ein mehrfaches höher als für Kinder aus unterprivilegierten Familien“ (Hurrelmann 1985, zit. nach Reinhold 1997)

Im ersten Teil lege ich den Begriff der Halbbildung nach Adorno dar und erkläre anhand von Lutz den gesamtgesellschaftlichen Prozeß, der die gesellschaftsweite Sozialisation einer wie von Adorno beschriebenen Halbbildung fördert. Das die von Adorno und Lutz beschriebene Phänomenologie eine Wirklichkeit besitzt, belege ich mit Beispielen aus der Erziehungssoziologie.

Im zweiten Teil erörtere ich, wie die soziale Herkunft über das Bildungsverhalten und den Erfolg entscheidet. Hierbei entwickle ich eine Unterscheidung, in der ich zwischen den unterschiedlichen Herkunftsmilieus trenne, wobei ausschlaggebend ist, ob ihre Mitglieder dazu neigen, in ihrem Milieu zu verbleiben oder ob sie den sozialen Aufstieg anstreben. Als ausschlaggebend für diese Lebensentscheidung ist die milieuspezifische Wertorientierung. Da über die weitere Laufbahnentwicklung der Einfluß der Eltern entscheidet, lege ich dar, welche Funktionen die familiale Sozialisation im Detail besitzt, welche schichtspezifisch Qualitäten den Eltern zugerechnet werden und wie der Einfluß der Eltern über den schulischen und beruflichen Erfolg der Kinder entscheidet.

2.1 Bildung wird zur Ware im Tausch gegen gesellschaftliche Positionen

Adorno beschreibt Kultur als Mittel zur Kontrolle, wobei Bildung eine Schlüsselrolle einnimmt und deren Gestaltung im Interesse der Machthabenden liegt. Sie integriert die Massen in das System der gegebenen Produktionsverhältnisse. Wird Bildung dabei von den zu Bildenden als Besitz verstanden, der gegen berufliche Positionen getauscht werden kann, bezeichnet Adorno die zum Ziele eines solchen Tauschs erworbene Bildung als Halbildung.

Adorno thematisiert Halbbildung, weil sie seiner Meinung nach zum Problem zu werden droht: „Die Wahlverwandtschaft von Halbbildung und Kleinbürgertum liegt auf der Hand; Mit der Sozialisierung der Halbbildung beginnen auch ihre pathischen Züge die ganze Gesellschaft anzustecken, entsprechend der Instauration des auf Touren gebrachten Kleinbürgers zum herrschenden Sozialcharakter“ (Adorno 1990, S.118).

Adorno entwickelt in seiner Theorie der Halbbildung einen Begriff von der Kultur als der Kontrolle über das Dasein, „über den menschlichen Trieb, schließlich über den Lebensprozeß der Gesellschaft insgesamt“ (a.a.O., S.96) und einen Begriff von der Bildung als „Kultur nach der Seite ihrer subjektiven Zuneigung“ (a.a.O., S.94). Kultur als Kontrolle des Daseins ist daher Richtschnur für die Anpassung und ist Mittel zur Integration der Massen. Allein deshalb ist ihre Gestaltung eine Angelegenheit der Macht und findet im institutionalisierten Bildungssystem der Gesellschaft statt. „Bildung und Staatshandeln sind Teil und Gegenstand [des] sozialen Konflikts um das Staatshandeln.“ (Kolbe u.a. 1990, S.29)

„Ohne Bildung hätte der Bürger, als Unternehmer, als Mittelsmann, als Beamter und wo auch immer kaum reüssiert“ (Adorno 1990, S.98). Bildung ist das Mittel zum Erfolg. Die Integration der breiten Masse in die Bedingungen der materiellen Produktion verlangt daher Bildung, jedoch dulden diese Bedingungen „schwerlich jenen Typus von Erfahrung, auf den die traditionellen Bildungsinhalte abgestimmt waren.“ (a.a.O, S.101) Bildung verkommt im Integrationsprozeß der Massen in die Produktionsverhältnisse zur Halbbildung, weil ihre Sachgehalte als Waren verstanden werden, deren Besitz den Besitzenden suggeriert, sich zu einer Klasse von Leuten zählen zu können, die sich innerhalb eines bestimmten Bereichs der Produktionsverhältnisse selbst bestimmen können. (vgl. a.a.O., S.103) Die Statusgesellschaft verwandelt so die Reste von Bildung in Embleme des Status. „Halbbildung ist der vom Fetischcharakter der Ware ergriffene Geist.“ (a.a.O., S.108)

Mit diesem warenhaften Begriff von Bildung aber geht die Bildung im eigentlichen Sinne verloren. Sie ist dann nicht mehr „Kultur nach der Seite ihrer subjektiven Zuneigung“ (s.o.) mehr. Mit dem Durchlaufen des institutionellen Bildungswesen verliert das Individuum nach Adornos Ansicht das „unmittelbare Verhältnis zu den Objekten“, das zum kritischen Bewusstsein gesteigert werden kann. „Der Sozialcharakter [...] geistiger Mensch [...] stirbt aus. Der vermeintlich Realismus jedoch, der ihn beerbt, ist nicht näher zu den Sachen, sondern lediglich bereit, [...] die geistige Existenz komfortabel einzurichten und zu schlucken, was in ihn hineingestopft wird.“ (a.a.O., S.105f) Verliert das Individuum die Fähigkeit, die reinen Ideen mit der Sache selbst in Beziehung zu setzen und den Unterschied zwischen ihnen zu fühlen, so ist es „um die Bildung geschehen“. (vgl. a.a.O. S.104ff) “Das Moment der Unwillkürlichkeit […] verdirbt im grellen Licht der Überprüfbarkeit“; in der zur Norm, zur Qualifikation gewordenen, kontrollierbaren Bildung.

An die Stelle einer zur Innovation fähigen, lebendigen Kraft der Bildung tritt die Institution der Halbbildung als Tauschware. (vgl. a.a.O. S.115)

2.2 Die Erhöhung der Bildungsnachfrage fördert Halbbildung

Die Nachfrage nach dieser Tauschware ist die Reaktion auf eine als konstant erlebte Ungleichheitsstruktur in der Gesellschaft, die sich an der ungleichen Verteilung von Privilegien, Ressourcen, Chancen, Belastungen, dem Ausmaß von Ungleichheit von Einkommen, sozialen Risiken, sozialer Dienste und dem Sichtbarkeitsgrad von Ungleichheit festmachen lässt. (vgl. Lutz 1983, S.235). Die Nachfrage entsteht, weil Bildung als Tauschware die Möglichkeit sozialen Aufstiegs verspricht.

Die Nachfrage nach höherer Bildung ist nach Lutz im 19. Jahrhundert entstanden, weil das System bürgerlicher Herrschaft sich zum Zwecke seines Machterhalts nach unten öffnen musste, was eine Chance auf intergenerativen Aufstieg bot, was sich fundamental von der vorangegangenen, ständisch organisierten Gesellschaft unterschied. Die Selektion zur höheren Bildung setzte die Homogenität der zur Wahl stehenden Absolventen voraus, wobei die Abschlusszahlen knapp gehalten wurden, um dauerhafte Überangebote zu vermeiden. Die weiter zunehmende Kongruenz der beruflichen Hierarchie mit der Bildungshierarchie förderte indes die Bildungsnachfrage. Trotzdem also die Bedeutung der höheren Bildung als Mittel sozialen Aufstiegs aufgrund knapper Absolventenzahlen zunächst gering blieb, wurde dennoch zunehmend ein gesamtgesellschaftlicher Lernprozeß in Gang gesetzt, der ein Bewusstsein für die Möglichkeit sozialen Aufstiegs mittels höherer Bildung schaffte.

Die so latente Bildungsnachfrage wurde dann infolge gesellschaftlicher Veränderungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts potenziert. Ökonomische, soziale und infrastrukturelle Brüche fielen weg. Wirtschaftliche Probleme der Familie und das Problem ausreichender räumlicher Nähe zu einer weiterführenden Schule traten durch das Ansteigen der Masseneinkommen, sozialstaatliche Absicherung und die von Staats wegen betriebene Expansion des Bildungswesens in den Hintergrund, während ein staatliches Interesse an der Integration „der gesamten Bevölkerung in ein komplexes, multimediales System der Massenkommunikation“ dazu beitrug, „informative Zugangsbarrieren zu höherer Bildung abzubauen“ (vgl. a.a.O., S.232f); was bereits Adorno als Integration in die sich verändernden Produktionsverhältnisse verstand.

Die zunehmende Dichte des Versorgungsnetzes mit Einrichtungen höherer Bildung, die eigenständige Nachfrage nach Arbeitskräften des expandierenden Systems selbst und die weiterhin sichtbare Ungleichheit innerhalb der struktuellen Zusammenhänge von Arbeitsteilung, Vergütung und Rekrutierung führten zu einer weiteren Steigerung der Nachfrage nach Bildung.

Hierdurch wurde ein gesamtgesellschaftlicher Lernprozeß in Gang gesetzt, der den Umgang mit den neuen Möglichkeiten und Chancen betrifft.

Die schichtspezifische Bildungsbeteiligung sieht Lutz daher nicht so sehr als „hyperstabile“ Form von Ungleichheit, sondern lediglich als Indiz, dass die „zu massenhaftem Besuch der Einrichtungen höherer Bildung notwendigen kollektiv milieugebundenen und subkulturellen Lernprozesse eben ihre Zeit brauchen“ (a.a.O., S.241) Stagnationen der Bildungsnachfrage sind nach Lutz daher nicht als Endpunkte einer Entwicklung, sondern lediglich als Zwischenhalte und Flauten einer historischen Grundströmung (vgl. a.a.O., S.242) zu sehen, in deren Folge es zu einer Beschleunigung des Wachstums der Bildungsnachfrage kommt.

Weil die gesteigerte Bildungsnachfrage und die infolgedessen verstetigte Bildungsexpansion eine wachsende Zahl vergleichbar gut ausgebildeter Absolventen hervorbringt, geht Lutz davon aus, dass auf lange Sicht die hierarchischen Strukturen der Wirtschaft und ihre Integrationsprozesse umgeformt werden. „Die traditionelle Indifferenz“ der Privatwirtschaft gegenüber dem System der höheren Bildung „weicht [...] einem Zustand, in dem [...] die [...] neuen Strukturen des Neuangebots von Arbeitskräften [...] als Probleme [...] auf den Einzelbetrieb durchschlagen“ (a.a.O., S.243)

Nach Lutz ist die konsequente Folge, dass die Strukturen in Betrieben stärker an die Bildungshierarchie angepasst werden, denn die hochausgebildeten Absolventen fördern qualifikationspolarisierende Strategien in der Wirtschaft und führen so zur Differenzierung des Arbeitsmarktes durch die Konzentration und Reorganisation von Arbeitsprozessen. (vgl. ebd.) Anders ausgedrückt: Auf diese Weise wird die Nachfrage nach Spezialisierungen erhöht.

Privatwirtschaft und Bildungssystem beeinflussen sich wechselseitig. Je stärker die Spezialisierungen sich in der Ausgestaltung eines sich differenzierenden Bildungssystems niederschlagen, desto mehr setzen sich bildungshierarchische Strukturen in der Privatwirtschaft durch. Infolgedessen wird Lutz zufolge sozialer Aufstieg noch stärker mit höherer Bildung in Verbindung gebracht und die Bildungsnachfrage weiter gesteigert, denn die Beschäftigten in einer solchen bildungshierarchisch organisierten Privatwirtschaft müssten dann zur Erkenntnis kommen, „dass ihre Kinder in jedem Fall eine höhere Bildung anstreben sollten“, selbst wenn sie, die Eltern, Aufstieg noch über innerbetrieblich Bewährungsmechanismen realisieren konnten.

„Der [...] ständig noch zunehmende Andrang zu höherer Bildung erzwingt nun seinerseits im Bildungssystem unter dem Druck systeminterner Ressourcenknappheit wie angesichts drohender Beschäftigungsprobleme eine Verschärfung und Differenzierung der Selektion [...]. Im Regelfall wird sich dies [...] auch mit einer Verlängerung der Bildungsarbeit und der Einführung zusätzlicher Bildungsstufen kombinieren, was dann wiederum wegen der höheren [...] Kosten den durch Ressourcenknappheit ausgelösten Selektionsdruck verstärkt. Beides erhöht die Konkurrenz zwischen den Schülern und erzwingt eine ausschließliche Orientierung ihres Verhaltens an den Erfolgskriterien schulischer Auslese und Konkurrenz auf Kosten des Erwerbs beruflicher Qualifikationen.“ (a.a.O., S.244)

Dies geschieht gleichzeitig mit einer gezielteren Auswahl karriereversprechender Inhalte auf Kosten des Erwerbs beruflicher Vollqualifikationen und damit zulasten der Möglichkeit selbstständigen Arbeitens. Abgeschlossene, zu autonomen Fähigkeiten befähigende Qualifikation werden auf diese Weise weniger, weil deren „Erwerb die Chancen in der Konkurrenz um Zutritt zu den höheren Ebenen der Bildungshierarchie substantiell vermindert“ (ebd.)

Nach Lutz bringt die Bildungsexpansion also eine stärkere Differenzierung des Bildungsangebots verbunden mit einer stärkeren Spezialisierung der Bildungsnachfrage mit sich, die parallel zu der Differenzierung der Berufswelt verläuft. Das dabei im Vordergrund stehende Bemühen der höheren Bildung, zur Berufswelt kongruent zu sein und über den Bildungstitel den Zugang zur beruflichen Position zu sichern, droht die Motivation des Subjekts eindeutig durch die Berufswahl zu terminieren. Bildung gerät auf diese Weise zu der von Adorno als Tauschmittel bezeichneten Halbbildung, die gegen eine bestimmte berufliche Stellung eingetauscht werden kann, womit eine der Kernanahmen Adornos Theorie der Halbbildung erfüllt würde. „Der Besitz der Halbbildung suggeriert den Besitzenden, sich zu einer Klasse von Leuten zählen zu können, die sich selbst bestimmen“ (Adorno 1990, S.103); und zwar über ihren Berufsweg.

[...]

Details

Seiten
24
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638132589
Dateigröße
591 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v5352
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Soziologie
Note
1,3
Schlagworte
Bildung soziale Herkunft Innovationsfähigkeit Erfolg SHEK Theorie der Halbbildung Schulerfolg

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