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Asthma Bronchiale. Sport als therapeutisches Hilfsmittel

Hausarbeit (Hauptseminar) 2019 13 Seiten

Medizin - Innere Medizin

Leseprobe

Inhalt

1. Definition

2. Evidenzbasierter Forschungsgegenstand und physiologische Wirkungsweise

3. Aktuelle bewegungstherapeutische Konzepte

4. Ziele und praktische Möglichkeiten der Sporttherapie für die jeweilige Indikation

5. Analyse der externen Voraussetzungen und der konkreten Zielgruppe

6. Kritische Diskussion der theoretischen und praktischen Überlegungen

7. Literaturverzeichnis

1. Definition

Das Asthma Bronchiale ist eine chronisch entzündliche Erkrankung der Atemwege mit vorwiegend in anfallsartig auftretender exspiratorischer Atemnot, trockenem Husten und akuter (reversibler) Überblähung der Lungen (Kirchner et al., 2014)

Innere onkologische und neurologische Erkrankungen SoSE 2019

2. Evidenzbasierter Forschungsgegenstand und physiologische Wirkungsweise

Zahlreiche Studien zeigen, dass Asthmatiker auf vielfältige Weise von körperlicher Aktivität profitieren können. Im Folgenden werden einige evidenzbasierte Wirkungsweisen aufgeführt.

Lebensqualität: Es gibt eine Vielzahl von Studien, die belegen, dass körperliche Aktivität die Lebensqualität bei Asthmatikern deutlich verbessert. So zeigen Eichenberger et al. (2013) in ihrer Metaanalyse, dass die Lebensqualität der körperlich aktiven Asthmatiker sich um 17 % verbessert hat. Die Sportteilnahme eines Asthmatikers kann stark von psychischen Faktoren wie Angst vor Dyspnoe abhängen. Diese Angst hat einen Verstärkungseffekt auf die Krankheit. Sport steigert die Reizschwelle und der Asthmatiker lernt seine Belastungsgrenzen kennen, gewinnt an Selbstvertrauen und findet Freude an der Bewegung (Graf, 2013).

Klinische Asthma-Kontrolle: Franca-Pinto et al (2015) zeigen in ihrer randomisiert kontrollierten Studie, dass nach einem mind. 12-wöchigem regelmäßigen aeroben Training und Atemübungen die Anzahl der asthmafreien Tage signifikant stieg (p=0,042).

Adipositas: Es ist auffällig, dass die Kausalität zwischen Übergewicht, körperlicher Aktivität und Asthma in der Literatur immer wieder thematisiert wird. Bislang gibt es jedoch nicht genügend Evidenz, die die Auswirkung von Gewichtsverlust auf Asthmasymptome ausreichend belegt. Nichts desto trotz wird im Folgenden der Vollständigkeit halber die Studie von Freitas et al. aufgeführt. Sie konnten 2018 zeigen, dass nach 3-monatiger Gewichtsreduktion in Kombination mit Bewegung im Gegensatz zu einer Gewichtsreduktion ohne Training einerseits die asthmafreien Tage signifikant gesteigert wurden (14,5±9,6 vs. 8,6±11,4 d/mo) und andererseits die Schlafqualität durch Minderung einer obstruktiven Schlafapnoe (56,5 vs. 16,3%) gesteigert wurde.

Belastungsinduziertes Asthma: Yin et al. (2018) zeigen in einer Metaanalyse, dass regelmäßiges aerobes Training eine Risikoreduzierung von 62 % auf ein Belastungsinduziertes Asthma hat. Dies liegt daran, dass durch größere Atemtiefe und niedrigere Atemfrequenz weniger Atemarbeit geleistet wird und somit die Anfallsschwelle steigt.

Bronchiale Hyperreagibilität: Yin et al. (2018) zeigen in derselben Metaanalyse, dass regelmäßiges aerobes Training einen positiven Effekt auf die Bronchiale Hyperreagibilität hat (RR: 0,60). Auch dies lässt sich durch die geringere Atemarbeit eines Trainierten erklären.

Inflammatorisches Potential: es gibt ausreichende Belege in der Literatur, die zeigen, dass Zytokine (u.A. Interleukin-6 (IL-6)) eine zentrale Rolle bei Atemwegsentzündungen und bronchialer Hyperreagibilität bei Asthmatikern spielen (Barnes, 2008). Unter anderem berichten Rincon und Irvin (2012), dass Asthmatiker einen erhöhten IL-6 und CRP (C-reaktives Protein) Wert aufweisen. Franca-Pinto et al. (2015) zeigen in ihrer randomisiert kontrollierten Studie zum ersten Mal, dass regelmäßiges aerobes Training und Atemübungen bei Asthmatikern eine signifikante Reduktion von IL-6 (p=0,042) zur Folge hatten. Moy et al. (2013) berichten, dass ein bewegungsaktiver Lebensstil das inflammatorische Potential verringert und zu einem Abfall des CRP und des IL-6 Levels führt.

Adrenalin: Adrenalin hat eine bronchienerweiternde Wirkung, sodass die Atmung leichter fällt (Graf, 2013). Einige Asthmamedikamente enthalten daher adrenalinähnliche Wirkstoffe. Unter Belastung schüttet der Körper vermehrt Adrenalin aus, welches sich positiv auf die Bronchien eines Asthmakranken auswirkt (Bachl et al. 2018).

VO2max: Die Angst vor einem Asthmaanfall führt häufig zu Inaktivität und Leistungsabfall. Eine verbesserte Sauerstoffaufnahme hat zur Folge, dass die Muskulatur bei gleicher Belastung besser mit Sauerstoff versorgt werden kann. Der Organismus arbeitet also effizienter. Für den Asthmatiker bedeutet das eine niedrigere Atemfrequenz bei gleicher Intensität. Die Bronchien werden weniger belastet. Ram, Robinson und Black (2000) zeigen in einer Metaanalyse, dass ein mindestens 4-wöchiges Ausdauertraining zu einer verbesserten VO2max führt.

Atemmuskulatur: Um die Atmung bei verengten Bronchien zu erleichtern, braucht der Asthmatiker eine gut ausgeprägte Atemhilfsmuskulatur. Rohrer und Schmidt-Trucksäss (2014) beschreiben, dass der Rückgang der peripheren Muskulatur durch Inaktivität eine Inflammation begünstigt. Um dem entgegenzuwirken kann die periphere Muskulatur mit Fokus auf Atem(hilfs)muskulatur gut durch Kraft- und Ausdauertraining gestärkt werden.

Sekretmobilisation: Griese und Nicolai (2013) beschreiben in ihrem Buch einige Übungen zur Sekretolyse. Für den Asthmatiker ist es essentiell den angesammelten, zähen Schleim in den Bronchien durch Bewegung, Vibration (Trampolinspringen, Brustklopfen) zu mobilisieren und mit geeigneter Hustentechnik herauszubefördern.

3. Aktuelle bewegungstherapeutische Konzepte

Es lässt sich in der Literatur kein konkretes bewegungstherapeutisches Konzept finden. Dies kann daran liegen, dass das Asthma Bronchiale eine chronische Erkrankung ist, welche in ihrer Ätiologie sehr unterschiedlich sein kann und die Symptomkontrolle von Patient/in zu Patient/in variiert. Die Betroffenen können in der Regel ein normales Leben führen und durch eine umfassende Patientenschulung die Ursachen und Symptome eigenständig kontrollieren und bewältigen. Die Literatur gibt daher lediglich Empfehlungen über Inhalte der Bewegungstherapie. Die Bewegungstherapie gestaltet sich multidimensional und sollte neben physischen Aspekten auch soziale und psychische Aspekte aufgreifen.

Patientenschulung: Zunächst erhält der Patient eine strukturierte, verhaltensbezogene Patientenschulung. Eine solche Schulung soll den Patienten zu einem verantwortungsbewussten und selbstständigen Umgang mit ihrer Krankheit verhelfen. Je mehr der/ die Asthmatiker/in über sein/ ihr Asthma weiß, desto besser kann er/ sie damit umgehen. Die Patientenschulung wirkt sowohl auf edukativer als auch auf psychischer Ebene. Das Wissen über Auslösemechanismen und Bewältigungsmöglichkeiten gibt den Patienten Sicherheit und verringert die psychische Belastung (Rost, 2005, Graf, 2013). Zunächst sollen mögliche Asthma auslösende Ursachen identifiziert und vermieden werden (Bundesärztekammer et al. 2018). So werden beispielsweise bei einem/r allergischen Asthmatiker/in die Wohnverhältnisse auf Feuchtigkeit, Luftallergene oder Tierkontakte überprüft.

Ziel der Patientenschulung ist eine Verbesserung des Selbstmanagements mit verbesserter Symptomkontrolle, was letztendlich mit einer gesteigerten Lebensqualität einhergeht. Gibson et al. untersuchten den Nutzen einer Patientenschulung und berichten 2003 in einem Cochrane- Review von verminderten Hospitalisierungen (RR: 0,64), selteneres Aufsuchen einer Notaufnahme (RR: 0,82) und weniger Arbeitsunfähigkeitstage (RR: 0,79). Asthmaschulungen werden inzwischen im Rahmen der Disease Management Programme (DMP) von gesetzlichen Krankenkassen durchgeführt.

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Details

Seiten
13
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346129604
ISBN (Buch)
9783346129611
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v537158
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,0
Schlagworte
asthma bronchiale sport hilfsmittel
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Titel: Asthma Bronchiale. Sport als therapeutisches Hilfsmittel