Lade Inhalt...

Die Entwicklung des Oldenburger Militärs vom Deutschen Bund zum Norddeutschen Bund im Spiegel der Deutschen Geschichte

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 27 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Vorwort

I. Die geschichtliche Entwicklung vom deutschen Bund zum Norddeutschen Bund
I. I Gründung des Deutschen Bund
I. II Die Revolution
I. III Bismarck und der preußisch – österreichische Dualismus
I. IV Die Schleswig Holstein Frage
I. V Der preußisch – österreichische Krieg und die Gründung des Norddeutschen Bundes

II Das Oldenburger Militär vom Deutschen Bund zum Norddeutschen Bund
II. I Das Oldenburger Militär und der Deutsche Bund
II. II Das Oldenburger Militär und die Revolution
II. III Das Oldenburger Militär und der preußisch –österreichische Dualismus
II. IV Das Oldenburger Militär und die Schleswig-Holstein Frage
II. V Das Das Oldenburger Militär vom preußisch – österreichischem Krieg bis zur Gründung des Norddeutschen Bundes

Resümee

Vorwort

Die Entwicklung des Oldenburger Militärs im halben Jahrhundert der Existenz des Deutschen Bundes ist eng verknüpft mit dessen politischem Werdegang. Die Truppen des Großherzogtums Oldenburg sind ihrem Landesfürsten verpflichtet, zugleich aber auch dem Frankfurter Bundestag, bzw. kurzfristig der Nationalversammlung, gegenüber pflichtschuldig.

Dies führt zu der Umsetzung verschiedener, vom Deutschen Bund ausgehender Bestimmungen, die sich direkt auf Stärke, Ausbildung und Organisation des Oldenburger Truppenkörpers beziehen. Um die Erweiterung des Oldenburger Militärs in den Punkten Vermehrung der Truppenstärke, Aufstellung eines Schweren Reiterregiments, Ausbildung einer schlagkräftigen Artillerie, etc. nachvollziehen zu können, ist eine Darstellung der Geschichte des Deutschen Bundes von seiner Gründung bis zu seinem Niedergang und der Erschaffung seiner Nachfolgeinstitution des Norddeutschen Bundes unerlässlich. Auch die Beteiligung der Oldenburger Truppen an den Feldzügen gegen Dänemark 1848 und an der Seite Preußens gegen den Deutschen Bund 1866 kann nur im Kontext der gesamtdeutschen Geschichte jener Jahre verständlich gemacht werden. Somit gliedert sich die folgende Ausarbeitung in zwei Hälften: Zunächst wird ein Überblick über den Beginn, Werde- und Untergang des Deutschen Bundes aus gesamtdeutscher Sicht gegeben, um in einem zweiten Schritt die Darstellung der Beteiligung und der Bedeutsamkeit des Oldenburger Militärs in Bezug auf den zuvor gezeigten Geschichtsüberblick ermöglichen zu können.

I. Die geschichtliche Entwicklung vom Deutschen Bund zum Norddeutschen Bund

I.I Gründung des Deutschen Bundes

Im Rahmen der Wiederherstellung des vornapoleonischen Europas wird auf dem Wiener Kongress am 8. Juni 1815 der Deutsche Bund gegründet. Seine Lebenszeit währt ein halbes Jahrhundert und findet ihr Ende in der Gründung des preußisch dominierten Norddeutschen Bundes. Dieser besitzt bereits annähernd Gestalt und Struktur eines Bundesstaates[i], während der Deutsche Bund noch als lockerer Staatenbund organisiert ist. Es ist der preußisch – österreichische Dualismus, welcher dem Deutschen Bund als Geburtsfehler anhaftet und nach der gescheiterten Revolution 1848 offenkundig wird; er führt zum Krieg beider innerdeutschen Großmächte und damit letztlich zur Gründung des Norddeutschen Bundes. Mit dem Sieg Preußens über Österreich gewinnt der Staat Wilhelms I die Hegemonialstellung in Deutschland und schafft so die Bedingung für die Gründung des (klein)deutschen Kaiserreichs 1871. An dem militärischen Erfolg Preußens sind auch Truppen aus Oldenburg beteiligt, die 1848 in Schleswig gegen Dänemark und 1866 nahe Frankfurt gegen Bundestruppen zu Felde ziehen. Als Konsequenz ihrer Bemühungen erfolgt ab Oktober 1867 die Eingliederung des gesamten Oldenburger Truppenkörpers in die Preußische Armee, was das Ende einer eigenständigen militärischen Entwicklung in Oldenburg und den Beginn preußischen Oberbefehls über das Oldenburger Militär kennzeichnet.[ii] In diesem Kapitel soll die Entwicklung des Deutschen Bundes von seinen Anfängen, über die bürgerliche Revolution bis zur Darstellung des preußisch – österreichischen Dualismus und des daraus resultierenden Krieges unternommen werden, um die Einordnung der in den folgenden Kapiteln aufgezeigten Beteiligung oldenburgischer Truppen an den preußischen Feldzügen in den gesamtdeutschen geschichtlichen Kontext zu ermöglichen.

Der Deutsche Bund besteht aus 4 freien Städten und 35 Einzelstaaten, darunter auch das Großherzogtum Oldenburg.[iii] Allen Mitgliedsstaaten ist innenpolitische Souveränität gewährt; ein gemeinschaftlich organisiertes Handeln tritt nur im Kriegsfall ein. Der politische Zusammenhalt des Bundes ist über den Frankfurter Bundestag mit Vorsitz Österreichs geregelt, einem reinen Gesandtenkongress, zu welchem die einzelnen Staaten Vertreter entsenden. Preußen und Österreich, obwohl nur mit einem Teil ihres Staatsgebietes im Deutschen Bund vertreten, bilden die mit Abstand bevölkerungsreichsten und militärisch stärksten Mitglieder. Der Deutscher Bund ist kein handlungsfähiger Bundesstaat mit gemeinsamen Organen, sondern ein legerer Staatenbund, in dem der Partikularismus entgegen den nationalen Bestrebungen weiter Teile der Bevölkerung ebenso bestehen bleibt, wie der uneingeschränkte Absolutismus sich im Gros der Mitgliedsstaaten zunächst gegen die liberalen Tendenzen der Zeit behaupten kann. Hierin zeigt sich, dass der Deutsche Bund ein politisches Gebilde darstellt, dass dem Wunsch des aufstrebenden Bürgertums sowie dem der verelendenden Unterschicht[iv] nach nationaler Einigung und erhöhtem politischen Mitspracherecht entgegensteht und ihn mit reaktionärer Härte unterdrückt.

I.II Die Revolution

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich in den Einzelstaaten des Deutschen Bundes eine starke Bewegung liberaler und nationalgesinnter Oppositionsgruppen gebildet. Ihnen gemein ist die Forderung nach nationaler Einheit und damit einhergehenden politischen und sozialen Reformen. Aus Frankreich springt schließlich 1848 der zündende Funke über, der den allgemeinen revolutionären Ruf nach einem nationalen Parlament und einer für ganz Deutschland gültigen Verfassung laut werden lässt: Überall in den deutschen Staaten kommt es Ende Februar und Anfang März zu Massendemonstrationen und revolutionären Versammlungen. In vereinzelten Gebieten, insbesondere in den politischen Brennpunkten Wien und Berlin, ufern die Demonstrationen in gewaltsame Straßen- und Barrikadenkämpfe aus. In Wien gelingt es den Aufständischen nach blutigen Auseinandersetzungen die Abdankung und Flucht Fürst Metternichs zu erzwingen, in dessen Person sich das bekämpfte System der Restauration beispielhaft verkörpert. In Berlin sieht sich König Wilhelm IV angesichts der Schlagkraft der revoltierenden Massen veranlasst, seine Truppen abzuziehen und die Bürger mit dem auf nationale Einheit bezogenen Zugeständnis zu besänftigen, Preußen werde künftig in Deutschland aufgehen. Die Revolution ist – auch zur Überraschung der aufständischen Massen selbst – in unerwartet kurzer Zeit erfolgreich: In allen Ländern des Deutschen Bundes werden allgemeine Wahlen zu einer Nationalversammlung abgehalten, die am 18. Mai 1848 in der Frankfurter Paulskirche zusammentritt.[v]

Dieses erste frei gewählte Parlament in Deutschland hat schwierige Probleme zu lösen und verstrickt sich bei deren Beratung in monatelange Diskussionen, währenddessen die alten, absolutistischen Kräfte ihre anfängliche Schwäche überwinden und wieder erstarken, wodurch die schließlich gefundenen Lösungen zur Makulatur werden. Das Parlament muss nicht nur eine Reichsverfassung erarbeiten, sondern darüber hinaus auch die Grenzen des zu bildenden Nationalstaates festlegen. Der Deutsche Bund ist als Vorlage für einen Nationalstaat dabei höchst ungeeignet: Zum einen beherbergt er Gebiete, die überhaupt nicht oder nur sehr gering mit Deutschen bevölkert sind, etwa das überwiegend tschechische Königreich Böhmen oder das überwiegend italienische Südtirol, zum anderen gehören zahlreiche Gebiete nicht zum Deutschen Bund, obwohl hauptsächlich Deutsche zu ihren Bewohnern zählen und diese einem Deutschen Staat untertan sind, wie etwa Teile Ost- und Westpreußens oder das Großherzogtum Posen. Auch gehören von Deutschen bewohnte Gebiete zu ausländischen Mächten; Elsass zu Frankreich, Schleswig zu Dänemark.[vi]

Das Hauptproblem beim Erschaffen des deutschen Nationalstaates stellt aber der Vielvölkerstaat Österreich dar, dessen unterschiedliche Volksgruppierungen in ihrem Streben nach Autonomie die Doppelmonarchie zu zersprengen drohen. Letztlich bieten sich der Nationalversammlung zwei theoretische Konzepte, ein groß- und ein kleindeutsches Reich, die der zu den Göttinger Sieben zuzählende Historiker und Politiker Dahlmann ausformuliert: „Entweder Auflösung Österreichs und Anschluss der deutsch-österreichischen Länder an Deutschland oder Erhaltung Gesamtösterreichs und Trennung aller seiner Bestandteile vom Deutschen Bundesstaat.“[vii] Von Seiten Österreichs folgt auf diese Überlegung die Forderung des dortigen Ministerpräsidenten Fürst Schwarzenberg, Österreichs Fortbestand in staatlicher Einheit sei ein deutsches wie ein europäisches Bedürfnis und das ganze ungeteilte Österreich sei in den Deutschen Staat aufzunehmen.

Dies entspricht nicht den Vorstellungen der Abgeordneten in der Paulskirche. Der erarbeitete Entwurf einer Reichsverfassung bezieht sich deshalb auf ein Deutschland ohne Österreich, an dessen Spitze als Staatsoberhaupt der König von Preußen als Kaiser einer konstitutionellen Monarchie regieren solle. Als Kaiser dürfe der König Preußens Minister ernennen und den Reichstag einberufen sowie auflösen. Der Reichstag stellt in dem Verfassungsentwurf die Legislative und gliedert sich in ein Volkshaus, das aus dem Volk direkt gewählt wird, und einem Staatenhaus, in dem die Vertreter der einzelnen Länderparlamente und –regierungen vertreten sind. Die Exekutive läge beim Kaiser. Noch während die Parlamentarier über ein geeintes Deutschland mit liberaler Verfassung phantasieren, werden in Preußen und Österreich die liberal-nationalen Erhebungen mit militärischen Mitteln unterdrückt und der alte Zustand wird wiederhergestellt. Am 3. April 1849 lehnt Friedrich Wilhelm IV die ihm von der Nationalversammlung dargebotene Kaiserkrone als Ausgeburt „eines scheusäligen Jahres 1848“[viii] ab. Die Revolution und damit auch die Einigung Deutschlands ist somit gescheitert und der Deutsche Bund unter Vorsitz Österreichs wird 1850 im Vertrag von Olmütz reanimiert.

I.III Bismarck und der preußisch – österreichische Dualismus

Im preußischen Königshaus ist man mit dieser Entwicklung nun auch wieder nicht zufrieden. Die ungelöste nationale Frage hätte Friedrich Wilhelm IV lieber durch Gründung einer (klein)deutschen Fürstenunion entschärft, statt weiterhin im Deutschen Bund unter Vorsitz Österreichs organisiert zu sein, doch kann sich Preußen gegen die Donaumonarchie nicht durchsetzen; Österreich ist nicht bereit, sich aus Deutschland vertreiben zu lassen. In Preußen manifestiert sich allmählich die Erkenntnis, dass sich liberale und nationale Strömungen dauerhaft nicht werden unterdrücken lassen, es aber dennoch denkbar erscheint, dem Streben des deutschen Volkes nach Vereinigung durch Auflösung des Deutschen Bundes zu entsprechen und im gleichen Zuge liberale oder gar demokratische Tendenzen abzuweisen.

Dies ist der Weg Bismarcks – er verläuft über die bewusst herbeigeführte Verschärfung des preußisch-österreichischen Dualismus hin zu einem für Preußen siegreichen Krieg, dessen Ende das Gründungsjahr des Norddeutschen Bundes markiert und die nationale Frage ganz im Sinne Preußens löst. Am Rande sei erwähnt, dass die liberale Fortschrittspartei, die in den frühen 60er Jahren die stärkste Gruppierung in der preußischen Abgeordnetenkammer bildet, 1867 angesichts der bismarckschen Verwirklichung des nationalen Traums in zwei Lager zerbricht: Viele Parlamentarier können Bismarck nicht vergeben, dass er entgegen ihrer Interpretation der Verfassung vier Jahre lang bis 1866 ohne Parlament regierte[ix]; der rechte Flügel der Partei aber ist bereit, Bismarcks antiliberale Politik im Nachhinein zu billigen und als Nationalliberale Partei den nationalen Zielen den Vorrang gegenüber den liberalen einzuräumen. Damit hatte Bismarcks Politik auseinandergezerrt, was in anderen europäischen Ländern[x] und ursprünglich auch in Deutschland stets zusammengehörte: Demokratie und nationales Empfinden. Der deutsche Liberalismus hat sich von diesem Sündenfall der Billigung antiliberaler Politik zugunsten nationaler Einigung nie wieder erholen können.

Bismarck, seit 1851 preußischer Gesandter im Frankfurter Bundestag, ab 1862 preußischer Ministerpräsident und Außenminister, bemüht sich um die Verschärfung des preußisch – österreichischen Dualismus auf verschiedenen Wegen. Bereits 1853 äußert er vertraulich seine Ansicht, beide Großmächte könnten auf Dauer nicht in Deutschland aufgehen, eine müsse „weichen oder vom anderen gewichen werden.“[xi] Schon vor Bismarcks Regierungszeit distanzieren sich die beiden innerdeutschen Großmächte voneinander, obwohl sie einander im Rahmen des Wiener Kongresses noch Beistand und Hilfe als Mitglieder der so genannten Heiligen Allianz gelobten. So verhindert Preußen 1850 den Beitritt Österreichs zum Deutschen Zollverein, der seit Mitte der 30er Jahre einen einheitlichen Wirtschaftsraum und damit die Verstärkung der Binnennachfrage und der beginnenden Industrialisierung schafft. Ab Mitte der 50er Jahre richtet sich auch die Preußische Außenpolitik gegen österreichische Interessen: Im Zusammenhang mit dem Ende des Krimkrieges nähert sich die Donaumonarchie England und Frankreich an und führt eine antirussische Außenpolitik, während Preußen seine Neutralität verkündet und auch den Deutschen Bund auf diesen Kurs verpflichtet. Die diplomatischen Beziehungen zwischen Preußen und Russland verbessern sich daraufhin in den folgenden Jahren, auch durch Preußens militärischer Hilfe bei der russischen Niederschlagung polnischer Aufstände[xii] und erweitern Preußens Handlungsspielraum in der deutschen Frage.

In Berlin verfolgt man aber nicht nur eine eigenständige Außenpolitik, die mit der österreichischen kaum in Einklang zu bringen ist, sondern blockiert auch österreichische Reformprojekte in Bezug auf den Deutschen Bund: Kaiser Franz Joseph plant auf dem Frankfurter Fürstentag 1863 den handlungsschwachen Bund in Richtung eines Bundesstaates zu reformieren, indem ein ständiger Exekutivrat aus fünf Mitglieder, darunter Österreich, Preußen und Bayern als permanente Vertreter, eingerichtet wird. Die Annahme vom Mehrheitsprinzip statt der Einstimmigkeit bei dem Deutschen Bund betreffenden politischen Entscheidungen sowie die Einrichtung eines Bundesgerichts hätten dem Deutschen Bund ein größeres politisches Gewicht verleihen können, aber auch die Vormachtstellung Österreichs belassen. Bismarck gelingt es mit einer Serie antiösterreichisch ausgerichteter Tiraden Wilhelm I, seit 1860 regierender König Preußens, davon zu überzeugen, dem Fürstentag fernzubleiben. Der von Wien ausgehende Reformversuch ist ohne preußische Teilnahme zum Scheitern verurteilt.

I.IV Die Schleswig – Holstein Frage

Zum bewaffneten Konflikt der beiden innerdeutschen Großmächte kommt es schließlich 1866 und als Auslöser der militärischen Auseinandersetzung dient Bismarck die seit 1848 gedeihende Krise um die dänischen Herzogtümer Schleswig und Holstein. Die politische Situation Schleswigs und Holsteins ist derart verworren und kompliziert, dass der amtierende englische Premierminister Palmerston spöttisch formuliert: „Nur drei Personen haben sie je verstanden, der eine war Prinz Albert[xiii]: er ist verstorben. Der zweite war ein deutscher Professor: er ist verrückt geworden. Der dritte bin ich, und ich habe alles wieder vergessen.“[xiv] Zwei Umstände gilt es auseinander zuhalten: Seit Mitte des 15. Jahrhunderts gilt eine Bestimmung, durch welche den beiden Herzogtümern garantiert wird, auf ewig ungeteilt zu bleiben; ethnisch ist Holstein deutsch, Schleswig zu ca. drei Vierteln. Beide Gebiete sind in Personalunion mit Dänemark verbunden und werden vom dänischen König regiert. Seit dem Wiener Kongress ist aber nur Holstein Mitglied des Deutschen Bundes, Schleswig dagegen nicht. Zum Problem avanciert dieser Umstand bereits 1848, denn der dänische König Friedrich VII hat bis dato keinen männlichen Thronfolger zeugen können und die weibliche Erbfolge ist in Schleswig und Holstein nach salischem Recht illegitim, während sie in Dänemark akzeptiert ist. Um dem Konflikt der Erbfolge zu entgehen, verfügt die dänische Regierung im März 1848 die Eingliederung Schleswigs in den dänischen Staat, was faktisch eine Teilung der „up ewig Ungedeelten“ bedeutet. Dies löst eine Welle der Empörung unter den Abgeordneten der Nationalversammlung in Frankfurt wie auch der deutschen Bewegung in Schleswig aus und führt zum Einmarsch preußischer Truppen, um Schleswig für das zu bildende Deutsche Reich zu gewinnen. Obwohl es sich bei dem Einmarsch um einen Bundeskrieg handelt, zieht Preußen seine Truppen angesichts der massiven Drohungen Russlands, Frankreichs und Englands ohne Bewilligung durch die Nationalversammlung noch im selben Jahr zurück. Im so genannten Londoner Protokoll wird daraufhin festgelegt, dass die Thronfolge beim dänischen Hause Sonderburg-Glücksburg liege, beide Herzogtümer aber nicht von Dänemark annektiert werden dürfen.

Nach dem Tod König Friedrich VII wiederholt sich 1863 die Krise unter dem neuen dänischen König Christian XI. Dieser versucht erneut Schleswig und Holstein auseinander zu reißen und die deutsche Bevölkerung Schleswigs unter dänische Herrschaft zu bringen. Und wieder ergreift eine Welle patriotischer Begeisterung die deutsche Bevölkerung. Bismarck reagiert, indem er ein Bündnis mit Österreichs Regierung eingeht und preußische sowie österreichische Truppen am 1. Februar 1864 in Schleswig einmarschieren lässt. Der darauf folgende deutsch-dänische Krieg endet nach neun Monaten mit dem Sieg Preußens und Österreichs. In der Konvention von Gastein regeln Berlin und Wien die zukünftige Verwaltung der neu gewonnenen Herzogtümer; Preußen erhält die Verwaltung Schleswigs, Lauenburgs und des wichtigen Kriegshafens Kiel, Österreich übernimmt die Verwaltung Holsteins, das von preußischem Gebiet umringt, recht isoliert dasteht. In den folgenden Monaten verschärfen sich in Schleswig und Holstein die Konflikte zwischen den preußischen und österreichischen Verwaltern. Zeitgleich bereitet Bismarck die militärische Lösung des preußisch – österreichischen Dualismus durch geheimdiplomatische Unterredungen vor, um einer eventuellen Intervention europäischer Mächte vorzubeugen.

[...]


[i] Beim Norddeutschen Bund ist die Vertretung nach außen und der Oberbefehl über die Armee einheitlich geregelt. Des Weiteren verfügt der Norddeutsche Bund über einen Bundesrat und einem frei gewähltem Reichstag, der das Budgetrecht hat, sowie einen Bundeskanzler, der vom Bundespräsidenten ernannt wird. Diese Organisation bildet die Vorform der späteren Reichsverfassung.

[ii] Wilhelm Gilly. Oldenburg – Geschichte einer Garnison. Druckerei-Zug Adenau-Breidscheid. Oldenburger Landesbibliothek 4-04.1008 (fortan: Gilly) S. 17

[iii] Gilly S. 4

[iv] Die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten zu Beginn des 19. Jahrhunderts wird als Pauperismus bezeichnet und bezieht sich auf die Massenarmut der vor- und frühindustriellen Zeit. Er ist zu unterscheiden von der „sozialen Frage“ mit der die Verarmung der unteren Bevölkerungsschichten im bereits entwickelten Industrialismus umschrieben wird.

[v] Fragen an die Deutsche Geschichte. Ideen, Kräfte, Entscheidungen von 1800 bis zur Gegenwart. Hrsg: Deutscher Bundestag, Referat Öffentlichkeitsarbeit. 18. Auflage. Bonn 1994. S. 91ff

[vi] Albrecht Sellen. Geschichte – kurz und klar. Band II. 2. Auflage. Auer Verlag GmbH. Donauwörth 1997. (fortan: Sellen) S. 32

[vii] zitiert nach: Sellen S. 32

[viii] zitiert nach: Grosser Atlas zur Deutschen Geschichte. Hrsg: Isis Verlag AG Chur / Schweiz und Neue Stalling, Oldenburg. 1. Auflage. Isis Verlag AG. Chur / Schweiz 1994. Seite 127

[ix] Bismarck regiert vier Jahre bis 1866 ohne Parlament auf Grund einer Lücke in der preußischen Verfassung. Nach dieser kommt ein Gesetz zustande, wenn König, Herrenhaus und Abgeordnetenkammer übereinstimmen. Wird keine Übereinstimmung erreicht – wie 1860 im Rahmen der preußischen Heeresreform geschehen – sagt die Verfassung nicht aus, was dann zu geschehen habe. Nach Ansicht Bismarcks und der konservativen Kreise hat in einem solchen Fall der König als Verfassungsgeber das Recht, eigenmächtig Entscheidungen zu treffen. Der Verfassungskonflikt um die preußische Heeresreform wird 1866 beigelegt, indem das Parlament im Nachhinein das strittige Vorgehen Bismarcks, auf Grund dessen außenpolitischen Erfolges, billigt. Man bezeichnet dies als Indemnität – nachträgliche parlamentarische Billigung strittiger Regierungsmaßnahmen.

[x] Zum Beispiel Frankreich und England

[xi] zitiert nach: Sellen 53

[xii] Gerd Fesser. Das Tagebuch Europas 1866. Königgrätz – Sadowa. Bismarcks Sieg über Österreich. 1. Auflage. Brandenburgisches Verlagshaus. Berlin 1994. (fortan: Fesser) S. 24

[xiii] Prinz Albert ist der Prinzgemahl der Königin Victoria von England

[xiv] zitiert nach: Erich Eyck. Bismarck und das Deutsche Reich. 3. Auflage. München. S. 72f

Details

Seiten
27
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638490900
ISBN (Buch)
9783638662840
DOI
10.3239/9783638490900
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Geschichte
Erscheinungsdatum
2006 (April)
Note
2
Schlagworte
Entwicklung Oldenburger Militärs Deutschen Bund Norddeutschen Bund Spiegel Deutschen Geschichte Oldenburger Militärgeschichte Oldenburg Militär

Autor

Zurück

Titel: Die Entwicklung des Oldenburger Militärs vom Deutschen Bund zum Norddeutschen Bund im Spiegel der Deutschen Geschichte