Lade Inhalt...

Profitabilität einzelner Produktgruppen in Reisebüros unter besonderer Berücksichtigung von Kreuzfahrten

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 35 Seiten

Tourismus - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärungen und Definitionen
2.1 Profitabilität
2.2 Produktgruppen
2.3 Klassisches, stationäres Reisebüro
2.4 Kreuzfahrten

3. Ausgewählte betriebswirtschaftliche Besonderheiten in Reisebüros
3.1 Veränderung der rechtlichen Beziehung zwischen Reisebüro und Reiseveranstalter
3.2 Zeitliche Differenz zwischen Buchung und Erlösrealisierung

4. Prozeßkostenanalyse der Deutschen Lufthansa AG als Instrument zur Bestimmung der Profitabilität
4.1 Methodische Vorgehensweise
4.2 Erkenntnisse

5. Empirischer Teil – Umfrage in 30 Reisebüros zur Produktgruppe Kreuzfahrten

6. Provisionen und Vermittlungsentgelte in Reisebüros
6.1 Pauschalreisen und Bausteine von Reiseveranstaltern
6.2 Linienflüge
6.3 Charterflüge
6.4 Kreuzfahrten

7. Ansatz zur Ermittlung der Profitabilität einzelner Produktgruppen

8. Profitabilität von Büros mit hohem Kreuzfahrtanteil

9. Entwicklung und Tendenzen in der Kreuzfahrtindustrie
9.1 Hochseekreuzfahrten
9.2 Flußkreuzfahrten

Anhangsverzeichnis

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

In klassischen, stationären Reisebüros wird eine Vielzahl unterschiedlicher Leistungen vermittelt.

Das Spektrum reicht von Pauschalreisen über Kreuzfahrten bis hin zur Vermittlung von Fährtickets und Reiseversicherungen.

Die einzelnen Produktgruppen werden dem Reisebüro auf unterschiedliche Weise von den Veranstaltern und Leistungsträgern vergütet.

An dieser Stelle ist es wichtig, eine Kalkulation durchzuführen, um zu prüfen, ob die erhaltenen Provisionen und die vereinnahmten Entgelte die anfallenden Kosten decken.

In jedem Reisebüro wird zu Beginn des neuen Geschäftsjahres ein Plan aufgestellt, der vorgibt, wieviel Umsatz erwirtschaftet werden muß, um sämtliche Kosten zu decken.

Um zu verdeutlichen, wie hoch der Umsatz zur Deckung aller Kosten im Reisebüro sein muß, kann die Kennzahl der Mitarbeiterproduktivität herangezogen werden.

Die Mitarbeiterproduktivität ist in Reisebüros von zentraler Bedeutung.

Als approximativer Richtwert kann ein Umsatz von etwa € 600.000 p. a. pro Reisebüromitarbeiter angenommen werden, damit der Break-Even-Point erreicht wird.[1]

Hier muß geprüft werden, ob dieser Umsatz auch mit Leistungen generiert wird, die für das Reisebüro profitabel sind, da bei gleichem Umsatz mit verschiedenen Produktgruppen der Vermittlungserlös stark differieren kann.

Daher bedarf es im Reisebüro einer exakten Kalkulation,aus der hervorgeht, welche Produktgruppen gewinnbringend sind, und bei welchen Produktgruppen die Kosten die Provisionen und Entgelte bei weitem übersteigen.

2. Begriffserklärungen und Definitionen

2.1 Profitabilität

Das Adjektiv „profitabel“ steht als Synonym für gewinnbringend, vorteilhaft und einträglich.

Das entsprechende Substantiv „Profit“ ist als Gewinn bzw. Nutzen definiert.[2]

Die daraus abgeleitete Profitabilität kann in diesem Zusammenhang als Vorteilhaftigkeit respektive der Aussage über die Gewinnbringung verstanden werden.

2.2 Produktgruppen

Produktgruppen stehen in diesem Zusammenhang für die einzelnen Leistungsbereiche, die ein Reisebüro vermittelt. Hierzu zählen u. a. Pauschalreisen, Linien- und Charterflüge, Hotelbuchungen, Mietwagen, Versicherungen und Fahrkarten.

2.3 Klassisches, stationäres Reisebüro

Reisebüros sind Handelsunternehmen, die touristische Leistungen von Reise-veranstaltern und Beförderungsleistungen von Verkehrsträgern verkaufen. Zu den Reisebüros zählen unabhängige, selbständige Büros ebenso wie Eigenvertriebsstellen von Reiseveranstaltern und bundesweite Reisebürofilialunternehmen oder –kooperationen.[3]

Der Kategorie des klassischen Reisebüros sind folgende Merkmale zugeordnet: Vertrieb von Reiseleistungen als Haupterwerb und Zulassung zum Verkauf von Veranstalter- und Beförderungsleistungen. Das klassische Reisebüro besitzt mindestens eine Beförderungs- und eine touristische Hauptlizenz.[4]

Hiervon abzugrenzen sind die nicht stationären oder spezialisierten Büros, die sich z.B. ausschließlich dem Verkauf von Last-Minute-Reisen widmen.

2.4 Kreuzfahrten

Kreuzfahrten sind Schiffsurlaubsreisen, bei denen auf einer festgelegten Route verschiedene Häfen angelaufen werden. Die Passagiere haben die Möglichkeit zur Teilnahme an Landausflügen mit entsprechendem Besichtigungsprogramm.

Der Aufenthalt an Bord beinhaltet Übernachtung, Verpflegung sowie Sportangebote und Entertainment.[5]

Kreuzfahrten können unterschieden werden in:

- Hochseekreuzfahrten
- Flußkreuzfahrten[6]

Ferner existiert speziell im Transatlantikdienst die Linienschiffahrt.[7] Hierbei handelt es sich um eine fahrplanmäßige Verbindung zwischen zwei Häfen.[8]

3. Ausgewählte betriebswirtschaftliche Besonderheiten in Reisebüros

3.1 Veränderung der rechtlichen Beziehung zwischen Reisebüro und Reiseveranstalter

Der Aufgaben- und Erwerbsschwerpunkt der meisten Reisebüros besteht in der Vermittlung von Fremdleistungen im Namen und auf Rechnung des jeweiligen Reiseveranstalters bzw. Leistungsträgers.

Dieser Beziehung liegt der Handelsvertretervertrag zugrunde, der auf den §§ 84 ff. HGB beruht.[9]

Der Handelsherr (Reiseveranstalter, Leistungsträger) bestimmt den Endver-braucherpreis, der Handelsvertreter (Reisebüro) ist an diesen Preis gebunden, darf ihn nicht unterschreiten und bekommt für die erfolgreiche Vermittlung eine Vergütung, die Provision.[10]

Diese Provision stellt im Reisebüro die Haupteinnahmequelle dar.

Der wichtigste Leistungsträger, den ein Reisebüro vermittelt, die Deutsche Lufthansa AG, hat nun diese Form der rechtlichen Beziehung beendet.[11]

Seit dem 01.09.2004 hat die Lufthansa die Nullprovision eingeführt und vergütet den vermittelnden Reisebüros den Flugscheinverkauf nicht mehr.[12]

Inzwischen haben sich bereits 20 andere internationale Airlines diesem Beispiel angeschlossen.[13]

Dadurch wurde in dem Bereich des Linienfluges der Handelsvertreterstatus abgeschafft. Reisebüros werden zu Maklern, die ihre Vermittlungsgebühr zum Ticketpreis addieren müssen.[14]

Jedoch haben die Fluggesellschaften die Tarife nicht um die Reisebüroprovision gesenkt. Dieser Sachverhalt ruft bei Endkunden häufig Unverständnis hervor, da hierdurch die Flugtickets für sie teurer geworden sind.

3.2 Zeitliche Differenz zwischen Buchung und Erlösrealisierung

Bei der Buchung von Linienflügen, Fahrkarten, Mietwagen, Versicherungen und zum Teil auch Chartertickets bezahlt der Kunde in der Regel sofort den anfallenden Betrag an das Reisebüro und erhält im Gegenzug die Reiseunterlagen. Das vermittelnde Büro leitet den Reisebetrag abzüglich der gewährten Provision weiter an den Leistungsträger weiter.

Alternativ kann der Kunde auch direkt mit dem Leistungsträger abrechnen. Bei dieser Zahlungsmodalität wird bei Buchung der Gesamtbetrag vom Konto des Kunden eingezogen. Das Reisebüro erhält daraufhin nach wenigen Tagen die Provision.[15]

Anders sieht es in dem Bereich aus, der das Kerngeschäft eines Reisebüros darstellt:[16]

Pauschalreisen und Reisebausteine, die über Veranstalter vermittelt werden, werden von Reisebürokunden normalerweise bei Abholung der Tickets bezahlt. Bei der Zahlungsmodalität des Direktinkassos wird der Reisepreis etwa drei Wochen vor Reisebeginn vom Kundenkonto abgebucht.

Zum Zeitpunkt der Buchung ist lediglich eine Anzahlung in Höhe von ca. 15% zu leisten.[17]

Bei Reiseveranstaltern, die mit Reisemittlern die Zahlungsmodalität Agentur-inkasso vereinbart haben, zahlt der Kunde den anfallenden Reisepreis an das vermittelnde Büro.

Der Reiseveranstalter bucht den Betrag abzüglich Provision und Mehrwert-steuer einige Wochen vor Reisebeginn vom Konto des Reisebüros ab.

In diesem Fall kann das Büro zwar mit der Anzahlung des Kunden arbeiten, jedoch tritt in der Praxis durchaus der Fall ein, daß der Kunde die Restzahlung später leistet, als der Veranstalter abbucht.

Beim Direktinkasso zahlt der Kunde direkt an den Reiseveranstalter und das Büro bekommt nach durchgeführter Reise seine Provision gutgeschrieben.

Da im Durchschnitt zwischen Buchung und Abreise 130 Tage liegen, bekommen Reisebüros oftmals Liquiditätsprobleme.[18]

Zum Buchungszeitpunkt fallen sämtliche fixe und variable Kosten an, der Cash-Flow jedoch setzt erst Monate später ein.

Die entstehenden Kosten müssen von den Reisebüros im voraus gedeckt werden.[19]

Um diesen Liquiditätsproblemen Abhilfe zu schaffen, überweist die LTU-Gruppe im Bereich der Pauschalreise seit dem 01.01.2004 die Provision bereits im Buchungsmonat.

Inzwischen hat auch Thomas Cook angekündigt, für Reisen seiner Veranstaltermarken die Reisebürovergütung ab dem 01.01.2005 im Monat nach der Buchung zu überweisen, sofern eine Kundenanzahlung vorliegt.[20]

4. Prozeßkostenanalyse der Deutschen Lufthansa AG als Instrument zur Bestimmung der Profitabilität

4.1 Methodische Vorgehensweise

Im Auftrag der Reisebüroverbände DRV und asr wurde 1997 durch die Unternehmensberatung Dr. Fried & Partner eine Prozeßkostenanalyse im Linienflug- und Bahnbereich 15 mittelständischer Reisebüros durchgeführt.

In diesen IATA-Büros, die alle mit dem EDV-System START/amadeus arbeiteten, wurden 61 Beobachtungsanalysen und Interviews durchgeführt, an deren Ende 1350 aufgenommene Prozesse, Teilprozesse und Zusatztätigkeiten standen.[21]

Für die Analyse wurden in den Büros die durchschnittlichen direkten und indirekten Prozeßkosten pro Zeiteinheit ermittelt.

Direkte Prozeßkosten sind Kosten, die dem jeweiligen Prozeß unmittelbar zugeordnet werden können. Dazu gehören die Personalkosten des agierenden Mitarbeiters, sowie EDV- und Kommunikationskosten.

Indirekte Prozeßkosten beinhalten die Kosten, die dem Prozeß nicht unmittelbar zuzuordnen sind. Hierzu zählen z.B. Abschreibungen, Miet- und Werbekosten.[22]

Durch Addition der direkten und indirekten Prozeßkosten wird die Summe der beschäftigungsabhängigen Prozeßkosten berechnet.

Hinzu kommen die Kosten für Zusatztätigkeiten und Bereitschaftszeit, um auf Vollkostenbasis die Gesamtprozeßkosten zu ermitteln.

Für die gesamten Prozesse und Einzelaktivitäten wurden im Flug- und Bahnbereich durchschnittliche Zeitwerte ermittelt.

Diese Zeitwerte wurden in Relation zu den Kosten gesetzt, so daß eine Minute im Reisebüro kostenmäßig bewertet werden konnte.

[...]


[1] Vgl. Universität Lüneburg – Internetseite Vorträge 2002.

[2] Vgl. Duden Universalwörterbuch, S. 1244.

[3] Vgl. Schroeder, 2002, S. 270.

[4] Vgl. DRV – Internetseite Daten und Fakten 2004.

[5] Vgl. Schroeder, 2002, S. 201.

[6] Vgl. Schulz, 2002, S. 1.

[7] Vgl. Reisekatalog Cunard.

[8] Vgl. Schroeder, 2002, S. 211.

[9] Vgl. HGB S. 24 ff.

[10] Vgl. Schroeder, S.156.

[11] Vgl. FVW 13/04, S. 32 f.

[12] Vgl. FVW 30/03, S. 6f und FVW 31/03, S. 32 ff.

[13] Vgl. DRV – Pressemeldung 83/04.

[14] Vgl. FVW 31/03, S.32 ff.

[15] Vgl. Agenturverträge.

[16] Vgl. DRV - Internetseite Benchmarking 2003.

[17] Vgl. Reisebedingungen der Reiseveranstalter.

[18] Vgl. FVW 19/04, S. 36 f und touristik aktuell 31/04, S. 12.

[19] Vgl. FVW 19/04, S. 36 f.

[20] Vgl. touristik aktuell 31/04, S.12.

[21] Vgl. Leitfaden zur Prozeßkostenanalyse 1997.

[22] Vgl. Prozeßkostenanlyse 1997, S.11 f.

Details

Seiten
35
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638491778
Dateigröße
512 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v53835
Institution / Hochschule
Fachhochschule Worms
Note
1,7
Schlagworte
Profitabilität Produktgruppen Reisebüros Berücksichtigung Kreuzfahrten

Autor

Zurück

Titel: Profitabilität einzelner Produktgruppen in Reisebüros unter besonderer Berücksichtigung von Kreuzfahrten