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Geschriebenes und gesprochenes Spanisch

Hausarbeit 2005 17 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Definitionen einiger Fachbegriffe
2.1. Diaphasik, Diastratik, Diatopik – das Diasystem
2.2. Mündlichkeit, Schriftlichkeit
2.3. Gestik, Mimik, Proxemik

3. Allgemeine Unterschiede zwischen geschriebener und gesprochener Sprache

4. Die historische Entwicklung der geschriebenen spanischen Sprache aus der gesprochenen Sprache vom 12. Jahrhundert bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts

5.Die historische Entwicklung der geschriebenen spanischen Sprache aus der gesprochenen Sprache vom Beginn des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des Jahrhunderts

6 Zusammenfassung

1. Vorwort

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der geschriebenen und gesprochenen Sprache im Spanischen. Nachdem eingangs einige Fachbegriffe, die für dieses Thema wichtig sind, definiert werden, beschäftigt sich die Arbeit im weiteren Verlauf mit den allgemeinen Unterschieden zwischen geschriebener und gesprochener Sprache. Das vierte Kapitel geht dann auf die historische Entwicklung der spanischen Schriftsprache aus der gesprochenen Sprache vom 12. Jahrhundert bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts ein. Da dies ein sehr weitläufiges Thema ist, wird das Kapitel nicht auf alle Aspekte immer genau eingehen können.

Nachdem im vorletzten Abschnitt die Entwicklung der spanischen Schriftsprache aus der gesprochenen Sprache vom Beginn des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des 19. Jahrhunderts beschrieben wird – bis zum Ende des 19. Jahrhunderts fanden die bedeutsamsten und meisten sprachwissenschaftlichen Reformen im Spanischen statt - werden die Ergebnisse der Arbeit am Ende zusammengefasst.

Bei der Beschreibung der Entwicklung der spanischen Schriftsprache wird diese Arbeit nicht auf politische Hintergründe eingehen, da dies zu umfangreich werden würde.

2. Definitionen einiger Fachbegriffe

In diesem Abschnitt werden Fachbegriffe definiert, die mit dem Thema der geschriebenen und gesprochenen Sprache zusammenhängen und nicht unerwähnt bleiben dürfen. Da diese Begriffe jeweils sehr nah beieinander stehen und nicht so einfach voneinander zu unterscheiden sind, werden sie in diesem Kapitel genauer erläutert.

2.1. Diaphasik, Diastratik, Diatopik – das Diasystem

Diastratik: die diastratische Dimension bezieht sich auf Unterschiede, die mit der Zugehörigkeit zu gesellschaftlichen Schichten oder Gruppen zusammenhängen, also Soziolekten[1] (zum Beispiel caló). So unterscheidet die Diastratik beispielsweise die Sprache zwischen Arbeiterschichten und Beamtenschichten.

Diaphasik: Auf der diaphasischen Ebene beschäftigt man sich mit den stilistischen Unterschieden, die von Sprechsituationen abhängig sind. Diese Varietäten werden auch als Register bezeichnet.[2]

Diatopik: Die Diatopik bezieht sich auf regionale Unterschiede, wobei man im Spanischen sowohl das regional gefärbte Spanisch als auch die Dialekte hinzuzählt. (z. B. Moganesisch auf Gran Canaria in Puerto de Mogan oder andaluz aber auch das español regional)[3] Der Unterschied ist hier beispielsweise, dass bei Wortbildungen, die mit “s” enden, dass „s“ oft nicht mitgesprochen wird, so heißt es im Hochspanischen buenos días in Puerto de Mogan hört man jedoch bueno día.[4]

2.2. Mündlichkeit, Schriftlichkeit

Mündlichkeit: Diese ist einzuteilen in phonische Realisierung und mündliche Konzeption.[5]

Schriftlichkeit: Diese wird gegliedert in graphische Realisierung und schriftliche Konzeption.[6]

Diese Zuordnungen können allerdings nicht als ausnahmslos und eindeutig bezeichnet werden, da sie viel mehr den bevorzugten Beziehungen entsprechen, die jeweils zwischen Mündlichkeit und phonischer Realisierung und Schriftlichkeit und graphischer Verwirklichung bestehen.[7]

Als Beispiele lassen sich für das Mündliche ein Interview (una entrevista), für das Schriftliche ein Zeitungsartikel (un artículo periodistico) angeben.

Doch man kann das Interview auch ins Schriftliche übertragen und den Zeitungsartikel vorlesen, wodurch die Äußerungsformen in das jeweils andere Medium transferiert werden.

Es ist somit nicht möglich, eine scharfe Trennung zwischen mündlicher und schriftlicher Konzeption zu vollziehen, es existiert jedoch eine exakte Aufteilung zwischen phonischer und graphischer Realisierung.[8]

2.3. Gestik, Mimik, Proxemik

Gestik, Mimik und Proxemik sollten bei dem Thema der Unterscheidung zwischen geschriebener und gesprochener Sprache nicht außer Acht gelassen werden, da sie natürlich nur in der gesprochenen Sprache zum Ausdruck kommen können. Dadurch ergeben sich in der gesprochenen, direkten Sprache mehr Möglichkeiten, um sich auszudrücken.

Gestik: Kommunikative Bewegungen, die sich vor allem mit den Armen und Händen darstellen lassen. Diese kann in einer mündlichen Kommunikation entweder lautsprachersetzend als auch lautsprachbegleitend eingesetzt werden. Die Sprachwissenschaft hat die Gestik in den letzten zwanzig Jahren von der nonverbalen Kommunikationsforschung gelöst, da sie sich nicht mehr nur darauf konzentriert, die Gestik als affektiven Ausdruck von Gefühlen anzusehen, sondern sich nun auch mit Verhaltensforschung und Gebärdensprachenforschung beschäftigt. Man unterscheidet drei Arten von Gesten:

1. Zeigegesten wie beispielsweise mit dem Finger nach oder Kopf in eine Richtung deuten, um auf etwas hinzuweisen.
2. Lexikalisierte Gesten, die für Wörter stehen und als Symbole kennengelernt werden und kulturell abhängig sind ( zum Beispiel: den mittleren Finger zeigen, um jemanden zu beleidigen, die Faust ballen, um seine Wut zu äußern oder das Schulterzucken, um Planlosigkeit auszudrücken)
3. Ikonische Gesten, welche die Realität in irgendeiner Art abbilden, zum Beispiel das bekannte Nachzeichnen einer Wendeltreppe mit dem Finger in der Luft, um das reale Objekt dem Gesprächspartner geistig vorstellbar zu machen.[9]
Mimik: Sichtbare Bewegungen der Gesichtsoberfläche, vor allem durch die beweglichsten Teile des Gesichtes, den Augen und dem Mund, hervorgebracht. Die Funktionen der Mimik lassen sich in drei Bereiche aufteilen:

1. Ausdruck von Emotionalität, manchmal auch Intentionalität
2. Ausdrucks –und Appellfunktion und ist somit als erste Mitteilungsform zwischen Säugling und Eltern zu benennen.
3. Ausdruck von Eigenheiten eines Menschen[10]
Proxemik: Gebiet der Psychologie und der Kommunikationswissenschaft, welches Signale untersucht, die Menschen durch das Einnehmen einer bestimmten Distanz zueinander austauschen.[11]

3. Allgemeine Unterschiede zwischen geschriebener und gesprochener Sprache

Die allgemeinen Unterschiede beziehen sich prinzipiell auf alle Sprachen und nicht explizit auf das Spanische. Es gibt diverse Bedingungen der Kommunikation, die zur Unterscheidung zwischen geschriebener und gesprochener Sprache dienen.[12]

Als erstes Unterscheidungskriterium ist die Unmittelbarkeit anzusprechen. Diese hängt zusammen mit dem Grad der Spontaneität der Kommunikation und dem Grad der physischen Nähe der Kommunikationspartner.[13] Während die Lautung unmittelbar und spontan in diesem Moment stattfindet, ist die Schreibung losgelöst von Zeit und Ort, weshalb man hierbei in der Sprachwissenschaft von der gedehnten Kommunikation spricht.. Als Beispiel für das Mündliche lässt sich hier ein Partygespräch finden, für das Schriftliche ein Geschäftsbrief . Da sich hierdurch die Tatsache ergibt, dass der spontane Sprecher das Gesagte ohne Planungszeit äußert, hängt das zweite Kriterium unmittelbar mit dem ersten zusammen: Während etwas Geschriebenes korrigiert werden kann, sei es durch Radiergummi, Tintenkiller oder die Löschtaste am Computer oder der Schreibmaschine, ist dies im Mündlichen nicht so einfach möglich. Der Sprecher kann seinen Versprecher nur verbal wieder rückgängig machen, doch das Gesagte kann nicht einfach gelöscht werden.[14] Diese referentielle Nähe der mündlichen Kommunikation bestimmt auch, welche Indexausdrücke verwendet werden. Da sich die Sprecher im Hier und Jetzt an einem Ort befinden (außer beim Telefongespräch), können Personalpronomina wie „nosotros“ und „yo“ verwendet werden (Deixis), während diese im schriftlichen Kontext zuvor definiert werden müssen. Genauso verhält es sich mit Adverbien wie „aquí“ und „mañana“. Hierdurch wird in der geschriebenen Sprache alles mehr expliziert. Je besser sich die Gesprächspartner jedoch kennen, umso gesprochensprachlicher kann der Schreiber sich ausdrücken. Auch die Verben „ir“ und „ venir“, „llevar“ und „traer“ müssen im geschriebenen Spanisch genau definiert werden, da diese im Gegensatz zu anderen Sprachen von der Perspektive des Sprechers abhängig ist.[15]

Im Weiteren kann man die gesprochene Sprache dadurch bereichern, dass man sich unter anderem der Intonation bedient. Diese drückt nicht nur aus, was jemand sagt, sondern auch, wie derjenige das Gesagte meint, zum Beispiel ernst oder ironisch.[16] Da sich Sprache in erster Linie als eine auditive Erscheinung erklären lässt, muss sich die Schriftsprache hier anpassen. Allerdings ist es nicht so einfach, die Intonation einer gesprochenen Kommunikation so ins Schriftliche zu übertragen, dass keine Missverständnisse auftreten können.[17] Dies liegt vor allem daran, dass es wenige Zeichen gibt, die die Intonation wiedergeben können. Es lassen sich für das Spanische lediglich Ausrufungszeichen / ! ¡ / und Fragezeichen / ¿ ?/ zur Intonationswiedergabe angeben. Auch die puntos suspensivos / ... / lassen sich hinzuzählen, da sie neben der Funktion des offenen Satzschlusses oder offenen Aufzählungen auch für Ironiemarker stehen können.

[...]


[1] Vgl. Bollée, Annegret/ Neumann-Holzschuh, Ingrid (2003): Spanische Sprachgeschichte, Stuttgart, S: 10

[2] vgl. Koch, Peter / Oesterreicher, Wulf (1990): Gesprochene Sprache in der Romania: Französisch,

Italienisch Spanisch, Tübingen, S. 13

[3] Vgl. Bollée, Annegret/ Neumann-Holzschuh, Ingrid (2003): Spanische Sprachgeschichte, Stuttgart, S: 10

[4] ebd.. S. 10, f

[5] vgl. Koch, Peter / Oesterreicher, Wulf (1990): Gesprochene Sprache in der Romania: Französisch,

Italienisch Spanisch, Tübingen, S. 5

[6] ebd.. S. 5

[7] ebd.. S. 6

[8] vgl. Bollée, Annegret/ Neumann-Holzschuh, Ingrid (2003): Spanische Sprachgeschichte, Stuttgart, S: 10

[9] vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Gestik am 14.08.2005

[10] vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Mimik, am 14.08.2005

[11] vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Proxemik am 14.08.2005

[12] vgl. Koch, Peter / Oesterreicher, Wulf (1990): Gesprochene Sprache in der Romania: Französisch, Italienisch Spanisch, Tübingen, S. 8

[13] ebd.. S. 8/9

[14] vgl. Holtus, Günther, Schmitt, Christian, Metzelin, Michael (1992): LRL, Bd. 6,1, Tübingen, S. 241

[15] ebd.. S. 243

[16] ebd.. S: 236

[17] ebd.. S. 236

Details

Seiten
17
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638491891
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v53852
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
2,7
Schlagworte
Geschriebenes Spanisch Spanische Soziolinguistik

Autor

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Titel: Geschriebenes und gesprochenes Spanisch