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Herbarium heimischer Heilpflanzen. Standorte, Inhaltsstoffe, Verwendung und Wirkung

Ausarbeitung 2020 74 Seiten

Biologie - Botanik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Begriffsklärung: Heilpflanzen
Geschichtliche Aspekte
Naturschutzaspekte
Wirkstoffe

Baldriangewächse (Valerianaceae)

Birkengewächse (Betulaceae)

Brennnesselgewächse (Urticacea)

Doldenblütler (Apiaceae)

Efeugewächse (Araliaceae)

Gänsefußgewächse (Chenopodiaceae)

Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)

Johanniskrautgewächse (Hyperiacaceae)

Knöterichgewächse (Polygonaceae)

Korbblütengewächse (Asteraceae)

Kreuzblütengewächse (Brassicaceae)

Lippenblütengewächse (Lamiaceae)

Malvengewächse (Malvaceae)

Nachtkerzengewächse (Onagraceae)

Geißblattgewächse (Caprifoliaceae)

Raublattgewächse (Boraginaceae)

Rosengewächse (Rosaceae)

Rötegewächse (Rubiaceae)

Schachtelhalmgewächse (Equisetaceae)

Schmetterlingsblütengewächse (Fabaceae)

Wegerichgewächse (Plantaginaceae)

Literaturverzeichnis

Einführung

Begriffsklärung: Heilpflanzen

Heilpflanzen sind Pflanzen, die aufgrund ihrer Inhaltsstoffe zu Heilzwecken verwendet werden können (vgl. Kompakt Lexikon der Biologie. Heilpflanzen, S. 1).

Dabei werden die Heilpflanzen in unterschiedlichen Formen und in verschiedenen Anwendungsgebieten eingesetzt. Diese sollen im Folgenden begrifflich voneinander abgegrenzt werden:

Pflanzliche Drogen: Es handelt sich „um getrocknete, in einen lagerfähigen Zustand überführte bzw. aufbereitete Pflanzen bzw. Pflanzenteile sowie aus Pflanzen gewonnenen Produkte“ (Bäumler (2007), S. 5). Es gibt eine Vielzahl an Formen von Drogen aus Heilpflanzen. Dazu zählen u.a. Teedrogen, die sich „durch eine gute Verträglichkeit und eine große therapeutische Breite aus und die auch zur Selbstmedikation geeignet sind“ (ebd.); Extrakte, die in unterschiedlichen Beschaffenheit vorliegen können (flüssig (Fluideextrakt), zähflüssig (Spissumextrakt), trocken (Trockenextrakt)) und bei denen die konzentrierte Zubereitung im Vordergrund steht; Tinkturen bei denen es sich um die „flüssige Zubereitung aus getrockneten pflanzlichem Material“ (ebd.) handelt und die im Gegensatz zu den Fluideextrakten nicht konzentriert sondern verdünnt sind.

Aus den pflanzlichen Drogen können als Phytopharmaka hergestellt werden.

Phytopharmaka: Phytopharmaka sind Arzneimittel, „die als wirksame Bestandteile ausschließlich Pflanzen, Pflanzenteile oder pflanzliche Bestandteile (z.B. ätherische Öle) in unbearbeitetem Zustand oder in Form von Zubereitungen enthalten“ (ebd.).

Daneben werden viele Heilpflanzen in der Homöopathie verwendet.

Homöopathie: Bei der Homöopathie finden sowohl Pflanzen als auch Pflanzenteile breite Verwendung Ungefähr 70% der im homöopathischen Arzneibuch aufgeführten Mittel basieren auf pflanzlichen Ausgangsstoffen (vgl. Schönfelder (2010), S. 16ff). Auch wenn es sich dabei um dieselben Pflanzenarten handelt, die bei Phytopharmaka eingesetzt werden, ist das homöopathische Heilverfahren von der Phytotheraphie zu unterscheiden. Der Homöopathie liegt das Ähnlichkeitsprinzip zugrunde, d.h. ein Arzneimittel, das im gesunden Organismus bestimmte Symptome erzeugt, soll eine Krankheit, die ähnliche Symptome zeigt, heilen können (ebd.). Phytopharmaka hingegen werden nach dem Gegenprinzip angewandt (z.B. wird eine Verstopfung mit Abführmittel behandelt).

Geschichtliche Aspekte

Es ist davon auszugehen, dass der Gebrauch von Heilpflanzen schon seit jeher in der Menschheit stattfindet.

Belege für die Verwendung von Heilpflanzen lassen sich in allen Hochkulturen der Frühzeit finden. Nachweislich haben alle diese frühen Kulturen wie Mesopotanien, Ägypten, China und Indien Pflanzen zum Zwecke der Heilung eingesetzt (vgl. Bäumler (2007), S. 3). Pflanzliche Rezepturen sind anhand von ältesten Text-Aufzeichnungen aus dieser Zeit erhalten.

In der Antike verfasste der Hippokrates (460 – 370 v. Chr.) Anleitungen über die Verwendung von Pflanzen als Heilmittel. Auch Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) und Theophrast (380 – 286 v. Chr.) beschrieben in ihren Werken die medizinische Anwendung der Pflanzen (ebd.).

Dioskurides verfasste im 1. Jh. Eine fünfbändige Arzneimittellehre Materia medica, die als richtungsweisend für alle nachfolgenden Arzneibüchern galt (ebd.).

Ein Großteil des Wissens über Heilpflanzen des Altertums ging während des Mittelalters verloren, den Heilpflanzen „wurde nicht mehr der Stellenwert zuerkannt, Krankheit wurde als Strafe Gottes angesehen, sie galt als angehext, die Heilung wurde v.a. in Segenssprüchen, Handauflegen und Gebeten gesucht“ (ebd.).

Trotzdem wurde während des Mittelalters durch Mönche Heilpflanzen in Klostergärten angebaut und als Heilmittel eingesetzt. Die zu dieser Zeit entstanden auch die Werke Physica und Caausae et Curae von Hildegard von Bingen. Sie verband mit ihren Rezepturen die Klostermedizin und die traditionelle Volksheilkunde (ebd., S. 4).

Durch die Erfindung des Buchdrucks, war es möglich, das Wissen über Heilpflanzen der Bevölkerung zugänglich zu machen. Von da an wurden zahlreiche Bücher veröffentlicht, die richtungsweisend für die Heilpflanzenkunde waren.

Mit der Entwicklung der Naturwissenschaften und dem damit einhergehenden Fortschritt in der Medizin, weitetet sich im Laufe des 19. Und 20. Jhd. chemisch-synthetische Arzneimittel zunehmend weiter aus zu Lasten der Phytotherapie.

Trotz dessen ist die Phytotherapie gegenwärtig wieder von Bedeutung, so präferieren immerhin 60% der Patienten eine Behandlung mit natürlichen Pharmaka (vgl. Bäumler (2007), S. 5).

Naturschutzaspekte

Im Allgemeinen ist das Sammeln von heimischen Heilpflanzen vorteilhaft, da diese als Wildpflanzen in der Natur zu finden sind und somit abhängig von der Jahreszeit stets frisch verfügbar sind und nicht in unreifem Zustand geerntet werden und von weit her transportiert werden müssen. Als Wildpflanzen wachsen sie zudem in ihrer natürlichen Umgebung und ohne das Zutun eines Gärtners oder Landwirts.

Beim Sammeln der Pflanzen sollte eine Schere und Messer zum Ernten benutzt werden, da das Abreißen die Pflanze unnötig schädigt oder zum Ausriss der Wurzel führt. Außerdem ist ein Bestimmungsbuch zum Nachschlagen von Details nötig, wenn man sich unsicher ist. Für dieses Herbarium wurde hauptsächlich das Bestimmungsbuch von Lüder verwendet (Lüder, R. (2013): Grundkurs Pflanzenbestimmung. Wiebelsheim: Quelle & Meyer Verlag) und auch der Kosmos Heilpflanzenführer von Schönfelder wurde immer wieder zu Rate gezogen (Schönfelder, I. (2010): Der Kosmos Heilpflanzenführer. Über 600 Heil- und Giftpflanzen Europas. Stuttgart: Kosmos Verlag). Beim Sammeln gelten die Prinzipien, dass nur so viel gesammelt wird, wie gebraucht wird. Außerdem sollten am Fundort immer noch genügend Pflanzen stehen bleiben.

Geschütze und gefährdete Pflanzen dürfen nicht gesammelt werden und auch in Naturschutzgebieten darf nicht gesammelt werden. Neben den gesetzlich geschützten Arten gibt es außerdem für die gefährdeten Arten eine sogenannte „Rote Liste“. Hier wird für jedes Bundesgebiet in verschiedenen Gefährdungskategorien angegeben, wie stark bedroht eine Pflanzenart ist. Diese ist einsehbar auf der Internetseite des Bundesamts für Naturschutz (http://www.floraweb.de/pflanzenarten/rotelisten.html).

Wirkstoffe

Um Wildpflanzen als Heilpflanzen verwenden zu können, sollte dabei auf deren Bekömmlichkeit und Unbedenklichkeit achten. Diesbezüglich spielen die in den Pflanzen vielfältig vorhandenen Inhaltsstoffe eine große Rolle. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass sich in jeder einzelnen Pflanze eine unüberschaubare Anzahl an verschiedenen Inhaltsstoffen befinden, die gegenseitig miteinander in einer Wechselwirkung stehen. Diese Wechselwirkung führt entweder zu einer Aufhebung der Wirkung oder aber auch zu einer Wirkungsverstärkung. Manche dieser Wirkungen sind förderlich für die menschliche Gesundheit, andere sind gesundheitsschädigend.

Zu berücksichtigen gilt, dass fast alle Pflanzenarten höchst gesunde wie auch potenziell toxische Inhaltsstoffe aufweisen. An dieser Stelle sie auf das berühmte Zitat von Paracelus verwiesen: „Alle Dinge sind Gift und nichts ohn Gift; allein die Dosis macht, das ein Ding kein Gift ist“ (Fleischhauer et al. (2013), S. 10), was für Heilpflanzen bedeutet, dass es sich in geeigneter Dosierung um ein wirksames Heilmittel handeln kann, eine zu hohe Dosis aber auch zu Vergiftungserscheinungen führen kann.

Außerdem gilt es zu berücksichtigen, dass der Gehalt an Inhaltsstoffen häufig sehr großen Schwankungen unterliegt. Diese Schwankungen sind u.a. auf die jahreszeitlichen Wechsel oder des vorhanden Nährstoffangebots für die Pflanze zurückzuführen (ebd.).

Schönfelder weist daraufhin, dass oftmals der Einfluss eines Inhaltsstoffes, des sogenannten Hauptwirkstoffes besonders deutlich hervortritt (vgl. Schönfelder (2010), S. 20). Die Gesamtwirkung lässt sich dabei in den meisten Fällen allerdings nicht ausschließlich auf diesen einen Hauptwirkstoff zurückführen, sondern schließt weiter Verbindungen, die Nebenwirkstoffe mit ein, die den Hauptwirkstoff sowohl unterstützen als auch hemmen können (ebd.).

Im Folgenden sollen die wichtigsten Heilpflanzen-Wirkstoffe näher betrachtet werden.

Alkaloide

Bei Alkaloiden handelt es sich um organische Stickstoffverbindungen. Sie gehören teilweise zu den stärksten bekannten Giftstoffen und sind gleichzeitig in geeigneter Dosis ein sehr wirksames Heilmittel. Im Geschmack sind Alkaloide häufig bitter.

Alkaloide sind fast immer fettlösliche, farblose, und feste Substanzen. Mit Säuren bilden sie überwiegend gut wasserlösliche Salze, was für ihren medizinischen Einsatz von Bedeutung ist. Aufgrund ihrer Fettlöslichkeit sind sie darüber hinaus in der Lage, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden und ihre Wirkung im Gehirn zu entfalten. Einige Alkaloide haben strukturelle Ähnlichkeit mit natürlich vorkommenden Gehirnbotenstoffen (Neurotransmittern) und rufen hierdurch vielfältige Reaktionen im Zentralen Nervensystem hervor (vgl. Fleischhauer et al (2013), S. 13).

Die Namen der Alkaloide werden häufig vom gattungs- oder Artname der Pflanze abgeleitet, aus der sie erstmals isoliert wurde, und enden auf –in. Ein Beispiel hierfür ist: Nicotin aus Nicotiana (vgl. Schönfelder (2010), S. 22). Weitere bekannte alkaloidhaltige Pflanzen und ihre dazugehörigen Alkaloide sind neben dem Tabak (Nicotin) die Tollkirsche (Atropin), der Kaffeestrauch (Koffein), der Kokastrauch (Kokain) und die Eibe (Taxin) (vgl. Fleischhauer et al. (2013), S. 13).

Für die Pyrrolizidin-Alkaloide (PA) wurde eine leberschädigende und Krebs auslösende Wirkung nach längerer Einnahme nachgewiesen. Deshalb werden Einschränkungen der Anwendungsgebiete und tolerierbare tägliche Höchstmengen sowie die Anwendungsdauer von 6 Wochen empfohlen. Vorsicht ist auch bei selbst gesammelten sowie im Garten angebauten Pflanzen geboten, da diese nicht auf den Gehalt derartiger Alakaloide geprüft sind. Zu den betroffenen Pflanzen zählen u.a. Huflattichblätter, Pestwurz, Beinwell, Borretsch sowie der Wasserhanf (vgl. Schönfelder (2010), S. 23).

Ätherische Öle

Ätherische Öle sind aus einer Vielzahl an verschiedenen Komponenten zusammengesetzt. Sie können dabei oft mehrere hundert verschiedene Verbindungen enthalten, wobei Terpene und Phenylpropane besonders häufige Bestandteile sind.

Charakteristisch für die Ätherischen Öle ist der meist angenehme Duft. Zudem verdampfen sie im Gegensatz zu den ‚fetten‘ Ölen (wie zum Beispiel Sonnenblumenöl) vollständig ohne Rückstände zu hinterlassen.

Den Pflanzen dienen die ätherischen Öle wahrscheinlich zur Abwehr von Fressfeinden, Bakterien, Viren und Pilze, als Hemmstoff der Samenkeimung konkurrierender Arten und um bestimmte Insekten anzulocken (ebd.).

Die ätherischen Öle können über Haut, Schleimhäute, Magen und Darm oder die Lunge aufgenommen werden und hierdurch ihre spezifische Wirkung entfalten.

Oftmals werden Pflanzen wegen ihres Gehalts an krampflösend wirkenden ätherischen Ölen (beispielsweise von Kümmel, Pfefferminze, Salbei) als Hustenmittel oder bei Beschwerden im Verdauungstrakt eingesetzt. Andere ätherische Öle wie zum Beispiel von Thymian, Nelke oder Salbei wirken gegen Bakterien, Pilze, Viren und Parasiten. Darüber hinaus gibt es ätherische Öle, die durchblutungsfördernd, entzündungshemmend, harntreibend, kreislaufanregend oder beruhigend wirken (ebd.).

Da es leicht zu Reizwirkungen auf der Haut und Schleimhäuten kommen kann, sollten ätherisch Öle nicht pur eingenommen werden (vgl. Fleischhauer et al (2013), S. 14).

Anthranoide

Anthranoiddrogen und ihre Extrate gehörten früher zu den meistgenutzten Abführmitteln. In der frischen Pflanze sind vor allem Anthron- bzw. Anthranol- oder auch Dianthronglykoside enthalten, die aber mit zunehmender Reife, Lagerung oder Hitzebehandlung der Droge in Anthrachinonglykoside übergehen.

Für anthranoidhaltige Abführmittel gibt es heute strenge Richtlinine. Sie sind nur noch zur kurzfristigen (ohne ärztlichen Rat nicht länger als 1-2 Wochen andauernden) Anwendung zugelassen.

Von den einheimischen Pflanzen enthalten u.a. Faulbaum oder Sauerampfer Anthranoide. Johanniskraut enthält mit dem phozosesibilisierenden Hypericin auch Anthraverbindungen (vgl. Schönfelder (2010), S. 23f).

Bitterstoffe

Unter Bitterstoffen sind allgemein die Pflanzeninhaltsstoffe mit bitterem Geschmack zu verstehen. Als Bitterstoffdrogen werden jedoch nur die bitter schmeckenden Pflanzen bezeichnet, die wegen ihres bitteren Geschmacks therapeutisch eingesetzt werden, darüber hinaus aber keine weiteren Wirkungen erzeugen, wie dies bei den ebenfalls bitter schmeckenden Inhaltsstoffen wie Koffein oder Chinin der Fall ist. Die Wirkung beruht auf der durch den bitteren Geschmack reflektorisch ausgelösten Steigerung der Speichel- und Magensaftsekretion. Durch diesen Prozess kommt es im weiteren Verlauf zu einer Appetitanregung, die Verdauung wird gefördert und Fäulnis und Gärungsprozesse werden beseitigt oder verhindert. Zudem sind Bitterstoffe bei der Verdauung von Fetten hilfreich. Die Bitterstoffe finden sich häufig unter den Stoffgruppen der Glykoside, der Isoprenoiden und der Alkaloiden.

Bitterstoffe finden sich in vielen Heil- und Nahrungspflanzen wie beispielsweise im Gänseblümchen, Schafgarbe, Löwenzahn und dem Wermut (vgl. Fleischhauer et al (2013), S. 15 & Schönfelder (2010), S. 24f).

Cumarine

Bei Cumarin handelt es sich um einen sekundärer Pflanzeninhaltsstoff, der nach Waldmeister oder Heu duftet.

Cumarin liegt in frischen Pflanzen in glykosidischer Bindung vor und wird erst während des Trocknens freigesetzt. Deshalb kann der längere Aufenthalt in stark duftendem Heu (d.h. in cumarinhaltigem Heu) oder der übermäßige Genuss von cumarinhaltigen Getränken (wie zum Beispiel der Waldmeisterbowle) zu Kopfschmerzen, Schwindel und Benommenheit führen. Aufgrund dessen sollte mit 3 Gramm Kraut / Liter eine maximale Dosis eingehalten werden (vgl. Fleischhauer et al (2013), S. 16).

Furocumarine

Die Furocumarine sind aufgrund ihrer chemischen Struktur eng mit den Cumarinen verwandt. Bei den meisten Furocumarinen handelt es sich um kristalline Substanzen, die in Wasser schlecht löslich sind und überstehen Kochvorgänge unbeschadet.

Pflanzen der Pflanzenfamilie Doldenblütengewächse enthalten häufig Furocumarine. Beispiele hierfür sind u.a. der Riesen-Bärenklau oder der Wiesen-Bärenklau. Die Verbindungen reichern sich dabei vor allem in den Früchten und den Wurzel der Pflanzen an. Bei dem Verzehr der Pflanze oder über Hautkontakt werden die Verbindungen aufgenommen. Es handelt sich bei den Furocumarinen um sehr reaktive Substanzen, die unter Einwirkung von Sonnenlicht photoaktiviert werden. Die Furocumrine wirken somit photosensibilisierend. Gelangen Furocumarine also auf die Haut und dieses wird dem Sonnenlicht ausgesetzt, kommt es zu Symptomen wie Hautrötungen, Schwellungen und Blasenbildungen. Innerlich aufgenommen wirken die Furocumarine zudem allergieauslösend. Ein Beispiel für diese Reaktion ist der giftige Saft des Riesen-Bärenklaus. Dennoch werden Furocumarine auch medizinisch eingesetzt. Beispielsweise lindern sie zusammen mit Sonnenlicht Hautkrankheiten wie die Schuppenflechte (Psoriasis) (vgl. Fleischhauer et al (2013), S. 16).

Fette und Öle

Fette und Öle sind überwiegend in den Samen und im Fruchtfleisch der Pflanzen enthalten.

Sie bestehen aus Trigacylglycerolen, Trifettsäureestern des Glycerols, wobei verschiedene Fettsäuren am Aufbau beteiligt sein können.

Gesättigte Fettsäuren haben keine Doppelbindung (z.B. Palmitin- und Stearinsäure).

Je nach Anzahl der vorhandenen Doppelbindungen unterscheidet man in einfach ungesättigte Fettsäuren (z.B. Ölsäure in Olivenöl), zweifach ungesättigte Fettsäuren (z.B. Linolsäure in Sonnenblumenöl) und mehrfach ungesättigte Fettsäuren (z.B. Linolensäure mit drei Doppelbindungen in Leinöl). Da essentielle Fettsäuren vom menschlichen Körper nicht selbst hergestellt werden können, müssen sie mit der Nahrung aufgenommen werden. Dazu zählen die Linolsäure und die Linolensäure, die besonders in Leinöl oder Weizenkeimöl enthalten sind. Diese Fettsäuren können den Cholesterolspiegel des Blutes (besonders dem LDL-Anteil) senken.

Die Gamma-Linolensäure, welche zum Beispielaus dem Samen des Borretsch, Nachtkerzen-Arten und der schwarzen Johannisbeere isoliert werden, verwendet man äußerlich oder innerlich u.a. zur Unterstützung bei Neurodermitis, da ein Defizit an dieser Fettsäure besteht (vgl. Schönfelder (2010), S. 26f).

Flavonoide

Bei den Flavonoiden handelt es sich um Polyphenolverbindungen, die als gelbe bis rote Farbstoffe in einigen Pflanzen vorkommen.

Flavonoide sind meistens an Zucker (Glucose) gebunden und werden deshalb als Glykoside bezeichnet.

Einteilung der Flavonoide nach ihrem chemischen Aufbau:

- Flavonole: Quercetin, Rutin, Kaempferol, Myricetin, Isorhamnetin
- Flavanole: Catechin, Gallocatechin, Epicatechin, Epigallocatechingallat, Theaflavin, Thearubigin
- Flavone: Luteolin, Apigenin
- Flavanone: Hesperetin, Nearingenin, Eriodictyol
- Flavanonole: Amelopsin
- Isoflavone: Genistin, Daizdein
- Anthocyanidine (Anthocyane): Cyanidin, Delphinidim, Malvidin, Pelargonidin, Peonidin, Petunidin
- Chalkone: Myrigalone
- Aurone: Sulfuretin

Auf den menschlichen Organismus wirken die Flavonide auf vielfältige Weise. So wirkt das Rutin beispielsweise gefäßstärkend. Isoflavone hingegen wirken schwach östrogenartig, Des Weiteren haben Procyanidine einen antibakteriellen Einfluss. Einige Flavonoide wirken als Antioxidantien und beugen somit die Zellschädigung durch freie Radikale vor (vgl. Fleischhauer et al. (2013), S. 17f).

Gerbstoffe

Durch Gerbstoffe kann tierische Haut in Leder umgewandelt werden, also somit gegerbt werden. Die Gerbstoffe wandeln dabei die Proteine der Haut in eine wasserunlösliche und nicht quellende Form um.

Als Heilpflanzen werden sie in niedriger Konzentration zur Heilung von Wunden, Verbrennungen, übermäßigem Schwitzen und Entzündungen der Schleimhäute eingesetzt. Aufgrund der Wechselwirkung die sie mit den Proteinen eingehen, wirken sie zusammenziehend, entzündungshemmend, antibakteriell, antiviral, antiallergen und neutralisierend auf Gifte (vgl. Fleischhauer et al (2013), S. 18 & Schönfelder (2010), S. 28)

Saponine

Saponine haben aufgrund der Eigenschaft wie Seife im Wasser zu schäumen ihren Namen erhalten. Chemisch gesehen, haben sie mit Seife nichts zu tun sondern liegen in den Pflanzen meist als Glykoside vor. Genauer heißt das, sie bestehen aus einem Steroid- oder Triterpen- und einem Zuckerteil (Glykosid). Dabei handelt es sich bei den medizisch angewandten Saponindrogen meist um Tritersaponine. Man schreibt ihnen entzündungshemmende, harntreibende, schleimtreibende/schleimlösende und hormonstimulierende Eigenschaften zu. Saponine dürfen allerdings nicht in die Blutbahn gelangen, da sie blutauflösende Eigenschaften besitzen, da sie rote Blutkörperchen zerstören (vgl. Fleischhauer et al. (2013), S. 20f).

Schleimstoffe

Bei den Schleimstoffen handelt es sich um Gemische aus Polysacchariden, die im kalten Wasser hochviskose Gele bilden. Diese legen sich als dünne Schicht auf die Schleimhäute und schützen sie vor Reizungen. Aufgrund dieser reizmildernden sowie einhüllenden Wirkung werden sie vor allem bei Entzündungen der Schleimhäute angewandt. Unter anderem gehören der Huflattich, der Spitzwegerich und der Beinwell zu den Pflanzen, die aufgrund der Schleimstoffe als Heilpflanzen genutzt werden (vgl. Fleischhauer et al. (2013), S. 21).

Baldriangewächse (Valerianaceae)

- Arznei Baldrian (Valeriana officinalis)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Doldenblütler (Apiaceae)

- Giersch (Aegopodium podagraria)
- Pastinak (Pastinaca sativa)
- Wilde Möhre (Daucus carota)

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Details

Seiten
74
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783346136350
ISBN (Buch)
9783346136367
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v538614
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
1,5
Schlagworte
Herbarium Organismensammlung Heimische Heilpflanzen Standorte Inhaltsstoffe Verwendung Wirkung Heilkräuter Deutschland Arzneipflanzen Wiese Wald Botanik Biologie Pflanzen Pflanzenbestimmung Wildkräuter Pflanzenfamilien Systematik Blüten Blumen Pharmazie Natur
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Titel: Herbarium heimischer Heilpflanzen. Standorte, Inhaltsstoffe, Verwendung und Wirkung