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Frauen und Männer in der Sozialpädagogik. Welche Chancen, Vorteile und Möglichkeiten bieten sich durch männliche Fachkräfte in Kindertagesstätten?

Hausarbeit 2015 79 Seiten

Pädagogik - Sozialpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Ziele und Aufgaben der Untersuchungen
1.1 Begründung der Wahl des Themas
1.1.1 Persönliche Sichtweise zur Wahl des Themas
1.1.2 Gesellschaftliche Sichtweise zur Wahl des Themas
1.2 Ziele der Arbeit
1.3 Aufgaben der Untersuchungen

2. Theoretische Ausgangsposition
2.1 Definition Sozialpädagogik
2.1.1 Ziele und Aufgaben sozialpädagogischen Handelns
2.2 Definition Soziale Rolle
2.2.1 Klassifikation der Rolle des Erziehers
2.3 Die Rolle der Frau/ des Mannes- früher und heute
2.3.1 Die Rolle der Frau- früher und heute
2.3.2 Die Rolle des Mannes- früher und heute
2.3.3 Zusammenfassung über die Entwicklung der Frauen- und Männerrolle in ihrer Wechselwirkung
2.4 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Herausforderungen an die Sozialpädagogik
2.5 Das Berufsbild/die Berufsrolle des männlichen Erziehers
2.5.1 Das Berufsbild/die Berufsrolle früher in der Pädagogik
2.5.2 Das Berufsbild/die Berufsrolle heute in der Pädagogik
2.5.3 Schlussfolgerung: Was hat sich in der Pädagogik geändert?

3. Praktische Untersuchung
3.1 Zu den Untersuchungsmethoden
3.1.1 Empirische Methoden der Untersuchung
3.1.2 Methoden der Förderung
3.2 Zu der Durchführung der Untersuchung
3.2.1 Zu der Bedingungsanalyse der Einrichtung
3.2.2 Zu der Ausgangsanalyse der Gruppe
3.2.3 Ziele der praktischen Untersuchung
2.2.4 Beschreibung der Durchführung
3.3 Zu den Untersuchungsergebnissen
3.3.1 Untersuchungsergebnisse der Umfrage
3.3.2.Untersuchungsergebnisse der Beobachtung

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Anlagen

1. Ziele und Aufgaben der Untersuchungen

1.1 Begründung der Wahl des Themas

Frauen und Männer in der Sozialpädagogik Die gesellschaftliche Herausforderung an das Berufsbild eines Erziehers. Welche Chancen, Vorteile und Möglichkeiten bieten sich durch männliche Fachkräfte in Kindertagesstätten.

1.1.1 Persönliche Sichtweise zur Wahl des Themas

Frauen und Männer in der Sozialpädagogik, diese Konstellation gewinnt seit einigen Jahren immer mehr an Bedeutung. Für mich persönlich wird sie in wenigen Monaten den beruflichen Alltag bilden, in dem ich mich auch mit Frauen als Kollegen an meiner Seite, arrangieren darf. Oder müssen die Frauen sich mit mir als Mann arrangieren? Diese Frage möchte ich in meiner Facharbeit nicht zum Thema nehmen. Wobei sich der aufmerksame Leser und Interessent einer solchen Arbeit, sicherlich auch dieser Frage stellen wird. Ziel meiner Untersuchung soll es aber sein, welche Chancen, Vorteile und Möglichkeiten sich durch männliche Fachkräfte in der Sozialpädagogik und speziell im Kindergarten auftun und ob es egal ist, ob es Frauen oder Männer sind, die Kinder in den Einrichtungen betreuen.

Da ich ein Mann bin und in diesem wohl eher von Frauen geprägten Berufsbild Fuß fassen möchte, interessiert es mich welche Rolle die weiblichen und männlichen Erzieher in der Pädagogik und beispielsweise innerhalb einer Einrichtung spielen. Welche Erwartungen gehen von ihnen aus? In später nachfolgenden Untersuchungen möchte ich auch noch klären, welche Rollenbilder von Frauen und Männer es gibt. Wie änderte sich das Berufsbild eines Erziehers, mit seiner Berufsrolle von früher zu heute? Ich als Mann, sehe mich in der Sozialpädagogik und dies ist meine persönliche Herausforderung an meinem neuen Beruf. Denn Sie als Leser müssen wissen, dass dies nicht von Beginn an mein Lebensweg werden sollte. Ich bin der klassische Quereinsteiger, habe früher in einem technischen Beruf gearbeitet. Das Einzige was daran mehr oder weniger sozial war, war der Umgang mit Kollegen bzw. Vorgesetzten. Neben der persönlichen Herausforderung, die mir nun im Beruf des Erziehers in vollem Maße gegeben ist, möchte ich aber auch nicht die durchaus genauso interessante gesellschaftliche Herausforderung mit all ihren Rahmenbedingungen vergessen. Dies ist für mich ein weiterer spannender und Ideen bringender Aspekt, den ich in diese Facharbeit einfließen lassen möchte.

Als ich mich damals auf dem Zenit meiner Unzufriedenheit in meinem „alten Job“ befand, überlegte ich was ich denn anderes machen könnte und wo meine neue berufliche Zukunft liegen würde. Ich setzte mich also schon damals instinktiv mit dem Thema, der Beruf des Erziehers auseinander. Nicht weil es ein Trend war oder weil vielleicht jede im Berufsleben gescheiterte männliche Existenz in einem sozialen Beruf landet. Nein! Einfach aus dem Grund, weil ich die Kompetenz dafür besitze, in solch einem Beruf zu arbeiten. Und weil die Gesellschaft meiner Meinung nach eine Entwicklung genommen hat, in der männliche Fachkräfte meines Typus gebraucht werden.1

Dennoch gibt es viele die mich als männlichen Erzieher belächeln und in mir den Exot sehen. Und genau dieser gesellschaftlichen Herausforderung möchte ich mich stellen und Ihnen als Leser sowie jeden anderen Interessierten das Gegenteil beweisen.

Es stellt sich also nicht die Frage, wer sich mit wem arrangieren muss.

Die Frage lautet nun: „Ist es egal, ob weibliche- oder männliche Erzieher die Betreuung im Kindergarten absichern oder ist es nicht egal?“ Um diese Frage klären zu können, bedarf es einer Reihe von Untersuchungen und Befragungen. Ich möchte mir hierzu die Kolleginnen, Kollegen und Mitarbeiter meiner Einrichtung sowie die Eltern der Kinder der Einrichtung zu Nutze machen um durch Beobachtungen, Interviews und/oder Befragungen zu weiteren Erkenntnissen zu kommen.

1.1.2 Gesellschaftliche Sichtweise zur Wahl des Themas

Aus der gesellschaftlichen Sichtweise betrachtet, ist die Begründung der Wahl des Themas viel bedeutender als man zunächst annehmen könnte.

Als erster großer gesellschaftlicher Fakt steht die Welt und die Gesellschaft an sich im Vordergrund. Kinder wachsen mit Frauen und Männern gleichermaßen auf, überall außerhalb der Einrichtung bzw. im Kindergarten ist dies der Fall. Kinder bekommen also dadurch die verschiedensten weiblichen- und männlichen Rollenbilder zu sehen. Dabei entwickeln sich auch Vorbilder, leider nicht immer positiver Natur. Auch und gerade weil dies so ist, sollten Kinder innerhalb der Einrichtung diese Zusammenarbeit zwischen Frauen- und Männern, mit all ihren Erfahrungen, Fähigkeiten und Kompetenzen erleben dürfen. Alle Kindertagesstätten und ähnliche Einrichtungen, sind im Grunde genommen ein Abbild unserer Welt. Und die Welt wie wir sie alle erleben dürfen, besteht nun einmal aus dem weiblichen- und männlichen Geschlecht.

Somit wäre es ein totaler Irrglaube, dass die Erziehung von Kindern ausschließlich Frauensache ist.

Ein zweiter gesellschaftlicher Fakt ist die (Vorbild)Rolle des männlichen Erziehers, die ein solcher zwangsläufig einnimmt ohne es vielleicht bewusst zu steuern oder überhaupt zu wollen.2 Unsere Gesellschaft verfolgt den Trend, dass sich Ehen immer früher scheiden lassen. Die daraus entstehenden Trennungs- oder Scheidungskinder werden also auch immer jünger, somit erhält dieses schwierige Thema auch Einzug in die deutschen Kindergärten3. Und weil dies so ist, erleben immer weniger Jungen und Mädchen einen Vater an ihrer Seite bzw. in ihrer Familie. Das dies zunehmend zum Problem werden kann, bedarf wohl keinerlei Erklärung. Die Problematik der Scheidungs- und Trennungskinder bedient zwar ein typisches Klischee eines männlichen Erziehers, der als Vaterersatz dienen soll, dennoch und leider bewahrheitet es sich auch zugleich.

Aber man bedenke, der männliche Erzieher soll dabei sicherlich nicht gesellschaftliche Reparatur betreiben. Dies wäre eine zu große Last die man ihm auferlegen würde. Jedoch wird es sich als Vorteil erweisen einen Mann als Pädagogen in seinen Reihen zu haben.

Ein dritter und ebenfalls ganz wichtiger gesellschaftlicher Fakt ist der Fachkräftemangel. Der bereits seit längerer Zeit anhaltende Fachkräftemangel, zwingt uns förmlich dazu, auch auf die Männer zurück zu greifen um diese als unterstützend und gewinnbringend in der Sozialpädagogik einzusetzen4. Die heutigen Ausbildungsstandards sind sehr gut und so können Männer wie auch Frauen an sehr guten sozialpädagogischen Schulen Kompetenzen und Fähigkeiten erwerben und ausbauen, um sie für ihre bestehenden Aufgaben zu sensibilisieren.

Es wird sich also in dieser Arbeit zeigen, ob es möglich ist auch Männer in solch eine Frauendomäne zu integrieren und ob diese auch in der Lage sind einen hervorragenden Job zu machen.

1.2 Ziele der Arbeit

Zu Beginn dieser Arbeit stellte sich einmal die Frage: „Ist es egal, ob weibliche oder männliche Erzieher die Betreuung in Kindertagesstätten absichern oder ist es nicht egal?“

Ziel dieser Facharbeit soll es sein, diese Frage zu untersuchen bzw. neue aufkommende Fragen in diesem Kontext ebenfalls zu beleuchten.

Es wurde bereits in Aussicht gestellt, wie man an dieses Thema heran gehen könnte und welche Art von Aufwand es bedarf, um genau zu analysieren was in der Sozialpädagogik eine wichtige Rolle spielt. Es soll sich nach zahlreichen Untersuchungen und Beobachtungen zeigen, in wie weit sich männliche Erzieher in die Sozialpädagogik positiv und gewinnbringend für die Kinder sowie auch für die weiblichen Erzieher einbringen können. Als Kernfragen stehen dabei im Raum, in wie weit ergänzen sich weibliche und männliche Erzieher und wo liegen die Stärken beider Geschlechter. Der Verfasser dieser Arbeit möchte in keinem Fall den Eindruck erwecken, dass hier der bessere Pädagoge gesucht bzw. die Arbeitsweise einzelner Kollegen kritisch betrachtet werden soll.

Ein weiteres Ziel dieser Arbeit wird sein, aufzuzeigen wie wichtig und bedeutend es ist männliche Erzieher in der Einrichtung zu haben und, dass diese durchaus als Bereicherung anzusehen sind. Die Aussage, ob weibliche- und männliche Erzieher Klischees erfüllen und ob dies bedeutend für die Arbeit mit Kindern sei, wird ebenfalls ein Ziel dieser Arbeit sein.

1.3 Aufgaben der Untersuchungen

Um das Thema zu bearbeiten muss zunächst ein klares Ziel der Untersuchung aufgestellt werden. Im Zweifelsfall sind es sogar mehrere Ziele die zur vollständigen Bearbeitung nötig sind. Die aufgestellten Ziele zu dieser Arbeit, sind somit auch gleichzeitig Wegweiser um weitere wichtige Erkenntnisse zu dem jeweiligen Thema zu gewinnen. In der theoretischen Ausgangsposition werden Standpunkte erläutert und wie es der Name schon sagt, eine Ausgangsposition erstellt, von der aus man weiter arbeitet, bzw. das Thema und dessen Inhalte Stück für Stück mit wissenschaftlichen Theorien begründet.

Zunächst muss geklärt werden, was überhaupt Sozialpädagogik ist bzw. was die Soziale Rolle im Einzelnen bedeutet und was es für wesentliche Rollenunterschiede gibt. Wie definiert sich also der Begriff Soziale Rolle und welche Rollenbilder sind relevant? Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sowie die gesellschaftliche Herausforderung sind wichtige Bestandteile, um die Berufsrolle des Erziehers genau zu beschreiben.

Ein weiterer wichtiger Aspekt wird auch die Beleuchtung der Strukturen einer Einrichtung sein und mit welchen Problemen oder auch Herausforderungen ein Erzieher in der heutigen Zeit konfrontiert wird. Dies alles wird unter dem gesellschaftlichen Gesichtspunkt betrachtet.

Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sind ein weitgreifendes und umfassendes Thema. Die Gesellschaft der heutigen Zeit kann unterschiedlicher nicht sein. Sie ist von verschiedensten Sichtweisen und Gedanken geprägt. Hierbei lässt es sich nur erahnen wie kontrovers die Meinungen zum Beispiel über den männlichen Erzieher sind.5 Zu den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zählen aber auch andere Aspekte, wie zum Beispiel die Berufsrolle des Erziehers früher und heute. Man bemerkt sehr schnell, dass es viele Fragen gibt, die durchaus wichtig für die kommenden Untersuchungen sind.

Weiterhin soll herausgefunden werden, ob es Unterschiede zu der Arbeit mit Kindern von früher zu heute gibt. Diese Fragestellung hat ebenfalls einen gesellschaftlichen Hintergrund. Im Umkehrschluss muss eine Schlussfolgerung darlegen, was sich wie und wo verändert hat. Darin enthalten soll eine Reflexion über die Gesellschaft und die Anforderungen an den Erzieher aufweisen wie unterschiedlich die Arbeit von früher zu heute geworden ist und wo Frauen und Männer gleichermaßen ihren Platz gefunden haben.

2. Theoretische Ausgangsposition

2.1 Definition Sozialpädagogik

„Die Sozialpädagogik ist ein Teilgebiet der Erziehungswissenschaften. Sie befasst sich theoretisch und praktisch mit der Erziehung außerhalb von Schule und Familie. Es handelt sich dabei um spezielle Hilfen zur Sozialisation, die im Laufe eines Lebens sinnvoll sein können. Sozialpädagogen sind präventiv zur Vermeidung von Konfliktsituationen tätig. Sozialpädagogik versucht deren Ursachen herauszufinden und mögliche Folgen zu prognostizieren. Oder sie greift dann ein, wenn bestimmte Lebenssituationen von den Betroffenen allein nicht mehr bewältigt werden können.

Sozialpädagogik analysiert schwierige Konstellationen und entwickelt Konzepte, die der Konfliktbewältigung dienlich sind. Dem Individuum soll Hilfestellung bei der Erweiterung seiner emotionalen und kognitiven Kompetenzen gegeben werden.“6

2.1.1 Ziele und Aufgaben sozialpädagogischen Handelns

Laut Maximilian Buchka würden zu den Tätigkeitsbereichen der Sozialpädagogik zu aller erst die Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen zählen. Die Mitwirkung bei der Ausbildung von Jugendlichen und Erwachsenen sowie die Eltern- und Familienbildung seien ebenso Bestandteil der Sozialpädagogik wie die Heimerziehung und außerfamiliale Erziehung in Institutionen.

Die außerfamiliale Erziehung kann noch einmal in die Bildung, Ausbildung und Förderung von behinderten Menschen aller Lebensalter und allen Lebenssituationen unterteilt werden. Das Planen und Organisieren im Rahmen sozialpädagogischer Institutionen, die Weiterentwicklung sozialpädagogischer Tätigkeitsbereiche und Institutionen sowie die Mitgestaltung gesellschaftlicher- politischer Entwicklungen in sozialpädagogisch relevanten Bereichen sind laut Buchka weitere wichtige Ziele und Aufgaben.7

Was bedeutet das nun für die Berufsrolle des Erziehers oder speziell die, des männlichen Erziehers? All das was Buchka in seinen Zielen und Aufgaben vorgegeben hat, gilt automatisch und selbstverständlich auch für den männlichen Erzieher. Die Schwierigkeit besteht darin die Theorie und Praxis gleichermaßen zu verstehen. Wer in die Sozialpädagogik eintauchen will bzw. sie verstehen will, muss das Theorie- Praxis Verhältnis zu klären versuchen bzw. verstehen. Das ist ein zentrales Grundproblem der Sozialpädagogik.8

2.2 Definition Soziale Rolle

„Soziale Rolle ist die Summe von Normen und Erwartungen, die an das Verhalten eines bestimmten Rollenträgers (oder an eine bestimmte Position) in einer Gruppe oder Gesellschaft gerichtet sind. Hierbei handelt es sich um die institutionalisierte Rolle.

Soziale Rolle ist die Summe von Normen und Erwartungen, die an das Verhalten eines Individuums in einer bestimmten zukünftigen Situation gerichtet sind. Hier handelt es sich um die individuelle Rolle. Die Erwartungen haben sich in früheren ähnlichen Situationen gebildet.“9

Die Rolle des Erziehers ist ebenso geprägt von der Summe von Normen und Erwartungen, die an ein bestimmtes Verhalten geknüpft sind. Der Rollenträger, in diesem Fall der Erzieher, ist im Besitz einer bestimmten Position innerhalb einer Gruppe oder Gesellschaft. Dem Erzieher wird somit eine Rolle zugesprochen bzw. handelt es sich um eine institutionalisierte Rolle.10

Ein Erzieher sollte nicht nur über gewisse Kompetenzen (Sozial-, Sach- oder Methodenkompetenz) verfügen sondern auch wissen, welche Normen unsere Gesellschaft ausmachen und in ihr akzeptiert sind.11 Ein weiteres Beispiel für die Rolle des Erziehers wären die Erwartungen die von einem Erzieher ausgehen bzw. die an einen Erzieher gerichtet sind. Diese Erwartungen können wie folgt aussehen.

„Die Eltern erwarten von dem Erzieher, dass er die geistigen und körperlichen Fähigkeiten ihres Kindes fördert und erweitert. Der Erzieher soll die Kinder nach den elterlichen religiösen Erziehungsmethoden erziehen. Der Erzieher soll seine politische Anschauung in der Erziehung ihrer Kinder zurückstellen. Die Kinder sollen durch den Erzieher beaufsichtigt werden. Somit soll u. a. für die Sicherheit der Kinder im Kindergarten und im Straßenverkehr gesorgt werden. Der Erzieher soll den Kindern die Geschehnisse in ihrer Umwelt näherbringen und die Kinder gut und gerecht behandeln. Kinder sollen durch den Erzieher in die Gruppe eingeführt werden.

Der Erzieher soll die Kinder durch sinnvolle Beschäftigungen auf die Schule vorbereiten. Ebenso soll der Erzieher das soziale Verhalten der Kinder fördern. Neben individueller Förderung soll der Erzieher den Kindern Sauberkeit und Ordnung beibringen. Von dem Erzieher wird auch erwartet, dass er zu den Kindern lieb und nett ist und in Konflikte eingreift. Fragen der Kinder soll ein Erzieher richtig und sachgerecht beantworten. Der Erzieher soll die Kinder zur Eigenständigkeit und Selbstständigkeit führen. Eltern erwarten von dem Erzieher, dass sie diese über Fortschritte selbständig informieren.“12

Diese Erwartungen, welche sich in früheren, ähnlichen Situationen gebildet haben, decken sich mit den Erwartungen die die Kinder an einen Erzieher stellen. Aber des Weiteren ist zu sagen, dass die Kinder wie auch die Eltern diese Erwartungen explizit an den männlichen Erzieher stellen. Alle zusammen haben ja bereits Erfahrungen in früheren, ähnlichen Situationen mit weiblichen Erziehern gemacht. Diese Sichtweise könnte durchaus zum Problem werden, wenn der männliche Erzieher diesen Erwartungen der Kinder- und Eltern nicht gerecht wird. Mit dieser Aussage ist gemeint, dass jeder Pädagoge bzw. Erzieher neben seinen fachlichen Kompetenzen und seinen pädagogischen Werkzeugen13 auch über einen bestimmten Erziehungsstil verfügt und diesen in seiner täglichen Arbeit anwendet. So kann es beispielsweise sein, dass Eltern und Kinder in einer bestimmten Erwartungshaltung dem männlichen Erzieher gegenüber sind und von ihm die gleichen fachlichen Methoden und Herangehensweisen erwarten, wie von den weiblichen Erziehern.

Nachfolgend sieht dies wie folgt aus. Die Kinder erwarten dass der Erzieher neue Spielideen gibt, gerecht und freundlich ist. Der männliche Erzieher muss dies in jedem Fall auch tun. Weiterhin erwarten die Kinder von dem Erzieher, dass die Übungen und Beschäftigungen interessant gestaltet sind und der Erzieher die Kinder solange spielen lässt wie sie wollen. Der Erzieher soll den Kindern Achtung, Verständnis und Anerkennung schenken. Der Erzieher soll Konflikte lösen, hilfsbereit sein und immer eine Meinung zu den Problemen der Kinder haben. Der Erzieher soll Schuhe binden und immer Geduld haben. Der Erzieher soll eine lustige und immer fröhliche Person sein und wenig schimpfen.14 All das sind Erwartungen der Kinder- und Eltern die ein männlicher Erzieher in jedem Fall erfüllen muss.

Somit lässt sich das Bild vom Erzieher, mit all seinen Erwartungen die die Kinder an ihn stellen, auch auf die individuelle Rolle in früheren ähnlichen Situationen legen.

2.2.1 Klassifikation der Rolle des Erziehers

Der amerikanische Sozialpsychologe Hartley teilt die Vielzahl der sozialen Rollen nach einigen übergreifenden Gesichtspunkten ein:

Durchdringende und begrenzte Rollen

Die Rolle des Erziehers ist in Anlehnung an die Aussage von Hartley, eine durchdringende und keine begrenzte Rolle. Diese Aussage wird gestützt mit der Definition, „Durchdringende Rollen sind solche, die alle anderen Rollen beeinflussen, begrenzte Rollen sind solche, die keinen Einfluss auf andere Rollen ausüben.“15

Damit wird die Aussage, dass der Erzieher ein bestimmtes Erwartungsbild mit bestimmten Normen besitzen sollte bewiesen. Es ist also davon auszugehen, dass der Erzieher auch neben seiner Erzieherrolle im Beruf, eine kompetente und zuverlässige Person darstellt. Eltern der Kinder der Einrichtung und andere Menschen im Umfeld eines Erziehers erwarten also von ihm, das der Erzieher beispielsweise wohlgesonnen und mit Bedacht handelt, nie die Fassung verliert und seine Rolle als Vorbildfunktion auch privat im Freundes-, Bekannten- und Familienkreis bewahrt.

Festgelegte und vage Rollen

Festgelegte und vage Rollen können in Anlehnung an die Aussage von Hartley bestimmte unterschiedliche Auswirkungen haben. So kann es beispielsweise sein, dass der Erzieher, seine deutlich festgelegte Rolle als Einengung seiner Persönlichkeit sieht aber im Vergleich mit Harleys Aussage, kann es auch als eine Hilfe erfahren werden. Anders ist es nur bei der vagen festgelegten Rolle. Diese Rolle kann als Freiraum, aber auch als Verhaltensunsicherheit erfahren werden. Der eine Erzieher mag beispielsweise unklare Erwartungen an sein Verhalten als Verunsicherung empfinden, während der andere Erzieher es als angenehmen Freiraum sieht, den er selbst füllen kann.16

Zwangsrollen und Kürrollen

Nach Hartley können einem Rollen auferlegt werden, oder aber sie können frei gewählt sein.17

„Rollen, die einem auferlegt sind, nennt man Zwangsrollen (Altersrollen, Geschlechtsrolle). Rollen, die man willkürlich wählen kann, z.B. die Rolle des Mitgliedes eines Tennisklubs, sind Kürrollen.“18

Die Zwangsrollen sind laut Hartley meistens durchdringender als die Kürrollen. Die Wahl einer bestimmten Rolle zieht zwangsweise andere Rollen nach sich. Eine Frau in ihrer Mutterrolle, bringt zwangsweise die Rolle der Kindererzieherin mit sich. Ein Fachschüler hingegen, wird automatisch in die Rolle des Praktikanten gebracht. Der Erzieher hingegen, egal ob weiblich- oder männlichen Geschlechts, findet sich in beiden Rollen wieder. Denn die Soziologie meint, dass die Kürrolle auch als eine „erworbene“ Rolle angesehen werden kann und bei der Zwangsrolle spricht man auch von der „zugeteilten“ Rolle. Hier liegt eine Mischform der beiden Rollen vor. Denn es ist nicht eindeutig definiert in welcher Art von Rolle sich der Erzieher befindet.19

Übereinstimmende und divergierenden Rollen

Laut Hartley erfüllt jeder Mensch eine Vielzahl von Rollen.20

„Wenn diese verschiedenen Rollen miteinander in Einklang zu bringen sind, spricht man von übereinstimmenden Rollen. Falls die verschiedenen Rollen nicht miteinander in Einklang zu bringen sind, spricht man von divergierenden Rollen.“

Übereinstimmende Rollen können sein: Schülerin, Tochter, Autofahrerin, Praktikantin, Freundin, Mutter. Diese Rollen sind durchaus miteinander in Einklang zu bringen. Dagegen sind die Rollen, Pfarrer und Dieb schwieriger miteinander in Einklang zu bringen. Das gilt auch für die Rollenkombinationen wie Fachschülerin, Mutter und Hausfrau oder Fachschüler, Vater und Saisonarbeiter. Bei solchen nicht übereinstimmenden oder divergierenden Rollen, kommt es häufig zu Rollenkonflikten.21 Der männliche Erzieher kann unter Umständen auch eine divergierende Rolle in sich bürgen. Grund dafür, sind die ungleichen Rollenkombinationen wie Mann und Erzieherberuf.22 Diese Berufsgruppe ist ein bisheriges Frauenmonopol und wird nur selten von Männern ausgeübt. Dies belegt eine aktuelle Studie des Forschungsdatenzentrums der Länder im Amt für Statistik Berlin- Brandenburg aus dem Jahr 2008.23

Komplementäre Rollen

Viele soziale Rollen enthalten schon in ihrer Bezeichnung eine soziale Beziehung. So ist die Formulierung „Rolle der Tochter“ nur möglich, wenn die soziale Beziehung zwischen Tochter und dem Elternteil mitbedacht wird. Solche Rollen nennt man, sich ergänzende oder komplementäre Rollen.

Der Erzieher befindet sich in einer komplementären Rolle. Dies beweisen folgende Beispiele für soziale Beziehungen und komplementäre Rollen.24

Laut Hartley sind:

Kind - Eltern

Mann - Frau

Kunde - Verkäufer

Schüler - Lehrer

Erzieherin - Erzieher

Kind - Erzieher komplementär

Formelle und informelle Rollen

„Sind die Rollenerwartungen institutionalisiert, sei es in Grenzen und Vorschriften, sei es in gewohnheitsmäßigen Erwartungen, die unabhängig vom individuellen Rollenträger sind, so spricht man von einer formellen Rolle.“25

„Sind die Rollenerwartungen aus dem tatsächlichen Verhalten einer bestimmten Person entstanden, so spricht man von informeller Rolle.“26

Der Erzieher findet sich in beiden Rollen wieder. Der Erzieher bedient die formelle Rolle sowie auch die informelle Rolle zugleich. Die Rolle des Erziehers ist von institutionalisierten Erwartungen geprägt. Denn die Erwartungen an den Erzieher sind an Gesetze und Vorschriften gebunden.

Die Rollenerwartungen für die informelle Rolle sind aus dem tatsächlichen Verhalten des Erziehers entstanden.27

2.3 Die Rolle der Frau/ des Mannes- früher und heute

„Richtig ist, dass die Frauen das Gemeinschaftliche repräsentieren, Männer das Gesellschaftliche. Die Geschlechter unterscheiden sich aber hinsichtlich der Äußerlichkeit, in der sie einer der beiden Seiten zugehören.“28

Dieses Zitat steht im unmittelbaren Zusammenhang mit der Geschichte der Gleichstellung. Auch wenn auf den ersten Blick die Rolle der Frau auf das Gemeinschaftliche und die Rolle des Mannes auf das Gesellschaftliche reduziert wird. So unterschiedlich es auch erscheinen mag, auf den zweiten Blick sieht man, wie sehr sich diese beiden Geschlechterrollen einander bedingen. Im Verlauf des weiteren Textes wird über die Rolle der Frau- und des Mannes noch einmal näher darauf eingegangen, in welchem Kontext dieses Zitat mit der Gleichstellung steht.

2.3.1 Die Rolle der Frau- früher und heute

In diesem Punkt soll die Rolle der Frau von früher und heute beleuchtet werden. Dabei wird ein genau festgelegter Zeitraum in der Sozialgeschichte Deutschlands, von der Zeit zum Ende des Zweiten Weltkrieges bis in die heutige Gegenwart untersucht. In diesem Zeitraum sollen die Entwicklungen in der Geschichte der Gleichstellung dargelegt werden. Gleichzeitig werden die Meilensteine in der Geschichte der Rolle der Frauen- und Männer im Zusammenhang mit der Gleichstellung dokumentiert.

Für diese Untersuchung ist ein entfernterer Rückblick in die Zeitgeschichte/ Sozialgeschichte von Deutschland, also vor die 1930er Jahre, nicht erforderlich.

Blickt man zurück auf die Rolle der Frau früher in den 1940er bis 1960er Jahre, ist zunächst zu sagen, dass es ein differenziertes Frauenbild gab.

Junge Frauen mit Abitur, mussten sich der Strenge der Gesellschaft, die der Familie und die der Partnerschaft beugen. Die Frauen der damaligen Zeit, nahmen eine klare Hierarchie zwischen Frauen und Männern und der damit verbundenen Einschränkungen war. Den Frauen wurde es somit schwer gemacht, in der Gesellschaft den gleichen Stellenwert wie den der Männer zu erlangen und im Beruf eine tragende, erfolgreiche und behauptende Rolle zu erreichen. Die Frauen von damals sollten hörig sein und sich ihrem Partner beugen. Zu sehen ist allerdings hier schon der historische Boden für die bevorstehende Emanzipation. Frauen mussten dann in der Folge des Zweiten Weltkriegs notgedrungen „Männerarbeit“ verrichten und die Familie in den schweren Zeiten der Ausbombung, der Vertreibung und die des Wiederaufbaus ernähren.29

Wie eben schon beschrieben war das Frauenbild damals von „Männerarbeit“ geprägt. Die Gründe dafür waren meist erschütternd und dramatisch zugleich. Die Männer, Brüder, Väter und Großväter sind entweder im Krieg geblieben oder erst Jahre später aus der Gefangenschaft nach Hause zurückgekehrt. Somit mussten die Frauen bereits während bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg wie selbstverständlich männliche Tugenden und Eigenschaften wie z.B. Stärke, Weitsicht und Verantwortung annehmen. Die Frauen in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg kämpften Tag für Tag um das Überleben ihrer Kinder und das der restlichen Familie. Sie mussten automatisch die männlichen Tätigkeiten übernehmen und arbeiten um Geld zu verdienen. Des Weiteren mussten sie für den Haushalt sorgen, Feuerholz und Kohle heranschaffen und den Wiederaufbau organisieren.

Interessant ist an dieser Retroperspektive die Aussage, dass in der Wahrnehmung der Vergangenheit das prägende Bild nicht die brave Hausfrau und Mutter der 1960er Jahre ist, sondern die Trümmerfrau der 1940er Jahre.

Wenig später, in den 1950er und frühen 1960er Jahren, wurde die Rolle der Frau als deutlicher Rückschritt wahrgenommen. Männer machten den Frauen wieder massive Vorschriften, führten sie in die finanzielle Abhängigkeit, untergruben deren Selbstständigkeit und reduzierten sie bis auf wenige Aufgaben rund um den Haushalt und die Kinder.30

Die 1960er Jahre werden als großer Umbruch und Aufbruch der Frauen verstanden. Die Emanzipation der Frauen wird als große und bewundernswerte Leistung der damaligen Frauen angesehen. Es entstand eine Bewegung von Frauen für Frauen mit der Intension gegen eine Männerwelt zu sein, die ihre Vormachtstellung nicht freiwillig beräumen wollte. Die Selbstbefreiung der Frau ist als Motiv im Bewusstsein der jungen Frauen von heute fest verankert. Dieses Bewusstsein prägt das Selbstbewusstsein der Frauen von heute noch immer und es befähigt sie, sich in der Männerwelt durchzusetzen und ihre Position innerhalb der Gesellschaft zu stärken.31

Diese Frauenbewegung mit ihrer Emanzipation, dem Umbruch und Aufbruch zieht sich bis in die 1980er Jahre hin. Ab da wird es eher ruhig um die Frau. Die großen Rivalitäten, Grabenkämpfe der Emanzipation hatten sich gelegt und aus der hierarchischen Ordnung hatte sich ein stärkeres Miteinander der beiden Geschlechter entwickelt.

Es war akzeptiert, dass Frauen arbeiten, jedoch war dies keine soziale Norm. Überwiegend wurden Frauen in schlecht bezahlten und weniger aussichtsreichen (Ausbildungs-) Berufen angestellt.32

Durch die Deutsche Einheit 1990 veränderte sich nicht viel für die westdeutschen Frauen, die weiterhin ihrem Mann die Familienunterhaltung überlassen sollten.

Für die ostdeutschen Frauen war es anders, diese gingen weiterhin einem Beruf nach, um die Haushaltskasse aufzubessern. Es sollte den Frauen aber nie möglich sein, so zu arbeiten, wie die Männer. Denn auf der einen Seite können sie keine körperlich schwere Arbeit verrichten, auf der anderen Seite müssen sie sich entscheiden zwischen der Rolle als Mutter oder die der Geschäftsfrau, denn beides ist nicht oder nur schwer umsetzbar.33

Zusammenfassend ist über die Rolle der Frau in der Sozialgeschichte folgendes zu sagen. Die Frauen wurden durch Gesetze, aber auch überwiegend durch die Männer über Jahrzehnte hinweg unmündig und klein gehalten.34

Die Männer dominierten fast alle Lebensbereiche der Gesellschaft und ließen sich kaum oder fast gar nicht in ihre Belange schauen. Sicherlich ist dieses Verhalten noch durch frühere Ideologien gestützt wurden. Im Nationalsozialismus wurde beispielsweise die Rolle der Frau ebenso nur auf die der Mutter und der Hausfrau reduziert.35 Somit ging die geschlechtliche Arbeitsteilung einher mit einer Hierarchisierung der Sphären von Produktion und Reproduktion was die Folge hatte, dass berufliche Tätigkeiten höher bewertet wurden, als Arbeiten in Haushalt und Familie.36

Die Frauen von damals hatten nur wenig Selbstbewusstsein. Sie waren sprichwörtlich machtlos dem gegenüber ausgesetzt, was sich in den Köpfen der Männer abspielte. Erst mit dem Beginn der Emanzipation und dem Umdenken in den 1980er Jahren, wurde das Selbstwertgefühl der Frauen mit ihren Rechten gestärkt und die Frauen erlebten somit ein völlig neues, selbstbewusstes Lebensgefühl und die damit verbundenen Perspektiven.

2.3.2 Die Rolle des Mannes- früher und heute

Der Mann in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, war in der Rolle als Kriegsheimkehrer und Vater der Familie zu finden. Aufgrund seiner Natur und Bestimmung galt er damals als Familienoberhaupt und Autoritätsperson der Familie, mit der Zuständigkeit für die finanzielle Existenzsicherung und befreit von Hauarbeit und Erziehungsaufgaben.

Das traditionelle Rollenmuster erzeugt damals wie heute das Bild der Verhaltenssicherheit, Anerkennung und eindeutigen Identität. Dieses Rollenmuster zeigt den traditionellen Haupternährer, der im Haushalt nur nach Anweisung und Anspruch der Partnerin einzelne Aufgaben übernimmt.37

Vergleichend mit dem oben genannten Zitat im Punkt 2.3 kann man sagen, dass die Frau zu Hause ist und die Erziehung der Kinder übernimmt, während die meisten Männer arbeiten um somit das Auskommen der Familie sichern. Dieses Bild ist noch viele Jahre später, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in vielen Haushalten und Familien in Deutschland zu finden. Grund hierfür sind die verschiedenen Ideologien in den Köpfen der Frauen und Männer. Diese These kann man vergleichen mit der Aussage von Thomas Hertling, der in seinem Buch „Jungen und Männer heute“ folgendes schrieb.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Frauen zu großen Teilen aus dem öffentlichen Leben bzw. dem öffentlichen Raum verbannt. Die Erwerbstätigkeit der Männer verlagerte sich in die Fabriken und die Frauen beschränkten sich zumeist auf die Erziehung und Haushaltsführung. Die Industrialisierung hatte zur Folge, dass die Trennung in eine Männer- und Frauenwelt gefördert wurde. Dies führte dazu, dass sich geschlechtsabhängige Verhaltensmuster verfestigten, die in Grundzügen auch noch heute Bestand haben. Männer und Frauen ergänzten sich in ihren Fähigkeiten und Aufgaben. Während also der Mann das Geld verdiente und damit die an ihn gestellten familiären Anforderungen erfüllte, nahm die Frau die Rolle der Hausfrau und Mutter ein und blieb überwiegend zu Hause.38

In vielen Fällen spricht man auch davon, dass wirtschaftliche Schwierigkeiten und soziale Einflüsse wie das vorherrschende Konkurrenzprinzip unter Männern oder die „Militarisierung des Mannes“ Einfluss auf die Verdrängung des Mannes aus der aktiven Vaterrolle nach sich zogen. Bis in die späten 1990er Jahre spielen die Berufswahl und die berufliche Karriere im Leben vieler Männer eine wichtigere Rolle, als Heirat und Kinder.39 Es zeichnet sich also bereits hier eine Art soziale Isolation der Männer ab.

2.3.3 Zusammenfassung über die Entwicklung der Frauen- und Männerrolle in ihrer Wechselwirkung

Wie bereits vorangegangene Untersuchungen zeigten, befinden sich Frauen und Männer in einer komplementären Rolle.40 Das bedeutet, Frauen und Männer stehen in einer wechselseitigen Beziehung zueinander. Sie bedingen sich gegenseitig bzw. wechselseitig und dies ist auch maßgebend für die Beziehung zwischen Frau und Mann. Man kann diese beiden Geschlechterrollen nicht vollkommen getrennt voneinander betrachten, da die Entwicklung zeigt, dass jeder zwangsläufig einen Platz in der Entwicklung des jeweiligen anderen Geschlechts mit bedingt und bestimmt hat. Die folgende Zusammenfassung soll noch einmal aufzeigen in welchem Abhängigkeitsverhältnis sich diese beiden Geschlechter befinden und wie sie in den letzten Jahren im Sinne der Gleichstellung noch weiter auf eine Ebene zusammengerückt sind.

In einer anderen Untersuchung zeigt Hertling beispielsweise in seinem Buch wie es in den 2000er Jahren in Deutschland um die Familien und deren Kinder stand.

Es gibt zu dieser Zeit immer noch tiefsitzende und traditionelle Vorstellungen von nur einem, meist männlichen berufstätigen Elternteil und einem Elternteil, das die Haus- und Erziehungsarbeit übernimmt. Jedoch sieht die Praxis anders aus.

Es wurde in der Gesellschaft festgestellt, dass dieses Denken nicht mehr zeitgemäß ist und die gegenwärtige Lebenswirklichkeit vieler Familien anders aussieht.

So waren im Jahre 2006 bei der Mehrheit aller verheirateten und nicht verheirateten Paare mit mindestens einem unter 15 Jahre alten Kind beide Elternteile berufstätig.41 Vergleicht man also die Aussagen von Hertling mit den Aussagen im Punkt 2.3.1 „Die Rolle der Frau- früher und heute“ so ist zu erkennen, dass diese Entwicklung dem Wandel der Gesellschaft und der Rollenbildung/ Emanzipation der Frau zu Grunde liegt. Es ist somit deutlich zuerkennen welche Entwicklungen beide Geschlechter in den Jahrzehnten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges genommen haben.

Während damals in der Zeit des Nationalsozialismus die jungen Mädchen und Frauen beispielsweise dem Bund deutscher Mädel (BDM) beitraten, um die Geschicke der deutschen Hausfrau zu erlernen und um zu „Gebärmaschinen“ für das deutsche Volk heranzureifen, wurde ihnen auch die Ideologie injiziert, dass sie als die deutsche Frau die Aufgabe haben, den Männern an der Front den Rücken freizuhalten und diese zu bestärken, für Nachkommen zu sorgen und sich um alle Belange in und um den Haushalt und die Erziehung der Kinder zu kümmern.42

Und genau diese Ideologie ist die Ursache für die Rollenverteilung in den Familien, in den 1950er, 1960er Jahren und teilweise darüber hinaus. Erst später mit dem Beginn der Emanzipation der Frauen in Deutschland, regte man in den Köpfen vieler Menschen zu einem Umdenkprozess an, welcher noch ganze zwei Jahrzehnte bis in die 1990er Jahre andauern sollte.

Schlussendlich waren es die Frauen die einzig und allein im Kampf um ihre Rechte für einen Umbruch und in diesem Zusammenhang zu einem Wandel in der Geschlechter- und Gleichstellungspolitik in Deutschland sorgten.

Ab dem Jahre 1986 kam somit deutlich Bewegung in die Frauenpolitik. Die Rechte der Frauen, nämlich Schutz und Anerkennung, waren dabei die Hauptthemen. Man machte es sich zum Ziel die Unrechte gegenüber den Männern zu erkennen und zu skandalisieren um gleichzeitig in der Perspektive die Geschlechterhierarchie abzubauen. Dabei sollte das Leitmotiv zurechtgerückt werden, die Versäumnisse in der Sozialpolitik galt es aufzuholen um die Frauen gegenwartsorientiert zu schützen. Folgende grundlegende Themen wurden dabei debattiert. Es sollten gleiche Rechte für Frauen wie auch für Männer gelten. Die Unabhängigkeit und Erwerbstätigkeit der Frauen sollte gefördert werden sowie der Schutz vor Gewalt und Diskriminierung durch die Männer.

Es war also für die Politik und insbesondere für die Männer unabdingbar und nicht mehr möglich, die Frauen innerhalb der Gesellschaft ungeachtet zu lassen bzw. zu akzeptieren, dass beide Geschlechter gleichberechtigt zu behandeln sind.

Bis in das Jahr 2000 reicht dieser Prozess hinein und bringt immer neue Aufgaben und Herausforderungen mit sich. In der Gleichstellungspolitik der Frauen und Männer versucht man zu diesem Zeitpunkt die Rollenmuster zu erweitern und gleiche Zugänge in verschiedensten Bereichen wie z.B. der Chancengleichheit im Beruf, politisches Mitspracherecht, die Frauenquote oder beim Einkommen zu erlangen.

Dabei ist das oberste Ziel, die Gleichheit zu verwirklichen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und Männer zu ermöglichen und zu realisieren.

Die wirkliche Geschlechtergerechtigkeit erlangte man in den Jahren um 2010 und 2011. Nach dem also in den Jahren um 2000 in der Gesellschaft der „Girls’Day“ und „Gender Mainstreaming“ Einzug erhielten, beschäftigt man sich auf politischer Ebene ein Jahrzehnt später mit den Themen „Neue Wege für Jungs“, „Boys’Day“ und „Männer als Erzieher in Kitas“.

Somit verfestigt sich die reflexive Gleichstellungspolitik präventiv und nachsteuernd. Der Wandel der Gesellschaft, welcher als eine Art Prozess der über mehrere Jahrzehnte andauerte, zu sehen ist, hat es geschafft die Frauen und Männer zumindest politisch in ihren Rechten und im Sinne der Gleichstellung auf eine Ebene zu holen.43

2.4 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Herausforderungen an die Sozialpädagogik

Die Berufe die der Sozialpädagogik untergeordnet sind, haben alle samt einen hohen Anforderungscharakter an alle ausführenden Kolleginnen und Kollegen. Ebenso steigen die Erwartungen an die Sozialpädagogen. Dies hat auch etwas mit unserer Gesellschaft zu tun in der wir leben.

Doch was sind die Erwartungen und Aufträge des gesellschaftlichen Systems an die Soziale Arbeit? Die Interessenlage der Gesellschaft sieht die Soziale Arbeit als abgeleitete Hilfeinstanz zur Lebensbewältigung und diese beinhaltet unterschiedliche Anforderungen.

Die wesentlichen Anforderungen an die Soziale Arbeit sehen wie folgt aus. In erster Linie geht es um die Erziehung von Menschen, die das System angemessen bedienen, in ihm funktionieren und in ihm nützlich werden können.

In der Sozialen Arbeit spricht man von der Reproduktion des jeweiligen gesellschaftlichen Habitus.44 Dies bedeutet, die für die aktuelle Gesellschaft passenden Eigenschaften, Grundhaltungen und Fähigkeiten zu erlernen die notwendig sind um gut ausgebildete und anpassungsfähige Menschen hervor zu bringen.45

[...]


1 Vgl.: 2. Atlas zur Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland, S. 74

2 Vgl.: Jilesen, 1989, S. 52

3 http://www.welt.de/partnerschaft/article108260886/Elf-von-tausend-Ehen-werden- geschieden.html, 17.11.2014, 12:51 Uhr

4 http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/fachkraeftemangel-kitas-buhlen-um- erzieherinnen/8574544.html, 17.11.2014, 13:25 Uhr

5 Vgl.:http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/mehr-maenner-in-kitas-wickeln-soll-der-praktikant- bitte-nicht-11867375.html, 18.11.2014, 10:17 Uhr

6 http://definition-online.de/sozialpaedagogik/, 17.11.2014, 16:56 Uhr

7 Badry/Buchka/Knapp (Hrsg.), 1999, S. 221

8 Badry/Buchka/Knapp (Hrsg.), 1999, S. 9

9 Soziologie, 2008, S. 55

10 Vgl.: Jilesen, 1989, S. 50

11 Vgl.: Soziologier, 2008, S. 35

12 Vgl.: Jilesen, 1989, S. 58 (Auszug)

13 Vgl.: http://www.lernvisionen.ch/systemschule/paedagogwerkzeuge/, 01.06.2015, 11:25 Uhr

14 Vgl.: Jilesen, 1989, S. 59 (Auszug)

15 Vgl. Jilesen, 1989, S. 51, 52

16 Vgl. Jilesen, 1989, S. 52

17 Vgl. Jilesen, 1989, S. 52

18 Jilesen, 1989, S. 52

19 Vgl. Jilesen, 1989, S. 52

20 Vgl. Jilesen, 1989, S. 53

21 Vgl. Jilesen, 1989, S. 53

22 Vgl. Jilesen, 1989, S. 53

23 Vgl. Männliche Fachkräfte in Kindertagesstätten, S. 16

24 Vgl. Jilesen, 1989, S. 53

25 Jilesen, 1989, S. 53

26 Jilesen, 1989, S. 53

27 Vgl. Jilesen, 1989, S. 53

28 Meuser, 1998, S. 27

29 Vgl.:http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf- Anlagen/sinus,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf, S. 16, 26.11.2014, 18:35

30 Vgl.:http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf- Anlagen/sinus,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf, S. 17, 26.11.2014, 18:55 Uhr

31 Vgl.:http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf- Anlagen/sinus,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf, S. 17, 26.11.2014, 19:08 Uhr

32 Vgl.:http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf- Anlagen/sinus,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf, S. 17, 26.11.2014, 19:46 Uhr

33 Vgl.: http://www.grin.com/de/e-book/109184/die-rolle-der-frau-im-wandel-der-zeit-von-1871- bis-heute, 26.11.2014, 20:53 Uhr

34 Begleitband „In die Zukunft gedacht“, 2008, S. 116-117

35 Begleitband „In die Zukunft gedacht“, 2008, S. 116-117

36 Vgl.: Willems (Hrsg.), 2008, S. 639

37 Vgl.: Jungen und Männer im Spagat: Zwischen Rollenbilden und Alltagspraxis, S. 9

38 Vgl.: Hertling, 2008, S. 38

39 Vgl.: Hertling, 2008, S. 39

40 Vgl.: Jilesen, 1989, S. 53

41 Vgl.: Hertling, 2008, S. 40

42 http://www.lexikon-drittes-reich.de/Bund_Deutscher_M%C3%A4del, 13.12.2014, 13:31 Uhr

43 http://www.lexikon-drittes-reich.de/Bund_Deutscher_M%C3%A4del, 13.12.2014, 13:31 Uhr

44 http://www.lexikon-drittes-reich.de/Bund_Deutscher_M%C3%A4del, 13.12.2014, 13:31 Uhr

45 http://www.lexikon-drittes-reich.de/Bund_Deutscher_M%C3%A4del, 13.12.2014, 13:31 Uhr

Details

Seiten
79
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783346209566
ISBN (Buch)
9783346209573
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v539275
Note
1,0
Schlagworte
Männer in der Sozialpädagogik Männer in Kindertagesstätten Männer und Frauen Männliche Fachkräfte in Kindertagesstätten Männer in der Kita Männer im Kindergarten Erzieher Berufsbild Erzieher

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Titel: Frauen und Männer in der Sozialpädagogik. Welche Chancen, Vorteile und Möglichkeiten bieten sich durch männliche Fachkräfte in Kindertagesstätten?