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Welche Beweggründe und Ziele verfolgte Chruschtschow mit dem Auslösen des Berlin-Ultimatums? Die russische Außenpolitik vom Berlin-Ultimatum bis 1961

Hausarbeit 2017 15 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Russland, Länder der ehemal. Sowjetunion

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Chruschtschow Ultimatum Chruschtschows Offensive

3. Die Beweggründe Chruschtschows

4. Chruschtschows Ziele des Berlin-Ultimatums

5. Gespräche, Aufzeichnungen, Stellungnahmen zu Chruschtschows Westpolitik
5.1.Der Wiener Gipfel Gespräch zwischen Chruschtschow und John F. Kennedy
5.2. Gespräch zwischen Chruschtschow und Großbritanniens Botschafter Frank Roberts

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis
7.1.Quellen
7.2.Literatur

1. Einleitung

Die zweite Berlinkrise stellt ein elementares Ereignis des Kalten Krieges dar. Durch die Liveübertragungen von Reportern über den Bau der Mauer oder die Panzerkonfrontation am Checkpoint Charlie können Sätze wie „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten“ oder „Ich bin ein Berliner“ noch ohne weiteres Walter Ulbricht und John F. Kennedy zugeordnet werden. Durch die Medien wurde die globale Konfrontation an ein Millionenpublikum übertragen. Die Tatsache das die Welt vor einem vermeintlichen nuklearen Schlagabtausch stand, war den Zeitgenossen durchaus bewusst, jedoch blieben die diplomatischen Initiativen der beiden Großmächte der Bevölkerung weitgehend im verborgenen.

Ziel der Arbeit soll es sein die russische Außenpolitik, sowie das agieren des Parteichefs der KPdSU, Nikita Chruschtschows zu untersuchen. Der Fokus soll in bewusst auf politische und damit Verbundene wirtschaftliche Aspekte gelegt werden. Welche Beweggründe und Ziele hatte Chruschtschow mit dem Berlin Ultimatum? Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich ab dem Chruschtschow Ultimatum und bis 1961. Die zentrale Frage der Hausarbeit wird hierbei sein, welche Ziele Chruschtschow in Berlin verfolgte und wie er diese erreichen wollte. Als Literaturgrundlage dient der Dreiteiler Chruschtschows Westpolitik (Hrsg. Gerhard Wettig), indem Stellungnahmen, Gespräche und Aufzeichnungen enthalten sind.

Hierbei werden speziell die vier Gespräche des Wiener Gipfels zwischen Chruschtschow und Kennedy, sowie das Gespräch zwischen Chruschtschow und Frank Roberts ausgewertet. Durch diese Gespräche wird deutlich, mit welchen Mitteln Chruschtschow bezüglich Berlin verhandelte und wie er versuchte die Westmächte unter Druck zu setzen. Als zweites zentrales Werk dient Krieg um Berlin (Matthias Uhl), welches sich explizit auf die sowjetische Militär und Sicherheitspolitik der zweiten Berlinkrise bezieht. Während sich die Geschichtsschreibung bereits ausführlich mit der westlichen Politik befasste des Kalten Kriegs befasste und zahlreiche westliche Dokumente auswertete, waren Motive und Informationen über das Handeln der sowjetischen Seite kaum Verfügbar.

2. Das Chruschtschow Ultimatum Chruschtschows Offensive

Chruschtschow löste mit seiner Rede am 10.11.1958, sowie dem am 27.11. gestellten Ultimatum die zweite Berlinkrise aus. Die Sowjetunion fordert in dieser Note die Umwandlung West-Berlins in eine selbständige politische Einheit. Die Westmächte werden aufgefordert WestBerlin binnen sechs Monaten zu verlassen. Wenn die Westmächte diese Auflagen nicht erfüllen, droht Chruschtschow damit einen einseitigen Friedensvertrag mit der DDR zu unterzeichnen. Die DDR hätte nun die alliierten Kontrollrechte, welche besonders wichtig im Bezug auf die westlichen Militärtransporte von und nach Berlin sind. Jeder Versuch die DDR an der Wahrnehmung dieser Rechte zu hindern, muss die SU als militärische Aggression gegen einen verbündeten Staat betrachten. Falls die Westmächte versuchen würden, gewaltsamen Zugang nach West-Berlin zu erzwingen, käme es zu einem bewaffneten Widerstand von DDR und der SU.

Die Sowjetunion erkannte WestBerlin als wunden Punkt im Brennpunkt des Kalten Krieges. Chruschtschow ging offensichtlich davon aus, dass die Westmächte wegen Berlin keinen Krieg riskieren und seinen Vorschlag akzeptieren. Außerdem wollte er durch den Friedensvertrag sein eigenes Prestige stärken.1 Ein wichtiger Aspekt in diesem Konflikt ist, dass Chruschtschow bereits zum Zeitpunkt des Ultimatums von der militärischen Unterlegenheit der Sowjetunion wusste. Er setzte jedoch auf seine politische Stärke und des Respekt des Gegenübers vor einem Krieg. Schließlich hatte die Drohung eines Kernwaffeneinsatzes zum militärischen Rückzug Großbritaniens und Frankreichs geführt. Ebenfalls wurde so eine USIntervention verhindert. Chuschtschow wollte seine politischen Ziele hinsichtlich Berlins durch Drohungen erreichen.2

Chruschtschow verfolgte natürlich genaue Ziele in Europa. Durch das Berlin Ultimatum versprach er sich eine Positionsverbesserung der Sowjetunion in Deutschland, aber auch in Europa. Gleichzeitig wollte er die Westmächte in die defensive Drängen und deren Einfluss verringern. Die Sowjetunion war aufgrund der existenziellen Krise der DDR gezwungen, eine Berlinlösung herbeizuführen. Chruschtschows Ziel war Berlin als „Freie Stadt“ mit innerpolitischer Selbstbestimmung. Die Stadt wäre vom westlichen Teilstaat getrennt, was sie erpressbar und auf Dauer unfähig zu überleben macht.3 Der Westen konnte diese Verschiebung der Machtverteilung aus politischen, strategischen und aus Gründen der Glaubwürdigkeit nicht hinnehmen. 4

3. Die Beweggründe Chruschtschows

Es ist Fakt, dass Chruschtschow kein klares siegverheisendes Konzept hatte. Vielmehr ging er mit seinem gestellten Ultimatum ein hohes Risiko ein. Es gab mehrere Gründe die Chruschtschow zu solch einem Handeln bewegten.

Ein erster wesentlicher Grund, war die geplante atomare Aufrüstung der Bundesrepublik. Chruschtschow wollte dass westdeutsche Militärpotenzial reduzieren.5

Die Forschung teilt die Ansicht, dass eine russische Furcht vor der Atombewaffnung der Bundeswehr ausging.6 Besonders nach Harrison stellte diese Furcht ein wichtiges Motiv für die Auslösung des Ultimatums dar. Aber auch Wetting und Major nannten diesen Aspekt als einen der Hauptgründe für Chruschtschows handeln. Jedoch handelte es sich bei dem angeblichen Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen lediglich um eine Ausbildungsmaßnahme. Der Westen wollte auf alle Eventualitäten einer möglichen nuklearen Kampfführung vorbereiten. De Facto besaß die Bundeswehr keine Atomwaffen. Wetting argumentiert, dass Chruschtschows Handeln darauf abzielte unerwünschte Entwicklungen in Westdeutschland im Keim zu ersticken.7 Ein weiteres Ziel der sowjetischen Sicherheitspolitik war es, die Bundesrepublik zu einem Austritt des westlichen Militärbündnis zu bewegen. 8

Als zweiter Grund lässt sich Anführen, dass der erwartete wirtschaftliche Aufschwung der DDR ausblieb und sich der Flüchtlingsstrom zunehmend vergrößert.10 Wetting betont, dass dies ein entscheidendes Problem für die Sowjetunion darstellte, denn die DDR sollte für die westlichen Völker die Vorteile des Sozialismus präsentieren. Chruschtschows Vorgehensweise wird mit folgenden Zitat verdeutlicht: „Deutschland sei der zentrale Kampfplatz in der sich vollziehenden Auseinandersetzung zwischen den beiden Systemen“9 Durch das Ausbleiben des wirtschaftlichen Aufschwungs der DDR, sah sich die Sowjetunion zum Handeln gezwungen und unterstützte die DDR durch materielle Hilfeleistungen. Diese überstiegen jedoch nach einiger Zeit die sowjetischen Fähigkeit und Bereitschaft.10

Uhl und Wenger bemerkten dazu, dass die Probleme des sozialistischen Staates, der DDR, bei der Auslösung des Ultimatums keine Rolle gespielt hätten.11 Die DDRFührung um Ulbricht war stets dazu bedacht, die Fluchtbewegung aus der DDR kleinzureden, um vor Chruschtschow möglichst gut dazustehen. Jedoch erkannte Ulbricht dies als Chance für die DDR und wendete seine Taktik ins Gegenteil. Er legte Russland die negativen Folgen für Arbeitsmarkt und Wirtschaftsentwicklung durch die Abwanderung dar und forderte Unterstützung seitens Russland. Die

Führung der Sowjetunion versprach der DDR daraufhin noch mehr Unterstützung.12

4. Chruschtschows Ziele des Berlin-Ultimatums

Der Sicherheitsrat der USA fasste im August 1961 die für die Westmächte entstandene Bedeutung Westberlins zusammen:

[...]


1 Vgl. Lemke, Die Berlinkrise 1958 bis 1963, S.103-106.

2 Vgl. Wettig, Chruschtschows Berlin-Krise, S.27; Taubmann, Krushchev, S.352-360.

3 Vgl. Wettig, die UdSSR und die Krise um Berlin, S.592-613.

4 Vgl. Lemke, Die Berlinkrise 1958 bis 1963: Interessen und Handlungsspielräume der SED im OstWestKonflikt, Berlin 1995, S. 274. Siehe auch: Vgl. Steininger, Rolf: Die Berlin-Krise und der 13. August 1961. In: Eppelmann, Rainer; Faulenbach, Bernd; Mählert, Ulrich (Hrsg.): Bilanz und Perspektiven der DDR-Forschung, München u.a. 2003, S. 63.

5 Vgl. Wetting, 1997 S.386. 6
Vgl. Steiniger ,2003S. 60.

6 Vgl. Harrison 2003, S. 11f und S.14, Vgl. Wettig 2006,S.10, Vgl. Major 2003, S.97.

7 Vgl. Wetting 1997, 386.

8 Vgl Wetting 2006, 35f. 10 Vgl.Wetting 1997, 386.

9 Vgl. Lemke 1995, 46f , Vgl. Wetting 1997, S.386.

10 Vgl. Wetting, 2006:12f.

11 Uhl, 2003, S. 18.

12 Uhl 2003, S.18, Vgl. Wetting 1997, S.387.

Details

Seiten
15
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783346143341
ISBN (Buch)
9783346143358
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v540054
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,0
Schlagworte
Chruschtschow Ultimatum Chruschtschows Offensive Berlin-Ultimatums Kalter Krieg
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