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Factoring als Finanzierungsmittel für Unternehmen

Hausarbeit 2019 19 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Erläuterung des Factoring-Begriffs

3 Funktionen des Factorings
3.1 Finanzierungsfunktion
3.2 Delkrederefunktion
3.3 Dienstleistungsfunktion

4 Formen des Factorings
4.1 Echtes und unechtes Factoring
4.2 Stilles, halboffenes und offenes Factoring
4.3 Full Service- und Inhouse-Factoring
4.4 Export-Factoring/Import-Factoring
4.5 Einzel-Factoring/Miet-Factoring

5 Abgrenzung zu ähnlichen Finanzierungsformen
5.1 Zession
5.1.1 Gemeinsamkeiten mit dem Factoring
5.2 Forfaitierung
5.2.1 Gemeinsamkeiten mit dem Factoring
5.2.2 Unterschiede zum Factoring

6 Steuerliche und bilanzielle Aspekte des Factorings
6.1 Umsatzsteuerrechtliche Beurteilung
6.2 Aspekte zur Gewerbesteuer
6.3 Bedeutung der Zinsschranke für das Factoring
6.4 Bilanzielle Abbildung

7 Vor- und Nachteile aus der Sicht des Klienten

8 Fazit

9 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Eines der obersten finanzwirtschaftlichen Ziele eines jeden Unternehmens ist das Ziel der Zahlungsfähigkeit. Jedoch ist es für kleine- und mittelständische Unternehmen zunehmend schwierig schnell auf Kapital zugreifen zu können und den wachsenden Liquiditätsbedarf fortwährend zu decken.1 Sie müssen sich regelmäßig mit dem Gedanken auseinandersetzen wie das Unternehmen mit dem notwendigen Kapital versorgt werden kann. Dabei rückt die Möglichkeit des Factorings immer mehr in die Blickwinkel der Unternehmen.

Schaut man in die Statistik der Factoringkunden in Deutschland, so wird deutlich, dass die Anzahl der Factoring-Kunden von 2009 mit 8840 Kunden, bis 2018 mit 43.830 Kunden, um mehr als das fünffache gestiegen ist.2 Die Statistik zeigt, dass das Factoring jährlich von immer mehr Kunden in Anspruch genommen wird. Aber nicht nur auf der Kundenseite wird das Factoring zunehmend beliebter, sondern auch auf der Anbieterseite. Dies unterstreicht der Deutsche Factoring Verband e.V., der das 9. Jahr in Folge einen Umsatzwachstum verzeichnen konnte. Im Vergleich zum Vorjahr stieg dieser um 4 Prozent, auf nunmehr 241,8 Mrd. Euro, teilte der Verband in seinem Jahresbericht 2018 mit.3

Im Folgenden wird das Factoring als alternatives Finanzierungsinstrument4 näher vorgestellt. Im ersten Schritt erfolgt dazu die begriffliche Definition, gefolgt von einer Analyse der einzelnen Funktionen des Factorings. Im Anschluss daran, werden anhand der vielseitigen Auswahlmöglichkeiten der Funktionen, die unterschiedlichen Factoring-Formen aufgezeigt. Die Zession und die Forfaitierung werden im nächsten Punkt als ähnliche Finanzierungsformen im Vergleich herangezogen, um die Bedeutung des Factorings zu verdeutlichen. Weiterführend soll die steuerliche und bilanzielle Sichtweise eine Rolle spielen. Abschließend werden die Vor- und Nachteile des Factorings gegenübergestellt und im Fazit erfolgt die Reflektion der wichtigsten Erkenntnisse dieser Arbeit.

2 Erläuterung des Factoring-Begriffs

Unter Factoring wird die Abtretung einer Forderung an einen Dritten verstanden und beruft sich auf eine vertragliche Vereinbarung, die zwischen dem Unternehmen, als Klient und dem Finanzierungsinstitut, als Factor, abgeschlossen wird.5 Der Klient veräußert hierbei seine kurzfristigen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an den Factor, der den Rechnungsbetrag abzüglich eines Abschlags für die Factoring-Gebühren (Zinsen, Haftungsübernahmen, erbrachte Dienstleistungen) zahlt und verschiedene Funktionen für den Klienten erfüllt.6 Die Geschäftsbeziehung zwischen dem Factor und dem Klienten wird in Form eines Rahmenvertrags festgehalten, der insbesondere die Kündigungsfrist, die Art der Abrechnung, Factoring-Gebühren, den Zinssatz für Bevorschussungen oder die Bevorschussungsgrenze pro Forderung angibt.7

Da das Factoring in die Reihe der kurzfristigen Unternehmensfinanzierungen eingegliedert wird8, eignet es sich besonders für Forderungen, die drei bis maximal sechs Monate zum Ziel haben und gegenüber Unternehmer und nicht gegenüber Privatpersonen bestehen, damit die Bonität der Unternehmen leichter durch den Factor überprüft werden kann.9 Zum besseren Verständnis wird der Ablauf des Factorings abschließend in einer Grafik implementiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Klassischer Ablauf eines Factoringgeschäfts (Normann 2014, S. 127.)

3 Funktionen des Factorings

Die Mehrheit der Unternehmen bieten Ihren Kunden Zielverkäufe an, bei denen ein zukünftiger Zeitpunkt angegeben wird, zudem Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, insbesondere Verbindlichkeiten aus Warenkäufen, beglichen werden sollen. Im Vergleich zu Barverkäufen bietet dieses Modell die Gewährung eines Nachlasses an, bringt jedoch zusätzliche Aufwendungen mit sich. Diese Aufwendungen bestehen aus Finanzierungskosten, die durch die verspäteten Zahlungseingänge entstehen. Unter anderem müssen Rechnungen geschrieben werden, die Debitorenbuchhaltung muss geführt werden, ferner müssen bei Überschreitung des Zahlungsziels Mahnungen geschrieben werden und unter Umständen trägt die Firma den Forderungsausfall.10

Die Verlagerung der genannten Funktionen durch die Factoring-Gesellschaft ist ein Aspekt, der das Factoring für ein Unternehmer sehr attraktiv macht. Ganz nach Bedarf kann der Kunde selbst entscheiden, welche Funktionen erfüllt und kombiniert werden sollen.11 Mit der Auswahl passt der Kunde die individuellen Bedürfnisse entsprechend seiner Unternehmenssituation an.

3.1 Finanzierungsfunktion

Aus der vertraglichen Vereinbarung zwischen dem Klienten und dem Factor ergibt sich die Finanzierungswirkung als Schwerpunkt des Factorings. Sie liegt in der sofortigen Auszahlung der, vor dem Fälligkeitstermin, angekauften Forderung, in Höhe von 80 – 90 % der Forderungssumme an den Verkäufer. Der restliche Differenzbetrag wird von dem Factor als Sicherheitsleistung für Mängelrügen und Warenrückgaben, im Falle eines Forderungsausfalls, einbehalten. Erst nach vollständigem Begleichen der Rechnung, vom Debitor an den Factor, wird der Restbetrag an den Klienten überwiesen.12 Die Finanzierungsfunktion hat einen erheblichen Einfluss auf das Unternehmen, denn durch sie wird die Unternehmensliquidität erhöht und der Klient kann direkt auf das Kapital zugreifen.

3.2 Delkrederefunktion

Bei der Delkrederefunktion handelt es sich um die vollständige Übernahme des Ausfallrisikos durch den Factor im Falle einer Zahlungsunfähigkeit des Debitors. Das bedeutet, dass der Klient bei einem Zahlungsausfall seitens des Debitors, die erhaltenen Beträge nicht zurückzahlen muss, sondern der Factor den Forderungsausfall in voller Höhe übernimmt.13

Vor Übernahme der Delkrederefunktion nimmt sich der Factor als Aufgabe die Bonität des Debitors zu überprüfen. Eine negative Einschätzung hat zur Folge, dass der Factor die Delkrederefunktion nicht übernimmt. Aus Gründen der Risikostreuung wird vom Klienten erwartet, dass er alle oder mindestens geschlossene Forderungsgesamtheiten zum Kauf anbietet. Vor allem die Struktur des Risikos beeinflusst die Höhe der Kosten für die Übernahme der Delkrederefunktion. In der Regel belaufen sich die Gebühren zwischen 0,2 % und 1,2 % des Umsatzes.14

3.3 Dienstleistungsfunktion

Als letzte Funktion kann der Factor Leistungen aus dem Bereich der Debitorenbuchhaltung, dem Mahnwesen, dem Inkassowesen und dem Beratungswesen anbieten. Diese Funktion bietet den Vorteil, dass sich der Klient auf fachkundige Experten verlassen kann, die mit spezieller Software, Sachverhalte bearbeiten und kontrollieren. Durch die Abwälzung der Aufgaben kann der Unternehmer Kosten einsparen und wird vom Arbeitspensum entlastet, vor allem wenn ganze Abteilungen extern verlegt werden.15

Darüber hinaus wird der Klient mit allen notwendigen Informationen, die mit der Realisierung der Forderung einhergeht, monatlich, wöchentlich oder sogar täglich versorgt, um den Überblick über das Zahlungsverhalten seiner Kunden zu behalten. Tägliche Informationen können Soll- und Haben-Journale oder Kontoauszüge der sich verändernden Debitorenkonten sein. Monats-Kontoauszüge, Umsatzsteuer-Ermittlungen, Provisionsabrechnungen oder offene Postenlisten kann sich der Klient an monatlichen Informationen beschaffen. Am Ende eines Jahres erfolgt ein Kontenabschluss mit Zusendung entsprechender Belege.16

Da auch diese Funktion Gebühren zwischen 0,5 % und 2,5 % vom Umsatz mit sich bringt, muss bei einer Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen entschieden werden, ob die Funktion in Anspruch genommen wird. Eine Vielzahl von Kriterien bestimmen die Höhe der Gebühren, beispielsweise vom Durchschnittsbetrag der Rechnungen und Laufzeit der Forderung, das Ausmaß der Rücksendungen und Mängelrügen, sowie die Zahl der einzeln bewegten Debitorenkonten, als auch die Art und der Umfang von zusätzlich anfallenden Arbeiten.17 Darüber hinaus muss sich der Klient bewusst sein, dass er dem Factor ein gutes Maß an Vertrauen entgegenbringen muss, da er den gesamten Prozess um den Forderungsausgleich nicht aktiv selbst gestalten kann. Demzufolge entsteht ein gewisses Abhängigkeitsverhältnis von der Factoring-Gesellschaft.18

4 Formen des Factorings

Klienten können selbst entscheiden welche Funktionen Ihrem Unternehmen am besten nützen und müssen nicht alle Funktionen in Anspruch nehmen. So lässt sich das Factoring, als flexibles Finanzierungsinstrument, in unterschiedliche Erscheinungsformen, anhand der Auswahl und des Umfangs der Funktionen, darstellen. Bestimmte Formen haben sich im Laufe der Zeit am Markt etabliert und kristallisieren sich unter verschiedenen Varianten heraus.

4.1 Echtes und unechtes Factoring

Beim echten Factoring, gewährleistet der Factor die Übernahme des Ausfallrisikos bzw. der Delkrederefunktion. Wenn die Gewährleistung entfällt, wird vom unechten Factoring gesprochen. Innerhalb Deutschlands tendiert die Praxis, aufgrund von gestiegenen Ausfallrisiken durch Insolvenzzunahme, eher zum echten Factoring.19

4.2 Stilles, halboffenes und offenes Factoring

Durch die Entscheidung, ob der Abnehmer der Ware oder Dienstleistung über die Factoring-Beziehung durch den Klienten untererrichtet wird, ergibt sich eine weitere Unterteilung des Factorings. Stilles Factoring, auch nicht notifiziertes Factoring genannt, liegt vor, wenn die Factoring-Beziehung zwischen der Factoring-Gesellschaft und dem Klienten nicht offengelegt wird. Das bedeutet, dass der Kunde des Klienten seine Forderungen weiter an den Klienten bezahlt, weil er über die Beziehung nicht in Kenntnis gesetzt wurde. Die Weiterleitung der Forderung an die Factoring-Gesellschaft erfolgt durch den Klienten selbst.20

Halboffenes Factoring hingegen meint das Verfahren, bei dem der Kunde über die Zusammenarbeit zwischen Klienten und Factor durch einen Vermerk in der Rechnung unterrichtet wird. Der Kunde kann bei dieser Variante selbst entscheiden, den Rechnungsbetrag auf das Bankkonto des Factors oder seinen Lieferanten zu überweisen.21

Offenes, notifiziertes Factoring liegt vor, wenn dem Kunden bekannt ist, dass die Forderung an den Factor abgetreten wird, an den auch die Zahlung zu leisten ist.22 Diese Variante findet in der Praxis häufiger Anwendung als die Variante des stillen Factorings.23

4.3 Full Service- und Inhouse-Factoring

Das Full Service-Factoring besitzt die Besonderheit, dass der Factor die Rechnungslegung vollständig vom Klienten übernimmt. Das heißt, neben der Finanzierungsfunktion besteht eine komplette Übernahme des Ausfallrisiko und des Debitorenmanagements.24 Auf Grund der umfänglichen Dienstleistungen wird der Klient merkbar entlastet.

Beim Inhouse-Verfahren, oder auch Bulk-Factoring, übernimmt der Factor alle vom Full Service-Verfahren angebotene Funktionen mit Ausnahme sonstiger Dienstleistungen. Der Verzicht auf die Führung des Debitorenmanagements hat zur Folge, dass der Factoring-Nehmer alle notwendigen Informationen und Daten dem Factor anzeigen muss, damit dieser die Buchhaltung verwalten sowie Entscheidungen über Forderungsankäufe fällen kann.25

4.4 Export-Factoring/Import-Factoring

Factoring-Institute unterscheiden grundlegend zwischen Factoring für inländischen aber auch grenzüberschreitenden Geschäftsverkehr. Während beim Export-Factoring inländische Unternehmen Leistungen eines Factors in Deutschland für ihre grenzüberschreitenden Geschäfte beauftragt, nehmen beim Import-Factoring im Ausland ansässige Unternehmen Leistungen eines Factors in Deutschland in Anspruch.26

[...]


1 Riehm/Riehm (2009), S. 122.

2 Vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/245617/umfrage/anzahl-der-factoringkunden-in-deutschland/, letzter Zugriff am 07.07.19.

3 Vgl. https://www.factoring.de/sites/default/files/20190506%20-%20JB%202018-komprimiert-2.pdf, letzter Zugriff am 07.07.19.

4 Vgl. Wöltje (2017), S. 465.

5 Vgl. Olfert/Reichel (2003), S.336.

6 Vgl. Normann (2014), S. 127.

7 Vgl. Seicht (2001), S. 350 f.

8 Vgl. Riehm/Riehm (2009), S.122.

9 Vgl. Seicht (2001), S. 350 f.

10 Vgl. Bieg/Kußmaul/Waschbusch (2016), S. 413 f.

11 Ebenda, S. 414.

12 Vgl. Olfert/Reichel (2003), S. 340.

13 Vgl. Wöhe et al. (2013), S. 357.

14 Vgl. Olfert/Reichel (2003), S. 340 f.

15 Ebenda, S. 338.

16 Vgl. Seicht (2001), S. 352 f.

17 Vgl. Olfert/Reichel (2003), S. 339.

18 Vgl. Bank/Gerke (2016), S. 488.

19 Vgl. Bieg/Kußmaul/Waschbusch (2015), S. 414.

20 Vgl. Wöhe et. Al. (2013), S. 357.

21 Wöhe et. Al. (2013), S. 357.

22 Olfert/Reichel (2003), S. 337.

23 Wöhe et. Al. (2013), S. 357.

24 Riehm/Riehm (2009), S. 124.

25 Wöltje (2017), S. 468.

26 Riehm/Riehm (2009), S. 125.

Details

Seiten
19
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346167095
ISBN (Buch)
9783346167101
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v541218
Institution / Hochschule
Fachhochschule Erfurt
Note
1,3
Schlagworte
factoring finanzierungsmittel unternehmen

Autor

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Titel: Factoring als Finanzierungsmittel für Unternehmen