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Sexueller Missbrauch an Kindern

Vordiplomarbeit 2005 33 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Definition

3. Häufigkeit und Prävalenz

4. Täter
4.1 Klassifikation der Täter
4.2 Strategien von Tätern

5. Opfer

6. Folgen und Diagnostik
6.1 Hinweise im Verhalten
6.2 Körperliche Symptome
6.3 Trauma

7. Umgang mit missbrauchten Kindern
7.1 Unterstützung der Eltern
7.2 Intervention
7.3 Prävention

8. Fazit

Literatur

1. Einleitung

Sexueller Missbrauch an Kindern ist nicht nur heute eine weit verbreitete Gewalttat. Sie reicht bis hin zu den antiken Hochkulturen der Griechen und Römer, die sich für ihre Lustgefühle Kinderbordelle errichteten. Den wahrscheinlich frühsten Hinweis auf sexuellen Missbrauch zeigt eine ca. 5000 Jahre alte Tontafel der Sumerer, auf der geschrieben steht: “(Der Gott) Enlil sprach zu (Göttin) Ninlil von Beischlaf. Sie will nicht. Meine Vagina ist zu klein. (...) Meine Lippen sind zu klein “(Deegener, Günther, 1998, S.43).

Von dieser bis zur heutigen Zeit, hat sich das Verhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern geändert. Zumindest in den Industrieländern wird versucht, Kindern vor Gewalttaten zu schützen. Jedoch werden in vielen Gebieten weltweit - auch in Deutschland - Frauen und Mädchen „als Ware, als Tauschgegenstand, als Sexualobjekt betrachtet und behandelt“ (Deegener, Günther, 1998, S.50).

Allein in Deutschland sind im Jahre 1999 ca. 20000 Kinder missbraucht worden, wobei die Dunkelziffer noch höher geschätzt wird. Dieses ist damit zu erklären, dass sehr viele Missbrauchsfälle innerhalb der Familie vorkommen, vor dem sozial - gesellschaftlichen Umfeld verheimlicht werden und so strafrechtlich nicht verfolgt werden können (vgl. Menzel, Harald, 2005).

In den letzten Jahren sind viele Berichte über sexuellen Missbrauch veröffentlicht worden, wodurch einige Menschen für dieses Thema sensibilisiert wurden. Es traten Fragen wie „Wie kann ich verhindern, dass mein Kind missbraucht wird? Woran kann ich erkennen, dass mein Kind oder ein anderes missbraucht wird und wie kann ich helfen?“ (Deegener, Günther, 1998, Seite 11) auf.

In meiner Arbeit möchte ich mich mit einem in der Gesellschaft tabuisiertem Thema auseinandersetzen und unter anderem die oben genannten Fragen beantworten. Ich möchte Menschen zu diesem Thema aufklären, damit sie Hilfe suchende Signale von Kindern besser verstehen und deuten können, sowie Ratschläge geben wie man sexuelle Gewalt vorbeugen kann. Außerdem werde ich über mögliche Folgeschäden und Symptome von sexuellem Missbrauch berichten, wie man am besten mit einem missbrauchten Kind pädagogisch handelt und es somit vor möglichen, weiteren Schäden bewahrt.

2. Definition

Der sexueller Missbrauch Minderjähriger ist eine gezwungene, sexuelle Handlung an/mit einem Kind. Jedoch sind in vielen Literaturhinweisen keine eindeutigen Definitionen zu finden, da es einige Punkte gibt, die verschieden betrachtet werden, zum Beispiel die Altersspanne. Die Altersspanne ist eine der drei Bedingungen, die Anhaltspunkte darstellen, um bei einer sexuellen Handlung zwischen einem Erwachsenen und einem Kind, von sexuellem Missbrauch reden zu können. Die drei Bedingungen sind:

1. ein großer Alters- und/oder Reifeunterschied zwischen zwei Personen
2. eine Ausübung von Autorität, die von Erwachsenen oder einer anvertrauten Inobhutnahme ausgeht
3. eine gewaltsame oder getäuscht ausgeübte Handlung an einem Kind (vgl. Ullmann, Elisabeth/ Hilweg, Werner (Hg.), 1997, S. 117)

Sexuelle Übergriff werden nicht nur durch Bedingungen zu definieren versucht, sondern sie werden durch manche Wissenschaftler noch in Intensitätsgrade unterschieden. Mit den Intensitätsgraden wird probiert, die Schwere einer sexuellen Handlung einstufen zu können. Sie lauten:

1. Zu den leichteren Formen von sexuellem Missbrauch gelten Exhibitionismus, anzügliche Bemerkungen, das Kind gegen seinen Willen beim Baden oder Anziehen zu beobachten, das widerwillige Anschauen von Pornografie. Bei dieser Art von sexuellem Missbrauch kommt es zu keinem Körperkontakt.
2. Unter intensiven Missbrauchhandlungen versteht man zum Beispiel, sexualisierte Küsse, das Berühren der Brust oder der Versuch die Genitalien des Kindes anzufassen.
3. Die intensivste Form des Missbrauchs ist die versuchte oder vollzogene orale, anale oder vaginale Vergewaltigung.

In manchen Literaturhinweisen ist ein weiterer vierter Intensitätsgrad aufgeführt: Die Vergewaltigung als akut erzwungener Verkehr (vgl. Oerter/ Montada, 2002, Seite 807ff).

Die Opfer von Gewalt sind meistens Kinder, welche beim sexuellen Akt keinen gleichberechtigten Partner vorweisen und von Erwachsenen in allen wichtigen Angelegenheiten abhängig sind. Die Täter nutzen ihre Macht- und Autoritätsposition, sowie die Abhängigkeit des Kindes aus (vgl. Deegener, Günther, 1998, Seite 22ff).

3. Häufigkeit und Prävalenz

Zahlreiche Untersuchungen in Amerika und Europa haben ergeben, dass jedes ca. dritte Mädchen und jeder ca. siebte Junge sexuell missbraucht wird. Aus den Untersuchungen ging ebenfalls hervor, dass 80 bis 90 Prozent der Täter männlich sind und 10 bis 20 Prozent weiblich (vgl. NEIN!!! Gemeinsam gegen Kindesmissbrauch, Stand:02.08.2005). Von den missbrauchten Mädchen geht die Gewalt etwa zwei bis drei Prozent vom leiblichen Vater aus und das Risiko vom Stiefvater oder Pflegevater missbraucht zu werden ist deutlich höher (vgl. Oerter/ Montada, 2002, Seite 809f).

Am gefährdetsten sind Kinder im Alter von sieben bis dreizehn Jahre und in 20 Prozent der Fälle sind noch jüngere Kinder betroffen (vgl. Ullmann, Elisabeth/ Hilweg, Werner (Hg.), 1997, Seite 118f).

Einmaliger sexueller Missbrauch erfolgt in 90 Prozent der Fälle durch Fremde und 2/3 der Täterschaft stammt aus dem Bekannten- und Freundeskreis. In 15 Prozent der Fälle dauert ein Missbrauchfall zwischen 1-9 Jahren und geschieht durch nahe Angehörige (vgl. Deegener, Günther, 1998, Seite 34ff).

Nach deutschen Untersuchungen beträgt die Prävalenzrate bei Frauen und Mädchen 6 bis 25 Prozent und bei Männern und Jungen 2 bis 8 Prozent. Die große Variabilität entsteht durch die vielen unterschiedlichen Definitionen, der Bestimmung der Altersdifferenz und dem Verständnis von sexuellem Missbrauch. Manche schließen bei sexuellem Missbrauch Exhibitionismus und Handlungen ohne Körperkontakt mit ein und andere wiederum nicht.

Bei höheren Prävalenzraten besteht eine geringe Altersdifferenz und sexueller Missbrauch ohne Körperkontakt wurde mit eingeschlossen. Es wird vermutet, dass die Ergebnisse aus Untersuchungen eher Unterschätzungen sind. Man muss bedenken, dass bei einer einmaligen schriftlichen Befragung nicht jeder gleich fähig ist, über seine Gewalterfahrungen zu schreiben (vgl. Oerter/ Montada, 2002, Seite 809f). Des Weiteren kommt hinzu, dass bei innerfamiliären Missbrauch die Geheimhaltung sehr verbreitet ist um die Familie zusammen zu halten. Sexueller Missbrauch findet man gehäuft in Familien mit einem „niedrigen sozioökonomischen Status, Armut, sozialer Isolation oder durch Scheidung gestörten Familienverhältnissen“ (Steinhausen, Hans- Christoph, 1988, Seite 253).

4. Täter

In der Regel ist der Täter männlich und stammt aus den unterschiedlichsten Schichten. Es kann sowohl ein Erzieher, Arzt, Therapeut, Opa, Bruder, als auch Freund, Nachbar oder der eigene Vater des Opfers sein .

Oft weist die Persönlichkeit des Täters eine oder mehrere Probleme auf, die unter anderem folgende sein können:

1. Aggressionen
2. negative Selbstwertgefühl
3. oder Unfähigkeit eine Beziehung einzugehen.

Der Täter besitzt meist eine emotionale Entwicklungsverzögerung und ist nicht in der Lage oder weigert sich mit einem gleichaltrigen Partner eine Beziehung einzugehen. In Betracht zu ziehen ist ebenfalls, dass der Täter in seiner Kindheit eventuell selbst Opfer von sexuellem Missbrauch gewesen sein kann und versucht, durch den Rollenwechsel seine Opfererfahrungen zu bewältigen oder sich zu rächen (vgl. Bundesarbeitsgemeinschaft Prävention und Prophylaxe e. V., Stand: 04.01.2005)

Ein Mensch, der zu einer solchen Handlung fähig ist, wird auch von gesellschaftlichen Faktoren beeinflusst. Heutzutage setzen die Medien in Werbungen und Filmen oft auf erotisierte Darstellungen, um mehr Rezipienten zu erreichen und zu beeinflussen. Dadurch erhöhen sie die Verkaufszahlen, denn sie verkaufen die Sexualität als Ware.

Sexualität wird von der Gesellschaft akzeptiert und unterstützt vorwiegend aggressives Verhalten der Männer (z.B. Pornografie). Während früher die Pornografie tabuisiert wurde, verbreitet sich diese Branche in der heutigen Zeit. Nicht nur Erwachsene arbeiten in der Pornografie, sondern auch in vielen Ländern der Welt werden Kinder dazu gezwungen - auch hier in Deutschland (vgl. Bundesarbeitsgemeinschaft Prävention und Prophylaxe e.V., Stand: 04.01.2005).

Ein weiterer Faktor, der Täter vor dem sexuellem Missbrauch nicht abschreckt, ist das geringe Risiko der Strafverfolgung. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass es nur in zehn Prozent der Fälle zu einer gerichtlichen Hauptverhandlung kommt. „Davon wiederum enden nur ca. zehn Prozent mit einem Schuldspruch des Täters, der nur in weiteren zehn Prozent in einer freiheitsentziehenden Maßnahme endet.“ (NEIN!!! Gemeinsam gegen Kindesmissbrauch, Stand: 02.08.2005).

Die meisten Täter zeigen oft Verhaltensweisen und auffällige Merkmale, die einen Außenstehenden erkennen lassen, dass diese Person „Etwas“ plant. Die ersten Anzeichen für sexuelle Neigungen zu Kindern ist beispielsweise das Sammeln von Kinderpornografie und - erotik, sowie Presseberichte über sexuelle Straftaten. Neben dem Sammeln sind ist der potentielle Täter ständig unterwegs, um Kinder zu fotografieren, filmen oder ihnen kleine Geschenke zu machen.

Der Täter verbringt den größten Teil seiner Zeit mit Kindern und schafft bewusst Situationen, in denen er alleine mit dem Kind sein kann. Er lädt sie nach Hause ein und versucht, durch spielerische Weise, wie z.B. „Doktorspiele“, die Genitalien der Kinder anzufassen (vgl. NEIN!!! Gemeinsam gegen Kindesmissbrauch, Stand: 02.08.2005).

Die Öffentlichkeit glaubt, dass die Täter psychisch krank seien und ihre sexuellen Bedürfnisse nicht unter Kontrolle hätten. Sie werden oft als unattraktiv, krank und pervers dargestellt und besitzen weder gesellschaftlichen Erfolg, noch Ansehen. Diese weitverbreitete Meinung der Öffentlichkeit ist ein falsches Bild von Tätern, was dazu führt, dass der Täter nicht im Verwandten-, Bekannten und Familienkreis vermutet wird. Diese Vorstellung muss sich ändern, damit Täter, welche häufig aus dem Familienkreis stammen, frühzeitig entdeckt werden und ein potentieller sexueller Missbrauch vielleicht verhindert werden kann (vgl. NEIN!!! Gemeinsam gegen Kindesmissbrauch, Stand: 02.08.2005).

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, der angesprochen werden muss, dass auch Frauen zu Tätern werden können. Einer Frau wird in der Gesellschaft durch ihr Pflege- und Fürsorgeverhalten ein intensiverer Körperkontakt zum Kind zugestanden. Wenn die Öffentlichkeit erfährt, dass eine erwachsene Frau mit einem jüngeren - vielleicht auch pubertierenden - Jungen sexuellen Kontakt gehabt hat, wird es oft nicht sofort als sexuellen Missbrauch, sondern als „Einweihung ins Mannesalter“ angesehen. Es wird behauptet, dass er dadurch mit Erfahrungen beschenkt wird. Dieses ist jedoch ein falsches Verständnis, denn durch diesen sexuellen Übergriff, kommt es zu erheblichen Störungen in der psychosexuellen Entwicklung (vgl. Gegen Missbrauch e. V., Stand: 02.08.2005).

Es gibt verschiedene Arten wie eine Frau zur Täterin werden kann: 1. ist die „Liebhaberin“, welche vorpubertäre oder pubertäre Jungen und Mädchen missbraucht. 2. die vorbelastete Täterin wurde früher selbst schwer und lange missbraucht. Sie handelt alleine und wählt sich meistens eigene Kinder aus, im Gegensatz zur Mitwisserin und Mittäterin.

3. die Mitwisserin weiß Bescheid, dass das Kind z.B. von seinem zum Beispiel (Stief-)Vater missbraucht wird. Sie unternimmt jedoch nichts, da sie vom Mann abhängig ist und eventuell Angst hat, dass ihre Familie „auseinander bricht.“ 4. die Mittäterin steht unter dem Einfluss vom männlichen Täter und wird von ihm gezwungen, sich an dem sexuellem Missbrauch am Kind zu beteiligen.

So wie Täterinnen unterschieden werden können, so kann auch ein Täter unterschiedlich klassifiziert werden (vgl. NEIN!!! Gemeinsam gegen Kindesmissbrauch, Stand: 02.08.05)

4.1 Klassifikation der Täter

Nach Schätzungen gehören etwa 90 Prozent der Täter dem regressiven Typ an. Der regressive Typ orientiert sich sexuell primär auf Erwachsene, ist aber durch Kinder sexuell erregbar. Da er Probleme hat durch einen erwachsenen Sexualpartner befriedigt zu werden, greift er zur Beglückung auf Kinder zurück. In der Wissenschaft wird der regressiver Typ auch als Ersatzobjekttäter beschrieben.

Bei etwa zwei bis zehn Prozent richtet sich die primäre sexuelle Orientierung auf Kinder. Dieser Täter wird durch Erwachsene nicht oder nur kaum sexuell erregt. Dieser fixierte Typ ist auch unter dem Synonym „klassischer Pädophile“ bekannt.

Neben dem regressiven und fixierten Typ gibt es noch den soziopathischen Typ, der jedoch nur in Einzelfällen vorkommt. Der Typus, auch genannt sadistische Typ, benutzt die Sexualität als Mittel der Unterdrückung und empfindet nur wenig Emphatie für das Opfer. Wie es der Name bereits verrät, weist dieser Typ sadistische Neigungen im Bezug auf die Sexualität (vgl. Stangl, Werner, Stand: 10.08.05). Nach einer Studie am Deutschen Jugendinstitut in München verfolgen viele von ihnen trotz der vielen unterschiedlichen Klassifikationen von Tätern und Täterinnen meistens dieselbe Strategie.

4.2 Strategie von Tätern

Neben dieser Strategie gibt es noch andere, die auf unterschiedliche Weise ausgeführt werden. Der Täter kann den sexuellen Übergriff auf das Kind einerseits durch Androhung oder Ausübung von körperlicher oder psychischer Gewalt, andererseits durch vorgetäuschte Fürsorge oder Zuwendung erreichen. Die Strategie der Zuwendung wird häufig von Tätern ausgeübt, die aus dem innerfamiliären Bereich, und die Strategie der Gewaltandrohung von Tätern aus dem außerfamiliären Bereich kommen (vgl. Stangl, Werner, Stand: 10.08.05).

Zur Verdeutlichung wie Täter vorgehen, um sich Kinder zu nähern, werde ich nun im folgenden die Strategie der Zuwendung schildern. Am Anfang entwickelt der Täter das Interesse an Kindern und hat schon vorher Fantasien, in denen sie vorkommen. Er plant langfristig und systematisch und sucht nun gezielt nach einer Gelegenheit. Bei seiner sorgfältigen Auswahl achtet er auf Schwächen des Opfers, um diese auszunutzen. Nach seiner Wahl versucht er sich vorsichtig dem Kind zu nähern und es durch Berührungen zu verwirren. Er wird gegenüber dem Kind immer liebevoller und fürsorglicher, steigert aber gleichzeitig seine Missbrauchhandlungen an dem Kind. Seine langfristige Beziehung zum Kind probiert der Täter entweder durch Versprechungen oder Drohungen aufrechtzuhalten.

Durch den sexuellen Missbrauch wird das Opfer seelisch und körperlich verletzt und gleichzeitig von dem Täter verängstigt und unterdrückt. Dadurch kann es zu einem gespaltenem Verhältnis zwischen Mutter und Kind kommen.

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Details

Seiten
33
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638496209
ISBN (Buch)
9783638691628
Dateigröße
645 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v54404
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld – Fakultät Pädagogik
Note
1,3
Schlagworte
Sexueller Missbrauch Kindern

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Titel: Sexueller Missbrauch an Kindern