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Kultur im Austausch. Chancen und Grenzen des Zusammenlebens

Facharbeit (Schule) 2020 29 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Vorwort.

Einleitung

Gründe der Emigration

Migration und Emanzipation unter besonderer Berücksichtigung der Frau

Soziale Kontakte zur deutschen Bevölkerung

Das Leben in zwei Gesellschaften

Chancen und Herausforderungen einer diversen Gesellschaft

Chancen des Zusammenlebens

Grenzen des Zusammenlebens

Doppelte Halbsprachigkeit

Empirischer Teil der Fachwissenschaftlichen Arbeit

Umfrage mit dem Kinderschutzbund e.V

Interview mit dem Journalisten Hüdaverdi Güngör

Rassismus

Gibt es Diskriminierung heute immer noch?

Fazit

Literaturverzeichnis

Sammelbände

Internetseiten

Selbstständig erschienene Literatur

Vorwort

Durch die Entscheidung meines Großvaters im Jahre 1971 aufgrund der Kohlekraftwerke als Gastarbeiter nach Deutschland zu emigrieren, hat sich das Leben meiner Großeltern und die bisher nachfolgenden drei Generation völlig verändert. Das Thema "Deutschtürken" betrifft mich, meine Familie und circa 2.800.000 andere Bewohner in Deutschland, mit türkischem Migrationshintergrund. Anders als es meine vorherigen Generationen erleben mussten, sind die Mitbürger in der dritten Generation mittlerweile so offen und tolerant, wie in keiner der beiden Generationen vor uns.

Der eigene Bezug war ein sehr ausschlaggebender Punkt bei der Wahl meines Themas für die Facharbeit.

Durch eine Frage, welche mir von einem Schulkollegen gestellt wurde, fühlte ich mich persönlich verpflichtet, diese Ausarbeitung durchzuführen. Die Frage lautete: "In welchem der beiden Länder fühlst du dich eigentlich zu Hause?" Diese Frage hat in den Augen des Freundes keinen tieferen Sinn gehabt, jedoch musste ich trotzdem eine kurze Zeit überlegen, bevor ich antworten konnte. Meine Gegenfrage lautete: "Welches Elternteil hast du lieber?", weil mir diese Frage in meinen Augen äquivalent zur gestellten Frage erschien. Es konnte von beiden Seiten keine konkrete Antwort gegeben werden; und so fühle ich mich bis heute.

Einleitung

Kultur im Austausch – Der kulturelle Vergleich, wenn Menschen in ein fremdes Land ziehen: Chancen und Grenzen des Zusammenlebens; so lautet das Thema meiner Facharbeit. Diese wissenschaftliche Arbeit wird im Fach "Sozialwissenschaften" geschrieben und über einen Zeitraum mehrerer Wochen verfasst.

Für diese Aufgabestellung habe ich mich aufgrund der Aktualität dieser entschieden. Noch nie war das aufeinandertreffen von verschieden Nationen und Kulturen so aktuell wie in der heutigen Zeit; dies ist der Globalisierung zu verdanken. Durch die vielen Möglichkeiten, die den meisten Menschen offenstehen, kann jeder seinen Lebensweg selbst bestimmen und dort hin emigrieren, wo sie es für sich persönlich richtig halten. Die Globalisierung verflechtet die Welt miteinander und man könnte die Welt auch als ein großes Dorf bezeichnen.1 Der persönliche Bezug war ebenfalls ein großer Faktor bei der Auswahl meins Themas. Meine Familie ist nun mittlerweile in der dritten Generation in Deutschland gehören nun zu der Generation, welche sich nun komplett in Deutschland eingelebt hat und sich wohlfühlt.

In meiner Facharbeit möchte ich auf die Aspekte der Vorurteile eingehen, die Kultur im allgemeinen Vergleichen und Gründe für das Exil nennen.

Im empirischen Teil werde ich Umfragen vorbereiten und voraussichtlich in einem Kinder-Schutzbund e.V. einreichen und analysieren. Ebenfalls werde ich ein Interview mit dem deutsch-türkischen Journalisten Hüdaverdi Güngör durchführen und in den Kontext meiner Facharbeit mit einbeziehen.

Diese Arbeit hat die Intention zu informieren. Das Ziel der Ausarbeitung soll es sein, etwas mehr über die Problematik zu erfahren und diese mit dem dadurch erlangten Vorwissen daraufhin in die eigene Hand zu nehmen und zu bekämpfen; denn Deutschland soll ein fortschrittliches Land sein, ohne konservatives Gedankengut und das Ausschließen fremder Kulturen.

Gründe der Emigration

Im Jahre 2017 sind mehr als 250.000 Türken ausgewandert. Es wanderten junge, gebildete Menschen aus und zwar 42% mehr als im Vorjahr. Doch was sind die Gründe dafür?

Die Gründe für die Emigration aus der Türkei nach Deutschland sind ziemlich einfach und unkompliziert zu erklären. Mittlerweile gibt es in der Türkei kaum mehr Gründe dort zu bleiben. Es gibt keine Zukunftsperspektive für Menschen und die Kinder dieser.

Laut dem türkischen Journalisten Orhan Bursali gibt es in der Türkei ein schlechtes Bildungssystem und einen dafür zu großen Wettbewerb. Die Nachfrage für eine Schule mit besserem Ruf ist schlichtweg zu hoch. Es falle auf, dass Schulen immer schleichender zu „Koranschulen“ werden und die einzige Möglichkeit dies zu umgehen sei es, eine Privatschule zu besuchen; den meisten Familien fehlt dafür jedoch schlichtweg die finanzielle Freiheit.

Um die Unprofessionalität einer türkischen Zeitung zu präzisieren wird im Folgenden ein Zitat der türkischen Tageszeitung „Sabah“ eingebaut. Dieser Artikel wurde von dem türkischen Journalisten Mehmet Barlas verfasst und aus der Originalsprache ins Deutsche übersetzt. Der Journalist sagt nämlich: „Das Sinnvollste wäre, diejenigen, die unsere wunderschöne Türkei verlassen und im Ausland als Migranten leben wollen, auf ihre geistige Gesundheit hin zu untersuchen. ... Man könnte meinen, dass sie sehbehindert sind. Sie ignorieren, wie stark unser Land ist, das am 15. Juli [2016] einen Putschversuch erlebte und fast täglich einen erbitterten Kampf gegen den Terrorismus führt, und wie erfolgreich es seine Demokratie bewahrt. ... Mal sehen, ob ein reicher Türke, der sein Milliarden Dollar schweres Vermögen nach England transferiert, angesichts des Brexit begreift, was wirklich eine 'Krise' ist?“

Bei diesem Artikel werden jegliche Motive türkischer, junger Menschen außer Acht gelassen und unbegründet gehetzt. Nach Beachtung dieses Artikels ist es normalerweise bereits Grund genug, zu verstehen, weswegen junge Türken auswandern.2

Es ist perspektivlos. Jedoch haben diese Kinder ein schweres Schicksal. Durch die fehlende Bildung dieser, wird es schwer sich in einer anderen Gesellschaft zu adaptieren. Ihnen fehlen jegliche Qualifikationen für die Freiheit in ein anderes Land zu emigrieren und in diesem ihre Bildung fortzuführen. Sie werden ebenfalls keinen Beruf erlangen können, welcher in der Gesellschaft angesehen ist; der Norm entspricht. Die Selbstverwirklichung junger, türkischer Schüler und Studenten ist durch ein Vorkommnis eingeschränkt, welches zufällig ist und den Betroffenen keinerlei Chancen gibt: der Geburt in der Türkei.

Migration und Emanzipation unter besonderer Berücksichtigung der Frau

Emanzipation stammt vom lateinischen „emancipatio“ ab und bedeutetet so viel wie die „Freilassung eines Sklaven“.

In der aktuellen Zeit bedeutet Emanzipation, dass sich Gruppen loslösen von Klassenzugehörigkeiten, zugesprochenen Geschlechtern und die generelle Möglichkeit der Selbstverwirklichung.

Frauen hatten und haben noch immer in einigen Ländern nicht die Möglichkeit ihre Freiheit auszuleben.

Im Folgenden wird über die Migration und Emanzipation türkischer Frauen in Nordrhein-Westfalen aufgeklärt.

Das Leben in der Türkei war für viele Frauen nicht einfach. Von Problemen wie dem Verbot auf Bildung oder der Zwangsheirat waren viele geplagt. Aufgrund dessen hatten sie oft den Wunsch, sich von ihrer Familie zu trennen und in Deutschland ihr Leben fortzuführen.

Gründe für die Einreise nach Deutschland waren Wünsche wie die Verbesserung der Lebensumstände und laut Ursula Mihciyazgan: „Die psychische Mobilität von Menschen, die bessere Lebensumstände suchen, zeigt sich auch darin, daß nach einer Befragung im Jahre 1989 30,7% der Bevölkerung angaben, die Türkei sei das Land in dem sie leben wollten. An zweiter Stelle stand Deutschland, dafür sprachen sich 22.9% der Bevölkerung aus.“3

Doch getrennt von der Familie zu leben war für viele Frauen nichts fremdes. Diese Erfahrungen konnten oder mussten sie bereits sammeln, wenn der Beruf des Mannes oder des Vaters zu einem häufigen Ortswechsel führte oder die Schulausbildung weit von der Familie entfernt war.

Diese Erfahrungen hatten einen Einfluss auf das Einleben dieser Frauen in Deutschland, da Frauen mit der Lebensform der vielen Ortswechsel mehr Selbstbestimmung und Selbstständigkeit zur Schau stellten.

Das Leben in Deutschland jedoch fortzuführen fiel den Frauen schwerer als erwartet. Da in Deutschland die Bildungsstandards höher waren und noch immer sind, war es schwer, hier einen Anschluss zu finden. Somit war die Selbstverwirklichung nur begrenzt möglich, aufgrund der fehlenden Bildung.

Zur Veranschaulichung dieser fehlenden Bildung, sieht man im folgenden eine Tabelle aus dem Jahre 1985, welche den Bildungsstand der türkischen Frauen (ab dem 6. Lebensjahr) im nationalen vergleicht.4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Tabelle expliziert die fehlende Bildung der Frauen ziemlich deutlich. Man sieht dass nahezu ein Drittel der türkischen Frauen Analphabeten sind/waren; für diese Frauen war die Selbstbestimmung kaum erst eine Möglichkeit, da es ihnen durch die fehlende Bildung in Deutschland schwer fallen wird oder keineswegs eine sichere Option darstellt, sich in Deutschland vollständig zu integrieren. Man kann erkennen, dass Männer zwar keinen immensen Unterschied in der Bildung haben, jedoch ist dieser Unterschied da; gleichgültig ob die Differenz auffällig ist. Dies könnte an der Benachteiligung der Frauen in der Türkei zu tun haben, da diese sehr selten von ihren Eltern unterstützt wurden eine Bildung durch die Schule zu erlangen.5

Durch die Forderung der Eltern keine Schule zu besuchen, gibt es auch in Deutschland noch den Teufelskreis, dass bildungsferne Schichten in diese hineingeboren werden und mit nur sehr viel Aufwand sich dort heraus arbeiten können. Um die Familie finanziell unterstützen zu können, werden die Kinder dieser nur sehr vereinzelt Abiturienten oder Akademiker. Dies ist eine große Herausforderung der pluralistischen Gesellschaftsform und des Sozialstaates6, da es beispielsweise Gleichaltrige in der selben Stadt gibt, welche sich in keinem Punkt ihres Lebens über den Weg laufen werden. Diese Gesellschaftsform muss beseitigt werden, denn es ist ungerecht, dass man einen Lebensweg vorgeschrieben bekommt, ohne einen Funken der Selbstbestimmung. Dies geschieht generationsübergreifend und ist (abgesehen von Ausnahmefällen) nur sehr schwer zu bekämpfen.

Wenn man das Beispielphänomen des „Rosenthal-Effekt“ in Betracht zieht, wird man in der Hypothese der eingeschränkten Selbstverwirklichung unterstützt. Der Rosenthal-Effekt ist die falsche Wahrnehmung zweier Individuen, geprägt von Stereotypen. Wenn man dies an einem Beispiel fest machen möchte, des Lehrers und des Schülers erkennt man diese Problematik oft im Schulalltag. Der Lehrer wird durch bedeutungslose Aspekte ein Stereotyp für einen Schüler erschaffen; gleichgültig ob intentional oder nicht. Durch diese Stereotypen fühlt sich der Schüler stigmatisiert und erkennt keinen Ausweg dort heraus. Durch die Vorurteile sieht der Schüler keinen Sinn, sich in seiner Laufbahn anzustrengen, da er denkt, dass er prinzipiell schlechte Noten erlangen wird; ob er sich anstrengt oder nicht. Durch die fehlende Anstrengung fühlt der Lehrer sich bestätigt und ist nun gerechtfertigter Weise in der Lage dem Schüler die schlechte Note zu geben.7

Soziale Kontakte zur deutschen Bevölkerung

Bezogen auf die Frage, wie die ersten Kontakte und Berührungen von Emigranten mit der deutschen Bevölkerung waren, weist Burkhard Schade8 darauf hin, dass die Ergebnisse sehr unterschiedlich waren. In dieser Aussage bezieht er sich auf die Umfrage EMNID (1983).

In dieser Umfrage wird von 96% der Befragten angegeben, dass der erste Kontakt gut verlaufen sei. Daraufhin verweist Schade auf Dieter Danckwortt, dessen Ergebnisse anders lauteten; seine Untersuchungen führten zu weitaus weniger Prozentzahlen.

15% gaben hierbei an, keine deutsche Familie zu kennen. 85% gaben an, Kontakt zu deutschen Familien zu haben. Diese Ergebnisse und Kontakte waren unterschiedlich, je nach Herkunftsland. Beispielsweise gab es keinen Inder, der keinen Kontakt zu einer deutschen Familie hatte, wohingegen nur 11% der Indonesier, 12% der Ägypter, jeweils 15% der Jordanier und Afrikaner und 29% der Iraner zu einer deutschen Familie bekannt seien. Die Art und Intensität ist ebenfalls unterschiedlich geschildert worden, da in den jeweiligen Universitätsstädten auch ein unterschiedliches Maß an Aufgeschlossenheit gegenüber Ausländern vorhanden war.9

Nach Prodosch Aich10 sind diese Kontakte von der Aufenthaltsdauer und der Beherrschung der deutschen Sprache abhängig.

Was auffiel: Ausländische Studenten knüpften dabei zumeist Kontakt zu den gehobenen Schichten, wobei sie normalerweise jüngeren Ehepaaren oder älteren Ehepaaren mit Kindern bevorzugten.

19% der Befragten sind nach Aich durch die Freundin in die Familie eingeführt worden; 17% durch Bekannte.

Nach Aich gäb es in Deutschland also eine generelle Kontaktbereitschaft zu Ausländern.

Dieter Breitenbach erwähnt in seiner Zusammenfassung über „soziale Kontakte als Medium der Anpassung“, dass die Stärke des sozialen Kontakts mit Angehörigen des Gastlandes offensichtlich in erster Linie vom nationalen Status der ausländischen Studenten, darüber hinaus auch im starken Maße von den situativen Möglichkeiten der Kontaktaufnahme, die das Gastland biete.11

Grieswelle Untersuchung ergab, dass mehr als ein Viertel (28,7%) der Befragten nicht verheirateten Studenten, eine feste Bindung zu einer deutschen Freundin oder einem deutschen Freund unterhielten.12 Die absolute Mehrheit von 71,3% verfügte nicht über eine feste Bindung.

[...]


1 Quelle: siehe Unterricht

2 Bursali, Orhan; Bellanger,Anthony; Barlas, Mehmet: Was treibt die jungen Leute ins Exil?https://www.eurotopics.net/de/213031/tuerkei-was-treibt-die-jungen-leute-ins-exil# [Stand: 18.02.2020]

3 Mihciyazgan, Ursula: Wir haben uns vergessen, Hamburg 1986, S.342-43. Vgl..: Tekeli, Sirin: Frauen in der Türkei der 80er Jahre, in: Tekeli/Neusel/Akkent: Aufstand im Haus der Frauen Berlin 1991, S.30

4 Quelle: TÜSIAD (Hrsg.): Türkiye'de Egitim; Sorunlar ve Degisme Yapisal Uyum Önerileri, Istanbul 1990, S.37

5 Quelle: siehe Fallbeispiel eigener Mutter

6 Quelle: siehe Unterricht

7 Quelle: siehe Unterricht

8 Schade, Burkhard: „Das Studium im Ausland als psychologischer Prozeß“, H. Bouvier und Co. Verlag, 1988

9 Abu Laila, Yousef: Integration und Entfremdung – Zur Situation ausländischer Studenten in der Bundesrepublik Deutschland. 1981

10 Aich, Prodosch: „ Farbige unter Weißen“, Köln/Berlin 1962

11 Breitenbach, Dieter: „Auslandsausbildung als Gegenstand sozialwissenschaftlicher Forschung“, Verlag der SSIP-Schriften , Heft 20, Saarbrücken 1974

12 Grieswelle, Detlef: „Studenten aus Entwicklungsländern“. Eine Pilot-Studie, München 1978

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